Der Fall Pieck,
Berlin, 23. Süll. (Priv.-Tel.) Laut „Tägl. Rundschau" hat auf die Anregung des preußi- chen Landtagspräsidenten Bartels das Auswärtige Amt ein Interventionsverfah-
s ialistischen Parteitoryphäen mit ansehen, wie ! ? verhetzte Menge den Iustizpalast in Brand V o’e und die Löscharbeiten der Feuerwehr mit alt hinderte. Männer, wie Seih, der sozia- l »tische Bürgermeister von Wien, Deutsch, t:r Führer des republikanischen Schutzbundes, £)ito Dauer, und dec Stadtkämmerer Breitner, mußten sich beschimpfen und auspfeifen Inff en, als sie den Versuch machten, die Massen von Gewalttätigkeiten abzuhalten.
Die machtlosen Führer griffen dann zu dem beliebten Mittel: sie „schalteten sich in die Bewegung ein" durch die Erklärung des Gene- r a l st r e i k s , um mit dieser Konzession an den radikalen Flügel, den Kommunisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein Mittel, das sich gleichzeitig als Pression gegenüber der Regierung benutzen lieh, um eine Reihe politischer Forderungen durchzusetzen. Ihr Ausmaß entsprach dem ersten Hochgefühl der Revolutionsstimmung: Rücktritt des Kabinetts Seipel, Absetzung des Polizeipräsidenten Schober, sofortige Einberufung des Nationalrats und Bildung eines Direktoriums unter Beteiligung der Sozialdemokratischen Partei. Die Sozialdemokratische Partei hat nicht eine einzige dieser Forderungen auch nur andeutungsweise zu erlangen vermocht. Sie hat binnen 24 Stunden widerstandslos kapituliert vor der Festigkeit der Regierung und der entschlossenen Abwehr des Bürgertums in den Bundesländern. Man hatte anfangs den Eindruck, daß Bundeskanzler Seipel unentschlossen und kampflos den Dingen ihren Lauf lassen wollte. Aber diese passive Haltung war wohl am besten dazu angetan, die sozialistische Altion sich tot rennen zu lassen. Das geschah denn ja auch überraschend schnell. Der Kanzler wich vor den Forderungen der Sozialdemokratischen Partei nicht um eines Haares Breite zurück. Sehr bald lieh man stillschweigend eine nach der andern fallen. Rur das Prestige suchte man zu retten. I' ergebens, der Kanzler blieb unerschütterlich: Bedingungsloser Abbruch des Generalstreiks und Einberufung des Nationalrats erst, wenn die Sicherheit der Tagung vor ! rroristischen Beeinflussungen gewährleistet sei. "ie Parteiführer haben sich dem Willen der ■egietung gefügt Ihre Riede tt'ge ist vollständig.
Nicht unwesentlich dazu beigetragen hat d i e Haltung der Bundesländer. Üeberall in Tirol und Vorarlberg, Steiermark und Kärn- ! 3 haben Bundestruppen und Heimatwehr auf Anordnung der Landeshauptleute die Bahnhöfe i eht, Technische Nothilfe griff ein, und der Verletz rsstreik tonte in wenigen Stunden in sich sammengebrochen, wenn er von der Wiener Parteileitung aus nicht in Vorahnung des Kommenden so bald schon abgeblasen worden wäre. Der Wiener Arbeiterschaft selbst bemächtigte sich zuerst die Ernüchterung. Sie kehrte in die Beit. ebe zurück und verlangte nun folgerichtig, öah der Bahnverkehr unverzüMih wieder aufgenom- n. en werde, um nicht der Industrie die Zufuhr der Rohstoffe abzuschneiden und die Versorgung der Wiener Bevölkerung mit Lebensmitteln nicht f.U unterbinden. Die Hauptstadt war auf die Bundesländer angewiesen und konnte nicht für sich allein Revolution machen. Die sozialdemo- iratischen Parteiführer suchen ihren Mißerfolg damit zu verschleiern, dah sie behaupten, aus Besorgnis vor der Intervention fremder M ä d) t e. sei der Abbruch der Aktion erfolgt. So- . >hl Italien wie die Tschechoslowakei hätten mit cm Einmarsch von Truppen gedroht. Selbst Ber- ■ ’Xt Blätter der Linken, Äe die Bewegung in ' ien mit unverhohlener Sympathie begleitet ha- r-cn, kennzeichnen diese haltlosen Behauptungen als Tatarennachrichten.
