Ausgabe 
22.12.1927
 
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30 Wk. uho Die eine gaffte soll mballchst vor Weihnachten die andere anangi Februar ausgezahlt werden. Die 21uJ»afrUma in Mer Raren muh eriolgen. »eil noch nicht fetz fleht, ob da- Reich, der Staat oder der Kreis Zahlun­gen leistet. 2m Schlüsse der -flenrl.chen CiQung mite der Bürgermeister mit. bah bx* Wohl die letzte Sitzung der seitherigen Stadtverordnetenversammlung ge­wesen lei. 3t svrach den Ausscheidenden Danf au- für die gehabte R^uhew^ltung und schloß mit dem Wunsche: .Fröhliche Weihnachten".

* Wohnbach. 21. Dry In hiesiger De- marfuna liegen e'tna 4 00 Rorrnalmorgen Ackerland die dem gräflichen Hause L a u b a ch gehören. Don jeher ist dieses Ge­lände meist in Parzellen von sieben Morgen an hiellae Landwirte verpachtet. da das Gut eigene Äinschalisgebäude nicht besitzt. Run be­absichtigt wie man frört, die ehemalige Vtan- des Herrschaft, ihren sämtlichen Grund­besitz her zu verkaufen. Das Dorfraben sinder frier guten Widerhall. um so mehr, als von einem Preis die Rebe ist. der trotz rüd- läusiger Preisbewegung für landwirtschaftliche Erzeugnisse als annehmbar bezeichnet werden muh 2uch in dem denachKarlen Obborn­hofen lind Kaufverhandlungen mit dem glei­chen Delltzer eingeleitet, in der Absicht, einen Teil des Siedlungsgeländes käuflich zu erwerben.

Mrcit Nufringen.

Dad Salzhausen. 21. Dey 3m Der- gleich mit den Durchschnittszahlen der Vorkriegs- ?elt erfuhren in der abgelaufenen Bade- o i f o n sowohl die D e s u ch s z i f f e r. als auch die Däderzohl ei e geringe Erhöhung. Don den 2036 Kurgästen (11 932 abgegebene Bäder) stellt da» Kaufmonns-Erholungsfreim. da» während her ganzen Saison eine gleichmäßig starke Besetzung ausweist. einen hohen Prozentsatz.

I! Büdingen, 21. Dez. Schon seit langer Zeit schweben Derhandlungen über die Er­schließung des Vogelsbergs durch Derwirkllchung der beiden Bahnproiekte Büdingen- Ober-See men. mit der Einmündung in den Schienentzrang Frankfurt- StorkheimLauterbach und Büdingen Langenbergheim Rkerkdbel Hanau. Das Kreisamt Bü­dingen hatte nun zu einer Versammlung Im Fürstenhol' eingeladen, um der Oeffentlichkek. besonder- aber den Bertrctem der an dem Dahn- bau hauptsächlich interessierten Gemeinden und KSrper'^chastcn. wie Industrieunternehmungen einen Ueberblid über den Stand der Dinge zu vermitteln. Bertreten waren In der Versamm­lung der Rachbarkreis Schotten durch Kreis- direkior Ged. Rat Boeckmann, die Fürstlich Vlenburgischen S andesbetrscha ten Büdingen und Tlecifroh durch die Kammerdirektorcn Wei­mer und Köhler, der FeldbereinigungSkom- miliar, die Inierel letten Induftriefirmen und 23 Gemeinden durch ihre Bürgermeister b»w. De- meinberäte. Für die Russüfrrung der Projekte herrschte einmütige Stimmung. Durch die Bereitstellung beträchtlicher Mittel der Stadt Büdingen, der Standesfrerrscha ten und son­stiger an dem Projekt InteteHlertet Gemeinden dürste die Ausführung der Strecke Bübin­genOber-Seemen als gesichert gelten.

