Nr. 248 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Samstag, 22. Oktober |92Z
Außenpolitische Umschau.
Qfcm Bro« Dr Otto H 0« tz s ch. W. d. N.
Oie euatpäifthen Hab inerte finb faft aut- tchltotzl'ch mit ijren «tarnen Xnjjck jenbrtten. mit denen Guropa» M&fttf. ^Bieter «mma- tümmen man sich kaum en bat, wat aubcr^alb unfetrt Kontinents vorgehr .y.<Avt> lh auch dsr chinesische Bürgerkrieg im Lugen- blick in ein Stadium getreten, bat es namentlich t*r «fischen Politik ermöglicht, btof« schweren fragen einmal xu ignorieren. Nachdem ct in ba 7»ttte bet wahres ben Anschein hatte, alt würden bi* Truppen bet Südens sehr halb In tptftng Hetzen, ift nun ein hoppeltet Szenenwechsel «inytreteiL Ls angkaidek trat oon seiner mUltärischen Stelle zurück unb machte somit bw Bahn zur Einigung ber KraHcirn Kuomlngtangpartei fort, bw denn auch in ber 'IV-iv-nf juna ber Aenierungen von Banking unb Hankau ersoegt ist. Unb das 11 doch ein bteibenbefl Grgednit Md et wirremeichen Jahres für Ghtna, hab bi« Hofftumgen det russischen Kommunismus aus Ätzina so ooGflänbig gc* trogm Haden er kann dort in keiner Deise nchr aus BunbeSgenossenschast unb Usterftützung für >etiv? Ichwierige au tzenpoli tisch» Vage rechnen. Ader diese UabrtWintemfl bet ÄomniunUntut beyitKtT vt Süden mit dem ®rlahmen seiner Schsoungkras! im Dorf tost gegen ben Aoeben. Xfa nfl t f olin schien towb« Oberwasser pr «tza1»en Da ststz« er — so 1R bat gegenwärtige Stadium aut bi« Gegnerschaft und die An-
«rWtbetoeauno voe allem bat Gouverneurs von Schonst, Ben, ber et Versionben hott«, lange iahor sich völlig aubcrbj'b ber Btoger!. MC halten, unb nun arnwutlam ent dem flBeurral Zeng. Mtn ben Borden mck> PeKno tompft 3n bem Wirrwarr ber Aachrrchten sieht man
nicht klar, wer etaenilich bfc Uage ift. Vielleicht aber ift 'n absehbarer Zeit doch barmt zu oechnen, bah Peking aut ben Händen Dsangtso- Unt gleitet. Dann würde aber «den bk chinesische Krage aU solche geheilt sein bk Aorde- nma an bw ineevess werten NlLchito, iu einem sich unaotzünatg organisierenden China ein Berhükt- ntt mi finden
Vtnstweilen ist bat noch nicht nötig. 3 n a *
lan b brauche sich, nachdem die ruflIKLc CMati geschwunden ist. im Augenblick um Shtna nicht « rürmnrrn, inrb Aorbameriko fut tn seiner Außenpolitik bat gleich? beten Passivität eigen! -
' rn sich beute gK*t<u
<rigt. Man spurt, ®u bie langsam herauf gehende Campagne um dtoPräsldentschaftswahl heute schon aut bem Präsidenten lastet. Nordamerika bewegt sich m ber Außenpolitik fast gar nicht. Am Augenblick gibt et eigentlich nur ein« Krage, in ber et Aktivität entwickelt, unb dies« ist merkwürdigerweise am deutsch-franzö- sistpen Handelsvertrag vom 17. August au «gebrochen
3t ist «in sonberdareS Berhälvfts, bat fo aitftanbm ist: Norbamerika Hal einen Mei st- begünstiaunasvertrag mit Deutsch- (a n b vnb bat einen solchen mit Frankreich Frankreich kämpf 1 in langen zähen BerHandlungen mit Deutschland um eine Meistbegünstigung bie et nun am ®nbe einaeheirder Abmachungen, (Ux der Nei chs t agsooriag« bet 9nt- tourtet einet Gesehet über bat Handelsabkommen «wischen Deutschland unb Frankreich füllen 1« euren Band von 370 Veiten), an Deutschland auch gewährt Hal. Unb ba verlangt Norbamerika ganz ohne weiteret und seldft- verstänblich, in ben gleichen Genus) dieser (St- rnäbigungen zu kommen kraft einet Rechtet ber TLristdegünstigung. auf bat et Anspruch habe. Aeltere Sntereffentcn an ber Handels Politik er- nmem sich einer Situation vor 25 Aahren zrm- 'chen Deutichlanb unb Norbameristi, die ganz genau so ober vielmehr umgekehrt lag. Damals kämpfte Deutschland für eine Moistbegünftigung schlechthin und damals nahm Nordamerika gegen Deutschland ben Standpunkt ein, den heute Frankreich Nordamerika gegenüber vertritt.
