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Zreitag, 25.De$embcr 1921
Gießener Anzeiger iGeneral-Anzeiger für Gberhessen)
M. 500 5weittt Blatt
3n deutschen Dörfern an der Wolga
Dag.
von
So* Josef Polte».
Buntes Allerlei
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Uen fitenK der luchte ble Stube
Hans Mehlmann und das Christkind
Dem Paul Qbmunb Hahn.
Haar ein Zeichen i> nur bei ben alten
ttemen Pferden. Achten ober Durbcit Pa« stille Leden lot PolknM, denn man geht mit
bet Lirck, bameiti H783D hf Tnfi
»önhett. und zwar nicht chen, fonbern auch in
AoLFiltrtifini^ Zmeitoii bei Slugllrt (Hati AoZ.Feiirltjut^ von 4 Uhr ab ViiUife ouf brr örbtalNbe U?WD Itr Tirnnl
ihm fagen- Sieh mal, du bist bad Thrrstkrnb guten Ta« Dir wollen aber gleich auf die etrafK. du und ganz langsam bi* zur 8<fc gehn. Taim wollen wir noch ein wenig weiter, vielleicht fogar um* Viereck, ausnahmswrise. ilnb du erzählst mir. tote es im Himmel ist. Ob es st» ist wie im Bsiberbuch. oder ob das auch nut gelogen ift. ilnb bann will ich willen, wie bu hierher Lxnmft. Ob man fo von oben herunter- flieg: ob man lange braucht und müde wird lind dann sollst du mir sagen wo bu die Tannen- bäume holst und die Aerzen. Die sind ja genau wie bei uns. Ach. das ist mir auch egal, das will ich nicht fragen. Du tollst mir ein Dander -«gen. Ich Dill mal mit dir fliegen. Weiht du. es ist alle» fo langweilig Zeig mir mal was Richtiges Soll ich mir was wünschen? Das toll ich mir wünschen? Ach. bring mir was. einfach was Schönes An was ich noch nie gedacht habe Sag mir s aber jetzt.
Hans Mehlmann briet am Fenster und spricht mit dem Christkind. Qr weih nicht mehr, bah er am Fenster hu et Qr kommt immer mehr ins Fragen. Aber bas Dhriltkind gibt keine Antwort Er ist eben doch allein.
Aus der Strohe ist auch säst kein Mensch mehr Aur bas Schaufenster brühen leuchtet, und nichts rührt sich dort Oh. jetzt kommt sicher halb die Mutter und setzt iHv an ben Trkch ilnb halb muh er wieder ins Bett.
Kamelen gezogen Dorfe verstümmle
Streit um Absalow, haar
Die Langen Haare sind ja auch bei ben Damen jetzt unmodern geworden, und die Männer erfreuen sich schon feit langem keiner üppigen Lockenpracht mehr. Aber früher war aua> bei dem stärkeren Geschlecht lang herabwallenbes
verboten was man gern möchte, und wenn man gar nichts tut. bann ist man brav ilnb bann bringt einem das Christkind was Woher weih es beim, ob er brav ist. Qr darf ja nie mit ihm sprechen
Qr dreht der ‘Stube den 'Rüder, und bläht am Fenster Die Leute auf der Str atze laufen sehr rasch Manchmal nimmt einer den Hut ab. und der andere sag: .Ah, guten Tag" und nimmt auch den Huk ab. Dann gehn sie ireiter, ganz schnell Jetzt führ', ein Mag m vorbei. Das Pferd nickt immerzu mit dem Kopf. Zwei Laternen find am Wagen aber sie leuchten nicht weit. Schade dast hier feine Autos vorbeifahren Cs ist über-
Deutschland komme r so berichten Sie nur wahr und getreu was Sie gesehen haben, uns ist bann nicht bonge."
