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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsens
Somstag, 22. Woher (927
Nr. 248 Drittes Blatt
Wie wir ans DRuber kamen.
Der italienische Kaszismus an ber fünften Jahreswende seiner Machtergreifung.
Bon Benito THuHolini. IgL italienischem IHtmftrrpräfibtntm (Wortd-Copyright by Untied Pree Awxution of Amenca. Rachdruck an- im "Xulaus verboten).
6eit langem versuchen die fcfoner M Foszis- :nui frcn revolutionären Gharaner der Srerg- rüste tn 21)rede >u Nellen, die sich m der -weilen Hälfte de» Ok ober 1922 zutrugen. Zur Ml* düng ihrer Behauptungen dringen sie folgende Argumente vor
1. 3e h^-be keinen ernst l ichen Wider- Sand aeaebrn. und deshalb let eS nicht zu Zu- «amm«'nftöften unh Bluiverg-e^ en g -frm-n.-n.
2. Aue aniLf lzi'tllchen Pari eien hätten sich zurückgezogen und die Bahn srei gelassen, axti so fügen diese böswilligen Beurteiler hinzu die bolfchewisitsche Gefahr oereit» seil 1920 verschwunden g wesen sei. alt die Besetzung der Fabriken wie eine Seifenblase endete, die von Giovanni Gioluti erkuchr and so weit wie möglich aufgeblasen war.
Gegenüber diesen unwahren Behauptungen. **• nur dazu dienen sollen, die grohher igen und nit koftb irern Blut erlauf kn Taten der Schwa rz- hernden herabzus«Nen. dürfen wir nie Nachlassen. Me Tollachen fettzuhalten und zu unieriirdd>cn. die zu der fasztstischen Revolution geführt haben. Gs ist falsch zu sagen, daß die Gefahr, he unser Land bedrohte. ob man sie nun bolfchewisttsch. umstürzlerisch oder sonstwie nennen mag - bereits >om italienischen Horizont in dem Jahre ver- fthwunden war. al« die Schwarzhemden auf Rom :iar1(friert en Gs ist im Gegenteil wahr, dah die Bolschewisten in ganz Italien, auch nachdem die Besetzung der Fabr len zu einem F hlschlog a?- üfrrt halte, noch eine höchst intensive Tätigt,-,! entfalteten, (k# ist wahr, dah die Bolsaxivisten im Rovernber 1921. also ein Jahr nach der Be- 'etzung der Fabriken, in Rom mit Generalstreik tnb Mordaiftchlagen die Generalmufterung Der italienischen Schwarz Hemden, beantworteten 2S ist wahr, dah der Bolschewismus sich im Rugust .922. also zwei Jahre mach der Besetzung der rabriken und nur 3 Monate vor dem Marsch <:uf Rom, noch für stark genug ansah. um die berühmte .RrbeitsaHianz" zu versuchen. i;m damit eine beherrschende Stellung im politischen Leben wiederzugewinnen und tncllcicht aar die Herrschast selbst a>, sich zu reihen. Die Grundlage der .Rrbc.tSallianz" war antl- fafzistisch und kommunistisch; denn die <tom- inunisten hatten sie gewollt oder, um noch prü- zser zu sein, hatten sie erzwungen. Sie verfolgte ein sehr Tiare» Ziel Gntwurzelung deS Faszißn.u» durch Strahenunr.ihen. mit denen ein politisches und parlamentarische- Manöver Hand tu Haick» gehen sollte — einerseits ein Gen.-ral- streik, «indererscitS die llcbemafrme der Regierung durch Filippo Iuralt, den Svtzialisten- führer Schon der Aufbau der .Allianz", das Geheimnis, mit dem die Romen ihrer Fübrei umgeben waren, die Allgegenwart ihres Sta- 1x4, genügen, um zu beweisen, dah man b«»b- s chtigte. den Generalstreik, wenn möglich, in eine wirkliche AusstandSbewegung au Serien zu lassen.
