Zreitag, 22. Juli 1927
Gietzener Anzeiger (Genera^Anzeiger für Gberhesfen)
IM69 Zweites Blatt
dem
anbrechenden Montag.
sammelt. Auch der Berliner Zoologische Garten hat sich um die Wisentzucht verdient gemacht. Zwar wurde der vor acht Jahren vorhandene Bestand nicht vergrößert, doch gelang es, ihn erheblich zu verjüngen. Außerdem wurden Wisent- kälber an einige andere Zoologische Gärten und sogar an Privatliebhaber abgegeben. Auf die Dauer ist es aber doch völlig unmöglich, ein wildes Tier in Zoologischen Gärten weiterzuzüchten, da es im Laufe der Generationen ziemlich sicher viele seiner Wildheitsmerkmale einbüßen und mit der Zeit zu einem Haustier werden würde. Darum ist es außerordentlich zu begrüßen, daß von dem 5500 Morgen großen Schwarzwildrevier in der Nähe von Springe bei Hannover jetzt 300 Morgen abgegrenzt werden, um dort den ersten großen deutschen Naturschutzpark für Wisente zu schaffen.
In diesem Augenblick sind die Arbeiten im Saupark Springe noch im Gange: Futterplätze werden angelegt und zahlreiche Wildgatter aufgestellt, die verhindern sollen, daß das Publikum durch die Wisente gefährdet wird. Andererseits werden diese Gatter es ermöglichen, die Wisente ohne Störung zu beobachten. Daß man den Tieren gegenüber nicht allzu ängsüich zu sein braucht, beweist das Beispiel des Bialo- wiezer Schutzparkes. Dort konnte man am Boden lagernde Tiere aus nächster Nähe beobachten, ohne daß sie sich in chrer Buhe stören liehen: auch gelang es fremden Besuchern, Wisente auf fünf Meter Entfernung zu photographieren. Bedenklicher könnte es unter Umständen für Oie Besucher schon sein, daß auch zwei Disonkuhe den Park bewohnen sollen, um eine Blutauffrischung zu ermöglichen. Eine wesentliche D^- änderung des Wisenttyps ist durch eine solche Kreuzung zwischen nahen Derwandtenarten mcht zu befürchten: andererseits wäre die Degenerationsgefahr allzu groß, Wenn man die schon jetzt sehr weit getrieben^ Inzucht endlos sort- setzen würde.
In kurzer Zeit soll der neue Wisentpark feierlich eröffnet werden. Bund die Hälfte der vorhandenen Wildrinder wird man im Saupark Springe aussetzen: natürlich werden diese Tiere nicht völlig sich selbst überlassen bleiben, sondern erfahrene Züchter müssen nach wie vor für die Erhaltung des unersetzlichen Bestandes sorgen. So großzügig wie Zar Nikolaus H. wird
Valuta, sowie zaristische Goldmünzen und außerdem eine ganze Fabrik falscher Pässe. Ebenso ist eine Liste mit den Namen der von dieser Organisation zum „Kaltmachen" vorgesehenen leitenden Persönlichkeiten der russischen Politik und der Roten Armee vorgefunden. Soweit die Mitteilung der G. P. 51. Ob dies zutrifft und in welchem Maße, mag dahingestellt bleiben. Tatsache ist. daß man sich zur Sicherstellung eines Bombenerfolges der Verteidigungswoche nichts Besseres ausdenken konnte. Und in diesem Zeichen und bei dieser Stimmung rückte der von den Sowjetführern ersehnte Sonntag heran.
