Einzelbild herunterladen

Qfctfei (ausgerechnet l) zu feiten Berufen zählt, man nicht weih, aber zuweilen wissen muh. Der Amerikaner liest diese Ziffern wie ein ande­rer Romane liest. Es macht ihn stolz und ist ihm ein Ansporn, zu hören, daß in seinem Lande 11000 Millionäre leben: es schmeichelt ihm, die Höhe der Wollenkratzer zu vergleichen und zu wisien, was jeder einzelne gekostet hat. And es interessiert ihn, zu erfahren, daß feit 1820 rund 36i/2 Millionen Menschen nach den Vereinigten «Staaten ausgewandert sind.

Auch in Deutschland ist man gegenüber der Sprache der Zahlen nicht mehr ganz taub. Das «Statistische Reichs amt unterbreitet regel­mäßig in der ZeitschriftWirtschaft und Statistik" sehr brauchbares Material, und dann haben wir Das Statistische Jahrbuch, dessen Zusammenstel- lungen vortreffliche Ueberblicke gewähren. Diese periodischen Publikationen ergänzt neuerdings ein statistisches Werk von WI. Woytinskh, das ben anspruchsvollen TitelDie Welt in Zah­len" führt und ihn rechtfertigt. Run gut, sehen wir nach. Lasten wir einmal Zistern erzählen. Daß die Oberfläche der Erde zu 29 Prozent festes Land und zu 71 Prozent Wasser ist, daran erinnert man sich noch, aber man erfährt weiter. Daß

der ganze TBafferoorraf der Erdoberfläche auf 1330 Millionen Kubikkilometern berechnet wurde, wovon auf den Stillen Ozean allein 679 Millionen und auf den Atlantischen Ozean 375 Millionen Kubikkilometer entfallen. Anter den Bergen steht der Mount Everest mit 8882 Metern bekanntlich an der Spitze, aber der be­nachbarte Godwin Austen kommt ihm mit 8620 Metern ziemlich nahe. Dann folgen (sämtlich in Asien) der Tiratsch-Mir (7750 Meter), der Han-Tekusch (7320 Meter) und der Gaurisankar (7130 Meter), von den Bergen von über 5000 Meter Höhe gar nicht zu reden. Dagegen spielt Der Mont Blanc, Europas höchster Berg, mit seinen 4810 Metern eine nebensächliche Rolle. Rordamerika verfügt u, a. über den Mc Kinleh mit 6240 Meter Höhe, Südamerika über den Aconcagua in Argentinien (7040 Meter), Afrika über bai Kibo im Kilimandscharo (6010 Meter) und sogar Australien übertrumpft Europa mit dem 5100 Meter hohen Mt. Victoria. An V u l - lauen bietet Europa 8, Afrika 7, Amerika 78, Asien sogar 93 und auf den Inseln des Atlan­tischen und Stillen Ozeans gibt es außerdem 45 tätige Vulkane.

And wenn wir uns

die großen Ströme der Welt

Mischen, auch da tritt Europa gegenüber den anderen Erdteilen zurück. Gewiß, die Wolga hat eine Länge von 3600 Kilometern, die Donau 2800, der Dnsepr 2150 und nach mehreren ande­ren Strömen kommen der Rhein mit 1225, die Elbe mit 1165 und die Weichsel mit 1050 Kilo­metern. 3n Rordamerika durchfließt der Missis­sippi, der König der Ströme, ein Gebiet von 6730 Kilometer Länge und in Südamerika steht der Amazonenstrom (5570 Kilometer) an der Spitze. Afrika erscheint sehr repräsentativ in der Sta- tistik mit dem Ril (6400), dem Kongo (4640) und Dem Riger (4180 Kilometer). Unter den Strö­men Asiens steht der Jenissei mit 6220 Kilo­metern. in Australien der Darling-Murray mit 3490 Kilometern an der Spitze.

And wie stehts mit der Bevölkerung der Erde? Hier erzählt die «Statiftil die interessante­sten Dinge, z. D. daß Europa, das heute von über 450 Millionen Menschen bewohnt ist, im Jahr 1800 erst 175 Millionen Einwohner zählte. Das dichtbevölkerste Land Europas ist Belgien, wo auf einen Quadratkilometer Land 245 Menschen kommew in Deutschland 127, in Holland 200, in Frankreich 71, in Rußland (europäischer Teil) 23. Aeber die Hälfte der Menschheit (56 Prozent) wohnt in Asien, näm­lich etwas mehr als eine Milliarde Menschen, während Amerika 215 Millionen, Afrika 131 Millionen und Australien 9 Millionen Ein­wohner zählt.

von den insgesamt 1,8 Milliarden Menschen, die aus der Erde herumwimmeln, gehören etwas mehr als die hälfte (nämlich 920 Millionen, gleich 50,5 Prozent) der weißen Rasse an.

