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Nr. M Z-Detter BIßtt

Die Wettkirchenkonferenz in Lausanne.

Don Generalsuperintendent Prof. D. Dr. M. Schian.

Dom 2. bis zum 21. August hat die .Welt­konferenz für Glaube und Derfassung" in Lau­sanne getagt. Ein zusammenfassendes Urteil über diese Tagung wird den Lesern nicht unwill­kommen sein. Was wollte die Konferenz? Welches ist ihr Ergebnis?

Die Konferenz hat ihre Ursprünge nicht in der Rachkriegszett mit ihren vielen neuen Plä­nen; sie reich, weiter zurück. Sie ist auch nicht aus bloßen utopischen Einheitswünschen ent­standen, sondern sie hat sehr reale Tatsachen als Ausgangspunkte- nämlich vor allem die aus der Zersplitterung des Protestantismus erwach­senden Schwierigkeiten in den Missionsgebieten und die mit derselben Erscheinung zusammen­hängenden schmerzlichen Erscheinungen, die be­sonders kraß auf amerikanischem Boden zutage treten. Sie stößt unleugbar auch in den übrigen Ländern auf eine Stimmung, die nicht ungünstig ist: des zerreißender! Haders müde, sehnen sich viele nach stärkerer kirchlicher Einheit.

So gelang es, in Lausanne etwa 400 Kirchemnänner, großenteils solche in leitenden Stellungen, zu einer imposanten Versammlung zu vereinigen. Fast drei Wochen lang haben sie beraten. Alle bedeutsamen Gruppen des Pro­testantismus waren vertreten: dazu kamen viele Männer der morgenländischen Kirche. Allein bieje Tatsache ist bedeutsam. Die nichtrömische Chri­stenheit gab sich ein Stelldichein: sie erwog, wie man näher zusammenrücken könne. Ihre Dertreter waren freundlich-brüderlich beisammen und be­sprachen offenherzig, rückhaltlos und doch rück­sichtsvoll, was sie eint und was sie trennt. Dieser Geist freundlicher Gemeinsamkeit blieb wirksam bis zuletzt. 3n ihm beging man gemeinsame Gottesdienste, gemeinsame Andachten. Sn ihm sprach man täglich des Morgens gemeinsam, jeder in seiner Sprache, das Vaterunser. Man wird dieses Erlebnis als eine dokumentarische Fest­stellung einer alle Schranken der Einzelbekennt- nisse überbrückenden Einheit im Christusglauben buchen dürfen. Man wird darin den Ausdruck herzlichen Einheitswillens sehen dür­fen. 3n der Tat: hier liegt das wichtigste Er­gebnis der Konferenz. Die Christenheit besinnt sich darauf, daß es für sie eine höhere Einheit gibt. Sie betont nicht mehr nur das Trennende. Es will nicht mehr jede Kirchengemeinschast ihren Weg für sich gehen: der Blick wird weit. Wohl hat die Konferenz für praktisches Christen­tum (Stockholm 1925) bereits ein ähnliches Dild gezeigt. Aber es war nicht vergeblich, daß Lau­sanne den Willen zur Gemeinsamkeit noch kräf­tiger herausarbeitete.

Dun haben die Veranstalter der Konferenz zweifellos mehr Ergebnisse erhofft. Das Pro­gramm der langen Tagung war so angelegt, daß sechs große Themata eingehend durchberaten werden sollten. Dabei war man nicht davor zu­rückgeschreckt, sehr schwierige Gegenstände zu wäh­len. Das Wesen des Evangeliums, das Wesen der Kirche, das Glaubensbekenntnis der Kirche, das Amt, die Sakramente, das Verhältnis der Kirche zu den Kirchen das waren die Gegen­stände, um die es ging. Die Absicht ist dabei unverkennbar gewesen, durch gegenseitige Aus­sprache Formulierungen zu finden, die eine höhere Einheit darstellten, die also von allen ange­nommen werden und so ein Cinheitsband zwischen den christlichen Konfessionen und Kirchen werden tonnten. Zum wenigsten sollte auf diesem Wege einem Einheitsbekenntnis die Dahn bereitet wer­den. Da so wichtige Fragen der Praxis wie das kirchliche Amt und die Sakramente mitbehandelt wurden, so wäre zugleich, wenn das Unternehmen zum Ziel führte, auch auf dem Gebiet der Kir­chenordnung der Einheit vorgearbeitet worden. Damit sollte dann der erste Schritt zu einer christlichen Einheitskirche getan werden.

