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Freitag, 22. Zuli 1927

177. Jahrgang

Nr. 169 Erstes Blatt

Kulturgemeinschaft eine

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Das Verleid des Reichspräsidenten.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig i für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° »mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Dietzen.

sandt.

iller unter dieser Subtil mmt die Aedaliion dem inerlei ScranftoDthmg.) Menberger Weg.

:<hisfenberger Weg sind toie vor einem Jahr, mntenkleinen Tchifsen« ei Heimstätten G.rn. b. H.

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dah in diesm Jahr die izen Sttahenzugs durch- eht man feinen Ansang, cm nötigen Ernst begon­nen Hausholl-Mn ist Xeifismarf ausgelvorsen hiervon nichts für ei«

Als Persönlichkeit nahm Minister von Bren­tano bei allen Parteien und im gesamten öffent­lichen Leben Hessens eine angesehene Stellung ein Sein persönliches Wesen war getragen von einem konservativen Zug, der sich u. a. in einem ausgesprochenen Familiensinn äußerte Er war geradezu ein Spezialist auf genealogischem Ge­biete besaß viel historischen ©um uni) war ein Liebhaber von Antiquitäten, namentlich Bildern ' und Möbeln brachte er großes Interesse ent- flCflSas Ableben des Ministers kam überraschend. Vor einigen Monaten war er an einem Gallenleiden erkranktz doch besserte sich fern Befinden so, daß er wieder aus dem Krankenhause entlassen werden und nach seiner Wohnung übersiedln konnte. Bald dar­auf trat jedoch wieder eine Verschumrnerung ein, der Minister erlitt einen Schlaganfall, so daß man in unterrichteten Kreisen mit seinem baldigen Tode

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Vr»S »nd Verlag-, vrühl'jche Universiläls-Such- und Steindruckerei «. Lange in Sieben. Schriftleitung und Seschäftrftelle: Schnlftraße 7.

ben, dank ausländischer Eingriffe noch nicht im Leben der chinesischen Aation, besonders noch nicht in ihrer politisch wirtschaftlichen Verfassung ausgewirkt haben. t ,

Die im Weltkriege unterlegenen Machte haben in diesem sich in alle Welt auswirkenden Pro­zesse eine merkwürdig gute Stellung inne. Was ihnen sonst zum Verderben gereicht hat, ist ihnen im Reich der Mitte zum Vorteil geworden die Friedensschlüsse. Die Verträge, die zwischen den Gegnern vor dem Kriege bestanden, hat der Krieg zerrissen und der Friede nicht wieder hergestellt. Don den Tagen von Versailles, St. ©crnrnm. Trianon, Neuilly und Sevres an sieht also China in den Deutschen, Oesterreichern, Ungarn, Bul- qaren und Ottomanen keine Feinde mehr, die es im Wege ungerechter Verträge, durch Anleihen und Konzessionen vergewaltigten. Es sieht sie aber in seinen einstigen Bundesgenossen die es ia auch in der Frage der Schantunghalbinsel betrogen haben. Mit jenen wurden neue Verträge auf dem Fuße der Gleichberechtigung geschlos­sen ihnen strömte aus diesen Verträgen die be­sondere Gunst Chinas zu. Wohl hatte man auch ihnen Handels- und Viederlassungsfreiheit nur an den dem Handel und der Riederlassung frei­gegebenen Plätzen garantiert. Das war aber nur geschehen, um nicht die anderen Machte auf Grund ihres Meistbegünstigungsrechtes an Orte kommen zu lassen, die ihnen bisher verschlossen waren; den Unterlegenen im Kriege wurde nicht ver­traglich, aber praktisch - die vollste Handlungs- und Bewegungsfreiheit eingeräumt.

In eine gleiche Lage waren die Russen ge­kommen. Die Bolschewiken hatten alle zaristischen Verträge für null und nichtig erklärt und damit das Herz der Chinesen gewonnen. Die Besitzer einer utopischen Kultur konnten den Russen gegen­über nicht anders als naiv sein. Die Russen traten (im Bereiche der nationalistischen Regierungs- gewalt) an die Stelle der früheren cnglifdjen. amerikanischen und sonstigen Reorganisatoren. Die Jünger Lenins haben diese Vertrauensseligkeit schlecht gelohnt. So ist denn neuerdings das Pro­blemChina in Aufruhr" durch den Abweh r- kampf gegen Moskau kompliziert. Die Lo­sung des chinesischen Problems von der tofung des russischen abhängig machen zu müssen heißt die erstere auf unabsehbare Zeit hinausschieben. Für uns nicht für die Chinesen! Gewohnt, m den Vorstellungen von Jahrhunderten, also nach geschichtlichen (und weniger nach politischen) Ge­sichtspunkten zu denken, kann Jung-Chma ver­trauensvoll warten. Ihm sind ja Tage ganze Lebensalter!...

