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Nr. fe8 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, 22. März (92Z

Ist die Türkei ein Ziediungsland?

Don unserem F. v. H. - Berichterstatter.

Konstantinopel. März 1927. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten./ Dach dem kürzlich zwischen dem Deich und der türkischen Republik abgeschlossenen Rieder- loslungSvcrtragc, dessen Ratililationsurkunde nach der bereit- erfolgten Annahme im Reichstag und nach der Billigung durch die Ausschüsse des Parlaments in Angora in Kürze auSgetauschi werden dürsten, ist eS deutschen Staatsbürgern gestattet, in der Türkei Grundbesitz zu er- werben. Die wirtschaftliche Dot innerhalb Deutschland-, die in zahlreichen Deutschen den Wunsch auskeimen läßt, ihr Glück im Auslände zu versuchen, wird nun auch manchen von ihnen auf den Gedanken bringen, da- Land unserer ehemaligen Bundesgenossen alS Auswande­rung S z i c l zu wählen.

Gewist bietet das reiche und teilweise sehr fruchtbare Kleinasien günstige LebenSbedingun- gen für mindesten- die dreifache Anzahl von Menschen alS jetzt dort wohnen. Da- Gebiet der heutigen Türkei, da- etwa 7.11 Millionen Menschen beherbergt, ist großer als Deutschland und. wenn auch in großen Strichen al- Acker­land nicht verwendbar, klimatisch erheblich be­vorzugt. ES würde also fremden Ansiedlern, besonder- wenn sie kulturell und in bezug auf Tüchtigkeit und Arbeitskraft den anatolischen Bauern überlegen sind, gewiß nicht allzu schwer fallen, nach Erlernung der llimatischen und WachStumSbedingungcn ihr gute- Fortkommen zu finden. Gerade da- aber ist es, was einer Ansiedlung und Seßhastmachung in Thrazien oder Anatolien die größten Schwierigkeiten in den Weg legf.

Die heutige national« türkische Republik hat mit den größten Opfern und unerhörter Tatkraft unD Zielsicherheit, mit dem Schwerte in der Hand, sich ihre Unabhängigkeit erstellten. Sie ver­langte alS Preis des Sieges nicht nur ihre äußere Selbständigkeit, sondern auch Klein­asien alS rein türkisches Land. Der verhaßte Armenier und der noch verhaßter« Grieche, die sich trotz jahrhundertelanger Unterdrückung durch das Groberervolk auf Grund ihrer größeren Geschäftstüchtigkeit und Emsigkeit zur wirtschaft­lichen Oberschicht aufgeschwungen hatten, muhten hinaus. Und die Türkei ist peinlich darauf be­dacht. keinen dieser fremden Keime Wurzel fas­sen zu lassen. Sie verzichtet daher bewußt auf eüte «schnelle und gründliche Erschließung des Lande- mit Hilfe ausländischen Kapitals und einzelner selbständiger ausländischer Unterneh­mer. Die läßt Dodenflächen unbebaut und Bodenschätze ungehoben, nur au- Scheu vor Abhängigkeiten irgendwelcher Art. Don diesem Gesichtspunkt aus gesehen, kann der Tür­kei naturgemäß nicht- daran liegen, einzelne srcmde Ansiedler, die sich hier eine neue Hei­mat gründen wollen, oder gar ganze Kolo­nien bei sich aufzunehmen, wenn sie sich im voraus Tagen muh, bah die Ueberlegenheit der Fremden über den einfachen Anawuer ihn in Kürze auf ein« wirtschaftliche und damit auch gesellschaftliche Stellung heben wird, die nicht im Interesse Angora- liegt. Selbstverständlich sind aber, wie oben gesagt, Ansiedlungen mög­lich. und vereinzelte deutsche Landwirte haben sich auch bereits nach vielen Mühen eine Exi­stenz schaffen können, doch bleiben da- Ausnah­men, und e» ist woyl noch keinem gelungen, sich nennenswert mehr als den Lebensunterhalt zu erwerben.

