Nr. 69 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, 23. März (92?
Für den Vüchertifch.
Neue Gedichte.
— Eduard Reinacher: Harschhvrn nnb Flöte Gesänge au« der Schwerz. 145 6eiten. Deutsche D«lag--Anstalt. Stuttgart, Berlin und Leipzig, 192b. — Unter unzähligen Debichtbänden endlich wieder einmal einer, der eigene« Gesicht trugt; au« vielstimmigem Ehvr der Ramenlosen hebt sich hell die alemannisch- schweizerische Weise de« Elsässer« Eduard Rei- nacher, und e« wäre gut. wenn sie weithin in Deutschland vernommen würde, denn hier blüht uns eine dichterisch« Hoffnung entgegen, die bislang erst von einer kleinen Gemeinde erkannt wurde. Noch weih man nicht, welcher Form di« Kunst dieses Menschen sich endlich zuneigen wird, denn sowohl seine Lyril, wie das, was seither an Erzählungen und Dramen von thm bekannt wurde, war »lctchermahen von Adel und ruhiger, in sich geschlossener Reise; ernste, gedankenvolle Kunst, in einer untadeligen, schönen Sprache. 3n Reinachers Dichtung, so hat man — wohl treffend — gesagt, verbinden sich zwei starke Ströme, seltsam vereint, die seinem Schassen Charakter und tiefere Bedeutung geben. Erdnähe und Verwurzelung in der heimatlichen Landschaft, der seine tiefe Tief« gibt, verschwistern sich bei diesem Dichter mit dem himmelanstrebenden Deist gotischer Mystik - wie er in den ragenden Hlünft «bauten seine« engeren Dctter- lande« unvergängliche Gestalt gewann -- und der faustischen Flügelsehnsucht, die sich in den Weltraum aufschwingen und die irdischen Dinge im Kosmischen auflösen und deuten will. Auch im Gedichtband »Harschhvrn und Flöte" mag man diese Zweiheit wiederfinden, in diesen Versen, die schwerbehäbig oder idyllisch-leicht oder auch wieder chroinkhastchrett, vielleicht in Erinnerung an den wohl atmosphärisch-landschaftlich _ verwandten oder benachbarten (Spitteler ehrwürdigklassische Form wiederaufgreisen Hexametrilw. langweilig ausschwingend, in bedächtigem Fluh runden sich die groben Abschnitte diese« gewichtigen Buches zu einer volltöneirden, kraftvollen Harmonie: Hymnen an die freie, mächtig aus- wachsende Ratur, Liebesgesänge, Sagen. Historien und alte Schwänke verbinden sich zu einer merkwürdig einfachen und zwanglosen Einheit; mit besonderer Freude wird man auch die „Stimmen" in den vieltönigen Ehvrus sich mischen hören, in deneir vertraute Gestalten — Hölderlin, Waiblinger, Mörike — schattenhaft wiederlehren. 702
-- Klinische Sonette. Don Hugo Otto Kleine. 44 Seiten. WellerSberg-Derlag. (Dr. F. Sauerhering.) Lindenthal bei Leipzig 1927. — Lyrik aus der AnatoMie und dem Operation«» faal. Der Verfasser — junger Arzt in Heidelberg — ist ja nicht der erste, der zur Dichter- feber greift, wenn er die Sonde und das CReageiu- glas aus der Hand gelegt hat. Aber er geht andere Wege als die meisten vor chm: er bleibt sozusagen auch mit der Fed« im Bilde; Jein bürgerlicher Beruf gibt ihm auch einen künstlerischen Stosskreis. Dessen Grenzen wird der Autor bald genug selb« erkennen; vorerst bilden Dsich seine Verse als eine seltsame Mischung aus Realismus. Gedankkichkeit und Phantasie. Man mühte mehr von chm gelesen haben, um sagen zu können (zumal da es sich um Lyrik handelt), wieweit — bewuht oder unbewußt — Einflüsse eine» typischen Ztttstils an diesen Sonetten mitgearbeitet haben. Immerhin findet sich zwischen manchem, was man stofflich und formal ablehnen möchte, doch auch einige«, was Hossnung auf Weiterentwicklung und 'Ausprä- gung eigener Wege erweckt; warten wir ab. was der Verfass« nach diesem wohl ersten Bande zu lagen haben wird. 137
IumBeethovenjubiläum.