Es läßt sich eben nicht ableugnen, daß die m'affe des Generalstreiks sich im »politischen ampf als stumpf erweist, sobald Regierung und ürgertum in entschlossener Abwehr zusammen- hen. Der Streik als äußerstes Kampfmittel im uStrag wirtschaftlicher Gegensätze hat im pv-- >ischeu Kamps nichts zu suchen. Er ist unver- > wörtlicher Terror gegenüber der Volksgesckmt- ir. die ein Recht darauf hat, ihre Lebens- Wendigkeiten vor den Eingriffen einer Po- is Yen 'Parteigruppe geschützt zu sehen. Daß ‘ Generalstreik durch die Ereignisse in Oes er= J) als politisches Kampfmittel viel von seinen -recken eingeöüßt hat, mag eine Lehre sein, f das Bürgertum aus den Wiener Vorgängen .eheN kann. e
Eine andere sei der Reichsregierung und allen, cs sonst angeht, ans Herz gelegt: dieEntpoli- tisierung unserer Verbände. Die Verbände dürfen nicht länger als Werkzeug der politischen Verhetzung unserer Jugend mißbraucht werden. Es muß einmal Schluß gemacht werden mit dem ewigen Demonstrieren. Die Straße ist nicht der Schauplatz zum Austrag von politischen Meinungs- ve^chiedenheiten. Solange die Verbände von rechts wie von links nicht von der Straße verschwinden, werden so beklagenswerte Vorfälle, wie der in Schai- tcudors — und ähnlid}e sind ja auch bei uns in Deutschland leider an der Tagesordnung — nicht aufhören, we Oeffentlichkeit zu beschäftigen und unser innerpolitisches Leben in steter Unruhe zu erhalten. Die Politik hat in den Verbänden aber auch gar nichts zu suchen. Die deutsche Republik ist Manns gertug, i ch selbst zu schützen. Sie bedarf dazu weder des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold noch der Vaterländischen Verbände. Es wäre Bankrott des Staates, coenn er seine wichiigste Ausgabe privaten Vereinigungen übertragen wollte. Ihnen bleiben genug ü'dere, die der heutige deutsche Staat nur fördern, icht lösen kaum Die Ertüchtigung der Jugend, ihre Erziehung zu Selbstdisziplin und Derantwortungs- ttühl gegenüber der Ration und dem Dolksganzen.
3n schöner Eintracht sehen wir Reichsbanner und Bte Frontkämpfer, Stahlhelm und Jungdeutschen Orden zusammenwirken bei dem Hilfswerk für die •'°n der Unwetterkatastrophe im Erzgebirge schwer r.'troffene Bevölkerung. Wir begrüßen Dies einmütige - chulter-an-Schulter-Stehen, gleichgültig welch poli- bscher Auffassung der einzelne huldigt, als einen rften Schrit der Abkehr von einem Wege, auf dem ’ür unser Volk und unsre Jugend nur die Gefahr unheilvollen Zwiespalts und törichter Selbstzerfleischung lauert. Die furchtbaren Vorgänge in Wien haben gezeigt, wohin dies« Weg führen Fann. Kritiklos mb leicht entflammbar wird die Jugend nur allzuoft 'las erste Opfer gewissenloser Demagogen. Möchten >och die frischen Gräber auf dem Wiener Zentral- rriebbof uns allen eine ernste Mahnung sein, vor mferer Jugend stets das Gemeinsame zu be- vneN, bas Trennende wird ohnehin früh genug sich selbst hervordrängen.
I ren im Falle Pwa bei der öste^ ttmichen Regierung cingelcitet, für die j cd och keine st a a t s° rechtliche Verpflichnng vcrieg., b rauf einzugehen. Wie die fblätKr roeiter Mitteilen, wird sich auch die reichsdeutsche Dtta,- behörde mit der Wiener Rcise Peecks zu befassen haben. Pieck befindet sich mit Zustimmung des preußischen Landtags in Untersuchung wegen Hochverrats, weil er ohne Genehmigung der zuständigen Gerichts st el len Deutschland verlassen hat.
