Ausgabe 
22.12.1927
 
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Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffenf

Nr. 299 Zweites Blatt

Donnerstag, 22. Dezemder 1927

Friedensoffensive in England

teuer geworden, imb ai nehmend durch die Oelf

der Herrschait der Konservativen non

lelrtgunQ b* Lloyd Geo

>rge ale leitenden Minister zu »er-

des englischen Reichtums. Jetzt, nach dem Kriege ist die englische Koh'.e erstens durch die Rück­ständigkeit des englischen Bergwerk »del riebe s zu ' »weilens wird sie zu-

eucruna verdrängt, bei der noch im Hintergründe sich als etwas be­sonders Unheimliches die in Deutschland erfun­dene sogenannte Verflüssigung detKohle

sehen habe. Lloyd George »erfolgt die Methode. Artikel durch das amerikanische 'Burcpu der ..United Preß" im Auslände. auch in Deutsch­land. au verbreiten So macht jetzt em Aullatz von >hm die Runde, in dem es z. 2. heißt Deutschland tonne von dem konservativen England ..weder Hille nr>ch Sympathie" er­warten. Das ,st gesagt mit Bezug aus die Genfer Entwassnungskonserenz

Dies ist ein unverbindlicher Wink, aber nichts- dcstoweniger daraus berechnet, dahin aularfaht zu werden, dah von einem liberalen oder liberal- sozialistischen England die Deutschen vielleicht mehr zu erwarten hätten! Ebenfalls interessant »ft ein Wink Llovd Georges an Rußland Er sagt, die Russen könnten aus einer Abritstungs- tonfeten* zweierlei hm, erstens, das. was sie wahrscheinlich tun würden (sie haben es in der Xdt getan,, nämlichihren ant.kapitalistischen Wahnsinn" deklamieren, oder mit tyret Taktik die wirklichen eutopäi'chen Millionsten dazu zwingen, dah sie ihre Maske lallen lassen und sich als das bekennen, was sie sind.

Indes der eigentliche Hebel, mit dem die Friedensoffensive der liberalen und der Arbeiter­partei in England arbeitet, ist die Propaganda dasür, den l k e r b u n d unter englischer Füh­rung. d. h. unter Führung einer aus Liberalen und Sozialisten bestehenden englischen Regierung, zu einem Instrument des ..wirklichen Friedens" zu machen. Dast dies das Mittel wäre, um mit ihm die moralische Führung in der Weltpclltlk an Chtalanß zu bringen. England neu mir dem Prestige des Schützers von Freiheit und Kultur zu umkleiden, sehen auch Konservative vom Schlage Lord Robert Lecils ein. der darum aus dem Kabinett ausschled, weil er Leute wie Baldwin. EhurchiU und >. bombet Iain nicht von dem Programm ..Friedensoffensive durch den Völkerbund" überzeugen konnte. In der Tat geht da« gegen die Mentalität der englischen Konser­vativen. erstens an sich und zweitens, weil es den Bruch mit Frankreich und eine gewisse, nicht nur in Worten, sondern auch in Taten zu vollziehende Annäherung an Deutsch­land bedeuten würde. Deshalb ist die in dem Artikel Lloyd Georges zwischen den Zeilen ent-

Von Dr Paul

In England hat sich so etwas wie ein Bund- nis zw-.'chen der. ß-beralen und der Arbeiter- Partei unter der Parole vollzogen die Konser­vativen stnö un-uh.a den Völkerbund zum WeltlriedenSinst rumentzu machen das etinimcr r Hand wer. en würde D.e'e We-dung ist kett einiger Zeit erkennbar, und s« fällt zusam­men mit dem Stege Llvyd Georges in der Auseinandersetzung über dir Fuhrcrfchrft in der liberalen Partei. Sowohl Lloyd George als auch Ramlay Macdonald und dies legt die Annahme einer <xtiiantiguAg nahe Haven unlängst »Isen als Stichwort die Revision des Versailler Friedens ausgegeben Lloyd George temperamentvoller und allgemeiner in einer ölsentl.chen Rede. Ramsad Macdonald etwas vorsichtiger und spezialisierter in einem Offenen Brief an seine Freunde Er sprach lpe- »teil hon den Minderheiten und brauchte Die eigentümliche Wendung, wenn man die von den Friedensverttägen gezogenen Grenzen Im Interesse der benachteiligten M.nderheiten e.nes Tages revidiere. Io würde man sich dabei auch danach richten müssen, welche Staaten die ihnen übergebenen Minderheiten gut und welche sie schlecht behandelt hätten. Dies wurde als eine Dvohung vor allen Dingen gegen Italien verstanden, aber auch gegen Polen.