Nutz'gr Prüfung wirb anerkennen, bah hier Frankreich im Recht ift unb bah darüber hinaus Frankreich sür die vache Europas
kämpft. Der Anspruch bet Bevnnig'.en Staaten hat feine Begründuni nur — in ihrer wirtschaftlichen Macht. An sich ist thrc Stellungnahme nicht begrünbet. Denn Nordamerika verlangt Üvar seinerseits freien Zugang zu ben Märkten Europas aber et benft nicht daran, tn der eignen Zoikpolitik Europa dir Zugeständnisse zu machen, bie bem Hnngcmäh entsprechen müh- *n. Das ist ehre Lage bie nicht bauern kmn
Einstweilen ist bas Pr.-blem gestellt 1 Dem Sinken bet Prestiges von Sootibgt ist merllDvrbigerivt<< parallel pegarxien ein Sinken vieüeicht noch nicht ber ^Vchkonsunkt ur ber Prokperitäl aber bet Ola uvens an bide 3n ben ■Derrnigten Staaten nächst bat Odüfrt. baf) es int Unab- iehdare nicht so we.tergehen kann. 3t wächst b.c vor«, wo für ben auberorbenrttd) gestiegenen Neüdttnn bet Landes an Kapital unb
Llnser Preisausschreiben in Heimat im Bild Hst, wir zu erwarten war. in adrn Kreisen unserer Leserschaft ein au her ordentlich starke» Änleresie gefunden j)unbertc von Losungen sind uns aut Stabt und Land zugrgangtn. ein erneuter Beweis, wie schnell sich gerade unsere ..Helmat im Bill)' in den drei Jahren ihres Bestehen» eine treue Gemeinde geschaffen bat Da die überaus protze Zahl her richtigen Lösungen die Anzahl der vorgesehenen Preise um ein vielfache» übersteigt, war es leider nicht möglich, alle die sleltzigen Mitarbeiter zu belohnen, die sich durch das ttchiige 'Srfhmmrn der 16 Preisbilder al» gute Kenner unserer engeren Heimat erwiesen haben. Ihnen allen danken wir herzllch für die rege Beteiligung und hassen, daß die eifrigen Heimatfreunde, die die»mal leer au »geben muhten, gelegentlich eine» späteren Preisausschreibens mehr vom Ölürf begünstigt werden mochten. LI - Preise Haden wir Werke hessischer Künstler gewählt. Wir hoffen, damit den glücklichen Lösern eine besondere Freude zu bereiten. Die Preisträger bitten wir, soweit sie in Kietzen wohnhaft find, ihre Preise auf der Redaktion de-> „Gießener Anzeiger»", Schulstratze 7, 1. Stock, in ber Leit von 8 bi» 1 Uhr vormittag» unb 5 bi» 7 Uhr nachmittag» in Empfang zu nehmen. Den auswärtigen Preisträgern werden ihre Preise zugestellt
Verlag und Redaktion des (Hießense An-eigerS
Oie Lösungen:
Preisbild Nr. 1: Runkel an ber Lohn (Phot. Heinz Wagner, Kietzen)
„ „ 2: Grünberg in Hessen, Blick ans dem Brunnental auf die Stabt (Phot. Heinz
Wagner, Gietzen)
„ „ 3: (Dlelbergterraife mit Kirche (Phot. Pfarrer D. Schmidt, Battenberg a. b. Eder)
„ „ 4: Ausblick von der Babenburg (Phot. Heinz Wagner, Kietzen).
