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Nr. (9 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)Montag, 24. Zanuar (927

Das Rheinland als Tummelplatz des franzöfifchen Militarismus.

Don Dr. Sari Mehrmann-Koblenz.

DaS ist daS befehle Gebiet ein Tummelplatz deS französischen Militarismus. Dicht nur für die terren Aouzier. die in der Maste deS Zivils chirsjübungcn auf harmlose Deutsche reranstallen; nicht nur für die Herren M a g i n, die auS lauter Äeutralitat für den Dortenschen und anderen Separatismus Partei nahmen- nicht nur für die Herren Mordacq, die mit Kolonialn.c.hoben durch Marokkaner den Dheinländern morcs und cullurc beibringrn zu mässen glaubten. Sondern auch für die ganz, ganz ernsthailen, für die aller­höchsten Militärautoritüten- den sranzö i chcn Ge- neralstab. den Marschall Foch. Schon am 28. Ao- vember 1918, also nach kaum gewonnenem .Sieg", erklärte der französische OberbefehlshaberAus dem linken Rheinufer kann cS keine neutralen Staaten geben. Die ganz: Bevölkerung aus diesem Ufer muh imstande sein, die Massen gegen die deutsche Gcsahr zu ergreifen.....

Es wird Sache deS FricdcnsverlrageS fein, die politisch« Organisation der wieder mit dem Sch d- fal deS kontinentalen Westen» verbundenen Be- völkerungen ^Luxemburg. linksrheinische Gebiete) festzulcgen. sie zu verhältnismäßig unabhän­gigen Staaten zu machen oder als solche zu erhallen. Dtchtsdestoweniger muh die'e Organi­sation daraus hinauSgehen. daß die Bevölkerungen im gegebenen Augenblick eine deutschgegne- r isch e Politik treiben und militärisch g e g e n Deutschland Vorgehen. Folglich müssen die wehr- fähigen Männer schon in FriedcnSzeiten und In einem der Einwohnerzahl entsprechenden De» hältniS zu Truppen organisiert sein, die im Kriegsfall zum Kamps gegen Deutschland sicher brauchbar sind."

So berichtet Tardieu in2a Paix", Seite 214. Man beachte die rührend? Fürsorge deS französi­schen Obcrbcschlshab rs für den männlichen Teil der rheinischen Bevölkerung. Wenn wir uns recht erinnern, wurde der Krieg von der Entente zur Befreiung der Welt (und zu der gehört doch wohl auch daS Rheinland) von demver­fluchten" preuhischen Militarismus geführt. Der erste Gedanke bes Marschalls Foch nach dem Waffenstillstand von Cornpiegne Ll dagegen, wie er die wehrfähigen Männer des linken Rhein- uferS mit dem Kriegsdienst beglückt. Wohl­gemerkt : a l s Landsknechte des fron* zösifchen Militarismus, als Kanonen­futter gegen ihr angestammtes deutsches Dater- land.

Marschall Foch hat weiter in einer Rote vom 10. Januar 1919 aus seinem Drohen Haupt­quartier seine Gedanken über die militärische Behandlung des linken Rheinufers niedergelegt, unb in dieser Form sind sie dann inhaltlich in die Denkschrist der französischen Regierung vom 25. Februar 1919 übergegangen. 3n einer . Schluh- folgerung" sorderle im Einklang mit Foch die Denkschrift der französischen Regierung, dah die deutsche Westgrenze an den Rhein verlegt und die Rheinbrücken besetzt werden.

