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Jener Zett seine Entstehung verdankt, brauchte eine Werkstatt, in der er sich durch seiner Hände Arbeit die Mittel zum Studium erwerben konnte. Die Studentenhäuser waren von nun an vor allem so auszugestalten, datz sie diesen neuen Anforderungen genügen konnten. Studentischer Selbsthilfe ist die Aufnahme des Kampfes gegen die materielle Not zu verdanken. Industrie und Wirtschaft schossen Geldmittel bei. und es entstand die feste Organisation der Studentenhilfe. Da es ausgeschlossen ist. daß die Studentenhilfe in den nächsten Bahren an eine Einstellung oder auch nur an eine Einschränkung ihrer Tätigkeit wird beirken können, ist schon allein damit die Existenz­berechtigung der Studentenhäuser erwiesen. So haben sich denn auch Vertreter aller Reichstags- Parteien bereit erklärt, für die Bewilligung staat­licher Mittel zum Bau von Stubentenhäufern einzutreten. Zuweilen hört man auch davon, datz Länder und Städte ihr Verständnis für die dringlichsten Bedürfnisse des akademischen Nach­wuchses dadurch bewiesen haben, dah sie das nötige Baugelände kostenlos oder doch verbilligt zur Verfügung stellten.

Datz der tschechische Staat die Errichtung des geplanten Studentenhauses der noch nicht einmal staatlich anerkannten deutschen Studentenschaft nicht unterstützen wird, ist vollkommen klar. Da­bei ist aber eine beschleunigte Erbauung dort dringlicher als irgendsonstwo. Eine kurze Kenn­zeichnung der Lage soll das verdeutlichen: Der Prager deutschen Universität wurde 1921 durch Universitätsgeseh der für sie bestimmte Neubau abgenommen und der tschechischen Universität zrv- gewiesen, wie denn auch alle Rechte der Karolo- Ferdinanden, dieser 1348 gegründeten ältesten deutschen Hochschule, durch dasselbe Gesetz an die 1882 von ihr losgelöste tschechische Universi­tät abgetreten werden mutzten. Auch die Deutsche Technische Hochschule in Prag leidet außerordent­lich unter dem schlechten baulichen Zustand ihrer Einrichtungen. Der 1920 zum Teil fertiggestellte Neubau, der einem dringenden Bedürfnis ent­sprang. ist zum großen Teil mit einer tschechischen Handelshochschule belegt worden. Das jetzige Hauptgebäude ist schon 300- Jahre alt. Außerdem sind Privathäuser durch Umbauten notdürftig für Unterrichtszwecke hergerichtet worden. Für vorgenommene Rotbauten mutzten gemietete Rärune wieder abgegeben werden. Die Folge dieses unwürdigen Zustandes ist die Zerstreuung der Universitätsgebäude über große Teile der Stadt. Da die Korporationen keine eigenen Häuser haben, sondern von jeher auf wenige schlechte Mieträume angewiesen sind, essen die deutschen Studenten in den Gasthäusern, die den einzelnen Universitätsgebäuden gerade benach­bart sind. Andere nehmen an der Mensa der beiden Studentenheime teil. Die Anweisung eines dritten Heimes, das um so notwendiger wäre, als in Prag noch immer Wohnungsnot besteht, wird von der Regierung hartnäckig verweigert. Die durch alle diese Umstände begünstigte Zer­splitterung der deutschen Studentenschaft ist um deswillen so gefährlich, weil die 4500 deutschen Studenten mit ihren Dozenten 10 Prozent der gesamten Prager deutschen Minderheit aus­machen: diese aber befindet sich noch in der be­sonderen Lage, fast nur aus Angehörigen der Oberschicht zusammengesetzt zu sein. Rur eines kann da eine Sicherheit für die im Interesse des Deutschtums dringend notwendige Zusammen­arbeit der Studenten geben: ein deutsches Stu­dentenhaus, das Studier-, Lese- und Spielzimmer enthält, ferner einen Fest- und Turnsaal, eine Gast- und Kaffeehauswirtfchaft, die Betriebe der Studentenhilfe und Räume für sämtliche Korpora­tionen. Die Prager Studentenschaft und mit ihr die ganze deutsche Minderheit würden dadurch eine Stütze erhalten, die für ihre Widerstands­kraft im Kampfe gegen tschechische Willkür nicht hoch genug eingeschätzt werden könnte.

