Ausgabe 
23.3.1927
 
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Oberschkesien feien für Deutschland unbefnebb- aenb. Es fei eine Aufgabe der deutschen Po- Htif, im Döllerbundsrat das deutsche Recht selbst bann zu wahren, wenn im gegebenen Augenblick dafür die Mehrheit noch nicht zu erreichen fei. Die statt dessen geschlossenen Kom­promisse seien auch praktisch unbe­friedigend. Der sogen. Bahnschutz sei nur eine andere Form militärischer Besetzung. Ebenso bedeute die Entscheidung über die oberschlesischen Schulkinder eine Richtachtung des völkerrechtlich gesicherten Anspruchs der Eltern und eine Ver­kennung der nationalen Derhältnisse in Ober- fchlesien. Die gefahren Beschlüsse des Dölker- bundrats, für die das Kabinett die Derantwvr- tung übernommen hat, sind nunmehr auch für uns die gegebenen Grundlagen für unsere wei­tere Arbeit. Dabei geben wir der Erwartung Ausdruck, daß Auhenminister und Kabinett in engster Fühlung miteinander dafür sorgen, dah der deutsche Rechtsstandpunkt bei den weiteren Derhondlungen im Völkerbund e i n g e - halten wird. Die Aufrechterhaltung der Be­satzung hat nach den von Deutschland gegebenen Sicherheiten jeden Sinn verloren, sie steht mit dem neuen Geiste, der bas Ergebnis der Ver­handlungen sein sollte, im unlösbaren Wider' spruch. Ihr Aufhören ist eine unerläßliche Voraussetzung der Verständigung und Be­friedung, die nach den wiederholten und feier­lichen Erklärungen aller Staatsmänner von allen Mächten erstrebt wird.

Abg. Kaas (3tr.)

Im Gegensatz vom März des vorigen Iahres kommt der Auhenminister mit einem positiven Ergebnis, das charakterisiert ist durch einen Kompromih, der objektiv wenig befriedi­gend ist. Gegenüber der starken Aktivität der deutschen Außenpolitik in den vergangenen zwei Icchren besteht heute das Gefühl einer bedenk­lichen Versteifung. In dieser an sich wenig vorteilhaften Entwicklung bildete die Regierungs­umbildung ein erschwerendes Moment. In einem Augenblick, wo jede Regung des Mißtrauens im Auslande gegenüber der parteipolitischen Struk­tur Deutschlands als eine Erschwerung der im Zuge befindlichen außenpolitischen Aktionen sich auswirken mußte, haben meine politischen Freunde den Weg der Rechtserweiterung des Ka­binetts nur mit Widerstreben gewählt. Wir werch den uns auch in Zukunft nur von dem Bestreben leiten lassen, den Gang der deutschen Außenpolitik in den Dahnen der Vergangenheit zu halten und uns durch keine Rücksicht, auch nicht durch die Erhaltung einer bestimmten Form der Regie- rungsloalition, davon abhalten lassen, von allen Parteien der jetzigen Regierung die lückenlose Einlösung der Abmachungen zu verlangen, die vor dem Zustandekommen der heutigen Koalition vereinbart wurden. Die gänzliche Räumung des Rheinlandes ist unbedingte Voraussetzung für das Zustandekommen einer Annäherung der beiden Rachbarvölker. Der Redner begrüßt, dah der Außenminister in Genf mit dem Leiter der pol­nischen Außenpolitik den ernsten Versuch unter­nommen Hot, die abgerissenen Fäden der Handels-, politischen Verhandlungen vorsichtig wieder an­zuknüpfen. Bezüglich des Verhältnisses zu Ruß­land erwartet der Redner, daß an der Politik des Vertrages von Rappallo und des Berli.rer üebeceinfommens festgehalten werde. Deutsch­lands Verhalten gegenüber dem Balkankonflikt ist vorgeschrieben durch die Gebote der Menschlich­keit und der Selbsterhaltung. Wir ertoarten, daß der Völkerbund nicht untätig bleibt, während an verschiedenen Stellen Europas die Feuer­funken aufzufliegen beginnen. Auf die loyale Mitarbeit Deutschlands für die Erhaltung des Friedens wird man im Ausland unbedingt rech­nen können.