.Aber man muh wisien, was alles zur weihen Rasse gerechnet wird: nicht nur Ost- und Westarier (also Germanen, Romanen und Sla­wen) sondern auch Semiten und Hamiten, also Araber, Abessinier, Rubier, Derber. Kopten usw. Die Germanen treten mit 268 Millionen auf, die Romanen mit 167 Millionen und die Slawen mit 154 Millionen. Die mongolische Rasse um­faßt über 600 Millionen Menschen, während die Indianer (die Devöllerung Amerikas), noch 15 Millionen aufweisen. An Regern wurden gezählt: in Afrika 61 Millionen, in Amerika 25 Millionen, hinzu kommen noch in Afrika die Bantu, Kaffern und andere schwarzfarbige Stämme mit 28 Millionen.

welche Sprachen werden am meisten gesprochen? Auch da erlebt man einige Ueberraschungen. Ge­wiß Englisch sprechen 163 Millionen, Deutsch 93 Millionen, Spanisch 80. Russisch 70, Fran­zösisch 45, aber Chinesisch sprechen 435 Mil­lionen und Indisch 230 Millionen I

Und nun noch einiges über die Religionen und Konfessionen. Auf dem ganzen Erdball gibt es (in Millionen): (Christen 650, Buddhisten 570, Mohammedaner 250, Brahmanen 235. Schama­nen und Fetischisten 90, Juden 14. Unter den Christen sind 300 Millionen römisch-katholisch, 230 Millionen evangelisch und 120 Millionen griechisch-katholisch.

Das Verhältnis der Geschlechter wurde ebenfalls zahlenmäßig erfaßt. Und da erfährt man denn, daß Europa der einzige Erd­teil ist, wo die Zahl der Frauen die der Männer überwiegt.

Auf 1000 Männer kommen 1024 Frauen.

Dagegen kommen auf 1000 Männer in Asten nur 958 Frauen, in Amerika 973, in Afrika 968 unb in Australien gar nur 822. Die Frauen sind aber nicht nur in der begünstigten Minorität (im Hinblick auf die Heiratsaussichten), sondern sie erreichen auch ein höheres Alter als die Männer, wenigstens in Deutschland, wo im Jahre 1910 Den 793 000 Männern, die älter als 70 Jahre waren, 1040 000 Frauen gegcnüberstanden. Et­wa 5000 Greise und rund 9000 Frauen hatten Das 90. Lebensjahr überschritten.

Aber die Statistik gibt auch noch weitere Aus­künfte. Sie sagt uns. das; der Februar (trotz seiner 28 Tage) in Deutschland der geburten­reichste Monat ist und daß die meisten Hochzeiten im Mai, Oktober und Rovember stattfinden. Und welcher Beruf ist der gesündeste?

Auch darauf weiß die Statistik eine Antwort: der des Geistlichen, während der Beruf des

.V Stetchllchkeitszsifer aufweisen. Auf 100 Todesfälle im Beruf des Geistlichen ent­fallen 202 im Berus des Arztes und sogar 274 Gastwirte, die also noch viel mehr auf gerieben werden Die meisten Selbstmorde werden in den Monaten April. Mai und Juni begangen, und zwar steigert sich die Lebensmüdigkeit mit zunehmendem Alter. 3m 3ahre 1921 begingen in Deutschland 12 764 Menschen Selbstmord, dar­unter 8693 Männer und 4071 Frauen. 3nner- halb der borangegangenen zwanzig Jahre er-

retchke Das Jahr 1913 mit 15 564 Selbstmorden einen traurigen Rekord.

Der Reichtum der ganzen Welt betrug vor dem Krieg schätzungsweise 4000 Milliarden Gold­mark. Davon vernichtete der Weltkrieg 35 Proz.