Ridba. 21. Dez. Die in der Infla­tionszeit gegründete Bauoenosfenschafk Selbsthilfe. G. m. b. H.. steht jetzt vor ibrer Auslösung. Die Mitaliederzahl ging stark zurück und sank unter 7. so daß nach dem Ge- nosfenschastsgesetz die Auslösung geboten ist.

Urci« Lchottcn.

I Schotten. 21. Dez. Gestern fanden auf Dcranlaifuna deS KreisamteS. Kreisveterinär­amte« und Londwirtscha.isamtes in der kiesigen Turnhalle drei für die Landwirtfcholi überaus wichtige Vorträge statt. Die Versammlung war sehr gut beiucht. Rach einleitenden Ve- arüßungsworten des Kreisdirektors Geh. Reg - Rat Boeckmann sprach zunächst Kreisveteri- närrat Dr. Schmidt über nie Tuberkulose des Rindes. EnistefrungSurfoche der Krank­

heit ihre große Verbreitung und die Art ihrer Dekäir.ofung. Besondere Geiagr bildet fre ot<ne Tuberkulose, die 'ich in den ü raunen. die mit der Außenwelt in Verbindung stehen, abspielt, insbesondere Lungen- und Eut< nuberkulo e Roch den statistischen Erhebungen im Reich Heb 20 Prozent der Rinder durchschnittlich tuberkulbs. und auch im Kreis Schotten, in dem 1928 über 100. Kühe und Rinder zur Schlachtung tarnen, besteht das gleiche ungünstige Verhältnis. Eine rich.ige Te.amp ung ber Tud rkulo e die in erster Linie eine Stallkrankheit ist. ist daher unbedingt geboten. Landwirtfcha tsrals Dr. Heilert ver­breitete sich darnach über die Bedeutung der Weidc für die Leistungszucht und Rentabilität des Betriebes. Da» Thema ist zur Zeit für den Vogelsberg. In dem die vielen Bestrebungen sich auf Umstellung in verstärkte reinrassige Vogelsberger Viehzucht und Weidewirtschast überall ge lend machen, von ganz besonderem Interesse. Grünland ist Ho snu g»- land, darum mehr Iungviehweiden. mehr Um­stellung der unrentablen Ackcrbewirtscha.tung auf Weideoetr e5. Bürgermci er Menarl - Scholten sprach alsdann en gehend über das für den Landwirt so wichtige Gebiet .W ä fr r s ch a s l beim Viefrhandel" Durch zahlreiche Bei­spiele wurden die rechtlichen Bestimmungen näher erläutert und der schwierige rechtliche Stofs ver­ständlich gemacht. Die Vorträge fanden sehr starken Bel oll. In der anschließenden Diskussion wurden noch zahlreiche Anregungen gegeben, ins­besondere ein genossenichastlicher Zu­sammenschluß zur Bildung von Weide- genossenschaften empfohlen. Im Anschluß an die Vorträge wurde der H e i rn a t s i l m aus dem Vogelsberg vorgeführt. Der sehr gut gefiel.

Schotten. 21. Dez. Um eine Vermln- derung der Obftso.ten durch, führen und dafür wenige anbauwürdige So.ten in größerer Menge zu züchten, ist seitens der Landwirt­schaftskammer und des Landesobstbauverbands ebn planmäßiges, g e me i n d e we l s c s Umpfropfen der vo.handenen Aepfel- und Birnbäume beabsichtigt. Mit dieser Arbeit soll bereits Im Ianuar begonnen werden. AlS Haupt- forten sollen gewählt werden: Schöner von Bos- korp, Iakob Gebet und Goldrenette von Blen­heim. außerdem Geller:- Butterbirne, Köstliche von Tharneu und Williams Thrtstbi ne. Man erhofft von dieser Maßnahme eine Verdrän­gung des Auslandobstes von dem heimischen C( ft narfte, und ertoailet von den Obstzüchtern williges Verständnis für die Rotwen. ig.e t des Umr.roy en« ihrer Bäume. Die frier neu errichtete Iugendfrerberge. die d.m- nächst Ihrer Bestimmung ,uge.üfrrt wird, ist mit 25 Betten ausgestattet. Die Durch,üfrrung der Innenausstattung hat ter Zweigoerein deS fric- flgen V H. E übernommen.

