Der Gießener Femeprozeh.
Weitere Vernehmung der Angeklagten. — Beginn der Beweisaufnahme. - Hauptzeuge Wagner sagt aus. - Ein Lokaltermin in Bad-Nauheim.
Gießen, 22. März 1927.
Der erste Verhandlungslag.
Die Nachmittagsjitzung.
Kurz nach 1 A Uhr betritt der Gerichtshof wieder den Saal. Die Verhandlung wird mit der
Vernehmung Schwings fortgesetzt. Es werden zunächst an den Angeklagten Schwing Dom Staatsanwalt eine Reihe von Fragen gerichtet. Darauf erklärt Schwing, den Ausdruck „unschädlich mach e n" habe er nur s o gebraucht, aber an Mord habe er dabei nicht gedacht. Er kann sich nicht mehr entsinnen, ob und wo er nach der Lat mit Lillessen zusammen war und dabei über die Lat gesprochen hat. Ferner widerruft Schwing seine frühere Angabe daß Heinz ihn mit Absicht gegen Wagner eingenommen habe; eine direkte Anstiftung von Heinz liege nicht vor. Was er heute früh gesagt habe, fei zutreffend.
Ein Beisitzer betont, daß man einen Stein von 12 b i s 15 Pfund, wie er von Schwing zu der Tat getragen wurde, doch nicht mit sich führe ohne eine bestimmte Absicht. Aus die Frage seines Verteidigers erklärt Schwing. Kern habe ihm daß Mitnehmen des Steines befohlen, und da habe er den Stein gehorsam mitgenommen. Kern habe ihm gesagt. Wagner sei ein „absoluter Schweinehund". Weiter sagt Schwing: Soviel ich weiß, hat jemand gerufen, als Wagner auf dem Boden lag: „Er ist tot!" 2ch habe Wagner für tot gehalten. Bor allem wollte ich dann Kern wegbringen, deshalb rief ich: „Es kommen Leute!" Ich habe keine Waffe mitgehabt. Als die Schüsse knallten, war ich schon ein Stück weg. Ein persönliches Interesse an der Beseitigung von Wagner hatte ich nicht,, ich habe ihn gar nicht gekannt. Auf Frage des Berteidigers Rechtsanwalt S ch l i n k sagt der 2IngeMagte. er wisse nicht genau, ob Salomon dem Wagner die Waffe zurückgegeben habe. Er fei an dem Abend ganz durcheinander gewesen. Es kommt dann eine Besprechung des Staatsanwalts mit Schling zur Erörterung. RA. Schlink fragt: „Ist es richtig, daß der Staatsanwalt Sie aufgesordert hat. Sie möchten doch mehr gegen Heinz aussagen, sagen, damit Sie sich entlasten?" Angekl.: ..Dem ist nicht so." RA. Lütgebrune fragt: „Wann war die Besprechung mit dem Staatsanwalt?" Angekl.: „Bor etwa 8 Tagen." RA. Lütgebrune: „Ist ein Bernehmungsproto- koll angefertigt?" Angell.: „Rein." RA. Lütgebrune: „Also vor etwa 8 Tagen war die Unterredung, nachdem die Hauptverhandlung schon anberaumt war. Das genügt mir." Angekl. sagt weiter, Kern habe v. Salomon und ihm lebhafte Vorhaltungen darüber gemacht, daß sie ihn von dem weiteren Vorgehen in der Sache abgehalten und ihm das Konzept verdorben hätten. Der Anlaß zu der Unterredung ging vom Staatsanwalt aus, der mir anbot. noch einmal als Mensch zu Mensch mit mir zu sprechen. So viel ich weih, ist schon vor der Tat in Frankfurt über Wagner geschimpft worden, weil er überall Erpressungen verübte, auch über Berrätereien Wagners ist damals schon viel ge» • sprachen worden.
Es folgt nun die
Vernehmung
Les Angeklagten Heinz.