Es ist zu der von Foch und Poincarö-Clemen- ceau verlangten Abreihung des linken Rheinusers vom Deutschen Reich unter b;m Widerspruch Wilsons und Lloyd Georges nicht gekommen. Frankreich muhte sich mit einer Besezung des linksrheinischen Gebietes für 15 Jahre begnügen, und der damalige französische Ministerpräsident muhte sich gegen den Widerstand deS Präsidenten der Republik Poincarö am 18. Juni 1919 sogar der moralischen Verpflichtung in einet feier» ichenErklärung", die von Wilson. 2loyd George und Elemenceau unterzeichnet wurde, verstehen: Wenn Deutschland zu einem früheren Dalum Beweise seines guten Willens und befriedigende Garantien gegeben hat. die Erfüllung feiner Ver­pflichtungen zu sichern, dann werden die alliierten und assoziierten Mächte vereint bereit sein, unter­einander zu einem Abkommen über eine frühere Beendigung der Lklupationsperiode zu geling.'n." Dieses Zugeständnis der sranzösischen Regierung, dah beim Ersüllungswislen Deutschlands eine vor­zeitige Räumung deS besetzten Gebiete» möglich fei. hat dann im Versailler Diktat feinen Aus­druck in Art. 431 gesunden:Wenn Deutschland vor dem Ablaus des Zeitraumes von 15 Jahren allen Verpflichtungen genügt, welche ihm aus dem

Gberhessischer Runfiverein.

Die gegenwärtig lausende Ausstellung der Elsässer Künstlergruppe ist ergänzt worden durch eine Anzahl von Entwürfen des Düsseldorfer Professors Karl W a ch. Es handelt sich zunächst um vier handgearbeitete Gobelins aus den Kam­merberger Werkstätten von Wach, sodann um Zeichnungen und Originalmodelle zu seinem Ent­würfe eines Reichsehrenmals auf den Rhein- infein bei 2orch.

Unter den Gobelins fassen wir zunächst den Entwurf einerFlora" von Sepp Frank (Mün­chen). einem unserer bedeutendsten Graphiker, ins Auge. Das Motiv ist in dem gleichen hiera­tisch-monumentalen Stil ausgefaht und gestaltet, der Frank auszeichnet und unter zahllosen an­deren unverkennbar heraushebt. Auherordentlich fstücklich ist die beherrschende Figur eines uns remd und unpersönlich gewordenen Mythus in den weiten Raum hineinkomponiert, und zwar ebenso dekorativ und den besonderen Erforder­nissen eines Wandteppichs angemessen, wie groh- zügig und bildhaft. Die Gestalt wird auf eine meisterhafte Weise durch ornamental behandelte Gewandleile und botanische Motive gewissermahen vergröbert und stilisiert. Von stimmungsreicher Feinheit erscheint die Farbenzusammensteltung. die sparsam und zugleich eindringlich wirkungs­voll ist. Besonders auf den großlinig um die Gestalt gelegten Faltenwurf des tief roten Schleiers auf lichtblauem Grunde sei hier das Augenmerk gelenkt. Die Körperprvponionen. insbesondere daS Verhältnis von Kopf zu Rumpf, entsprechen dem charakteristischen Jigurentypus bei Frank. Ein wenig überraschend erscheint die relie,artig maskenhafte Behandlung des Kopfes. Das Ganze: eine bei aller Schlichtheit prunkvolle und sehr vornehme Arbeit.

Ein ebenfalls mythologisches Motiv behan­delte der von Professor Münzer in Düsseldorf entworfene GobelinOrpheus". Auch hier fällt ein seines Kolorit und die sehr straffe Kompo­sition sofort ins Auge, obwohl gegenüber der beherrschten, großen Linie bei Frank eine zu- faimnengcörängte Vielheit in den farblichen und

gegenwärtigen 03ertrag: erwachsen, so werden die DesahungStruppen sofort zurückgezogen"

Damit ist klar und deutlich festgelegt, dah Frankreich das ganze Rheinland räumen muß, wenn Deutschland seinen guten Willen bekundet. Das Deutsche Reich hat die Beweise dafür ge­liefert: auf dem Rcparalionsg biet durch den Dawcs-Pakt: zur Beseitigung der franzöfi- fchen Angstpsychose durch das Locarno-Ab­komm en und den Eintritt in den Völker­bund: in militärischer Hinsicht durch den m.t der Räumung KclnS, von der Bot'chaftcrkonsercnz am 6. März 1923 und zuletzt auf der Genfer Dezembertagung von der Entente anerkannten Vollzug der Entwaffnung.