WSR. Schotten, 21. Dez. Einen 11 n - alückssall beim Skiläufen erlitt ein Herr aus Frankfurt a. M. im Oberwald. Er blieb mit dem einen Schuh hängen und kam schwer zu Fall. Außer einer Verletzung am Unterliefet tr g et en: Gehirnerschüt­terung davon, so udb er mit einem Kra.twagen "och Frankfurt verbracht werden mußte.

Laubach. 21. Dez. Ingenieur Friedt. Schmidt fratte In unserer Gemarkung, am Lar- denbacher Weg. ein Gelände von 11 003 Quadrat­metern von der S.odt gepachtet, dob.-i ober die Verpflichtung übernommen, diesen Platz inner­halb einer aewilfen Frist zu bebauen, nach welcher Zeit dos Gelände sonst wieder an die S adt zurücksallen ward«. Diese Frist ist jetzt verstrichen; der Bauplatz ist eingeebnet und schon mit Bäu­men bepflanzt. Der Gemeinderat hat nun das Gelände zum Bauen zurückg Hog-n. Gestern verhandelte der Gemeinderat persönlich mit dem Ingenieur. Einzelne Mckalid.e des Gerne nde- ra's befürchteten eine Schädigung der städti­schen Wasserleitung (beten Quellen un­weit liegen) durch eine größere elektrische An­lage. woraus der Ingenieur erklärte, er beab­sichtige nur die Errichtung eines Wofrnyauses und die Anlage einer firmen elektr.lchen Lei­tung zu seinem Privatgebrauch. Die Verhand­

lungen find rsd> nicht abgeschlossen. Der Gasthal er Feldbaus, der voe brri Iahten den .Schützenhof erwarb, hat we< -r.t r che bauliche V-etärderu-.gen vorgenommen, die für den Wirtschastsbetrieb sehr vortetlfrrft find Der Gast hoi wurde 152C von einem Büchs.mmacher namens Studie laus der Gegend von Kon- stanz gebürtig) erricht.: Dieser erfreute eine Schützen Halle und eröffn.-ft eine Heine Gastwirt­schaft. Gras Friedrich Ludwig Thri­ft l a n. der letzte fow.Tlne Reichs graf (II® bis 1822) ha te ihn. als er UA8 am Rastatter Kongreß teil na hm und einen Ausflug an den Boden'ee machte, in Konstanz kennen gelernt. Er nahm den st^lchfenmachet in feine Di nie und übertritt ihm das alte .Schießhaus" auf der ^Hällf. wo Stückle eine Werkstätte einrichtetL Ihm wurde da« Vorrecht erteilt, auf der .Häkle" Schieß­übungen abzahalten. C-rin Sohn Theodor den die ältere Generation noch g-rannt Hal. führte den Wirtschaftsbetrirb wit r.

