llr. 248 Viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 22. ©ftober 1927
0er Büdinger Gallusmarkt.
3h brr* 3abrm lamx Obübirxgen auf ein 800- i ibrtgrt Des'ehen sc n« JHärtte gurürfbltdm. Senn tat 3ahre 1W «Llelt Locher H«r zu 3fmburg von Äai!« ßubtolg dem Q>jixr bat ta fein« Ctiibt Bübingen einen aDtxfcen- ladl und alljährttch um Ttemiaiuttag einen ».«- iaiaen 3at)nndrf! otHutzallen. D« lUmLfltu*- Tarft gewöhnlich die Pf arrktrb genannt, i Turde 3ahrhunt«le lang bei d« Vfarrk.vche nn > tzrohexxdvrt. otxx genau« gesagt, tat Rwd«. D»rch. bei iett bebauten .ylur V-ri'-bcr. Ärieg«- 'ernfnel und Bahrxho' abmchalten. 1578 wurde die ! ±iabt vom Äail« Rudolf II. mit einen 2. 3abr- Mtft auf Sonntag Jubilate begnabtat. und die wxr Grafen Wolfgang Genf! I. bn Jahre 1801 jq ebene Ulatftottnnmg nennt schon t*i« H&rfte. Lutz« den beiden oenamxten werden not) zwei Hebmdrfte «wähnt ein« aus Sonntag nach Zatodi, b« seit alt« Zeit als Ätrbmarfl auf *een fytcq gehalten und nach Bübtt^en verlegt eorden war. unb ein« auf Pauli 'Oefebnma»* ■4 Trotzdem erscheint aber der 3afo6.wunf! nicht e den spLteren etc^HredZ'unavn, feine definitive feitegunq «folgte erfl 1770. Die Aechenmgen ™»n 1673/74 unh 1889 nennen dvei Märkte, ‘wrxrnt« ab« keinen Gallusmarkt, unb wenige 'obre ftätet 181». zählt d« in Offenbach bei 2 3 Zinnnermann «fchrenene .Ho<i)grä'Ii<tz ^senburgifche Staatsfalend«^ t»ter itärfte auf.
öfarrhrt» nicht mehr, dafür ab« einen Hart! .ollegelt den Dienstag nach Dalli". Di eine Urtunbe üb« da» ^erfommen diese» larfte» nicht besteht, so darf angenommen w«- -m, bah der ®al(e»<nartt an die stelle der Psarrkirb getreten, ob« d«tz dies« Warft em jene Zeit 14 Tage früher jeUgt wveden ist. Urtprih^iteh fanden btc Dlärfic ruf Sonntag statt, 1834 vertonte man fte auf IZontag, bald danach alle auf T’icnteaa.
ID« OaOutenarft bestand hx ziemlicher Be- Heidenheit nahezu 150 Jahre binburd) 3m fchre 1833 kam die Stadtverwaltung auf den hinten. den Pauli-Bekehrungs markt :ef Petritag zu verteilen unb al- Viehmarkt dn- . -richten. Durch günsüge Erfolge ermunteri. ging i w dann 1838 davon, auch den Gallnsnxarst zwei-
■ ijig zu gestalten und den ersten Tag al- Dxeh- wrft gelten zu lassen „Gs ist bete die 3ctl. W b« Canbmamt teil» Dieb abnuschaffen bat, rtl ankaufen mutz. « allo Märkte besucht". Ibetfct H in einem diesbezüglichen Gesuch an die i tegierung. Man schlug für den Viehmarkt den Ilontag nach Galli vor, unb unteren 18. 3. 1839 nrbe dem Gesuch probeweise für drei 3ahne t-uab Gr. Ministerium tzattgvgeben. D« Qlnfanp iwt vieiverspvechend. Gleteb tm nächsten Herbst teren auf Diraslag nach Galli au» dem ,3n» .rtb Ausland' zusammen drei Pferde. 32 Ochsen, :> Kühe, 48 Rind« unb 677 Schweine aufge- llrteben; ein Pferd, fünf Ochsen. 