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Hungen für den Fall anttrofcn, daß Ne Pro­paganda nicht sofort eingestellt würde. Mehrere gemäßigte Minister, unter ihnen Austen Chamberlain, würden einem solchen Dör­nchen Widerstand entgegenstellen, da nach ihrer Ansicht die Sowjetrigerung nicht für jede kom- monistische Propaganda verantwortlich sei, die nach Abbruch der Beziehungen nicht auf - hören würde. Dislang ist noch keine Rote an die Sowjetregierung abgefaht worden, da das H a n - lauer Abkommen einen neuen Grund bie­ten dürste, leine weiteren Schritte zur Abfassung einer solchen Aote zu tun, bis sich herausgestellt hat, wie daS Hankauer Abkommen beachtet wird und wirkt.

Die Lage -er Kriegsbeschädigten.

Der Bersorgungshaushalt im Reichstag.

Berlin, 21. Febr. (035)3.) Die zweite Be­ratung des Haushalts für 1927 wird fortgesetzt beim Bersorgungshaushalt.

Abg. Soßmann (Soz.) weist darauf hin, daß entgegen den Erwartungen die Zahl der versorgungsberechtigten Kriegsbe­schädigten in den beiden letzten Iahcen nicht zurüclgegangen, sondern von 720 000 auf 736 800 gestiegen ist. Trotzdem sei der Etatsansatz, der rund eine Milliarde ausmache, wiederum um nmD 97 Millionen vermindert worden. Der Aeichstagsbeschluh, daß in einem Olachtragsetat eine Besserstellung der Kriegsbeschädigten ein­treten sollte, sei von der Regierung nicht aus- geführi worden. 5>ie Sozialdemokratie verlange, daß die Renten endlich auf eine ganz neue Grundlage gestellt werden. Es sei beschä­mend, daß ein großer Teil der mit wertloser 'Papiermark abgefundenen Kriegsbeschädigten mit der Drehorgel im Lande herumziehen müsse. (Hört, hört! links.) Damit vergleiche man die Tatsache, daß gesunde Offiziere, die gut bezahlte Stellungen haben, daneben Pensionen bis 28 000 Mark jährlich beziehen (Hört, hört! links.) 5>ie Deutschnationolen hätten seinerzeit eine 5>ent- schrist über die Pensionen beantragt, weil sie damit beweisen wollten, welche hohen Bezüge die pensionierten Staatsmänner der Republik beziehen. Die nun erschienene 5)enkschrift be­weist im Gegenteil, wie ungeheuerlich die Repu­blik belastet wird durch die hohen Pensionen der ehemals kaiserlichen Minister und Offiziere. Die Kreise, die am meisten über die Futterkrippen- wirtschast schreien, sind hier als die privilegierten Futterkrippenaspiranten entlarvt. (Lebhafte Zu­stimmung links.) 5)ie jetzt im Pensionswesen be­stehende Bevorzugung der Offiziere vor dem Beamten mutz aushören. 5>iesclben Offiziere, die als Richtstuer 17 000 Mk. und mehr 3ahres- penfion von der Republik beziehen, verhöhnen jetzt die Republik und putschen gegen sie. Der Redner verlangt eine Reuregelung der Ministerpensionen und ein Pensions- kürzungsgefeh, durch das hohe private Ein­künfte den pensionierten Beamten zum Teil an­gerechnet werden sollen.

Abg. Laverenz (Dn.) betont, die Versorgung der Kriegsbeschädigten sollte verbestert werden, so­weit die Reichsfinanzen es zulasten. Den Versuchen flur Pensionskürzung würden sich die Deutschnakio- nalen mit aller Energie widersetzen. Aus diesem Grunde würden die Deutschnationalen auch die Ausschußentschliehung ablehnen, in der eine Pen­sionskürzung bei den Empfängern hoher Pensionen angeregt wird. Ob ein Pensionsempfänger der Re­publik freundlich oder nicht gegenübersteht, sei gleichgültig, denn die Republik sei nur eine Staats- form, nicht der Staat selbst. Die Pensionsdenkschrift habe viele Uebertreibungen der Linken widerlegt. Rur ein halbes Dutzend Prinzen befinde sich unter den Pensionen. (Rufe links: Roch viel zu viel!) Notwendig fei die Wiederherstellung der Tropen­zulage bei den Pensionen.