Man darf auch nicht vergessen, dah es selbst­verständlich jederzeit in der Wacht der örtlichen türkischen Behörden und vielleicht auch der tür­kischen Bevölkerung liegt, Druckmittel aller Art anzuwendcn, um unbequemen Gästen das Leben zu verleiden. Außerdem wird man in der Wahl dieser Druckmittel hier kaum so zartfühlend sein, wie vielleicht in Europa Mancher bedauerliche Fall dieser Art hat sich hier abgespielt. Es ist für einen Europäer nicht leicht, sich dem Leben im Orient anzupassen und mit der um­gebenden Bevölkerung mitzuleben. wie eS der Landwirt muh. Die Seele deS Orientalen, bcfon- ders des Türken von heute, ist ungeheuer emp- findlich und unbedachte Aeuherungcn oder Hand­lungen aus Unkenntnis können und werden tie­fer verletzen. alS man gemeinhin im Abendland« annimmt. Die von der Regierung erstrebte Eman­zipierung und die Lockerung religiöser Fesseln sind im Innern Anatoliens durchaus noch nicht so weit vorgeschritten, wie es von außen den Anschein hat. Im Grunde genommen bleibt der Europäer im Land« immer noch der ..Giaur". waS bei irgendwelchen Zwischenfällen sofort zum Durchbruch kommt.

Es muh hier auf alle technischen, klimat lchen und sonstigen Schwierigkeiten verwiesen werden, von denen sich der mit heimischen Verhältnissen vertraute Landwirt kaum eine Vorstellung machen kann. Völlig ungenügende Verkehrsweg«, das Fehlen von Reparaturwerkstätten für landwirt­schaftliche Waichinen. Heuschreckengefahr und kli- matische Überraschungen sind eine dauernde Quelle der Unsicherheit. Dazu kommt der Man­gel an Arbeitskräften und vor allem die bislang völlig ungenügende Gesetzgebung und Rechtspre­chung. der Mangel an gut geführten Grund­büchern und oft klarer Festlegung des Gigen- lumsrechtcs. Gute Aerzte oder Tierärzte sind im Innern Anatoliens nur sehr feiten anzu- !reffen und oft nur nach tagelangen Wagen- fahrt en zu erreichen. Eine Entschädigung für Kriegs- oder Manöverfchäden ist so gut wie ausgeschlossen. In einem Streit um Mein und Dein oder sonstige Gerechtsame wird sich die öffentliche Meinung in der heutigen Türkei, wenn auch das gerichtliche Urteil gerecht ausfällt, stets auf die Seite des Türken stellen. Und schon ist der Anlaß zu Reibereien gegeben.

Man soll sich auch alS Deutscher hier keiner­lei Illusionen hingebcn. Der Deutsche wird alS Tvurist oder Reisender im Inneren Ana­toliens stets sreubig ausgenommen und gut be­wirtet werden. Man hat in der Bevölkerung. daS muß gesagt fein, für Deutschland nach wie vor mehr Sympathien, alS für jede- andere euro­päische Land. Die- ändert sich aber, sobald der Deutsche als Konkurrent des Einhei­mischen auftritt. Und je mehr er vorbildlich und mustergültig wirkt, desto größer wird da- Mihtrauen und desto stärker die Gegensätzlich­keit.

ES gibt wohl in der Türket eine Möglichkeit, als Landwirt vorwärts zu kommen und auch für später etwa- zurückzulegen, bann aber nicht al- Kolonift oder Siedler, sondern als Beamter. ES ist verschiedenen Deutschen gelungen. alS Verwalter größerer türkischer Güter sich durch­zusetzen und durch zähe Arbeit und mustergültige Organisation die ihnen anvertrauten Betriebe auf eine verhältnismäßig hohe Stufe zu bringen und relativ ertragreich zu machen. Man follte aber als Verwalter darauf bedacht fein, dah man nicht mit bar Geld, sondern mit einem

Prozentsatz der Ernte bezahlt wird. Brr allem aber ist es wichtig, sich vorher durch persönlichen Augenschein zu überzeugen w o nf a n bin gebt, und keine Bindungen ohne vorherige persönliche Orient.erung «inzugehen Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Türkei, die örtlich so verschieden sind, lassen sich meist nur an Ort und Stelle erkennen und verstehen. Ge­rüchte und Angaben anderer, vielleicht daran interessierter Persönlichkeiten sollte man mit der nötigen Zurückhaltung ausnehmen, jedenfalls sie nicht entscheidend werden lasten

Es kann dem freundschaftlichen Verhältni- zwifchen Deutschland und der Türkei nur dien­lich fein, wenn man in Deutschland weih. waS die heutige Türkei in landwirtschaftlicher Be­ziehung dem deutfchen Auswanderer zu bieten vermag. SS wird die deutsche Sympathie für da- türkische T'df erheblich ziehen, wenn die Zahl der Enttäuschten zunimmt; und es wird die türkisch« Zuneigung zu Deutsch­land nicht fördern. Denn man bei uns Maßnah­men entgegenstrebt und fie verkennt, die man in Angora aus völkifchen Gründen für geboten erachtet

Die Ferngasversorgung.