Programm

cter Senders.

M-llmschau'.)

22. Sufi.

Seuc SchallMten. - uäfrauennadjmiftag. Prv< itogsseiern mit einfachen i firau Heer-Mehnollo.

bis 18.« W [5 bis 18.30 Hr. > >n Dortrag von Tarten- - 18.30 bis 19 Uhr: Dos neues technM M Lese rhyth^ch-funstlen- Sag von Carl W

19.30 llhr:

3 Insa Mr: ätvaW ?Mfsenfch^i und Tech- tieAee'/?°rE 1 za bis 20 W r llebertragung aus ter Abend für mechanM

Wie aus einer

China in Ausruhr: das bedeutet einen Bürgerkrieg, denn verschiedene chinesische Po­litiker und Parteien, Generale und Heere ringen um die Macht im Staate; das ist aber auch em nach außen gerichteter Krieg, denn er wird um und gegen den Einfluß fremder Mächte m China geführt; endlich wird um eine neue (teilweise die alte) gesellschaftliche Ordnung und um die wirtschaftliche Unabhängigkeit gekämpft. Die Vielfältigkeit des Charakters dieser blutigen Wir­ren, die Buntheit der erkennbaren, die Undurch­sichtigkeit vieler anderer Ziele, dazu die Ent­legenheit des Schauplatzes und die Fremdartigkeit der Rasse, die in einem denkwürdigen geschicht­lichen Prozesse steht, lassen den Europäer nur schwer das Dunkel durchdringen, in dem sich für ihn die chinesischen Ereignisse abspielen

Die Sache haben diejenigen nicht durchsichti­ger gemacht, die über China schreiben. Gewiß ­es gibt hervorragende Sinologen, die sich lahr- zehntelang an Ort und Stelle mit dem Studium der chinesischen Geschichte und Kultur des Landes und seines Volkes besaht und uns dann wert­volle Werke über das Reich der Mitte beschert haben. Die uns so vermittelten Erkenntnisse sind i aber von den Darstellungen jener anderen IChinakenner" verdorben worden, die man mit dem Kanzler der Pekinger Rationalen Uni­versität in drei Klassen emteUen kann: Vor allem in die der Reisenden, die aus Aben­teuer ausgehen; sie vertrauen gerne ihren ersten Eindrücken und beschreiben einen dreitägigen Aufenthalt in China in dicken Bänden, wahrend ihre ersten Eindrücke in nichts zerstoben waren, wenn sie ihren Aufenthalt auf drei Monate aus­gedehnt hätten. Dann die M i f I'i.0 n a_r e, Jne ausgezogen sind, um den heidnischen Chinesen ihrer Religion zu gewinnen, und w ihrem reli­giösen Eifer manchmal auf China hinabblic^n; hierin haben sich vor allem die angelsächsischen Missionare hervorgetan, die unter anderem auch ausgezogen sind, um denunzivilisierten Chi­nesen mit denSegnungen der Kultur zu be» glücken, das heißt mit dem Stahl, der Baum­wolle dem Petroleum und den Rauschgiften ihres Landes. Endlich die Imperialisten deren Feder eine bestimmte politische Absicht führt entweder die auf territoriale Vergrößerung ober auf Entwicklung des Handels, wobei wett eher ein Handel auf Kosten der Chinesen als mit ihnen gemeint ist.