Der Generalstreik war als verzweifelt>-r Der- fwfr geplant worden, um dem Bormari - deS liafzismns einen Damm entgegen.zusetzen Tai- flvblich hat der blutige Äamfrf zwischen dem Ialziomus und dem Anti-Za'zismu» am 15. April 1419 begonnen mid seinen Höhepunkt Anfang August 1922 erreicht Das bedeutet eine Zeit- fpanne von nah zu 4 Jahren, während der daS tanb sich eigentlich im allgemeinen Bürgerkrieg Ivfant». Mit der vollkommenen Riederwerfung Der General st reikbewegung hat der ftctfjlÄmuÄ eine der blutigsten und glorreichsten Seilen seiner Geschichte geschrieben. Gr hat damit die letzten Anstrengungen seiner Diener zutchanden gemacht und den Italienern gezeigt, dah er fähig war. cn die Stelle der b^derig.m Regierung zu tre- tai. um die Gntwicklung deS Staatslebens zu
Seit August 1922, nach der Niederlage aller enti-saszistischen Parte en. blieben nur noch zwei
Streitkräfte auf der pol'.tftchen Bühne Italiens. die demokratisch-liberale Regierung und die bew-istnete Orgamkritvn der .? afzisten Der Kamp' aegen den subversiven Anlisaszismus war beende:. Die Umstürzler waren zu Boden ge'chmetrert worden. Sie wer- t*n sich nie wieder erheben könn.m. Rie werden he wieder wagen, sich zu zeigen. Die von der Bewegung llebriggebliebenen lind flucht g und werden non den Justizbehörden verfolgt. Alle lieberrefte der Rot-n Armc-e sind einfach wie tneggesert Männer. .Zeitung-n und Organifa- itonen winden sich noch heute unter den turch:- baren Folgen der damals erlitten m vchläg-. S e wagen kaum zu atmen. In stumpfer Resignation stehen fte den vollzogenen Totlachen gegenüber. Etwas wie ein Appell an die berühmten.Massen" ist freute einfach nicht mehr denkbar. Richt em nn*tfler Schrei des Aufruhrs w.rd mehr gehört. Keine re.«Ursch.- Geile wird mefrr gesehen Do verstecken sich diese Element ? Ihr alle- parlamentarisches Spiel mit Majoritäten, Wandel- hallen-Intriguei«, Hinterhalten unb papiernen Turnieren in ein sür alle Mal vorbei
Rachdcm tas Land von der Gefahr des Umsturzes befreit war. nahm der Äamfrf zwilchen dem überlebten System und dem FaiziSmuS an Intensität zu Der saszistische Aul st and dauerte drei Monate. Gr ist durch zahlreiche blutige Zusammenstöße besonders bei der Ginnahme von Bozen und Trient gekennzeichnet. Auf s.stlen der Za'zistcm sind in dieser Zeit sehr viele Männer Sfallen Die Geschichte der Riederwerfung des eneralstreiks ist gleichzeitig eine Männrer- geichichte der jungen Faszisten. Ich hab? damals offen verkündet, es sei notwendig, dah die Aus- standSperiode durch das Ringen um die Ergreifung der Staatsgewalt abgeiöst toerben muffe. Alle Derfuche, die in elfter Stunde unternommen wttrdcn. um eine Lösung durch „Koalitionen“ zu finden, tchlugen volllommen fehl. Tatsächlich hatte man sich nur darauf eingelassen, um die notwendige Zeit zur Vervollkommnung der sehr primitiven Bewaffnung der Faszisten zu gewinnen.