In brennender Hitze wurde i auf dem Roten Platz unter flammenden Hochrufen die ersten Brandreden gehalten. Rings um den Platz eine große Parade der Kampftruppen der Roten Armee, auf dem Mausoleum der Kriegskommissar W o r o s ch Y l o w, ohne Hut, in aufgeknöpfter Bluse, verkündet er aller Welt, daß die Sowjetregierung nur noch eine Aufgabe habe: „R ü st e n, rüsten und rüsten ...!" Im unvermeidlichen Kampf muß sich das Proletariat gegen den Feind behaupten. Gleichzeitig waren in sämtlichen Städten der Sowjetunion ähnliche Paraden veranstaltet. Alle zur Verfügung stehenden Kräfte sind über die Peripherie verteilt worden. In Leningrad hielt die feurige Ansprache der Oberbefehlshaber der Roten Flotte, Muklewitsch, in Charkow Kamenew. Der Rundfunk war für den Tag mobilisiert und brachte in fast ununterbrochener Folge Vorträge und Reden, deren Wirkung man sich aus folgender Auslese vergegenwärtigen kann: „Der Bauer in der Landesverteidigung", „Die Armee in der Landesverteidigung", „Die Iugend in der Landesverteidigung", „Die Luftflotte", „Die militärische Technik", „Die Rote Armee und deren Einfluß im Dorfe", „Militarisierung der Bevölkerung", „Militarisierung der Gewerkscyaften , „Politische Aufklärung der Volksmassen", „Die Industrie im Dienste der Landesverteidigung", „Landesverteidigung in der Sowjetunion und m Europa", „Die diesjährige Einberufung in die Rote Armee", „Die Rote Kavallerie", „Radio im Dienste des Krieges" u. a. m.
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Oberheffen.
Landkreis Gietzen.
# Hungen, 21. Iuli. Die Vorbereitungen zu d->in vom 5. bis 7. August dahier stattfindenden 50jährigen Iubiläumsfest der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr, verbunden nut dem Svmmer-Derbandstage der Vereinigung der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises, sind in vollem Gange. Zahlreiche Vereine haben bereits ihr Erscheinen zugesagt, darunter einige mit eigenen Musikkapellen, Trommler- und Pfeiferkorps. — Die große moderne E i s e n st e i n w ä s ch e r ei- cmlage der Mannesmannwerke Düsseldorf, Die an der Straße nach Inheiden erbaut wird, ist jetzt im Rohbau vollendet. Man ist gegenwärtig am Innenausbau beschäftigt. Wenn nun noch die teilweise schon herbeigeschafften Maschinen aufgestellt sind, kann der Betrieb eröffnet werden, da die Außenanlagen, wie Wasserzuführung von der Gewerkschaft Elisenburg, die Abführung und die Schlammteichanlage so ziemlich beendet sind. Bei Eröffnung des Betriebes werden wieder eine Anzahl Arbeiter eingestellt werden.
Steinheim, 21. Iuli. Während die umliegenden Ortschaften Unter- und Ober-Widders- hcim Dorsdorf, Rvdheim, Inheiden, Langd, Trais-Horloff und Utphe schon vor dem Kriege ihre Wasserleitung bauten und teilweise mit Inflationsgeld bezahlten, mangelte es hier noch an einer Wasserversorgung. Das Fehlen
fried, der in der Gegend von Worms an einer großen Iagd teilgenommen hatte. Der Elch, der aus Deutschland ziemlich verschwunden ist, wird jetzt in Ostpreußen gehegt und dürste uns also in einer Anzahl von Exemplaren erhalten bleiben. Der Ur oder Auerochse ist zwar ausgestorben, doch hat er zweifellos die Gestalt unseres Hausrindes beeinflußt, zu dessen Ahnen er gehört. Der spanische Kampfsster hat von allen gezähmten Rindern vielleicht die meiste Aehn- lichkeit mit dem Auerochsen. Niemals ist es dagegen gelungen, den Wisent zu einem Haustier zu machen. Zwar hatte ein erheblicher Teil der über 200 Wisente, die es vor dem Krieg m Europa noch gegeben hat, schon damals viel "von seiner ursprünglichen Wildheit eingebüßt: auch ist unser Wisent im Gegensatz zum amerikanischen Bison, dem einst gefürchteten Beherrscher der endlosen Prärien, ein friedlicher Waldbewohner: doch ist das mächtige Tier mit dem grimmigen Kopf und den starken Hörnern für nützliche Arbeiten niemals zu verwenden gewesen. Heber 700 Wisente hielt sich der ehemalige Zar in dem urwaldartigen Forst von Bialowiez. Den Tieren stand ein Waldgebiet von nahezu 20 Quadratmeilen zur Verfügung: außer dem Zaren durfte niemand einen Wisent abschiehen. Nur wenn ein Tier wild geworden war und Menschen bedrohte, fiel es der Kugel des Iägers zum Opfer. Als im Herbst 1915 die deutschen Truppen Bialowiez besetzten übernahmen es deutsche Forstbeamte sofort den unersetzlichen Wildbestand dieses einzigartigen Urwaldes zu schützen: doch konnte nicht verhindert werden, daß die Zahl der Wisente schließlich auf vierhundert zuruckging, die dann nach dem Abzug der deutschen Besatzung im Iahre 1913 ebenfalls zur Strecke gebracht wurden. Auch im Kubangeb-et des Kaukasus gab es noch vor einem Iahrzehnt vierhundert wildlebende Wisente, die aber während des Krieges und des darauffolgenden Bürgerkrieges im Feuer der Maschinengewehre ihr Leben lassen mußten. Schließlich such auch die 70 Exemvlare, die auf der oberschlesischen Herrschaft Pleß gehalten wurden, hungrigen Wilddieben zum Opfer gefallen.