Dieser gibt zunächst seinen Lebenslaus an. keilt dann mit, daß er den Kapp-Putsch mit-- gemacht, später mit Mahraun zusammen in Frankfurt die Ortsgruppe des Jung deutschen Ordens aufgebaut habe. Er hab' sich dann von dem Iungdo wegen mongelnbcr politischer Uebereinstimmung getrennt. Aus Anfford? "rung von Lillessen beteiligte er sich ab Ende 1921 an der Gründung des Verbandes nationalgesinnter Soldaten und hielt in verschiedenen Ortsgruppen Vorträge. Wecker sagt er: An der Führung des Verbandes war ich nicht beteiligt. Im Ianuar 1922 lernte ich Kern in der Wohnung von Lillessen kennen, aber mir ganz kurz. Im Februar traf ich Kern, Schwing. Lillessen und Blaß in der Wohnung Messens. Schwing lernte ich im Ianuar 1922 kennen, er war nervös, machte ober einen gutmütigen Eindruck. Kern habe ich insgesamt viermal gesehen. Er hat auf mich den tiefsten Eindruck gemacht. D. Salomon war das menschlich wertvollste Mitglied des Frankfurter Bezirks. Donnerstag. 2. März 1922, traf ich bei Lillessen den eben angekommenen Kern, den ich aus dem Heimweg begleitete. Unterwegs trafen wir Wagner, dann zufällig v. S a l o m y n. Wir gingen in ein Eaft'. Kern und Wagner unterhielten sich. Ich hatte den Eindruck, daß d i e beiden s i ch nicht leiden mochten. Ich habe vor der Verabschiedung gehört, daß sie für den nächsten Tag eine Verabredung zu einem Ausflug in den Taunus trafen.
Ueber feine Beziehungen z u Schwing sagt Heinz aus. er habe keinerlei Möglichkeit gehabt, einen Einfluß auf Schwing auszuüben. Schwing ist mir damals als ein durchaus anständiger, aber sehr romantischer Mensch erschienen. Ich bestreite. Schwing dem Kern zur Verfügung ge st eilt zu baden. Kern, Wagner und Lillessen haben sich spater nach der Lat wieder ousgesöhnt. Riemals habe ich eine Radel des Verbandes an einen Menschen verliehen, sondern die Radel nur an Mitglieder verkauft. Eine „unbedingte Kom- mandogewalt", eine „Feme" bestand niemals, solange ich dem Verband naüonalgefinn- tcr Soldaten angehörte. I ch bestreite, mich der Anstiftung zu der Lat schuldig gemacht zu haben.
Auf die Frage des Staatsanwalts sagt der Angeklagte, es habe vor 1923 nie einen „Bund Wiking" gegeben. Eine ..Rationalarmee" habe es auch nicht gegeben, auch nicht unter dem Ramen ..Rürnberger Kohlen A.-G ". ..Rürnberger Sportverein" oder ..Reckar- 11 Im". Rach dem Attentat auf Scheidemann war auch Heinz verhaftet worden, das Verfahren wurde aber eingestellt. Der Staatsanwalt richtet sodann eine Reihe von Fragen an den Zeugen, wobei er den Rathenaumord. die Tätigkeit der O. C die Verhandlungen im Feme
Ausschuß usw. berührt, um darzutun. daß hinter dem V. n. S. die Organisation C. gestanden habe. Angeklagter Heinz bestreitet das. Rechtsanw. schlink nimmt Stellung dagegen, daß in diese einfache Strafsache Dinge hineingetragen würden, die sich später ereignet hätten und die politische Momente darstellten. Angeklagter erwähnt dann ein Gespräch mit der Braut SalomonS. zu der Staatsanwalt Weidemann gesagt habe: „Sagen Sie gegen Heinz aus. dann entlasten Eie Ihren Verlobten." Schwing neige zur Aufschneiderei. die Bekanntschaft mit ihm fei nur eine flüchtige gewesen. Der geladene Zeuge Schmidt fei ein Betrüger unö unglaubwürdiger Mensch. RA. Lütgebrune erklärt bann: „Wir werden mit aller Entschiedenheit dagegen protestieren, aus dieser einfachen Strafsache einen politischen Prozeß zu machen." Ich frage aber: Hat es im V. n. S. oder Wiking „unbedingten Gehorsam" oder „Feme" gegeben, so daß Verräter „unschädlich gemacht" werden durften? Der Ange klagte verneint das. Die Listen der Mitglieder und der Ortsgruppen- sührer feien in der Wohnung von Lillessen allgemein zugänglich gewesen. Staatsanwalt: Wurde der D. n. S. von C h r h a r d finanziell unterstützt? Angekl.: Das ist m. W. nicht geschehen. mir jedenfalls nicht bekannt.
