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mb 5>artt<4tDorfe von Hofprediger Widmann- ©ehern gesprochen. Mit dem gemeinsamen Ge- sang deS Lutherliedes wurde die erhebend verlaufene und in allen Teilen wohlgelungene Tagung geschloffen.
KreiS Schotten.
# Schotten, 20. Sept. Unter dem Vorsitz von Dekan V o l p - Laubach tagte hier die 4. diesjährige Konferenz der Geistlichen des Evangelischen Dekanats Schotten. Vach Eröffnung mit Schriftlesung und Gebet durch Pfarrverwalter Weimar- Gonterskirchen hielt Pfarrer D. Fritsch- Ruppertsburg einen Vortrag über den „Evangelischen Dund"t er gab zunächst einen Ueberblld über die Bundesarbeit in den Dekanatsgememden und wies bann die Notwendigkeit des Bundes nach dessen Arbeit unentbchrlich fei, sowohl um' der evangelischen Kirche, als auch um des Vaterlandes willen! das letzte Ziel des Evanaelischen Bundes sei die Weckung des evangelischen Gewissens und des evangelischen Lebens! Zwergvereine sollten daher in jeder Gemein^ gegründet werden. Zum Schluß ging her Redner noch auf die gegenwärtig so brennenden Fragen des Konkordats und des Reichs schul- g e s e h e s ein. Der Vortrag hinterließ einen tiefen Eindruck und löste eine lebhafte Aussprache aus. Rach Bekanntgabe kirchenbehördlicher Verfügungen und Mitteilungen schloß Dekan Dv lp die Konferenz und teilte noch mit, daß der ordentliche Dekanatstay voraussichtlich Mitte Oktober in Schotten stattfinden werde.
Schotten, 20. Sept. Dem hiesigen K r e i s s ch u l a m t ist es gelungen, durch Mithilfe des Kreises einen Kinvapparat zu beschaffen, .der zu Lehrzwecken Verwendung finden soll. Die Vorführung geeigneter Filme soll von Zeit zu Zeit in den Hauptorten des Kreises für die jeweiligen Schulen der Umgebung statt- finden. Gin Stehbildappavat zum gleichen Zwecke wurde bereits vor zwei Jahren angeschafft.
-i- Ober-Schmitten, 20. Sept. Unter der Nachwirkung eines verregneten Jahres konnten bei der Verpachtung der Gemeinde- grundstücke die seitherigen Pachtpreise nicht mehr erreicht werden. Auch die nochmalige Verpachtung verblieb wirkungslos, da keine höheren Gebote abgegeben wurden. Der Pachtpreis^prv Morgen beträgt 20 bis 30 Mk.
□ ß a u b a d), 20. Sept. Am Sonntag hielt der hiesige Schützenverein (Vorsitzender Kaufmann Kreiker) bei guter Beteiligung sein diesjähriges A b s ch i e ß e n ab. Am Abend fand im „Schützen- Hos" (Feldhaus) Preisverteilung mit Tanz statt, wo- bei das gutaeschulte Laubacher Stadtorchester (Kapellmeister Hegel) spielte. Es erhielten auf der „Ehrenscheibe" 1. Preis Adolf Enders; 2. Dr. Friedr. Raßbach; 3. Eduard Göbel; 4. Georg Rühl; 5. Heinrich Löwer; 6. Friedrich Döll. Den Preis auf der „Becher-Ehrenscheibe" mit Becher erhielt Eduard Göbel. Außerdem war von 50 Mitgliedern eine besondere „Festfcheibe" mit 50 Preisen gestiftet worden. Jeder dieser 50 Schützen erhielt einen Preis, den 1. Preis Kaufmann August Emmelius. Den vom Schützenverein gestifteten sog. „Ritter" (eine Sternmedaille) „für gute Schießleistungen" erhielten Förster Karl Becker, Apotheker Dr. Friedrich R a ß b a ch, Uhrmacher Arnold Enders und Mol- reveibesitzer Friedrich Wolf-Ettling. — Das ölte st e Haus unserer Stadt (Kratz, im sog. „Grünen Meer"), etwa aus dem Jahre 1480 stammend, ist sehr baufällig geworden. Die Konstruktion, die dem sog. „Wildemann" noch vorausgeht, ist jedoch noch wohlerhalten. Es steht unter Denkmalschutz. Seine Wiederherstellung ist gesichert. Das „Landesamt für das Bildungswesen" hat 200 Mk. bewilligt. Einen entsprechenden Beitrag werden voraussichtlich noch der Kreis und die Gemeinde leisten. Die Bauart des Hauses ist sehr eigenartig. . r