Die Postgebühren.
Die neue Tarifvorlagc im Berwaltungsrat.
Berlin, 22. Juli. (Woisf.) Im Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost begründete dev Reichspostminister Dr. Schätze! die Gebührenerhöhungsvorlage. Es sei ein ungedeckter Mehrbedarf von 42Z Mill. Mark vorhanden, zu küssen Deckung die Erhöhung der Gebühren 208 Mill. Mark bringen soll, während der Rest von 219 Mill. Mark durch rationelle Maßnahmen unter Heranziehung der Reserven gedeckt werden soll. Außerdem soll für dauernde Anlagen auf dem Wege der Anleihe ein Betrag von 117 Mill. Mark verfügbar gemacht werden. Der Minister betont, daß die Post- tarife in kaufmännischer und wirtschaftlicher Weise aufgestellt worden seien. Die Ausgaben seien heute schon über die Grenze des Vertretbaren hinausgegangen. Eine Gebührenerhöhung würde unter anderem auch Sie Mittel für d i e Besoldungserhöhung bringen. Die Deutsche Reichspost komme mit der Gebührenerhöhung lediglich einer Angleichung an den allgemeinen Preisstand nahe. Der Derwaltungsrat beschloß dann, das Briefporto im O r ts - verkehr auf 8 Df- festzufetzen. Ein Brief im Fernverkehr soll entsprechend dem Antrag k^s Arbeitsausschusses 15 Pf., über 20 bis 250 Gramm 30. Ps., über 250 bis 500 Gramm 40 Pf. kosten. Drucks achenkarten, auch mit anliegender Antwortkarte, sollen einer ermäßigten Gebühr von 3 Pf. unterliegen. Im übrigen blieb es für das Drucksachenporto bei den Vorschlägen des Arbeitsausschusses, nämlich 5Ps. bis 50 Gramm. Auch die anderen Pvrloverände- rungen wurden entsprechend den Vorschlägen bed Arbeitsausschusses beschlossen. Die der Vorlage soll am Samstag erledigt werden.
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident von Hindenburg traf am Freitagnachmittag nach mehrtägigem Aufenthalt auf dem Gut Groß-Justin, der Besitzung seinbs Schwiegersohnes, Landrats a. D. von Bruckhusen, wieder in Berlin ein.
Reichsinnenminister v. Keudell soll den volksparteilichen Abg. v. Kardorsf aufgefordert haben, bei der Feier des 11. August im Reichstag djss Festrede zu halten. Abg. v. Kardorsf habe zugestimmt. Bei der großen Abendfeier in der Funthalle wird der preußische Unterrichtsminister Dr. Becker die Festrede halten.
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Zum Tode des Staatsministers v. Brenta n o sind weitere Beileidskundgebungen eingegangen von dem preußischen Ministerpräsidenten, bem badHhen Staatspräsidenten und dem Vizekanzler Hergt, der telegraphierte: „Im Namen des abwesenden Reichskanzlers und der Reichsregierung darf ich Ihnen, hochverehrter Herr Staatspräsident, und der hessischen Regierung die wärmste Teilnahme angesichts des schweren Verlustes aussprechen, den Hessen und mit ihm Deutschland durch das Hinscheiden Brentanos erlitten hat. Seinen höhen Verdiensten um das Vaterland ist ein bleibendes Andenken gesichert."
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Der Bericht her alliierten Vertreter, hie unter Führung des Generals von Patoelsz die zerstörten deutschen O st b e f e ft i g un g en untersucht haben, ist eingegangon uni) wird voraussichtlich der Botschafterronferenz ohne Kommentar vorgelegt werden. Die Konferenz wird lediglich Kenntnis davon nehmen, daß das Abkommen erfüllt worden ist.
Die He-rag.
Die Untersuchung im Zweiten Landtags- ausschust.
Von unserer Darmstädter Redaktion.