tt Frelen'een.21 Del. In Volksbild- neri! cher Hinsicht ist das Wnt rhalbiahr 1927 28 für unsere Gemeinde recht reichhaltig. Rachdem am Sonntag. 11. Dfember, die Kinder der l.Schulkla'se eine in allen Teilen wohtge- lungene Weihnachtsfeier v.ranstaltet hat­ten. waren es in der vergangenen Woche zwei Lichtbildervorträge, die eine an'ehnliche Beteiligung aulwieten Am Fre tag fprach auf Einladung d.s hiestgen Kriegervereins Oberst­leutnant von Hagen über das von vielen ae- wünschte Thema: Die Marneschlacht 1914 In streng fachlicher Wri'e behandelte der Redner an Hand von anschaulich guten Bildkrrten die einzelnen Phalen der gewaltigen Schlacht, deren tragi'cher Ausggng vie'fach als Schi ff .Iswende des Völkerringens bezeichn t w rd. M t pe nl.cher Gewissenhaskigkeit führte der Redner die Schuld- frage aus. die nunmehr als geklärt angefefren werden dürfe, da auch das gegnerische Aktcnma- terial zum Teil veröffentlicht ist. All e tiaer Bei­fall lohnte die hochint.-relfanten Ausführungen Der zweite Vortragstand Im Dienste fr.-r 05 a fe­ier Misfion. Missionar Schmoll. Hers- seld predigte im Vormitiagsgottesdienste über die Bedeutuna der Mission. In erster Linie im chi­nesischen Rielenreich. Seine Aus üfrrung.-n klan- Sen aus in einen Ruf an al'e aufrichtigen Schri­en. dieses segensreiche W.rk tatkrä tig zu unter­stützen. Abends Dcr'amme.te sich die Dem inde In der Kirche, um in Wort und Bild, letztere aus dem eigenen Wirkungsleld des Redners, das Volk und seine Sitten, vor allem dessen Iahr- tou ende alte Kultur kennen zu lernen. Am zweiten Welhnachf tage wird der fr e ige Turn­verein mit einem recht afrwech iungsreichen Programm vor die Oefsent.ichkeit treten. Reb.-n gute iumerische Leistungen der Turner- und Turner.nnenr ege werden g di gene Th alerau - füfrrungen treten. Auch ihm ist ein voller Er- folg In Anbetracht seiner umfangreichen Dor- arbeitungen zu wünschen.

Sellnrod. 21. Dey Am Samstag fand die Weihnachtsfeier unserer Schule Im Saale des Gastwirts Karl Schleuning statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz be­setzt. so daß viele Besucher sich mit einem Steh­plätze begnügen mußten. Die Kinder spielten recht flott ein von Lehrer Weimer verfaßtes Weih­nachtsmärchen, das reichen Beifall fand Weih­nachtsgedichte und gut oorgetraaene Weihnachts- llcbcr wechselten einander ab, so daß frei bren­nenden Eyristbäumchen bald echte Weihnachts­stimmung herrschte, die in einem von der versam­melten Gemeinde gemeln'am gesungenem Deih- nachtsliede ausklang. Lehrer Weimer betonte in seiner Ansprache die Bedeutung dieser Feier, die Elternhaus und Schule einander näher dein- fien sollte. Psarrer Illert dankte den Veran- taltem, den Lehrern Reuhl und Weimer, im Rainen der Gerne nde für den wohlgelung nen Abend. Der hiesige Gesangverein, der schon 1891 gegründet wurde, lag wegen Mangels eines Dirigenten mehrere Jafrre brach. Leh­rer Weimer hat ihn wieder zu neuem Leben erweckt. Der Thor gedenkt am ersten Feiertage zum erstenmal wieder Öffentlich auszutreten. und

zwar In der Kirche z»r Verschönerung des 2Mfr nach t^go Herd en ft es.

Burkhards. 21 De». Wir erhalten das elektrische Licht nicht auf direkter Linie von dem ungefähr ei-re Stunde entfernte» Gedern, 'onderu auf dem bedeutenden Umweg über Ober- Seemen. Han>»annsi.ain. Herchenhäin. Sichen- fraufen und Kaulstoß. In den letzten XÄa« d er I aale mehrmals abends gegen 8 Ufreber elektrische Strom, to t-afr vir genötigt waren, au unserem alten Deleuchtungswefen wie­der Zuflucht zu nehmen. D e Störung fand man bei Hartma-rnshain. Durch den Umweg und he- fonders über die hochgelegene Herchenfrainer Höhe ist die Lichtlerrung des öfteren großen Gefahren ausgefetzt. D:e Betriebsstörungen, d e nun Iahr für 3afrr auftreten, haben mu Deutlichkeit ge­zeigt. daß selbst besonders gut gebaute Fern- leilungen ber Wit terunasum ich lägen un oberen Vogelsberg nicht gewachsen find. Es bleibt alle für die Zukunft wahrscheinlich mchts anderes übrig, als die Semletlung an den ^fstfrrfret«» Stellen In ein Erdkabel au legen.