Abg. Frhr. v Rheinbaben (D. Dp.) Wir halten das Ergebnis von Genf für keineswegs l-efriedigend, aber wir danken dem Außenminister fiir jcinc tatkräftige Vertretung der deutschen Inter­essen. Mit innerpolitischen Vorgängen Hal das un­befriedigende Ergebnis von Genf gar nichts zu tun. Es ist lediglich zurückzuführen auf einen U m - jchwung in der außenpolitischen Ein­stellung Frankreichs. Daß Locarno keine Fortsetzung gefunden hat. liegt daran, daß Eng­land durch andere lebenswichtige Ereignisse o b g e lenkt wird. Darum brauchen wir aber nicht klein mutig zu werden. Jede neue Lage bietet auch wie ber neue Möglichkeiten. Immer wieder wird die Nichtigkeit der Locarnoverträge bei den Deutsch- nationalen bezweifelt. Darum ein offenes Wort: Der Wert der Locarnooerträge.liegt darin, daß die geschlossene Front gegenüber Deutschland durch brachen ist. Erst jetzt können wir wieder euro­päische Politik treiben. Allerdings haben die Besatzungsmächte ihr gegebenes Wort bezüglich der Auswirkung von Locarno nicht gehalten. (Sehr richtig! rechts.) Die H e r a b s e tz u n g der Besatzung ist niemals Wirklichkeit geworden. Die Versprechen, mit denen man uns damals zur Unter­schrift veranlaßt hat, bildeten eine Vorspiege­lung falscher Tatsachen. (Sehr richtig! rechts.) Wie falsch war es, wenn manche verlangten, Deutschland solle sich zum Führer der Unzufriedenen im Völkerbund machen, wie falsch aber auch die Illu­sion, daß uns nun alles von selbst zufliegen würde. Wir müssen mit den anderen Großmächten zusam- menarbeiten. Dabei dürfen wir nicht immer nur nach Frankreich blicken, sondern auch nach Eng­land u n b nach Italien, das unter Mussolini wesentlich erstarkt ist. Wir verlangen den Rückkauf der Saargruben, ohne daß ein einziger französischer (Menbarm bort bleibt. Wir wollen eine freundschaft­liche Verständigung über die Räumung. Zu- rückweisen müssen wir die französische Andeutung, da ßim geräumten Rheinland irgendwelche Kom­missionen ober andere Organe der Entente zurück bleiben. In dieser Hinsicht sind Wortlaut und Sinn des Versailler Vertrages völlig einwandfrei. Wir verlangen, daß endlich die verabredete Gesamt lösung in Angriff genommen wird. Immer wie der müssen wir daraus Hinweisen, baß an unserer wirtschaftlichen Rot nur der außenpolitische Druck schuld ift. Wir können die heutige Ostgrenze niemals für die Ewigkeit anerkennen. Ein Oft- Locorno darf es nicht geben.

Abg. Stöcker (Stomm.): Stresemann scheint von ficrm o. Keubell, dem großen Schweiger, ge­lernt zu haben, wie man um schwierige Probleme am besten berumfommt. Wo ist der berühmte Geist von Locarno, wo die Verständigung von Tboiri)9 Im Gegenteil, die Kriegsgefahr ist heute ernster als je. Briand behauptet, er habe ein Durchmarichrecht durch Deutschland, falls die Polen ober Tschechen angegriffen wurden, und die deutsche Regierung Hai das noch nicht Dementiert, aber die deutschen Ar

beiter werden sich nicht als Landsknechte gegen So ivjetrußland mißbrauchen lassen.

Weiterberatung Mittwoch

Einigung über den Etatausgleich.