Um die letzten Wisente vor dem Aussterben zu bewahren, hat man vor drei Iahren die „Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents" gegründet, die auch wissenschaftliches Material über das letzte europäische Wildrind
einer Wasserleitung wurde hier als ein besonders schwerer Mißstand empfunden, zumal außer dem sogenannten Gemeindetrinkborn und dem Schulbrunnen kein einwandfreies Trinkwasser vorhanden war. Bereits im Frühjahr beschloß der Ortsvorstand mit allen gegen eine Stimme die Erbauung einer Wasserleitung und war auch für gleichzeitige Ausführung der Kanalisation, da das Unterdorf einen sehr hohen Grundwasserstand hat. Im Zweifel war die Gemeindeverwaltung, ob das Wasser dem Provinzialwasserwerk Inheiden, dessen Leitung durch die Hauptstraße des Dorfes geht, zu entnehmen sei, oder eine Eigenversorgung durch Errichtung eines Pumpwerkes über dem Trinkborn anzustreben sei. Obwohl die Eigenschaft sowohl in Anlage, als auch in Betrieb teurer zu stehen kommt, neigte man mehr zu diesem Projekt, bis dann in der gestrigen Sitzung des Ortsvorstandes nach den Ausführungen des als Sachverständigen zugezogenen Baurats Steinbach vom Kulturbauamt G eßen mit allen Stimmen — drei Gemeinderatsmitglieder fehlten — beschlossen wurde, die Wasserentnahme beim Provinzialwasserwerk vorzunehmen. Die Anlagekosten betragen für die Wasserleitung 51000 Mark, bei Errichtung einer Pumpstation kämen sie auf 59 000 Mark, wozu noch jährlich etwa 1000 Mark für entstehende Personal- und Energiekosten kämen. Für Kanalisation sind 40000 Mk. vorgesehen. Das Kulturbauamt Gießen wurde gebeten. einen ausführlichen Plan mit genauem Voranschlag vorzulegen und die Vorarbeiten so einzurichten, daß mit Ausgang des kommenden Winters mit der Ausführung des Beschlusses begonnen werden kann.