— Ludwig van Beethoven als Mensch und Musiker im täglichen Leben. Von Walther Rohl. 187 Seiten 8° mit 38 Abbildungen und Faksimiles. 1927. Kart.' 3.60 Mk. Earl Grüninger Rachf. Ernst Klett, Stuttgart. - Walther Äohl. der belannie Beethovens orsch«, gibt h er ein ausgezeichnetes Bild Beethovens, wie ihn seine Zeitgenossen gesehen haben als Komponisten, Klavierspieler. Lehrer, wie sie ihn gesehen haben als Menschen. Zahlreiche persönliche Eharakterzüge und Berichte, die aus seiner Umgebung überliefert worden sind, machen das Buch besonders anziehend, wobei der Verfasser glücklich vermieden hat. i: s allzu Anekdotenhafte zu verfallen. 38. zum Tei. b.oher unbelannte Abbildungen und Facf.miles begleiten den Text So wird beispielsweise zum «sten Mal ein Teil aus einem Konversationshest (1823), in dem sich Beethoven über eine geplante Faustkomposition äuftert, in Facsimile abgedruckt. Papier und Druck hab gut. den Umschlag schmückt eine Wiedergabe der feinen Beethovenbüste Adolf Fremd«. 121
— 21 u g u ft S) a l m: Beethoven. 336 S. 8°. In GanzbaUonleincn 6 Mk., mit einem Titelbild nach einer Marmorbüste von Prof. A. Fremd. Max fK'hcv Verlag, Berlin W 15. — Es handelt sich hier nicht um eine neue biographische Darstellung, sondern vielmehr um die Darstellung des Erlebens der Beethooenschcn Kunst, in ihrem '.Rc;Ic;r. ihren Widerhall in einem sehr persönlich abgeftimmten Meist. Der Wert des Buches liegt gerade in der kritischen Einstellung Veechoven gegenüber, in lnr Auseinan- öerfctzling mit der überragenden Leistung Beet- Hovens, die nicht einfach als selbstverständlich Eingenommen, sondern tiefgründig untersucht wird, auf ihr Wesen, chre Herkunft, ihre Geltung für ihre Zeit und für un’crc Zeit. Aichts von blind«, gläubiger Heldenverehrung und doch eine Huldigung erlesener Art DaS Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil, „Schicksal" betitelt, handelt von Typus des Menschen 'Beethoven, vom .Schicksal der Musik Beethovens", von „ilnf«cr Aufgabe" in der Beziehung zu Beethovens Kunst. D« zweite Hauptlell geht noch dies« mehr allgemein gehaltenen Einleitung auf das Besondere ein. in der .Musikalischen Erscheinung" des Meisters. Seiner „Originalität“, fein« Zormidee. seiner Harmonik wird nachgespürt. seine Rhythmik und Thematik wird behandelt. Hier findet sich die Fülle einsichtiger, neuartiger Beobachtungen und kritischen Wertungen, und nicht minder fesselnd, selbständig und w«tvOll sind die eingehenden Analysen ausae- wählter Werke, die den letzten Hauptteil Vorbehalten. 149
— 3m Rotapfel-Verlag A.-G in Zürich erscheint zum Bvtthovar-Iuoiläum als Sonderdruck in geschmackvoll« Ausstattung der berühmte Aufsatz Romain Rollands üb« Beethoven, den zum «sten Male 1933 die .Saillier« de la Ouinzaine' brachten. 3n kurzen prägnanten Strichen zeichnet der Dichter de« .Jean Christoph" die Persönlichkeit Beethoven«, das Tragische seines Schicksal«, ab« auch da« H«oische seines Lebenskampfes. Rolland« Beechoven-Buch (dem eine Reihe wert- voller Briefe und biographisch« Rotizen beigegeben sind) ist gewiß eines der ausschluh- reichsten und schönsten Denkmale für den großen Musiker (Ausgabe ohne Bild« 4,90 2HL, illu- ftrierte Ausgabe 27 Mk.« 143
— Max Steiniger: Beethoven Mu- siker-Biographien, 2. Band. Reclam. Leipzig. Rniversal-Bibliothek Ar. 1180 31. — Zur hundertsten Wiederkehr von Beethoven« Todestag eine neue Biographie, geschrieben für die musikliebende Allgemeinheit. Sie gilt in erster Linie dem Verständnis der Schöpfungen Beethoven» und erzählt nicht ..die Geschichte, die jeder wttß", sondern facht das ..Erlebnis Beethoven", wie wir Heutigen e« haben und verstehen, in Worte zu fassen. 135
— Am 26. Marz ds. 3«. jährt sich Beethovens Todestag zum 100. Male. 3n der bekannten Sammlung .Das Kleine Propyläen-Buch" erschien vor einiger Zeit ein Band, in dem Paul. ■Sieglet Briefe. Gespräche und Erinnerungen Beethovens gesammelt hat. Aus der Sülle d« Dokumente, die aus Deeiho- vens Lebensgang vorliegen, wurde das Wesentliche ausgewählt, so daß man aus dieser Sammlung. ohne sich mühevoll durch die Menge deS Material« durcharbeiten zu müssen, einen nachhaltigen Eindruck von Beethovens Persönlichkeit gewinnt. (Propyläen-Verlag. B«lin, Ullstein hau«. Preis 3 Mark.) 127
Romane und Novellen.