24 Kühe. 23 Ain- bet und 178 Schweine verkauft, im ganzen 108 > tehhändel getätigt worben Ab« schon 1840 ■erlegte man den Markt auf Montag vor Dalli, unb tm folgenden 3ahr Hei btt auf den 18. Oft 'iUenbc Dtehmarkt tbufkrt kläglich aut. Das Dctter war anhaltend schlecht gewesen, die Land» 1 ide fledten noch schwer In tter Feldarbeit, die ktobt Scholten hatte glrichzeittg einen Markt egen, unb vielerorts war die Maul- unb Klauen* txbe ausgebrochen. Mied« dachte man an eine Zerlegung des Dichmarktes von Montag aus Dtnwag vor Galli, und schon 1843 mutzte er Ufächllch auf Donnerstag. 18. Oft ob«, verlegt •jcrtten. weil die 3üben vorher Feiertag hatten. . I<ch den Berichten b« Stadtverwaltung zu ur- ■ 4!en. mutz b« Markt indessen sich gut ent- vikelt haben, doch wurde « nach ein« Der» 'l^ung des Grvtzh Ministeriums vom 11.6.1845 ii künftige 3abrc um acht Tage früh« ttertegt 4s jetzt wurde d« Diehmarkt auf dem Äirrb- .ab Schlotzplatz abgehalten, der Krämermarkt hx brr . Alt- und Deustadt** unb aus .dem Damm" Kurts rat Spam« regte an, den Markt für da- lltzch aus sitten-, gefundheits- und sicherhdts- .>iizeilichcn Gründen auS der Stadt hinau- zu 'fliegen. Die Stadtverwaltuna ging jedoch nicht id das Ansinnen «in, da auyerhaw d« Stadt- neuem kein Platz zur Vrasugung flehe, wenn Tim nicht bebaute* Lantz für teures Geld «werfen toxxle. unb zudem würden auch bei ein« terlegung die Gewerbetreibenden in der Stadt: tat Bäcker. Metzger. Gastw.ric unb Kräuter zu tx geschädigt. 5X*r BürgermeiN« schlietzt mit tm b«eichnenden Morten .3ndesfen denke H: Kommt Zeit, kommt Aatl" Gr Hal 'echt behalten.
Heut« hat die Stadt Büdingen außerhalb tat Mauergürtels in d« .Bruchwiese" einen M«rft geräumigen Markt- und Festplatz, den it vor Jahren von d« Herrschaft gekautt unb f» den letzten Petri markt zwertentlprechend hat sfirichtra laffexx. Unb nun gilt es, auf bleiern •rxen Marktplatz dem bevorstehenden Gallus-
nackt auch Wied« neues Leben einzuhauchra
fe Termin für einen Mark! grtb«en Stils f: nicht ungünstig gewählt. Der Landmann ist r.tt d« geökrrbeit nahezu fcrt.g. « setzt seine tcDbufic um ob« pal '.e bereits umgeietzt uni« .'MUxlen Zei:v«haltn Isen hat « Geld. Damit tcht hie Kauflust Hand in Hand, d« Handel
Dich unb allerlei Krämerwaren <.cht flott »ifantexx. Dazu hol die Stadtverwaltung ein "ritte* Programm vorgesehen, um auch Schau- -t'flc an^ultxfen. 2m Sonntag. 23. OtL. ret^ug durch die Stadt unter Mitwirkung des "tat- unb Fahrvecein*. Anschi iehrab 'lV<rbc- ::<mii«ung, Reit«test und Dolksbeiunigung. Montag. 24. Oti.. vornx. 8 Uhr. Pk«dc- unb •cimcnnarft. Dienstag. 25. Oft., vormittags I ^lhr, Pfertze-, Dindoich», Schweino- und Ära- re-markt. Rinbvi«hpräm>ierung. Mittwoch, K Oftob«. ÄrdmerxnartL Biele Gemeinden. ilorperschaflcn unb Prwate haben ansehnliche ied- und andere Preise für Prämi erungen von l«mental« und Dvgelsb«g« Rotvieh fleft.ftet, rti allerorts rüstet man für den Gmp^ang d« »^reichen Marktbeluch«. 2chl Tage da:xäch hx dem Nachbarsiädtchen Orumberg d« ' 'c 3ahrhunt«le alle unb wextberühnne Kalte 3<rft statt. Man kann gefbannt fein, tr« in wx nun eingetretenen M>e:tbewerb zwisch.n den * 'en seit alters befreundeten Mar.tstädtch.rn rc Palme davontragen wird. Heus o h n.