Abg. B r ü n i n g h a u s (D. B.) wendet sich gleichfalls gegen jede Art einer Pensionskürzung. sijewitz könne es aufreizend wirken, wenn in der Zeit der allgemeinen Not des Vaterlandes einige Offiziere sehr hohe Pensionen beziehen. 'Aber ein Pensionskürzungsgesey würde keine we­sentliche finanzielle Wirkung haben. Ein solches Ge­setz werde auch nicht angenommen werden, weil es als oerfastungsändernd eine Zweidrittelmehrheit er­fordern würde. Der Redner fordert eine bessere Zioilversoraung der aus der Reichswehr ausscheidenden Offiziere und Mannschaften.

Abg. Gerig (Ztr.) bedauert, Satz die in wiederholten Entschließungen verlangten Auf- besscrrmgen für die Kriegsbeschädigten noch nicht geklärt worden sind. 3m Ausschutz werde ge­prüft werden müssen, wieweit solche Aufbesse­rungen möglich sind. Dann könnten bei der drit­ten Lesung entsprechende Beschlüsse gefast wer­den. Solange noch große Härten für die aller- bedürftigsten Kriegsbeschädigten bestehen, kann man nicht Tropenzulagen und dergleichen wie­der einfuhren. Darum mutz bei der Reurege- lung der Pensionsverhältnisse der Minister auch der in der Ausschuheirtschlietzung enthaltene Ge­danke verwirklicht werden, datz die Erfas­sung der Rebenbezüge anzustreben ist. Dabei darf zwischen Beamten und Offizieren kein Unterschied gemacht werden.

Abg. Ziegler (Dem.) schließt sich den Be­schwerden des Abg. Roßmann über die un­zulängliche Versorgung der Kriegsbeschädigten an. Besonders übel sei es mit der Heilbehandlung der geisteskranken Kriegsbeschädigten bestellt. Hier schiebe das Reich seine Versorgmigspflickt ein­fach auf die Krankenkassen ab. 1,7 Millionen hätten die Krankenkassen an Mehraufwand ge­habt für eine Aufgabe, di« das Reich zu er­füllen hatte.

Abg. Lucke (Wirtsch. 03er.) führt auS, die Pension sei ein Geh alt Steil des Beam­ten, der ihm vorher nkfrt aus gezahlt wurde. Darum sei es verständlich, toerm in der Ausschuß- cntschlietzung eine gewisse Kürzung der be­sonders hohen Pensionen verlangt wird. Ange­sichts der Rot des Vaterlandes sei es wünschens» wert, auf diesem Gebiet Ersparnisse zu machen. Der Redner wünscht eine Erhöhung der Bezüge der Altpensionäre und die Wiederherstellung der Tropenzulage.

Abg. Tiedt (Komm.) weist darauf hin. datz arbeitsfähige Offizier«, die ein Gehalt von 10 000 Mark erhalten, daneben noch 10 000 Mark Pension beziehen. Diese Pensionen mühten zugunsten der betrogenen Kriegsbeschädigten gekürzt werden.

Das Haus vertagt sich aus Dienstag.

Die deutschen Sachliererungen.

Berlin, 21. Febr. (Wolff.) Die Anzahl der für Frankreich im Januar 1927 genehmigten Ver­träge ohne Kohlen- und Farbstofilieserungcn be­trägt 200 im Gesamtwerte von 14,9 Millionen

Reichsmark. Am 31. Januar 1927 stellte sich damit der Wert sämtlicher seit Inkrafttreten des Dawes- plones genehmigten französischen Verträge auf 387,2 Millionen Reichsmark. Für Belgien sind im Januar 113 Verträge im Werte von 7,5 Millionen Reichsmark genehmigt worden. Der Gesamtbetrag der seit Inkrafttreten des Dawesplanes genehmigten belgischen Verträge erhöht sich damit auf 88,7 Mill. Reichsmark.