Q* war tiefer Abend geworden Im fajicb freundlich aus dem Sowjet. Die letzten Männer kehrten von den fernsten Felbern heim auf
Haupt f ehr langweilig
Qr muh de Mutter doch fragen, ob er diesmal an Dähn achten zum Christkind dinän- nal fo gerne allein mit ihm fdnem Freund Or würbe zu
stchtig Der Stuhl darf nicht kippen, wenn man auf die Kommode langt. Aber bann zieht man das Ding auf und läftt es im Streife laufen. Das geht zehnmal, man wird nicht müde habet Aber dann muh es mal rückwärts gehn- Das will es nicht. Alles Spielzeug ist dumm. @4 nnih aber gehn, wenn man rückwärts dreht. Cs gebt nicht, es schnarrt nur. ilnb dann knackt etwas Man muh es jetzt schütteln, damit cs Angst bekommt. Aber jetzt geht es überhaupt nicht mehr. Weg mit dem dummen Auto zum hählichen QfeL
Das nun? Die Bleisoldaten mühte man haben. Aber die hat Bat« eingeschlollen. Alles schlicht er em.
Hans Mehlmann steht vom Boden auf. Qr ift schon fünf Jahre alt Sie machen ihm schon Angst vor der Schule. DaS da Furchtbares fein soll. Den Ranzen farm er heute schon tragen, her ist nicht schwer Und auf die Tafel malen, ist auch
Aber die Mutter kommt noch nicht. Bielleicht kommt doch noch was vorher. Hans Mehlmann schaut angestrengt, die Scheide läuft immer wieder an. sein Aermel ist schon sehr nah vom vielen Milchen
*20). jetzt steht jemand unten, ein Herr mit einem dunklen Hut. Qr hat den Äragen hoch und die Hände in den Taschen Qr steht neben der Laterne und pfeift. Qr pfeift jemand ans Fenster, immer denselben Pfiff Denn man doch jetzt das Fenster ausmachen dürfte. Hans Mehl- manr. drückt die zitternden Fäuste an die Backen. Mas soll er tun ör klopft mit den kleinen Fingern an die Scheibe Aber der Herr unten bleift Immer weiter er hört den Hans nicht. 3cht geht er auf die andere Säte vor die Drogerie und pfeift noch einmal. Hans Mehlmann kniet verzweifelt am Fenster und Winkt mit den Armen. CS nützt nichts, der Herr geht jetzt fort
ilnb d.c Mutter kommt immer noch nicht. Sicher kommt doch noch etwas, sicher jetzt erst. Soll er mal beten, dah bce Christkind jetzt kommt? Qr betet ja sonst nicht gern, weil he ihm alles vottprechen Aber hier könnte er beten, tote er will Qs könnte sogar fein, bah es was nützt Qr ist ja jetzt so miserabel allein, er möchte am liebsten schon heulen. Allo betet er Christkind komm. Christkind komm. . Qr wirb lehr müde dabei und kann sich kaum noch an der Fensterbank halten. Und well er fo mübc ist. schaut er nur noch grabauÄ durch die Scheibe, immer auf bas dumme Schaufenster drüben. Ilnb betet immer» fort dasselbe Er betet die zwei Morte fo rasch hin'creinanber. bah sie sich vermengen, aber er Iaht sie nicht los: er versteht nicht mehr, was er betet, aber er hört nicht auf. ilnb nichts er* eignet sich, nichts, gar nichts. Stein Mensch kommt über die Straße, niemand bleibt stehn» und pfeift Aur das dumme helle Schaufenster drüben bleibt und geht nicht fort. Cs ist jetzt nichts mehr da als das Schaufenster mit der Christkindpuppe auf dem Schlitten. Qr ist schon fast froh, dah es da bleibt Qr merkt fast nicht, bah er schon zur dummen Puppe thnÄberbetet. Qr preht sich fest an die falte Scheibe und hastet lein .Christkind komm", und schaut immerfort auf die weihe Puppe. Sie sitzt so rätselhaft still auf ihrem Schlitten. Menn es doch das Christkind wäre? Qs hört ja sonst niemand auf Jein Debet.
