Nr. 222 Zweites Blatt
Tüdflawien und Mitteleuropa.
Don unserem W. W.-Sonderberichterstotter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Belgrad, Mitte September 1927.
Auch im südslawischen Königreich steht zumindest propagandistisch die Innenpolitik weil vor der Außenpolitik. Daß der Außenminister M a rin- ko w i t s ch bei außenpolitischen Kongressen wie dem der interparlamentarischen Union war oder heute in Gens bei der Ratstagung weilt, erfuhr man in Belgrad während der nunmehr endlich abgeschlossenen Wahlperiode höchstens aus den nichtsüdslawischen Blättern; die Belgrader'Presse, auch die der Regierung zunächst stehende, war ganz vom parteipolitischen Kampfe erfüllt. So mag als wesentlicher Eindruck des Mitteleuropäers, welcher über Sawe und Donau die Hauptstadt Serbiens zum erstenmal betritt, festgehallen werden, daß die pröble» matische Lage des neuen großserbischen Staates, sein zweifellos nicht ausgetragener Konflikt mit Italien, feine Stellung zum ungarischen und bulgarischen Nachbar und seine sichtbar gewordene Isolierung (trotz der bereits traditionell scheinenden französischen Freundschaft) außerhalb der südslawischen Staatsgrenzen als eine europäiscl)e Frage mehr erörtert wird als innerhalb derselben.
Der serbische Staat brachte es 1914 (unter geschickter Ausnutzung der russischen Rückendeckung) fertig, sich zum „Mittelpunkt Europas" zu machen beziehungsweise die erste Brandfackel an den europäischen Staatenbau zu legen. Der Frieden schenkte ihm (mit Hilfe der großen westeuropäischen Ententestaaten) die Erfüllung des großserbischen Traumes, die Verwirklichung des „Königsreichs der Serben, Kroaten und Slowenen", die Grenze an Drau und Adria, den Gewinn Mazedoniens. Die serbischen Grenzen wurden vom Balkan weit nach Mitteleuropa hinein verlegt und so ähnlich wie in Rumänien ein ursprünglich kleines Staatsterritormm so gewaltig vergrößert, daß zur entscheidenden Frage der Nachkriegszeit wurde, wie der Kern sich mit den gewaltsam annektierten Randgebieten auf die Dauer ausgleichen könnte.
Gemessen an Rumänien zeigt der südslawische Staat zweifellos wachsende Konsolidierung — und, bei allem innerpolitischen Parteien- streit, welcher hier im allgemeinen ungleich persönlicher geführt wird als in Europa, offenbarten auch die Wahlen vom 11. September, daß sich innerhalb der Parteien ein Ausgleich anbahnt, daß der von Pasitsch und Pribitschewitsch am schärfsten verfochtene serbische Zentralismus gewissen f ö d e - rolistischen Konzessionen an die Länder untergeordnet werden soll. Das ist vielleicht der eigentliche Sinn dieser Wahlen und der freilich bisher nicht geglüdten Versuche, über die Grenzen der bisherigen Parteizersplitterung hinaus eine größere „vierte Partei" zu bilden, was auch im Interesse der Kron« läge; denn das System des „zur rechten Zeit gestorbenen" Diktators Pasitsch war ja eine seltsame Mischung von parlamentarischem Regime und rückhaltloser Diktatur der einen radikalen Partei (innerhalb deren nunmehr die eigerttlichen Anhänger Pasitsch' der gemäßigteren Gruppe, den Regierungs- Radikalen, unterlegen sind) — mit dem Ziel: die Funktionäre nur dieser Partei im gesamten Staatsgetriebe, in den allserbischen wie den neu gewonnenen Gebieten, unterzubringen. Das System Pasitsch aber führte fast mtturnotwendig zur K o r - ruption, die sich um so schärfer fühlbar machte, als die neu gewonnenen Gebiete, mehr oder weniger unter Ausnahmezustand gestellt, hilflos der Willkür der radikalen Parteiftmkttonäre ausgesetzt waren.