D a r m ft a b t, 22. Juli. Heule nachmittag 36 Uhr trat im Sitzungssaal des Hessischen Landtags der Zweite Ausschuß als Parlamentarischer Untersuchungsausschuß zusammen, um die Beschuldigungen des Abg. Kindt zu prüfen, die dieser im Zusammenhang mit bei Gründung der Hefrag, namentlich gegen ben Ministerialrat Win disch. erhoben hat. Jener soll, um Generaldirektor der Hefrag zu werben, bie hessischen Interessen bei dem neuen Unternehmen geschädigt haben. Gegen den Abgeordneten Kindt wurde im Landtag non sozialdemokratischer Seite der Vorwurf erhoben, daß er nicht einwandfrei bei dem Angebot von K e s s e 11 i e s e r u n g e n für die Wölfersheimer Werke durch die Firma Eymer-A.-G. gehandelt habe. Abg. Kindt (Dn.) und Abg. KaUl (Soz.) hatten Anträge gestellt, die dahin gingen, daß der Zweite Ausschuß die Angelegenheit an Hand der Akten prüfe. Zu Beginn der Sitzung teilte her Vorsitzende, Abg. Schul, mit, baß außer den beiden Anträgen auch der Fall Eymer behandelt werden sollte. Als Zeugen wurden aufgerufen Ministerialrat Windisch, Fi- nanzminister Henrich und Direklor ©ermann von der AEG. in Frankfurt, aber vorläufig noch nicht vernommen.
2lbg- Sturmfels gab eine kurze g^chichk- iKbe Darstellung der Angelegenheit und verlas dann Die Akten über das Angebot für die Kesscl- lieferungen. Die Akten bestanden im wesrwlichen aus einem Briefwechsel zwischen Direktor Eymer und Ministerialrat Windisch. D.e Schreiben Eymers stellen einen Versuch dar, ben Ministerialrat festzulegen daß er die Kessel bestellt habe. Eymer droht im Verlauf des Briefwechsels dem Ministerialrat, als er dann jedoch nichts erreicht umschmeichelt er ihn. Die Briefe Eymers sind sehr wortreich, schwülstig und unklar
In der Vernehmung gibt Ministerialrat W.rndrsch dciß chii die Angriffe Kindts, weil er sich nicht recht wehren konnte, maßlos erregt hatten Er wies auf andere Fälle hin wo Verhandlungsführer in die Leitung eines Werkes berufen wurden. Denselben Vorwurf den man in dieser Beziehung Hessen mache, könne man auch gegen Frankfurt erheben. Abg. Kindt habe
behauptet, Frankfurt hätte bei dem Hefrag- u.iterNehmen besonders günstig, d. h. auf Kosten Helsens, aboejdjnitien; Die er Behauptung trat Ministerialrat Windisch in längeren Ausführungen über die Berechnung von Strompreisen entgegen. Im Falt Eymer könne man ihm den einzigen Vorwurf machen, daß ec sich zu lange mit ihm eingelassen habe. Auffallend sei es gern Jen. wie sich Abg. Kindt immer wieder für Eymer verwandt habe, um so mehr, da Aba. Kindt wissen Mußte, daß er (Windisch) das Angebot sachlich und wohlwollend^ prüfen werde.
Abg. Böhm stellte an Ministerialrat Windisch die Frage, wann er erfahren hätte, daß er zum Generaldirektor ausersehen sei. Ministerialrat Windisch erwiderte, er habe dies von Anfang an gewußt, er habe sich selbst für den recyten Mann gehalten, in den Vorstand der Hefrag zu kommen. Abg. Böhm fragte hierauf, ob er Anhaltspunkte habe, baß Abgeordneter Kindt Vorteile aus seinen Bemühungen gezogen hätte. Ministerialrat Windisch erwiderte, et habe keinerlei Anhaltspunkte dafür.
Äbg. Schreiber fragte, ob er der Meinung sei, baß Abg. Kindt nur aus Gefälligkeit gehandelt habe. Mini.erialrat Windisch erklärte dazu, ben Eindruck habe er gehabt, aber Abg. Kindt hätte wissen müssen, baß er bas Angebot Prüfe und er (Kindt) hätte nicht den leisesten Grund gehabt, sich weiter für Eymer einzusetzen.
Aus den weiteren Verhandlungen ist noch die Mitteilung des Ministerialrats Windisch von Interesse, daß das Angebot Eymers nicht Kessel eigener Herstellung waren, sondern Kessel einer Firma Büttner und daß Eymer gar nicht in direkten Handelsbeziehungen zu der Firma Büttner stand. Weiter sei die Bemerkung des Ministerialrats Windisch festgehalten: Eymer hat Kindt düpiert.