Die Sabotage des Datoesplanes.

Dernburg

gegen die Behauptungen Nobinsons.

Berlin, 22. Febr. (TU.) 3m »Berliner Tageblatt" veröffentlitcht Staatssekretär Bern­hard Dernburg eine Antwort an den ameri­kanischen Bankier Robinson, der bekannllich vor einiger Zeit die Behauptung aufgestellt hatte, Deutschlands Finanz- und Wirtschafts­lage sei derart gefestigt, daß es den normalen Dawes-Reparationsbetrag von 2500 Millionen Mark jährlich unbedenklich lei­sten könne. Dernburg weist auf die Beweisfüh­rung Robinsons eingehend nach, daß es überaus gewagt sei, auS einer 15 3ahre zurückliegenden Periode Schlüsse auf die heutige Entwicklung zu ziehen. Robinson dürfe nicht vergessen, daß der Dawesplan ein Versuch sei. Reparationen könn­ten durch Warenexporte beglichen werden. Das Ausland habe sich aber bisher nicht als aufnahmewillig erwiesen, sondern dauernd versucht, den deutschen Export durch Zölle und Handelserschwerungen fernzuhal- t e n. Das sei aber die große Llnbekannte in der Gleichung. Deshalb scheine die etwas primitive Deweismethode Robinsons den Notwendigkeiten der Situation nicht zu entsprechen.

Agrar debatte im Preußischen Landtag

Berlin, 21. Febr. Der Preußische Land­tag begann die zweite Beratung des Haushalts für landwirtschaftliche Verwaltung.

Abg. Dr. H o e s ch -Reunkirchen (Dn.) wies insbesondere auf die steigende Verschuldung der Landwirtschaft hin und erörterte u. a. die Frage der Roggenpfandbriefe, die Höhe der kurzfristigen Schulden und die Kreditnot der Landwirtschaft. Zu warnen sei aber vor einer weiteren Auslandverschuldung. Es sei sehr zu bedauern, datz noch immer so viele Millionen für Einfuhr von Lebens - und Genußmitteln ins Ausland gingen.

Abg. Peters- Hochdonn (Soz.): Rotwendig für die Landwirtschaft sowohl wie für die Konsu­menten fei eine Steigerung der land­wirtschaftlichen Produktion auch mit Staatshilfe, damit wir von dem großen Lebensmitteleinfuhrüberschuß freikommen. 3n Deutschland sei es leider vielfach noch so, datz man das, was der Herrgott wachsen ließ, mit der Mistgabel auf den Güterwagen lädt unD ver­schickte. Mehr Mühe müsse sich der deutsche Land­wirt geben, wenn er konkurrenzfähig fein wolle. Rolwendig dafür sei vor allem eine bessere und gründlichere Vor- und Durchbildung aller landwirtschaftsichen Faktoren.

Qlbg. v. Plehwe (Dn.): Aufgabe der Land­wirtschaft nach ihrer Gesundung müsse sein, die inländische VolkSernährung sicherzustellen Die Steuern müssen nur aus dem Einkom­men und nicht, wie bisher aus der Substanz gezahlt werden. (Sehr wahr! rechts.) Reben den auf das Sechsfache der Vorkriegszeit gestiegenen Steuern ständen die auf das Dreifache gestie­genen Soziallasten. Die Schullasten seien in einzelnen Gemeinden bis auf das Zehnfache gestiegen Höhere Kredite und älmwandlung der Steuerrückstände in langfristige billige Darlehen seien notwendig.

Lohnbewegungen.

Berlin. 21. Febr. (WB.) In einer Besprechung zwischen den vertragschließenden Arbeitnehmerorga­nisationen über die Kündigung der Lohntarifver­träge für die Arbeiter der Reichsbahn- gesellschast, der Reichspost sowie der übrigen Reichs- und Staatsbetriebe haben die Gewerkschaftsvertreter beschlossen, ihren Vorständen die Kündigung der Lohn- und Ar­beitsbedingungen mit Wirkung vom 1. April d. I. zu empfehlen.