Trotzdem widersetzt sich die französische Gene­ralität der Räumung, und sie ist dabei sicherlich dcS Beifalls des Ministerpräsidenten Poincare gewiß. Seit Jahresanfang hat dasEcho de Paris" eine Reihe hervorragender französischer Generäle zu Kundgebungen veranlaßt, und alle diese Aeußerungen gehen dahin: das besetzte Ge­biet darf wegen der Sicherheit Frankreichs nicht geräumt werden 3n einer Auslassung, die all­gemein als die Auslassung des französischen ®cnc- ralstabes angesehen wird, wird von dem Pari'er Blatt versichert, daß die drei Gebirgssvstemc des Rheinlandes, die Eifel, der Hunsrück und die Hardt, einen erstklassigen Verteibigungs- block darstellen, der im Falle eine» Krieges dem sranzösischen Oberkommando Zeit lasse, da» Gros seiner Etrcitkräste im rheinischen Aufmarschgebiet zu konzentrieren

Das ist klar und unmißverständlich, aber es verstößt aus- allcrgröbfte gegen das Der- tragsrecht. auf des len Beobachtung, wenn sie Deutlchland abgcsordcrt wird. Frankreich sonst den allergrößten Wert legt. Wir Deutsche haben nicht den geringsten Anlaß, von dem klaren Recht auf sofortige Räumung auch nur einen Tüttel auf zugeb. n Wir appellieren an die juristische Autorität des Art. 431 und an die moralische Verpflichtung des Dokumentes vom 16. 3uni 1919. Wir tun da» um so mehr, al» selbst Pertinax in diesen Tagen auf die mora­lische Bindung der Entente vom 16. 3uni 1919 aufmerksam gemacht hat. Aus Grund deS Rechts- und Moraltitels lehnen w.r Deutsche auch jedes Singehen auf di? sranzösi che Sorbetu falls daS Rheinland doch geräumt werde, dort eine besondere militärische Dauerkon- trolle durch sogenannteelements Stahles ein­zuführen. Diese Dauerkontrolleure würden die Vorherr'chast deS französischen Militarismus am Rhein begründen und die Rückkehr der vollen Reichs-Souveränität ausschalten. Für sie bietet das Versailler Diktat nicht eine Spur von Andeutung. DaS besetzte Gebiet steht In der Frage der Milltärkontrolle nicht im geringsten anders da als daS unbesetzte Deutschland. Wenn es für dieses genügt, von Fall zu Fall eine Dölke» bundskontrolle anzurufen, fo darf das vielgeprüfte Rheinland um nichts schlechter stehen. ES hat es satt, Tummelpatz des französischen Mlli- tarismus zu fein.

Don Prof.

Rie vergesse ich meinen ersten Eindruck, als wir im Dezember 1920 in Schanghai ans Land fliegen. Der englische Zollbeamte, der unser Ge­päck revidierte, versetzte einem der sich heran­drängenden chinesischen Kulis einen so wohlgeziel- ten Fußtritt auf das Gesäß, daß er wie ein Schwimmer kopfüber auf einige Säcke flog. Ob­wohl der Betroffene sich grinsend zu neuer Kon­kurrenz erhob, hatte ich besonderes Mi gefühl, weil ich körperlich ein Menschenalter früher ein ähnliches Erlebnis gehabt hatte: ich war im Harz ein paar Meter abgestürzt, mein Kommilitone hinter mir her. und seine Absätze hat.en einen liefen Eindruck auf mich gemacht. Aber die Reihen­folge der Ereignisse war umgekehrt, die mensch­liche Würde blieb gewahrt. 3m franzö'iichenIndo­china war es schlimmer gewesen: mit der Reit­peitsche wurden in Stock die armen Kulis trak­tiert, während dieser Engländer, in den Händen unsere Papiere, im Munde die Stummelpfeife, keinerlei Haß zeigte, sondern nur arbeitend auch mit den geübten Beinen den Reifenden diente. Weniger erheiternd freilich als auf den Kuli­schwarm, der demKollegen" die Riederlage gönnte, wirkte der Vorgang auf unsere drei chinesischen Begleiter. Akademiker, die in Deutsch­land studiert hatten.Das können Sic hier oft sehen", sagte einer von ihnen, ein Mediziner, mit tiefer Erbitterung.