Die Errichtung des Hauses drängt noch aus einem anderen Grunde. 3n letzter Zeit sind wiederholt Stimmen laut geworden, die eine Ver­legung der beiden Hochschulen in das geschlossene deutsche Siedlungsgebiet verlangten und damit diesen Vorposten des deutschen Volkes bereits verloren geben. 3m einzelnen mag manches für eine Verlegung sprechen. Es läßt sich aber jeden­falls nicht leugnen, daß es heute für die poli­tische Stellung der Deutschen eine große Bedeu­tung hat, in der Hauptstadt destschechischen Nationalstaates" eine Universität unb Technische Hochschule mit deutscher Vortragssprache zu be­sitzen. Um aber auch für die Zukunft eine mangel-

Jupiter in Erdnähe.

Von Ernst Valentin.

Dem abendlichen Beobachter des Sternen­himmels bietet sich jetzt im Osten eine besonders günstige Gelegenheit, den Riesenplaneten im Sonnenreich, 3 u p i t e r , in seiner größten Erdnähe und daher in stärkster Leuchtkraft zu beobachten. Der Planet, der in einem mittleren Abstand von 778 Millionen Kilometern um die Sonne wandert (also rund fünfmal weiter von der Sonne entfernt ist als unsere Erde), wird a m 2 2. September sich bis auf 590 Millio­nen Kilometer der Erde nähern, während am 1. September der Abstand noch 603 Millionen Kilometer betrug. Eine Woche nach der größten Annäherung an die Erde wird er bereits seinen Abstand zu uns um 4 Millionen Kilometer ver­größert haben. 3n diesen Tagen der größten Annäherung leuchtet 3upiter etwa elsmal so stark als die helle Wega, ein Fixstern der ersten Größenklasse.

3nsolge seiner gröheren Entfernung von der Sonne braucht 3upiter zu einem Umlauf 4332,6 Tage, d. h. in der gleichen Zeit, in der die Erde -wölfmal um die Sonne kreist, legt der 3upiter Viesen Weg nur einmal zurück. Der Durchmesser dieses Riesenplaneten beträgt am Aequator 144 600 Kilometer, ist also achtmal größer vls der Erddurchmesser, sein Raum­inhalt ist 1460 mal größer als der unserer Erde, jedoch ist die Dichtigkeit seiner Masse nur etwa ein Viertel der Crddichtigkeit. Gin Körper, der auf der Erda 1 Kilogramm wiegt, würde auf dem 3uplter etwas mehr als 2> 8 Kilogramm an Gewicht aufweisen.

Besonders bemerkenswert ist di.' Schnellig­keit. mit der 3upiter sich um seine eigene Achse bewegt. Trotz seiner gewaltigen Größe braucht er dazu nur etwa 9 Stunden und 55 Minuten, mit anderen Worten, ein Grdentag entspricht ettoa 21/e 3upitertagen. Diese rasche Bewegung bewirkt, daß der Planet an seinen Polen sehr stark abgeplattet ist. Man nimmt an, dah Ju­piter infolge seurer Gröhe noch nicht erkaltet ist, datz er sich vielmehr in einem g l ü h e n d f l ü s - sigen Zu st and befindet. Jedenfalls ist von

Oberfläche nichts zu erkennen, da er von

haft organisierte Verlegung zu vermeiden, die womöglich den Verlust der Hochschulen überhaupt zur Folge haben könnte, brauchen wir eine straff zusammengefahte und als Gesamtheit starke Pra­ger deutsche Studentenschaft, so wie sie durch den Bau des Stubentenhauses erstrebt wird.

Abessinien.

Von Dr. Erich Sander, Braunschweig.

Afrika ist heute nicht mehr derdunkle Erd­teil", als der es noch unfern Eltern galt. So phantastisch lange Zeit hindurch die Berichte waren, die über seine Völker und Landschaften umliefen, so erstaunlich war die Schnelligkeit, mit der in den letzten Jahrzehnten der Schleier von seinen Geheimnissen gelüftet wurde. Wenn man heute die politische Karte des dunklen Konti­nents überblickt, so liegt das Bild klar: Afrika ist eine europäische Kolonie! Der riesige Nordwestblock bis tief nach Zentralafrika hinein ward französisches Machtgebiet, während über der breiten Ostflanke vom Südkap bis Kairo hinauf der britische Union Jack flattert. Was von den übrigen Nationen: Portugiesen, Ita­lienern, Belgiern, Spaniern, ehemals Deutschen noch Kolonialinteressen pflegte, spielt neben den beiden großen Erdteil-Besitzern so gut wie keine Rolle mehr. Mehr als ein Drittel des afrikani­schen Gesamtlandes und fast - die Hälfte seiner Bevölkerung kommen heute auf britische Be­sitzungen. Ein gleich großer Raum und ein weiteres Drittel der Gesamtbewohnerzahl stehen unter französischem Einfluß.