— Martin AndersenRexö, Heber» Hub, Roman. Gesammelte Werke. Deutsche Originalausgabe. Zweit« Band. Preis geheftet 6 Marl, in Seinen gebunden 8,50 Mark. Verlag von Albert Langen in München. — Der Verlag von Albert Langen veranstaltet jetzt eine schön und vornehm ausgestattete, vom Dichter selbst besorgte deutsche Originalausgabe von Andersen Rexös Gesammelten Werken, deren einzelne Bände schnell in zwanglos« Reihenfolge herauskommen sollen. Zunächst erscheint als Band II dies« Ausgabe der Roman „Uebcrfluf)". — Manchmal geschieht es, daß «in Werk grob et Art anderes noch und Reicheres gibt, als sein Schöps« in chm geboten zu haben glaubte. Die Erkenntnis eine« Todgeweihten, der sich vor dem Zu-Endc°Denken nicht scheut, dem sich rückhaltlos und rücksichtslos die ganze furchtbare Verschwendung enthüllt, die das Leben mit allem von chm Geschaffenen treibt, sei es der Blütenstaub eines Baumes, sei es die Fülle eines Menschen- herzcns. — diese bittere Lebenserkenntnis meinte wohl der dänische Dicht« in diesem Roman „Ucbcrflufj“ wiedergegeben zu haben. Ab« nicht Bitterkeit, sondern Erschütterung, ja Erhebung bleibt zurück, wenn man das Buch aus ber Hand legt. Ein so grausig-großer Humor treibt seine buntschillernden Farbenspiele über der schwarzen Flut. Wie ber Dicht« üb« aller Disharmonie Liebe als vollen, dunkeln Gkockenklang schallen läfjt, — das gibt dem Les« schließlich die Hoffnung auf einen Sinn und eine Harmonie des Lebens, von der Martin Andersen Rexö vielleicht nichts wußte, als er das bittersüße Buch von der Vergeudung des Ueberflulles schrieb. 33
— Tiberius Historisch« Roman von Wilhelm Walloth. Leipzig. Hesse L Becker, Terlag. 362 Seiten. 8". In Leinen gebunden 2.85 Mark. — In der schönen Buchsclge ..Die Schatzkammer", deren Bände sich durch gute Ausstattung und Billigkeit auszeichnen, ist kürzlich der historische Roman „Tiberius" des bekannten Schriftstellers Wilhelm Walloth erschienen. Das Buch war viele Jahre vergrifie.i; für diese neue Ausgabe hat es der Verfass« sorgfältig durchgesehen und zum Teil neu bearbeitet. Walloch unternimmt den Versuch, die rätsechafte Gestalt de« römischen Kaisers Tib«ius, eines Zeitgenossen Jesu, zu durchleuchten und die vielfachen Widersprüche feine« Eharakiers verständlich zu machen. Die Sitten der Zeit, die Intrigen der Höflinge, die schauerliche Einsamkeit des Kaisers, der gerade von te.ien betrogen wird, denen er am meisten vertraute, seine späte L e?e zu der Germanin Thusnelda — das alles weiß der Verfasser dem Leser nahe zu bringen. Die Ausstattung des -a.>z vortrefflich. 95
— Otto Roque11e: Waldmeisters Brautfahrt. Ein Rhein-. Wrin- und Wandermärchen. Mit einem Nachwort von Wilhelm Grein«. Ph. Reclam-Verlag, Leipzig. Universal-Bibliothek Rr. 6724. 51
— Sibylle Schall: D ie Liebe der Mary Eeewald. Roman 285 6. 8°. Wilhelm Borngräber Verlag, Leipzig. 47.