Die alte Regierung versuchte eine List, indem sie das Land zu einer grohen patriotischen Demonstration für den 4 November, den
D ff nstillftandStag. .m’r.cf Wir beschlossen unter keinen Umstända» zuzulassen, dah die Feier des 4. Rovernber den Todeskampf eineS Regimes verlängere. daS bereits endgültig zum Tode verurteilt war. Der UnbekanMe Soldat sollte nicht zu einem Schutzschilb der Regierung entweiht werden Wir beschlossen daher, zu handeln, und wir waren uns klar darüber, dah unsere Mobilisierung und unser Dormarsch dem Schachzug zuvvrkommen muhte, den die Re- aterung für den WassenstfllstandStag geplarrl batte. Am 26. Oktober marschierten wir Der Ausstand hatte seinen Höhepunkt erreicht
Der Zeldzug ging graben Wegs auf sein 3itL Während sich kfte verschiedenen Äntonnea in Roni konzentrierten, wurden gleichfalls im ganzen Lande Mahnahmen, die man als ofl- qcm.'in? Besenun^ bezeichnen Fann, durchg. führt. | Bewasfnete Faszisten besetzten alle lebenswich- t g n Zentren de/ Landes. Sifentxrfrncn, Post- und Telegraphenämter, Präfekturen. Kasernen und die übrigen öffentlichen Gebäude Die Prv- Namierung des Belagerungszustände- d^rch die alte Regierung kam zu einem Zeitp nkte, in dem es auftersl schwierig gewesen wär., eine bewaffnete Intervention mit dem damit verbundenen schw.-ren Dlutv.rglehen durchzuführen.
Damals wurde die Theorie aufgestellt, dah > I e rtaul&tt Armee mit kid ter Mühe ber faszistischen ÄoUmnen hätte Herr werden können. Diese Behauptung ist indessen völlig grundlos. Zu ihrer Widerlegung genügt eS darauf hinzuweisen, dah die .Holomumfüfrrer Generäle waren, die mehrfach Auszeichnungen für ihre
Taten im Kriege erhallen hatten, den sie vom Anfang bis zu seinem siegreichen Gnde mit- gemacht hatten, und dah die Männer, die unter ihnen kämpften, tn ihrer grohen Mehrzahl frühere Soldaten traten ö» war nicht eine regellose Mat e die man mit ein paar Salven hätte zerstreue!, können, sonderri es waren gut disziplinierte und v'llbewasfnete Legionen. Sie standen ur - Führung von Männern von erprobter Tapfer eit L e traten an Kriegs- handwerk gestählt und ’.'crcit. thr Leben für das Ziel elnzusetzen Man darf au-h daran erinnern, schon uiTi die in jenen schicksalsschweren Ta am gefallenen Schwarzhemken zu ehren, dah in der letzten Phase des Aufstande» viel Blut ge- f l o f l e n ist. In den Kämpfen zwischen dem 26 und 31 Oh ober wurde Dutzende i on Fa'ziste« getötet SS fielen mehr üp’er als bei der Erstürmung der Bastille die 150 Iabre lang als eine der größten revolutionären Gpisoden der Geschichte gefeiert worden ist. obwohl diele nicht einmal zur Befreiung von po'.itlfchen Gefangenen führte, weil damals keine tn der Bastille verwahrt waren, sondern nur vier gemeine Ber- brrcher.
Auch war da nal», wie General Santo Lecche- rini. einer der lapsersten Haudegen Italiens und eifriger Faszist, mit Recht bemerkt, der Abmarsch der Faszisten au» der Hauptstadt, der der fast rein 'vmbolischen Besetzung Rome beinahe unmittelbar folgte eine grobe Leistung nicht nur vom militärischen, sondern auch vorn psychologischen Standpunkte aus. GS gab kein Rachspiel, wie eS säst da» Blld eine» jeden Siege» trübt GS gab fein Lagerleben, keine Plünderung, keine Gewalttat und Ruhestörung. Dieser Tag war so vollkommen rein, leuchtend und von asketischer Unbeflecttfrcil wie die jungen Italiener selbst, die ihn gewollt hatten. Der Kreis der Erhebung hätte nicht herrlicher geschlossen werden können. Rachdem sie ihre Pflicht getan hatten, kehrten die Legionäre ohne den geringsten Lohn zu verlangen, in die Städte und Dörfer zurück, auS denen sie gekommen waren.