Dicht neben dem Schnittpunkt der beiden kolo­nialen Hauptachsen der französischen West- Ost-Linie und der britischen Süd-Nord-Linie erhebt sich das Gebirgsland und Kaiserreich Abessinien. Dies Gebiet ist neben dem win­zigen, nur durch amerikanische Finanzvormund­schaft noch am Leben erhaltenen Negerstaat Li­beria die tatsächlich einzige und letzte Hoch­burg freien Afrikanertums. Seine Un­abhängigkeit verdankt Abessinien folgenden drei Tatsachen. Zunächst der Güte seiner Grenzen, die meist als gestaffelte Hochgebirgswände von über 1000 Meter Höhe das Land geradezu mauerartig von aller Umgebung abschlietzen. So­dann der kriegerischen Tüchtigkeit seiner Be­wohner, die, in der beherrschenden Schicht von semitisch-amharischem Blut, in bewunderungs­würdigen Kämpfen die Freiheit ihrer Berge und Herzen gegen jedermann zu wahren wußten: un­vergessen bleibt die fürchterliche Niederlage der eingedrungenen Italiener bei Adua 1898. Schließ­lich ist es die politische Nebenbuhler­schaft seiner drei Nachbarn, der Eng­länder (Sudan-Ostafrika): Franzosen (Djibuti) und Italiener (Erythrea-Somaliland), wodurch Abessiniens Selbständigkeit getragen wird wie etwa der spielende Ball vom Druck der Fon­tänenstrahlen.

Abessiniens Bedeutung, d. h. sein innen- und außenpolitisches Gewicht, gründet sich auf seine Landwirtschaft. Der überwiegende Teil der nur dünn gesäten Bevölkerung gehört dem Bauernstände an, und zwar herrscht im allge­meinen die Kleinbauernwirtschaft, besonders im südlichen Hochland, vor, während im Norden die Noma^rn überwiegen. Wenn übrigens die Berechnung des russischen Forschers Dr. Vavilow stimmt, der kürzlich Abessinien bereiste, so wäre zur Zeit höchstens ein Zehntel des anbau­fähigen Bodens erst unter dem Pflug. Daneben muß man bedenken, daß in einer Höhe von über 2000 Meter, also Im gesundesten Gebirgs­klima, noch etwa 160 000 Quadratkilometer so gut wie unbesiedelten Landes vorhanden sind, die sich ausgezeichnet für europäische Siedler eignen. Die wichtigsten Erzeugnisse für den Welt­markt sind Rinds- und Ziegenhäute, sodann Kaffee, daneben Wachs und Zibet und schließlich Baumwolle, Kautschuk, Elfenbein. Das Getreide bleibt im Lande. Eingeführt werden müssen Bauwollwaren und Metallgegenstände.

Bei dieser Sachlage ist es denn nicht ver­wunderlich. daß die drei politischen Anrainer England. Italien, Frankreich sich sehr früh eingehend für Abessinien interessierten. Zunächst hat Frankreich wohl den Vogel abgeschossen. 1916 war die französische Eisenbahn von Djibuti am Roten Meer hinauf zur Hauptstadt Adis Abeba fertig. Damit wurde das sehr wertvolle Hochlanderschlossen". Unb tatsächlich gehen un­gefähr 80 Prozent bes abessinischen Handels über

einer außerordentlich dichten Atmosphäre man schätzt ihre Höhe auf 45 000 Kilometer um­lagert ist. 3n dieser Atmosphäre sind (ein lleines Fernrohr genügt zur Beobachtung) dunkle Streifen und wolkenartige Flecken gut er- kennbar. Vor etwa 55 Jahren wurde im Aequa- torband ein ovalartiger Fleck von stark rötlicher Färbung entdeckt, dessen Länge 30 000 und dessen Breite etwa 10 000 Kilometer betrug. Der Fleck ist auch jetzt noch wahrzunehmen, hat aber in­zwischen eine gelbliche Färbung angenommen. Man vermutet, daß es sich bei diesen Flecken um die Spuren gewaltiger Vulkanausbrüche handelt, die in gewissen Zeiträumen zu grö­ßerer Intensität anschwellen und dann allmählich wieder nachlassen.