Surft und lochelnmal bet. welche bat in der nabet ult« e Hauchet- pte er »um feines tfo ch oft ver- tnrö. >rr ilienüflenb gen W , leiten »t* uli»l>kn>al- et»l leu-dl- Ichön ift ineiicntft Händler- Ba&nmiJ- parat dinfteflen ^ieicollen- Ziwlner^ Ä glicheöUv' SS ss ‘«Jtf ffr 2, mch' ’Üinb- äs
nicht schwer Die wollen sich nur alle wichtig machen
Aus der Straste muh was los sein Man muh ans Fenster, aus den Stuhl klettern. Qr drückt die Stirn an die falte, nasse Scheibe. Das tut so gut. Da» ist fast wie damals, cris er so lange im Bett bleiben muhte, als ihm die Mutter immer was Kalte« auf die Stirn legte. Aber damals hatte er die Augen zu und träumte sehr dumme» Zeug. Cs war doch nicht schön. 0» ist doch schöner jetzt am Fenster mit offenen Augen Alle Leute haben dicke Mäntel an und den Kragen hochgeschlagen. Aber das tun sie. weil er nicht auf die € trabe toll. Die Mutter bat getagt es ist kalt und jeftt laufen sie so herum, damit er e glaubt. Aber er glaubt es nicht. Menn es kalt wäre, würde es schneien. Man mühte einfach das Fenster aufmachcn und die Hand hincius- strecken. Aber das hat Baler verboten. Da ist nichts zu machen.
Cs ist einfach alles gcmdxt Andere Amber find natürlich unten Sie stehen brühen vor dem Laben. Qr würde sich nicht hort binf-eitot Qs ist ja Schwindel, was dort im Schaufenster steht. Qinc Puppe als Christkind auf einen Schlitten und ein toter Hirsch davor mit Glasaugen. Ilnb der Schlitten kann nicht vor und mcht zurück, überall ist Da'.tc drum, das soll Schnee sein. Hahaha' Auch die Muller ist fo dumm. Alles glaubt sie. Sie lagt: .Schau nur richtig hin, es ist doch das GfniMinb. und wenn du mcht brav bist, bringt es dir nichs." Ausgerechnet die stocksteife Mädchenpuppc auf dem Schlitten. Papi er! lüge! haben sie ihr auf den Bücken ge- llebt und ihre Haare sind gar Nicht von Do Id. llebrigens ist da noch was nicht Har. Mal tagt die Mutter, das Ehrnstsind wäre ein Qngel im weihen Hemd mit langen Haaren, allo ein rich- tige* Mädchens und dann sag: sie wieder, es wäre das Jesuskind. Aber das JduAfinb ist doch kein Mädchen.
/Jetzt gehn bte Laternen an. Ah. auch das Schaufenster drüben ist hell geworden. Und die Xinbcr müllen nach Hause. Da« ist recht, alle müllen oben fein.
3n der Stube ist es jetzt schön bunfeL Aur die Uhr lickt und der Ofen brummt Man muhte mal schauen können, wie das mit dem Feuer ist. Aber das hat Tater auch verboten. Alles hat er
der Bibel. Davids Sohn. Abfalom. galt al« her schönste Mann in Israel, und zwar hauptsächlich loegen seines Haarschopfes, von dem die Bibel etwas Merkwürdiges berichtet »Menn man fein Haar schor — das geschah gemeiniglich alle Jahre: denn es war ihm zu schwer, bah man’« akicheren muhte — so wog fein Haupthaar 200 Lot nach dem königlichen Gewicht." So lautet die Stelle in Luthers llebersetzung. die den Theologen soviel Kopfzerbrechen gemacht hat. Qkmy Bücher sind darüber getrieben worden, und des (bei ehrt enst reit es war kein Ende Qe handelte sich dabei um das im Alten Testament angegebene Gewicht. bas Luther mit Lot über'etzt und das mit 200 Secke! angegeben wird. Handelt es sich bei diesem Haargewicht um den ganzen Schopf ober nur um die abge<chnittenen Flechten? Selbst wenn man das Gewicht auf die ganze Haarmenge bezieht, fo würde cs mehr al« zwanzig Pkund gewogen haben, was .absurd erscheint , wie einer der Kommentatoren sagt. Man suchte sich die Schwere des Absalomhaarcs dadurch zu erklären, dah man behauptete, der Prinz habe seine Locken mit duftenden Oelen emgefertet und mit Gold- puder bedeckt, wie es bet den Dandys von Ilraci Mode war. Iofephus erzählt, Abfalom habe 'ovicl Haar besessen, „bah man es kaum
Ansicht befolgt der Bogel in der Zusammen, setzmig seiner Dorte etwa Metel bei Gesetze wie die Hvpi-Indianer in den Verein gttn Staaten. Dieser Fink ist Mr einzige, der fia) bieber^ln Reuyvrk in Gejangenschasl erhalten ha: seinem Versuch, den Finken vor her Bei jung zum Reden zu bringen, hatte der Professor kein Glück. Qr bat die Töne des Bog.ls nur mit dem Ohr auf genommen, da kein mechanischer "Apparat rein genug ist. um die Tonnüancen in der Sprache des Vogels wiederzugeben Patterson gestand, dah er bisher in drm Studium der Dogelsvrache iwch in den Anfängen steckt, aber bald genauere Angaben machen wird
Der Heine Hans Biehl mann muh heute Hauke bleiben Qr muh den ganzen Dag zu Haute bleiben Vater ist nicht da. sitzt im Bureau. Denn Vater abends nach Haufe kommt, hat Hans schon seinen Brei gegefkn und kann ihm gerobe noch sput macht sagen Die Mutter aber bäckt In der Küche Qr soll schön brav sein und spielen Allo auf die Lira he darf er nicht, weil es fo [all ist. zu Besuch darf er auch niemand bokn nicht einmal 1einen Freund, weil die Mutter ...... ~~ . ^ ^n ob er sich nicht
iotiost Salni.Krab « er.