Bon Ramsay Macdonald ist es sraalich ob et gesundheitlich wieder soweit in die Höhe kommen wird, dah er die Parteiführung im vollen Sinne übernimmt. Er ist auch reine eigentliche Jührernatur. Ganz ander« Lloyd George. Der istin voller Form" und geht mit all 1einem Temperament und seiner ge- wohnten ungestümen Taktik vor. Zu ihr gehört auch, unenglisch genug, eine gew.ssc Bee in - f 1 ussung de «Auslande«, dem angebeutet werden soll, wessen es sich im Fall einer Be­

Rohrbach

ballere Andeutung, nur die konservative englische R<^ erung werde Deutschland ohne Sym­pathie und Unterstützung lallen nicht unaufrichtig gemeint wenig tens tm Augenblick nicht

Es wäre auf der einen Seite voreilig, wenn man es schon sür sicher hallen wollte, dah der Kamp' um die Par'.amentsmehrheit in England nächsten Jahr einfach und eindeutig aus Grund . V .*<r?'.cn und Arbeiter- it fern Programm Revision d

träge" vollziehen wird. Aas der andern Seite ist eine so otene Stellungnahme in diesem Punkt, wie die von Lioyd George und Ramlay Mac­donald. in England nur unter der Annahme zu erklären, das» beide die össentliche Meinung für reis dazu halten, solche Worte zu hören. Das wäre nicht der Fall, wenn nicht das englische wirtschaftliche Leben bedenkliche Züge »e gt«. Der hedenkiichftc ist die Krisis im Kohlen­bergbau.

Die grob< Riederlage der Bergarbeiter und die damit verbundene Verlängerung der Arbeits­zeit und Reduktion der Löhne ist. wie sich jetzt zeigt, nicht imstande gewesen, den englischen Kohlenbergbau im ganzen rentabel zu machen. Augenblicklich ist. durch gegenseitige Unterbietung, der grobe Kamps zwischen der deutschen und der englischen Kohle um einen Teil des deutschen Marktes im Gange. Der Absatz nach Deutschland aber ist nur eine Teilfrage. und nicht die wichtigste. Englands Kohle war ein Weite »Port- artilef und der Kohlenhandel einer der Säulen

erhebt.

Die Umstellung des Kohlenbergbaues wird in England so immense Mittel erfordern, dab aus militärischem Gebiet notwendig ein Streben nach Ausgabenminderung s eigen muh. Dazu kommt die Einsicht, dab es für eine durch­greifende Belebung des Weilmarkts, namentlich des europäischen, und damit für eine Hebung der englischen «rportnöte überhaupt, nur ein sicheres Mittel gibt, nämlich die Abrüstung der Militärstaaten, denn dann würde sowohl in­folge der Steuererleichterung die Konsumkraft der Waffen gestärkt, als auch vieles an öffent­lichen Mitten, für produktive Ausgaben, also Belebung der Weltwirtschaft, frei werden. Da­mit find die realpolitifchen Hintergründe für Die ..moralische Friedensoffensive gegeben

Oberheffen.

tnnDtrtio Wiefje«

X Klein-Li nben. 22. Dez. Gestern Ldend sand in der überfüllten Kirche bae Weihnacht»- test der Kinder des Kinde raottee bien st e» statt. Unter dem Gesang Dee Liede, .Ihr Kinder- lein kommet, o kommet doch all", wurden etwa 350 Kinder unter Führung de, Pfarrer, Gödel zur ÄirdK geleitet (Ein Kinderchor trug mehrere Lieder vor. Unter Leitung de, stud Becker wurde ein gut bargrfkllte, Krippensptel oufgefübrt. da, von Gemeinde gefangen umrahmt wurde. Der Ort-geistliche hielt eine Ansprache, hierauf rourFe an jede, Kind ein schone» Weihnochtsgefchenk ver­teilt. von der Gemeinde wird die schone Einrich- lung, die erst von Pfarrer Göbel geschaffen wurde, al, segensreich empfunden.