Diesem Plan ist die Konferenz in der Eintei­lung ihrer Arbeit gefolgt. Das hatte zur Folge, daß die offene gegenseitige Aussprache ganze Strecken lang vor dem Streben nach Formulie­rungen in den Hintergrund geschoben wurde. Sie ist nicht völlig erdrückt worden: sie hat bei nmnwwn nmu ihimmiiwr iiiimi gr<rro^iMatinuMLMara

VomSommer der Musik" in Frankfurt.

Don Artur Holde.

Weit weniger als in die bildenden Künste und die Dichtung haben wir bisher Einblicke in die Musik Chinas gewonnen. Um so dankens­werter ist es, daß das Frankfurter Chinainstttut es unternimmt, mit Unterstützung von Studenten, die gegenwärtig in Deutschland, Frankreich und Delgien ihre wissenschaftlichen Studien betreiben, uns mit dieser fremden, akusttsch ganz anders ge­arteten Klangwelt vertraut zu machen. Zunächst gab der Leiter hes Snstituies, Prof. Dr. Wil­helm, eine kurze Uebersicht über das Tonsystem der Chinesen, das sich weitgehend mit dem der alten Griechen deckt. Don den zwölf (nicht tem­perierten) Hachtonschritten werden nicht alle be­nutzt, sie legen vielmehr nur die zur Anwendung kommenden Tonarten fest. Die bis zum frühen Mittelalter ausschließlich gebrauchte Fünftonleiter cdega ist noch heute für die Musik Süd- Hinas charakteristisch, während der Morden sich mehr der Siebentonleiter cdefisgah bedient.

Sehr interessante Aufschlüsse erhielt man durch Demonstrationen über die einzelnen im Gebrauch befindlichen Musikinstrumente, die zum Teil ein mehrtausendjährige Dergangenheit haben und in Hunderten von verschiedenen Variationen vorhanden sind. Glocken, Pauken, Zithern und Lauten mit verschiedenartigen Schallkörpern und Saitenbespannungen, Becken, Gongs, Trommeln, Tamtams, vielfältige Holzblasinstrumente, unter ihnen als eines der merkwürdigsten die zu einem Äöhrenbündel zusammengefaßteMundvrgel", zeigen die Reichhaltigkeit des chinesischen Orche- siers. Dieser Reichtum an Formen führt aller­dings nicht entfernt zu der Vielheit an Tonfarben und Ausdrucksnuaneen, über die ein modernes europäisches Orchester gebietet. Die ganze Pa­lette beschränkt sich auf wenige Grundfarben von durchweg zartem Kolorit.

Sn ihrem Programm durchmaßen die chine- sHen Studenten, die sich mit Besch eidenhett ledig­

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

einigen der genannten Themata sogar erheb­lichen Raum gehabt. Aber bei manchen Gegen­ständen überwog der Formulierungsdrang, so daß er fast die ganze zur Verfügung stehende Zeit in Anspruch nahm. Aufstellung von Sätzen, Re­daktion dieser Sähe, Abünderungsan rüge, neue Formulierungen, das alles durch Unterausschüße, Sektionen, Redakrionsausichüssc, Plenarsitzungen, abermalige Kommissionsberatungen hindurch eine viel Kräfte beschäftigende, im ganzen wenig angenehme Arbeit I Und diese große schwere Ar- beit konnte nicht zu de.n von der Leitung er­hofften Ziele führen. Denn die entstehenden For° mulierungen waren trotz aller Bemühungen nicht geeignet, allen Anschauungen wirk ich gerecht zu werden. Die wurden ja lachießlich so gefaßt, tkifj sie keiner Gruppe eigentlichen Anstoß gaben: aber die Folge davon war, daß sie auch nie­manden recht befriedigten. Cs waren nicht ganz wenige Teilnehmer, denen es unmöglich fd)ien, diese Formulierungen als Beschlüsse der Welt­konferenz in die Wclt hinauszugeben. So kam es, daß zuerst eine Anzahl von Lutheranern, dann die Gruppe der Orientalen, schließlich auch noch andere Gruppen Erklärungen abgaben, die eine Abstimmung über diese Lehrsätze ablehnten und vor ihrer Bekanntgabe als Konferenzbeschlüsse warnten. Die Leitung nahm loyal 'auf diese Wünsche Rücksicht. Run sind also alle diese mühsamen Formeln lediglich als Material zu geeigneter Verwertung dem Fortsehungs aus schuß übergeben worden. Sch will ganz offen sagen, daß ich die ganze Formulierungsarbeit damit nicht zu niedrig eingeschäht finden kann. Es steckt unendlich viel Arbeit darin, aber a u f dem Wege der Lehr f o rm u l i cr u ng en kommen wir m. E. überhaupt nicht weiter. Rie wird es gelingen, auf diesem Wege zur Einigung zu führen oder gar Einheit zu stiften. Sch weiß, daß andere anders denken: der ungeheure Eifer, mit dem, auch nachdem diese Entscheidung gefallen war, Amerikaner und Anglikaner an der Redaktion dieser Sätze weiter­arbeiteten, beweist das. Aber für unsere deutschen Verhältnisse trifft mein Urteil sicher zu: und die Erklärungen der Orientalen, Reformierten usw. sind doch auch zu beachten!