Berlin, 23. März. (Priv.Tel.) Die verhgnd- lungea zwischen bet Reichsregierung und den Re­gierungsparteien übet die Beseitigung des Defizits im Reichshaushalt sind zum Ab­schluß gekommen. Die Einigung ist. lautGer­mania", aus folgender Grundlage zustande gekom­men: Das Auskommen an Einkorn men - und Körper schasts steuern wird um 260 Millionen erhöht; ferner sind aus dem Haus­haltsjahr 1926 Ueberschiisse in höhe von 200 Millionen verfügbar. Schließlich soll der Be­tt i e b s m i 11 e l f o n d s mit 190 Millionen heran­gezogen werden. Die Restsumme des Defizits soll durch Einsparungen auf der Ausgaben­seite verschwinden. Ls soll sich dabei hauptsächlich um den Fortfall eines Betrages von 50 Millio­nen, der für produktive Erwerbslose n- f ü r f o r g c in den Etat eingesetzt wat, handeln. Eine Reihe verhältnismäßig kleinere Ersparnisse soll durch die Beseitigung mehrerer Dis­positionsfonds der einzelnen Ministerien er­zielt werden.

Aus diese Meise ist der ordentliche Etat des Reichshaushalts für 1927 fiir den Augenblick ins Gleichgewicht gebracht worden. Soll­ten Ausgaben für die Li quidationsgeschä- digten notwendig werden, würde naiurgemäß eine neue Lücke entstehen. 3m auhcrord-'nt Iichen haushalt werden 500 Millionen Mark be­ansprucht. Die ursprüngliche Absicht, diesen Betrag auf Anleihe zu nehmen, ist fallen gelassen wor­den. Auch bei diesem Ltoc halte man Abstriche in höhe von rund 50 Millionen Mark vorgenom­men, wobei 30 Mill, aus fianalbauten ent­fallen, die zwar nicht vollständig ruhen, aber wesent­lich gestreckt werden sollen.

Beseitigung der GemeindegetranKesteuer.

Die Beschlüsse des Steirer ausfchuffcs.

Berlin, 22. März. Der Steiierausschuß des Reichstages fetzte die Einzelberatung des Finanz­ausgleichs bei der Frage der Getränkesteuer fort.

Abg. S^mon Schwaben (Soz.) erkannte an, daß diese Steuer produktionsverteuernd fei. Darum seien auch die Sozialdemokraten grund­sätzliche Gegner der Gelränkesteuer; aber sie sei eine Einnahmequelle, auf die die Gemeinden nicht ohne weiteres verzichten*könnten.

_ Rach längerer Debatte wurde mit 14 gegen 12 Stimmen folgender Antrag der Regierungsparteien angenommen:

i. Die Gemeinden dürfen mit Genehmigung der Länderregierungen Steuern auf den ört­lichen Verbrauch von Bier erheben.

2. Die Genehmigung darf nur erteilt werden, wenn sichergestellt ist, daß die Neueinführung oder Erhöhung der Biersteuer durch entsprechende Steuersenkungen auf anderen Gebie­ten, insbesondere auf dem Gebiet der Grund- u n b Oebäubefteuer und Gewerbe- ft e u e r ausgeglichen wird.

3. Die Steuer darf nur von dem hersteI - l c r des Bieres oder von demjenigen erhoben werden, der das Bier in die,Gemeinde ein- f ü h r 1. Sie darf 7 v. h. des herstellerpreises nicht überfteigen. Alle anderen Anträge sind damit er­ledigt und die Gemeindegetränkesteuer in der bisherigen Form gefallen.

Das Ardeitszeitnotgesetz.

Ein Kompromiß der Regierungsparteien.

Berlin. 23. März. (WTB.) Der inter- fraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien ver­handelte gestern abend unter Beteiligung des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns und der FraÄivnsführer Graf Westaro <Dn.) und Dr. Scholz ' D. Vv.> nochmals über das Ar- beitszcitnotgesetz mit dem Erfolg daß eine Kom­

Die BatKanKrms.

LnchSIungi« »ertobuita".