L o l la r . 21. Dez. E i n W e l h n a ch t s - Wunsch an die Reichspost. Unser Ort hat sich in Den letzten Jahrzehnten räumlich nicht unwesentlich vergröbert, ganze Ortsteile sind neu erstanden. Die Zahl der Briefkasten dagegen ist geblieben bzw. hat sich um einen verkleinert. Der in früheren Jahren am Eingangstor zur Billa .Lahnperle" befindliche Ortetlaften ist vor Jahren wegen Besestigungsschwierigkeiten abfrenommen und rin-

Gießener Giadttheater.

Irr Aigeuncrdaron".

Die gestrige Aufführung des guten alten .Zi­geunerbarons'. die durch die Anwesenheit einiger Gäste von der Frank urler Oper ausgezeichnet war. erwies vor wohlbesetztem Hause Ine auch heute noch ungebrochene Durchschlagskraft dieser drei Akte aus dem sozusagen eisernen Operetten­best an de

Die Musik, so alt (und stellenweilc geradezu abgeleiert i s»e ist, erscheint unverwüstlich, der Wtenerwalzer von Johann Straub ist einfach nicht umzubringcn: der zweite Akt mit Dem Dompfaffen, der Rachliaall und den beiden über­aus anzüglichen Störchen ist immer noch ein Höhepunkt Und die Liebe ist eine Himmels- macht. Dab im übrigen der Tert nicht von Arthur, sondern von 3. Schnitzler (nach einer Stählung von Maurus Iokaii herstammt merkt man schon vor dem Wittelakt. es schadet aber kaum die Partitur führt über alle Untiefen. Lächerlichkeiten und naiven Sin fälle des Librettos, von dem man ohnehin nicht alles versteht, mit Grazie hinüber.

Das musikalische Schmuckstück der von Kapell­meister Reff geschmeidig dirigierten Aufführung war die Salli der Elisabeth Friedrich o.G.: sie hat sür ihre Earmenpartte eine ausgereifte, in allen Lagen voll tragende, technisch sehr routiniert behandelte Stimme einzufeyen. die das Ensemble blendend überstrahlt. Rächst ihr ift Richard von Schenk a. G. zu nennen, er sv.elte den ungarischen Schweinezüchter (dellen Enkel noch in der .Gräfin Mariza spulte mit einem salstasiisch derben Humor und ausladend drasti­schen Gebärden- abgesehen aber von dieser rein schauspielerischen Leistung die Ent al hing seines profunden Organs war eine Ohrenweide

Steinbrecher fang den Sandor Barinkay im ganzen war seine Leistung daS Beste, was wir seit längerer Zeit von ihm gehört haben: nur im zweiten Akt störten ein paar kleine Unreinteilen. Ton den übrigen: Bauermann a. G Homonav): Käthe Itter (Arfena-. die hier weniger zu singen und zu spielen, als zur

rechten Zeit dazusein und hübsch auszusehen hat: sah auch reizend aus im rotweibgrünen national- ungarischen Brautschmuck und Schroeder. der zugehörige glückliche Bräutigam.

Die Chöre Hangen fräftig und frisch Einzelne Gruppen hätten straller ^ufammengefabt sein, verschieden.' Auftritte flütliger kommen dürfen: Srielle hing: Becker Die hübsche Ausstattung (Löffler und Keimi ist zu loben.

Es wurde lebhaft geklatscht. Dr.Th.

Goethes letztes Deihnachtsfest.