In dem Maße, als China für den Europäer aktuell und aktueller wird, nimmt auch diese verwirrende Literatur zu. Sie ist vielfach Propa­gandaliteratur geworden. Es bedurfte* der «Zeder

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Samoa liegt in Händen des» Administrators. Der Gesetzgebende Rat besteht aus sechs Zivit- beamten und drei von der weihen Bevölkerung gewählten Mitgliedern, so dah der Administrator einen entscheidenden Einfluß auf die Beschlüsse des Rats besitzt. Das Eingeborenen- Parlament, dessen Mitglieder (Faipules) vom Administrator ernannt werden, soll das T^r- trauen der Bevölkerung haben. Eine Akte der neuseeländischen Regierung bestimmt, dah kein Eingeborener Faipüle werden kann der nicht in Übereinstimmung mit den bestehenden sa­moanischen Bräuchen dazu geeignet ist. Ueber diese Bestimmung hat sich der Administrator nid» sichtslos hinweggeseht, indem er die durch Erb­recht und Brauch berufenen Vertreter der Ein­geborenen ihrer Stellung und ihrer Rechte ent­hob und an ihren Platz käufliche Puppen fegte, die von der eingeborenen Bevölkerung entschieden abgelehnt werden. Es ist bekannt geworden, dah die Eingeborenenvertreter gegen die Ernen­nung von 30 unter 33 Faipules bet der neu­seeländischen Regierung Einspruch erhoben Haven.

Unter der Weißen Bevölkerung Sa- mvas herrscht begreifliche Mißstimmung gegen den Administrator. General Richardson stellt diese Kritik an seiner Mandatsverwaltung ui feinen Berichten an die neuseeländische Regie­rung als das Werk einer übelwollenden weihen Minderheit hin. 3n Wirklichkeit lehnt die Mehr­heit der Weihen auf Samoa feine Mandats­methoden entschieden ab, und sie findet, daß zwi­schen seinen selbstgefälligen Berichten über die Erfolge seiner Verwaltung auf wirtschaftlichem 'Gebiä und dem, was er wirklich geleistet bat, ein großer Gegensatz klasse. Wenn sich Samoa in den letzten Jahren wirtschaftlich er­holt hat, so ist es nicht das Verdienst des gegen­wärtigen Administrators, sondern seines Vor­gängers und der weihen Devölkeming Samoas, die da wieder angeknüpft hat, wo die deutsche Ko- lonialwirtschaft aufhören muhte.Alles, was General Richardson tat," so heiht es in dem Be­richt des früheren Bezirksinspeltors auf Samoa, Rewton Rowe,geschah u m de r Wirk ung willen, nicht in Samoa selbst, sondern nach außen" bei der neuseeländischen Regierung und beim Völkerbund. Die kürzlich wiedergegebene scharfe Kritik einer so angesehenen und unpar­teiischen Persönlichkeit wie des früheren Mi­nisters Sir Joseph Carruthers sollte die neusee­ländische Regierung veranlassen, dah sie ihre bis­herige Dertuschungspolitik aufgibt anch Der Völkerbund sollte sich mit diesen Zustanden end­lich einmal beschäftigen, zu deren Kritik und Abstellung doch eigens der Mandatsausschuß ge- , schaffen wurde.

Darmstadt, 21. Juli. Reichskanzler M ar? hat der Gattin deS verstorbenen hesftfcheu Staatsministers von Brentano namens der Reichs- regierung telegraphisch seine aufrichtigste Teil­nahme ausgedrückt. R e i chs p r ä si de nt v 0n Hindenburg richtete an den hessischen Staats­präsidenten Ulrich nachstehendes Beileidstele­gramm: Zu dem schweren Verlust den die W sische Regierung und ganz Hessen durch das Ab­leben des Staatsministers von Brentano die Tre- mezzo erlitten hat, spreche ich 31)neu meine herzliche Anteilnahme aus. Die hervor­ragenden Verdienste des Dah'.ngeschiedenen sichern ihm ein dauerndes, ehrendes Andenken, von Hindenburg, Reichspräsident.

eines vaterlandsliebenden, mit der uralten Kul­tur der Heimat verwachsenen, nicht europäisierten, dabei aber an westlichen Hochschulen gebildeten und im westlichen Leben mit europäischer Gesell- chaft und Zivilisation vertraut gewordenen Chi­nesen, um uns einen Wegweiser durch die Rächt der chinesischen Ereignisse zu liefern. Tang Leang-Li, ein Freund Dr. Tsai Buan-Peis (eines der geistigen Führer der chinesischen natio­nalen Bewegung), hat uns in seinem jüngst herausgegebenenChina in Aufruhr' (eine von Else Baronin Werkmann besorgte deutsche Uebersetzung erschien soeben im Verlage von C. Weller & Co. in Leipzig) einen solchen Führer an die' Hand gegeben.