Rom, 22. März. (WTB.) Agenzia Stefani. DieSribuna veröffentlicht den Brief eines fran- sischen Bürgers, der sich auf eine geheime Konferenz hoher serbischer Privat- Persönlichkeiten bezieht. In dieser Kon­ferenz von zehn serbischen und tschechoslowakischen Mitgliedern, die Ende Dezember in Paris unter dem Vorsitz eines ehemaligen serbischen Ministers stattfand, wurde die Organisierung einer Aufstandsbewegung in Albanien mit Unterstützung einiger katholischer albanischer Priester beschlossen, um Grenzzwischensälle her­vorzurufen, und damit die Intervention Italiens. Die Tschechoslowakei sollte dann mit Iugoslawien gemeinsame Sache machen. Ein An­griff, der in allen seinen Einzelheiten geregelt war, war für das Frühjahr vorgesehen und hätte Italien überraschen sollen. Der ehemalige serbische Minister sagte bei seiner Abreise aus Paris wörtlich:Ich gehe nach Belgrad zurück, um den Krieg gegen Italien vorzubereiten!" Einige Tage später erhielt man aus anderer Quelle die Bestätigung, daß man in Belgrad das Möglichste tun würde, um einen Krieg ausbrechen zu lassen.

Keine deutsche Vermittlung.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 23. März. Nachdem der erste Schreck über den plötzlich aufgetauchten italienisch-jugoslawi­schen Konflikt überwunden ist, haben rege diplo­matische Verhandlungen in den Haupt­städten der Großmächte eingesetzt, mit dem Ziele, eine Klärung in den gespannten Verhältnissen her­beizuführen. Selbstverständlich ist es wohl der Wunsch aller nicht unmittelbar beteiligten Groß­mächte, den Konflikt auf eine Weise beizulegen, die keine besonder en Maßnahmen erfordern. Gewiß dürfte in dieser Beziehung der Völker­bund entsprechend seines Aufgabenkreises in erster Linie in Frage kommen. Doch müßte dazu zu­mindest eine Anregung seitens der un­mittelbar betroffenen Staaten vorlie­gen, wozu aber keiner ber beiden Staaten, weder Italien noch Iugoslawien Lust zu haben scheint. Man ist nunmehr versucht, namentlich im Ausland, Deutschland die Mittlerrolle aujutragen, und begründet dies einmal damit, daß doch Deutschland zur Zeit den Vorsitz im Völkerbund führe, wobei man es aber gern sehen möchte, wenn Deutschland

in dieser heiklen Lage eingreifen würde. Daß dies niemals der Fall sein kann, beweist nur allzu klar die allgemein politische Lage, in der sich Deutschland schon auf Grund feiner abgeschlossenen Verträge befindet. Gewiß wird auch hier die Lage als außerordentlich ernst angesehen, doch alaubt man, daß sich dennoch ein Ausweg wird finden lassen, um Europa vor neuen Unruhen zu bewahren, hat es doch bei weitem noch nicht die Wunden des Weltkrieges überwunden. Allem Anschein nach dürfte es auch zu feinen kriegerischen Maßnahmen kommen.

Briand zum albanischen Konflitt.

Paris, 22. März. (WB.) In der Kammer wurde die Interpellation der sozialistischen Abg. Blum und Fontagier über die italienisch-serbische Spannung erörtert. Außenminister Briand er­suchte die Interpellation zu vertagen. Die Zwi­schenfälle, auf denen die Interpellation begründet sei. entwickelten sich nach einer befriedigenden, d. h. nach einer friedlichen Lösung. Gleich in den ersten Stunden habe die französische Re­gierung Ratschläge der Vorsicht, der Kaltblütigkeit und der Mäßigung gegeben. Er könne feststellen, daß diese Inter­vention in Uebereinstimmung mit den Regie­rungen von Großbritannien und Deutschland erfolgt sei. Der serbische Außen­minister habe eine internationale En­quete vorgeschlagen und den Militäratta­ches alle Mittel zur Verfügung gestellt. Anderer­seits habe auch die italienische Regierung Mäßi­gung bewiesen. Er wolle nicht sagen, daß die Lage in Europa vollkommen befriedigend sei. Bei Zwischenfällen, wie den jetzigen, sehe man aber, wie Großmächte, wie Deutschland, Eng­land und Frankreich und die anderen sich zusam­mentäten, um Ratschläge der Vorsicht und der Kaltblütigkeit zu geben. -

Ermordung

eines albanischen Führers.