Die Verhandlungen zur Beilegung des Kon­fliktes in der sächsischen Metallindu­strie führten zu folgendem Ergebnis: Die regel­mäßige Arbeitszeit beträgt 48 Stunden wöchent­lich. Olbweichend hiervon kann für einzelne Ar­beitergruppen im Einvernehmen mit dem Be­triebsrat die Arbeitszeit bis zu 51 Srunden wöchentlich verlängert werden. Für die über 48 Stunden hinausgehende Arbeitszeit ist ein Zuschlag von 10 Prozent zu zahlen. Es ist mit der Zustimmung der Parteien zu rechnen. Rach erfolgter Zustimmung hat die Aufhebung des Streikes und der Aussperrung unverzüglich zu erfolgen. Watz- regelungen dürfen nicht vorgenommen werden.

Nach einer Meldung desVorwärts" haben die schlesischen T e r t i l i n d u st r i e l l e n nun» mehr beschlossen, die Aussperrung, die bereits für die Bezirke Görlitz und Reichenbach ausgespro­chen worden war, auch auf alle übrigen Bezirke auszudehnen, und zwar soll die Ge- samtaussperrung am 5. Marz in Straft treten. Von dieser Aussperrung würden etwa 63 000 Personen betroffen werden.

Rücktritt des spanischen Autzenmin.sters.

Madrid. 21. Febr. (Wolff.) Rach einer halbamtlichen Mitteilung ist der R ü ck t r i t l des Außenministers Banguas dadurch ver» anlatzt worden, daß hinsichtlich der Schritte, die in den marokkanischen Angelegenheiten zu tun sind, namentlich- hinsichtlich derjenigen, die Gegenstand internationaler Besprechungen sind, und über die eine Verständigung nicht erzielt wer­den tonnte, Meinungsverschiedenhei­ten bestanden. Das Portefeuille des Acutzeren wurde Primo de Rivera übertragen.

Aus aller Welt.

Tie Biebrtchcr Gasvcrgiftungskatastrophe

Ein von dem Mainzer Schiffer Markowski gesteuertes Rh^i.unotorboot unternahm Sonntag- nachmittag von Diedrich aus mit 17 Passagieren eine Fahrt in den Rheingau nach Erbach. Die Rückfahrt wurde erst nach Eintritt der Dunkel­heit angetreten, wobei nach kurzer Zeit die in der Kajüte befindlichen Passagiere einschliefen. Einer derselben wachte plötzlich auf und bemerkte, daß die Kajüte mit einem süßlich riechen­den Gas angefüllt war. Er schlug sofort das Fenster durch und alarmierte den Boots- fuhrer. Dieser steuerte das Fahrzeug so schnell wie möglich nach Biebrich. Dort zeigte sich aber, daß sämtliche 3nsassen bis auf drei bewußt- l o s waren. Sie wurden sofort in das Kranken­haus geschafft, wo man feststellte, daß bei fünf Personen bereits der Tod eingetreten war. Ob es sich, wie man annimmt, um eine durch Benzingase verursachte Okrgiftung handelt, muh die von der Wiesbadener Staatsanwalt­schaft eingeleitete Untersuchung ergeben. Die T)ten find die Biebricher Herren Dock, 23 3ahre alt. und Schneidermeister Schepers. 69 3ahre alt. sowie drei Kinder aus Mainz namens Blews und die Geschwister Markowski, Kinder des Steuer­mat' Die im Krankenhaus befindlichen Personen sollen sich sämtlich außer Lebensgefahr befinden.

6ine Deutsche Gesellschaft für Krankenpflege ist soeben in Berlin auf Anregung und unter Mitwirkung angesehener Mediziner und von Ver­tretern der beruflichen Krankenpflege. Gesund­heitsfürsorge und Wohlfahrtspflege errichtet wor­den. Die Gesellschaft, die nicht im Gegensatz zu bestehenden (z. B. wirtschaftlichen) Vereini­gungen steht, will die u. a. schon von Ernst von Leyden erstrebte engere Verbindung zwischen Me­dizin und Krankenpflege Herstellen, indem sie die medizinische Wissenschaft und Praxis für die Ausübung der Krankenpflege, Gesundheitsfür­sorge und Wohlfahrtspflege nutzbar machen hilft. Zum ehrenamtlichen Vorsitzenden dieser Okreini- gung wurde das Mitglied des Reichsgesundheits- rats und des preußischen Landesgesundheitsrats Georg Streiter gewählt, der wohl allgemein als einer der besten Kenner der beruflichen Krankenpflege gilt.