Auch Ziffern Haben, wie man sieht, ihre Sprache und eine Statistik ist lebendiges Ma­terial. Sie ist ein Spiegel, in dem wir den Gang des Lebens in der ganzen Fülle der Er­scheinungen erbllcken. Und dieser Spiegel ist untrüglich. Ernst Valentin

£anMrankefaiftn

Von gutunterrichteter Sette wird uns ge­schrieben: D. Red.

Anläßlich der Hessischen landwirtschaftllchen Landesausstellung vom 15. bis 20. September in Darmstadt sind auch die hessischen Landkrankenkassen in der Oeffentlichkeit erschienen, um ihre Beziehungen zum Landvolk weiteren Kreisen der landwirt­schaftlichen Bevölkerung bei dieser Gelegenheit darzulegen, und um den Rachweis der wirt­schaftlichen Rotwendigkeit ihrer Aufrechterhaltung zu erbringen.

Es hat bei der ländlichen Krankenversiche­rung Zeiten gegeben, in denen sich die Land­krankenkassen und die Landwirte feindlich gegen­überstanden und sich sogar bekämpften. Es war dies in den Jnflationsjahren. wobei allerdings festgestellt werden muß. daß dieser unerfreuliche Zustand in unserem Hessenlande nicht eingetreten war, Wohl aber in preußischen Provinzen. Diese Verhältnisse sind jedoch heute längst überwunden: auch die ehemaligen Gegner der Landkranken­kassen in landwirtschaftlichen Kreisen haben in­zwischen die Rotwendigkeit ihres Weiterbestehens und ihre Vorteile für das Landvolk eingesehen, und in landwirtschaftlichen Kreisen denkt wohl heute niemand mehr ernstlich daran, die Land» krankenkassen eingehen zu lassen bzw. mit den Ortskrankenkassen zu verschmelzen. Es mußte erst die Jnsiation kommen mit der Untragbarfeit der Krankcnkassenbeiträge, die teilweise sogar zu einem direkten Beitragsstreik führte, um ein gründlicheres Studium der Kran­kenversicherung seitens der Land­wirtschaft zu erreichen.

Die Landkrankenkassen entstanden erst am 1. Januar 1914 unter der Reichsvcrsichcrungs- ordnung, während die Ortskrankenkassen bereits seit dem Jahre 1883. dem Geburtsjahre unserer deutschen «Sozialversicherung, bestehen. Die Orts­krankenkassen hatten im Jahre 1914 in ihrem mehr als dreißigjährigen Bestehen zweifellos allerhand Gutes auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge geleistet: das soll nicht bestritten wer­den Es bleibt jedoch zu beachten, daß die all­gemeine Ausdehnung der Krankenversicherungs- Pflicht auf das Land erst mit Beginn des Jahres 1914 erfolgte, und daß bei dieser Gelegenheit vom Gesetzgeber aus wohlerwogenen Gründen ausdrücklich besondere LanDkrankenrasien geschaf­fen wurden.

Es entsteht mm die Frage, ob diese Gründe in dem mehr als zehnjährigen Bestehen der deutschen Landkrankenkasien sich als zutreffend bewährt haben, oder ob sie heute als hinfällig zu betrachten sind. Die Entwicklung Der länd­lichen Krankenversicherung hat mm zweifellos erwiesen, daß die deutschen Landkran- kenkassen ihre volle Existenzberech­tigung haben @8 hat sich herausgestellt, daß die Verhältnisse auf dem Lande doch wesent­lich anders liegen als in Den Städten, ganz be­sonders in den Großstädten, und Daß das Inter­esse der Landbevöllerung die Beibehaltung einer eigens auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen be­sonderen Kassenart, nämlich die Landkrankenkassen, erfordert. Sehr interessant und beachtenswert ist hierbei die Begründung zur Reichsversicherungs- vrdnung, die bezüglich dieser besonderen Kassen- art ausführte, daß sich die Landbevölkerung nach ihren Anschauungen und Lebensgewohnheiten ihre alte Eigenart und «Sonderstellung gewahrt habe, und daß für sie in gerne infamen Kassen die Gefahr nahe liege, daß sie bei der Ausübung der Selbstverwaltungsbefugnisse, ins­besondere bei den Wahlen, von ihren städtischen Kassengenosien in den Hintergrund ge­drängt und von einer wirk!amen Vertretung ihrer besonderen Eigeninteressen ausgeschlossen würden. Die gegen die Landkranfenkassen er­hobenen Vorwürfe zu entkräften, ist nicht schwer. Rach ihrer Begründung wurden die Landkran- fenfaffen zunächst als rückständig bezeichnet, weil sie sich ihre Organe, Vorstand und Ausschuß, nicht selbst wählen durften, sondern diese vom Kreistage ernannt wurden. Es muß aber fest- gestellt werden, daß die Landkrankenkassen bei diesem System nicht schlecht gefahren sind, da nur sozial empfindende, vertrauenswürdige Män­ner vom Kreistage gewählt wurden. Jnzwsichen ist aber bekanntlich durch die Reform der Reichs­versicherungsordnung diese Bestimmung geändert worden, und heute ist der Verwaltunasaufbau der Landkrankenkassen vollkommen dem der Orts­krankenkassen Durch die Einführung der allge­meinen Wahlen angepaßt. Auch der früher gegen die Landkrankenrassen erhobene Vorwurf, sie seien in ihren Leistungen rückständig, ist heute überholt durch die Aenderung der Reichs- versicherungsordnung, denn die Landkranfenkassen stellen sich mit ihren Leistungen ben Ortskranken­kassen vollwertig zur Seite.