Eine solche erste Anschauung verhilft besser als dicke Bücher über China zum Verständnis der jungchinesischen Bewegung, die heute von Kanton ausgeht. Roch steht der mittlere 3angtse mit Hankau im Vordergründe des 3nteresses. Seine Weltbedeutung und damit seinen politischen Wert aber erhält ein jeder Strom nur durch feine Mündung, ohne dessen Besitz auch das 3angtfe- Becken ein rein strategischer Begriff chinesischer Marschallskriege bleiben müßte. Das weiß jeder Chinese.Schanghai ist unsere Pforte, und wir haben den Schlüssel nicht", klagte uns r chinesischer Gastgeber, als wir zusammen die crftei Haifisch­flossen verzehrten. Don Schanghai ging auch dir jetzige Empörung aus, in Schanghai wurden gegen sie die ersten englischen Schüsse abgcg:bcn. Ohne Schanghai können die Kantonesen an dir Gebiete nördlich des 3angtfe gar nicht denken. Richt um Peking geht es zunächst, sondern um Schang - h a i mit seinen 20 000 Fremden (vor zw.i 3ah» zehnten erst 12 000), die sich denn auch ahnungs­voll zur Abwehr rüsten, mit besseren Mit eln als in Hankau. wohin nur Kanonenboote und Zerstörer hinauf können.

(ehern. Rational Mniversith Peking).

China» Reuyork, wie Schanghai heißt, ver­dankt seine Entwicklung freilich den gehaßten Briten, die es 1844 für den freien Welthandel öffneten. Die Selbstherrlichkeit der Frcmden- Riederlassung. zuerst einer englisch-amerikanischen, datiert von 1S63, dem Geburtsjahr dervölker­rechtlich" sestgclrgt.'n Exterritorialität der Weißen. Den britischen Vorsprung haben dort nicht einmal die Vereinigten Staaten einholen können, wenn­gleich im letzten 3ahrzehnt zahlenmäßig die Ja­paner an die erste Stelle gelangt sind. Briti­scher Besitz, briti ches Kapital (Hongkong-Schang- Hai-Bank, und britische Industrie (nicht nur etwa Spinnereien) überwiegen bei weitem. Schanghai ist eines der stolzesten und bisher sestesten Denk­mäler der englischen Kolonialgeschichte. 3m Ge­meinderat des Settlements hat England stets die Majorität und fast stets den Vorsitz, der nur viermal an Amerika verloren ging. Von einem Briten wurde immer die Polizei kommandiert, die neben 50 Weißen mehrere hundert Inder und 1200 natürlich ebenfalls von den Fremden bezahlte Chinesen umfaßt Unersetzlich sind die betutbanten indischen Sikhs: groß, stark, dunkelbärtig, undurchdringlich im Antlitz und von einer geradezu unnatürlichen Ruhe mitten in Streik-Strömungen und Auto-Wirbeln. Mm was eS jetzt In China geht, das weiß jeder, der auch nur einmal durch seine Straßen gefahren ist. vorüber an den hochragenden Fassaden der Dan­ken, Industrie-Konzerne. Fabriken und Hotels. So leicht wie Im Taiping-Ausstand 1853 und dann 1861 wird die Verteidigung diese- Mal den Angelsachsen nicht werden. Mnb keine Deut­schen sind heute an dieser Front als Blitzableiter für den Haß der gelben Rasse.

Aber auch die Kantonesen werden erst jetzt merken, daß ihre Arbeit noch in den An­fängen steckt. In Schanghai stößt mit ihnen der russische Bär auf den britischen Löwen. Wa» die Sowjets im Binnenlande vermochten, dürfte Urnen am Meere sauer werden. Für ihre kom­munistischen 3deen ist innerlich ja doch kein Chi­nese zu haben. 3m Rorden muß Kanton früher oder später an 3 apan scheitern, solange es mit den Bolschewisten geht. Zu dieser Erkenntnis gehört wirklich keine prophetische Gabe. Mnb im republikanischen China hat bisher noch immer die Partei den kürzeren gezogen, bie sich nicht auf ihren engsten Heimatbezirk beschränkte, also großchinesischen Ehrgeiz zeigte. Zur dauernden Zentralisierung ist China zur Zeit nicht reif, da seinen Massen noch das staatsbürgerliche Be-

Schanghai.