Der Rhein, sein Werden und Wirken.

Die Stadt Koblenz Deranftaltet im 3uk- August dieses 3ahres eine Ausstellung, bte unter dem RomenDer Rhein, sein Werden und Wir- ken" veranschaulichen will, wie der Rheinstrom ie dausschlaggebende Triebkraft bildet für die natürliche, kulturelle und wirtschaftliche Entwick­lung aller seiner älferländer von der Quelle bis zur Mündung. Unter Mitarbeit von zahl­reichen Behörden, wissenschaftlichen 3nstituten und wirtschaftlichen Verbänden aller Ufer floaten wird dort ein Bild geschaffen werden vom Rheine als dem Gestalter der Landschaft und Bildner der Wirtschaft an feinem Laufe. Die geographischen und geologischen, klimatologischen und hydrographischen, botanischen und zoologi­schen Besonderheiten des Stromgebietes werden anschaulich gezeigt. Weiter gelangen die viel­fältigen Wechselbeziehungen zwischen diesen natürlichen Gegebenheiten der Stromlandschaft und bem Strombau. der Forstwirtschaft sowie der Chemie zur Darstellung. Vor allem aber stehen die Zusammenhänge zwischen Rhein und Wirtschaftsleben in Theorie und Praxis im Vordergrund. Auch wird eine zusammenfassende iieberfidjt über die Rheinlandschaft in der Kunst aller Zeiten zu sehen sein.

Tabakschiebungen und Banberolenbefrug.

Hamburger Kriminalbeamte der Zollfahn­dungsstelle kamen umfangreichen Schiebungen mit unverzolltem Saba f und großen Banderolen-Detrügereien auf die Spur. Der Haupttäter, der Händler B in g, der in Ham­burg ein Kontor unterhielt, wurde in Kowno fest genommen Außer Bing sind zwölf Per­sonen verhaftet worden OBeitere Festnahmen stehen bevor.

Schwere Zuchthausstrafen wegen Brandstiftung.

3n dem Glaher Brandstifterprozth wurde die Witwe 3 u n g wegen vorsätzlicher Brand­stiftung, der drei Personen zum Opfer fielen, und wegen Versicherungsbetruges zu 11 3 ahren Zuchthaus, der Wirtschaftler H ö tz e l wegen Anstiftung zu dieser Tat zu 15 3ahren Zuchthaus und zehn 3ahren Ehrverlust verurteilt. Die 3ung hatte am 19. 3uli 1926 ihr Besitztum in Reyersdorf auf An­stiftung ihres Liebhabers, des Wirtschaftlers Hötzel, in Brand gesteckt, wobei ihr Schwieger­vater und ihre beiden Töchter im Alter von 6 und 11 3ahren in den Flammen um- f a men.

Schwere Schneefälle in Montenegro.

Aus Montenegro wird berichtet, datz dort seit zwei Tagen fürchterliche Schnee­stürme herrschen. Gestern ist über einen Meter hoher Schnee gefallen. Der Verkehr nach allen Richtungen ist eingestellt. 3n vielen Ortschaften, die seit mehreren Wochen von der Außenwelt vollkommen abgeschnitten sind, herrscht Lebensmittelmangel. Cs wurde um Hilfe ersucht.

Grotzfcuer in Breslau.

Ein großes Schadenfeuer brach in den Ge­bäuden der ehemaligen Oelfabrik in der Paradies- straße aus. welche Eigentum der Stadt war. Die Löscharbeiten dürften noch bis morgen früh an« dauern. 3n den Gebäuden fielen große Papier­lager und Getreidespeicher und außerdem das MobilarvielerHundertevon Flücht­lingsfamilien den Flammen zum Opfer.