1 Gedern. 21. Dey An Stelle des nach Alsheim versetzten Lehre.s List, welcher jahre­lang mit großer T.eue das Amt des Orts- vertreters für den Tlerfchutzverein in Hessen bekleidet hatte, übernahm der Ons- gelftllche. Ho Prediger Widmann, bw O.ts- Dertrrtung De.ei ns. Zur Stellvertretung er­

klärte sich Forstrat K o 11 n e l e r bereit - Die aenielnschaftliche Weihnachtsfeier des Iungsrauen- und des Frauenvereins sand am Montagabend im überfüllten Ge­meindesaal sta i. Die alten Weihnachtswelfeu. Gedichtvorträge. Mädchenchöre und ttirjclgefang folgten in sinnvollem Wechsel aufeinander, an den geeigneten Steilen m,t erbrochen du.-ch die Verlesung des Delhnachrsevangetiuins. Von tiefer Wirkung war besonders das von Mit­gliedern des Iung'rauenve.eins trefflich |ut Darstellung gebrachte Weihnachrs p.ei m»t dem Leitgedanken Weifrnachts reude in sorgenfchwerer Zeit und mit dem zum Schluß gestellte« .Lebenden Ehristfraum". Durch einen Heinzel- mann erfolgte dann die Verteilung kleiner Weist- nachtsgaben. Der Onsgeistliche schloß die stim­mungsvolle 5t.et mit einer Weih na chtsandacht.

Mrct# tlltfrlfr.

-er. Homberg a. b Ohm. 21. De, Durch die seit einigen -lagen herrschende grimmla« Kälte ist die Ohm zuaefroren. so daß sie vo> Schlittschuhläufern benutzt wird. Gestern frai man sogar lern Bremen und Einfahren des Gies, bas eine Dicke von 18 <, entime.ee hat begönne«.

-er. Rieder-Ofleiden. 21. Dez Schon für Samstag, den 18. d. W:s. zwilchen 13 und 17 Uhr. war eine Sprengung in großem Ausmaße am hohen Berg In den Ba a ibcüchen bet Mitteldeutschen Hartstein-In­dustrie zwischen Ober- und R eder-Ofletde« poree'eten Für die Sperrung ber beide Orte verbindenden Landstraße und die Umleitung des Verkehrs während der Vornahme der Ernen­nung war durch das Kreisamt Alsfeld alles aufs lorgfä'.tiaüe vorbereitet worden, jedoch die Haupt­sache fehlte noch das Pulver. Rachdem dieses eingetroffen war, wurden die für die Zwecke ber Sprengung errichteten Stollen mit 96 Zentner Sprengstoff gefüllt, um eine ausgiebige Wirkung zu er; e en. Die Stärke der zu erwartenden Detonation sollte In verschiedene» Entfernungen mittels Seismographen gemeßen werden. Am Montag gegen 14 30 Uhr wurde nun die Sprengung voroenomrnen Aber trotz bet ungeheuren Menge Sprengkraft war kaum etwa» zu frören, nur ein dumpfes Rollen war vernehmbar, hervorge.ufen durch die in den Bruch rollenden und aus der Tiefe heraus- geschleudenen Gesteinsmafsen. Zahlreiche Reu- gterige hat.en sich auf der Straße zwischen Ober- Ofleiden und Gontersfrausen zur Beobachtung des erwarteten Schauspiels eingefunten, waren aber von den Wahrnehmungen keineswegs beftleblgt Ob das Unternehmen mit dem Erfolg dieser ge­waltigen Sprenaung zufrieden thf Da» R d>» Of leidener Basa11werk hat Im abgelau-

Kopenhagen zur Weihnachtszeit.

Von unserem ständigen Berichlersialter. Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

v. M. Kopenhagen, im Dezember.

