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Märtyrer der Liebe.

Nomon von I. Schneide'-Förstl.

31 Fortsetzung Nachdruck verboten.

Bin ich alles auch nicht!" warf Reichmann kurz dazwischen.

Verteidigen Sie mi chgleich mit, Herr Doktor!" sagte Renkell und schnitt die Spitze seiner Zigarre sorgfältig ab, um sie dann ebenso sorgfältig in die Westentasche zu stecken. Annemarie sammelte für die Heidenkinder: Briefmarken, Banderolen, Zigarren­spitzen und alles andere nur Denkbare. Der Papa mußte den Löwenanteil dazu bei tragen. Zigarren- spitzen aber waren etwas ganz besonders Kostbares in dieser beinahe nur selbgebauten Knaster dampfen­den Nachkriegswelt.

Herr Hilbertt hat so ein weiches, hingebendes Etwas, das wir Frauen so sehr an den Männern lieben!" beharrte Nella.

Hm," machte Reichmann und blinzelte sie' von der Seite an.

Aber sie war zu sehr aus das rollende Thema versteift und ließ sich nicht beirren. ,Lch glaube. Sie brächten es nicht fertig, einem Weibe, dem Sie ein­mal von Liebe gesprochen haben, die Treue zu brechen. Wie?"

..Das tun nur die Frauen!" trumpfte Reichmann anzüglich.

Der Herr Doktor hat das Wort!" wies sie ihn zurecht.

Machen Sie ums Himmels willen keinen Hei­ligen aus mir, gnädige Frau!" wehrte er lachend ab. ..Wenn ich so begehrenswert wäre, hätte mich sicher schon längst eine genommen!"

Reichmann maß ihn von der Seite. Ein ganz klein wenig Spott und ein ganz klein wenig Mitleid lag in seinem Blick.Weißt du, Nella, dieser Muster­knabe will genommen werden. Der wartet, bis eine kommt und ihn fragt, ob er sie haben will. Selber getraut er sich nicht."

Klein-Annemarie schnitt jede weitere Diskussion ob. Sie hatte hochrote Backen und brachte Brotkorb und Bestecke und was sonst noch Unzerbrechliches aus der Küche zu tragen war. Hanna folgte mit einem Servierbretk voll Gläser, Teller und Platten. Der vorzügliche Abendimbiß verscheuchte den letzten

Rest von Unbehagen. (Es kam sogar noch eine ganz ausgelasien lustige Stimmung auf. Annemarie durfte auf Reichmanns Schoß sitzen und ihm Kragen und Krawatte abnehmen weil er es bequem haben wollte.Das tut Mutti dem Vater auch, wenn er aus der Fabrik kommt," plauderte sie kindlich.Wer macht es dir, Onkel Hilbertt?"

Niemand!"

Es hatte so bedauernd geklungen, daß Reichmann schallend auflachte. Man kam aus der übermütigen Stimmung gar nicht mehr heraus, und Annemarie war beinahe nichtJju bewegen, nach Hause zu fah­ren, als sie der Wagen gegen neun abholte. Sie mußte versprechen, gleich einzuschlofen, als Beloh­nung würde Elisabeth sie in den kommenden Togen besuchen.

Erst gegen elf Uhr trennte sich das Regensbacher Paar. Hilbertt und Reichmann ließen es sich nicht nehmen, es noch ein Stück zu begleiten. Die Mond­nacht war zu verlockend. Elisabeth sollte mit dem Zubettgehen nicht auf ihn warten, hatte Reichmann geboten. Sie half Honna den Tisch abräumen und schritt dann noch einmal um die Umfriedung des Gartens.

Von ferne--es mochte wohl aus einem der

Nachbarhäuser kommen, klang leises Kinderweinen. Müde. Schlaftrunken. Dann Stillesein und wieder dieses Weinen, aber nicht mehr so kläglich, wie zuvor. Die Mutter mochte wohl am Bettchcn sitzen und ihren Liebling zur Ruhe bringen.

Elisabeth lauschte mit vorgebeugtem Oberkörper. So mochte der kleine Bruder einst geweint hoben, ols seine Mutter ihn verlassen hatte. Ihr Gesicht blaßte ab und wurde ganz weiß. Dann schossen ihr die Tränen aus den Augen. Den Körper über die Fensterbrüstung der Laube gelehnt, weinte sie halt­los, wie von einem Krampf geschüttelt. Wo würde das Kind, der Mann, zu dem es nun erwachsen war, wohl fein? Ob er der Mutter fluchte, die ihn einst preisgegeben hatte? Vielleicht wußte er gar nichts von ihr. Ein Kind von vier Jahren war es erst gewesen, hatte der Vater damals gesagt. In diesem Alter verwischte sich das meiste noch. Sie selbst dachte kaum mehr zurück bis in ihr sechstes Lebens­jahr.