Damit schließt die Vernehmung der Ange- klagten. Es beginnt nun die
Beweisaufnahme.
Zuerst wird der Vater Schwings vor- gerufen. Er verweigert die Aussage. Ais nächster Zeuge erscheint Dr. H a e b e r l i n - Bad-Rauheim, Leiter des dortigen Krankenhauses, in das Wagner damals gebracht wurde.
Ein weiteres Verfahren.
Beim Erscheinen dieses Zeugen macht der Staatsanwalt dem Gerichtshof die Mitteilung. daß er gegen den Oberleutnant a. D. Wagner, den Arzt Dr. H a e b c r l i n und die Krankenhaus-Oberschwester K n a f ein Verfahren wegen Begünstigung zum Vorteil der jetzigen Angeilagten eingeleitet habe. Er glaube ja nicht an eine Schuld des Arztes und der Oberschwester, aber nachdem er gegen die Angeklagten vorgegangen sei. müsse auch diese Seite der Sache untersucht werden, um Klarheit zu schaffen. Im Hinblick darauf bitte er, Dr. Haeberlin und die Oberschwester nicht zu vereidigen. Das Gericht beschließt nach kurzer Beratung, die Vereidigung dieser beiden Zeugen vorzunehmen. Dr. H a e b e r l i n sagt nach der Eidesleistung aus: Wagner wurde am 5. März 22 abends unter dem Ramen WeideI ins Krankenhaus eingeliefert. Er hatte einige nicht lebensgefährliche Verletzungen am Kopf und einige am Finger. Heber den Dorgang hat er so gut wie nichts gesagt, es war ziemliches Dunkel darüber. Er hat große Angst geäußert und befürchtet, daß auf ihn durch das Fenster geschossen werden würde. Er wurde dann nach einigen Tagen aus dem Krankenhaus, soviel mir bekannt ist. von Verwandten nach Frankfurt abgeholt. Von den Prozeßbeteiligtcn war bei dem Abholen niemand beteiligt. Aus menschlichen Gründen bleibt der Rame des Abholers verschwiegen. Oberschwester K n a f als nächste Zeugin sag! in selber Weise ans. Zeuge D o l l e k - Bad-Rauheim. Angestclftcr am Wasserwerk, äußert sich über das Erscheinen Wagners bei dem Wasserwerk und dessen große Angst vor seinen Verfolgern. Von Schürfen hat der Zeuge nichts gehört.
Daraus wird die Verhandlung gegen *7 Uhr abends abgebrochen. Fortsetzung Mittwoch früh 8- Uhr.
G i e ß e n. 23 März 1927.
Zweiter Tag.
Um 8 ■ i Uhr betritt der Gerichtshos den Saal. Es wird in der Zeugenvernehmung sortgesahren. Kriminaloberwachtmeister Schneider- Bäd-Rauheim sagt über die Vernehmung des Wagner im Rauheimer Kranken Hanse aus. der die Stunden vor der Tat und diese selbst be- fchrieben hat. worüber der Zeuge berichtet. Ferner schildert er die seinerzeitigen polizeilichen Fest- Heilungen. R.-A. Lütgebrune und R A. Schl int beantragen Inaugenscheinnahme des Tatortes.
Die Vernehmung Wagners.