Auf dem Balkan herrscht ein anderer Gebens- rhythmus als in Mitteleuropa; noch von türkischer Zeit her sind „Geduld u n d Z e i t" beliebte Begriffe; aber wenn diese Zahlen von allen südslawischen Parteien hefttg von der Parole „gegen die Korruption" (der anderen) getragen wurden, so deutete sich darin doch eine gewisse Erkenntnis an, daß das bisherige System die Grenze erreicht hatte, daß der innerpolitische Zustand wesentlicher Grund der außenpolitischen Schwäche geworden war. Das Glück des Krieges führte zu unberechtigter S e l b st ü bersch ä tz u n g , und diese Selbstüberschätzung hat in der bisherigen Auseinandersetzung mit Italien eine
Technisches von der Frankfurter Herbstmesse.
Don unserem nach Frankfurt entsandten technischen QHitarbeiter.
Wie auf der Kölner und bis zum gewissen Grade auch auf der Leipziger Messe, so hat sich auch auf der Frankfurter Messe eingebürgert, daß außer dem eigentlichen Messebetrieb auf ein Gebiet unseres Wirtschaftslebens näher einge- gangen wird, dessen Rationalisierungsbestrebun- gen jeweils im Vordergründe des Interesses stehen. Wir erinnern an die Textilschau Herbst 1926 und an die Frage der Rationalisierung im Bauwesen und Haushalt im Frühjahr 1927. Bei diesen Veranstaltungen wurde das erstrebte Ziel erreicht, und Zehntausende von Menschen mit dem Gedanken der Wirtschaftlichkeit vertraut gemacht. Das aber ist es gerade, worauf es ankommt. Amerika hätte niemals den gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung erreicht, wenn es dort nicht gelungen wäre, das ganze Voll zum Kampfe gegen „waste in industry“, d.h. gegen die Verschwendung im Wirtschaftsprozeß mobil zu machen. Wir nennen nur das uns heute nahe liegende Beispiel des kalifornischen Obstbaues. Der Landwirt und Obstzüchter bat sich hier freiwillig auf den Absatz eingestellt und untertoirft sich den Standardisierungsvorschriften, die alles 8um Transport und zum Verkauf ungeeignete Obst ausschalten. Dadurch werden nur noch Obstsorten gleicher Güte und Sorte geliefert, und der Verbraucher weiß genau, daß er mit der gewohnten Ware rechnen kann. Dies steigert natürlich den Absatz gewalttg. Für den Gemüsebau gelten ähnliche Grundsätze. Cs unterliegt feinem Zweifel, dah es auch in Deutschland möglich ist, die Obst- und Gemüseerzeugung wesentlich zu steigern und weiten landwirtschaftlichen Kreisen zum Ruhen unserer Volkswirtschaft erhebliche Einnahmequellen zu erschließen.
Erfreulicherweise seht sich diese Erkenntnis durch. Erst kürzlich haben die in Kassel versammelten Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften sich geschlossen für eine Standardisierung der Agrarprodukte ausgesprochen, um auch der deutschen Landwirtschaft die Eingliederung in die weltwirtschaftliche Verpflichtung unserer Gesamtwirtschaft zu erleichtern. Dadurch wird nicht nur die Erzeugung und der
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag, 22. September 1927
beträchtliche Rolle gespielt; sie ließ zeitweilig die beschränkten eigenen Kräfte vergessen und zeitigte schwere Rückschläge, an denen auch die französische Freundschaft letztlich nichts ändern konnte. Südslawien gehört, zumal nach dem Kriege, zum mitteleuropäischen Raum, wirtschaftlich und politisch. Auch das war natürlich: daß unter dem Eindruck der Schwäche, den. das Albanien-Abenteuer vorübergehend in der südslawischen Intelligenz erzeugte, zum erstenmal in der Oeffentlichkeit wieder e i n stärkeres Interesse an Mitteleuropa und — Deutschland rege wurde. Man bemühte
Diese Aeußerungen einer neuen Sympathie mürben im Reiche bereitwillig ausgenommen; aber sie sollten nicht überschätzt werden, auch wenn der deutsch-südslawische Handelsvertrag sich günstig aus- wirken und eine tatsächliche wirtschaftliche Annäherung erbringen sollt«. Denn innen- und außenpolitisch hat der südslawische Staat im Grunde noch nicht die Probe bestanden, daß er „europäisch" geworden ist. Die außenpolitische Bedrohung bleibt so lange bestehen, als nicht eine Befriedung der Interessen zumindest gegenüber Ungarn und Bulgarien erfolgt ist (und gerade die Versuche eines süd-
Preisausschreiben
in der wöchentlich einmal am Donnerstag erscheinenden Beilage des Gießener Anzeigers