Von größtem Reiz für jeden Beobachter ist es, die M o n h e des Jupiters er hat deren neun! zu verfolgen. Ein Fernrohr von mäßiger Stärke macht die vier größeren leicht sichtbar, während die fünf anderen nur mit sehr starken Instrumenten erkennbar sind. Die vier großen Trabanten sind fast sämtlich größer als unser Erdmond (der kleinste hat 3300, der größte 5700 Kilometer Durchmesser, unser Grd- mond dagegen nur 3480 Kilometer) und sie um­kreisen den Planeten sehr schnell, der erste in IV« Tagen, der zweite in 3'^, der dritte in reichlich 7 und der vierte in 16a/3 Tagen. Von einem Tag zum anderen bieten diese Monde sich dem Be­obachter in immer veränderter Stellung, ein Schauspiel, das jeden Sternfreund stets von neuem entzückt.

Mit seinen neun Monden stellt Jupiter inner­halb des Sonnenveiches gewissermaßen ein lleines Weltfhstem für sich dar. ein verglühender Stern, dessen heiteres Licht nun während der ganzen Nacht das Firmament beherrscht.

Fortschritt.

Von F r a n z B l e i.

Vor Jahrzehnt-en erzählte man uns im ersten Lateinunterricht. die Römer hätten keine be­sonderen Wörter für Bejahung und Derneinungi gehabt. Kein _3a" und keinNein". Wir Knirpse sahen den Oberlehrer ungläubig an. Nun, da die Köpfte grau werden, erleben wir

Djibuti. Die italienische Bahn von Massaua am Roten Meer hinauf nach Asmara und weiter nach Süden mit dem Ziel, bis ins südliche Somali­land durchzustohen, kann mit der französischen nicht konkurrieren (schmalere Spurweite, noma­disches Hinterland). Viel stiller als die andern, dafür um so zäher und weitsichtiger, arbeiten die Engländer. Kein landwirtschaftlicher Ertrag reizt sie. sondern der Besitz des Tsana- Sees, des Quellgebietes für den Blauen Nil, der bei Chartum in den Weitzen Nil mündet. Gewaltige Wasserbaupläne zwecks Dergröherung der riesigen sudan-ägyptischen Baumwollkulturen sind ihre wirtschaftlichen Beweggründe.

Seit 1882 bis 1884 haben die drei Kolonial­mächte abschnittsweise die Grenzen ihrer Cinflutz- gebiete gegen das zentrale Hochland vorgeschoben. 1906 ging man einen Vertrag ein, in dem die regionale Aufteilung Abessiniens beschlossen wurde. Zur Ausführung kam es allerdings nicht, auch nicht 1915 bei ähnlicher Gelegenheit. Kritisch wurde aber die Lage durch den englisch-italieni­schen Dezember-Vertrag von 1925 zwischen Musso­lini unb Chamberlain, der den Italienern Ost- Abessinien einräumte alsInteressensphäre", den Briten dagegen den reichen Westen und Süden zusprach. Französische Einflüsse beim Völkerbund schlugen dann aber diesen Plan zunächst noch einmal nieder. Es ist kein Zweifel möglich, datz England den scharfen Gegensatz zwischen Italien und Frankreich benutzt, um im Trüben zu fischen. Es wird eines guten Tages soweit kommen, datz beide um ihre Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer kämpfend ihre Kräfte messen, während gleickzeitig England in Abessinien mit freier Hand schalten wird.