Die Periode der Rebellion hatte damit ihren historischen Abfchluh gesunden und der Zellabschnitt der Revolution begann. Die Grundlage und da» Werkzeug für die Umwälzungen wurden mit der Errichtung de» Großen Faszisten- rat» und mit der Bildung der sasziftischen Miliz geschaffen. Der Bruch zwischen dem alten unb dem neuen Regime war endgültig Dolhogcn. Seither, also feit fünf Jahren, ist die Umwälzung im Dange. Ricmand n>gf mehr daran zu zweifeln, daß eS sich um eine tiefgehende wirkliche Revolution handelt, um Wechsel In den Personen, um Umbau unb Reform ber SSaalSeinrichtungen. um tiefgehende Aenderung von Geist und p'tzchologifchcr Sinstellung beS Bolle», (einer Arbeit und ber Gesetze Die Tatsache. baß all die veralteten Parteien ausnahmslos. von den Liberalen bis zu ben Anarchisten, antifaszistisch eingestellt sinb und die Konterrevolution bilden, ist allein schon Beweis genug für die umstürzenbe Reuerung. bie der FasziS- muS in das Leben Italiens gebracht hat. Gin weiterer Beweis dafür, daß wir es mit einer wirklichen und großen Revolution zu tun haben, liegt in der Tatsache, daß die „Dend^er" he» AnttsasziSmu». die ..Bourbonen" de» Anti- sasziSmu» unb bie antifaszistischen Emigranten, wie aus ihren Schriften hervorgeht, einstimmig bi« Rückkehr b c » alten Regimes anerkennen, ba» burch den Fafzismus endgültig bearaben worden ist. Somit hat ber ZafziS- mus selbst nach Ansicht seiner Feinbe endgültige Tatsachen der Weltgeschichte geschaffen.
Daß wir einer Revolution gegenüberstehen, wird auch dadurch erwiesen, daß in jedem Lande der Welt der Kampf für unb wider ben FafzismuS tobt, daß Strö
mungen. bie mit dem Fafzismus eine starke Aehnlichkeu Haden. In vielen Ländern zutage treten unb daß ber Bolschewismus in dem Faszlsmus seinen 'urchtbarsten Zelnd erkannt frat. 2 in solches Aufsehen hätte der Fafzismus nicht in ber Welt hervorgcrusen wenn er eine vorübergehende Erscheinung ohne /.ulunfl wäre. Daß er eine wirkliche Umwälzung bedeutet, geht auch au» der Tatsache hervr daß er 'ich an das Problem de» modernen Staate» in feiner llatut und seinen Funkrtonen heran^eu^gt hat. In der Schaffung de» neuen Staaies ber ein Obrig- bierarchtsch und doch organisch aufgebaut ist. ba er Angehörigen al er Massen Gruppen und Interessen die Möglichkeit dc» Ausstieg» gibt, liegt die revolutionäre Eigenart de» FafziSmu» unb vielleicht gleichzeitig auch eine Lehre für die ganze heutige Well, die zwifchen ber Betonung der Autorität de» Staate» unb ber Rechte de» Inbividium». zwischen dem Staat und dem Anti-Staat, hin und her pendelt. Wik alle übrigen Revolulionen hat die saszistische Revolution einen dramatischen Verlauf genommen. Da» allein würde indes nicht ausreichen, ihr einen de'onderen Platz in der Geschichte zu sichern. Die Herrschast bet* Terrors ist keine Revolution sonbe.n sie ist nur ein nottoenbige» Mittel in einer bestimmten Phase ber Revolution
Heute nach füns Jahren, gibt sich kein Faszist der Täuschung hin. baß seine Ausgabe Inendes sei ober vor dem Gnde stehe Wir müssen uns selbst unb einanber immer ivieber sage, baß wir nie ein Ruhejahr kennen werden daß das Jahr 1928. unser sechste» Jahr, nicht weniger von Problemen unb Schwierigkeiten angelüllt sein, wirb als bas sünste Jahr. G» ist auch wohl gu' daß dem so Ist. denn das hält unfl wach unb schärst unsere Sinne. Wir können nicht Halt machen ober am Dege rasten. Wir nehmen diese Rotwenbigkeit nicht nur hin. sondern Lbcn darin vielmehr einen Lohn unserer Arbeit.
Verband evangelisch-kirchlicher Arauenvereine.