heSwt>ea;
eül Kssfc h.
Der Wortschatz de» Finket»
Dv Geheimnisse der Bogellprach. will der amenka irisch. Prvsesfsr D. JR. Paiterfvn von der (solumbia-lln,versl.ät ergründ t haben De- nigstens crflärte er in einem Vortrag vor der Amcrikanitchen Pfhcholrg.schen Gesillschaft. bah der amerikanische Fink, den er feit einer langen 3c.t ftuburt habe, einen DoNfchatz von etwa 300 Sorten besitze unb auch aug:nsa)einlich em Asph'bct von 24 Buchstaben ober F nch n. .Der Bogel singt nicht, wenn er feinen Schnabel öffnet, wie man allgemein glaubt," sagte er -sondern er hält tatsächlich eine Heine Red' Diese Reden sind nicht etwa DiDerholung.'n eia und desselben Mortes. Ich habe fest gestellt, dah mein llciner Fink ent Mort sagt unb es dann bisweilen wochenlang nicht mehr wird.-rbolt." Pal- ter'on führte au«, das, sein Fink bei seinen Reden im Gebrauch feiner Dorte ebenso abwechfeit wie der durchschnittliche Mansch. Der Bogel erwacht jedeii Morgen zur feiben Stunde unb hält fast immer dieselbe Morgenrede. die 14 Sekunbeti bauert unb etwa 20 Dorte umfaßt Rach seiner
jur gewöhnlich ist ba* einzige was man in
n raaesstunben beim Manbem durch ein beut- He« Dorf an der Molga fleht, das ungehemmte Aerumi« ben unb sehe natürliche, durch keine Zuchtwahl geregelt Treiben der Schweine von der Ralle der Bvrstcnfchwcinc. die morgens die Höfe verlallen unb abends tn ihre Ställe -«rück- kehren. Hühner unb Gänse gehen tn Familien spazieren. Rinder spielen nut den Schweinen oder
— ... ober alles gedämpft, still
freue? Die Mutter ,ft------ .
glaubt, sie wove ihm was geben oder mit ihm spielen, streicht sie ihm über den Rops und sagt: .Sei schön brav." Dann ist sie gleich w eder toe-g.