Unter diesem Zukunftsblick sollte man auch alle Auswanderungspläne betrachten, die zur Zeit auf Abessinien zielen. Diel wichtiger allerdings ist die einfache Tatsache, daß in Abes­sinien an europäische Einwanderer kein Grund und Boden verkauft, sondern nur auf 30 bis 60 Jahre verpachtet wird. Sicherlich ist genügend llimatisch für europäische Ansiedler prachtvoll geeignetes Land vorhanden. Ohne festen Arbeits­vertrag in der Tasche sollte jedoch niemand jenes Land aufsuchen. Die Hunderte von österreichischen Arbeitslosen, die kürzlich unter Führung eines Peter Waller in Wien zwecks Auswanderung nach Abessinien zusammentraten, werden sich noch wundern. Deutsche Techniker. 3n''ustr!el'e Wissen­schaftler genießen guten Ruf und werden in jüngster Zeit den andern Ausländern gern vor­gezogen. Wir müssen uns mit dieser bescheidenen Tatsache zunächst abfinden. Aber wir wollen hoffen, daß unsere Saat einst gute Früchte brin­gen wird.

es in unserer eigenen Sprache: im Deutschen kennt man kein3a" und keinNein" mehr.

Siehst du den Zirkus?" fragt ein Kind das andere im Gedränge Dorrn Schaufenster.Haben Sie für mich bezahlt?" lächelt die junge Frau in der Elektrischen der Freundin zu.Haben Sie das Mtienpaket gekauft?" erkundigt sich der Börsenmann bei feinem Begleiter.Klar!" tönt's zurück: oberAusgeschlossen!"3a" undNein" sind verbraucht, abgenutzt, verpönt...

Schwierig ist es nur, diesen verwandelten Wörtern den ruhigen, sachlichen Ton von dem einstigen3a" undNein" zu geben. Bei An­fängern gewinnt dasKlar" gar zu leicht einen Nebensinn:Alter Esel, warum fragst du das!" Aber das hören vielleicht nur wir Altmodischen heraus: die 3ungen nicht ausgeschlossen!

Hessisches Landestheater.

Das Schauspiel des Hessischen Landestheaters eröffnete feine Spielzeit mit Shakespeares Wintermärchen", das seit vielen 3ahren in Darmstadt nicht mehr gegeben worden war. Es ist ein Alterswerk mit einer abgeklärten Weltanschauung, doch enthält es auch manche dramatisch sehr schwache Szene, weshalb es die Regie vor schwere Aufgaben stellt. Man kann der Aufführung in Darinstadt die Anerkennung 'nicht versagen, allein die ins Zeitlose gestellten Bühnenbilder, die in der Hauptsache durch einen drehbaren architektonischen Ausbau bestimmt waren, der die Mitte der Bühne einnahm, wirk­ten nüchtern und allzu konstruiert. Hinzu kam noch, daß das Märchenhafte nicht recht hervor­trat, und die Wiedergabe sich größtenteils in dem strengen Stil eines Trauerspiels vollzog. Höchst bemerkenswert war die Aufführung, weil sie die Bekanntschaft mit den meisten neuert Kräften des Schauspiels vermittelte. Die über­ragendste Erscheinung ist Lilly Kann, die für das Hessische Landestheater in Darmstadt _ unb für die Buhne Dumont-Lindemann in Düssel­dorf verpflichtet ist Sie hat eine ausgezeichnete Sprechtechn'.k. mit der sie geradezu in dem En­semble auffällt: ihrePaulina" war eine sehr eindrucksvolle Leistung. Die neue jugendliche Heldin Charlotte 3aeke-3ost zeigte sich als Hermivne" noch sehr befangen, scheint aber

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

z. Rödgen, 20. September. Eine interessante Feststellung konnte dieser Tage ein hiesiger Obst­baumbesitzer machen. Unter einem Honigbirnbaum auf seinem Obststück nahe am Walde lag mindestens ein halber Zentner Birnen, dem das Kerngehäuse ausgenagt war. Solche Er­fahrungen sollen schon mehr Leute mit Birnbäumen Semacbt haben, die in der Nähe bes Waldes stehen, ebenfalls wird der Schaden von Eichhörnchen an- gerichtet, denen die reifen Birnenkerne eine ange­nehme Nahung sind.