Politik und Geschichte.
— Heinrich v. Treitschke: Deutschland nach dem Dreißigjährigen Kriege. Reclcnns ll. iverfal-Bibliothek. Wit Rachwort von Dr. Fritz Eberhardt. Rr. 6722 23. Hell 83 Pf.. Band Mk. 1.20. — Heinrich v. Treitschke. neben Mommsen. Ranke und 6pbei wohl der bedeutendste Gesch.chtsfchreib« des 19. Jahrhunderts, gibt in feinen Werken nicht trockenes Wissen, sondern kra wolle« Leben. Der vorliegende, der Einleitung von Trettschtcs ..Deutsch« Geschichte des 19. Jahrhunderts" entnommene Abschnitt ist ungemein charakteristisch für feine zündende Schreibweise und seine Ge- dankenwell. Er zeigt die geschichtliche Entwicklung Deutschlands vom Dreißigjährigen Kriege bis zum Tode Friedrichs des Großen. Wir erleben den Verfall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Ration und als Gegenstück das staatliche Heranwachsen des preuß.lchen Könia- reichs. Vielleicht ist das heutige Geschlecht mehr als jedes and«e geeignet, die Lehren dieses Geschichtsabschnittes zu verstehen. 55
— Sitten und Urkunden der Geschichte der Trierer Universität. 2. Heft. Die Promotionslisten der Artisten-Fakultät von
1604 bi» 1794. Bearbeitet von Dr. Leonard Seil Dompuhtular Incr, Paulinus • Druckerei 11*26. drosch. 7 Mk. — Dr. Äcil veröffentlichte 1917 die Promotionslisten der Trierer ; hilofophiswen Fakultät für dic Jahre 1473 bis 1603. Nunmehr erscheint im iberlaq ber Paulmus-Druckern der 2. Band. Er enthält die Promotionsliften derselben Fakulläl von lb )4 dis jt r Aushebung der Universität im Iahte 1794. Statt ber dironologiuhcn Anordnung ist diesmal die alphabetische gewählt, die wegen der Die- berfchr d.rsclben '.'kamen ben Tert i-crcinfad)U unb auch bas Register ersetzt. ‘21k- Anbang ist Me Omina- trikulationslistc ber juristischen Fakultät von 1739 bis 1794, ebenfalls alphabetisch, gegeben. Dem Texte des chaupnctts geht eine genaue Liste der Rektoren der Hochschule sowie der Dekane der philosophischen Fakultät t oratio. Der Wett dieser Arbeit liegt neben dem geschichtlichen Denkmal vor allem in der Linie der Famiiiensoriwiing. Die überaus zahlreichen Fußnoten enthalten kleine Biographien. 62
Friede-Freiheit-Brot? Ein Deutschenspiegel. Mit 150 Bildern In Kupfertiefdruck und begleitendem Tert In Ganzleinen gebunden 5 Mk Fr. Zillesen (Heinrich Beenken). Verlagebuchhandlung. Berlin. Die unbeschriebene lleberschrifr dreie« Buche- könnte auch lauten: 21'ic tief wir gesunken hab' In erschütternden Lichtbildern, dte nicht lügen können, sehen wir all das Elend, welches das ganze deutsche Volk feit 1918 in diesen unheilvollen und schweren Zeiten der Revolution, der Inflation, des Bürg«- krieges. des Hungers ufto. burchmacyen mußte. Die fiare Sprache d« Bilder dieses Buches in Verbindung mit dem schlichten Text beweist in untrüglichen Zeugnissen auch für alle Zukunft, was aus den Schlagworten . Friede-Freiheit-Brot" geworden ist. Die« Buch ist ein Spiegel, den sich das deutsche Volk zur Warnung für alle Zeiten vorhalten soll, ein Buch von so Überzeugend« und packend« Wahrheit, daß cS in eine« jeden Deutschen Hand gehötte. 40
Heimatkundliches.