Der Derband evangelisch-kirchlicher Frauenvereine in Hessen hielt in den letzten Tagen in Darmstadt seine Hauptversammlung ab Die Tugung begann am Dienstag mit einem Begrüßung» b h Die Berhanblungen am Mittwoch wurden r> n Prälat I > l)r. Diehl mit einer An'prache > i - öffnet t barm wurden sie der Besprechung interner Angelegenheiten (jdoibmei, ebenso die Verhandlungen am DonnerStagvomiitlag
Donnerztag nachmittag fand eine außer- ordentlich stark besuchse öfsentliche Versammlung im Rummelbräu statt. Oberkirchenrat Zentgraf hie t einen Vort rag über .kirchliche» Qlm t und Frauen- vereine". Der Redner führte hierzu etwa aus: Die kirchenverfaNung bestimmt zwar in Art. 18, daß der Pfarrer sich der kirchlichen Frauenvereine annefrmen soll, aber eS Ist von Uebcf, wenn ein Pfarrer erst in der ksrchenverfassung nachsehen müßte, was er tun soll Gr muh seine Ausgabe als innere Berufung empfinden Da» kirchliche Amt hat r Apostel . i
Aufgaben zu erfüllen, und zwar die Gemeinde fo zu führen, daß sie tn rafrtem "Verkehr zu Gott und den Menschen kommt. Der Psarrer kann niemand die Pflicht abnehmen, wie er zu Gott steht, aber ber Ehristenmen'ch kann auf bie Dau r auch nicht das geistliche QImi entbehren. Richt bloß für bie Iugenb Ist es ba, fonbem gerade bie Vorwärt »st redenden brauchen eS GS kann em Christ auch burch Privaterbauung, durch ein GrbauungSbuch. die "Bibel, Gott dienen, aber bald wird er bie Erfahrung machen, bah er, wenn er feiner Gemeinde fcrnbldbt. verkümmert. Ist
LlmLrfolgundüede.
Roman von Robert Misch Copyright dy (Karl Dunter, Berlin SW 62.
13 Fortsetzung Nachdruck verboten
Roch einmal, Geliebte, danke ich Dir für Deine Liebe unb ast t>a?. wo* Du mir g ichcnkt hast Nicht wahr, mein blonde» Glück, Du bist mir nicht böir, »ab ch Dir so Lebewohl sagen inufc"' tiber wir werben un» ja ball» mubcri^hrn, hoffe ich — in Dien oder Berlin ober in Mailand, wenn Du Dich eNllchNeßeft, bei der Adolstni weiter zu ftubierer Getbftoerftanblidj komme ich für alle» auf. unb Du wirst nicht so lleinllch sein, e» auszuschlagen Hun Zerttauffnb Küste non Deinem Dich immer lieben« len, aber heute sehr eifigen Joseph
Beraih nicht — bu, wie ich bich nie verge'jcn hnn. Diese Liebe brennt mit Flammenschrist in meinem Herzen D Mobonna — Madonna
1 fiebrigen» war die Düse gestern beraujchmb als .tarnetttnbamc" Wer kann ihr „Ärmando — Ar« ranbo!“, ba» sie ihm beim Absch eb nachrust, je rergdlen, ber e» hörte" Morgen werde ich mich von br vernbichieben. Das italienische Gastspiel werde ih mir aus dem Kopfe schlagen Diese Italiener sind viel größere Künstler als wir '5 c Im fünfen wir uns auf die Mynheers unb vielleicht spater auf bie 'Ainfees, bie auch mehr money haben. Addis — Addio, carissima madoona mia!" —
Ja, das war das Ende, das brutale Ende deutlicher konnte man es nicht lagen und zeigen, trotzdem er sich die größte Mühe gegeben, feine Gtbanfrn Ttwvjbüncn ..Eine dicke, bittere Pille mit Ätzern dünnen unb fchlechtrn Zuckernufguh*, lachte ste grell auf.
Er lud sie anstandshalber nach Karlsbad ein, trotzdem er wußte, daß ein Zusammenfeln in diesem Btöbabc niemals verborgen bleiben konnte, trotz btm er wußte, daß sie ihm dorthin nicht folgen Türbc. Eine Flucht ohne Abschied — mit erheuchel« "•en Zärtlichkeiten.' Er bankte chr „noch einmal" unb bot ihr Geld an — wie einer Kokotte, bie man bthn Auseinandergehen abfindet.