So bleibt es also bei der Herausarbeitung des Willens zur Gemeinsamleil? Hat Lausanne sonst keine Bedeutung? Sch glaube doch, daß noch mehr zu sagen ist. Manche Teilnehmer sind den Ereignissen vorausgeeilt: sie halten sozusagen den Erntewagen alsbald mitgebracht. Das war ver­fehlt. Wäre eine Ernte eingebracht worden, so konnte es sich nur um künstlich zur Frühreife ge­brachtes Korn handeln. Scheinreife wäre es ge­wesen. Sehr bald hätte man gemerkt, daß diese Erntemethvde das ganze Verfahren diskreditiert hatte. Auch jetzt noch wird die Konferenz für Glauben und Verfassung zum wenigsten in Deutschland auf schwere Bedenken stoßen: jene oben besprochenen Formulierungen werden diese Bedenken unterstützen. Aber die Konferenz kann jetzt doch als ein Anfang angesehen werden, dem bei richttger Arbeit ein Fcrtgang beschie- den sein kann. Dieser Fortgang sollte nicht im Suchen nach überkonfessionellen Lehrsätzen be­stehen, sondern in der Durchsetzung prak­tischer Gemeinsamkeit in brüder­licher Liebe und gegenseitiger Ge­duld.

Die Mannigfaltigkeit unserer evangelischen Kirchen wird bleiben. Sie muß bleiben; denn in ihr liegt ein Geschenk Gottes. Die Mannig­faltigkeit darf nicht in Uniformität umgewandelt werden. Wer es zu tun versucht, muß scheitern. Aber sie darf auch nicht zu gegenfei tiger Fremd­heit führen, noch weniger zu rücksichtslofer Kon­kurrenz, am allerwenigsten zu bitterer Feind­schaft.

Die Konferenz von Lausanne hat einen Auf­ruf zur Einigkeit an alle Kirchen der Welt er­gehen lassen. Sie war selbst solch ein Ausruf. Vielleicht war sie selbst als wuchtige Tatsache der wuchtigste Ausruf, der sich denken läßt. Wir geben unsere deutsche Art nicht preis, wir opfern das Sondergut der lutherischen Reformation nicht, wenn wir uns zu gemeinsamem Raten und Schaffen mit anderen Kirchen verbinden.

Die Losuna Einheitskirche, gar mit neuem Einheitsbekenntnis und einer Einheits­ordnung, i st falsch. Lausanne hat die Einheits­kirche nicht gebracht, weil es sie nicht bringen

lich als Musikfreunde bezeichneten, die aber doch über ansehnliche Fertigkeiten meistens auf ver­schiedenen Snsttumenten verfügten, mehr als anderthalb Sahrtausend. Für die zarte, ver­haltene Stimmung einer Mondscheinszene fanden zwei langgestreckte Zithern mit ihren sanften elegischen Tönen, die den großen Raum eben noch zu durchdringen vermochten, die charakteristische Klangsphäre. Zu den eigenartigsten Belegen chi­nesischer Kunstmusik gehörten die Bruchstücke aus alten Opern. Sn einer aus der ersten Hälfte des 16. Sahrhunderts stammenden dramatischen Szene wurden Tenorstimmen mit der für chinesische Kunstmusik so bezeichnenden gequetschten, falfettie- renden Tongebung, die in der höheren Lage etwas vom Tonfall weinender Kinder annimmt, von Flöte und Schlagzeug, nahezu ausschließlich im Einklang, begleitet. Unser in anderen Klang- vorstellungen erzogenes und an stärkeren Aus­druck gewöhntes Ohr läßt sich von diesen durch die häufige Wiederholung primitiver Tonfolgen etwas eintönigen, durch die Loslösung aus dem Mutterboden zudem ihres feinsten Reizes ent­kleideten Melodien nur eine gewisse Zeit ge­fangennehmen.