g. Grünberg, 20. Sept. Veranlaßt durch den Vorsitzenden des Kreislehrervereins Gießen, Lehrer Sommer, und durch Professor Ble­ch e r - FiDedberg, fand hier eine Tagung der Lehrer aus der Umgebung ®rün* 6er g8 statt. Dorn Hessischen Landesamt für das Bildungswesen wurden schon vor längerer Zeit die sog. Heimatbogen zur Bearbeitung an die Schulvorstände versandt. Sie sind für die verschiedenen Wissensgebiete besonders aus­gestellt, so z. B. Heimatkunde, Volkskunde, Geo­logie, Biologie usw. 3n ihnen soll das für jeden einzelnen Ort bereits Bekannte ausge­zeichnet werden. Die Ergebnisse kommen vor allem dem Unterricht zugute und werden nach fachmännischer Prüfung zusammengestellt und wissenschaftlich verwertet. Zweck der Versamm­lung war, den Anwesenden Mittel und Wege zu zeigen, um ihrer Aufgabe bezüglich der Samm­lung von Tatsachen aus der Ortsgeschichte gerecht zu werden. 3m Mittelpunkt der Erörte­rungen stand ein Vortrag von Professor Ble­cher, der es in glänzender 'Weise verstand, seine Zuhörer in das Arbeitsgebiet einzuführen. Aehn-

doch recht talentiert zu fein. Kitty S te n g e I war eine sehr jugendfrische Perdita". Karl P a r h l a und Hermann G a 11 i n g e r wurden ihren Aufgaben alsFlorizel" tmbAutolhkus" gerecht. E. B.

Frankfurter Theater.

Das Neue Theater vermittelt die Bekannt- schäft mit dem Lustspiel Frantisek LangersDas Kamel geht durch das Nadelöhr". Wilhelm Busch sagt sehr richtig:Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt." Dieser Ausspruch mag sehr oft zutreffend sein, leider niemals im Lust­spiel, denn dort kommt es lanoVeiligerweise immer so, wie man im ersten Akt denkt. Auch bei FranÄsek Langer; das Kamel geht, wie man am Anfang rich­tig rät, glatt durch das Nadelöhr hindurch zum happy-ena. Es ist in diesem Falle ein junger reicher, sogar ungeheuer reicher Mann (Kronen-Währung), aer sich In ein kleines Mädel aus dem Volke (sie ist die uneheliche Tochter eines großen Herrn, der das schönste Grab auf dem Friedhof hat) verliebt und sie zu seiner Geliebten macht. Dieses Mädel hat aber außer dem toten, vornehmen Vater noch eine leben­dige und sehr geschäftstüchtige Mutter, und da sie selber außer ihrer goldenen Haarpracht auch ein gol­denes Wenner Herz hat, ungeheuer tüchtig ist und aus dem schlappen, etwas sehr wortkargen jungen Mann einen brauchbaren Menschen macht, so erlaubt der reiche, hartherzige Vater zum Schluß, daß die Mutter seines zukünftigen Enkels feine Schwieger­tochter werden darf, und das Kamel geht glücklich durch das Nadelöhr. Frantisek Langer hat diese ganze, sehr nach Volksstück duftende Angelegenheit teils schnodderig, teils herzlich, ein bißchen ironisch und ein bißchen sentimental aufgezogen -unb so ein Lustspiel zusammengemixt. Unter der zusammen­fassenden Regie Max O p h ü l s rollte das Spiel frisch unb munter ab. Famos war Lucie Englisch als resolutes Madel mit dem Herzen an dem be­rühmten richtigen Fleck, ebenso Anny Reiter als ausgefvitzte Mutter und, als Dritter in diesem er- freulictjen Trio, Alois Großmanns Krüppel, der mitunter sehr munter herumspazierte. Auch die übrigen vereinigten sich zu wirksamer Darstellung. Das Publikum nahm den nicht gerade originellen Stoff gut gelaunt mit beifallsfreudigen Händen auf.

liche Veranstaltungen werden tn Kürze noch m anderen Orten des Kreises stckttfinden.

* Lich, 20. Sept. Eine in allen Teilen wohl- gelungene Veranstaltung führte am Samstag und Sonntag die Vereinigung der 18 7 7er zur gemeinsamen Feier des 5 0. Geburtstages hier zusammen. Am Samstagabend fand imHolländ. Hof ein gemeinsames Essen statt, bei dem der Vor­sitzende, Metzgermeister Heller, die Begrüßungs­ansprache hielt. Mitglied Heinrich Zimmer hielt die Hauptansprache, in der er einen Ueberblick über den Werdegang der Vereinigung gab und der ge­storbenen und gefallenen Kameraden gedachte. An- schließend blieb man noch zu frohgelaunter Gesellig­keit beisammen. Am Sonntagoormittag begab man sich gemeinsam zur Kirche, wo Sttstsdechant Lenz die Predigt hielt. Von hier aus wurde das Ge­fallenendenkmal auf dem Friedhof besucht, wo man der Toten würdig gedachte. Am Grabe des früheren Vorsitzenden Karl Reger hielt Heinrich Z i nr m e r eine eindrucksvolle Gedenkrede. Der Nachmittag war wiederum der gemütlichen Geselligkeit gewidmet. Die Veranstaltung wird allen Teilnehmern in bester (Erinnerung bleiben.