Dr. Waldemar Oehlke

figürlichen Mitteln ausgewendet wird. Der Gestalt des Leierträgers ist hier eine zum mindesten eigenartige Auffassung verliehen: man könnte sich den Orpheus sehr wohl ein wenig gelöster lyrischer und minder heroisch vorstellen.

Gänzlich auf ornamentale Wirkung bedacht ist ein Projekt von Professor Langer (Düssel­dorf), der sich eine Schäferszene zum Vorwurf genommen hat, das Motiv jedoch zugleich allen Rokokoanklängen, wie auch einem vielfach über­kommenen. antik-idyllischen Stll einigermaßen ferngerückt hat. Die Hirtens?ene ist tafelbild­artig, flächig und breit entwickelt, in den Farben zurückhaltend, im Figürlich-Linearen aufgehend. Der Raum ist auch hier für unser Empfinden wenn man die bildmäßige Komposition im Auge hat ein wenig überfüllt und zu absichtlich auf die Geschlossenhmt des Ganzen hin angelegt.

Carnpendo n ck (Krefeld), bekannter Ex­pressionist. überträgt den geflissentlich primitiven Bilderstil, der ihn auszeichnet seine malerische Haltung ist typisch für eine ganz bestimmte expressio­nistische Abart auf den Gobelin in feinem EntwurfHirte mit Tieren". Es ist hier zu sagen, daß die ganz unbestreitbar von manchem seiner Bilder ausgehenden Wirkungen sich nicht gleich­wertig auf dem Gobelin hervorbringen lassen, son­dern eher den Eindruck der gewollten Einord­nung und entschiedenen Anarchie in Farbe und Form verstärken. Zum wenigsten wäre für diesen an sich nicht uninteressanten Entwurf wie aus naheliegenden Gründen auch für die übrigen eine sehr sorgsam abgeftimmtc Mmgebung zu fordern, die feinen Schmuckzwecken entgegenkommt. (3n der Ausstellung ist dies aus räumlichen Gründen nicht möglich.

Was die Entwürfe von Pros. Wach zu einem Reichsehrenmal angeht, so liegt es uns aus triftigen Gründen fern, bei dieser Gelegen­heit die sehr schwierige Frage einer gemeinsamen deutschen Gedenkstätte abermals aufzurollen. Wir müssen uns daraus beschränken, von der künstleri­schen Seite dieses Entwurfes zu sprechen, und nur davon. Wenn man von gewissen äußeren Einwänden absehen will, die durch die Insellage des Ganzen natürlich bedingt sind, so ist zu sagen.

daß die ganze Anlage sowohl, .wie auch ihre Cinzeltelle ein großzügiges und würdiges Bild geben, das sich übrigens au» den perspektivischen Ansichten uns Ha ter und übersichtlicher zu ent­wickeln scheint, als aus dem plastischem Modell, das mehr aus die Einordnung in die Mmgebung Wert legt Auch wer etwa einen anderen Stand­ort für ein künftiges Reichsehrenmal bevorzugen sollte, wird zugeben müssen, daß dieser Entwurf eine erwägenswerte Möglichkeit barstellt. Ins­besondere ist nicht zu verkennen, daß eben die Insellage zwar zu manchen Bedenken Anlaß gibt, aber zugleich auch den entschiedenen Vorteil einer gewissen Isolierung bietet, die aus inneren Gründen einer solchen Stätte durchaus zu wün­schen ist, sind die doch andererseits nicht gleich den ebenso unangebrachten Beigeschmack von welt- abgelegener Einsamkeit in sich schließt. Die architektonisch-plastische Gestaltung des Ehren- hofes und derHeiligen Straße" ist so groß« linig, ernst und schlicht, wie man sie für eine Gefallenengedenkstätte verlangen muß: dgs Ganze ist sowohl der gestreckten Inselform zwanglos angepaßt, wie dem eigentümlichen Landschafts­bild unaufdringlich eingegliedert.y

Winterbilder aus dem Engadin.