,. 5: Da» „Türmchen' in Braunfels mit Durchblick auf ben Marktplatz (Phot vtammerrat Jockel, Schlotz Braunfels).
. „ 6: winterlondschaft am Schützenhau» In Gietzen (Phot. Heinz Wagner, ®tei<n).
„ „ 7: Blick aus TNünzenberg (Phot.Jlsel, Magdorf).
„ „ 8: Lauterbach, Am See (Phot. Amtsgerichtsrat W. Höckel, Gietzen).
„ „ 9: Gelnhausen, Hcxeniurm" (Phot. Moria» H. Mülberger, Gietzen).
„ „ 10: Kirche ;u Dietkirchen an der Lahn (Phot. Marian H. Mülderger. Gießen)
„ * 11: Blick oon der Stadtkirche in Gietzen (Phot Heinz Wagner, Gietzen).
„ „ 12: caudach, Schlohlar (Phot Heinz Wagner, Gietzen).
„ „ 13: Abendsilhouetle von Limburg an der Lahn (Phot. Heinrich Wagner sei,
Gietzen).
„ „ 14: Auf dem Alten Ariedhof in Gietzen (Phot. Landgerichtsrat Hirsch, Gietzen).
„ „ 15: Strotze in Vordeck (Phot. Heinz Wagner, Gietzen).
, „ 16: Lauterbach, An der alten Burg (Phot. Marian H. Mülberger, Gietzen).
Die Preisträger:
1. Ottilie Balser, Gietzen, Wolsstrahe 10 (E Drosch, Gonsenheim: »Motiv am Mainzer Dom", Radierung). 2. Emil 8 i 11 e n b 0 r f, Ruttershausen, Kreis Gietzen (Knobt-Ubbelohde: „Meine Wälder"). 3. Karl Dietz, Dietzen, Aulweg 53 (Ernst Schmitt: „fieberest Kitt"). 4. Karl Hergenrother, Oderassistent in Gießen, Bismarckstratze 6a (Alfred Bock: „Die Pariser") 6. Gtublenrat Heymann, Gietzen, Walltorstraße 73 (Wilhelm Schäser: „Dreizehn Bücher der deutschen Seele"). 6. Herbert Hornberger, Gießen, Plockstraße 911 (Hans Steinbach: „Sitzendes Mädchen", Zeichnung). 7. Frau Henny Kammer, Gießen, Schott- straße 17 (Wilhelm Holzamer: „Ellida Sollstratten"). 8. Heinrich Klemmrath, ©teuer- inspeNor in Gietzen, Liebigstraße 84 (Han» Grimm: „Volk ohne Roum"). 9 Karl Kuhk, Gietzen, Kaplansgasie 511 (Adam Äarrillon: „Adams Großvater") 10. Walter Leun, Amtsgerichtsrat tn Großen-Linden, Dbergaffe 9 (Albert H Rausch: „Südliche Reise"). 11. Heinrich Lich, Gietzen, Steinstraße 17111 (R. Schwarzkops: „Orr schwarze Nikolaus"). 11 Ehristton Modus III, Kaufmann in Reiskirchen, Kreis Gießen. Schulstraße 4 (M. Manz: „(Belehrter", Holzschnitt). 13. Bernhard Roth, Annerod bei Gießen (Bruno Panitz: ,Lm Ehiemgau", Radierung). 14. Aenne Spieß, Gießen, Destanlage 27 (Wilhelm Diehl: „Der gefangene Pfarrer"). 15. Adolf Schad, Studienrat in Butzbach, Weifeier Straße 68 (John Meier: „Deutsche Dolkskunde"). 16. Maria Schad, Gießen, Ludwigstraße 24 (Karl Neurath: „Der Preutzenkaplan"). 17. Luise Schade, Reiskirchen bei Gießen, Bergstraße 1p (Professor Franz Huth, Weimar: ,Ln der Hofkirche zu Innsbruck", Pastell). 18. Marie Schäser, Gießen, Steinstraße 8211 (H Will: „Pappel", Oelgemälde). 19. Frau Helene Schwalm, Lollar, Hauptstraße 113 (E. Stump, Worms: „Ruth Maria", Original-Lithographie). 20. Minna Deller, Gietzen, Neustadt 4 (Joden: „Mohndlüte", farbiger Holzschnitt)