Paris, 23. März. (2DIB. Funkspruch.) Rach einer Meldung desPetit Parisien" sind 3 u f f u f Bey Dibra, Führer der unbahängigen albani­schen Partei und fein Freund Escad Pascha in Tirana ermordet morden.Popolo b'Dtalia erfährt. bah Zussus Bey Bibra gelegentlich eines Zusammen­stoßes der albanischen Bergbevölkerung mit der albanischen Gendarmerie umgekommen ist.

promihlösung gefunden wurde. Das Kompromiß bewegt sich, lautTägl. Rundschau", auf dem Boden des Vorschlags, den der Abg. Thiel gemacht hat. Danach wird in den § 10 eine De- stintmung ausgenommen, die die Leistung von Mehrarbeit zuläßt, wenn die älnterbrechung der Arbeit schwerwiegende Rachteile im Gefolge haben würde. Weiter ift« im § 12 die Frage der Saisonarbeit in dem Sinne geregelt worden, daß in den wichtigen Arbeitszweigen, in denen die achtstündige Arbeitszeit während eines Teils des Iahres nicht erreicht wird, in anderen Jahreszeiten, in denen besondere An­forderungen gestellt werden, die Arbeitszeit überschritten werden kann. Die einzelnen Bestimmungen sollen dem Reichsarbeitsmimster überlassen werden.

Auf der anderen Seite wird die Bestimmung in das Gesetz ausgenommen werden, daß für jede Mehrarbeit ein Lohnzuschlag bewilligt werden muß. Man wird es den vertragschließen­den Parteien überlassen, in welcher Höhe der Zuschlag festgesetzt wird. Wird keine tarifliche ober sonstige Vertragsabmachung erzielt, so soll ein angemessen er Zuschlag in Kraft treten. Als solcher gilt ein Zuschlag von 25 v. H. des Arbeitslohnes.

Dos Kompromiß wird voraussichtlich nicht von den Parteien in Form eines Antrages im Reichstag eingebracht werden, vielmehr wird be­absichtigt, daß die Regierung die Bestim­mungen des Kompromisses übernimmt und da­nach den Aegierungsentwurs abändert. Der Reichsrat wird dann am Mittwoch oben Donners­tag den Entwurf voraussichtlich in der abgeän­derten Form verabschieden, so daß dos Gesetz in der neuen Form an den Reichstag gehen wird.

Aus dem Finanzausschuh des Hessischen Landtags.

D a r in st a i) 1. 22. März. Der Finanzaus­schuß des Hessischen Landtags beriet am Diens­tag die Regierungsvorlage über tue Erstreckung des Finanz gefetzes von 1926 auf die ersten drei Monate des Finanzjahres 1927; die Vorlage wurde mit allen gegen drei Stimmen geneh - mißt. Eine Vorlage über die Durchführung des Gesetzes^über die Errichtung ftaatli- chcrBauämter, hier die Zurversügungstel- lung der Mittel für die persönlichen Kosten, wurde sodann beraten. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes über die Errichtung der staatlichen Bauämter sind die oberen und mittleren Bau­beamten der Kreise als Staatsbeamte zu übernehmen. Die erforderlichen Mittel hierfür sind in Kapitel 112, Titel 1. des Etaotsvoran- schlagS bereits vorgesehen. Die Regierung er­bittet die Ermächtigung, die Gehälter der in Frage kommenden Beamten vom 1. April an auf die im Staatsvoranschlag vorgesehenen Sum­men einstweilen zu verrechnen. Der Finanzaus­schuß stimmte dem zu.