Die guten achtzigjährigen Grostväter der ge­wöhnlichen Art pflegen, wenn es innen vergönnt ist. rüstig und munter das Weiynacht-sest tm Kreise ihrer Lieben zu feiern, an diesem schön­sten Tage des Jahres geschäftig und geheimnis­voll im besten 3immer der Wohnung zu han­tieren. bis sich am Abend vor Dem herrlich strahlenden Lichtcrbaum Die Türe auftut, um

-nd Enkel in Den tannen-, äpfel- und stoUendurchduftettn Raum einzulassen, wo die lange vorberclleten Ueberra^chungen chrer war­ten. Don einer Ecke des Solos aus pflegen Dann die allen Herren gerührt dem Treiben und Trubel -uzuschauen. solange als ihnen Die Augen offen bleiben, vor denen aus Der Tiefe feiner Terganaenheit noch einmal die Bilder des Lebens voruberbhwcben. das sich um sie ablpielle. Der zweiundachtzigjährige Goethe, ein durch Ab­schiede und Entsagungen gehärteter GreiS. um den die Frau, der fürnllche Freund neben vielen anderen, zuletzt der Sohn rn.-ggi mnlen waren in die grobe Rächt, beging das Deihnachtsfest. das ein letztes sein sollte, auf eine andere, seine be­sondere An. nicht anders als andere, beliebige Tage seines tätigen, unermüdlich scheinenden Skbcnl.

Am 24. Dezember 1831 diktiert et mehrere Briefe, darunter einen an den Ho rat Voigt in Jenawegen einer anzukaufenden Treppe", be­endet einen Aufiatz. den eint Sendung David Knolls aus Karlsbad, fünfzig Sprudelsteine in durchgelchnlltener E.forrn entfallend, rcranlastt Halle, liest in einer Darstellung des Dreißig­jährigen Krieges, fprichr mu Ottilie, der

gezogen worden, ohne daß an'chnncnd Daran ae <ch wurde, ihn anderwärts wieder anzu- bringen Für unsere über 2 300 Einwohner zählend Gemeinde stehen gegenwar ig ..bge- tehen von dem Bnc faücn am Bahnhrf > nur drei Briefkasten zur Benutzung frei. Da­bei hat un'er Ort allein eine Längenauedehnung von über zwei Kilometer. Es wird dah r von dem größeren Teil de Bürgerschaft als eine Härte empfunden, daß man ihm nicht Gelegenheit gibt, mit ©eniaer größeren Weg^n und Unanneyml.chkeiten Prst>ack>en durch Sm- wersen in die Kasten der Rci^svoft zur V- förderung $u übe geben. Möge diesen Hinweis genügen, die Demi*, ausgesprochene Bitte nach Vermehrung unserer Dvrlbrief- kästen baldigst in Erfüllung gehen zu la'sen. Deren Anbringung.o an folgenden Stellen ertoün'cht und dem tatsächlich vorhan enen Be-

Richtung Staufenberg. 2. Südende des Dorfe« in Richtung Gießen. 3. hintere CumXiffrahe rfog. Ortsteil Sachlenhaulen». 4. Daubringe' Straße lgleichzrllig für den unteren Zeil der Stein- ftrabei. Ein zweiter Wunsch an die Reichs post, der gleichfalls aus einem vorhandenen Be ürf- nis entstanden ist. geht dahin, unserer Ein­wohnerschaft die Gelegenheit zu geben. Frei­marken auch noch nach Dienstschluß erhalten zu tonnen. Dies dürfte durch Aufstellen bzw. Anbringung von Automaten mög'.ich sein. Wir denken hier an Die u. E sehr zweck­dienliche Einrichtung, wie Le in Gießen am Selterstor (Gebäude des Derkehrsvereins) sich befindet. Sollte eine gleiche Einrichtung sich nicht auch am hiesigen Platze verwirklichen lassen? Unsere Bevölkerung ist meist wählend der Tages- und Dienststunden des Postam:es in Betrieben beschäftigt, so daß die Erledigung von Post nur am Abend vorgenommen werden kann. Richt unerwähnt soll bleiben, daß durch eine Maßnahme, wie sie hier gewünscht wird, die schnelle Abfertigung der übrigen Verkehrs- treibenden am Schalter nur gefördert wird, allo auch eine Entlastung des Schalterbeamten darstellt.