L Ulrichstein, 20. Sept. Zu dem Bericht in Nr. 217 des „Gieß. Anz." über die Autv- lini e Ulrichstein — Mücke ist jetzt mit» zuteilen, daß die Postverwaltung einen weiteren Wagen für den Dienst auf den drei Postautolinien im Vogelsberg nach Ulrichstein 'geschickt hat. Der Wagen läuft feit einigen Tagen üuf der Strecke Ulrichstein—Mücke. Sehr schön wäre es, wenn es sich um einen neuen Wagen; handelte. Aber bas ist nicht der Fall; denn den „neue" Autoomnibus ist bereits auf etwa sechs Strecken gelaufen. Für den Vogelsberg hat die Postvsrwaltung scheinbar keinen neuen Wagen! er muß sich mit den auf anderen Strecken ausrangierten begnügen.
Roman von Liesbet Dill.
Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. 19. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
An all diese Kämpfe dachte sie auf dem stillen, nebdumroogten einsamen Kirchhof ... am Grab des Aaters ... an sein tragisches Ende ... seine letzten Tage. Er war genötigt, diese fremden Herren, die von seinem Haus, seinem Garten, seinen Möbeln Besitz genommen hatten, ohne zu fragen, ohne zu Lanken und ohne ihn zu grüßen ... als Gäste zu betrachten. Für ihn war die kalte Dachkammer, die Hintertreppe gut genug... Sein Vermögen hatte ler alte Soldat klaglos dem Vaterland geopfert, ohne ein Wort des Vorwurfs gegen irgend jemand ... Es war zerbröckelt in dem großen Nichts ... Es war ihm gegangen wie es Tausenden ging ... Aber das ertrug er nicht ... Sie fand ihn eines Tages Papiere ordnend an seinem Schreibttsch, vor ihm stand die Urne ... „Das, mein Kind," sagte er, „nimm an dich, wenn ich einmal nicht mehr bin ... vergrab es in dem Garten ... das Haus können sie uns nehmen, aber nicht die Heimaterde..."
Und so hatte sie die Urne im Garten verscharrt, om Tag. als sie ihren Vater über den Rhein trugen ... hierher ... Und mein Bruder, dachte sie, ruht
• bei Ppern in den Lehmfeldern, in fremder Erde. Man hatte ihnen keine Erlaubnis gegeben, das Grab aufzusuchen, und keinen Paß ... Ihr Vater hatte gemeint, lassen wir ihn dort, er liegt bei seinen Kameraden ...
Nun war das Haus verkauft, fremde Leute wohnten darin ... sie hatte es nie mehr wiederge- schen, es nicht Wiedersehen wollen. Und in dem fremden Garten lag die Urne mit der Asche der Mutter ... Weshalb habe ich nie daran gedacht, sie herüberzuholen? dachte sie ... Sie hatte diese Mutter nicht gekannt, ihr Vater stand ihr näher ... Es gab auch ein Erbbegräbnis der Wegemars irgendwo in Schlesien ..., aber diese Gegend war ihr fremd ... wozu erst dorthin reisen? Hier war sie zu Hause. Wo werde ich einmal ruhen? dachte sie. Sicher nicht bei meinem Vater, noch meiner Mutter, noch meinem Bruder und nicht bei ihm ... meinem Mann ...
-- Bobenhaufen, 20. Sept. Die hiesige Autobusgesellschaft, die zwischen Mücke und Feldkrücken den Personen- uno Briefpostverkehr aufrecht erhält, hat jüngst ein neues Auto auf dieser Strecke eingestellt. Da dieser Wagen dem seitherigen an Sitzplatzgelegenheit weit überlegen ist, so stellt diese Einrichtung eine wesentliche Verbesserung dar.