Heimat im Bild
offen für alle Bezieher des Gießener Anzeigers und für Neubesteller zum
1. Oktober, sowie für deren Familienangehörige.
Bedingungen
Das Preisausschreiben erstreckt sich über die Ausgaben von „Heimat im Bild" Nr. 38 bis einschließlich 40 in der Zeit vom 22. September bis 6. Oktober 1927.
In jeder dieser Nummern von „Heimat im Bild" sind eine Reihe von Lichtbildaufnahmen aus der Landschaft Oberhessens und der angrenzenden Bezirke wiedergegeben.
Das Ziel der Teilnehmer am Preisausschreiben soll sein,
die Landschaftsausschnitte zu erkennen
und in fortlaufender Nummernfolge von 1 bis 16 möglichst lückenlos und kurz zu bezeichnen. Nicht erkannte Bilder sind durch einen Strich neben der Nummer kenntlich zu machen. Die schriftliche Aufstellung ist bei der Redaktion von „Heimat im Bild", Gießen, Schulstraße 7, einzureichen.
Die Annahmezeit für die Losungen beginnt am 7. Oktober 1927. Der Schlußtag ist auf den 15. Oktober festgesetzt. Spätere Eingänge bleiben unberücksichtigt.
Sämtliche Lösungen müffen an der Spitze Namen, Stand, Wohnort, Straße und Hausnummer des Einsenders tragen. Die Beifügung der Oktoberquittung über den Bezug des Gießener Anzeigers ist Bedingung.
Die Teilnehmer erkennen die Entscheidung über die Preisverteilung als endgültig an.
Die Preisträger werden nach Vollständigkeit und Richtigkeit der einlaufenden Lösungen ermittelt. Es kommen 20 Bücher bezw. Bilder zur Verteilung.
Der!ag und Redaktion des Gießener Anzeigers.
sich sogar mit übertriebenem Eifer mit dem Nachweis, daß zwischen dem Deutschen Reiche und dem südslawischen Staate keine tiefgreifenden Gegensätze vorhanden wären, daß also eine südslawisch-deutsche Freundschaft hn Interesse beider Länder gelegen wäre.
Abiah erhöht und der Preis der Produkte gesenkt, sondern auch der Gewinn des Erzeugers gairz erheblich vermehrt werden. Wie erfreulich dies für unsere Volkswirtschaft und die Lebens- Haltung unseres Volkes ist, braucht wohl nicht näher erörtert zu werden.
3n diesem Sinne ist und wird die Sonder- schau „Blumen und Früchte" auf der Frankfurter Messe ein Markstein auf dem Wege dazu sein, die Lebensbedingungen des deutschen Volkes zu verbessern. Dazu kommt noch, daß Obst und Gemüse mit unsere gesündesten uird bekömmlichsten Rayrungsmittel sind.
Eine llebersicht „Frische Früchte und Gemüse der Jahreszeit" aus fast allen Gauen Deutschlands zeigt, was wir alles heute schon dem Markt zur Verfügung stellen tonnen. Ein interessantes Gegenstück dazu sind die beiden Gruppen aus Holland und Italien. Besonders von Holland können wir lernen, wie man durch eine intensive Kultur die Erzeugung steigern und auch qualitativ verbessern farm. Beide Gruppen sind mustergültig in der Aufmachung und im Verpacken der Ware, um den Wünschen des Käufers entgegenzukommen.