Don August Steding, Direktor d«S städtischen Gaswerkes in Gießen.'s

Die Frage der Ferngasversorgung ist in letzter Zeit wiederholt Gegenstand eingehender Erörterungen in der Tages- und Fachpresse gewesen. Die Ferngasversorgung erstrebt die Zentralisierung der Herstellung von Gas in Koke­reien und seine Verteilung durch Fernleitungen über ganze Länder. Die Gasversorgung der Kom­munen soll somit nicht mehr durch eigene Gas­werke. sondern durch weitentfernte Zentralstellen gehandhabt werden. 3m Gegensatz zu dem gegenwärtigen Riefenprojekt find FerngaSversor- gungsanlagen in fieinerem Ausmah mit gerin­gerem Betriebsdruck schon feit Jahrzehnten auS- geführt, z. B. in Lübeck, Heidelberg, in Thürin­gen, in Riederschlefien, im Dolksstaat Sachsen und namentlich im Ruhrrevier, aber die jetzigen, in ihrer Großzügigkeit überraschenden Pläne über die Ferngasversorgung der rheinisch-westfälischen Kokereien tauchten erst vor einigen Monaten auf und werden merkwürdig forciert betrieben. Rach den Ausführungen der von Mitgliedern des rheinifch-westfälifchen Kohlenfyndikats gegründe­ten Aktiengesellschaft für Kohleverwertung (A. G. K.) in Essen, die das großzügige Fern- gasversorgungSprojekt zur Verwirklichung brin­gen will, soll in erster Linie eine produktive Ausnutzung der Ueberfchußgasmengen der Ruhr­kokereien. ferner eine rationelle Verwertung minderwertiger Kohle und nicht zu allerletzt eine Absatzsteigerung der Ruhrkohle erreicht werden. Der Bergbau will nicht wieder wie in den letzten Jahren die geförderten Kohlen, welche durch Minderverbrauch der Industrie, der Haushaltun­gen und Elektrizitätswerke, die größtenteils von Wasser- oder Braunkohlenkraftwerken den Strom beziehen, unverkäuflich waren, auf bi« Halde bringen und verwittern lassen, sondern frisch verwerten. Rur infolge des vorjährigen englischen Bergari>eiterstreikS war es möglich, die Kohlen­halden im Ruhrrevier, die einen Bestand von nahezu 10 Millionen Tonnen aufwiesen, zu räumen. Der Generaldirektor der A G. K. hat in bet letzten Sitzung des Reichskohlenrates er- flärt: , Falls Gewähr für vollen Absatz der Kohlenförderung in den nächsten Jahren bestehe, denke man an der Ruhr nicht daran, auch nur einen einzigen Gasverforgungsvcrtrag abzuschlie­ßen." Hiermit ist wohl Har ausgesprochen, daß lediglich die Kohlenabfatzfrage den Anstoß zu dem Ferngasversorgungsprojekte gegeben hat.

Die Versorgung der Gaswerke mit ent­sprechenden Kohlen stößt heute noch oft auf Schwierigkeiten, denn nur wenige Zechen fördern gute Gaskohle. Fettkohlen und andere Kohlen­sorten find in Mengen vorhanden und zeit­weise schlecht verkäuflich Es wird nun beab­sichtigt, in den Kokereien hauptsächlich solche Kohle zu verarbeiten, die schwer unterzubringen ist. Diese Kohle muß selbstverständlich aufbereitet fein; fie wird gesiebt, gewaschen, gemahlen und mit anderen Kohlensorten entsprechend gemischt. Rur eine aufbereitete Kohle gibt Gewähr für ein gutes Gas und einen festen Koks Die meisten Gaswerke können sich den Luxus einer kostspieligen Aufbereitungsanlage nicht erlauben und würden deshalb gern von den Zechen auf­bereitete Kohle beziehen, wenn sie solche m der nötigen Menge und Sorte regelmäßig erhalten konnten. Ist es daher den an den Küsten und Wasserstraßen liegenden Gaswerken zu ver­denken. wenn fie auf di« gute und billige eng­lische Gaskoblc zurückgreifen, weil die englischen Lieferanten sich den Wünschen ihrer Abnehmer besser anpassen als die- durch das Ruhrkohlen­syndikat zuweilen geschieht? Richtig ist der Ein­wand. daß es für die deutsch« Volkswirtschaft nicht tragbar ist. ausländische, besonders eng­lische Koble zu verwenden, während für die in deutschen Bergwerken abfallende Feinkohle keine ausreichende Verwendung vorhanden ist. Die deutschen Gaswerke, die heute noch englische Kohlen verwenden, würden s-lbstverständlich auf deutsche Kohle zurückgreifen, wenn fie zu einem Preise geliefert würde, der ein wirtschaftliches Arbeiten der Werke ermöglichte.