Die kultische Zeremonie, die das China-Snsti- tut von den Studenten zur Wiedergabe bringen ließ, ist in Europa noch niemals vorgeführt wor­den. Auch den das Land bereiseirden Fremden wird sie vermutlich nur in den seltensten Fällen bekannt geworden sein. Sie gehörte ebenso wie etwa die vom Gainclanorchester begleiteten Tcmz- pantomimen der javanischen Prinzen zu dem Eigenartigsten, zu dem Unvergeßlichen, was derSommer der Musik" geboten hat. Wir sehen, daß die Chinesen nach einem in Wort, Ton und Gebärde genau festgelegten Zeremoniell ihrer Verehrung eines verstorbenen großen Meisters Ausdruck geben. Diesmal wurde Beet­hoven Gegenstand der Huldigung. Sn blaue, priesterliche Gewänder gehüllt, in den Händen merkwürdige federgeschmückte Geräte tragend, voll­zogen sie vor dem Bilde Beethovens einen Opferdienst von ergreifender Feierlichkeit. Rach den in singendem Tonfall gebrachten Kommandos wurden zunächst mannigfaltige Vorbereitungen getroffen; unter einstimmigen, von Blas», Streich- und Schlaginstrumenten begleiteten elegischen Ge­

konnte. Die Bedingungen werden später nicht günstiger fein. Aber die Losung: Einigung der christlichen Kirchen zur Bekämpfung der schweren, in Zersplitterung. Rivalität und Konlurrenz lie­genden Hemmnisse der Entwicklung des Christen­tums öicie Losung ist richtia. Möge der Fort­gang unter ihrem Zeichen stehen!

Tagung des Deutschen Forstvereins.

Frankfurt a. M., 22. Aug. Im großen Saale des Palmengartens begann heute vormittag 8j Uhr die 2 4. Jahrestagung des Deutschen F o rst ve r e i n s. Der erste Vorsitzende, Ministerial­direktor a. D. Dr. Wa p p e s, München, richtete an die Teilnehmer, besonders die Vertreter des Reichs­und Staatsministeriums, der forstlichen Verwaltun­gen von Banern, Hessen. Mecklenburg, Braun­schweig unb, Waldeck, den Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt sowie die aus Oesterreich und dem Sudeten-Deutschland erschienenen Forstleute warme Worte des Willlomms.

Oberbürgermeister Dr. ßanbmann begrüßte die Forstleute im Namen der Stadt Frankfurt. Frankfurt habe die Bedeutung des Waldes in vollem Maße erkannt. In ihrem Stadtwalde könne die Stadt der Forstwirtschaft zeigen, wie sie einen Wald SU hegen ur*) zu pflegen verstehe. Namens des Reichsernährunasministeriums wünschte Ministerial­rat Dr. Strohmeyer der Tagung besten Erfolg. Die Grüße des preußischen Landw.rtschaftsministe- riu>ms überbrachte Geheimrat Freiherr von dem B u s s ch e, diejenigen der österreichischen Bundes- forstverroaltung Direktor Razmann, des öster­reichischen Reichsforstvereins Forstrat Locker. Fer­ner sprachen: für den Reichsforstwirtschaftsrat Ober­forstmeister K r a n o l d, Hildesheim, für den Reichs­verband der Deutschen Waldbesitzer Graf Asse- bu r g - Fa l k e n sie i n, für die Wiesbadener Re­gierung Obersorstmeister Gras H a m m e r st e i n.

Zu Ehren des kürzlich verstorbenen Oberforst- meisters Fleck, Frankfurt a. M., des Organisators der heutigen Taguna, erhob sich die Versammlung von ihren Sitzen. An den Reichspräsidenten von Hindenburg und den österreichischen Bundes­präsidenten H a i n i s ch wurden Begrüßungstele­gramme abgesandt.