Unter lebhafter Spannung wird der Zeuge Wagner uuigerufen und vernommen. Rach strenger Ermahnung zur Wahrheit sagt d:r , -uge aus Ich bin 30 Iah re alt. ledig, von Berus Kaufmann, wohne in Frankfurt. Machte den Feldzug mit. trat 1920 aus dem Heeresdienst aus. Bei der Ditimar-Beireiung am 28. Ianuar 1922 lenkte ich das Auto. Infolgedessen muhte ich flüchten, fam nach Frankfur und lernte dort Kern kennen. Ich hatte dann keine Mittel mehr und bat Kern und Lillessen um Unterstützung, zumal mir die finanzielle Unterstützung im voraus zugesagt worden war für den Fall, daß die Ditt- marsache schief gehen werde. Mit Kern und Lillessen hatte ich keine Differenzen. M i t Der- rat habe i ch nie gedroht, das n eh m e i ch auf meinen E i d. Heinz habe ich zusammen mit Kern kurz vor der Rauheimer Sache in Frankfurt auf der Straße getroffen. Bei dem Ausflug in den Taunus habe ich Kern die Saalburg zeigen wollen. Wir waren ganz einig, mit W standen wir auf ..Du". Die Fahrt nach Riuhciin ging meines Erachtens nach von Kern oder Salomon aus. Die Rückkehr für den Abend mit dem letzten Zug nach Frankfurt wurde geplant Vorher war ich noch nie in Rauheim gewesen In der Hupfeld-Dielc haben wir Wein und Sekt getarnten, ich habe nicht bezahlt. Wir waren animiert, mittlerweile war der letzte Zug fort. Einer von den beiden machte den Vorschlag, ein Restaurant in der Rahe deS Teiches zu besuchen und dort bis zum ersten Frühzug zu kneipen. Aus dem Wege im Park äußerte ich Bedenken darüber, hier fo allein Hu gehen, das fei doch unsicher. Darauf wurde ich in dic Mitte genommen. Etwas später lam plötzlich der ilcbetfall, i ch wurde gewürgt und aus den Kops
geschlagen. Erst glaubte ich. es sei Spaß, bann erkannte ich den Ernst und wehrte mich. Ich stellte mich dann tot und wurde nun durchsucht. Hierbei merkten die andern, daß ich nicht tot sei. da ging dic Schlägerei wieder los. dann wurde ich ins Wasser gewvrsen. In der Richtung nach der Mitte des Teiches bin ich dann geschwommen, machte dann wieder kehrt, da meine Kräfte nachließen, und hielt mich dann am Gestrüpp fest. Hier verblieb ich noch eine Weile. Während ich dalag. hörte ich nur noch von dem Stein sprechen, weiter nichts. Auf die Frage, ob der Kampf ..aus Tod und Leben" gegangen sei, macht der Zeuge, der sich vor dem Llntersuchungsrichter früher in diesem Sinn geäußert hat, heute keine bestimmte Angabe
Aus die Frage nach den Schüssen gibt er widersprechende Antworten Die Aeußerung über das Anpacken vorn, unten und in her Mitte hält er aufrecht. Einen Revol ver habe er nach seiner heutigen Erinnerung nicht gehabt, sondern nur einen Totschläger. Wer den Revolver gehabt hat, wisse er nicht. Aus Einzelheiten des Kampfes könne er sich heute nicht mehr entsinnen. Den richtigen Ramen Salomons wußte ich damals nicht, er wurde mir als -Pfefser" vorgestellt. Kern war mir richtig bekannt. Den falschen Ramen „Wcidel" habe ich im Krankenhaus gebraucht, weil ich wegen der Dittrnarsache polizeilich verfolgt wurde. T i 11 e s s e n kannte ich, hatte aber keine Differenzen mit ihm. Ich habe geäußert, wenn mir keine Anstellung verschafft würde, würde ich über kurz oder lang der Polizei in die Hände fallen und dann in der Unters uchung Aeußerunaen machen müssen, die ich als freier Mann nicht machte. Mit Bcr- rat habe ich nicht gedroht. Wenn meine Worte so aufgefaßt worden sind, so ist das eine ganz einseitige Auffassung. Erpressungen und Verrat usw. b e R reite i ch mit aller Entschiedenheit, wesentlich habe ich das nie getan. Gewisse