Äus dem Amtsveekündigungöblatt.
■ 'DaS Amtsverkündigungsblatt -c 75 vom 21. Oktober enthält: Stratzenfperre- Hebung. — Die Wahl der Mitglieder der dtrofsenschaftsveriantmlung d« kantz- und forst-
wirtschaftlichen BerufsgeTxossenfchaft in Tarnt- ftata. — Die Eröffnung des ordexxtüchen Lehrgangs an den landwirtschädlichen Schulen.
Licher Beobachtungen.
' Sich. Mitte Ollvder 1S27.
Wir leben tn der 3etl des Dcrkehrs. Warxur. sollte man da nicht auch exnrnal von ken öffentlichen BerkehrsaRstalten retexx. An das Fluatvrtcn braucht man .
ken denn einen Flughafen baut Lxch no-l> lange nicht. Auch kter bietjäbrige Siugtag th ausgefallen. warum da* geschehen il weth man ntcht, vielleicht waren die Flieger io sehr mu der Projektemacherrt für O»canfiügt in Anspruch genommen, dah ihnen für den bleflgen Fluglag lein« Zeit mehr übrig blieb. Wir wollen darum lieb« von dem reden, was uns näher liegt, von der Post und von der Sisenbahn.
Die letzt« 60 Jahre bilden d e Zeit einer gewaltigen Beriehrsm.wi<klung Un'er P o U - ernt '.st eben tm Begriff, sein bisheriges, iängst zu fdn gewordenes Heim zu verlassen, unb btc C:abt will ein neue* Amtsgebäude mit einem Koienaukwand von mehr al* 100 000 Ml er- richten. Aun sage aber fein« mehr untere Staktvät« wären rückständig hi« ist Fortschritt *geist und Sinn füt Pflege unb Hebung de* Dcrtehr* den man tn anderen Stücken auch gern in diesem reichen Matze sehen würde Bet dem hiestgen Poiiamt sind die Etappen der BertehrsensoicLung voigezeichnet an bei Gebäuden. tn den« bide# Amt Unterkunft gefunden hat: wir haben jetzt eine Post und eine alte Post. Gs wird nx4)l mehr lange dauern dann werden wir ein« neue Post etne alte Post und eine aan$ alte Post haben. Die Bevölkernng hofft, datz mit dem neuen Postgebäudc auch ein moderner Bo st betrieb mit Selbstwähleramt unb Kraftwagen
Geschichten aus aller Welt.
Ltterfnmpstr gesucht!
(f) London.