.Kopenhagen, dänisch Ködenhavn. (sprich- benbaun). Hauptstadt des Königreichs Dänemark und Reiidenz des König». beUtzt als Sommer- aufen.frxih . .." doch erstens ist es jetzt, sowohl theoretisch wie praktisch, zweifellos W.nter und zweiten» steht das alles gaitz wortgetreu im Reiseführer - Seite 10. rechts oben. 3m Be­darfsfälle bitte ich nachzulchlagen Wenn besagtes Werk dann noch u. a. ausiührt, daß In Kopen­hagen überall dänisch gesprochen wird, so ist das ein ErsahrungSlatz. dem auch an dieser Stelle nicht ernstlich widerlprochen werden soll. Wir ha­ben vielmehr Gelegenheit gehabt, die ortsüb­lichen rasch und möglichst interpunktionslo» frer» vorgestos.enen Gutturallaute einwandfrei als jene» Idiom au agnostizieren. Ebenso soll nicht geleugnet werden, daß die Stadt ein historisches Gepräge hat. was ,wie der Reiseführer hervor- hebt» auf ihre Geschichte zurückzufuhren ist.

Wer keinen Führer besitzt, sollte sich etwa folgendes Rezept merken, man nehme für etwa vi» -XX) Einwohner Baumaterial, bereite es nach lübischer Art gut au. gebe etwas München oder Dresden daran und versetze es mit Städtegrün. Mit Ostfee abgeschreckt und möglichst kalt ser­viert. erhält die Speise durch Zugabe von architektontichem Gewürz und einer Pvle Patina vorzüglichen Geschmack Die Tunke rühre man. zu gleichen Teilen, aus behäbiger Provinz und Großstadt an. iLeichtsinn nach Beheben.* )iame Kopenhagen Dauer der Zubereitung h» 3afrrt. Wer nicht Io viel Zeit hat. erwerbe eine Fahr­karte und komme her. Viium nicht erforderlich.

Wenn von Berlin neulich irgendwo gesagt wurde, daß es ebenso hübsch wie häßlich fei. so trifft das für Kopenhagen nofr weit mehr zu Abgesehen vielleicht von Petersburg, gibt es auf dieser Welt kaum eine andere Stadt in der eigenartigste, berückendste SchÖnfrc-t und ödeste, flacheste Ztllloiigleit fo nahe beieinander ti.-gen und so wahllos verstreut lind. Herrlichste alte Kirchen und Paläste, reinstes Mittelalter Rv- koko. Empire oder 'Barock mitten zwi'chen plumpen grauen Mietska emen geschmacklosen Stuckfassaden modernen Ck chältöl auten öüd- Ilgen Häu'erchen. Es gibt kaum .gute oder .schlechte' Gegenden, ausgesprochen elegante oder ärmliche Viertel nur einzelne Straßenzüge.

Häuserblocks dieser ober jener Art. Die Stadt besteht aus Ueberraschunaen. und man ahnt niemals zuvor, wo» die nächste Ecke birgt Eines aber weiß man ganz gewiß: daß e» höch­stens theoretisch möglich ist. gleichzeitig nur von einem Radler überfahren zu werden. Das Straßenbild flimmert von stampfenden Beinen, kreisenden Pedalen, blitzenden Speichen, rollen­den Reifen. Hundert Glocken schrillen durchein­ander, von allen Seiten schiebt und schwingt es sich an einem vorbei Männlein. Weiblein. Iung und Alt endlos, an den Straßenkreuzungen JiU unentwirrbaren Haufen geballt Kentauren i .1 Kopcnhiguel Uno doch geschieht dem Zwei­füßler leiten etwas zuleide, ebenso selten, wie Io ein Trampelwerk zu Bruch geht denn Rad­fahren bedeutet frier AirkuS'ahige Meisterlchast. Zwei Zentimeter Zwi'chenraum genügen für rei­bungslosen Verkehr. Mit elegantem Bogen faust das Rad. zwischen fünf Autos und siebenund- vierzig Artgenosfen. um die Ecke, und nur der Fremdling fühlt fich In mehr ober weniger akuter Lebensgefahr.