Papiere, die mich in der Raum- burger Sache hätten betraten können, habe ich im Rauheimer Wasserwerk.vernichtet. Ich war Mitglied der O r g e s ch, auf Aufforderung von Kern nahm ich an der Dittmar-Defrc iung teil. Bei dieser Aktion habe ich keinerlei Schwierigkeiten gemacht. Für eine Beteiligung von Heinz an der Rauheimer Sache habe ich keinerlei Anhaltspunkt. Schwing habe ich damals auch nicht gerannt, es ist mir auch unbekannt, ob er mit dabei war, denn gesehen habe ich ihn nicht. Bom Krankenhaus aus wurde ich von Verwandten nach Frankfurt gebracht. T i - kessen und Fischer haben mich dann ausgesucht, wobei ich von Lillessen Ersatz meines Schadens aus der Rauheimer Sache forderte. Meber eine Versöhnung mit Kern nach der Rauheimer Affäre ist mir nichts erinnerlich. Ich habe vom Wasser des Rauheimer Leichs aus niemals gerufen: „Laßt mich doch, ich will n i d; t £ »errate n." Der Totschläger war mir bei dem Kampf entrissen worden. Rach der Dittmar-Befreiung ist mir keine Summe zur Verfügung gestellt worden, um ins Ausland zu gehen, ich hatte auch dic erforderlichen Papiere gar nicht. Riemals habe ich Spionagetätigkeft ausgeübt, die französische Adresse in Mainz ist mir ganz unbekannt. Auf zahlreiche Fragen des Vorsitzenden, des Staatsanwalts bzw. der Verteidigung vermag der Zeuge heute keine Auskunst mehr zu geben. R.-A. Schlink hält dem Zeugen zahlreiche Widersprüche in früheren Protokollen und zwischen den damaligen und den heutigen Aussagen vor. Der Zeuge erklärt das damit, daß er sich heute nicht mehr auf Einzelheiten entsinnen, in einigere Punkten sei vielleicht ein Irrtum möglich. Was er heute sage„ nehme er aus seinen Eid. In der Dittrnar-Soche fei ihm kein Geld für D i t t« m o t übergeben worden, er habe sich feiner Zlnterschlagnng schuldig gemacht. Das damals ihm übergebene Geld habe er als für ihn selbst bestimmt angesehen und demgemäß für seine Flucht verwandt.
Die weitere Zeugenvernehmung, fuhrt zunächst die Ehefrau des Qlngdlagten Sch. vor den Gerichtshof. Sic verweigert die Aussage. Aus den wetteren Zeugenbekundungen ist von besonderem Interesse die Aussage d-es Obersten a. D. von R o st . z , Frankfurt a M.. der mitteilt, daß er in Frankfurt a. M. für den verletzten Wagner eine Pflcgcstelle und auf Wagners Bitte eine Unterteilung mit L'llesjen vermittel! bat Bei der Unterredung ist der Zeuge nicht dabei gewesen. Hejnz ist ihm bekannt: daß er als Anstifter zu der Lat in Betracht kommt, glaubt Zeuge nicht. Die Organisation C ist ihm ganz unbekannt. Zeuge H e i l - Halle a. d. Saale äußert sich übet die Dittmar-Sache, von der her Wagner ihm bekannt ist. Die heutigen Angeklagten sind ihm völlig unbekannt, von der Sache weiß er nur aus Zeitungen. An der Ditt- marbefreiung habe die Ocganisativn Escherich keinen Anteil gehabt. Dem Zeugen Major a. D. Becher- Berlin, f. 3t. Eicherich-Zührcr. ist von einem Verrat oder von Unterschlagungen Wagners nichts bekannt. Die heutigen Angeklagten sind ihm fremd. Zeuge Rechtsanwalt Brok- kelmann-Kiel teilt mit, daß der verstorbene Kern ihm von einer „Abreibung" in Bad-Rau- heim gesprochen, jedoch keinerlei Einzelheiten oder Personennamen genannt habe. Im übrigen schildert er Kern als eine sehr suggestive Persönlichkeit mit ungeheurer Energie, die aber keinerlei Reigung zur Mitteilsamkeit gehabt habe.
Zeuge Kaufmann Braun- Bad-Rauheim stellt dem Angeklagten Schwing ein gutes Zeugnis aus und schildert ihn als einen leicht beeinflußbaren und erregbaren Menschen Die übrigen Zeugenaussagen waren weniger belangvoll.