— Aus dem mittleren Lumdatal. 21. Juli. Das diesjährige unbeständige Wetter ließ die Heuernte fast 14 Tage später beginnen als in den Vorjahren, aber auch langsamer beenden, so daß heute noch nicht alles Heu unter Dach und Fach gebracht ist. Die Arbeit daran wurde durch die fortwährenden Regengüsse stark behindert und das Heu dadurch zum Teil in seiner Qualität beeinträchtigt. Was den Ertrag der Heuernte anlangt, konnte man fest- stellen, daß die feuchten Wiesenteile nicht die Menge der trocken gelegenen Wiesen erbrachten. Letztere hatten eine gute Ernte aufzuweisen. Bei den in fast allen Gemeinden unseres Tales ab» gehaltenen Grasver st eigerungen konnten sich die Preise im Vergleich zum Vorjahre nicht halten. Einen herrlichen Stand weisen eben die Getreidefelder auf, soweit sie noch von Hagel und Unwettern verschont geblieben sind. Besonders sticht das Wintergetreide stark hervor, das mit seinen gut entwickelten Aehren und Kolben eine reichliche Körnerernte verspricht. Ebensolche gute Aussichten sind für eine vorzügliche Obsternte vorhanden, da sich jetzt endgültig übersehen läßt, welchen Schaden die Maifröste angerichtet haben. Die Aepfelbäume zeigen einen reichen Behang, ganz besonders sind dies die Lokalsorten, die schon gestützt und gebunden werden müssen. Nur die spätblühenden Birnbäume haben wiederum gut cmgeseht, obgleich sie erst im Vorjahre gute Erträge geliefert haben. Kaum nennenswert ist allerdings der Behang der Zwetschenbäume, deren Blütezeit gerade mit den Frühjahrsregen zusammenfiel. Vorzüglich entwickelt haben sich auch die Hackfrüchte des Feldes, die infolge der regelmäßig sich einstellenden Regengüsse einen selten schönen Stand zeigen, so daß auch von ihnen eine recht ansehn - Itd>e Ernte zu erwarten ist.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 21. Juli. Der gestrige Schweinemarkt hatte einen gutenAuftrieb zu verzeichnen. Die Preise waren sehr niedrig, vor allem für kleine Tiere, die kaum beachtet wurden. Für mittlere Ferkel wurden 16 bis 18 Mark bezahlt. — Die Friedberger Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr hielten gestern abend ein Probeausrücken ab. Auf der Kaiserstraße wurde ein Geräte-Exerzieren veranstaltet, an das sich unter Vorantritt der eigenen Musikkapelle ein Zug durch die Stadt anschloß.
O Gambach, 21. Juli. Am 16., 17. und 18. Juli feierte der hiesige Radfahrer-Ver-
Die Woche
der Landesverteidigung.
Don unserem 8-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau, Mitte Juli 1927.
In keinem Lande werden so viel Wochen fr Jahre zu „Wochen" erhoben, wie in der titojetunion. Dabei ist der Charakter dieser spellen „Wochen" ein ganz origineller, einzig in iiet Art. bahnbrechend in seiner Wirkung.
I Ehrend man in Europa nur Derby-Wochen, „ort- oder Turnwochen kennt, trägt diese Ein- htung in Sowjetrußland einen ausgeprägt po- i lisch en bzw. kulturpolitischen oder sozialpoli- iqen Charakter. Obwohl erst die erste Hälfte (5 Jahres verstrichen ist, sind bereits eine 51n- -j|t „Wochen" veranstaltet worden, so die 5od)e der Roten Armee", die „Woche des Kom- rol", die „Woche des Aviachim", die „Woche re Roten Flotte", die „Woche der Mutter", i- „Woche des Kindes", die „Woche des BucheS", N „Woche der Internationalen Arbeiterhilfe", ne „Woche der obdachlosen Kinder", die „China- V«)che" u. a. m.
All diese Wochen sind mit großen Paraden, Init Aufgebot aller zur Verfügung stehenden Wrvpaganda- und Aufklärungsmittel, mit be- iSchtlichen Zuschüssen aus Staats- oder Partei- hpen durchgeführt worden, und haben sämtlich hre Wirkung nicht verfehlt. Den Gipfel der 3nitiatibe und Stimmungsmacherei erreichte je- !o«f) die eben begonnene „Woche der Lan- icsverteidigung“. Sie kehrt zwar lahrlich zurück, ist aber nie so aufgezogen worden wie ieSmal. Die ersten Vorbereitungen begannen sä)t>n vor einem Monat, nud ununterbrochen wurde iaian gearbeitet, diese Woche zu einer mächtigen Kundgebung der im Lande herrschenden Stimmung — wenn auch zum Teil künstlich herbei- tführt — zu gestalten. Die Voraussetzungen für >cn sicheren propagandistischen Erfolg dieser iandesverteidigungs-Woche sind dadurch geschaf- *|ert, daß man vorher einem jeden das bestimmte Bewußtsein der Bedrohung durchäußere und innere Feinde einprägte, daß man tirim jeden bis auf den kleinsten Nerv anspannte und die verborgensten Brocken des in jeder musischen Seele schlummernden Patriotismus zu- laoe förderte. Die Presse hat naturgemäß bas ihre, das Wichtigste, getan. Die knallenden Überschriften, die herausfordernden Artikel, die nach einem bestimmten Rezept zurechtgemachten Telegramme, haben für einen gut vorbereiteten fruchtbaren Boden gesorgt. Den Rest haben die Massendemonstrationen, deren suggestive ftraft anerkannt ist, ferner der auf das rein politische eingestellte Rundfunk, sowie die nicht zu unterschätzende Klubarbeit, getan.