Hanna war längst mit Räumen fertig. Sie schloß die Läden und sperrte die Türe zum Garten ab.

...........................................

Dor Elisabeths Schlafzimmertür« blieb sie stehen und wünschte ihr eine gute Nacht.Schläfst du schon, kleine Liese?" fragte sie, als kein Gruß zurückkam. In plötzlich erwachender Sorge drückte^ie gegen die Klinke. Das Zimmer lag im Dunkeln, nur ein Streifen Mondlicht ließ die weißen Betten hell auf- leuchten.

Es blieb alles ruhig. Und Hanna wußte doch sicher, daß Elisabeth nicht mit den anderen gegangen war. Sie mußte also noch im Garten sein. Sie ging eilends nach der Küche und öffnete die Türe, welche ins Freie führte. Aus die Sleinftufen hingekauert, fand sie die junge Frau noch immer leise weinend.

Um Gott, kleine Liese, was ist es denn? Hat's einen Zank gegeben. Ist er ein bißchen grob ge­wesen? Das kommt überall vor. Später rechnest du so was gar nicht mehr. Die Tauben sind das sanfteste Volk und raufen sich auch."

Elisabeth hob das Gesicht, und Hanna erschrak, wie weiß und schmal es war.

Komm mit ins Haus! Ich muß dich etwas fragen, Hanna."

Sie zog ihre Kinderfrau nach deren Zimmer und bat:Schließe die Läden, damit Georg nichts ahnt, wenn er heimkommt."

Die Alte schüttelte ihr willfahrend den Kopf. Ein mattes Licht, von einem grünen Papierschirm gedämpft, lief über die Dielen. Das Zimmer Hannas war nicht groß, aber die ganze Einrichtung des­selben war von Ludwigstal mit herübergenommen worden, das gab dem Raume etwas ungemein Hei­misches, Vertrautes. Die Alte drückte ihrKindchen" in die Sofaecke und wartete geduldig, bis dieses sprach.

Hanna, erzähl' mir etwas von dem Kinde!" Von welchem Kinde?" verwunderte die sich.

Du weißt ja, wen ich meine! Mutter meine Mutter, hat es doch zurückgelassen, als sie meinem Vater gefolgt ist."

O Gott! Wer hat dir's denn gesagt? Don wem weißt du's denn? Von deinem Vater? Alle Heiligen, der hätte auch gescheiter getan und dir nichts davon verraten sollen. Nun machst du dir Gedanken und willst am Ende gar noch deine Mutter anklagen, daß sie . .

Ich klage sie nicht an!" widersprach Elisabeth müde.

Ich will's hoften! Das dürftest du auch nichl! Nein, nein!" haftete sie heraus.So schwer hat sie's gebüßt. Eine Märtyrerin ihrer Liebe ist sie gewesen. Keine ruhige Stunde, keine reine Freude hat sie gehabt, die ganzen siebzehn Jahre ihrer Ehe. Immer hat sie an das Kind gedacht und überall Hal sie Fluch gewittert. Wenn der selige Herr auswärts war, hat sie sich auf die spitzen Steine im Park gelegt. Buße wollte sie tun und sühnen, damit Gott ihr verzeihe und sie nicht verdamme für ihre Sünde. Bei Tag hat sie mit deinem Vater flacht und ge­scherzt weil er kein trauriges Gesicht sehen wollte, und in den Nächten, wenn sie allein war, hat sie sich die Augen rotgeweint, daß sie am Morgen oft ganz verschwollen war. Wenn bei den Arbeitern ein Kind krank war, ist fk hingelaufen und hat's ge­pflegt und ihm Wein und Esten gebracht. Unser Herrgott, hat sie gesagt, möcht' es annehmen, als ob's sie ihrem eigenen Kinde selbst tue. Nach sieben Jahren ihres Derheiratetseins bist du zur Welt gc kommen. Da ist es noch schlechter geworden. Sie fei's nicht wert, noch einmal Mutter geworden zu sein, hat sie sich eingebildet, und unser Herrgoti würde dich ihr ja doch bald wieder nehmen, zur Strafe. Ich hab' in meinem Leben nicht fo viel gc betet wie damals, daß du nicht sterben möchtest damit sie endlich einmal Ruhe finden könnte an dir. Wie du größer geworden bist, hat sie immer bc hauptet, du sähest deinem Bruder ähnlich?' Aber es ist nicht wahr. Nicht eine Spur. Ich habe den Jungen ja vier Jahre unter den Händen gehabt und bin, als sie sich scheiden ließ, nur mitgegangen, weil ich mir schon dachte, wie es kommen würde. Sie hat viel zu schweres Blut in den Adem gehabt. Aber ich wollt' ihr die Freude nicht nehmen und dein Vater auch nicht. Wir haben gemeint, nun ist alles gut und sie hat vergessen gelernt, weil sie nie mehr klagte. Aber im stillen muß doch der Vorwurf und der Kummer in ihr gefressen haben. Und daran ist sie oeftorben. Langsam, wie ein Märtyrer an einem Pfahl. Und das Sterben, das war noch das schrecklichste von allem. Immer hat sie nach ihrem Jungen gerufen und dein Vater hat nimmer aus und ein gewußt. Er wollte um den Pfarrer schicken, aber die Küchen- magd sagte: .Der geht nicht rein ins Herrenhaus, weil sie eine geschiedene Frau ist/ Da ist mir Höllen angst geworden, und ich bin selber hinübergelaufen.