Mainzlar, 21. Dez. Die Gemeinde- rechnung sürdasRechnungsjahrl925 schloß mit einem Ueberschuh von 19 632,18 Mark ab. Die nunmehr von dem Finanz ntslchuß des Gemeindtrats g prüfte und auf der Bürger­meisterei osfenlicgvnd Rechnung vom Rj. 1926 schließt in der 1. Abteilung in E nnahme mit 66 242.84 Mk. und in Ausgabe mit 46 994,92 Wk. ab. so bist ein Ueberfchuß von 19 247 92 Wk. ver­bleibt. Dieser Ueberfchuß b steht in bar 19177.22 Mark, in liquidier Ausständen 70,70 Mk D c zweite Abteilung fchiießt in E imahme und Aus­gabe mit 12 122.98 Mk. ab. Aufwert ungSverps ich- tungen aus früheren Anleihen hat kste Gemeinde nicht: außer einem Darichen von 1.5 Millionen Mark vom Jahre 1923. das unter die Mark-An­leihen des R.-ubesitzes fällt. Di.' gegenwärtige teilweise Kanallsierung uns,-res Ortes w rd aus Mitteln des Ausgleichsfonds und des Uebcr- schusses durchgeführt.

flreib Fricdbcrg

pb. Butzbach. 21. Dezbr. Die jüngste Stadtverordneten-Sitzung war tine Dauersitzung, die sich von 19 Uhr bis 23 45 Uhr fcinjtog. Zu bewältigen waren nicht weniger als 22 Punkte der Tagesordnung. Abgeschlagen wurde der Antrag der Frau Arnold und der Frau Hahn auf Erwerb von städtischem Gelände, mit Rücksicht aus die in Bälde kommende Feld- bereinigung, bei welcher dasselbe u. U. von größerem Rutzen sein kann. Durch Erbau­ung eines weiteren Beamtenwvhn- haules im Lustgarten muß die BiSmarckstraße um enoa 25 Meter verlä - rt werden. ES wurde beschloßen, das nötige G.'iände vom hesfischen Staat zu erwerben. Der vor dem Schab- schen Haufe lie-aende Vorgarten soll in­folge Anlegung höherer Fußsteige beseitigt wer­den. Schab ist hierzu bereit, wenn ihm Die neben seinem Hause gel. ne städtische Parzelle als Tauschv'.iekt über -. wird. Es wurde dem Anllag gemäß be .oisen. Schab zahlt 4 Mk. für Den Quadratmeter der Dar-cl e, während Die Stadt für das Siraßengelände t.50 Mk. pro Quadratmeter bezahlt. Rach einem Vergleich aus Dem Jahre 1924 hat die Stadt den Erlös

Schwiegertochter, über die Chrtstgeschenke, mit­tag«. bei Ti ich, mit dem Hausarzt Vogel über ärzllich-prakrifche und p'ychvlogisch-sitt iche Fra­gen und lieht daraus die neuesten Kupferstiche und Radierungen durch. Still w.rd da« Haus, denn Die Schwiegertochter ift mit Ihren Drei Kin­dern zu Der Mutter gegangen, die den heiligen Christ ausgestellt hat. Cinfam be'chlieht Goethe den Tag mit der Lektüre von Friedrich v. Räu­mers Briesen aus Dans zur Erläuterung Der Geschichte Des 16. und 17. Jahrhunderts".

Am nächsten Tage er'-chei- en früh Die Enkel, ^usriedcn mit ihren Weihna-täae chenken". wie­derum werden Briese, neben sonstigem Geßchä tS- mätijem. erledigt, vor allem w.rd eineneue Einrichtung der 5 üche und des Wittagefens" ent- worfrn. Diese Anordnung beüümrt unter an­derem fogar die Zahl der Äartofleln. die zu Wittag auf den T Ich kommen sollen. Während Die Familie im Deckenzinui er sperft. bleibt Goethe für >ich. Es gibt Grauperlluppe. Märkische Rüb­chen nrü Kot.l tten und Hafen Der RachTnittag gehört Räumers Briesen, He.nr.ch Meyer und Ottilie nehmen an Der Lektüre te L

Am zweiten Feiertag verzeichn« das Tage­buch eine Sendung an Herrn Waler Börner in Leivzia. ferner ein Gespräch mit dem Pro­fessor Hulchke aus Jena, wobei der Mangel an Leichnamen in der Dortigen Anatomie und der Vorteil von Modellen zur Sprache kommen Der Mittag gehört der Famill«. Das Menu besteht aus Suppe und (httgtlee. Blumenlohl mit Kalbs­milch und Rnd erb raten ml Apfellompott Rach Tich besieht Gveche mit Ottilie L-thographien zu Lord Byrons .Don Juan", gegen Abend kommt der Oberbaubireltor ttouteap. später wie­der Ottilie, beide werden mtt den. den Dichter st> start anzieherrden Briefen Räumers be­schäftigt.