Im letzten Augenblick wurde noch der große Soup, der anscheinend seit langem bekannt, jedoch als Schluheffekt gedacht und zweckentsprechend ;u rückgehalten war, in die bereits elektrisierte Lust geschleudert. Die G. P. 51. veröffentlichte eine Mitteilung, aus welcher hervorgeht, daß sie die ganze Maschinerie der gegen das Sowjet-Regime m der letzten Zeit eingesetzten Terror-Tätigkeit rn Näselt haben will. Als faktischer Urheber des ganzen Hebels wird Finnland bezeichnet, als gcNiger England. Im Foreign-Office und brr Kabinett des Ministers Hicks werden die > Pläne ausgearbeitet und in Auftrag gegeben. Churchill hat die Ausgabe, die Rechnung zu de den während die Ausführung all dieser Pläne Grimland überlassen wird. Die strategische Zen- trole befindet sich in Helsingfors und wird einem gewissen dort lebenden ehemalig kaiser- IiÜ-russischen General Katepow geleitet. Als ' A-ntrauensmann der englischen Regierung ist dem General Katepow der englische Militärattache in Reval, Oberst Roß, zugeteilt. Die Aktivns- Mirale dieser Organisation dagegen befindet sicy au.) sowjetrussischem Territorium, und zwar m Smolensk und ist, wie die Mitteilung ver- iichert, bereits restlos ausgehoben. Es wurden Ifrort von England gelieferte Explosivstoffe ge- himben, darunter Granaten von Lehmannschmn System, ferner englische Pfunde und finnische
Ein großer d eutscher Naturschutzpark
Bon Arnold K ö l l n e r.
In kurzer Zeit wird in dem alten Saupark Springe, 20 Kilometer südlich von Hannover, der erste deutsche Natur, chutz- park für Wisente eröffnet werden.
Unerbittlich ist der Kampf der Zivilisation gegen alles Naturwüchsige, gegen alles^was sich nicht zähmen und nutzbringend für die Menschheit verwerten läßt. Unbarmherzig haben die^ euro- rischen Iäger der Urzeit den Höhlenbären und tarn Höhlenlöwen ausgervttet: das Mammut und dec Riesenhirsch sind von der Erde verschwunden und auch die letzten Wildrinder gibt es nur nwf) bi wenigen Exemplaren. Einst wanderten Herden bon Auerochsen und Wisenten durch die deutschen Urwälder, sie streiften in den Dalkanländemi, im st oukasus,' in Rußland und Polen umher, ßangft Ift der Auerochs, der „Ur" der Bollssagen, aus- aerottet worden: aber der Wisent konnte dutch bl? sorgsame Pflege der Zoologischen Gärten sein Dasein noch fristen so daßwir heute in Europa immerhin noch 60 bis 70 dieser mächtigen Wild- rinber besitzen, die mit ihren wuchtigen Nacken, ihren zottigen Mähnen und ihrem bärtigen Kinn ar die Riesen der Vorzeit erinnern. Der amen- wische Vetter der Wisents, der Bison, wäre bei großen Bahnbauten der vordringenden Zivi- Nation erbarmungslos zum Opfer gefallen, wenn man ihm nicht ein großes Gebiet eingeräumt hätte in dem er, vor jeder Verfolgung sicher, ein ,r-.ies Leben führen kann. Auch der Wisent würde dem Schicksal nicht entgangen sein, das so viele Erfahren unserer Haustiere und so viele Iagd- Here der ersten Menschen dahingerafft hat, wenn ntnt durch besondere Bemühungen der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalspflege und durch die Unterstützung des Finanzministeriums auf Anre- aurtg des Berliner Zoologischen Gartens die Mog- Ulichkeit geschaffen worden wäre, die Wisente in einem in der Nähe von Hannover neu geschaffenen Naturschutzpark auszusetzen und in Freiheit weitenzuzüchten.