Direktor Maxmann berichtete in seiner Vernehmung über seine Erfahrungen mit Eymer: er faßte sie in der Bemerkung zusammen: Ich hatte den Eindruck, es mit einem nicht ganz normalen Menschen zu tun zu haben. Aus den Verhandlungen läßt sich jetzt schon ersehen, daß Abg. Kindt von seinen Bemühungen keinerlei Vorteil hatte. Diese Feststellung ist angebracht, da Abg. Sturmfels in seiner Berichterstattung des öfteren versuchte, ben Abg. Kindt so hinzustellen, als habe er nicht uneigennützig gehandelt. Tlm halb 8 Tlhr wurden die Verhandlungen abgebrochen. Nächste Sitzung Dienstag-vormittag 10 Ühr.
Mus <»ller Wett
Um den Langsireckenrekord im Flugsport.
Der Weltrekord im LangstreckenflÜ' der bekanntlich durch den Ozeans.ug Cham' .ins und Acostas aufgestellt toorben war, sott gebrochen werden. Dieser Dauerflug der Amerikaner betrug 511/2 Stunde. Freitag morgen nun In aller Frühe sind zwei Piloten der Iunkerswerke, Rist i c z und Loose aufgestiegen, um den Gang- streckenrekord zu brechen. Sie pendeln zwischen Leipzig und Dessau hin und her und werden erst am Sonntagmittag wieder auf die Erde niedergehen, nachdem die Leistungen Chamberlins und Acostas übertrumpft worden sind. Die ganze Zeit über, in der sie zwischen den beiden Städten hin und her fliegen, werfen sie Flugberichte ab, amtliche Zeitnehmer des Deutschen Luftrats in Leipzig und Dessau kontrollieren sie. Ans diese Weise bleiben sie in ständiger Fühlung mit der Erde, von wo aus ihr Flug immer kontrolliert wird. Die bisherigen Meldungen, die über den Verlaus vorliegen, sind durchaus günstig, alle Anzeichen sprechen dafür, daß der Plan wunschgemäß zur Durchführung kommt. Dieser Flug bedeutet im gewissen Sinne eine Generalprobe für ben unmittelbar bevorstehenden deutschen Ozean- slug. Wenn er wunschgemäß glückt, so ist zu erwarten, daß mit derselben Maschine bereits in der allernächsten Zeit zur Ozeanüberquerung Nach Neuyork aufgestiegen wird.
Der Reichsverkehrsminister über den deutschen Ozeanflug.
Der Reichsverkehrsminister Dr. Koch erklärte einem Mitarbeiter der „Börsenzeitung" über das Problem des Transozean-Luftverkehrs u. a.: Die Schiffahrtsgesellschaften haben in den letzten Monaten ein besonders lebhaftes Interesse an dem Problem genommen. Ich begrüße dieses Interesse ganz besonders und würde 'mich freuen, wenn es gelänge, die Bestrebungen der Schiffahrtsgesellschaften mit denen der Deutschen Lufthansa zu verschmelzen. Wenn einmal der Luftverkehr wirtschaftlich selbständig wird, wird sich der freie Wettbewerb von selbst entfalten. Solange der Luftverkehr aber noch der öffentliche n Beihilfe bedarf, muß ich schon im Hinblick auf unsere begrängte Finanzlage unbedingt auf die Konzentration der Beihilfen auf ein Unternehmen hinwirken. Da die Schiffahrtsgesellschaften an der Deutschen Lufthansa bereits kapital,näßig beteiligt sind, so könnte ich mir vorstellen, daß sich ein gemeinsamer Weg leicht finden ließe.
Flugzeugabsturz bei Vertin.