Qigcnthd) kann man ja mal allein bleiben. Man kann sich auf den Boden fetzen und bai alten grauen Qfel fragen, was er treffen will. Qr will nichts freffen. Also muh man ihn klopfen, bis er ein schiefes Maul bekommt. Man muh den hählichen Gfcl wegwerfen, ^egttonnle man bad Auto aus der Schachtel holen. Sehr Pet
in acht Tagen abschnei de« fonnir Qr »oU d,e»e Pracht «eine# Haupte» an die Hösiinae verkauft haben, die sich daraus Perücken machen ht<>en. unb man hat auf Grund bider Annahme die 200 Seckei als eine Preis- und nicht Gcwichts- bchiinmurg angenommen. Die vorsichtigste Schälung der Bidelgelehrten gab das Gewicht be« Haares mi' etwa einem Kilogramm an. und der ^bcT'.ofle Petteiier schrieb zu Anfang des 18. Sahrbundert« .Denn man die nngrheueren Haarmenge., betrachtet, die unsere Frauen au« dem Stopf tragen unb die nach ben Angaben der Frileure mcht weniger als ein Kilogramm trtegen dann kann man auch Abfalom e.ne solche Haarlafi zumuten Bei Männern ist allerdings eine solche Haarfillle ungewöhnlich Al>er was btc Heilige Schrift angibt, muh man glauben "
Schwanenbrateo — eine Delikatesse
Der alte Dischefssitz Qlorund), Hauptstadt der Grafschaft Rorfolk in Qnglanb erzeugt einen wenig bclamüen Schatz, nämlich ben Schwanen- btaten. 3n alten Seiten war das ..Schwanen- recht' . das heiht ba« Recht. Schwäne an« ben öffentlichen Mäfsern zu ballen, weit verbreitet, unb jeder Eigentümer patte eine befmiberc 5uiu*- marlc. Diese wurde ben Heren auf den Ober- schnabel eingif4>nitttn. wie es noch heute geschieht. Qbemale aber hielten ble Gilben. Innungen. Patriziersamilie». bei Herzog von Aorsolk sowie die übrigen Abeisfamilien Schwäne, heute aefchieht dies nur noch vom Hospitale, von ber Rorwicher Schwanei,Vereinigung unb vom Herzog von Rorfolk. Die Xiere bewegen sich frei in den flachen Gewässern ber Umgcgcnb unb nähren sich wie ant-cre Masservögei. Am Fliegen «mb sie durch Degschneiden einer Schwingens hue gebindert Der Schwan vermehn sich gut unb ist widerstandsfähig. Man hat ein Dchwanenpaar bcDlaajtct, welches in fünf Jahren 82 Küken burchbrachte. Da« Aussuchen der zur Mast geeigneten Jungen wird von ben Unfällen des Hospitales besorgt, und man nimmt nur fo viele Tiere al» von ben Besitzern be« „Schwanen- recht-" bestellt werben Diese haben für das Stück 1 Pfund Sterling <20 Mk.s Blastgelb zu entrichten. 3m Schwanenteiche des >-er»ogs von Rorfolk werden ungefähr hundert Schwäne acta her,. Ihr Futter l'esteht in gekochtem Mal«. Mob!. Gerste. Qrbsen, aufeerbem verzehren sie alle rohen unb gekochten pflanzlichen 5tüd)en- abfälle. Die jungen Tiere haben vielten, in denen Ihr Gewicht unb Aussehen Aurüdgebi es,bar
werden sie gerade um die <jeit. wo sie fheaen können. Dies muh genau abgepahk werben Bon zwei Tieren bie un 3ahre 1906 für König Qbuarb unb den Prinzen von Male» iKfttmmt waren, hatte da» eine ein Lebendgewicht von 32 Pfund, ausgenommen und verfandfertig war es nur noch 19 Psund schwer Sin Schwanenbraten gilt al« auherordentliche Delikatesse unb wirb mit Borliebe zu bedeutsamen Geschenken her- wandt Der Herzog von Rorfolk deschenli alljährlich seine besten Freunde mit so einem schätzenswerten Bogc." Auch am englischen Äör.igebofe ist der Schwan ein ständiger Deih- nachtsbraten. Aenner schätzen den jungen Schwan gan; austerordentlich Sie finden in ihm über- cinRimmtnb den Geschmack ber Dilbente. der Gan» und des Aalen „in deliziöser Dokllommen- heil vereint, geben aber zu. dah ber Bogel kbr sorgsam behandelt werden muh- Qr wirb übrigen» nicht abgehäutet Ganz hervorragenbe Feinschmecker halten die Suppe vom Gelrvfe der | jungen Schwäne für die Aonigin der Suppen