Mit recht viel Interesse finden die ausgestellten Obstsortiermaschinen verschieden Systeme, nämlich nach System Cuttler (Amerika), Viking (Schweiz), Rinck (Deutschland) und eine holländischen Systems. Beim amerikanischen System Cuttler ist besonderer Wert auf eine „fließende Arbeit" gelegt. Daran schließt sich ein großer von C. H. Walb u. Co. hergestellter Kühl- raum mit Lindes Eismaschinen und einer Siemens-Halske-Ozonanlage an. Die Aufbewahrung in kühler und gesunder Luft ist ja für Obst und Gemüse besonders wichtig. Man bekommt auf diesen beiden Ständen einen Einblick, wie ungeheuer viel unsere Landwirtschaft hier noch Der- besfern kann, um technisch auf der Höhe zu sein.
Von den verschiedentlich ausgestellten Kühlanlagen und Kühlschränken ist besonders der Belco-Kelvinator zu erwähnen, der technisch ganz außerordentlich gut durchgebildet ist. Er beruht auf dem Prinzip der elektrischen Dauerkühlung ohne Eis und Wasser. Die Kälte wird auto- mattsch ohne jede weitere Wartung wieder erzeugt, sobald sie unter eine gewisse Temperatur gesunken ist.
Weiterhin für Gemüse- und Obst-Konservierung wichtig sind die Dörrapparate, die u. a.
ftawi!ch-bulgarischen Ausgleichs sind, trotz dem gemeinsamen Gegensätze zu Griechenland, dem Besitzer von Saloniki, kaum weiiergekommen). Innenpolitisch aber bleibt die südslawische Frag« so lange problematisch, als in Belgrad nicht der Wert der neugewonnenen Gebiete voll erkannt ist.
von der Maschinenfabrik Val. Waas gezeigt werden. Sie werden sowohl in Ausführungen für den Großbetrieb, als auch für die Verwendung im kleinsten Haushalt gebraucht. Ihre Bedienung ist sehr einfach. Man kann mit ihrer Hilfe einer Obst» und Gemüsesorte das Wasser entziehen und sie so aufbewahrungsfähig machen. Durch das angewandte Spezialverfahren wird Geschmack, Aroma und Farbe des frischen Gemüses vollkommen erhalten und die Zubereitung dadurch sehr vereinfacht, daß es sofort nach entsprechendem Wasserzufah wieder verwendungsfähig ist und nicht erst ehre Rächt lang eingeweicht zu werden braucht.
Aeu und beachtenswert ist der ^Chic- Apparat" mit dem jeder Gastwirt aus normalem Wein einen schäumenden nach Champagnerart Herstellen fann. Ebenso kann man mit ihm kohlensäurehaltige, alkoholfreie Getränke bzw. Limvnadensprudel billig Herstellen.
Großes Interesse findet mit Recht der „11- Wa-Massa-Appara t“. Dies ist ein Vi- brations-Massageapparat, der an die Wasserleitung angeschlosfen und durch sie betrieben wird. Im Gegensatz zu den elektrischen Apparaten arbeitet er vollkommen geräuschlos. Allgemein wird bei uns der Wert der Massage für die Körperpflege noch viel zu gering ein- geschäht.
Eine sehr große Verbreitung in Handel und Industrie dürfte die Geldauszahlungsmaschine finden. Hier ist die bisher stets von der Hand vorzrmehmende Arbeit des Abzählens von Beträgen jeder Art durch eine einfach und sicher arbeitende Maschine erseht, Sie dürfte für größere Geschäfte und Industriewerke von De- Deutung sein.