„Abdio Hrmanbo": ben Bretterschmerz fühlte er, ben echten, der ihr ba» Herz zermalmte, ben überhörte er.
eie suhlte einen faden Geschmack im Munbe unb drängten gewaltsam ihre Tränen zurück. „Adbio öuikppc!" — Dann laß sie ben Brief noch einmal, wie eine Buße, eine Züchtigung, die sie sich selbst dafür aufcrfcgte, daß sie sich einmal in ihrem Heben hemmungslos hinaegeben hatte. Ja, fo war 'ie Welt, fo waren bie Manner — fo war bi cf er , ’Jlann, bem sie nur ein achtlos gepflücktes Blum« । chen war. Nein, sie sollte nicht um ihn meinen —
ctol3 unb bitterer Schmerz verboten e».
Nicht einmal bie Muhe hatte er sich gegeben, gut zu heucheln. „Sie solle ihm nicht böse sein — unb er hofft, sie bald wicberzuiehcn . . Unb er würde sie nicht rergefien.* Unb diese elende, ab gebrauchte Phrase von ber ^Flammcnschrisi', ber er gleich daraus seine Dufe«Scgeifterung halte folgen listen Die war echt, alle» andere hohle, unwahre T'hrafen! Der Ehrgeiz war bas große Gesetz feines Lebens, der alle anderen Gefühle auffraß. Wo war ein Wort innigen Zufannnengelftrens, das eine dauernde Trennung nicht ertragen tonnte' Unb in iner Aufwallung aefräntten ctoUcs zerriß sie den . "Brief in kleine Fetzen, bie fte in den Komin warf
Wäre er zu ihr geeilt, hätte mit heißen Küsten Abschieb vor ihr genommen, ihr ein bald, s Wiedersehen zugi-'chworcn: sie hätte ihm selbst die Hoffer gepackt unb habet gelacht, sie hätte seine Sehn« >uchr nach ber Bühne begriffen. Ader bies war ber schlichte" Abschieb
Als sic wenige Minuten später bas Haus verlieb — es brängte sie fort aus diesen Mauern, in Denen sie sich so alücklich gefühlt oder vielleicht nur gewöhnt — trat Anita mit einer Frage auf sie zu. Aber das Mädchen oerftummu plötzlich unb blickte ihr erstaunt nach.
„Der Signor wirb nicht wiebertommcn", flüsterte sic Giovanni zu. der im Garten arbeitete.
„Das soll bas heißen?'
.Hättest bu die Augen unserer lchönen Herrin gesehen, Dummkopf, würbest du nicht fragen. Ich muß ihr nach — vielleicht tut sie sich ein Selb an.'
Einige Tage später verließ Ija auf immer bas gastliche Haus unb reiste nach Genua in Begleitung
Anitas, bie fte zunächst in ihren Diensten behielt. Die Koster Lenzens waren nach karlsbab expediert worben. Auch feine (Belbfenbung schickte sie dorthin zurück.
Zum Glück hatte sie die ganze Summe aufg- ipart, die ihr Nettebohrn damals unb später noch einmal wieder geschickt hatte Sie war reichlich bc mesten unb konnte lange reichen. In Genua besuchte ihr bringenb empfohlen hatte Sie berichlele ihm, was die beutkchen Henle gesagt, unb zeiate ihm ihre Vorschriften. Er untersuchte sie lange und gründlich, aber mit einer ganz zarten Hanb. Songenb wartete sie auf ba» Resultat
„Keine Furcht, Signora" Offenbar hat sich das Leiben in unserem milden Klima pebefferT, tröstete er sie mit einem freundlichen Lächeln „Aber dem rauben Ämter Ihres schör.cn Vaterlandes, das ich aus meinen Studienjahren kenne unb liebe, bürfen Sie sich nicht auslchen Bleiben Sie ben Ämter über hier ober in Nervi ober Rijja, wo Sie sich gewiß nicht langweilen werden' In ein bis zwe Monaten kommen Sie bann Dieber zu mir '
Unb bann genaue Berhaltung-maßregeln — ein Rezept — Vorsicht gegen bie Nachtlust, vor rauchigen Lokalen unb bergleichen.