3n 6rr Gegend von Gartoch tn d« Grafschaft TLbrrXxm «wägt man die Gtnfuhr einig« s vorn sch« Toreadore. Dicht etwa, um ’»♦ auf dem 3abrmarft aussustellen, sondern weil man dazu qezxvungen ist. Gin gewiss« Futzpfad in der Umgegend führt feit vielen 3abmi durch ein Bauerngut. Deuertnngs scheint sich twr Besitz« üb« das Publikum geärgert zu haben, unb er ist mm auf folgende geniale Methode verfallen, um Den Futzgänaervertrhr üb« fernen Grund und Boden zu vechindem. Gr bat nicht etwa eine Barriere oder «ne Tafel mit .'öer- boten« Weg" «richtet, fonbem (einen stolzst Bullen zum Grafen auf die Wtefe gelafsen, dttrch weiche t*r Fuhpfad führt Seid« ist es Mn gewöhnlicher Bulle. Gs gibt Bullen und Bullen. Th ef« hat noch spanische Renxxnifzenzan. Gr nimmt jeden Fußgänger an, der sich des Weges nabt. Man hat sich beschwert: aber d« Bauer fragt dagegen, warum « sein Bi eh nicht auf r*r Wiefe grafen lass« darf Man Hal die Behörden mobil gemacht, ab« kter Streit ist rxoch nicht crvtfdxeöen. Die össentllche Mrimnzz in irr Grafschaft ist für die Anwerhuna einig« Stterkämpf«, die bann als harmlose Wandersleute ihr Wegvteh! ausüben türmen, ohne Gefahr zu lauern, von bem Bull« perforiert zu Werben
Tragödie.
(aga) Deuhork
Harrt) Frrdicksson ist 24 3ahre alt geworden. Ob « berufsmähiger Schnapsschieb« war. fei dahingestellt 3ed«falls war « am 16. August gemeinsam mit einem ».ndenen auf die von unbekannt« Veite erfolgte Denunziation. « habe Whisky tm Besitze, hin verhaftet, ein paar Tage später dem hohen Bundesaericht vorgoführi unb zu zehn Dollar Geldstrase OerurtcUt worden. Frrdicksson erklärte sich autzerstande, die Strafe fofort zu bezahlerx. versprach ab«, sie beizu- brtngen. Dicht« Burns hatte ein Ginsehen und gab ihm Frist bis zum 2. September.
Am 29. August hatte Harry da- Geld noch nicht beisammen. Gr war arbeitslos. 3n sein« D«zweislung beschloh «, sich die Dtrassxmxme aus lene mühe-, wenn auch nicht immer gefahrlose Weise zu verschafsen. die bereits die deran- gierten Dermögensvcrhä Itnisse e.n« gan^« Anzahl Leute auf die Deine, sie selbst all«dingS auch manchmal ins FuchthauS ob« gar aus den elektrischen Stuhl gebrvichi hat. Abends bestieg « in einem ziemlich abgelegenen Stadtteil von Brvckly eine Autodrvsäike, li.fi sich nach ein« fingierten Adresse in einer noch abgelegencren Straße fahren, hielt dort dem Ghauffeur einen Revolver unter bi« Olafe unb nahm ihm feine Barschaft ob. Danze vi« Dollar. Dann befahl « ihm. nach der Stadt zurückzufähren. Unter- Wegs winkte der Fahr« einem Polizisten, MS der sich dem Wagen nähert, versuchte FrebickSion nach d« anderen Seite zu entwischen. D« Schutzmann sah die Mordwaffe in seiner 5^cxnd unb schoß zuerst. Die Kugel ging Frebicksscex mitten durchs Herz. Man stellte die Persönl ch- keit des Toten durch die Gericht-vtteladmxg fest, die « tn feinet Rocktasche batte...
Di« Dollar, um eine trwen Uebcrtretung des Gesetzes verhängte Strafe zah'en zu können... und darum Raub und Tob.
DaS weiße Kätzchen.
(z) Rom.
Daß kter RegmmgHsiog in kter .Sch'acht um die Lira", auch seine Schit'enseiten Hit. kann man an ein« ganzen Re he wirtschas sich« Symptome einwandfrei se^tz^llc". unb bi* ki in ä ligste davon ist die leidige Tatsache, daß die italienischen GerichtSvvllzieh« noch nie so viel zu tun gehabt haben wie bmte.