Don der B a u m e s s e, die nur schwach beschickt ist, ist nicht viel zu bemerken. Es sind die in Frankfurt bekannten Firmen vertreten Aeu ist ein sehr praktischer verstellbarer Gerüstbock von Dr. Rudolf S ch o l z e. Er kann insbesondere bei voller Belastung höher und tiefer verstellt werden Bei Richtbenutzung und auf dem Transport nimmt er nur sehr wenig Raum ein
Die wieder recht gut vertretenen Maschinen für Holzbearbeitung sind dieses Mal in einer einheitlichen Schau besonders in einer kleinen Halle neben dem Haus Offenbach untergebracht und haben einen sehr guten Besuch aufzuweisen
Derrn es in der Tat ferne tiefgreif enberen Gegensätze zwischen Deutschland und Südslawien gibt — noch steht di« Behandlung des Deutschtums in Südslawien einer wirklichen Annäherung im Wege, und das nicht nur kulturell, sondern aerobe auch wirtschaftlich. Insbesondere bas geschlossene Deutschtum in der Wojwodina (man braucht nur eine dieser großen stadtähnlichen Dörfer zu besuchen, um zu erkennen, welche wirtschaftliche Kraft dieses Deutschtum barftellt, das nunmehr zwei Jahrhunderte lang in Arbeit und Wesensart beste deutsche Tradition verkörpert) besitzt alle Möglichkeiten, um eine feste Brücke nach Mitteleuropa l)«r- überzuschlagen. Das aber bedeutet die gründliche Aenderung einer Methode, nach der bisher die Woj- wodina und andere anettierte Gebiete, anders als die allserbischen, in der Hauptsache dazu dienten, möglichst hohe Steuern aufzubringen, nach der die Agrarreform rein imperialistisch zur Schwächung des bäuerlichen Besitzes, sofern er n i cht (er b i f ch war, benutzt wurde.
Di« Partei der Deutschen hat bereits vor den Wahlen (als es sich für die Regierungs-Radikalen darum handelte, Unterstützung zu erhalten) in Belgrad ihre Grundforderungen in einer Denkschrift kurz formuliert überreicht. Diese Forderungen sind im wesentlichen nichts anderes als die primitivsten Lebensrechte, welcher eine Minderheit bedarf, um überhaupt existieren zu können: Wiedergutmachung der schweren Verletzungen der Rechte und der Gleichberechtigung der deutzchen Minderheit; Sicherung und Durchführung der völligen bürgerlichen Gleicb- berechtigung im politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben, Selbstbestimmung und freie kulturelle und wirtschaftliche Betätigung und (Entfaltung; entsprechende Beteiligung an der politischen Vertretung und der öffentlichen Verwaltung.
Im Rahmen der Interparlamentarischen Union ■ rotes der Außenminister M a r i n k o ro i t s ch auf die Notroendigkeit eines .Zusammenschlusses aller südslawischen Staatsbürger zu einem harmonischen Ganzen" hin; er betonte weiter, daß Südslawien „zu seinem Glücke nationale Minderheiten habe". Wenn dieses Glück tatsächlich in Belgrad erkannt wurde, so hat man bisher noch keineswegs aus dieser Erkenntnis di« notwendigen Folgerungen gezogen. Denn die Tatsache, daß man, im Gegensatz zu den Terrorwahlen vom 6. Februar 1925, im Verlauf deren der Führer der Deutschen, Dr. Kraft, brutal überfallen und schwer verwundet wurde, diesmal die Deutschen in der Ausübung ihres Wahlrechtes nicht wesentlich hinderte, genügt ebensowenig wie die Ausschreibung der Gemeindewahlen in der Woj- wodina für den 6. November, wenn auch dadurch endlich einer langjährigen Rechtlosigkeit ein Ende gemacht werden roüroe. Immerhin sind beides A n - Zeichen einer Besinnung auf europäische Rechtsformeln, welche, zumindest im Vergleich zu den letzten Wahlmethoden im rumänischen Nachbarstaate, befreiend gewirkt haben und ganz gewiß auch einer südstawisch-deutschen Annäherung dienlich sind.