Deutsche Heimat. Bild« aus Stadt und Land. Mit Geleitworten von Hermann Stehr und Josef Winckler. Herausgegeben von M. Paul Bock und D«ner Lindner. ..So ist es gekommen, daß auch heute noch dem Deutschen seine weitere Heimat unbekannt geblieben ist; aus seinem frühere» Hang in die All-rwekts- ferne. bei gleichzeitig krähwinlelhaft« Aükapse- lung d« einzelnen Stämme voneinand«, durch politische und religiöse Hemmungen genährt, aus der modernen Sklavengebundenheit. durch übersteigerten Industrialismus an Zeit und Kraft zerfressende Arbeitsstätten". (Josef Winckler.) D« Deutsche kennt sein deutsches Land nicht. Es ist so! Dem einen fehlt die Zeit, dem anderen da« DeW, dem dritten beides und dem vietten und schwärzesten Sünder der Wille oder das Ver- ständins. Als eine wahre Kultuttat ist daher das vorliegende Wert zu betrachten. Auf rund 300 Bildern vermittelt es die Wesenseigentümlichkeiten und Schönheiten d« deutschen Heimat. ■ Man blättert, die Wangen röten sich, bas Blut kreist schneller, denn alle Bilder, alle Flüsse, Seen. Berge und Baume, Haus« und Dome tragen unser eigenes Wesen, sprechen unsere eigene Sprache. Die grauen Moren auf der Rordsee, der weihzischende Gicht aus Kaminen und Schlöten der großen Ozeanr-.esen int Hamburger Hasen, gespenstische Windmühlen in der Kremper- marsch. efeuumrankte Stadttürme, Wachower- büsche in der Lüneburger Heide. Münsterland, Westfalen, Rhein. Main, Odenwald und Schwarzwald jedes einzelne Blatt ist em charakteristischer Ausschnitt deS jctoeiLgen Land- schafts- und Kulturbildes. Vom Horben, die Wes«, den Rhein entlang führt un« die Reise des ersten Bandes über HunSrück und Freiburg, üb« Bodensee und Allgäu nach Garmisch. Vom deutschen Arbe.tLgcist im Saar- und Ruhrgebiet, üon romantischen Toren und Treppen, von poetischen Fluren und Auen, von Sagen und Liedern erzählen uns die Bilder. Dunkle Seen träumen un Schwarzwald, schräge Gassen uni) spitz- giebligc Häuser find Wohnungen des Friedens: Marltplätze und Mar.enbrunnen zeugen von Glauben g.gantische Bergriefen der Alpen ver- s.nnbildlichen Dramen und Menschentrag.l. Flülle und Ströme sind Symbole gleitender Erdentrast. 11 nö teile, ohne daß du es merkst steigt etwas auf in dir. eine Ahnung, daß du mit dem deutschen Boden in deinem Sein verwachsen bist, und diese Ahnung verdichtet sich und totrb zur Gewißheit, w.cd zur Heimatliebe. Dieses präch- i.ge Werk ist soei.cn bei d« Deutschen Buch- Gemeinschaft in Berlin SW 61, Teltower Straße 2° erschienen. 3« Preis beträgt (nur
. der, Mk 7.40. We.t über 300 000 »:änt .ge Mitglieder haben sich dies« ®erneut* schäft in noch nicht drei Jahren angeschlossen! Gewest ein kaum zu überbietender Beweis für die Lcbeiw iG gleit und die Existenzberecht gung dieser und ähnlicher Zusammenschlüsse. 48
— D e r Heimatforscher. Herausaegeben von Professor Dr. Waich« Schventchen. Sireltor der Staat, ichen Stelle für Raturdenllnalpslege in Preußen. I>erlag F«dinand Hirt, Breslau. 