Darauf erfolgte die Erstattung des Geschäfts- berichts durch Den ersten Vorsitzenden Dr. Wappe s. Er umschrieb zunächst mit kurzen Worten Ziele und Aufgaben des Deutschen Forstvereins. Hin die deut­sche Forstwirschaft zur vollen Leistungsfähigkeit zu bringen, sei es nötig, von dem heute veralteten Grundsatz der Verwaltung zu dem der Wirtschaft Überzugehen. Dazu sei nötig, bafc der von der Forst­wirtschaft erzeuge Stoff physikalisch und chemisch besser erforscht, und daß neue Verwendunysarten ge­funden werden. Ohne Aufwendung entsprechender Mittel sei das aber nicht möglich. Deshalb müsse die nahezu völlig passive Haltung der Forftwirtsck)aft auf- gegeven werden. Weiter sei hinzuwirken aus eine Hebung der Leistungsfähigkeit aller in der Forstwirt­schaft tätigen Personen. Die erforderlichen Mittel müßten von der Waldwirtschaft, vor allem aber durch den Staat, aufgebracht werden. Darauf kenn­zeichnete der Redner die bisherige erfolgreiche Arbeit des Vereins: Inangriffnahme der Arbeitslehre und des Maschinenwesens, der Betriebsstatistik, des Kanz- leiwesens, der Fortbildung, der Auslandbeziehungen, der Statistik usw. Der Mitgliederstand Ist weiter an­gewachsen und hat bereits die 5000 überschritten. Die Beziehungen zu den anderen Spitzenoerbänden, wie Reichssorstwirtschaftsrat, Reichsoerband der Wald- besitzer und Verband der Prioatforstbeamlen sind gut. Nachdem sodann der Haushalt genehmigt wor­den war, überbrachte Oberregierungsrat Schmidt, Dresden, die Einladung der sächsischen Regierung, die nächstjährige Tagung in Dresden abzuhalten. Die Deriammlung stimmte einmütig zu.

Anschließend folgte das Referat über das erste ThemaW ie sollen Wissenschaft und Praxis im forstlichen Versuchswesen zusammenarbeiten?" Universitätsprofessor Geh. Hofrat Dr. Hausrath (Freiburg i. Br.), be­tonte einleitend, daß eine engere Fühlungnahme zwischen Versuchsanstalten und Praxis anzustreben sei. Durch die Bersuchstätigkeit wolle' man Erkennt­nis gewinnen von den Bedingungen, unter denen sich die Vorgänge im Walde abspielen. Die Haupt­bedingungen lägen in der Stetigkeit des Dersuchs- ganges. Neue Erfahrungen und Erkenntnisse müß-

sängen begann die eigentliche Opferhandlung, In der Gestein, Seide, Mais und Hirse auf dem Altar dargebracht wurden. Auf eine zweimalige Wiederholung der Opferzeremonie folgte schließ­lich die Verlesung der Opferdichtung, an die sich wieder Gesänge und pantomimische Handlungen anschlossen. Das Publikum stand offensichtlich tm Banne des für die seelische Haltung und den Kult des chinesischeia Volkes ungewöhnlich charakteristi­schen Vorganges.

Die ethnographische Abteilung der Snter- nattonalen Musikausstellung gibt in den der Regermusik gewidmeten Gruppen ein Dild der zur Verwendung gelangenden Snstrumente von schwerlich überbietbarer Reichhaltigkeit. Zu­gleich macht das von Professor Doegen ein­gerichtete Lautarchiv der Preußischen Staats­bibliothek mit dem Melodienschatz der Reger- stämme aller Zonen bekannt. Eine sehr aufschluß­reiche Ergänzung fanden diese Einblicke durch das Auftreten derUtica Jubilee Singers, die eine nicht von Sazzrhythmen und anderen erst im letzten Sahrzehnt beigemengten Surrogaten ver­fälschte Regervolksmusik zu Gehör brach.en. Fünf ehemalige Studenten der Regeruniversität in iltica führten ohne alle künstlerische Prätension, aber mit feinem Gefühl für den seelischen Gehalt der Lieder und angenehmer Klanggebung Ge­sänge verschiedenen Charakters vor, die ihren Ur- sprung durchweg in der Sllavenzeit der ameri­kanischen Schwarzen haben. Man lauscht diesen schlichten, überwiegend von einer sanften melan­cholischen Stimmung durchzogenen Gelängen, die von einer besseren, freien Zukunft sprechen, und den Dialektliedern nicht ohne Ergriffenheit und läßt gern den naiven, gutherzigen Humor dec Dialektlieder auf sich wirken.