Es folgte die Beratung der Vorlage über das Steuer vorauszahlungsgeseh. In Ab­satz 2 des Artikels 1 wurden die Worte gestri­chennur für einen Teil des Rechnungsjahres" und dafür eingesetztfür das Rechnungsjahr". Es lag ein Antrag Kaul und Genossen vor, dessen erste Position durch den Mietpreisaufschlag er­ledigt ist. Rach der zweiten Position soll die gesamte lOprozentige Erhöhung der Miete zum Wohnungsneubau verwendet werden. Dieser Antrag wurde mit 7 gegen 6 Stimmen a b g e l e h n t. Ein Antrag Dr. Leuchtgens, der die lOprozentige Mieterhöhung nicht der Steuer unterworfen haben will, wurde auch abgelehnt. Ein Antrag Kindt, die aus der Mietpreisstei­gerung auskommenden Beträge zu 8 Prozent den Hausbesitzern und zu 2 Prozent den Gemeinden zu überlassen, wurde ebenfalls abgelehnt. Die Regierungsvorlage wurde hierauf mit folgenden Aenderungen angenommen: Die Voraus­zahlung an conbergebäuDefteuer erhöht sich um 26 Prozent des nach Satz 1 sich errechnenden Betrag?, falls der zugrund gelegte Steuerwert

7000 Mark übersteigt. Ferner wurde noch eine Entschließung angenommen, die Regierung zu ersuchen, den Zuschlag zur vorläufigen Sonder­gebäudesteuer für 1927 auf Antrag bis zur end­gültigen Veranlagung zur Steuer zu stunden, wenn es sich um nicht vermietete Eigenhäuser von nicht mehr als 10 000 Mark handÄt. deren Eigentümer 1926 nicht mehr als 100 Mark Ein­kommensteuer zu zahlen hatten und deren sonsti­ger Grundbesitz nicht mehr als 10000 Mark Steuerwert hat. Als Eteuerwert gilt der Wert von 1914. Der Artikel 6 der Vorlage wurde mit einer kleinen Aenderung angenommen, um den Gemeinden mehr Spielraum bei der Ansetzung der Steuer zu geben.

Der deutsche Standpunkt zum Abrüstungsproblem.

Graf Bernstorfs in Genf.

Genf, 22. März. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Sitzung des Abrüstungsausschusses gab Graf Bernstorfs eine grundsätzliche Dar' legung des deutschen Standpunktes zum Abrüstungsproblem ab. Er betrat«- mit allem Rachdruck, daß nach den vielen mühsamen Ver­handlungen der Sachverständigen jetzt Taten folgen müßten. Gerade die auf Grund inter* nationaler Verträge abgerüfteten Staa­ten, also in erster Linie Deutschland, haben ein Recht darauf, daß nunmehr die allgemeine Abrüstung erfolgt, nachdem zumal die deutsche Abrüstung restlos durchgeführt ist. Diese Qlb- rüftung sollte ja nach dem Versailler Vertrag schon die Einleitung einer allgemeinen Rüstungs­beschränkung sein, wie das auch in aller Form von mehreren Delegierten dieser Kommission aus­gesprochen worden ist.

Eine Teillösung wäre unbefriedigend: das Problem ift vielmehr in seiner Gesamtheit zu erfassen. Was auf uns lastet, sind die Ge­fahren des unausgeglichenen Rüstungs­niveaus. Diese Unausgeglichenheit macht die Wirkungsmöglichkeit des Völlerbundes problema­tisch. ilnfere wichtigste Aufgabe ist also die Her­absetzung der Rüstungen, nach den Worten t des Vertreters Italiens die Revision des gegen­wärtigen Rüstungszustandes. Unbefriedigenden Lösungen kann die deutsche Regierung ihre Zu­stimmung nicht geben. Endziel muß die Aus­gleichung der Rüstungen sein, die allein dem Völkerbund vollste Aktionsmöglichkeit gewährleistet. Die Lösung des Abrüstungsproblems ist der Grundstein für den Völkerbund.

Vor neuen Verhandlungen mit Polen.