„Darnach erschlug er einen Wisent unb einen SIf>, vier starke Uren und einen grimmen Scheich , 1 ,ingt das Nibelungenlied von dem Helden Sieg-
Der Sonntag ist verstrichen, er wird aber vielen in Erinnerung bleiben. Er endete mit einem Konzert der Roten Armee, das durch sämtliche Sender der Sowjetunion übertragen wurde, und als der letzte Ton verhallte, war der festliche pompöse Teil dieser eigenartigen Feier zu Ende und die Woche der zähen Arbeit, die vom Geist der gegebenen Parole — „Landesverteidigung" getragen wird, begann mit
man dabei freilich nicht Vorgehen können: in Bialowiez hatten achtzig Familien, deren Mitglieder militärisch organisiert waren, für den Forstdienst zu sorgen, und weitere hundert Familien waren an der Grenze des Waldes an- < gesiedelt, um Heu für die Futter Plätze der Wisente herbeizuschaffen. Doch war das Revier und die Zahl der Wisente in Bialowiez wesentlich größer, und dann wurden die Tiere im russisch-polnischen 51rwald von weit größeren Gefahren bedroht als in Deutschland. Man braucht nur daran zu denken, daß in den russischen Wäldern im Winter der Wolf in Rudeln umherstreift und Mensch und Tier ansällt. In Deutschland fürchtet man nur Krankheiten, die die Tiere befallen konnten, besonders die Leberegelseuche: um diese Gefahren auszuschalten, werden einige Wassergräben zugeschüttet oder abgeleitet, die bisher das Schutzgebiet durchzogen. Für Trink- wasser will man dann auf künstlichem Wege sorgen.
Mit der Errichtung des neuen Naturschutzparkes ist ein erster Schritt auf einem außerordentlich wichtigen Wege getan worden. In Deutschland gibt es nicht so riesige Freiflächen wie in den Vereinigten Staaten, und man muh daher hier mit dem Grund und Boden sparsamer umgehen. Gewisse Gebiete, so a. B. ein großer Teil der Lüneburger Heide, Dürfen in ihrem natürlichen Charakter nicht verändert werden. In Bayern gibt es am Karwendel und am Kö- mgssee gut gehegte Naturschutzparks. Von einer rühmenswerten Schönheit ist auch das Naturschutzgebiet in der Nähe des brandenburgischen Klosters Chorin. Dort gibt es in dem sog. Plage-Fenn noch viele Wildschweine, und die maiknshohen Schilfe dienen zahllosen Wasservögeln als Unterschlupf. Es ist nicht ungefährlich, in das Plage-Fenn einzudringen: weicht man vom Wege ab, so kann man in ein elf Meter ttefes Moor geraten; auch haben sich in dem Gebiet, in dem keinerlei Iagd und keinerlei Fisch' fang erlaubt ist, noch Kreuzottern erhalten. Doch sind alle diese Parks nicht mit den entsprechen- Den Einrichtungen in Amerika, in Schweden und in der Schweiz zu vergleichen. Man kann nur hoffen, daß dem Wisentschuhgebiet bald anoere Naturschutzparks folgen werden, in Denen Dafür Sorge getragen wird, daß Deutschlands Schätze an seltenen Tieren nicht zugrunde gehen.