) Herr Direktor Steding hat am Freitag in einer nichtöffentlichen Sitzung des Stadtparla­ments und der Vertreter der Prelle einen außer­ordentlich fesselnden und lehrreichen Vortrag über die bedeutsame Frage der Ferngasversorgung gehalten. Dem Vortrag geben wir hier in seinen Hauptzügen Raum und empfehlen ihn der all­gemeinen Aufmerksamkeit D. Reb.

Die in sehr großer Zahl vorhandenen Heine­ren Gaswerke, namentlich Werke, die ohne Gas- fauger arbeiten, wirtschaften fehr unvorteilhaft, denn fie können mit ihren kleinen Oefen die Kohle nicht vollständig entgafen und benötigen eine zu große Unterfeuerung, sie verschwenden somit Kohle und Koks. Werke bis 1.5 Millionen Kubikmeter Iahreserzeugung verarbeiten auch meistens das unverkäuflich« Gaswasser nicht, sondern lassen es fortlaufen oder versickern. Hier­durch geht viel Stickstoff verloren, welchen die Landwirtschaft so dringend benötigt Richtig ist es. daß nach Verschwinden der kleineren Gas­werke die Kohle rationeller verwertet wird, mit­hin einer Ferngasversorgung in kleineren Aus­maßen nur zugestimmt werden kann.

Der Gasverbrauch pro Kopf und Jahr be­trägt in England 178 Kubikmeter und im Deut­schen Reich im Durchschnitt nur 51 Kubikmeter; der Verbrauch kann somit noch wesentlich ge­steigert werden, wenn Gas in allen Gemeinden eingeführt und wenn es billiger geliefert werden konnte. (In Gießen beträgt der Verbrauch pro Kopf und Jahr rund 100 Kubikmeter.) Die Gesamt-GaSerzeugung im Deutscheii Reich ist mit rund 3.5 Milliarden Kubikmeter festgestellt und soll nach den Berechnungen der AG. K. auf 8 diS 9 Milliarden gesteigert werden können. Die A. G. K. will nun die im Ruhrgebiet an­fallenden Ueberfchußgasmengen, für welch« eine produktive Verwendung nicht vorhanden fein soll, der Allgemeinheit zuführen und. tote sie jetzt mitteilt, vorerst die bis jetzt noch nicht mit Gas versorgten Gebiet« erschließen und ungünstig ar­beitende Gaswerke beliefern, fotoie die Spihen- deckung der an der Leistungsgrenze stehenden Gaswerke übernehmen. Die Ueberschuhmengen sollen nach den Angaben der A G. K etwa 9 Milliarden Kubikmeter betragen; Kenner der Kokereiverhältnisse schätzen jedoch die Meng« auf nur 2 biS 3 Milliarden Kubikmeter. Die QL G. K. hat die FerngaSpreife noch nicht bekannt gegeben, fie sollen aber so bemessen werden, daß sie frei Gasbehälter und Verbrauchsort etwas niedriger sind als bei der Eigengaserzeugung. Würden die Gaswerke auch von der Svndikatsabgabe. die für die Tonne Kohle 5 Mk. betragen soll, befreit, so könnten fie das Gas billiger Her­stellen immer frei Gasbehälter verstanden als die Kokereien berechnen wollen, die für sich die Eelbstverbraucherrechte in Anspruch neh­men und daher die Syndikatsabgabe sparen. Eine Reih« von Städten im rheinisch-westfäli­schen Industriebezirk bezieht Zechengas billigst aus der schon bestehenden Heinen Ruhrversor­gung. Aber auch in diesen gewissermaßen auf der Kohle liegenden Städten sind die Verkaufs­preise nicht geringer als in den entferntesten Mittelstädten Deullchlands mit eigenen Gas­werken. So beträgt der Verkaufspreis in Ham­born und Oberhausen 17 Pfennig, in Bochum und Essen 18 Pfennig, in Gelsenkirchen 19 Pf. und in Reuh 22 Pf. je Kubikmeter Gas von nur 4200 Wärmeeinheiten, während in Gießen für ein Gas von 5000 Wärmeeinheiten nur 20 Pf. für den Kubikmeter erhoben wird. Zwischen dem Selbstkostenpreise des Gases frei Gasbehälter und den Olbgabepreisen an di« Gasverbraucher liegt noch ein langer Weg. Die Amortisation und Instandhaltung des Ortsrohmetzes, die QEb- tragung der übrigen auf einem Gaswerk ruhen­den Lasten, z. B. Steuern, die heute nahezu 1 Pfennig je Kubikmeter GaS betragen, die Kosten der Verteilung einschl. Gasverluste im Rohrnetz, die Messung d«S Gases, die Ausgaben für die Einkassierung der Gasbeträge, überhaupt der ganze Verwaltungsapparat bleibt derselbe, einer­lei. ob das Gas selbst erzeugt wird ober ob Fernbezug stattfindet; eine Verbilligung des Gases wird durch Fernbezug kaum eintreten.