3u diesen Leidtragend« gehört aud> Giuseppe D, früh« einer der el gantest« ii«den kter römischen Getellkchas:, bekannt« Kunstfreund, eifrig« Sammler. Desto« ein« eig-'ien fmaren DergixügxmgSvachr im Haf« von Ostia, gar nichi «u sprechen von dem telbstverstänblichen Fiat- Prachtwag«. kter überall da zu seh« war .do sich die .befl«« Ceutc“ ein grselllchastlichee Stelldichein gaben. Die Dach. bas Automobil, di« Sammlungen sind ban uner'ätllich^m Moloch, dem wir ben verbindlichen Damc n .Dervirxdllch- feit«“ gegeben haben, schon längst geops«! worden. und vor einig« Tigen etfch-ra b r Gerichts- vollzieh« mit sein« fatal« Mappe tri.herum in d« pompösen Dilla D.. um eine . Veinif.f ' t“ zu regeln. Ster reTignlertc, vom Schicksal g-schla- g«e Beicher ließ dem Dertrct i b-r mltlcrb- Ix/« Behörde völlig freie Hand. Wir Sorg« hat. braucht nicht zu musizi«« dachte dies« unb pfändete kurzerhand das Musikximrn« mit sämtlich« darin rai^altenen »um Teil äußerst wertvollen 3n mmen en 65'oh särn r icht Türen, verllebte sie mit feinen Oblat -n. und tat noch e n übriges, indem er auch noch die sämtlich« noch dem Dort« gehenkten F«st« brj. Mustkzimmers versiegelte. Empfahl sich mit dem bei einem
liche Smpfindung« hervorr-tenlen „ A re\idere!“ unb lidj dm armem Signor D. ai* den Sviei- allb heimlicher S-elbstmotidera und melancholisch« Anwandlung« zurück.
Soweit ist, wie man nach unteren Luxaangs- ichilderungra verstehen wird, die ganje Gexhichte
alltäglich. Sie «hielt aber plötzlich ehre ganz be’oexbet« Wendung, als am abeixb plötzlich gerade als H«r D. wie ein rubelo'cr Geist durch die hall» Detttteten Gemächer se nes Hauses wandelte. aus dem versiegelten Musikzimmer das klagk.che Miauen einer Äanr erklang. Ster Ge- ri-chtsvollzieb« hatte, unads^htll^ natürlich, hie während feiner Anwesenheit in bem JHufUfakm ein geschlichene weitze Angoratav« des Her« D. mit einge^chlossra und mit gepfändet. 3hr Herr, ein gercher Xierfreunb. fühlte bei ihren Klagerufen alle Lebensgeister to.etter in Nch wach werden, ab« waS tunk Di« das Tier aus seinem Gefängnis befrei«? Dte Oblaten des Gerichts von Türen und Fenstern entfernen h.eß. mit dem Strafgesetz in Konslikt geraten! Unb nun begann von ber Dilla D. her am späten Abrad In ganz Rom eine seltsame 3agd: zuerst nach dcr Adresse des (Sterid)leixrtü ebct*; er war nicht zu Hause: bet Zivilger.chxsvorsiyende. zu dessen AmtSoesuani'sra die behördlich« Gr- (ebigunfl b« unerledigten Verpflichtungen des Herrn D. gehörte, war gerade zu einer Tagung nach Turin abgereift: die Polizei zuckte bedauernd mit den Schultern: sogar tue Feuerwehr, dte doch sonst Mädchen für alles ist, lehnte eS kategorisch ab. sich um einer noch so wertvollen Katze willen an den Hoheitszeichen ber 3ustitia zu vergreifen. Unb da sahte d« H«r D. einen verzweifelten Entschluß, der feiner Tierltebe wie auch fein« Zivilcourage alle Ghre machte: er lieft sich kurz vor Mitternacht noch dringend in der Privatwohnung sein« Gfzellenz. des Herrn Iuftizministers Rocca, meiden, und hatte. Ikinl seinem gesellschaftlichen Rufe, auch das Glück. au dieser ungewohnten Zeit angenommen zu werden. Brtustlgt hörte sich dte Srzellraz ote Sr- klärangen ihres aufgeregten Besuchers an und gab ihm dann lächelnd die schriftliche Erlaubnis. seine Katz« unter Pfandbruch aus ihrem Ge- sängnis zu befreien. Also war dies« abendliche Ginfall des Herrn D.. obwohl « füt die Katze galt, doch nicht „für die Katz '!