(==) Köddingen, 20. Sept. Am Sonntag sand hier unter starker Beteiligung der Einwohnerschaft das Jugendfest unserer Schule statt. Lehrer S chm a n d t sprach dabei nach seinen Gruß- worten an bk Eltern und die übrigen Gemeinde- glieder beherzigenswerte Worte über den Vorteil des gedeihlichen Zusammenarbeitens zwischen Schule und Elternhaus. Danach gelangte ein schön zuscnn- mengeftelltes Programm zur Abwicklung, das allenthalben volle Befriedigung hinterließ.
Kreis Alsfeld.
L Ober-Ohmen, 20. Sept. Die hiesige Landw. Kredit- und Dezugsgenos- s e n s ch a f t hat von der Firma Gebr. R ö b e r - Wutha eine Saatgutreinigungsanlage „Petkus" erworben, die am Samstag in der Hofreite des Landwirts Joh. Schott aufgestellt wurde. Die gesamte Anlage kostet 2700 Mark. Dieser Betrag soll aus den Beträgen, die für die Benutzung der Anlage eingehen, innerhalb einiger Jahre amortisiert werden. Die Maschine ist eine äußerst sinnreiche Einrichtung, die es dem Landwirt ermöglicht, vollständig einwandfreies Saatgut, das frei ist von minderwertigen Körnern, Unkraut, Schmutz und dergleichen, zu erhalten.
3 Dannenrod, 20. Sept. Da wegen der ungünstigen Witterung die Grummeternte unterbrochen werden mußte, wurde jetzt mit der Kartoffelernte begonnen. Während die gelben und weihen Kartoffelsorten sehr unter der Feuchtigkeit gelitten haben und nicht so vollhängen, ist der Erttag der rotschaligen Sorten gut. Dabei ist ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Nässe viel größer. Sehr zu befürchten ist, daß durch das feuchte Einbringen der Kartoffeln in die Keller deren Haltbarkeit sehr beeinträchtigt wird. — In den W äldern unserer Nähe gibt es sehr viele Brombeeren, Me auch von den Bewohnern der umliegenden Orte gesucht werden
X!X Ruppertenrod, 20.Sept. Unsere Gemeinde hat in diesem Jahre eine gute Obsternte au verzeichnen. Das Obst steht gut im Preise. Der Baumbestand bedarf allerdings des jungen Nachwuchses, da viele alte Bäume abständig sind. Es fehlen hier vielfach die feineren Obstsorten, auf deren Einführung man bedacht sein sollte.
Starkenburg.
* Darmstadt, 20. Sept. Hier ereignete sich gestern ein eigenartiger Autounfall, indem der Chauffeur eines Autos die im Wagen sitzende Dame nach dem Wege fragte und sich dabei umwandte. In demsellien Augenblick stieß das Auto gegen eine Gasla terne an der Straße. Durch den Zusammenstoß erlitt die Dame schwere innere Verletzungen, die ihre Aufnahme in das Krankenhaus erforderlich machten. Die Feuerwehr muhte den Gaskandelaber entfernen und die Rohrleitung abdichten.
Rheinhessen.
Bingen, 20. Sept. Aus Veranlassung des Neichsstaatsanwalts ist der von hier gebürtige Friedrich Korndörfer wegen Landesverrats, Spionage, Werbung für die Fremdenlegion ufw. fest genommen und ins Untersuchungsgericht eingeliefert worden. Korndörfer wird schon seit mehreren Jahren gesucht, wußte sich aber seiner Verhaftung zu entziehen und begab sich zur Fremdenlegion. Nach seiner Entlassung kehrte er wieder nach Deutschland zurück und konnte jetzt ergriffen werden.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
WSN. Wetzlar, 20. Sept. Im Bereiche des Reichsbcchirbettnebsamtes Wetzlar sind augenblicklich vier Eisenbahnbrücken über die Lahn bzw. die Dill im Umbau begriffen mit dem Ziel, die Drücken für die modernen Lokomotiv- und Zuglasten geeignet zu machen. Am Sonntag fand die Auswechslung der Brückenträger an der Dillbrücke zwischen Sinn und Herborn statt, ein Arbeitsvorgang, der nach
Irgendwo--später--. Es schien ihr so
eit, in nebelhaften Fernen, dieses einstige Grab ... ann war alles vorbei, man fühlte nicht mehr das Messer in der Brust ... Melodien zogen durch ihren Kopf, gesungene Lieder. Erlebtes stand auf und sammelte sich um sie, und sie betrachtete es. Die Bilder des gestrigen Tages kamen ihr wieder, wie von Sonne beglänzte altdeutsche Gemälde, die man aus einer Mappe nimmt, gotische Kirchen, Madonnen und Rheinbrücken ...