Zur Begründung der wirtschaftlichen Rotwendigkeit der Landfrankenfasien muß aber vor allen Dingen auf einen Hauptpunkt hingewiesen werden, der in der grundverschie­denen Einstellung des Landarbeiters zur Krankenversicherimg gegenüber dem Industrie­arbeiter besteht. Das Kernstück der ganzen Krankenversicherung ist und bleibt die ärzt­liche Behandlung. Bei dem städtischen Arbeiter besteht die ärztliche Behandlung in erster Linie in Sprechstundenberatungen oder in Besuchen in der Wohnung des Kranken, die in der Regel in erreichbarer Rähe liegt. Anders bei dem landwirtschaftlichen Arbeiter. Hier er­fordert oftmals ein Besuch eine Fahrt des Arz­tes von vielen Kilometern über Land. Die Kosten dieser Ueberlandsahrten der Aerzte machen bei den Landkrankenkasien nach der vom Reichsver­band der deutschen Landfrankenkassen gemachten statistischen Feststellungen etwa ein Drittel und mehr der gesamten Kosten für ärztliche Be­handlung aus. Diese Verschiedenheit müßte da­zu führen, daß in den gewerblichen Ortskranken­kassen die Arztvergütung fast durchweg, abgesehen von einigen kleineren Ortskrankenkasien mit länd-

md Landwirtschaft.

lichen Bezirken, nach dem Pauschalshstem auf den Kopf des Versicherten erfolgt, während bei den Landkrankenkafsen naturgemäß das System der Bezahlung nach den wirklichen ärztlichen Einzel­leistungen eingeführt ist. Rur bei diesem System erhält der Versicherte auf dem Lande wirklich ausreichende ärztliche Hllfe, da nur bei diesem System der Arzt unmittelbar daran interessiert ist, die oft weiten Landfahrten zu machen. Eine Verschmelzung mit den Ortskrankenkassen würde dem Landarmster eine Gefährdung dieser wich­tigsten Errungenschaft bringen. Roch ein anderer wichtiger Unterschied ist zwischen den beiden Kaffenarten zu berücksichtigen. Bei den Land- krankenkasien liegt der Schwerpunkt der Kran- kenversicherung in der Gewährung der ärzt­lichen Hilfe, bei den Ortskrankenkassen in den Barleistungen, im Krankengeld. Hier liegt einer der wesentlichsten Unterschiede zwi­schen den beiden Kassenarten, die in der Ratur der Beschäftigung und der ganzen sonstigen Le­bensverhältnisse der Versicherten liegt, und dieser läßt sich nun einmal nicht überbrücken

Wenn man sich ein richtiges Urteil bllden will, ob besondere Krankenkassen für die land­wirtschaftlichen Arbeiter notwendig sind, sotft es notwendig, daß man auch die Frage prüft, ob die Landarbeiter ebenso oft und so lange krank sind, wie die Industriearbeiter. Rach der Veröffentlichung des Statistischen Reichsamts ent* fielen im Jahre 1922 auf ein Kasienmitglied bei den Landkrankenkasien 0,3 Erkrankungsfälle mit 6,5 Krankheitstagen, bei den Ortskrankenkassen 0,5 Erkrankungsfalle mit 10 Krankheitstagen. E i n Erkrankungsfall kam bei den Landkrankenkasien auf 2,9 Mitglieder, bei den Ortskrankenkassen auf 2,1 Mitglieder. Es ist also hier der amtliche Rachweis erbracht, daß der Landarbeiter weniger krank ist als der Industrie­arbeiter. Soll nun der unter gesünderen Ver­hältnissen lebende Landarbeiter die Lasten für Den zwar höher bezahlten, aber auch ein viel schlech­teres Risiko für die Krankenkassen bildenden Industriearbeiter mittragen? Sicherlich nicht! Die Folge dieser Feststellung ist. daß auch in den meisten Fällen die Beiträge der Landkrankenkassen niedriger sind als die der Ortskrankenkassen, wie gleichfalls aus der amtlichen Statistik des deut­schen Reiches bewiesen werden kann.