Der BegriffPaneuropa, der dieser Aus­stellung wie /einem zweiten kulturellen ilnter- nehmen nach dem Kriege das Gepräge gibt, Hütte nicht seine volle Bedeutung betommen, wenn nicht auch die internationale Arbeiter­schaft in 'die Serien der repräsentattven Auf­führungen eingegliedert worden wäre. Chöre aus Frankreich, Oesterreich, Delgien,

Dienstag, 25. August 192?

ten zur Einführung neuer Versuche führen. Die Er­tragsforschung müj|e ergänzt werden durch eine von der Praxis^ zu schaffende Betriebsstatistik. Zur Klä­rung der Rassen- und Saatgutfrage seien einerseits ausgedehnte Anbauoersuche, andererseits gründliche Erforschung der geschichtlichen Entwickelung not­wendig.

Das zweite Referat über dasselbe Thema hielt Statsrat und Landforstmeistcr a. D. Dr. Weber (Konradshof) in Oberhessen. Bei der Zusammen­arbeit der forstlichen Pratti.er mit dem sorstlichen Dersuchswesen und der Wissenschaft erscheine m v g - lich st frühzeitige Spezialisierung zweckmäßig. Jedem Studierenden müsse es frei­stehen, seinen Bildungsgang nach besonderen Lehr- planen im Rahmen einer besonderen Ausbildungs- Möglichkeit frei wählen zu können. Einzelne bis­herige Hauptfächer seien in Nebenfächer umzuwr.n- dein; die naturwissenschaftliche Richtung und die­jenige des Jngenieurwesens müßten aber für sämt­liche Studierende als Hauptfächer gelten. Das söge- nannteVorexamen" bilde das größte Hindernis für Studienfrciheit, Forschergeist und Freizügigkeit. Die Schlußprüfung müßte zweckmäßig an der zu­ständigen Landeshochschule abgehallen werden. Der Referent erörterte dann die Frage, wie Praris, Dersuchswesen und Wissenschaft ge­meinsam ihre Aufgaben lösen könnten und welche Arbeitsorganisation dazu erforderlich sei. Lang cn- bauernbe Versuche unb Untersuchungen bedürften bauernder Einrichtungen. Es müsse 'ba.y.i der Weg dauernder Beobachtung nach zwei Richtungen be­schritten werden: 1. Statistische Meßbeobachtiing auf kleinen, scharf abgegrenzten Flächen; 2. statistische Auswertung der Ergebnisse. Die Errichtung einer forststatistischen Geschäfts- und Arbeit5ste''e auf Reichskosten, die dem Forstverein anzugliedern sei, sei dringend zu befürworten. Der deutsche Wald umfasse nahezu ein Viertel der Oberfläche des ' 'ei- ches (rund 1200 Millionen Hektar) mit einer Ho'z- vorratsmasse von 1,5 bis 2 Milliarden Festmeter Derbholz und einem Wert von 20 bis 30 Milliarden Mark. An solchen Wcrtobjekten könne die Rc:chs- statistik auf die Dauer nicht vorübergehen. Die Vor­bedingungen zur statistischen Erfassung, so groß sie auch zu sein scheinen, seien da und die Arbeit könne bei richtiger Verteilung der Kräfte ohne erheb!) e Kosten geleistet werden. Die Kosten seien an zweck­mäßigsten vom Reiche zu tragen. Während eines Zeitraums von etwa fünf Jahren wäre ein Reichs­zuschuß von etwa ein bis zwei Millionen Mark ober ungefähr eine Mark pro Hektar erforderlich.