Was wird aus uns werden? dachte sie ... Würde seine Liebe stark genug sein, die Erschütterungen zu tragen, die Manfred einst so gern und mutig auf seine Schultern genommen hatte? Wie war er damals besorgt, daß sie nichts Verletzendes hörte, nichts sah, nichts fühlte als das große, bange zitternde Glück ... Heut' würde es anders fein ... ganz sicher. Wir werden fortziehen ... ins Ausland, dort war man frei ...Er sprach immer davon, nach Amerika zu gehen ... er liebte es, zu reisen. Er hing an keiner Stätte--an feinem Land--. Nichts
Erdgebundenes hatte er ... Er hatte eine ganz andere Auffassung der Dinge als sie. Ihre Ansichten nannte er „antiquiert". So dachte kein Mensch mehr. Man mußte sich umstellen ... sich anpassen ... Romantik war etwas längst Ueberlebtes ... Er lächelte darüber ... Vielleicht war es auch „überlebt", für einen Mann zu sterben ... Sicher war es das Man liebte sich heute und ging morgen auseinander, falt und fremd ...Er hatte ihr einmal etwas erzählt aus feinem Leben, „eine Episode", nannte man das. Eine junge Kanadierin hatte ihn heiß geliebt, — er sie auch ... Und eines Tages war es aus
Weshalb? fragte sie, war es aus? Was hatte sie denn getan? ... Getan? nichts, es war einfach „aus" ... Das verstand sie nicht. Ein Gefühl, das einem so besaß, daß es zum Verbrechen ward--
zum Verrat--war am anderen Tage ausge
löscht?
Werde ich das jemals lernen? fragte sie sich
Weshalb liebst du mich eigentlich? hatte sie ihn gefragt.
Er zuckte die Achseln. Das weiß man doch nicht ... Weißt du es denn, weshalb du gerade auf mich verfallen bist?
Nein, das hätte sie nicht sagen können. Sie wußte es nicht. Er war gekommen, hatte ihre Aufmerksamkeit erregt ...Er hatte sich ihr genähert.
neuen Methoden auSgeübt wurde und darum zahlreiche Vertreter der interessierten Kreise, sowie auch der Reichsbahndirektion zusammen- geführt hatte. Die Auswechslung konnte nur in den Zugpausen geschehen. Sie erfolgte glatt und ohne Unfall.
HI Aus dem Kreise Wetzlar, 20. Sept. Aus Grund eines Beschlusses des Kreistages hat der Kreisausfchuh nach Anhörung der Berufs- Vertretungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine neue Kreissatzung für die ländlichen Fortbildungsschulen im Kreise Wetzlar erlassen. Nach der Satzung sind in den Gemeinden des Kreises, in denen eine Fortbildungsschule besteht oder eingerichtet wird, alle männlichen Personen unter 18 Jahren verpflichtet, die Fortbildungsschule zu besuchen und an dem Unterricht teilzunehmen. Die Schulpflicht besteht für vier aufeinanderfolgende Winterhalbjahre. Wer eine öffentliche Fach-, Jnnungs-, Privat- ober höhere Schule besucht, ist von dem Fvrtbildungsschufanterricht befreit.
~ Lützellinden, 20. Sept. Nachdem sich die Kreisverwaltung damit einverstanden erklärt hat, daß für die verstorbene Hebamme Hohbach eine Nachfolgerin bestellt wird, hat jetzt Vie Gemeinde zur Einreichung von Bewerbungen innerhalb der Gemeinde aufgefordert. Die Ausbildung der neuen Hebamme erfolgt in der Provinziallehranstalt zu Elberfeld. Die Ausbildung dauert 18 Monate. Die Kosten der Ausbildung werden von der Gemeinde getragen.