Pilgerfahrt her Flugzeug.
(f) Konstantinopel.
Daß das Flugzeug bis In die fernen Gefilde Arabiens gedrungen ist, ist eine längst bekannte Tatsache, wurden doch die erften photographischen Ausnahmen ber Heiligen Stätte in Medina während des Krieges von elnmx englischen Flie- g« (Kina(6t. Gleichwohl lst bat Flugzeug in diesen ©egenben nicht gerade zu den alltäglichen D«kehr»mitteln zu zahl«, da an fid>. nachdem d« Krieg zu önbe geviangen war, keine europäische Macht ein Interesse daran hatte, noch in diese Gegenden Flugzeuge zu schickeii. So ist dran auch feit 3ahren tn der Umgebung d« Heiligen Stätten kein Flugzeug etlanenra, bi* vor kurzem ein« der reichen, klein« Scheichs vom P«sischen Golf sich veranlaßt fühlte, ferne Pilgerfahrt al- freu« und brav« Muslim per Flugzeug dorchin zu machen wozu ihm eine ragllsche Fluggefellschast ein Sonderflugzeug zur Derfügung stellte. Der Scheich fühlte sich zu dieser zweifellos ungewöhnlich« Pilgerfobrt bewogen. weil « zwar einerseits seinen religiös« Pflicht« nachkommen wollte, um einige besondere Sünden beim .Verwalter de* Paratiefes" in Vergessenheit zu bringen, anberrrfeit* ab« befürchten mußte, baß infolge dies« Sünden eine Palast-Revolution ausgebrochen wäre, wenn er läng« als vi« Wochen sein Reich allein gelassen hätte.
Daö uruguayische Aasfeehauö.
(s. m.) Montevideo.
Man wird mübc, w«n man die ganze ,18. de 3ulio“ benmirabuntmett und bei jedem zwciren Bazar stehen bldbt. um die Au^ßigra anzu- ftaunen. Man muh sich imm« w ed« wandern, wie einträchng h.« w.rll.che Kunst und bombastisch« Kxttch nebenexnanb« in den Schaufenstern stehen
Ab« es sind 40 Grad im Schatt«. Man fc.rt» müde unb durstig. Allo auf in* nächste Kasteehaxis? — Dir tre en in ein Neines Vestibül. ?MKi große Türen füllen die gegenüber- liegende Wand. .Para Senoras" (für Dämmst eßt üb« d« rechten, .Para EaballraoS" (für Herren, üb« der linken. Dir sehen uns etwa* dxxfiert an Draarlige Schild« könnten wohl etwa* diskr«:« angebracht fein.
Da öffnet sich die linke Tür unb wir sehen in einen Raum, d« ganz mit kastertchlürtenden, frrobelnben od« ichachfptelenden Gaba'lervs besetzt ist. Während wxr noch interessiert hineinschau«. kommt ein Kelln« durch die rechte Tür. au» d« xm* ein Gewi« schwatzender unb lachend« Frauenstimmen «igeg n'chwi« . übertönt von em« sehr mittelmäßigen Musik.