„Singen* Hie unb da ein Liedchen, einige Hebungen mit halber Stimm.-, edrnung, Sa nora — dann wird eines Tage» die Stimme w eher femmen*. fügte er gütig hinzu. Unb mbem er mit feiner feinen, fast weiblichen Hanb über bie ihre strich, lagt? er mit einem verstehenden Lächeln „Und fröhlich fein! Zerstreuen Sie sich, was einer «o schönen Dame nicht schwer iallen wirb. Das Leben ist kurz — und die Jugend nach mehr. Alles gebt vorüber — nichts lohnt im Leben. — Äas uns heult fifriper erscheint, ist uns in einiger Zeit Gleichgültig. Wie sagt Ihr deutscher Dichter?' Und in (i-cm gebrochenen Deutsch: „Heber ein Weilchen ist beme Kammer voll Sonne.'
„Woher wissen Sie, baß ich Kummer —T
„Ich bin Hr$t, Signora — auch ein wenig See- lenant'
Einige Tage später überfiedelte sie mit Anita nach Niz^i, wo langsam bie Herbsstaison in (B-rq kam. In einem mittleren Hotel, von einem Deutsch« Schweizer gut geführt, ftmb fie Zimmer mit Süd-
sonne. Auch ein Klavier wurde zu ihr bmoufge« schosst, an dem sie morgens unb nachmittags eine kleine Weile mit halber Stimme übte.
In Begleitung Anitas machte sie weite Spaziergänge. viele Blicke folgten ihr, wenn sie am Stranbe ängstlich jeher neuen Bekanntschaft au» bem Wege. Briefe gingen ihr zu, bie sie um eine Zusammen« funft baten. Sie las sic lachend Anita vor unb lieh alle» in ba» Kaminseuer gleiten
Promenabe unb Konzert zerstreuten sie vor dem Diner. S.e wollte sich zerstreuen, wollte vergessen. Mühe Gleichgültigkeit legte sich gleich einer schützen- den Haut über bie zuckenbc Wunbe. Zuweilen würbe fie an ihn erinnert. Dann schluchzte sie manchmal in ihre Kisten, österreichische unb bcullche Blätter berichteten von seinen Gaftspieltriumpl en: unb eines Tages la» sie in einem Wiener Blatt, ba» von . latsch unb Pikanterie lebt-, mit jagen- ben Pulsen ein-n Karlsbaber Babebricf
„Unser berühmter Theatergast, der sich einige Monate ganz von ber Welt zurückgezogen batte (man spricht vorn Süden unb einer Unbdanrlcn), sieht übrigens brillant au» — braungebrannt, (tret- vnb von Gesunbheit, Lebenslust unb f)e terfett. SVelhemerft roi-b ein Flirt mit einer aUerbings bildschönen, oschblonben Amerikanerin Miß F . er. Stundenlang sieht man unseren Romeo mit dieser Julia aus dcm Dollarlanbe in unlcren Wäldern umfrerftreifen. Aus ber Promenade, beim Brunnen, im Restaurant, beim Kaffee unb auch noch bem Theater, stets stehl man diese beiben e'rganten unb aufi-’lrnben Gestalten unterer flurftah Zusammen, als Solodu7tt ober in luftiger Gesellschaft, bie ber berühmte Mime — bekanntlich auch ein witziger G.?pf unb Charmeur — durch sprühende Laune erheitert. Eingeweihte spreche" ' avon, baß halb eine Vertobui g 'wischen >em *P chnenprinzen und ber Dollarprinzcsstn bas Ende fein wirb. Warten wir's ob!'--
Sie lächelte voll Bitterkeit. Unb da die treue Anita jetzt ihre Vertraute war, so überfetzte sie es diescr in ihre Muttersprache. Anita ballte bie Fäuftc, als "-*cnn Ne einen unsichtbaren Dolch in der Hanb hielte, unb rief mit unterbrückter Stimme:
Jlrutta bestia! "
fForttetzvng folgt.)