In der Nachmittagssitzung wurdn die Berichte überDie Ereignisse d e s Jahres auf b em Gebiete der Forstpolitik unb die wirtschaftliche Lage" erstattet. Zu­nächst sprach Professor Dr. Raab, Tharandt in Sachsen (früher Privatbozent an der Uni­versität Gießen), der eingehend barl ie, we sich in den letzten Jahren unsere wirtschaftliche Lage gebessert habe. Heute seien 4 Prozent der Ge­samtbevölkerung mehr in der Wirtschaft tätig als vor dem Kriege. Der Arbeitsertrag habe sich zwar gegen­über den ersten Nachkriegsjahren gehoben, habe aber immer noch nicht den Dorkriegsstanb erreicht. Wesent­lich ungünftiger als Arbeitsleistung und Arbeits- ertrag stelle sich die Kapitallage der deutschen Volks- wirtschaft bar, besonders dadurch, daß wir durch den Derfailler Frieden einen großen Teil unseres Er­nährungsbodens verloren hätten. Um das gesRmä- lerie Kapital wieder aufzufrrscben, sei nachdrücklid;es Sparen erforderlich. Leider habe unsere Handels- bilanz immer noch eine Passivität in diesem Jahre vier Milliarden aufzuweisen, was vor allem eine Folge der Reparationsleistungen fei, so daß wir in immer wachsenden Maße an das Ausland ver- schulden. Auch die öffentlichen Lasten hätten sich noch weiter vermehrt. Nur stärkere Beschäftigung, wesent­liche Produktionssteiaerung, größte Sparsamkeit und Verminderung der Reparationslasten könnten das deutsche Volk aus dieser Misere erlösen.

Als zweiter Redner äußerte sich zu dem Thema Ministerialrat a. D. Dr. K a h l, der sich wieder mehr mit der allgemeinen Lage der Forstwirtschaft unb den sich daraus ergebenden Maßnahmen beschäftigte.

An die Vorttäge schloß sich eine längere inter­essante Aussprache. Oberforstrat Dr. D i e t r i ch (Stuttgart) sprach vom Stanbpunkte des Dersuchs- wesens unb betonte babei bie Notwendigkeit ci .er scharfen Trennung der Aufgaben von Wissenschaft und Praxis. Professor Dr. Borgmann (Gießen) wandte sich gegen verschiedene Thesen, die der zweite Referent, Staatsrat Dr. Weber (Konradsdorf),

Holland, Luxemberg, aus der Tsche­choslowakei und der Schweiz sind dem Ruf ihrer deutschen Sangesbrüder gefolgt. So ergab sich in dem .Snternationalenr Volksliederaben k/' ein aufschlußreiches, allerdings schon durch das Fehlen mehrerer für den Dolksgesang besonders wichtiger Staaten unvollständiges Bild vom gegenwärtigen Stand des Arbeiterorchesterlebens in Europa. Die er­schienenen Vereinigungen ließen auch deshalb nur bedingt ein über die Einschätzung der je­weiligen Darbietung hinausgehendes Urteil zu, da Anhaltspunkte für die Feststellung fehlen, ob die erttsandten Korporattonen wirklich Spitzen­leistungen ihrer Länder zu bieten haben. Zu bem*' großen, noch nicht abzuschäyenden Gewinn, den die Musikpflege Europas von der Frank­furter Ausstellung zu verzeichnen hat, wird jel cn» falls auch der gehören, daß die Chöre der internationalen Arbeiterschaft manche neuen Maßstäbe gefunden haben.

Hochschulnachrichten.

Den Privatdozenten in der philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg Dr. Eugen Herrigel (Philosophie), Dr. Albrecht Götze (Vergleichende Sprachwissenschaft und se­mitische Philologie) und Dr. Erich Frank (Phi­losophie) ist die Amtsbezeichnung außerordent­licher Professor verliehen worden. Für das Fach der Kinderheilkunde habilitierte sich in der Marburger medizinischen Fakultät Dr-. wed. Soachim Brock, Oberarzt in der Kinder- llinik. Mit Genehmigung des Gesamtministe­riums ist die Wahl des Professors der klassi­schen Philologie, Geh. Hofrats Dr. Erich D e t h e zum Rektor der Universität Leipzig für das Universitätsjahr 1927 28 bestätigt worden. Der Leiter des zentrale Städtebauamts der Stadt Berlin, Magistratsoberbaurat Dr.-Sng., Dr. rer. pol. Roman Heilig ent Hal in Der- lin-Halensee ist vom 1. Oktober 1927 ab zum orfoHtlidjen Professor des Städtebaus und des Städtischen Tiefbaus in der Abteilung für Bau­ingenieurwesen der Technischen Hochschule zu Karlsruhe ernannt worden.