1926. — Band III: D i e Siedlungen der Heimat. Von Professor Robett Mielke. (88 Seiten 8J. Gebunden 3 Rm. — Die Siedlung«- iottchung ist in der letzten Zeil von irnrn« toci- t«cn Greifen auf genommen worden. Eine eigene Wissenschaft ist entstanden, an der Boden- und Erdlunde. Volt-- und Bölk«kunde, Vorgeschichte, Geschichte, Wirtschafis-, Bau- und Epargeschichte teilhaben, und die dadurch an den Forsch« recht hohe Anforderungen stellt. Es wird nur wenige geben, die biete Teilgebiete beherrschen, aber viele, dte durch v«sönliche Arbeit die Wissenschaft forbern wollen. Sin Wegweiser, der alle hier in Betracht kommenden Gebiete berücksichtigt und sie nach ihrem Werte für die Siedlungsjottchung erläutert, ist geradezu ein Bedürfnis. Der Lehrer insbesondere, der in manch« Beziehung der Eiedlungssottchung nahesteht — es ki nur an die neuen Lehrpläne für die Heimatkunde erinnert — dürfte in den Siedlungen d« Heimat" eine sehr willkommene Einführung sehen. Auch weitere Kreise, die der Helmatforschung nahestehen, werden hi« manchen Weg ein« ersprießlichen w.sienfchastlichen Arbeit finden. — Land IV: Die Lieder der Heimat. Von Professor Dr. Arthur Hübn«. 101 Seiten 8°. Gebunden 3 Rm. —
Das Buch will nicht nur praktische Anwellungen für das Sammeln von Volkslicdern geben, sondern es legt das Hauptgewicht daraus, bem Sammler die richtige Einstclluitg Aiim Licde des Volkes au vermitteln. Der Versafser sieht dabei ab oon dem älteren deutschen Dolksliede, auf da« dic wissenschaftliche wie die populäre Betrachtung heute zumeist iwch einaesteill ist. wenn f < sich mit dem Volksliede befchätt.gt; er hält sich vielmehr vollbewußt lediglich an das heute ut Land und Stadt nvch lebendige Lied, das in allen feinen Formen gewürdigt wirb, und er versucht in knapp zufammensanenden Kapiteln, die sich mit der Entstehung, dem Lebensprozeß, dem Stoff, dem Stil, auch mit ber musikalischen Leite solcher Lied« befassen, die Grundlfmen einer Methodologie dieses wichtigen Zweige« der Hemiattunde zu zeichnen.
O b e r h e s s i s ch e S H e i m a t d u ch. Von Wllhelm Müll«. (Hessische Vollsbücher. beraabgegeben von Wilhelm Diehl. 58 - 60'. 246 Seiten Oktav Darmstadt 1926. Selbstverlag des Heraus- gebere Die auf Anregung des Herausgebers der .Heffrschen Volksbücher". Prälaten D. Dr. Diehl, entstandene Schttft will, ausdrücklich, weder eine abgeschlossene wissenschaftliche Volkskunde her Provinz Oberhessen sein. >wch einer solchen vor- greifen — sie will lediglicy „den breiteren Massen des VokeS Anregung, Belehrung und Unterhaltung über die Heimatgeschichte" geben; also nicht nur ein Heimatbuch, sondern ein Volksbuch im weitesten Sinne — Buch für baS Volk — zu fehl, das ist hier die Meinung gewesen. 11 nb man muh sagen, daß die zusainmengebrachten acht- undzwanzig Aufsätze einen ebenso populären wie vielseitigen Beitrag zu der reichen einschlägigen Lit«atur ber hessischen Heimat- und Volkskunde bilden; die Darstelluna ist auch erfreulicherweise ganz auf einen großen unb unkomplizierten Leserkreis eingestellt. Das vorgelegte Material beschäftigt sich mit ein« Fülle von folklottstischen Stoffen und Problemen, die wir hier im einzelnen nicht alle besprechen können. Doch fei auf einige besonders interessante, lehrreiche und anregende Kapitel aufmerksam gemacht, die sich etwa mit den Glocken, mit der Tierwelt, insbesondere auch der Dogelwelt. mit Geburt, Krankheit unb Tod (diese Abschnitte besonder« der wissenswerten landschastltchen Parallelen wegen!), mit dem sich feine CBcrfe al« eine seltsame Mischling — OrtS- und Sachregister sind gut; für eine spätere Aullage wären - unbeschadet der Popularität des Buches — einige Quellennachweise zu empfehlen, deren Einschaltung sicherlich von vielen 2efctn begrüßt werden würde 18