O Hörnsheim, 20. Sept. Die hiesige Gefolgschaft des Jungdeutschen Ordens veranstaltete am Sonntag in der Gastwirtschaft Engel einen Gäste- und Elternabend, der sich eines guten Besuches erfreute. Im ersten Teil des Abends wurde Schillers „Wilhelm Teil" aufgeführt. Die Leistung der Spieler war trotz ihrer Jugend gut, so daß die Ausführung beifällig ausgenommen wurde. Im zweiten Teil des Abends sprach der Komtur der Ballei Nassau, Rektor Th ei del, über jungdeutsches Wollen, den jungdeutschen Staat unb die sonstigen Bestrebungen und Ziele des Jungdeutschen Or- dens. Im übrigen wurde die Feier durch Musikvorträge der Ordenskapelle Dornholzhausen umrahmt.
• Hochelheim, 21. Sept. Gestern abend stürzte der in den 60er Jahren stehende Landwirt Philipp Jung beim Obsternten infolge Bruches der Leiter aus ziemlicher Höhe zu Boden. Der Bedauernswerte erlitt hierbei einen Bruch des Oberschenkels. Nach erster ärztlicher Hilfe wurde der Mann von der Gießener Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz mit dem Krankenauto dem Evang. Schwesternhaus in Gießen zugeführt.
Kreis Marburg.
][ Marburg, 20. Sept. Ende dieser Woche begeht die Marburger Bäckerinnung ihr 500jähriges Zunft- und 60jähriges Jnnungsjubiläum. Aus alten Urkunden ist zu ersehen, daß Landgraf ßubtoig I. am 2. Januar 1422 die Statuten der Marburger Bäckerzunft erneuerte. Wann der erste Gildebrief ausgestellt wurde, läßt sich indesien nicht mehr fest- stellen. Aus diesem Grunde wird angenommen, daß die Zunft rund 500 Jahre besteht, denn in einer älteren Urkunde aus dem Jahre 1305 ist nur von Bäckern die Rede. Die Zunft ist bann in 1494 von Landgraf Wilhelm HL, 1623 von Landgraf Friedrich, König von Schweden, 1625 von Landgraf Ludwig, 1751 von Landgraf Wilhelm VIII., 1764 von Landgraf Friedrich II., und 1787 Vvn Landgraf Wilhelm durch Urfim» den erneuert worden. Die Bäckerzunft hatte, wie viele andere Gewerbe, früher mehr Mitglieder als hertte. Daß das Gewerbe sich unter den Familien weiter vererbte, zeigen Namen, wie Raabe, Schott, Runkel und Matthäi, die heute noch im Marburger Bäckergewerbe vertreten find. Nach dem Rückgang des Zunftwesens gründeten die Marburger Bäckermeister 1867 eine freie Innung, die seit 1920 unter der Leitung des Obermeisters D. Raabe steht. Sie zählt rund 41 Mitglieder und besitzt eine Jnnungskrcmken- kasse.
Kreis Biedenkopf.
][ Buchenau, 20. Sept. Gestern mittag brannten hier Wohnhaus und S ch e u n e der Bäckerei Johannes Grebe vollständig nieder. Die in der Scheune lagernden Erntevorräte wurden ein Raub der Fla mm e n, ebenso verbrannte der größte Teil des Mobiliars.
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M., 20. Sept. Heute nachmittag wurde an der Lahmeyerbrücke der vor kurzer Zeit aus polizeilichem Gewahrsam entsprungene berüchtigte Einbrecher Steg- mann wieder festgenvmmen und diesmal in etwas „sichereres" Gewahrsam überführt. — Der Kriminalpolizei ist es nach längerein^Suchen gefangen, in der Person des 37 Jahtle alten Ernst Müller einen berüchtigten und gefährlichen Heiratsschwindler fest zunehmen. Müller hatte zahlreichen Mädchen und Witwen die Heirat versprachrn, ihnen durchweg größere Geldbeträge abge- schwindelt und sich von ihnen crushalten lassen.