stepvrtprvbukttvn auf bie Dauer bte Märkta mi '.n>rn fein Wien, ob ullmätzltch bi vtcr.^ammtu das eint.rtcn u irp. was man eene Ärtfe nennt, eine Änk .nit .'V-,,ifc*c^ung fre» OedensltanXins. der Lochn bee Karnpft^ um kne Pre-.te u'w '2lo4) deutet sich bwfe (Mabe eben nur an noch ist Re nicht stark gerrusx. bie mat jepenben ^ftorAum 2»achpenken. zu €ie(luTxrwtnnc urb Aul4iu*3 ui gfcr.i^e.t Noch halten sie es beabalb ’ür nitfm unb mk^lich. Frankreich v^genüber jcnni 5tanhpunl! dn*n* nehmen, ben sic ja bei ihrer avmvärttz-mi Macht auch burchßepen werben. Unb ber 3aben. an dmn sie Frunkrerch ktne sühtei,
lasten !Innen, bas ist ba# BerHäiNNs zwischen ben derben Staaten in be»ug aut die Schulden Frankreichs an Noechamertta, >is immer noch nicht gerroeü ist
(Mit. ber Osten, ber Ferne Osten unb 2lorb- anwrila. innrrhald ber :.;ti diesen DUrnen tn ihrem gisZmwärtigen Stanbe aulgezeichneten Poodlmu' hat Deutschlanb m <ür den □Dinier feine Autzenpotttik zu überbeitlKt Die Mahnung ist berochttM und nxipcnMg. bäh wir Ito noch äußerster Mvglichleu f rci halten von den Bewegungen desMahlkam iM s e s. besten erste Anfänge wer ja schon überall spüren Die Aufgaben smb iv eicht
beschnei 3m Bdlkerbunb bie lohale MiiardM. aber allein aut ber Grundlage der beustchs, Gleichberechtigung unb in schärfster Dachftuntoit auf das. toa* in ber Abrustun^s- kmferen^ unb in dem c«4xrheitJluiiitw sich vordereitm unb bk Arbeit an ber Befreiung bas Nheinlanbcs. sodann bee "Bezietzunqon zu Au tzlanb unb die Bereinigung unlerer Bv- ziehimgen zu Litauen unb Polen. Detter bie langsame SorbercitunQ M einer N«vis ton des Dawes-Plane», .normtter wir im Augenblick nicht bie Agitation dafür verstehe^ sondern bie genaue Prüfung unb positive Behandlung der sozufageti Dorprobleme Deutsche Lcistungsfäh-gkeit überhaupt, beutfchr Anleihcpolitik im Ausland, deutsche Sinan*- Politik in ber Prüfung ber Angrisst bk gegrh fk ber letzte Bericht des ?ler*arationsagenten gerichtet hat. Das sind die Hufgaben unb die Desamtbetvachtung ber Laue, tote sie in ben Dorten: .Genf, ber europäische Osten, der Ferne Osten und Nordamerika" gegadmi ift. zeiat. welche Nldglichkeiten sich für btofe deutschen Ausgaben unb Ziele im groben Nahmen ber heutigen Deltpositik bieten.
Oer Aührhund als Arbeitskamerad des Blinden.