ein „W anderlust" sein 15. Stiftungsfest, womit das Gaufest des Gaues II des Radfahrer- Bundes 1922 verbunden war. Die Gesamtleitung lag in den Händen des tatkräftigen Ehrenvorsitzenden Nack, und es kann gesagt werden, daß Leiter, Vorstand und Dereinsmitglieder ifjre Schuldigkeit getan haben, und das Fest als voller Erfolg für den Verein gebucht werden kann. Eröffnet wurde das Fest am Samstag mit einem Fackelzug durch die Ortsstraßen mit anschließendem Festkommers, wo der Festpräsideni nach Worten herzlicher Begrüßung das Gausest an den Vertreter des Gaues, Bopp-Steinfurth, übergab. Bemerkenswert waren die Reigen- Vorführungen der Mannschaften des feftgcl^nDcn und des Dundesvereines „Teutonia"-Wölfersheim. Der Sonntagmorgen brachte zwei würdige Gedenkfeiern für die gefallenen Vereinsmitglieder am Denkmal vor der Kirche und für die vcr- torbenen Mitglieder auf dem Friedhöfe. Der Festpräsident legte am Denkmal und an den Gräbern Kränze nieder. Am Nachmittag bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Sttahen des Dorfes, womit ein Preiskorsofahren verbunden war. Auf dem Festplatz -begrüßte der Fest- präfident Gäste, Bundes- und Gauvorstände mit markigen Worten und legte nach einem Rückblick auf die Vereinsgeschichte Zweck und Ziel der Radsahrerbereine dar. Auch der Montag versammelte noch eine große Festgemeinde zusammen, die in schöner Harmonie das Fest zu Ende brachte. Alles in allem war das Fest für den Verein, Gau und Bund ein voller Erfolg. — Der Preiskorso hatte folgendes Ergebnis: Den Gaupreis erhielt Radf.-Derein Ilbenstadt. In Klasse A erhielt den Ehrenpreis „Teutonia" Wölfersheim, 1. Preis „Flottweg" Steinfurth. In Klasse B erhielt den Ehrenpreis Radf.-Derein Ilbenstadt, 1. Preis Radf.-Verein Nieder-Weisel, 2. Preis Radf.-Verein Hoch-Weisel, 3. Preis Radf.-Verein Friedberg-Fauerbach, 4. Preis
Radf.-Verein Kirchgöns. In der Klasse C erhielt den Ehrenpreis Radf.-Derein Langgöns, 1. Preis Radf.-Verein Niederwöllstadt, 2. Preis Radf.-Derein Oberroßbach, 3. Preis Radf.-Derein Kranzberg. Gastvereine. 'EhreüprÄs Radf.-Derein Griedel. 1. Preis Radf.-Verein Eberstadt.
Kreis Büdingen.
I! Büdingen, 21. Iuli. In seiner letzten Sitzung genehmigte der Gemeinderat weitere 6000 Wk. zur Erweiterung des neuen Marktplatzes. Einem Antrag verschiedener Einwohner, die nach 1918 erbauten Wohnhäuse r von den Gemeindeumlagen zu befreien, wurde stattgegeben. Genehmigt wurde die Submission . des im Gemeindewald lagernden Fichten- stammholzes. Der Antrag eines Hausbesitzers auf Ersah der Kosten für einen Wasser- leitungs-Hausanschluß wurde abgelehnt. Wegen Mangel an Mitteln muhte der Antrag einer Bühnengesellschaft auf Gewährung eines Zuschusses abgelehnt werden., lieber öle Abdeckung eines Darlehens, für welches die Gemeinde die Bürgschaft übernommen hat, gibt der Bürgermeister Aufschluß. Einem Antrag des Hauensteinbundes um Heber!assung von Gelände am Erlenküppel wurde stattgegeben.
Nidda, 27. Juli. Die heimischen Frühkartoffeln. die bekanntlich leichtem Verderb ausgesetzt sind, haben unter der Einwirkung des Regenwetters bereits gelitten und zeigen vielfach Fäulnisansätze inmitten der Knollen. Die Produzenten suchen, um größere Verluste zu vermeiden, sie bei stark gesenkten Preisen an den Markt zu bringen. Dieser Tage wurden auf dem hiesigen Maätplah vom Schleifelder Hof Frühkartoffeln schon zum Preise von 4,50 bis 5,50 Mk. pro Ztr. abgegeben, so daß gegen den Anfang der Vor- tooebe eine Preissenkung von 60 bis 70 Proz. eingetreten ist. — Das Aeußere des hiesigen Bahnhofsgebäudes wird zur Zeit einer gründlichen Reparatur und Erneuerung unterzogen. Die Bahnhofswirtschaft wird in nächster Zeit neu verpachtet.
Kreis Schotten.
= Unter-Seibertenrod, 21. Juli. Als ein Mangel und eine Gefahr für das Leben der Schüler wird es empfunden, daß hier k e i n S ch u l °