Pinedo ;um Ozeanflug gestartet.

Rach einer Meldung aus Saint B.ncent auf den Kap Derüischen 3nfeln ist d italienifcbc Flieger de Pinedo Montag abend um 11.30 Uhr bet gutem Wetter in Porto Braia gestartet, um den Ozeanflug zu wagen. Er gedenkt an der Küste Brasiliens in Port San Martinho zu landen.

Mittelholzer in Kapstadt.

Der Schweizer Flieger Mittelholzer ist in Kapstadt wohlbehalten eingetrotfen.

Eine englische Ehrung für Geheimrat Hofsmann.

Das Royal Institut« of British architects in London hat den Berliner Stadlbaurat a. D. Dr. Ludwig Hoffmann zu feinem korrespon­dierenden Ehrenmitglied gewählt. Seit 21 Zäh­ren ist dies die erste Ehrung eines deutschen Architekten durch englische Künstler. Dr. Hoff­mann ist auch Ehrenbürger der Stadt Berlin.

Aus der provinzialhauptstadt.

Gießen, den 22. Februar 1927

Aether-Explofion

im Evang. Schwe ernhaus.

Ein tragischer ^Inglücksfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 1 '25 älhr im Evan­gelischen Schwesternhaus in der 3o- hannesstrahe. Die beiden jungen Schwestern Liesel Egelhof aus Mainz und Leu­chen Brandau aus Klein-Heubach. die erst seit einigen Monaten im Schwesternhaus wirken, hatten in einem abgefihlolfenen Raume des Kellergeschosses Aether a&gefüllt Rach Be­endigung dieser Arbeit wollten fie den Aether- ballon (ganz ausnahmsweise mußte die Leitung des Hauses einen kleinen Ballon Aether be­ziehen, während sie grundsätzlich den Ölether nur in flcinften Zlaschenabfüllungen lonst erwirbt, die aber gegenwärtig bei der Bezugs stelle nicht zu haben waren) wieder an seinen Platz ver­bringen. Olls die Schwestern auf diesem Wege an dem Dügelzimmer im Kellergeschoß vorbei­kamen, entglitt ihnen offenbar infolge Reihens des Korbgeflechtes der Aether-Ballon und fiel zur Erde. Der 3nhall drang -rusch unter Ent­wickelung starker Dämpfe in das Bügelzimmer ein, wo man wegen Bügelarbeiten den Ofen geheizt hatte. Hier entzündeten sich infolge der Erwärmung im Ru die Aetherdämpfe, die mit einer starken Detonation explodierten. Schwester Liesel Eaelhof ist dabei anschei­nend von dem Schlag der Explosion betäubt worden und infolgedessen in der riesigen Aetherflarnme umgekom­men. Schwester Leuchen Brandau konnte sich mit einem entschlossenen Sprung durch das nahegelegene Fenster aus dem unmittelbarsten Gefahrenbereich begeben und wurde von rasch hinzugeeilten Herren der nebenanliegcnDen Be­zirkssparkasse in Sicherheit gebracht. Die in dem Bügelzimmer mit Bügeln beschäftigten Hausge­hilfinnen liefen bei dem Bemühen, sich zu retten, durch die starken Flammen hindurch. Hierbei erlitten die schon seit mehreren Jahren im Schwesternhaus« tätige Frieda Haas au- Günterod und die seit kurzem aushilfs­weise im Schwesternhaus beschäftigte Frieda Steinbach aus Ober-Seemen so schwere Brandwunden, daß sie noch im Laufe der Rächt gleichfalls verstarben. Die übrigen Hausgehilfinnen (Elisabeth Weih aus Heim- boldshausen. Luise Friedrich and König, Sophie Decher aus Kirtorf und Hanny Mel­chior aus Lich) tarnen zum Glück mit leichteren Brandwunden im Gesicht und an den Armen davon, sie und auch Schwester Lenchen werden binnen kurzem wiederhergestellt fein. Die Feuer­wache und die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz (diese mit zwei Tragen für Öen eventuell erforderlichen Transport von Kran­ken- waren wenige Minuten nach der Explosion an der Llnfallstelle. Hier hatte Oberschwester Minna Stephan mit Hilfe der beiden Feuer» Löschapparate den Flammen mit bewunderungs­würdiger Geistesgegenwart kräftig entgegen be­wirkt, so daß die Feuerwehr den Brand sehr schnell ablöschen und damit jegliche Gefahr für das Haus in kürzester Zeit endgültig beseitigen konnte. Eine Gefährdung der Kranken kam in keinem Augenblick in Frage, zumal die ilnfall- stelle am äußersten westlichen Flügel des Ge­bäudes liegt, so datz weder die normalen Aus­gänge noch die Krankenabteilungen in irgend­einer Weise von dem Vorfall berührt wurden, Mitglieder der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz unter der Leitung ihrc- Kolonnenführers L. Kratz brachten im Verein mit den ebenfalls sofort an die Llnglücksstelle geeilten Aerzten, den Medizinalräten Dr. Szu­bin s k i und Professor Dr. Walther, den Verletzten tatkräftig und umsichtig erste Hilfe: das rasche Eingreifen der Sanitäter, ihre opfer­bereite Tätigkeit an der ^Inglücksstelle. sowie ihre außerordentlich sachkundigen Handlungen, die sie bis zum Eintreffen dec är\tr<ben Hi"e den Verletzten zuteil werden ließen, fan­den die vollste Anerkennung der beiden Aerzte. Durch die Explosion ist in den Kellerräumen natürlich erheblicher Schaden entstanden, fern« gingen in unmittelbarer Rähe der llnglücksstätle. dem nördlichen nur für das Personal vorhan­denen Treppenhaus, eine Anzahl Fensterscheiben in Trümmer: im übrigen ist das Gebäude innen und außen völlig unversehrt geblieben, so daß der Betrieb des Hauses in allen Teilen auf­rechterhalten bleibt. Feuerwehr und SanitätS- kolonne konnten nach etwa halbstündiger Arbeit wieder abrücken. Den bedauernswer cn Opfern dieses Llnglückssalles w.rd allenthalben herzlich« Ölnteilnahme entgegengebracht.