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mutiger. .Mir haben nichts zu verbergen." fagtem sie, .wir nehmen die Dinge in Ruhland, wie sic sind. Mir sind arm. ba* ift wahr, aber es gebt uns schon viel besser Die Arica*» jabre. tro unsere jungen Männer an der Front waren unb wo man uns von hier vertreiben wollte nach Sibirien. Rikola, Rikolaiewitsch wollte da«, unb dann die Revolutionszeit, da« Hinund- her von Meist und Rot und namentlich ba« Hungerjahr, ja das war schrecklich. Die die Fliegen starben die Menschen, still unb stumm. 30 und 40 v. H. sind deute in den Dörfern weniger - ja. aber setzt geht es un* besser. Zuerst, ja zuerst haben die Aorrmunificn uns grobe, grvye Steuern adverlangi jetzt aber zahlen wir nicht mehr als zur 3arcmcit. Und Land haben wir jetzt viel. Land haben wir genug, es fehlt uns nur an Zugvieh. Unb wenn Quropa ruhig wird und der Handel sich wieder bebt, dann mögen wir wieder gut verkaufen können. Rein, wa« das angebt fo kann man nicht
irgendwie fern, falt mn'.hckD
Rn den Häutern ber Straste zu finden sich .tochen angenagelt: ein öimet, zwei ober bte» Qimer. ein Fast, eine Alt eine Letter ein Pferd ein Fuhrwerk, namentlich aber Q'mer und Tonnen, und e* ist »u sehen, bah auf den grösteten Hösen das gröbere Gerät ober em mehreres des kleinen verzeichnet ist - unb das hnb geschuldet c ß ei ft ungen des Hofes bei einem Brand im Dors e .
Der Agent oder Äommiffionar in meiner Aullenbluse doch ein heutiger Mann geht über bte Dorsstrahe von Hof zu Hof. er mag Aufträge rtnfammeln an dem wenigen, was au« bet »labt mitzubnngen fein dürste unb im kaus- mannsloscn Dors nicht zu haben Ist. denn er macht seine monatliche Reise, bie immerhin eine Woche bauert, brci Tage bin. drei Tage her. auf per Dolga tn bi« .nahe" Stabt Saratow Dieser Kommissionär ift auch eine altertümliche ,5tgur in altertümlichen Baucrnländern, ich kenne ihn schon von ben 2nseln vor dem Golf
von Reapel
Seid 3br aus Deulfchlanb. wirklich und wahrhaftig aus Deutschland? Du kommst ganz richtig au« Deutschland^' fragten einen in saft didlllch einfacher Rede bie Männer, wenn sie abends vom Felde hereinkommen und auf Den Bänken vor Ihren Höfen fitzen unb ihre Pfeifen schmauchen Q* find Männer. Wie sie alten Bauernkalendern entstiegen, mit groben glän- icnben Rnöpfen auf ben Röcken unb mit alten wunderlichen Ftlzstüken ober Tellernritven auf den Röpsen. .Die ist es denn in Deutschland? Run ja, bie Deutschen sind ja tüchtig! Man bat eine grenzenlose Achtung vor den Deutschen ) Ihr habt euch ja rasch toicber cm- porgearbeitct. wir bier sind noch nicht so weit. Sie sprechen in ziemlich reinem Deutsch, der Tonfall unb die dialektische Färbung sind gan.z unverfälscht, man kann heute noch die Rach- kommen von Moselanern, von Hessen, von Pfälzern, von Schwaben unterscheiden.
.Äommft du ltrauliches bu!) aus Berlin Das macht euer Kaiser? Ist er tot wie unser lat? Du kommst nicht aus Berlin? Aus München? Mo ist das. München? Auch in Deutschland? Unb vom Rhein bist bu. sagst du? Ge- vatker. der Mann au« Deutschland sagt Wir stammen auch vvm Rhein. Das ist ober komisch. 3ft das Dort, wo die Burgen heben? Habt ihr beucr guten Mein? Ma« machst du hier? Land und Leute lehen? Hm, dann bist du wohl ein Professor. Qin Doktor bist bu7 SXannft du meine Mite heilen, die feit zwei Jahren halt egt und schnauft? Olein Dann bist du auch kein richtiger Pottor! 2H,o bist bu doch ein Prosesfor. ble Doktors können alle die «ranken heilen Llnsere Doktors wohnen in den rullilchen ötäbten. et- hd»c Merst weit t etliche, damit meinen sie sünfztg. hundert), bei un« heilt ber Schafhirt." Da kommt einer vom Feld gelaufen, ein jüngerer Mann er bat sich eine Hand verletzt an der Maschine, er hat Dünger aus die Munde gelegt, er bat gehört, etn fremder Doktor ist im Dorf. .Rein, ba« ist fein Doktor! Da« ist blöd ein Professors
So reden sie und reden auch untereinander in reinen deutschen Stammes'prachen. nur bie Dörfer für Made unb Gewichte, wie Merst und Pud sind natürlich ruffifd). aber auch für Qimer“, für .Besen" unb gewisse Geräte gebrauten sie rullllche Mörter. Die Alten unter ihnen haben da« Mort, bie Jüngeren schweigen. Denn es gibt noch Patriarchentum und Autorität.