Berlin, 23. März. Wie der polnische Außenminister Z a 1 e s k i dem deutschen Ge­sandten Rauscher mitteilte, ljat die polnische Regierung den in Genf getroffenen Abmachungen nunmehr z u g e st i m m t. Dies ist um so mehr zu begrüßen, als damit nun endlich der Weg zu neuen Deuts ch-polnijchen Verhand­lungen freigegeben worden ist. Voraussichtlich dürften in dieser Beziehung auch schon bestimmte Modalitäten zwischen Rauscher und Zaleski ver­einbart worden sein, und wir glauben zu wissen, daß sich der deutsche Gesandte mit dem polnischen Außenminister bereits über Ort und Termin der neuen Verhandlungen, die zunächst auf dem Wege diplomatischer Verhandlungen geführt werde», geeinigt hat.

Aus aller Welt.

Verteilung des Beethoven-Preises.

Bei der in Der Preußischen Akademie der Künste veranstalteten Beethovenfeier teilte der Präsident der Akademie mit, daß der staatliche Beethovenpreis, der jährlich in Höhe von 10000 Mart verteilt werden soll, diesmal erstmalig in zwei Hälften von je 5000 Mark an bk Musiker und Komponisten Gerhard v. K e u h - l c r = Hamburg und Kurt Thomas- Leipzig verliehen worden fei.

Beethoocnfeier in der Pariser Sorbonne.

In Der Sorbonne fanv eine Feftaufführung von Werken Beethovens anläßlich der hundert­jährigen Wiederkehr seines Todestages unter Mitwirkung von Künstlern der Oper und der Opera Coinique statt. Das Orchester stand unter Leitung Der Kapellmeister Vincent d ' Indh , Henri R a b a u D und Philippe ©auberi. ES kam die Ouvertüre zu Coriolan, die fünfte und neunte Symphonie und ein Beethovenquartett zur Aufführung.

Zuchthaus für Autobanditcn.

Das SchöffeugerlO)' in Luckenwalde fällte ein bemerkenswertes Urteil. Berliner Automobilisten waren vor einigen Tagen unterwegs über­fallen worden. Die Banditen hatten Baum­stämme quer über die Fahrstraße gelegt und so das Auto zum Anhalten gezwungen. Unter Be­drohung mit Revolvern zwangen sie die In­sassen, ihr Geld und ihre Wertsachen herauSzu- geben. Glücklicherweise gelang es schon am näch­sten Tag, die drei Täter zu fassen. Das Schöffen­gericht verurteilte jeden der Drei Tater z u fünf Iahren Zuchthaus. 10 Iahreit Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht.

BanbitenüberfaU auf Reisende in Mexiko.

300 mexikanische Banditen haben bei Rincon (Staat Guanajuato) am 20. März abends einen Eisenbahn zu g angehalten, die Post- und Ge­päckwagen geplündert und drei Wagen 1. Klasse in Brand g e st e ck t. Ungefähr 30 Meilen von der Stadt Mexiko haben Banditen am gleichen Tage 11 Automobile angehalten und die Passa­giere ausgeplündert.

Die Rache des Seehundes.

Auf dem Passauer Bahnhof stand ein Seehund in seinem Behälter zum Weitertransport bereit. Ringsum eine Menge Reugieriger. Einer von diesen machte sich den Spaß, dem Tiere ein paar kräftige Züge Zigarrenrauch ins Ge sicht zu blasen. Der Seehund tauchte im Wasserreservoir seines Käfigs unter, um bald darauf mit Munition wieder zu erscheinen, die er in voller Ladung dem über- raschten Störer seines Friedens ins Gesicht spie, so daß dieser über und über naßgespritzt unter dem schadenfrohen Gelächter der Umgebung das üßeHe suchen mußte.

Wettervoraussage.

UnbeftänDig wechselnd bewölkt, etwas kühler und noch Riederschläge in Form von Schauer- regen.

Gestrige Tagestemperaturen: Mazimmn 16.7. Minimüm 9.4 Grad Eellius. Riederfchläge' 4.6 Millimeter Heutige Morgentemperatur: 82 Grad Eellius