Grestener Wochcrrmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarst. Butter 150 bis 170, Matte 30 bis 35, Wirsina 15 bis 25. Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 40, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 50, Feld­salat 150 bis 200, Zwiebeln 10 bis 20, Meer­rettich 35 bis 60, Schwarzwurzeln 35 bis 50, Kartoffeln 6. Aepfel 15 bis 50. Dirnen 10 bi- 25, Hüffe 70, Honig 40 bis 45. junge Hahnen 100 biS 110, Suppeichühner 100 bis 120 Pf. dal Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 140 Pf.: Ei« 13 bis 15, Blumenkohl 60 bis 140. Salat 35 bis 50, Endivien 80 bis 100, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15, Sellerie 20 bis 50 Pf. das Stück.

^ornotizcn.

Tageskalender für Dienstag. Stadtbeater: 7.15 Uhr,Die Zirkusprinzessin' (Ende gegen 10 Uhr). Gcwerbeverein: 8.15 Uhr, Gewerbehaus, Mitgliederversammlung. Gieße­ner Cchwimmoerein: 8 Uhr. Städtisches Volksbad, Schwunm-Dettkämpfe. Lichtspielhaus, Bahnhof' straße: ..Ben Hur". Aftoria-Lichffpiele: .Der Schrei aus den Lüften".

Zweigoerein Gießen vom Rote» Kreuz. Morgen, Mittwoch, 5 Uhr nachmitta-L Mitgliederversammlung im Saal Nr. 52 des Land gerichtsgebäudes.

Wettervoraussage.

Dorwiegend bedeckt, Temperaturen weiter an­steigend, Riederschläge. Gestrige Tagestempaa- tuten: Maximum: 1,2 Grad Celsius, MimnwiL 0,1 Grad Eelsius. Riederschläge 2.8 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: minuS 0.7 Grad

AusschüssefürWohlfahrtSren- t e n. Vom Versorgungsamt Gießen wird un< geschrieben: Das Gesetz über die Ablösung öffent-