und sie rtbtn langsam unb schwersälsig. unb sind wohl auch misttrauifch. es find alte Aalender- bauern Unb sehr schwer ist es, sie etn wenig auozuholen über ihre Famllien. ihr Leben, ihre wiNfchasll.chen und positifchen Ansichten, über ihre QrtcbniUe in Kriegs- unb i oluttonszerten. und obgleich Mich nur das rein Menschliche in ihrem Leben und Dasein interessiert <dichterisch interessiert, aber ich hüte mich tu sagen dah ich Dichter seil) unb ich die politischen Dinge nehme, wie sie find, fo ist c« doch eine Arbeit, wie wenn ich Maller aus einem tiefen Lttppen- brunnen herauisuwinden hätte. Unb einer ber Alten, ber mit feinen Hof und feine Mohnwig. wo in der Sommerküche sein Meib eifrig schalste, zeigte -- nachher bat et sich meinem Wirte gegenüber geäußert, ich könne vielleicht ein Ä o n m u n i ft aus Moskau fein, der ins Dorf glommen sei. um zu erfahren wo noch etwas zu holen fei. O ba guter Äalenberbffuer!
Andre sind aber nicht so befangen unb
klagen. Unter Land Haden wir für un«. verkaufen können wir bavon zwar nicht — aber wer will denn verkaufen! , doch hin/.umieten kann ber. ber zu toemg baden sollte es komm« un Grunde auf da« Alte hinaus. Uns kann es am Ende gleich fein, was sie in der Politik machen, wenn wir nur unsere Frucht verkaufen können." *
Und bann gehe ich in ben dörflichen Sowjet. Jedes Dorf hat jetzt seinen Sowjet, ich glaube, cs ist im Grunde nichts anderes ale eine dörfliche Selbstverwaltung, bie unter der kaiserlichen Regierung gefehlt haben mag Die Inhaber der börslichen Macht sind jüngere Leute in weihen, leinenen Kitteln, gesittete junge Leute, man kann ganz frei und offen das Für und Wider erörtern. <ie erörtern es untereinander. frei und offen, unb Bauern mittleren Alters kommen hinzu, und einer, ein Prachtkerl, moderner und uns fozufagen zeitlich naher in Sprache unb Gebaren, fein Malenbcrbaucr. macht gar keinen Hehl aus seiner Feindschaft gegen ben Kommunismus unb rebet in beut- lichen und klaren Worten. Aber es schadet ihm nichts, hier zum mindesten in dieser dörflichen Republik gibt es Diskussion. .Qine« ist jeden- falls sicher," tagen bie jungen Äommuniftcn. .ohne ben Kommunismus wären wir Deutsche als Deutsche untergegangen. Jetzt haben wir wieder unsere deutsche Sprache, untere deutschen Schulen, und wer will, hat seinen deutschen Gottesdienst. Denn wir haben ja jetzt eine eigene deutsche Republik mit einer eigenen Zcntralvcrwaltung in Pokrows k (gegenüber Saratow auf der anderen Molga- feite, früher hieb cs Kofakenstadt müssen Sie willen) Ilnb unsere Republik ist gut unb gerecht gegenüber Russen, Kalmücken unb Kirgisen ab» gegrenzt nicht in jener Abrundung zugunsten der herrschenden Qlation. wie es früher in Ruh- lanb war und wie jetzt die neuen Staaten vvm Verband in Quropa auf Kosten der Deutschen abgerundet sind. Mir wollen mutig fein und abwartcn unb arbeiten, ilnb wenn Sie nach
dem Tageslicht schlafen, die be’ Steppe blinkten herauf, unb ich bei meinem Gastsreunde