3n Rudow bei Berlin verunglückten bie Flieger Mühlhahn und Webekind. Bei dem Aufprall auf den Erdboden explodierte der Benzintanl. Durch den gewaltigen Luftdruck, ben die Explosion heroorrief, wurde der mehrere Zentner schwere Motor noch etwa 80 Meter .wett in ein Kartoffelfeld geschleudert. Hohe Stichs l a m m ee n schlugen empor. Passanten und Bewohner der benachbarten Häuser eilten sofort nach b?r Anfallstelle. Auch die Feuerwehr von Rudow war bald zur Stelle. Bevor man aber an bas brennende Flugzeug Heranrommen konnte, müßte man erst ben Tank auSovennen lassen. Cs konnten nur n och bie verkohlten Leichen der beiden Flieger geborgen werden. Die genaue Ursache des Unglücks konnte noch nicht festgestellt werden. Bei dem Apparat handelt es sich um ein Flugzeug neuerer Kvn- strultion _
Jahresversammlung bre Deutschen Vereins von Gas- und Wassersachmännern.
Aus der 68. Iahresverfainnttung des Deut- scheu Bercins von Gas- und Wasserfachmännern, die kürzlich in Kassel staftkand, konnte der Vor-^ sihhnde des Vereins die Tatsache befannigeben. daß der Gasverbrauch in Deutschland im vergangenen Jahre trotz der außerordentlich trüben Wirtschaftslage und des überaus scharfen Wettbewerbes anderer Brennstoffe und Energieträger sich um rd. 4 Proz. über den vorjährigen Stand von ca. 3,2 Milliarden Kubikmeter hinaus Hal steigern können. 5)et Berichterstatter führte dies auf Die Tatsache zurück, baß in ben Haushal
tungen der Gaskocher im wesen lichen durch den Gasherd verdräng! werde, und daß das Pubütum auch dem Warmwasserbereiter mit Gas in gesteigertem Maße Beachtung zeige. Stark: Zunahme zeig der Gasverbrauch auch für gewerbliche und industrielle geuerftätten. Namentlich im Fleischerei-. Konditor i- und Gaststättengewerbe bürgert sich das Gas immer mehr ein, und große Unternehmungen der verschiedensten anderen Industrien, namentlich fast alle Zweige des Mttall- gewerbes, bedienen sich ebenfalls dies s Energieträgers immer häufiger.
Line Weinsorschungsanstalt in Trier.
Die Stadtverordnetenversammlung beschloß die @rria)tung einer Weinforschungsanstalt in Trier, die einheitlich alle für das Weinbau» gebiet von Mosel, Saar und Ruwer wichtigen Probleme prüfen und die Grundlage fü die Beurteilung und Vertretung der Interessen dieses Bezirks darstellen soll. Das Ziel ist die wissenschaftliche Erforschung der für Weinbau und KeUereitoisienschaft wichtigen Vorgänge im Werdegang des Weines, praltische Versuchs- anstellung ".nd Prüfung aller für bie Wein- oehandlung in Betracht kommenden Verhältnisse. Die erzielten Forschungsergebnisse sollen gleichzeitig für Weinbau und Weinhandel verwertet werden.
Unwetter im Ruhrgebiet.
Freitag nachmittag gegen 4 älhr ging über Mühlheim und Duisburg ein einftün» big es Untoetter nieder. Schlamm-Massen und Wasserfluten überschwemmten die Sülldorser Unterführung und machten ben Straßenbahnverkehr unmöglich. In tiefer gelegenen ©trafen» teilen drangen die Wassermassen in die Keller» räume ein. Mehrfache Blitzschläge richteten glücklicherweise nur Materialschaden an. Die Duisburger Straßenbahn mußte von 5 Uhr den gesamten Betrieb auf eine Viertelstunde einstellen, weil der Blitz die O b e_r I. e i t u n g durchschlagen hatte.
Zwei Dörfer durch eine Windhose zerstört.
Eine starke Windhose richtete in den Orten Stregda und Hötzenroda bei Eisenach innerhalb von zwei Minuten große Verwüstungen an. Die Dächer von über 60 Häusern wurden abgehoben. Beim Einsturz eines 40 Meter hohen Schornsteines wurde ein Arbeiter lebensgefährlich verletzt. Mehrere Häuser wurden zertrümmert. Es war so dunkel, daß man nur einen Meter weit sehen konnte. Hundert Jahre alte Bäume, viele Zentner schwere landwirtschaftliche Tllaschinen wurden bis 50 Meter weit fortgetiragen.
Line Wasserhose in Estland.