Ein Lokaltermin.
Aus Antrag der Verteidigung und desStaats- onwalts beschlicht das Gericht unmittelbar vor der Mittagspause, Mittwoch abend am Teich in Bad-Rauheim einen Lokaltermin abzuhalten. zu dem dic Angeklagten und der als Zeuge erschienene. an der Schlägerei beteiligte Oberleutnant a. D. Wagner hinzugczogcn werden. Hieraus tritt die Mittagspause ein
Hochschulnachrichten.
Der Lehrstuhl für Chemie an der Leipziger HniDerfität ist dem ordentlichen Professor und Vorstand des organisch-chemischen Laboratoriums der Technischen Hochschule zu München, Geh. Regierungsrar Dr. phil. et med. Hans Fischer angeboten worden. -- Der Lehbstuhl der Phv- fiologic an der Universitär Berlin (an Stelle des Geh. Medizinalrats Franz Hofmann) ist dem ordentlichen Professor Dr WilhelmTren- delenburg an der Universität Tübingen angeboten worden. Der durch den 'Weggang des Professors Dr. von Gottl-Ottlilicn- feld nach Berlin an der Universität Kiel erledigte Lehrstuhl der Rativnalölvr.omic ist dem ordentlichen Professor Dr. Julius Land mann an der Universität Basel angebsten wordcn — Auf den zum 1 April d. I frei werdenden Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur an der Technischen Hochschule zu Danzig hak Der Senat den außerordentlichen Profestor Dr. Heinz Kindermann von der Akademie der bildenden Künste in Wien berufen. — Das durch die 'Berufung des Profefsors Dr. W inte r st e i n nach Breslau an der Rostocker Universität erledigte Ordinariat -«Shpsiologic ist dem a. o. Professor Dr. med. Emil Ritter von Ekramlik in Freiburg i. B. angeboren worden. — Professor Dr. Ernst Matthes in B r-e s l a u hat den Ruf an die Universitär Greifswald als Ordinarius und Direktor des zoologischen Instituts als Rachsolger von Professor Paul Buchner zum 1. April 1927 angenommen.
Buntes Allerlei.
von der Rekchsmariac.
Der neue Kreuzer ,Emdc n", der zur Zeit auf seiner ersten Auslandsreise begriffen ist. wird am 14. März, von Pabang (Sumatras kommend, vor South Keeling in der Gruppe der Kokos-Inseln im Indischen Ozcan cintreffen, um den Ort zu besuchen, an dem am 9. Rovcnrber 1914 die alte . Emden" von dem englischen Kreuzer „Sydney" na-ch heftiger Gegenwehr vernichtet wurde. Für die bei diesem Kampf gefallenen Angehörigen der „Cmden"-Besatzung wird-eine Gedächtnisfeier veranstaltet und gleichzeitig der Mannschaft ein Bild dieses Gcsechls veranschaulicht werden. Die „Emden" wird bann ihre Reise nach Riedcrländifch-Indien fortfehen.
Am 28. März wird eine Flotte, die aus den Linienschiffen „Schleswig-Holstein", .Hessen" und „Elsaß", sowie aus den Kreuzern „Rymphc und „Amazone" besteht und von Dizeodmiral Mommsen befehligt wird, von Wilhelmshaven zu einer Sommerausbildungsreise nach den Atlantischen Inseln auslaufen. Vorgesehen ist der Besuch von Madeira, den Kanarischen Inseln unö Lissabon. Am 18. März trifft der Kreuzer „Hambur g" von feiner Aus kandsreise wieder in Wilhelmshaven ein. Das Schulschiff „Großherzogin Elisabeth des deutschen Schulschiff-Bereins ist nach einer 37tägi- gen Uebcrfahrt von Pernambuco im Bremer Hafen angekommen. Diese schnelle Reite stellt den Segeleigenschaften des Schulschiffs und der Schiefstellung ein glanzendes Zeugnis aus.
Ein Storck) besiegt 14 Löwen.