Er zeigt uns in geradezu packender Weise, wie eine wesentlich friedliche und utopische Kul­tur durch die nichtgewollte, aufgezwungene Be­rührung mit einer nach Chinas Meinung unzu­sagenden und erkünstelten (der westlichen) Kultur manches von ihrem bewundernswerten Charakter verloren hat; wie darum nur Chaos und Ver­wirrung entstand; wie sich diese hohe Kultur nun zu einem bewußten Rati 0 nalgefu hl entwickelt hat; wie aus einer Kulturgemeinschaft eine Ration wurde, die nun ihr Recht auf Eigenleben, auf Selbstbestimmung vertritt. Die Verbrennung von 20 291 Kisten englischen Opiums am 16. Juli 1839 im Hafen von Kanton durch Lin-Tse- war an sich ein politisch unhellvoller All gewesen, denn er hatte die wirtschaftliche und politische Knechtschaft Chinas ausgelost. Er hatte aber doch dieselbe symbolische Bedeutung gehabt, wie die (modernen) Streiks, mit denen die Chi- nesen in den letzten Jahren in Schanghai, Kanton, Hongkong und anderwärts auf die Ueserheblichkett der Engländer, Japaner und anderer Bedrücker reagiert haben.

China will seine politisch» und wirtschaftliche Unabhängigkeit, will also die Aufhebung der ungerechten, ihm aufgenötigten Vertrage, die Beseitigung der fremden halbsouveranenRieder- lafsungen, das Ende fremder Gerichtshoheit will wieder im Besitze seiner Zollhoheit sein, will nicht mehr dulden, daß chinesische Generale und Ban­diten von den Fremden gekauft werden. Um Chi­nas gegenwärtige internationale Lage richtig zu verstehen, muß man sich allerdings vor Augen halten, daß sich China in elftem inneren llmfor» mungsprozesse, in einer Re v 0 tuti 0 n befindet, fcie auch eine revolutionäre Losung erheischt. Uas ist unter anderem eine Folge der Tatsache, cxth sich die Prinzipien des Umschwungs, die der Re­volution im Jahre 1911 ihren Sinn gegeben ha-

gen zuteil. . .

Als Parlamentarier hat v. Brentano vielfach tm Gegensatz zur Sozialdemokratie gestanden. Die Staatsumwälzung hat ihn in Hessen in eine Ne­gierung gebracht, in der die Sozialdemokratie die Führung bat. Seinem inneren Wesen nach hat diese meri>en. Konstellation kaum seinen Anschauungen entspro­chen und er war es auch, der innerhalb feine- Partei stets mehr einen Anschluß nach rechts suchte. In all den Jahren, in denen die gegenwärtige Koali­tion in Hessen regiert, lassen sich Versuche des Mi­nisters erkennen, die Parteiverbindungen so zu ge­stalten, daß der Schwerpunkt der Negierung mehr nach der Mitte zu verlegt würde. Er.erkannte, daß das Zentrum, namentlich seitdem es in den letzten Landtagswahlen zwei Mandate "Floren hatte einen immer schwereren Stand habe, sich gegen bte beiden Linksparteien innerhalb der Regierung^ koalition zu behaupten. Im Januar des Jahres 1925 trat feine Taktik, die Regierungsbasis zu ver­breitern, sehr deullich in die Erscheinung, es hat nur an wenigen Stimmen gefehlt, so wäre dmnals der Rücktritt der Regierung erreicht und 0. .Bren­tano mit der Bildung des Kabinetts betraut wor­den Die Rechtsparteien hatten ihm bekanntlich ihre Stimmen gegeben. Das Zentrum ist aber dieser Richtung der Politik nicht treu geblieben, der hnfe ftlüqel gewann die Oberhand. Im Parlament war ?5 auffallend, wie geschickt sich der Minister oer- teidigte; wenn er z. B. Angriffe der Linken gegen die Justiz abwehrte, so zeigte sich besonders deutlich sein lebhaftes Temperament. Er machte ma)t viele Worte, sondern rückte seinen Gegnern mit kurzen, sachlichen Gegenerklärungen zu Leibe, wo ihm sein juristischer Scharfsinn sowie seine langjährige poli­tische und parlamentarische Erfahrung zustatten

rechnete. Donnerstag vormittag gegen elf Uhr ist er dann sanft entschlafen. Finanzminister Henrich hat im Namen der hessischen Staatsreglerung Frau von Brentano das Beileid ausgesprochen. Staats­präsident Ulrich hat ein Beileidstelegramm aus Bad-Nauheim gesandt. Die Beisetzungsfeierlichkeiten sind auf Sonntagvormittag 11 Uhr festgesetzt. Der Sarg wird im Vorhof des Waldfriedhofs aufgestellt