Die Wett in Zahlen.
Erde und Menschheit.
Zu den wenigen Büchern, die der Amerikaner mit Vorliebe nicht nur liest, sondern genau studiert gehört eines, das an Auflage jedes andere Buch weit übertrifft: das ist der „World Almanach". Ein Buch mit Statistiken. Aus etwa 900 Seiten wimmelt eS von Ziffern. Sie marschieren in ganzen Kolonnen auf. Sie geben Auskunft. Sie nennen Tatsachen. Was statistisch irgendwie erfaßbar ist, hier ist «S verbucht und hier, in diesem Buch, werden die trockenen Ziffern lebendig. Sie enthüllen Zusammenhänge und zeigen Entwicklungen, und zwar nicht nur über die Zusannnensetzung der Bevölkerung der Einwanderung, des Handels, sondern auch über den wachsenden Reichtum, über die höchsten Häuser von Reuyork, über die Trunkenheit, über Sport- rekorde, über die Autofabrikation, über die Morde in den verschiedenen Säubern, über die Kohlen-, Oel- unb Eisenförderuna, über Lebensversicherung, über das Analphabetentum unter den Regern, über Dodenpreise, Vereine, Schulen, Kirchen, ■Uniberfitäten, Stiftungen, Driefbeförderung, Theater, Kinos und tausend andere Dinge, die
Hochschulnachvichlen.
Der Vertreter der Sanskritwissenschaft an der Universität Königsberg, Professor Dr. Otto Franke, ist zum 1. Oktober von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. — Zur Besetzung des Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Münster ist ein Ruf an den Hamburger Privatdozenten und wissenschaftlichen Hilfsarbeiter am Mathematischen Seminar Dr. rer. nat. Heinrich Behnke ergangen. — Das Bonner mathematische Ordinariat ist dem ord. Professor an der Universität Kiel Dr. phil. Otto Toeplitz angetragen worden. — Zur Wiederbesetzung des Lehrstuhls der Chirurgie an der Bonner Universität an Stelle des Geh. Med.-Rats K. Darre ist ein Ruf an den ord. Professor an der medizinischen Fakultät in Düsseldorf Dr. C. Reyn, ergangen. — Das neuerrichtete Extraordinariat für Hochbauiunde 1, Baustofflehre und Entwerfen an der Abteilung für Architektur der Techn. Hochschule Stuttgart ist dem Danrat H. Keuerleben, Vorstand der Beratungsstelle für das Baugewerbe in Stuttgart, übertragen worden. — Auf den Lehrstuhl der theoretischen Physik in Halle ist der außerordentliche Professor und Vorstand der Abteilung für mathematische Physik am Theoretisch-physikalischen Institut der Universität Leipzig, Dr. phil. Wentzel, berufen worden. — Der Lehrstuhl der Mathematik an der Greifswalder Universität ist dem ord. Professor an der Technischen Hochschule in Stuttgart, Dr. phil. Gustav Doetsch, angeboten worden. — Zum Ordinarius und Direktor des Anatomischen Instituts der Tlniversität Kiel ist als Rachfolger des nach Freiburg berufenen Pros. Dr. W. von Moellendorf der a. o. Professor ebenda. Dr. Alfred Benninghoff, ausersehcn. — Auf den Lehrstuhl der Augenheilkunde an der Universität Marburg ist an Stelle von Professor K. Stargard der a. o. Professor Wilhelm ©röter in Bonn berufen worden. — Pros. Dr. Erich Tiede von der Berliner Universität hat eine Berufung auf die Abteilungsvorsteherstelle am Chemischen Institut Frankfurt als Rachfolger Sieverts erhalten. — Auf den Lehrstuhl der gerichtlichen Medizin in Greifswald wurde als Rachfolger von Prof. W. Vorkastner der Oberarzt des Instituts für gerichtliche und soziale Medizin in Bonn, Privatdozent Dr. Rolf Hey, berufen.