— Georg Engelbach. Psarrleben in einem Dogelsbergdorse. Äulturge- schichtliche Dtlder, bearbeitet von Karl Esselbomi Darmstadt 1927. 2,50 Mk., geb. 3,50 Mk. — Mit d« ReuherauSgabe des zuerst 1881 anonym erschienenen .Psarrlebens in einem Debirgsdorfe" hat Pros. Esselborn einen besonder« glücklichen Griff getan. Durch die gut beobachteten unb trefflich wiedergegebenen Schilderungen des bäuerlichen Geben« unb Treibers aus den Iahven 1855 bis 1865 In feinem Wirkungskreise Stumpertenrod mit feinen Filialotten Köddingen und Help«S- hain wird daS Derkchen zu einer volkskundlichen Quelle «sten Ranges für unseren VogllSberg. Bei feinen Auszeichnungen hat aber auch warmes Empfinden und liefe« sittliche« Gefühl Engelbach die Feder geführt, so daß sie zu unseren besten Heimatbüchern gehören. In dem mit einer Einleitung über den Schauplatz und über da« Leben de» begabten auch sonst auf poetischem und religiösen Gebiete tätig gewesenen Verfasser« unb erläuternden Anmerkungen versehenen Reudruck sind für die Decknamen ber ersten Ausgabe bie wirklichen eingesetzt Dementsprechend ist ber Titel in „Psarrleben in einem Vogelsbergdorfe" geändert. Die beigeaebenen Bilder, außer bem Bilde de« Verfall«« meist, Kirchen und Pfarrhäuser, bienen der Belebung des Textes gut. Hoffentlich findet daS Büchlein recht viele Leser Ee dient nicht nur der Förderung von Heimatliebe und Heimatsinn die auf feine Lektüre verwandte Zeit bedeutet auch um«en Gewinn und Genuß.
Theologische Schriften.
— HanS Schmidt. Dte Thronsahrt Jahve«. I. C. V. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen. — Au« eingehenden ünlerfud>unpen e nzelr.er Psalmen gewinnt ber Verfasser em Bild von einem kultischen Umzug, den man in Altisrael bei dem Fest ber Jahreswende, mit dem ba« Erntedankfest verbunden war, veranstaltet hat. Der Zug bewegte sich vom Kidrontal am Fuße des Berge« Zion hinauf nach dem Tempel, der llnuug fand mit einem Wagen statt, auf dem man sich Gott gegenwärtig dachte, unter dem Gesang geistlich« Lieder bewegte sich der Zug dahin. Die ursprünglich mehr naturhaste Bedeutung de« Festes wandelte sich im Laufe der Zeit mehr tn das Geistige. ES ist erstaunlich, wie der Verfass« au« zahlreichen mühevollen und mit großem Scharfsinn durchge ührten Llnler^uchungen ein anschauliche« Bild von einem zeitlich lehr weit entfernten kultischen Vorgänge gewinnt Seine Schttft ist n icht nur für die Fachgelehrten be- ftunmt. sondern will auf einen meiteren Kreis wirken, allerdings auf einen Kreis solcher, bie wissenschaftlich denken können 58
— Georg Bertram. Die Himmelfahrt Jesu vom Kreuz auS unb der Glaube an seine Auferstehung. 3. G. B. Mohr (Paul Siebeck?, Tübingern
D« Verfall« stellt fest, daß unt« den Vorstellungen, bie sich bie älteste Christengemeinde über den Eingang Jesu in bie himmlische Herr lichkeit machte, zwei Reihen auftoelfen lassen. Auf her einen Seite nimmt man an, daß IeluS nach ber Grablegung auferstanden unb später gen Himmel gefahren sei, auf d« anderen Seite hat man bie Vorstellung, bah er unmittelbar vom Kreuze in ben Himmel eingegangen fei. Dieser Auffassung begegnen wir im Evangelium des Johanne« unb in dem Briese an bie Hebräer, währenb die andere Form in den drei übrigen Evangelien hervorttttt, diese Fsrm ist spater christlich« Allgemcinbesitz geworden. Ausdrücklich stellt ber Verfass« in seinen geistvollen Ausführungen fest, daß « keine Frage de« Glaubens behandelt. »Welchen Ausdruck sich bet Glaube schafft, das ist die Sache des frommen ab^r nicht de« Forscher«." (^9