^«jnlfurt a- *

Otto von Brentano.

Der hessische Staatsminister des Innern und hör Justiz Otto von Brentano, der am Donners­tag in Darmstadt nach schwerer Krankheit ent- schlafen ist, konnte auf eine lange Tätigkeit un Attischen Leben zurückblicken. Schon m jungen Jahren brachten ihn Abstammung, Tradition und Weltanschauung mit der Zentrumspartei in Ver­bindung. und er gewann bald in den Kreisen dieser Partei, nachdem er einmal in das offentllche Leben eingetreten war, eine Mhrerstellung. Das Vertrauen seiner Mitbürger benef ihn zunächst tn das Offenbacher Stadtparlament, wo er gute Gelegenheit hatte, das Parteiwesen kminenzu- lernen, im öftentlichen Interesse zu wirken und sich selbst parlamentarisch zu schulen. Ms er dann im Jahre 1897 in die Zweite Kammer des Hessischen Landtags gewählt wurde, zahlte er Wh zu den führenden Abgeordneten Der Zen- trumsPartei, deren Belange er ftets in rhetorisch geschickter Weise zu verfechten verstanden hat. Er besaß ausgezeichnete juristische Kenntnisse, die ihm als Anwalt zugute kämm, die chm: auch die Stellung eines Beirates der Hessischen Land- wirtschaftskammer verschafft hatten und die er nun als Mitglied des Gesetzgebungsausschusses der Zweiten Kammer vortrefflich verwerten konnte. Sein Wirken war derart, daß viele Ent­scheidungen des Ausschusses von chm maßgebend beeinflußt waren. Der Schwerpunkt des Lebens- Werkes von Brentanos öffentlichem Wirken lag wähl in seiner Tätigkeit als hessischer Lankllags- abgeordneter, denn nicht weniger als zwei Jahr­zehnte, vom Jahre 1896 bis zur Auslösung des | Landtags gehörte er der Zweiten Kammer an. Wenn Otto von Brentano später auch in. Der Rationcllversammlung und im Reichstag saß; so ist er doch hier nicht mehr hervorgetreten. Er widmete sich auch eingehend dem Ausbau der Parteiorganisation; er war z. B. viele Jahre im Vorstand (zuletzt zweiter Vorsitzender) Der hessischen Landespartei des Zentrums und, bis er Minister wurde, auch Vorsitzender der hessi­schen Zentrumsfraktion.

Als im Jahre 1918 die Staatsumwalzung kam war Otto von Brentano der »gegebene Führer der Zentrumspartei. Er sprach damals vielfach in öffentlichen Versammlungen und hatte auch einen bestimmten Einfluß auf üwZWahler- maffen des Zentrums. Bei der Neubildung der hessischen Regierung auf parlamentarischer Grundlage wurde Brentano zur Lei­tung des Justizministeriums berufen zunächst mit Dem Titel eines Ministerialdirektors dann wurde er nach wenigen Monaten zum Mimster ernannt. Die Regierungsbildung un Jahre 1922 brachte ihn auf den Posten des Miwsters des Innern, der ihm eine viel Wetter reichende Tä­tigkeit gab; die Stellung als Iustizminister be­hielt er bei. Deine Amtspflichten versah er mit großer Pflichttreue, bis ihn Krankheit zwang sich von den Geschäften zuruckzuziehen. Als! per Minister im Jahre 1925 seinen 70 Geburtstag feierte wurden ihm von den Angehörigen aller Parteien des Landtags außerordentliche Ehrun-

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags.

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild

Die Scholle.

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Samoa.