WSN. Cronberg, 20. Sept. An der Straßenkreuzung Königstein-Oberursel ereignete sich am sog. Fallensteiner Stock ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Personenkraftwagen und einem Motorrad. Der Besitzer des Motorrads, ein gewisser Corbin Botz aus Frankfurt, wurde dabei mit großer Kraft über seinen Vordermann hinweg etwa 11 Meter weit geschleudert und erlitt einen schweren Schä delbruch, an dessen Folgen er gestern nachmittag im Kronberger Krankenhaus verstarb. Der Führer Fritz Dunk- mann aus Frankfurt wurde leicht verletzt.
Wirtschaft.
Die Lage in der Elektrizitälsinduftrie.
In der außerordentlichen Generalversammlung der QL E. ©., über deren Ergebnis wir gestern berichteten, hielt — wie gemeldet — der Vorsitzende des Direktoriums, Geheimrat Dr. Deutsch, eine Rede über die allgemeine Lage der Elektrizitätsindustrie und die jüngste Entwicklung der AG.G. Den Aus fübrungen dieses hervorragenden Wirtschafts- sührers entnehmen wir folgendes:
„Ich bin nicht etwa der Meinung, daß die augenblickliche Konjunktur von Rückschlägen nicht bedroht ist und eine ununterbrochene Aufwärts Entwicklung verbürgt. Wir werden in Deutsch land vorläufig noch nicht mit langen und gleichmäßigenKonjunktur-Periodci rechnen können, wie sie z. B. in den Vereinigten Staaten schon seit einer Reihe von Jahren zu beobachten sind.
Voraussetzung hierfür find ein breiter, durch entsprechende Spar- und Kaufkraft gesicherter Binnenmarkt, Entwicklungsmöglichleiten des Exports unb last not least eine K a pital - Versorgung, die möglichst unabhängig von temporärer Beeinflussung dem Wachstum und den Erfordernissen der Wirtschaft gerecht wird. Trotzdent glauben wir, daß der schnell wachsende Elektrizitätsbedars der Welt und auf der anderen Seite Deutschlands Arbeitsamkeit, sein unbeugsamer Lebenswille und die unermüdliche Forschungstättgkeit der Wissenschaft unserer Industrie eine aussichtsreiche Zukunft erwarten lassen.
Indem ich diese Zuversicht, ohne die die erfolgreiche Führung eines großen Unternehmens auf die Dauer nicht denkbar ist, auch bei Ihnen vorausfetze, verzichte ich darauf, schon heute eine zahlenr..äßige Schätzung über die Voraussicht l/j* * Qtentabllitä t unseres erhöh ten Al- f. en-Kopitals auszustellen. Hierfür ist nicht allein die Steigerung unseres Order-Eingangs, der um etwa 70 Prozent über dein des Vorjahres liegt, und dementsprechend die Beschäftigung unserer Fabriken maßgebend, sondern vor allem auch die Gestaltung der Preise im In- und Auslande, die aus den schon oft erörterten Gründen vielfach noch unzureichend sind.
Sie werden daher unsere Aeberzeugung teilen, daß wir größten Wert auf gründlichste technische Durcharbettungaller unserer Fabrikate legen mußten bet gleichzeitig r Ausnutzung der modernsten Erfahrungen auf dem Gebiete der Weristätten-Organisation. Ebenso haben wir unserer Vertriebs-Organ'sation die Ergebnisse neuester Erfahrungen zugute kommen lassen und durch organische ilmf’telfang deren Schlagkraft weiter erhöht.
Lassen Sie mich nach diesen allgemeinen Bemerkungen noch kurz die Lage auf den einzelnen Gebieten unserer Fabrikation schildern.
mit Bewunderung, aber sicher ohne sie als etwas Besonderes zu empfinden. Eine hübsche Maske, eine reizende, geschminkte, lachende Pierette ... sie gefiel ihm, wie ihm die Kanadierin gefallen hatte ...
Aber wenn das eines Tages ... aus war? ... Was bann? ...
Der Gedanke war so entsetzlich, daß sie ihn nicht auszudenken wagte. Wenn mir jemand damals gesagt hätte, nach sieben Jahren sei es zwischen mir und Manfred aus für immer ... hätte ich das geglaubt? Und wenn ich erklären sollte — vor Gericht — wie es dahin gekommen ist, daß für ihn alles erstorben ist und ich nur noch an den anderen denke--der von mir Besitz genommen hat--
was könnte ich antworten?