Während eines furchtbaren Gewitters entstand in Bernau eine Wasserhose, bie 24 Wirtschaften vernichtete. Ein Kind wurde getötet, fünf Frauen wurden schwer verletzt.
Lin Auto von Regenmassen abgetrieben.
In der Nähe von Fischbach wurde eist' Kreuz- nacher Weinhändler mit seinem Auto von einem schweren Unwetter überrascht, das so stark war, daß ein drei Meter hoher ©traßenbamm weg- geschwemmt würbe. Das Auto geriet in die Schlamm- und Wafsermassen und wurde abgetrieben, bis es an einem Eisenbahnschuppen hängen blieb. Der Führer faß bis an die Brust im Schlamm und mußte von der Feuerwehr befreit werden. Er hatte sich starke Quetfd)tz>un2>en zugezogen; das Auto ist stark beschädigt.
Die Opfer der Unwetterkatastrophe In Sachsen.
3n Berggießhübel hat man wiederum zwei Leichen unter den Schuttmassen entdeckt, darunter die eines 15jährigen Mädchens. Trotzdem die Suche nach den Verunglückten mit fieberhaftem Eifer betrieben wird, werden immer noch zehn Personen vermißt.
Kopenhagener Künstler für die Unwettergeschädiglen.
Zugunsten der von der Naturkatastrophe in Sachsen Heimgesuchten.fand in der Domkirche ein Konzert statt, bas von dem Domorganisten N a a - ft e b t, dem Oratoriensänger Nils Rudolf Gode und dem Violinisten und Kapellmeister Kay Polykarp Andersen veranstaltet war. Die Künstler wollten damit ihren Dank für die künstlerische Bereicherung, die sie während ihrer Studienzeit in Dresden und Leipzig empfangen hatten, zum Ausdruck bringen.
Eifersuchtstat einer Greisin.
In Berlin gab die 72 Jahre alte Ehefrau ©tienle auf ihren im Bett liegenden Ehemann, einen 53 Jahre alten Musiker, mit dem sie seit zweiundzwanzig Jahren verheiratet war, angeblich, weil er seine Neigung einer anderen Frclu zugewandt h^te, drei Schüsse ab, von denen zwei ihm in den Kopf drangen und ihn schwer verletzten. Die Frau wollte hierauf flüchten, konnte aber noch rechtzeitig festgenommen werden.
Die folgen einer Wette.
Der Schneider Nehlaff wettete in dem Gasthaus eines Dorfes bei Naugard, 50 Schnäpse hintereinander zu tiinlcn. Er gewann die Wette. Als er heimlehren wollte, brach er vor der Tur, vöm Herzschlag getroffen, tot zusammen.
Die holländischen Batavia-Flieger.
Das holländische Fokker-Flugzeng, das Mitte vorigen Monats unter Führung der Flieger Geysen- dorfer und Schotte mit dem amerikanischen Millionär van Leer Black als Passagier an Bord in Amsterdam den Flug nach Batavia angetreten hatte und dort wohlbehalten am 30. Juni eingetroffen war, ist auf dem Rückwege, von Konstantinopel kommestd, über Budapest in Nürnberg eingetroffen
Lin Raubmörder zum Tode verurteü..
Das Schwurgericht Stuttgart verurteilte den in München wohnhaften Monteur Johann Schüller wegen Ermordung des 26 Jahre alten Dienstmädchens Berta Lochmann aus Stuttgart z u m Tode und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Schüller war in der Nacht zum 24. September 1926 in das offsnstehende Kammerfenster des Dienstmädchens eingedrungen mit der Absicht, sie zu berauben. Dem schreienden Mädchen versetzte er zehn wuchtige Hiebe mit einem Beil. Nachdem er sie ermordet hatte, durchsuchte er Schränke und Schubfächer und erbeutete insgesamt 1,60 Mark.
An Beulenpeff verendete Ratten auf Gctreide» dampfern.
Nn Bord zweier aus A gentinien in Lon - don eingetroffenen Getreidedamp- f e r wurden zahlreiche tote Ratten entdeckt, die nach der bakteriologischen Llniersuchung anDeu- lenpest gestorben sind. Es wurden alle Maßnahmen getroffen, um jede Ansteckungsgefahr auszuschließen.