Zur Beschaffung von Führhunben für Blind,- besteht in 'Deutschlanb eine Arbeitsgemeinschaft. in welcher der Deutsche Ber- rin für Vanitätsbunbe, ber Aeichsdeutsche Blinden verband unb Der Grste Deutsche Pollzeibund- verein zusammen mit Vertretern ber össenllichen Wohlfahrtspflege zum Segen ber Blinden tote- len. Ausgabe dieser Arbeitsgemeinschaft ift es. vornehmlich ben im Berufs- unb Q-rtoerbeleben stehenden Blinden einen nach besonders erprobten Drunbsätzen ausgebildeten Führhunb zu beschaffen unb durch ständige Fürsorge bas Zusammenleben zwischen bem Blinden unb feinem Führ Hund zu fördern und zu erhalten. Für die Ausbildung geeigneter Zührhunde stehen bet ArbenSne-neinichafr die als grotzzügig unb muftergulltg anerkannten Einrichtungen des Deutschen Vereins für Sanitätshunde zur Deriügung. denen mit Rücklicht auf eine lange Erfahrung große Bedeutung zukommt. Gs gibt aber auch noch einige andere Blindenverbände, bie beabsichtigen. über ganz Deutschland derartige Aus- bildungsstellen zu verstreuen. Alle diese Ausbildungsstellen |liü> in bei Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen um dadurch eine gleichmäßige. von einer einheitlichen Stelle fcftgclegte Dressur der Hunde und eine einheitlich»- Ausbildung des Blinden in ber 'Benutzung unb Behandlung seines Hundes weitestgehend zu ae» wäbrleiften. ön Anbetracht ber großen sozialen Bedeutung ber Arbeitscemeinschast Ifir das deu''che Blindenwescn bezeugen auch bie sozialen Ministerien des Reichs uiu/ der Länder, sowie
Da» Gefängnis der Eisernen Maske, von Gabriele H a r t e n ft e i n.
nHic dolor, hic lucius perpetuus" („Hier der Schmerz und ewige Trauer ). — Die düsteren Sorte, Ausdruck eines Schmerzes, ber keine Grcn- jen, keine User kennt, standen in Stein gegraben über der eisernen Pforte der berüchtigten Gefängniszelle auf Eainle Marguerite. Die Hand eines Unberufenen hat diese Worte hinweggettlgt. im Jahre 1794 sand man die Inschrift nicht mehr über dem dunsien Einlaß.
Da» Wappen der Reftung Eainle Marguerite indessen verewigt da» Andenken de» Erbarmungswürdigen, der «n ihren Mauern schmachtete, beobachtet und bewacht wurde mie kein Zwe ier, den die Deltgeschichte je gekannt hat In dem schmalen Wappenseide steht da» von einer eisernen Maske eng umschlossene Haupt, unb drei bourbonische Billen umgrenzen es.
Der Rame de» verdammten, der so rötsethaste Strafe trug, ist bi» aus den heutigen Tag nicht bekannt geworden, wohl ein einzig dastehender Fall in der Weltgeschichte, und ber Umstand, daß aus allen Büchern, Annalen und Archiven sein Name getilgt wurde, daß selbst die Papiere über seine Abstammung der Vernichtung anheim fielen, führt 3U der Vermutung, daß der Eingekerkerte edlen, wenn nicht königlichen Urfprung» gewesen sein mutzte. Das aber war der Anlaß zu seiner Haft und der düsteren Maskierung?
Riemand konnte das ©chtimnis erfahren, selbst Eh 0 iseul nicht und n-djt die Pompadour, denn der Könia verhielt sich auf alle Fragen ein- silbig, ja abweisend.
Spater ließ Marie Antoniette eifrig in geheimen Arch ven suchen, und der alte Maure- pas wurde auf ihren Wunsch von Ludwig XVL mit aller Eindringlichkeit nach dem Samen der Eisernen Maske befragt. Aber selbst Maurepas gab nur VerrnutunAen Ausdruck, und das Rätsel blieb ohne Lösung für alle Zeiten.
Manche von den damaligen Geschichtsforschern sahen in der geheimnisvollen Persönlichkeit auf Saintc Marguerite den einzigen und wirklichen Erben und Thronfolger Ludwigs XIII. und beze.ch nen den späteren „Roi soleil" als einen Bastard,
em unterschobenes Kind Ma-arins und der Königin Anna von Oesterreich.