Und was wird er mir antworten? dachte sie ...
Sie hatte plötzlich keine Ruhe mehr auf diesem friedvoll stillen Ort, über dem ein erhabenes und geheimnisvolles Schweigen lag ...
Sie bückte sich, nahm ein nebelfeuchtes Efeublatt von dem Grab und ging.
♦
„So halt ich es mit meiner Liebe, Daß ich mein eignes Sein vergesse ... Zehntausend Seelen, wenn ich hätte. Ich würde sie vor dir oerftreun ..."
Es war Melittas weiche, warme Stimme, die ihr entgegenklang, als sie das Vestibül betrat.
„Ach, Ethel," Melitta kam chr entgegen, „daß du endlich kommst! Mir geht's nicht gut ..."
„Du singst?"
„Ja, ich singe! Aber was bedeutet das ... mir? Ich muß singen ... ich werde sonst wahnsinnig ... ich fülle meine Stunden damit aus, indem ick musiziere. Das ist so ... bei mir. Leg' ab, du bleivst zum Tee. Komm, setz' dich ans Feuer ..." Melitta schob ihr ein paar Kissen in den Rücken und zündete die Flamme unter dem Teekessel an.
Ethel war sehr blaß. Sie zog ihre Handschuhe aus ...
„Was wird nun, Melitta?"
„Ich — bin frei ..." Und Melitta erzählte. „Er hat mich freigegeben, weil — er micht liebt. Das ist sehr — viel, von einem Mann."
Ethel nickte.
„Sehr viel. Und was wird aus dir? Wo gehst du hin?"
„Ich weiß es nicht. Ich warte ..."
„Auf was wartest du?"
„Auf feine Antwort."
Ethel schwieg ... Sie nahm eine Tulpe aus der Schale auf dem Teetisch und betrachtete sie. „Es ist nichts gekommen, bis jetzt?"
Melitta schüttelte den Kopf. „Nichts", sagte sie tonlos ...
„Mein Gott, wie erträgt man bas! Und ihr beide noch zusammen ... unter einem Dach ... von deinem Mann ist ein Konzert angezeigt, an den Litfaßsäulen ... für nächsten Samstag ... zwei neue Sinfonien. Wird er sie dirigieren?"
„Oh, das geht, das geht alles ... bei uns Künstlern ... das ist genau, wie ein Schuhmacher, der, nachdem er feine Frau begraben hat, sich an feinen Arbeitstisch setzt. Es ist sein Metier, wie das Singen für mich. Der rheinische Humorist aus der Erite- riumsbar hat am Montag seinen einzigen Sohn begraben. Am selben Abend trat er auf und die Leute lachten Tränen über ihn ... Das ist so bei uns :.. gar nichts besonderes ..
Ethel sah vor sich hin ...
„Ist er ... der andere, meine ich, eigentlich musikalisch?"
„Musikalisch? ... Nein, ich glaube nicht ... warum?"
„Aber, Melitta!"
„Ach, davon haben wir noch nie gesprochen. Wozu? ... Wir sprechen nie von Musik und von dem, was ich, zum Beispiel, mit Manfred rede ... Mit ihm, siehst du, unterhalte ich mich ausgezeichnet ... Er ist immer interessant, wir verstehen uns ... aber dieses ist etwas ... ganz anderes. Es hat mich verwandelt, ich bin wie verzaubert."
„Und glaubst du, daß es ein Glück von Dauer ist?"
„Das weiß man nie. Danach hab' ich mich nie gefragt ... aber es ist schön — man ist wie von Flammen erfüllt. Um mich leuchtet alles und lodert und brennt. Ich denke nicyts als an ihn. Es ist irrsinnig — nicht wahr?"
Der Diener mit dem Teegerät trat ein, Melitta goß den Tee auf und füllte die feinen Schalen. Sie tat alles mechanisch. Ethel sah gedankenvoll dem Spiel der schönen Hände zu, bie ben Tee bereiteten ... Als sie roieber allein waren, sagte Ethel ...
(Fortsetzung folgt.)