Don Reinhard W e e r.

Am Anfang war das Trinkgeld ...

Die Sache ist ganz einfach. Sie beginnt damit, daß man mit seinem Hotelportier spricht. Der leitet dann eine geheimnisvolle diplomatische Aktion ein, hält Pourparlers mit den Vertretern der anderen Großmächte, zu deutsch: den Portiers der anderen Hotels, antwortet eine Weile auf alle Fragen nach dem Ergebnis seiner Demarche aus­weichend, zeigt eine undurchdringlich wichtige Miene und überrascht dich eines schönen Mor­gens. wie du bei ihm die Post abholst, mit der Eröffnung, daß bei der Mannschaft des Bobs Old Pete" ein Platz zu vergeben sei, und daß man es sich zur Ehre anrechnen werde usw....

Du kannst die Sache auch anders beginnen, zum Beispiel durch direkte Einführung in einen

wußtsein fehlt. Denkbar ist einstweilen nur eine Zu ammensafsung sAbständiger BundeSstaaten. für die aber noch kein Mann al» Führer sicht­bar ist.

Mit Schanghai rücken noch andere Schwierig­keiten in die Rahe der siegreichen Kanwnesen. unangenehme Rachlarn. Mit der Insel For­mosa grei t Japan beinahe bi» nach Kanton selbst hinüber Einst (feit 1622) ein friedlicher Belitz der ostindischcn Konrpagme Holland-, da- zviscpcn zwe. Jahrzehnte span.Ich. ist d e c» E.- land, da» Para.ies der größten und schönsten Schmct.erlinge, kd 1895 so gründlich japanillert. daß neben der japanischen Bevölkerungöz:f,cr von 182 000 und der wci ten von 30 000 d e chi- nc i che für da- Festland sich nicht mehr durch­zuletzen vermag. Di: japanische Kont.olle ist so ei ern, daß n.cht einmal chi: elische Geld-Me^er- weisungen, etwa als Slreikhil en. nach de n Kon­tinent hin möglich find. Richt viel weiter von Kanton ent .ernt, taucht, so.ald der Kamps um Schanghai beg.nnt, ein anderer unangenehmer Rachrar aus: Amerika mit seine > Philip­pinen, von denen e» da» Kanton^Dllt. die Lehre der Selostoc^eiung der Völler, trry aller eigenen schönen Re.en ü.er We.tverbrüoe.ung ängstlich fern halten muß. Auch de ciaakn Haren seit 18JS n.cht- Amerikani che» auf ihrem asiatischen Inseloesitz versäumt. Ihr Motto ist dort, sie dürsten die christliche Zivilisation nicht gefährden, zumal sogleich Japan daS nehmen würde, was |ie zu Gunsten der E.ngerorenen etwa aufgc.cn wollten. W.e sagte doch ihr Se­nator Beveridge so schön schon 1399: Gott habe die Amerikaner nicht so mächtig gemacht, um ihnen nicht auch für die Philippinen da» Recht christlicher Beherrschung zu gc.cn. In Kanton- Ideen und zu einem rein national-chinesischen Schanghai stimmt da» a er schlecht.

Mi.llärisch allein kann die Mögl chkeit deS Er­folge» einer Volksbewegung w:e heute der chi­nesischen nicht abgeschätzt werden. Als ich in Japan war, hörte ich, daß d e Generale den Wll'abo von Deu.schlands sicherem Siege im Weltkriege zu über eugen suchten, ,rcnb die maßgebenden Po.i.iker. an der Spitze Graf Oku» ma, das Gegenteil behaup.elen und durchsetz en. Kriegsschifje allein tun es heute in Schanghai nicht mehr. Aber auch verbündet mit Sowjet- Ideen, dir Ostasiens Rationen selbst innerlich e.iig fremd bleiben werden, kann au» Klein- Kanton niemals ein Groß-Ehina werden, kann es rielmehr trotz allerroten Stationen" Karal- hans und Borodins leicht schon in Schanghai scheitern. Deshalb wird die chine'ische Selbst- befrclung doch den Weg nehmen, den wir Deut­schen ihr von Herzen gönnen. D e Zeil der Zußtri.te ist auch für chinesische KuliS als lä­chelnde Empfänger endgültig vorüber.