Wir sehen xm* etwas hilflos an. Langsam bänenert un* etwas von bet Unnahbarkeit der südamraikanischen Frau — — —
.Also, mein Beftet**, sage ich zu meinem Begleit«, .jetzt werben w:r uns trimm. Sie Sben tn* Herren-, ich xnS S^immraf;. 3n ein« i«telstuxxde treffen wir und hi« trieb«?** — Dir streben auseinand« 3n selben Momeal rpring! dra Manag«, der nn* schon eine Weile beobachtet bat, auf un* zu und weist mit leb- fcatt«. I üdländischcr Geste aus eine bri.te Tür in d« Seitenwand: „Para samiliaSI me.neHrar- schaft«?*'
verkehr fommm wird und Ile hofft ferner, daß da* flk.'äube neben einem gediegenen tnnenra Ausb xu auä) in fernem Aeuf^ren Form« et hält, die e» xur erde unterer Stadt machen werden. Bet einem Xteu der 100 COO DI.' kotzet, kann man schon verlangen daß auch ziemlicher Wert iiuf etm ar.*x:ef:ort ch t ? lendete iit’ung grl^t tmrb. 1*0* neue Voftaebäube bekommt rtne aus» ^czeichn.-:e Geschätt*lagc S* liegt auf halbem -Stag* xwxtchen dem D.:! ntof unb dem Zentrum t*r CtaN Io daß man kaum einen besseren Platz finden lirnme IIur eins muß man beöanem. Der schöne Ausdltrt den man b sher von der .‘^ibnbrifirafvc aus üb« da* tiiomeiertange präch- tige Wettcrtal nach den Höhen de* Dogels- lterges halte wird nigcbaut Wer Itelcn Blick fünfug genießen will der muß tn dte Rtng- ßvas»e gehen, so lange, bi* vielleicht auch dort Maurer unb Zimmermann den Vorhang spann« vor die Schönheiten der Darur.
Dem Postamt »st also seine Haxtt längst zn eng geworden. Bei dem Bahnhof ist das gleiche der Fall. Wie könnte auch eine Doetahe»- anlage, die im 3ahre 1860 geschahen tmiube. den heutigen Bedürfnissen genügen T Aber es ist noch verborgen, wte dte deutsche Reichsbahn- gesellschast dte sehr brennend getrorbme FnIge der Vahnhosserweiterung zu lösen w* denkt. 3n der jetzig« verkehrsreichen Zrtl IW bet Betrieb auf bem hiesig« Güterlmhntzof geeabqni beängstigend geworden. Was ßrnn es helfen, wenn dxs Baynhvs*p«som)l alle Hebel tn Bewegung letzt, um einen geordneten Betrieb nüf allen Mitteln aus recht »u erhalt« e* fehlt an Raum, und bc hilft alles Organisteren nichts. Gs ist wie bei einem zu kurz c. raten en Beinlleidt Soll es oben pass«, dann feplr unten ein Stück unb läßt man es herunter, tkrnn klafft oben btc Lücke Wohl hat man not einte« Jahren btc Holzlabera, xpe verlegt, aelrcul haben sich btc Fuhrleute nicht barübra, aber es mußte fein, unb heute steht man wieder vor der gleichen Frage Der Bahnhof muß erweitert werben, aber noch weiß niemand wie
Zu Den Schwierigkeiten, die burch dte fürchterliche Gnge für Warenempfänger unb Betfrachler entsteh«, gesellt sich noch ein weiterer Dochtcil. ber lehr unangenehm in ble Grscheinxmg tritt, das ist das viel zu oft eintretend« Schließen de s Sifenbahn-Lleberaanges über btc Hauptverkehrsstraße unterer Stadt. Oteben bem Durchgangsverkehr Gieß« -Hunaen-Aidba usw. findet hier ein sehr flacker örtlicher Perfonexte unb Huhrwerksveckehr statt, denn jenfetts der Bahnlinie hegt ein gute* Teil der Licher 3n- buftric. nämlich zwei Brauraeien, ein Sägewerk und eine GisfchranNabrik: auch eine Ztgarrra- fabrif foll nächstens dort entstehen. Für Mete Betriebe unb ble in ihnen befchäftigten Personen, nicht minder auch für die Bewohner des ganzen Siabtteil* ist die Säirankenschließung sehr lästig unb — da bekanntlich Zeit Gelb ist — auch schädigend. Wie schalst man Rat? Denkt man an eine Unterführung, die den ganzen B«- kehr abnehmra lönnte, denkt man an eine Ueberbrückung. die ab« mir bem Perf onette verkehr bienen würde, oder denkt man vtellcicht an eine radikale Verschiebung des Güler- bahnhoses nach Osten oder nach Westen? Auf alle Fälle muß der Gisenbahn- Uebergang entlastet werden, denn da* häufige Schließen der Schrank« ist ein schllmmc* Dcr- kehr*binb«nt*. S* wirb Zeit, bah sich bie Oesfenlllchkcit uxxb auch dte Stadtverwaltung einmal mit dies« Ding« beschäftigt.