Voltaire hingegen behauptete, der Ge fangene lei der ältere Bruder Ludwigs XIII. ge wesen unb vorn König verbannt worden, weil dieser seinen Geist voller Ranke Hatzte und fürchtete. Noch der Meinung anderer soll es der Graf Herkules Mattioli oder Marchioly. ein Minister des Herzogs oon Mantua, gewesen fein, aber auch Jür den Herzog von Dermandois wurde der Häftling gehalten unh später für den Marquis oon Beaufort.
Dies aber waren Mutmaßungen ohne jeden historischen Rückhalts und je tiefer und undurchdringlicher sich da» Geheimnis um ben Verbannten legte, um jo reger beschäftigte sich die Pimntaste ber Zeitgenossen mit der Frage nach seinem Ramen unb dem verbrechen, bas ihm so grausame Straft eintrug.
Man wußte nur, daß bem Sträfling in feinem Kerker eine Behandlung zuteil wurde, wie sie nur Persönlichkeiten oon höchstem Range zukam. Rle inand durfte ihn anreden als der dienfttuenbe Offiziere er trug Seinenwösch, unb seine Kleider: tie Speisen wurden ihm auf silbernen Platten in bie 3eQe gebracht, unb Sonntags kam ein Priester auc der Ortschaft Cannes, bem Unglücklichen die Mesi» zu lesen.
Diese Zeremonie war wohl der einzige Licht blick im Dasein de» Verdammten. ?lod) heute stehl, morsch unb brüchig, m t einem Ueberjug aus rotem verblaßten Samt, ber schmale Betstuhl wo ber Em iame kniete, im Ehorhaus ber Kirche auf Sainte Marguerite.
Niemand machte den Leriuch. ben geheimnis vollen Gefangenen $u befreien, denn dazu bot sich keine M.-glichkeit. Der enge jtombor vor ber Zelle war zu beiden Seiten vermaue.-:: ein bre toches Eisengitter stand in der Fensterhöhlung, unb nur durch das Zimmer de» Kommandanten konnte mar zu bem Unglück! chen gelangen.
Die Sefängniswachter schilderten ibn als einer schlanken, bochgewachlenen Mann mit Bewegunaer
Anmut unb Abel, keiner oder Hot ft fehu Stimme gehört ober sein Antl tz gesehen.
In bem engen, quabratferm gen Raume be roegte er sich, schlief und wachte jahraus, jahrein, bar jeder Hoffnung auf Erlösung —
Aus den mächtigen qraucn Steinwänden wed: • bie Kälte, ein dürftiger Lichtstrahl nur geistert durch
da» vergitterte Fenster. Ein Stuhl aus der Zett Ludwigs XIV., breit und dunkel gebeizt, steht im Raume, unb hier verbrachte wohl ber (Befangene Stunden unb Tage ohne Ziel unb Ende, ben Blick auf bie Einsamkeit bes Meeres gerichtet.
Ein einziges Mal machte der Unglückliche ben Versuch, aus dem Kerker eine Mitteilung an feine Mitmenschen gelangen zu lassen: Auf einen silbernen Teller ritzte er ein paar Worte mit ber Messer- spitze ein unb warf ben Gegenstanb von der Höhe seines Fensters hinunter auf bie Klippen.
Ein aller Fischer, der hier mit seinem Boote anhielt, fand das silberne Gerät unb trug es in seiner Einfalt in bie Festung hinauf. Der Kommandant lieh ben Alten kommen und fraalc ihn, ob er lesen könne Der Fischer verneinte Da atmete ber Offizier erleichtert auf, sah dem alten Mann tief in bas Antlitz unb tagte, hab tr unweigerlich bem Tobe verfallen wäre, hätte er den Namen entz ffem können, der auf dem Teller geschrieben stand. — Der Mann mit der eisernen Maske starb auf ber Bast lle zu Paris, wo er seine letzten fünf Lebensjahre verbrachte Brentano veröffentlichte den amtlichen Auszug über (eine Beerdigung, so wie er in brn Archiven ber xirche Saint Paul verzeichnet stehl:
„Der Gefangene Marchioly, 45 Jahre alt, verschieb auf der Bastille: sein Seid)ncm würbe am 20. November 1793 am Kirchhof El Paul bestattet, in Gegenwart der Herren Rolage, Verwalter ber Bastille, und Reilhe, Chirurg auf ber Bastille. Gezeichnet Rosory, Reilhe." —
Diese Eintragung ist dos einzige geschichtliche Dokument über das tragische Geschehnis auf der Insel Sainte Marguerite.