Die Vorgänge auf Samoa haben die Auf­merksamkeit auf dieses kleine Mandatsland ge­richtet, das unter deutscher Verwaltimg eine Stätte friedlicher wirtschaftlicher Entwicklung und besten Einvernehmens der deutschen Schutzherren mit den auf ihre alte Kultur stolzen Samoanern gewesen war. Die R i ch t e i n h a 11 u n g der verbrieften Rechte der Eingebore­nen und ihre bisher erfolglosen Einsprüche bei Sem Inhaber des Mandats, der Regierung von Reuseeland, beleuchten scharf die Schwachen des Mandatssystems und der Aufsicht DeS Dolker- bunöe3 dessen Mandatsausschuß die schongefarb- 7en Berichte der neuseeländischen Regierung kri- 'iklos entgegengenommen hat.

Die Samoaner haben es nie verwinden kön­nen daß Samoa nach der Wegnahme der deut­en Kolonie unter neuseeländisches Mandat und nicht unmittelbar unter engllsche Oberhoheit gelangte, und auch heute wieder for Dew Sie Vertreter der Eingeborenen von der eng­lischen Regierung H.ch u h g e g e n d M ih, wir t s ch a f t des von der neuseeländischen Re- tierung gestellten Gouverneurs, General Ri­chardson, der in seiner Eingeborenenpoliti bisher volle Rückendeckung bet der neufte-andi schon Regierung fand. Die gesamte Gewalt auf

China in Aufruhr.

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§ J.104

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Nachrichten.

ct Slubentenfag cnlentag in Dür», &er Annahme eines in dem c8 heU

an der vvlkischrn Dürz- '9 von 1 922 unbe-

Für Neutralität

des Beamtenbunves.

Berlin, 22. Juli. (Prio.-Teh) Die dem Deut­schen Beamtenbund angehörenden Mitglieder der Reichstagsfraktion der Deutfchnationalen Volks­partei, des Zentrums, der Bayerischen Volkspattel, der Deutschen Dolkspartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung haben an den Vorsitzenden des Deut­schen Beamtenbundes, Flügel, gemeinsam ein Schreiben gerichtet, in dem sie un chmblick ciuj Die Tätigkeit der innerhalb des Bundes entitandenen sozialdemokratischen Arbeitsgemein­schaft Maßnahmen zur Wahrung der Neutralität des Bundes fordern. In dem Schreiben heiyt es: Wir betonen in aller Offenheit, nicht länger mit einer öffentlichen Kritik des Bundesvorstandes zu­rückhalten zu dürfen, wenn nicht endlich die notwen­digen Maßnahmen getroffen werden, um die p a r - teipolitische Neutralität des Deutschen Beamtenbundes sicherzustellen.

Trauerseier für die getöteten Yofizeibeamten.

Wien, 21. Juli. (WTB.) Heute nachmittag fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung m der Lueger-Gedächtniskirche des Zentralfriedhoses die T r a u e r f e i e r für die am vergangenen tireb tag getöteten vier Beamten der Polizei- d i r e k t i 0 n sowie des ebenfalls erschossenen Leutnants des Bundesheeres, Binder, statt. Die Särge waren nebeneinander ausgebahrt und 'mit zahlreichen Kränzen geschmückt. An der Trauerseier nahmen u. a. Bundespräsident Hainifch, Bundeskanzler Seipel, Polizei­präsident Schober, der Heeresminister und die übrigen Mitglieder des Kabinetts teil. In der Fried- hosskapelle und vor derselben hatte sich eine groye Menge von Abordnungen eingefunden. Bor der S'tn= pelle war ein Bataillon des Bundesheeres sowie zahlreiche dienstfreie Polizeiabteilungen ausgestellt. Eine Rede Grünbergers«

Paris, 21. Juli. (Täl.) Der ehemalig-: Außenminister und jetzige österreichische Gesandte in Paris Dr. Grünberger sprach heute aus einem vom Amerikanischen Klub veranstalte.en Frühstück über die politische, wirtschaftticye^unD finanzielle Lage Oesterreichs. Er kam dabei auch auf die letzten Wiener Ereignisse zu spre­chen und stellte fest, dah die am 15. Juli statt- gefundene Kundgebung von den woziai- dernokraten veranstaltet toorten fei, deren frühere Kundgebungen stets fnedlia) mr laufen wären. Auch die letzte Veranstaltung war. I zweifellos ohne Zwischenfälle vorubergegangen,