Spectator.
Wirischast.
Str verschmähte Dollar.
Doch vor wenigen 3obren waren in Deutschland Dollarnoten und Dollardevise n ein sehr begehrte* Objekt. Man erinnert sich, wie an der "Börte täglich ein sörmltcher Kampf um den Dollar entbrannte unh jeder al* glücklich angesehen wurde, ber im Besitz eine* kleineren ober gröberen Dollarchetrages war Seit b« Inflationszeit hat sich nun mancherlei in Deutschland geändert, auch ble allgemc ne Axxsicht übet ter. In diesen Tagen haben diese sogar Ihren tiessten Stand seit der Stavililie- rung der Mark erreicht. Dach den Wüte» rungsverhältniss« stellt sich die Parität bet Mark zum Dollar auf nicht ganz 420 M.. kter offizielle Devisenkurs ist aber 4,1860. Am freien Devisenmarkt wraden große Beträge noch unter diesem Satz angeboten. Dte R e i ch s b a n I weigert sich da-* in Deutschland mit einem Male vorhandene starke Dollarmatex-ial auhuncfcmm. die Banken haben infolge der jetzt lebhaft nach Deutfchland > (icbenben Ausländsanleihen ebenfalls leinen solchen Devisenbedars. daß fic die angebot «en Dviiarbettägo ausneßm^n. und so «gibt sich die Grscheinung. daß d« Dollar- kur» seit Wochen immer stärker zu- rückgeht Man könnte säst glauben, daß b« Dollar heutzutage verschmäht te». weil « wied« jedermann In beliebigen Beträgen erreichbar ist. So sicht die Sache wenigsten» bn ob«slächl.chra Betrachtung aus. 3n Wahrheit ist der gegenwärtige Tiefstand des Dollarkurses an bet Bert in« Börse abet ein Warnungszeichen. Cr spiegelt feine Blüte bet deutschen Wirtschaft, sondern eh« eine Krise wieder Die Reichsbank würde nämlich an sich nicht ung«n ihr Devifrapvrie'euille und den Goldbestand steigern. Sic tut es aber nicht, weil dann tue ©rfaftr tw- liegt, bah ber Notenumlauf auf gebläht wird unb eine Wirkurxg auf die greife brr Waren etrtreten muß. b.e inflationistischen Bev^ höltni'fra ähixlich sehen kanix. Wetter muß fte befürchten, dah ber ReparationsagetU dte h«- exnflenonunenen Dcvll« mit ^ddb^ag belegt, um die von Deutschland in deutscher Währaug «- folgentten Reparati.>h!ung« zu t»an*f ?nexen. Die jetzigen, in Scutfcblanb vertiigbav« unb un» noch zullieheTxdra Jrabrrrage stammen ab« nicht rttDa au* G5p2rtübc.rtchüs.cn ob« anbraen devisenschassenden Vorgängen, sondern stellen le- digl.ch ben Gegenwert ber neuerbaxg» wied« Leb- haft« gewährten Ausländsanleihen bar. Die RechSbank will also vermeiden, dah dte Reparationszahlungen mit geborgten Devisen beglichen werden. Des- halb überläßt fic den deutschen Kreditnehmer, ber eine Ausländsanleihe «halten Hal unb biete nun in Mark umrrxrnbeln will, bei btefer Um- tculch^perativ- bem offen« Devis«markt, ttet sich hauptsächlich cn ber Börte abtDcddt Dra Dollars egra, ber uns jetzt anscheinend übetfaller.