Einige Worte seien hier auch zu einem Vor­wurf gesagt, den man öfters liest, und den man ganz allgemein den Krankenkassen macht. Es wird nämlich behauptet, die Krankenkassen würden im Gelde schwimmen, und zum Beweise Dafür wird Die Errichtung großer Verwaltungsgebäude durch Kassen angeführt. Es darf wohl überhaupt be­zweifelt werden, ob diese Behauptung bei den noch ständig steigenden Ausgaben Der Kassen für die Aerzte richtig ist, die Landkrankenkasien je­denfalls schwimmen weder im Geld, noch bauen sie kostspielige Verwaltungsgebäude oder Ge­nesungsheime.

Zum Schlusie sei noch darauf hingewiesen, daß die Landkrankenkassen in Hessen im Ein­vernehmen mit der Hessischen Landwirtschafts­kammer und dem landwirtschaftlichen Arbeit- gebetoerbanb innerhalb der gesetzlichen Mög­lichkeit eine Versicherungsart für die Landwirte in ihren Kreisen geschaffen haben, die auf der einen Seite eine wirkliche Sicherung dar stellt und auf der anderen Seite mit Rücksicht auf die Sage der Landwirtschaft die Beiträge in er­träglichen Grenzen läßt. Es wurde davon aus­gegangen. daß die Landwirte auf Krankengeld keinen allzu großen Wert legen, daß dies also Wegfällen kann, wodurch die Beiträge gegenüber der sonstigen freitoitligen Versicherung um ein Viertel ermäßigt werden konnten. Die Ver­sicherung bietet einesteils durch ihre Leistungen, anderseits durch die niederen Beiträge für die Landwirte aus diesen Kreisen einen großen Vor­teil und wird auch allerseits als günstig an­erkannt. Möge deshalb jeder Landwirt, auf den die Bedingungen zutreffen, sei es für sich selbst oder für seine Söhne und Töchter, von dieser Versicherungsmöglichkeit Gebrauch machen.

Große StiGffammer Gießen.

* Gießen, 20. Sept. Gin über 70 Jahre alter Knecht wurde beschuldigt, an zwei Mädchen unter 14 wahren unsittliche Handlungen vorge- nommen zu haben. Die Staatsanwaltschaft stand in erster Instanz auf Dem Standpunkt, daß zwei selbständige Handlungen vorlägen. Das Schöffen­gericht entschied aber, daß nur eine fortgesetzte Handlung in Frage käme und erkannte gegen den Knecht auf eine Strafe von 6Monateni Gefängnis. Gegen dieses Urteil legte der Staatsanwalt Berufung ein. In der heutigen Verhandlung hatte das Gericht wegen des hohen Alters des Angellagten und trotz des Geständ­nisses desselben Bedenken hinsichtlich seiner vollen Strafverantwortlichkett, und beschloß zunächst Untersuchung des Angeklagten auf seinen Geisteszustand durch einen «Sach­verständigen.

Ein wiederholt wegen Diebstahls vorbestrafter Gelegenheitsarbeiter war vom Amtsgericht we­gen Rückfallsdiebstahls zu 5 Monaten Ge­fängnis verurteilt worden. Aus seine Berufung sollte heute die Strafkammer entscheiden. Da der Angeklagte aber trotz ordnungsmäßiger La­dung nicht zum Termin erschienen war, wurde seine Berufung verworfen.