Kreis Friedberg.

WSN. Bad-Nauheim, 20. Sept. An einem der letzten Tage wurden hier an drei Stellen Einbrüche verübt, bei denen es sich offenbar um ein und denselben Täter handelte. 3n allen drei Fällen fiel dem Dieb ein Geld' betrag in die Hände, beim Einbruch in eine Villa sogar eine größere Barsumme. Der Dieb wurde auf der Flucht gesehen, konnte aber noch nicht ermittelt werden.

Pb. Butzbachs 20. Sept. 3n der jüngsten Stadtverordneten-Sitzung wurde der Erwerb der Grundstücke Flur I Nr. ®/,. insge­samt 2514 Quadratmeter, zum Preise von 8800 Mark genehmigt. Weiter wurde der Vertrag mit dem Hessischen Staat, wonach dieser bereit ist, zur Errichtung einer K1 e in ki n der schule in der Südwestecke des Lustgartens den erforder­lichen Bauplatz von ca. 1500 Quadratmeter abzu­geben, genehmigt. Der Hessische Staat erhält dagegen von der Stadt Grundstücke in der Nähe der Zellenstrafanstalt in einer Größe von 3600 Quadratmeter in Tausch. Weiter wurde der Geländetausch zwischen Stabt und Kugel- hausfonds zur Errichtung eines Zugangsweges zum Hexenturm genehmigt. Die Umwandlung eines zur Rückzahlung fälligen Darlehens der Hessischen Girozentrale in ein kurzfristiges Dar­lehen zu 8/s Prozent Zinsen bei monatlicher Kürtdigung wurde gutgeheißen. Weiter beschloß die Versammlung die Errichtung des Marktbrunnens nach dem vorhandenen früheren Modells an der heutigen Stelle des Marktplatzes. Lieber den Bau einer Klein­kinderschule fand eine längere Debatte statt, die zu dem Ergebnis führte, datz die Beschluß­fassung vertagt wurde. Beschlossen wurde, die Bürgersteige des Ortseinganges in der Weiseler Straße, soweit diese zur Zeit durch die Provinz in Topeka ausgeführt wird, gleichzeittg in dir- fern Material ausfuhren zu lassen. Die An­lieger sollen 3,50 Mk. zu den Kosten beitragen. Die Unterhaltungskosten für Drainage-Ar­beiten im Seefeld sollen auf die betei­ligten Grundbesitzer ausgeschlagen werden. Sie belaufen sich auf 715 Mk. und werden nach der Größe der Grundfläche mit 35 Pf. auf 100 Qucwratmeter umgelegt. Zahlung hat bis 31. Dezember d. 3. zu erfolgen. Für die Beschaffung von Schlauchmaterial wird der Freiwil­ligen Feuerwehr ein Kredit von 600 Mk. be­willigt. Weiter wurde beschlossen, ein kurz­fristiges Darlehen im Betrage von 50 000 Mark zu 8/* Prozent zum Zwecke der Aus­leihung verbilligter Baudarlehen bei der Girozentrale Darmstadt aufzunehmen.

Kreis Büdingen.

# Hirzenhain, 20. Sept. Am Sonntag sand im hiesigen Buderus-Haus das Herbst­treffen der evangelischen Mädchen­bünde des oberen Niddertales statt, an welchem sich die Mädcstenvereine von Gedern, Hirzenhain und Merkenfrch beteiligten. Die Ta­gung stand unter dem LeitgedankenFreude". Alle Darbietungen, wie Chorgesänge, Dolls- tänze und Theaterstück, standen auf beachtens­werter Höhe. Auch der Musikverein Hirzenhain unter der Leitung von Herrn Dvurgignvn bot prächtige Leistungen. Die einleitenden De- grühungsworte wurden von dem Ortsgeistlichen Oberhofprediger a. D. Ehrhardt, die Schluß-