Vie 5iidfeekolonien und die koloniale 5chuld!üge.

Von Dr. E. Schultz-Ewerth. Gouverneur von Samoa z. D.

Die Südsee verdient von Recht- wegen eine bevorzugte Behandlung in der Oessentlichkeil, und zwar allein schon deshalb, weil sie von jeher hinter den afrikanischen Kolonien hat zurückstehen müssen. Es verlohnt sich, ein wenig bei den Mr- sachen zu verweilen, auf die bicc, sagen wir. etwas stiesmütterltche Behandlung zurück- zusühren ist.

Da ist in erster Linie der Vorsprung zu nennen den Afrika entdeckungSgefchicht- l i ch hatte und der natürlich die Entwicklung der afrikanischen Kolonien beschleunigte, fo daß sie viel früher als die Südsee mit Europa in eine engere Verbindung traten. Damit zusammen hängt das Hi.idecni» des Raume», der Ent­fernung, durch das der durchschnittlichen Denk­weise daheim die richtige Einschätzung jener ent­legenen Gegenden erschwert wird, Selbstverständ­lich muß dagegen geltend gemacht werden, daß im Zeitalter des Verkehr» Entfernungen keine Rolle mehr spielen dürfen, da sie infolge techni­scher Fortschritte, die jedem Volke zugute kom­men, mehr und mehr zusarnmenschrumpsen. In älteren Zeiten ist erfolgreich kolonisiert worden, obwohl die Transportsrage, vom .modernen Standpunkt aus beurteilt, noch sehr im argen lag.

Klub, es führen viele Wege zum Ziel. Man wirft sich also in Sankt Moriyer Besuchstoilette, in­dem man, ganz ausnahmweise, eine Mütze auf» stülpt und einen Rock über den Sweater zieht, steckt Visitenkarten ein umb rutscht aus Skiern nach Celerina, um dem Ches besagter Mannschaft. Captain Robinson Lycett Bentley von den sound­sovielten Lancers, seine Aufwartung zu machen. Man wird von dem zinnoberroten Liftboy einem blonden, kräftig gebauten Herrn zugeführt, der eine blaujeibene Zipfelmütze trägt, eifrig den Manchester Guardian" studiert, was ihn allein schon sympathisch macht, und dessen schön ocker­braunes Gesicht von einem weißen Strich ge­spalten wird, der sich bei näherem Zusehen al» Schnurrbart entpuppt. Alsbald entspinnl sich folgende Mnterßaltung, sachlich und knapp:

Ich freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen. Auch Miß Mac Rorton wird sich freuen.

Bitte sehr, das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite."

Sie sind Spvrtsmann?"

Ein wenig."

Sie sind schon Bob gefaßten?

,3a, in Caux und Les Avants, aber da» ist schon lange her."

Well, wir werden sehen. Sie werden Rüm­mer vier fein und hinter Miß Mac Rorton sitzen, you know. Mnd Sie müssen unsere Schärpe beschössen, das ist unser Abzeichen, you know; Miß Mac Rorton kann sie Ihnen besorgen.

So noch ein paar Worte mehr, und immer wieder: Miß Mac Rorton wird dies und kann jenes. Ich bekam schon im voraus einen heil­losen Respekt vor dieser offenbar grenzenlos tüchtigen Person.

So wurde ich Rümmer vier beimAlten Peter".

Bitte,Old Pete" heißt also unser Bobsleigh. Das hat eigentlich den Rebensinn von etwa- Langsamem, Trägem, schwer in Bewegung zu Dringendem. Aber man glaube ja nicht, baß unser Bob faul gewesen fei; wer ba» behaupten wollte, bekäme es mit Bentley (und. selbstver-