(Fortsetzung folgt.)

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Bekanntmachung. Abfallholzversteigerung

Freitag, den 25. März 1927, nachmittags 2 Uhr beginnend, läßt die Stadt Gießen etwa 59 Haufen Abfallholz (Knüppel und Reisig) öffentlich meistbietend versteigern, und zwar: 2765B

15 Haufen im Hofe des Stadthauses, Gartenstraße 2,

10 Haufen in der Wiescnstraße,

22 Haufen in der Marburger Straße, 12 Haufen auf dem Neuen Friedhof.

Die Zusammenkunft findet nachmittags 2 Uhr im Hose des Stadthauses, Garten- strahe 2, um 2i Uhr in der wiesenstrahe und 3 Uhr in der Marburger Straße, Ecke Friedhofsallee, statt.

Gießen, den 22. Marz 1927, Der Oberbürgermeister.

_____I. D.: Dr. Rosenberg._____

Arbeitsverstebilng.

Zum Anbau der Oberrealschule zu Grünbcrg werden die Glaser-, Derputz- arbeiten und Beleuchtungsanlagen zum öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben.

Angebotsvordrucke. Zeichnungen und Bedingungen liegen von Donnerstag, den 24. März d. I., auf der Kreisbauoerwal- tung, Zimmer Nr 18, offen. Angebots- vordrucke werden auf daselbst, solange der Vorrat reicht, gegen Erstattung der Selbst­kosten abgegeben. Die Angebote sind ner- schlossen, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen, zu dem am 31. Marz d 3m vormittags 10 Uhr, auf der Kreis- bauverwaltung stattfindenden Verdin- gungstermin einzureichen. 2772C

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Gießen, den 22. März 1927. fucisbauuerroalfung. I. V.: Schneider.

Bekanntmachung.

Betr.: Das Landgestüt: hier: den Ab- gang der Landgestütsbeschäler nach den Deckorten.

Nach Mitteilung der Landgestütsdirek­tion sind die Landgestütsbeschäler für die Deckorte Berstadt, Butzbach, Lich und Grünberg an ihren Standorten einge- troffen. 2766B

Gießen, den 17. März 1927.

Der Oberbürgermeister.

_____I. D.: Dr. Rosenberg._____

Arbeitsverqebnust.

Die Gemeinde Großen-Buseck vergibt im Wege des öffentlichen Angebots die Ausführung von Lhaustierungsardeiten eines Straßenbaues von zirka 400 lfd Meter.

Angebote sind bis zum Samstag, dem 26. Mär; 1927, mittags 1 Uhr, ver­schlossen, an unterzeichnete Bürgermeisterei einzureichen, wo anschließend die Eröff­nung erfolgt. Arbeitsbeschreibungen und Bedingungen liegen Hierselbst zur Ein sicht offen und werden im Eröffnungs- termin bekanntgegeben. 2773D

Großen-Buseck, den 22. März 1927. Bürgermeisterei Großen-Buseck.

(Ban s._______________

I Saal bau Sauer

Ein ausverkauftes Haus entielte Hans l Kraft's

Bayr.Oberlandler-Kapelle B Heute letzter Tag!

Donnerstag und Freitag GastspielDeutschesHäus Alsfeld

Ab Samntag zur VIcssn Bt wieder füglich "Wl

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