Ein Handelsvertreter war wegen Urkunden- sälschung in einem Falle und wegen mehrfcuhen Betrugs vom Amtsgericht zu zusammen sieben Wochen Gefängnis verurteilt worden. Gegen dieses Urteil verfolgte er Berufung, um eine Herabsetzung der Strafe zu erreichen. Seine Berufung hatte insofern Erfolg. Die Berufungs- Verhandlung führte zu denselben Feststellungen, roie die erste Instanz. Aber mit Rücksicht auf die Rotlage und die zur fraglichen Zeit bestehen­den traurigen Familienverhältnisse ermäßigte das Berufungsgericht die Strafe auf 3Wvchen Gefängnis.

Wirtschaft.

Verschlechterung der deutschen Zahlungsbilanz Im 1. Halbjahr 1927

Das Statistische Reicbsamt veröffentlicht jetzt inWirtschaft und Statistik" eine Ausstellung der deutschen Zahlungsbilanz im ersten Halbjahr 1 927. Die Veröffent­lichung behält grundsätzlich dieselben Methoden bei, weicht aber in der Darstellung der Ziffern und in einigen Fällen auch in den Ziffern selbst von den früheren Deröffentlichungen ab. (Ls wird beispielsweise die gesamte deutsche Leistung an den Reparationsagenten erfaßt. Die Kapitalbll- dung ist systematisch neu ^gliedert worden, wäh­rend die bisherige Gliederung diejenigen Trans­aktionen in den Vordergrund gerückt hatte, die ür die erste Zeit nach der Stabilisierung charak­teristisch waren. Damit ist auch eine andere Be­handlung der Gold- und der Devisenbewegung der Reichsbank erforderlich geworden, indem Gold- und Deckungsdevisen, soweit sie hin und herfluktuieren, in die Reihe der kurzfristigen Kapitalbewegungen auf genommen worden sind. Unter Berücksichtigung dieser Vorbemerkungen, die im einzelnen noch zu ergänzen wären, ergibt ich, daß die deutsche Zahlungsbilanz der Monate Januar bis Juni 1927 durch die starke Passivität der Handelsbilanz und das Stocken im Zufluß langfristiger Ausland- anleihen bestimmt wird. Sie Hal in dieser Zeit einen Passivsaldo von 2,154 Milliar­den Mark ergeben. Aus dem Warenver­kehr ergibt sich ein beträchtlicher Einfuhrüber­schuß von insgesamt 1479 Mill. Mark, gegenüber einem Aktivsaldo von 928 Mill. Mark für das ganze Jahr 1926. Einen erheblichen Passivposten bilden die Reparationsleistungen mit 727 Mill. Mark. Die Passivität des Saldos der Zinsfvrderungen und - Verpflichtun­gen hat sich infolge der hohen Auslandanleihen des Vorjahres stark vermehrt und wird mit 117 Mill. Mark errechnet, gegenüber 193 Mill. Mark für das ganze Jahr 1926. Die Aktivsalden aus Dienstleistungen (154 Mill. Mark) und Kapitalübertragung im Waren­verkehr (15 Mill. Mark) sind im Verhältnis unbedeutend. Der langfristige Kapital­verkehr, der in den früheren Jahren den wich­tigsten Aktivposten darstellte, svielt diesmal für den Ausgleich keine Rolle. Die langfristigen Auslandanleihen sind fast auf des Halbjahrs Durchschnitts des Vorjahres flurücf ge­gangen. Für die Deckung des Passivsaldvs von über 2 Milliarden kamen daher nur kurz­fristige Kapitalbewegungen und Ver­mögensübertragung in Betracht. In welchem Ausmaß eine Vermögensübertragung durch ausländische Käufe deutscher Effekten ftatt- gefunden hat, ist leider nicht bekannt. Ebenso lassen sich von der kurzfristigen Kapitalbewegung nur einzelne Ausschnitte unmittelbar ermitteln oder schätzen. Die Gold- und Devisen­reserven der Reichsbank sind beträcht­lich vermindert worden. Die Abnahme der De­visenbestände ist mit etwa 900 Mill. Mark anzu­nehmen, die Abnahme der Goldreserve beträgt 28 Mill. Mark. Das Statistische ReichSamt macht schließlich die Feststellung, daß als Formen der Aufnahme von neuen kurzfristigen Krediten für den Ausgleich der Zahlungsbilanz in Frage kommen: 1. eine Erhöhung der unmittelbar von Deutschland an das Ausland gewährten Waren- hxbite durch Erleichterung der Zahlungsbedin­gungen, 2. Börsenkredite, 3. kurzfristige Kredite, die wahrscheinlich in Form langfristiger Anleihen ausgenommen worden wären, wenn nicht diese Form infolge der Belastung durch die Kapital­ertragssteuer unzweckmäßig erschienen wäre. Ins­gesamt betrachtet hat sich also die deutsche Zahlungsbilanz gegenüber den drei Vorjahren verschlechtert. Unter Zu­grundelegung der jetzt errechneten Zahlen für das erste Halbjahr 1927 würde sich für das ganze Jahr 1927 ein Passivsaldo von rund 4,3 Milliar­den Mark ergeben, gegenüber einem solchen von 114 Mill. Mark im Jahre 1926 und 3,9 Milliar­den Mark in 1925 und 2,4 Milliarden Mark in 1924.