Sv feierte der einzige, welterfüllte Wann fein letztes Weihnacht« est. F. A. H.

Btne All-gradllngen beim Kloster Lorsih.

Das Städtchen Lorsch im starkenburgischen Ried, eine Wegstunde westlich vom Westrand des Odenwaldes, birgt einen kostbaren Schatz aus

des Bauplatzes Ecke Landgras-Phl- lipp- und Iahnstraße im Falle der Be­bauung von der Eigendeim-Baugelell'cha't zu er- : .liier. P c Ge'e.llcha't hat Den Bau eures PoppeIhaules auf dem Grundstück vor kurzem be^mr.-r. Es wurde drfchlo len. den Ouadvat» trtct diese« Platzes mit 4 Wk. zu berehnen. Weiter wurde einer vv« Hocht-aua rt Fr.ed- btrg vorgefchlagenen Ber.chtigung Der Weidtg- li r a ß e zugestimmt Ferner wurde befchlo len, die zw.'chen den Wohnhäulem Hüttenderger und Sch-.cider von der Römerstraße abzwe.gende. nach dem Wald führende Straße Gadels- b e r g e r und die Cuerhra' e vom Zip cnweg zur oolmler Straße Schubert st raße zu be- nennen Per Verlängerung d r tvi der Girv-entrale au'genommenen Darlehen von 50 bzw. 100 003 Mk wurde zugestunmt. -- Zur Au'nahme r.nes Zwischenkredits sür den rplanten Wohnungsbau der (Ilgen- eim-Bauaesellschaft soll Die Stadt bis zur Fertigstellung der Häufer bei der ML Landesbank selbstlchuldner sche Bürgfcha't über-

Per Antrag wurde a bgelel Dem Antra g der Firma Autoverkehr Butzbach um Uebemahme einer Biirgichast von 10003 Mk zur An'chafsung e.nes weiteren Wagens und Erhöhung der Garantiesumme aus 6000 Mk. ab 1. Januar 1928 wurde zugestimmt.

- Weiter wurde die obligatorische Ein­führung der Familienftammbücher ab 1 Januar 1928 beschloßen. - Rach Abbruch der Klrchenscheuer soll an dieser Steile Die Stadtmauer wiederhergeftellt und gleichzeitig damit auch der Heffenturm der Orffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die hierdurch entstehenden Kosten im Bettage von 1500 Wk wurden gutgeheißen. Per für den Wiederaufbau des im Sommer abgebrannten Pumphauses In Griedel erforderlich« Mehrbetrag von 3500 Mk. wurde gebilligt. Die Gesamtkosten für Herstellung der Asphaltstraßen einschl. OrtSemgänge und Bürgersteige betragen ausschließlich der von der Firma Rumpf & Sohn und den übrigen An­liegern zu leistenden Beiträge 8 7 000 M k. Bieher find bewilligt 78 500 Mk Dieser Betrag ist au'gebracht durch ein verbilligte» Darlehen Der Provinz in Höhe von 30 000 Mk . 20000 Mk. Der Gesamtsumme, welche die Provinz sür die Ortseingänge zu fordern hatte, sind von dieser al, weiteres verbilligt et Darlehen in Aussicht gestellt. Der Restbetrag von 37 000 M k muß im nächsten Jahre im Kredikwege beschafst werden. Die noch zu bewilligenden 18 500 Mk. sind durch Mehrkosten für die Herstellung der Ort«* eingange durch die Provinz. Vermehrung Der Hydranten. Revislonslchächte und durch Mehr- koßen für die Ausführung in Asphalt anstatt in Topaka entstanden Der endgültige Kosten- Voranschlag wurde genehmigt. Zwischen dem Landesvermcffungsamt und etwa 28 Q' bestehen Meinungsverschiedenheiten über die grundsätzliche Frage der Anwendung einer Gebührenordnung. Zu diesen meinben gehört auch die Stadt Butzbach. Da eine Einigung mit Dem üandesvermessungsamt nicht zu erreichen ist, muß Die Sache voraussicht­lich im Rechtsstreit entschieden werden. In die­sem Falle sollen sich sämtliche beteiligten Ge­meinden an den etwa entstehenden Pro^rfckosten beteiligen. Die Versammlung beschließt s.ch hieran verhältnismäßig zu beteiligen. Der im Voranschlag Der Oberrealschule vor- fiesebene Bettag reicht durch Erhöhung der per-