Das Geschäftsleben ist betont großstädtisch, eborene lächelt gekränkt

bleibt er immer), wenn man das .nordische Paris" etwa nicht gelten (allen roll' Iedes dritte Haus enthält eine Konditorei, ein Äon- fitürengefchäft ober doch wenigstens als lo­kale Spezialität einen Fruchtkefier dessen vielseitige Auslagen ebenso verlockend wie teuer sind. (.Teuer" ist überhaupt ein Wort, das sich einem hier an allen Ecken und Enden av

stehen überall große, brr-t- ausladende Automaten, mit Zigarren. Zigaretten. Früchten und belegten BrÖtrhen. Letztere Ein­richtung läßt nicht nur ganz richtig au' den stets wachen Appetit der Kopenhagener schlie­ßen. sondern ist nachts so para bot bas klingen mag ebenso handlich bezahlbar, wie .gernb au unbezahlbar". Hungrig zu Beit gehen müssen g b: es nicht unb man hat die Wahl zwilchen beschei­denen und erlesenen Genüssen je nach ber eingetoorfenen Münze. Der spe u'ativr G ist wirft hier sofort die Frage auf. was wohl das befere Geschäft märe: ein dänischer Automat in Deutsch­land oder ein deutscher Wurftladen In Kopen- fragen Denn was fr er unter dem Hamen .Wurst gebt ist schlecht, rd.ngs eine Katastrophe.

Furchtbare, marker chut ern.de Schreie ballen durch txe Straße. Es alngt wie .Zu H11se. zu Hilfe". Der ahnungs o'e Frcmdl.ng bleibt mit schlotternden Knien stehen und ringt mit dem Entschluß, dem augenscheinlich in Todesnot ge­ratenen Rächsten .mutig beizt» bringen. 3m ner näher ertönt der verzweifelte Schrei und schließ- llch unterscheidet man .Bananen Bananenk"

Das macht nur ein orientalischer Straßerchändler dem däni chen Kollegen nach.

An der nächsten Straßenecke schmettert ein Lautsprecher Musik ober die neuesten Rachrichten weitschallend über den Verkehr. Autos hupen dazwischen. Fahrradschellen zirpen. Gefährte rat­tern für Lärm ist also gesorgt. GroßstadtI

Wenn man übrigens einen Kopenhagener fragt, wo der Rathausplatz liegt und sagt da­bei - .Radhus anstatt .Rodhus" Jber Klang liegt zwischen a unb o) bann sieht er einen tiefbestür-t an unb weiß sich weder Rat noch Robf

Run noch ein ernstes, liebes Bild, ein star­ker unvergeßlicher Eindruck Weihnachts- a e i t i n Kopenhagen. Alles ist strahlend hell erleuchtet, die Geschäftsgegend ein einziger, gewaltiger Ehristmarkt. lieber all Tannengrün. WechnachtSkronen. bunte Blüten und Sträußchen. Vielleicht nicht lo sehr anders, als in der übrigen germanischen Welt jedoch w rrner. gemütvoller, intimer. Große Glocken hangen an grünum tan­nenen Seilen über der Straße, die Kaushäufer öffnen den Kindern ihre Pforten, und alles. Iung und Alt. ist festlich, freudig hochgestirnrnt Auf den Plätzen fielen gewaltige, mit Hundert.n von kleinen elcktrifchen Kerzen geschmückte ahrist- bäume. Ein im Winde wogendes Lichtmeer da» sich in den Spiegeln und Fensterscheiben bricht und verlaufendlacbt- Die nüchterne W.lt der Großstadt geht im Andersenfchen Märchen, im Kindertraum unter Und vorn Rathau-turm flin- gen feierlich die fchw.ngenden. weich.n Töne des Giockenlpieis über L'idot und Dunkel der alten Stadt. Singend und rufend aus un ichtbarer Höhe Man muß die Stimmung erleben schildern kann man He nicht

Reue Lüchee.