(Fortsetzung folgt.)

Aus Dem Amtsverkündigungsblatt.

Das Amtsverkündigungsblatt R r. 2 0 vom 18. März enthält: Bildung einer öffentlichen Waffergenoffen'chast der Gemarkung Annerod Forst- und Waldfchutz. Gesuch um Erlaubnis zur Erbauung eines neuen Schlacht­hauses in Allendort a. d. Lahn. Territorial- geschichte der Wetterau. Vergütung für den nebenamtlichen Fvrtbildungsschulunterricht. Antreisung der Vergütung für die nebenamt­lichen Handarbeitslehrerinnen. Dienstnach­richten.

Tierpsychologische Beobachlungsstation Dietzen.

Man schreibt unS Wie im vergangenen Jahre, so kann man auch in diesem Jahre be­obachten. toi« sich täglich von 5 Uhr nachm. an zahlreiche Krähen vor dem Schiftenberger Weld« in der Gegend der GaUschen Tonwa><nfavrik einfinden und nach 7 Uhr ihr Rachtqucrtier in den Baumen deS Waldes aufsuchen. Es wäre nun wichtig, festzustellen, von woher diese Tier« kommen, wie weit ihre Weidegebiete von ihrem Schlafplatz entfernt Liegen. ES treffen z. B große Schwärme auS 200 biS 303 Stück bestehend auS nordwestlicher Richtung, also auS der Gegend von Heuchelheim her. ein. Auch von Süden, ungefähr von Droßen-Linden her. findet sich regelmäßig ein Schwarm ein. Sehr wahrschein­lich erhalten die Vögel auch Zuzug auS anderen Gegenden. Es wird nun gebeten. Rachrichten über solch« Schwärm«, die gegen Wend in der Rich­tung deS obengenannten Sammelplätze- ziehen, an die tierpfychologifche Devbachtung-stativn und zwar z. H de- Herrn Professor Henneberg. Gießen. Anatomische- Institut. Bahnhofstraße, gelangen zu kaffen. E- find, toeim möglich. An­gaben zu machen über 1. Größe her Schwärme igeschätzte Stückzahl). 2. Weideplatz. 3. Flugrich­tung. 4. Datum deS Deobachtung-tageS. Stund« und Minute. 5. Zusammensetzung der Schwärme, ob Saatkrähen - - kenntlich an der Übertreten, grauen Gesicht-partie um den Schnabel Raben­krähen. Dohlen, lieber die Art der Mgel läßt sich natürlich nur Bestimmte- lagen, wenn man fie auf dem Weideplatz beobachten kann. Um die genaue Adresse de- 'Beobachter- wird ge­beten Da- Gesamtresultat wird im .Gießener Anzeiger' unter Ramensnennung der Beobachter veröffentlicht werden. Um Abdruck dieser Rotiz in anderen Blättern wird gebeten.

Die Ausnutzung der oberhessischen Braunkohle.