Der deutsche Außenhandel im August.

Der deutsche Außenhandel zeigt« im A u g u ft im reinen Warenverkehr einen Sinfuh r- Überschuh von 292 Millionen gegen 431 Mil­lionen Mark im Vormonat.

Die Einfuhr im reinen Warenverkehr zeigt im August gegenüber dem Vormonat eine Ab­nahme um 117 Millionen Mark, die haupt­sächlich auf die verminderte Einfuhr an Lebens­mitteln (um 101 Millionen Mark) zurückzuführen ist. Bei der Einfuhr von Rohstoffen und Halb­fertigwaren, sowie Fertigwaren ergibt sich eine nur unbedeutende Abschwächung (um 14 bzw. 2 Millionen Mark).

Die Ausfuhr zeigt eine Zunahme um 21,6 Millionen Mark. Die Ausfuhr an Fertig­waren zeigt dagegen eine leichte Abschwächung (um 5 Millionen Mark). Die Einfuhr an Gold und Silber zeigt eine beträchtliche Zunahme (um 44,7 Millionen Mark). Die Ausfuhr ist nahezu unverändert geblieben.

Der Werkspionagefall Riebe-Norina.

Zu der Polizeiaktion gegen die Riebe- Werke in Berlin-Weißensee nahm der Auffichtsratsvorsihende dieser Gesellschaft, Rich. Kahn, in einer längeren Erklärung Stellung, in der er dem W.T.D.-Handelsdienst zufolge die Vorgänge lediglich als eine Arrswirkung des harten Konkurrenzkampfes mit der S. K. F. Rorma-Kugellagerfabrik bezeichnete. Die wenigen im Riebe-Werk beschäftigten ebemaL Angestellten der Rorma-Werke, zwei Werkmeister unb ein Vorarbeiter, seien keinesfalls im Besitz von Betriebsgeheimnissen der früheren Firma gewesen. Engagementsverhandlungen mit einem ehemaligen maßgebenden Ingenieur der Rorma- Werke hätten sich zerschlagen, da der Betresfende das Angebot eines «Schweizer Konzerns vorzog. Dieser Konzern habe von den Riebe-Werken einen Auftrag auf Lieferung von Werkzeug­maschinen erhallen. Wenn bei der Ausführung die Erfahrungen des Ingenieurs mitverwendet worden seien, könne dies keine strafbare Hand- timg sein, da es in der Kugellagerfabrikation Patentrechte nicht mehr gebe. Bei der Haus­suchung hätten vier leitende Herren der Rorma- Werke unter dem Schuh der Polizei Gelegenheit gehabt, zwölf Stunden lang alle Interna Des Betriebes eingehend zu studieren. Die restlose Abriegelung des Werkes sei nur möglich gewesen,

her fe,t

Verte ®

Sie. kichen^ 'M-hdei rvotden 6.R.5'

firmen Hotrna* flätung lvar da« Vorhand breitet

Hngestc! Lichts tojgen Zortseh« Sputen, Mim fei den genieur

gestellte« regelnd vurse 1 tcrial trn

CUtvM entschloß. Itorma^ gesunden Helfern stöhlen' des tech

lig, m Karr, an üh führlich lichen 1 vetstänk mahnte.

Dirtffa

2e sige Kot mittag 6 Diebes trag de Haftel Wich, den näi den. 21 fache a Wichs Leitet gesunde 3ngenü rät, bereits Epiona spvndcr drei ir ständ Direltv method haben.

' D (ligtf Ptelfeti an das

b^rvzeu leihe im lars gei zeichnun Urschrei landanlc wird ar von mt - öffentlid

£' Dk $ »n(.

Auslos - Desaf. Ok T,o »ran«

'Wtiontn

Ss

s

von 19|;

feg Ntz

ÖS