önlichen Kosten infolge der Besoldungscrhö- hung und durch Vermehrung der Freistellen nicht au«. Es war ein Rachkredit von 5)00 Wk. erforderlich, der bewilligt wurde. Die Ge­meinde-Hundesteuer für 1 9 2 8 wurde festgesetzt auf 12 Mk. für den ersten, 30 Wk. für den zweiten, und für jeden weiteren Hund 48 Mk Seitens der sozialdemokratischen und der kommunistischen Parte: waren zw i Anträge auf Gewährung einer Dinterbeihilfe für d i e Erwerbslosen u'w. eingegengen. Rach längerer Debatte beschloß die Verfammlung. den Lrwerbslosen, soweit sie am 15. Dezember d. I. m Fürsorge standen, und sonstigen Unterstützungs­empfängern für die Zeit von Weihnachten bl« GnDe März 1928 eine Winterbeihll'e zu bewil- 1 igen. Sie beträgt für Alleinstehende 10 Mk.. für Verheiratete 20 Mk., für Verheiratete mit 2 Kindern 25 Mk.. für solche mit 34 Kindern

Deutschlands karolingischer Zeit, nämlich den Rest der alten Klosterkirche aus dem 8. Jahrhundert. An dieser ehrwürdigen Stätte sind bereits seit mehr als einem Jahrhundert kleinere Ausgrabun- gen gemacht worden aber erst In bleiern Jahre wurde -um ersten Male eine systematische ör- sorfchung durch Prof Friedrich Behn durch- griührt Ueber die wichtigen bisherigen Ergeb­nisse berichtet der Gelehrte In der Leipziger -Illustrierten Zeitung". Die Ausgra­bung des ganzen Gebietes, besonders des Kirä-en- innern, hat ergeben, daß bei dem Brande von 1090, der die alte Kirche zur Ruine machte, nur der hölzerne Dachstuhl und die Inneneinrich­tung verbrannten: die Steinmauern der allen Kirche stehen noch jetzt bis zu 14 Meter Höhe ausrecht. Die Spuren der beiden Brände von 1090 und 1621 lassen sich in den Schichten ganz deutlich eriennen. Die bisher noch ganz un.'e- larnite Größe der Basilika hat sich durch lange Einschnitte nachwei'en la'sen und beträgt mehr a.S 60 Meter. Auch der Prunkhof der Kkosterki.che Hai sich geweitet' die bereits früher festgestellte Mauer ist nicht Die äußere, sondern Die innere, auf der die Pfeller oder Säulen der Halle standen. Der Hof ist demnach um 12 Meter breiter al« man früher annahm, und Die Mauern der Seitenhallen wenden sich nicht im rechten Winkel, um die Torhalle zu schließen, sondern laufen an bleiet vorüber zu der witlltchen E.n- gangshalle. die noch fast 20 Meter wei.er west­lich gelegen war. Dadurch wird das Gesamtbild diefer Karvlingi'chen Kip'erkirche in seiner garten Größe erst richtig erkannt. Sehr wlchttge Ergeb­nisse zellige Die Tiefgrabung In Der Kirche und ihrer Umgebung. Außer Den mächtigen Funda­menten. die freigelegt wurdert, stieß man auf einen älteren Dau, der unter der Kirche lag. Da er durch eine sehr breite Schicht von Dem ältesten Fußboden Der Kirche getrennt ist, so muß et beDeutenD älter sein als dreie. Im Innern Der Kirche wurde eine Anzahl von Grab­stätten auigedeckt. Reuerdings sind von einem unterirdischen Dau unter Dem ältesten FußboDen Reste gefunDen worden. Sine Krypta scheint die Kirche niemals gehabt zu haben.