Die Kunst, vieles zugleich zu tun.
Dvn iMfar berichten seine Biographen, datz er zugleich imftande war einen Briet zu diktieren und ein Gespräch zu führen. Die'e bewunderte Leistung des Derr es w rd aber weit übertroffen durch ba*. was moderne Artisten leisten. Die tchwieriq es ist. ;wei Dinge auf einmal z» hm. das haben wir als Kinder erlebt, wenn wir vernichten, cuf dem rechten Bein zu stehen und dabei gleichzeitig mit ber rechten Hand einen Linkskrets und mit dem sinken Bern einen Rechtskreis zu schlagen Dem Anfänger am Klavier fällt es besonders schwer, mit Cer Linsen eine Begleitung und mtt der Rechten bte
Melodie zu spielen. Ort gehört schon eine Begabung dazu, um zwei D nge zu gleicher Zeit zu verricht-.'^ und es bedarf dauernder Hebungen, um es in solchen Leistungen zur Dollendrmg au bringen. Manche Artisten haben darin Erstaunliches geleistet. Sin Jongleur, tote der berühmte Aaste11i, führt dre: bis otcr rxrichie- dene OonghetuetDegungen und schwierig« Balanceakte flleid),)«: tig aus. S’.nen Rekord in bte’cr Kunst der „Bielfeittgleit" schlägt aber cm Phänomen, das ffcptntoürtifl aus den Darietc-Bühnen Europa» erscheint und dem Rchard Lehmann in der Leipziger .Illustrierten Zeitung" eine eingeheubc Dürdigui^ widmet Gs ist Thea Alba. Dies« bttmdc Dame schreibt auf eine berußte Tafel gle.chzeitig mit der rechten Hand einen französilcheii und mit der linken Hand einen span'.'chen Brief, während ihr Mund eenen engsilchen spricht. Vie schre.bt zwe: ver- lchtodene Satz« mit je e.ner Hand, vorn l« i »nend, während sie den br.tlen mit einem im Mund feftgehaltenen Schreibstift von hrnten beginnt. Dann w.eder nimmt sie in jede Hand zwei Schreibstifte und schrerbt lo zweimal zwei öäge zu'ammen njnmt schsietzlich noch einen fünften Schreibst.lt in den Mund und schreibt fstnttach. Sie läht ich auS dem Publikum bk- verschiedensten Sprachen zuruien und schreibt Latze auf: mindestens 23 Sprachen beherrscht sie auf btefe Weil«. Oft schreibt sie den einen Latz in der fremden Sprache mit der rechten Hand von rechts nach links, den zweiten in einer andern Sprach« mit der l n!en $>anü von links nach rechts. Ferner Ichveibt sie fün1 Wörter gleichzeitig, j« »toet mit der rechten und der Lnlm 3-and uns ein» mit dem Schreibstift im THunb. Dann spielt sie Klavier. D.e R:chtt läßt den Bauernwaldes aus dem Freilchuh die ßinfe »Ach. du lieber Augustin" ertön n während der Wund „Freut euch des Lebens' singt. Endl ch läfr sie sich die Augen verbinden, lv'.rit mit sine» Hand Klavier und schreibt mit ter andern, von rückwärts beginnend, e nen Satz aus bie Tafel. Bei die'em Phänomen handelt es sich zweifellos am e nen Grad von bleöungLl'ihigkeit unb Deschicküchkeiz, der weit über daS o-toöhnliche Watz hinaus- 9«frt und d c ^^rcho-Phrtiologen beschälngt Thea ADa lagt selbst tesie durch Zußall auf ihvr au^ergewöhnsich« Begabung gestcHen und durch Dillensan'pannung und lange Hebung so weU gekommen sei. wie fie heut« M.