Adam Karrlklon: Windschiefe Gestalten. 340 Seiten 8°. Ganzleinen 6 Mk. Berkag von Friedrich Gukfch. Karlsruhe. Das neue Buch des zumal in Hellen gut bekann­ten He.matschrtststellers Karrtllon kann tn kuwn besten Stücken als ein Gegenstück uj Peter Ro'eggers .Rirnutzlgem Bvll^ gri en. Man fin­de* bier eine Reihe in sich abgeschlossener Ge- bütgtr. deren jede eine traurige, komische oder tragi.'o-:..'che Figur zum Mittripunkt hat. eine wind' Gestalt, tote bet Titel es zufam- nmanfld andeutri. Menschen mit allerlei Br- perl'; chen und 'eell scheu Gebrechen, mit Sell- '.imkeiten und Schrullen a^sftaf letJ mit Bläh- frä'.'m. Buckeln und Kl-mrsüßen geschlagen. Son­derlinge, eingebildete Kranke, Raufbolde, Äir4>'

weihmusikanten. Spießbürger und Stotte er. Uhr­macher und Wehmü ter. entgleiste P.edigtamts- kandidaten und Vechr»Ögel. wie sie rinem im Leben allezeit leibhastig und bald unscheinbar, bald lächerlich über den Weg laufen. Karrtllon ist ihnen allen begegnet und hat sich ihrer ge­ringen Schicksale unb kleinen Lebensgrichichien angenommen und sie der Aufzeichnung für wert gefreßen. Wer mit Karrilions Wesen und Art nich von früher vertraut ist, berr tt^rb es nich Immer leicht werden, sich mit fernem manchmal fertfam frarten Sprachstll zu b^reun- den und hinter einem ost ungekeiOen und galligen Humor die herzlichere Gabe des Sehens und Verstrfrens zu entdecken, ohne die diese« Buch kaum entstanden wäre. TTO

Isolde Kurz. Die Stunde fres Unsichtbaren. Seltsame Ge'chlchen. i TWt'aa Grrihlein 1 Eo.. Leipzig. In Ganzleinen 750 Mark.) Iedes neue Werk dieser außerordent­lichen Schristftellertn bedeutet einen neuen March ft ein in der Entwicklung ihres erstaunlichen Schas- sens. Bon der Lyrik dis zur Biograpfrte. vom Keinen Aphorismus bis zum großen Roman recht die Spielwette ihrer Diejenigen Begabung, und überall hat Ile unvergängliche Werre geschossen, ihrer MU well zur flteube In ihren neuen Er­zählungen erobert fit ein neues Gebler Dte<e leüfamen Geschichten" heißen deswegen .Die Stunde des Unsichtbaren", weil tn ihnen jene irrationale Macht dar gestellt wird, fre bald da bald dort in das mmipilche Leben hinemfplelt und Schtcksalswtrken bat. Bei ber Mannigfaltig­keit der ganz ungewöhnlichen Motive it ihnen allen dieser dämonische ZuggcmernsaM. ober nur so. wie diele irrationale Macht un'ichibar und unfregreisllch mit verschwebenden Schleiern und immer ver<^ ttvene Deutungee nu'.cVcnb an die menschliche Seele streift. Ser es als Doppellranm zweier Liebender, der spät noch den versöhnenden 2u»Cang eines gestörten Glückes bringt wie tn der Geschichte vom Berg Larmos. fei es als Bor- afrnuna. die sich gerade dadurch erfüllt, daß man ihre Ersüllur. i zu verhindern sucht, oder als Dämonie des l»r.(r w eder lehrenden Zufalls, der den Aberglauben rühr« und -bemäfrrt. bis er ihn zur Grausamkeit der Tragödie he grr! w e frei dem unglücklichen 3ct:aiort. fei es als erfühlte Rähe * rentier unheun.icher Ge chicke und «v weiter. Damit ist auch ausgeb rückt worin die Dichterin Kern lieht eben in der Unfregttif» barte: des dämonifchen E.r.schlags. der »et» tre wo man ihn fallen will, weil er qmi i-tilich seine Stunde bn Merrf chen da sein hat aber eben auch mir eine Stunde. 81s