Im Elberfelder Zirtus Gleich spielte sich ein ungewöhnlicher stampf ab. Ein zahmer Storch mit dem Ramen Mäxchen war wahrend des Käfigabbaues nach einer Dressurprobe unbemerkt in den Löwenkäfig geschlupft und griff sofort den größten Löwen mit lautem Geklapper und Flügelschlag an. Der Dompteur Pailer Jackson eilte rasch dcm Storch, dem Liebling aller Zirkusleutc, zu Hilfe. Der Vi >vc floh indessen vor dem ungewöhnlichen Angreifer zurück, zog den Schwanz ein und warf mehrere Postamente und Requisiten um. Die ganze 14köpfigc Versammlung der Wüstenkönige wurde durch Meister Adebar in dic Fluch! geschlagen, ohne sich gegen die wütenden Schnabelhiebc des Storches zu verteidigen. Der Dompteur mußte nunmehr seine 14 Löwen in Schutz nehmen, dic sich schleunigst aus dcr Manege in die Käfige verzogen.
Eine deutsche Bolivien-Expedition.
Schon im vorigen Jahre richtete dic bolivianische Staatsuniversiiöt La P a z die sehr chrenvollc Aufforderung an die Frankfurter Gesellschaft für Anthropologie und Urgeschichte, sich nn einer wissenschaftlichen Expedition zum Gebiet des Titicaca Sees zur Erforschung dcr alten Inka-Kultur zu beteiligen. Rach vielen Be mÜbungen und Vorarbeiten ist das wissenschaftlich so sehr interessante und wertvolle Unternehinen setzt gesichert. Die Ausreise der Expedition unter Leitung von Prof. Dr. med. et phil. Rich. Wegner, Vor füjenben der Frankfurter Anthropologischen GescU- fchast, erfolgt am 23. März von Hamburg an Bord des Hnpag-Dampfers .(tzcneral Belgrano". Die Forschunasarbeit wird sich u. a. weiterhin auch mit dorn Studium der heute noch fast unbekannten 9n- dianerstämmc in den llrmnlbgebicten des Gran Chacv befassen. Bei Gelegenheit eines Abschieds- essens in Frankfurt richteten die dortigen Konsulatsvertreter verschiedener südarncrikanjschcr Staaten herzliche Wvnc an die Leitung der Expedition, der sie guten Erfolg wünschten. P. F.
Heuer Ausbruch des Vesuv.
Rom. 18. März. (WTB. Funkipruch ) Gestern abend nach 10 Uhr hat dcr Vesuv seine Tätigkeit wieder ausgenommen. Der ganze Golf von Reapel ist durch die herrlichen roten Wolken, dic aus dem Krater herauskamen, wie mit bengali- schein Licht beleuchtet gewesen. Der Direktor des Vesuv-Observatoriums erklärte, daß keine Gefahr vorhanden sei.
Die weiblichen Beamten in Deutschland.
In ausfallendem Maße nimmt die Zahl dcr weiblichen Beamten im Reiche ständig ab. Bei der Post hat sich ihre Zahl feit 1923 um etwa 15 000 vermindert. Am 1. Oklvber 1926 wurden bei der Post im ganzen Reiche nur noch runb 45 800 weibliche '.Beamte gezahlt. In den gesamten Ministerien sind 7390. in der Reichs - druckcrei 802 und bei den Hoheitsverwaltungen nur 448 weibliche Beamte beschäftigt.
Brand in einem Luxus,ug.
In dem Luxuszug Rizza— Wien gerut ein Schlafwagen auf bis jetzt unerklärlich? Wxise in Brand Dieser griff auf den zweiten Wagen des Zuges über. Die Passagiere dieser Wagen, von denen mehrere bereits zu Bell gegangen waren, kennten sich in dic übrigen Wagen des Zuges retten. Sobald der Branb bemerkt wurde, hielt her Zug auf freier Strecke an. Dic beiden brennenden Wagen wurden abgc- koppelt und brannten vollständig aus. Der Schaden. den die Schlaftoagcn-Gesellfchaft durch den Berlust des Gepäckes der Reisenden zu tragen hat. soll sich auf 3 Millionen Lire b»rn-<—
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