WSR. Frankfurt a. M. 21 Marz. Der Magistrat hat in feiner heutigen Sitzung einer Reihe von Verträgen zugestimmt. nach beiten dic Stadt Frankfurt a. M. gemeinsam mit dem Voll-- ftaat Helsen eine Vrankvhlcn-Schwelkraftwerk- A.-G. bildet, um die im Besitz des DollsstaateS Hessen u. der Franks. Gasgesellschaft befindlichen D r a u n k oh l e n g r u b e n in Oberheffen wirtschaftlich auSzunutzen, insbesondere auch durch die Verwertung der Abfallstoffe al- De- triebäfeuerung in einem Kraftwerk auch der Stadt Frankfurt einen verhältnismäßig billigen Fern­st rombezug zu sichern. Die Stadt Frankfurt so­wohl als der Volksstaat Hessen sollen an Der Gesellschaft mit je 50 Prozent deS AktienkapitalS von drei Millionen beteiligt fein. Technisch sollen da- hessi­sche Kraftwerk Wölfersheim sowie da- Urnspannung-Werk Wölfer-heim unter eßlspre­chendem Ausbau in die Reuanlage de- Schwel- krastwerkes Wölfersheim einbettigen wer dem Der Gesamtfinanzbedarf der Gesellschaft stellt sich auf rund 16'/, Millionen Mart, von Denen 13l/e Millionen Mart durch Ausgabe von Obligatio­nen unter der Bürgerschaft de- VolkSstaate- Hessen und der Stabt Frankfurt beschafft wer­den. Reben Wölfersheim wird auch die im Besitz der Frankfurter GaSgesellschaft befindlich« Drude .Friedrich" ein Schwelwert errichten, dessen Be­trieb in enger Interessengemeinschaft mit dem Wert Wölfersheim steht. Zur Durchführung de- Bau- und Beteiligung-Programm- der Gewerk­schaft .Friedrich" nimmt Die Frankfurter GaS- gefettschaft unter Bürgschaft der S ?t Frank­furt ein Darlehen von drei Mil!, ucn Mart auf. Im Rahmen bet Sicherung wirtschaft­licher Vorteile für die Stadt Frankfurt a.M bedeutet das ganze Unternehmen in feinen Aus­wirkungen zugleich die Anbahnung freundnach­barlicher Beziehungen im wohlverstandenen gleich­gerichteten wirtschaftlichen Interesse deS VolkS- staate- Helfen und der Stadt Frankfurt a. M.

Wirtschaft.

' Die Eröffnung der Kölner Früh­jahr s m e f f e. Die Kölner Frühjahrsmeffe ist am Samstag eröffnet worden. Der Besuch der Messe war ausgezeichnet. AlS allgemeines Urteil lieh sich feststellen. daß bi« Mess« gegenüber bem Herbst an Reichhaltigkeit tote an innerem Wert wesentlich gewonnen hat. BesonberS auffallenb ist bas Anwachsen ber Möbelmefse, bie daS ge­samte Obergeschoß des Westhalle in Anspruch nimmt. Auch die Abteilung Haus- und Küchen­geräte hat sich erheblich ausgedehnt. Die Textil- messe ist Stand an Stand dicht belegt. Eine be­sondere Rote erhall die Textilmesse durch eine hier angeschloffene interessante und reichhaltig beschickte Ausstellung Pariser Moden. In ber Technischen Messe fanben die beiden Sonder- gruppen .Schweißtechnik' und »Elektrizität in Haushall und Gewerbe" besonders großes Inter­esse. DaS Geschäft hat sich bereits am ersten Tage lebhaft entwickelt. In allen Gruppen waren die Aussteller mit bem Ergebnis zufrieden.

Kaiser Friedrich-Quelle-A. -G.. Offenbach a. M Die Gesellschaft schloß bas Geschäftsjahr 1926 bei 46 405 (i. D. 52 618 RM. Abschiebungen, mit einem Reingewinn von 81 176 (54 325) RM. ab. woraus eine gegen daS Vorjahr verdoppelte Dividende von 8 Prozent (4 Prozent) verteilt werden sott.

' 3. G. Farbenindustrie-A. -G, Frankfurt a. M Durch die Presse sind in letzter Zeit verschiedene Rachrichten gegangen über angebliche Zentralisierung des Verruss und ber Verwaltung ber I. G. Farbe ninduftre-A.-G. in Frankfurt a. M Hierzu wirb mitaete^t, baß alle diese Rachrichten verfrüht sind. Es bestehen wohl Erwägungen über bie Zweckmäßigkeit einer

nicht vergessen

Suppen, Soßen. Salate, Gemüse werden beim Anrichten tm Geschmack gekräftigt und verfeinert durch Zusatz einiger Tropfen

MAGGI5 Würze..