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Ein Gftpreußenksmmissar.

Die Schaffung einer Berliner Eonderstelle für das bedrohte Ostpreußen.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers*.

Berlin. 21. Sept. Die Ostpreußen hegen feit langem den Wunsch, in Berlin eine ähn­liche Interessenvertretung zu besitzen, wie sie die Bevölkerung der besetzten Gebiete in dem Rheinministerium hat. Wenn sie auch keineswegs ein eigenes Ministerium fordern, so haben sie doch wiederholt gute und gewichtige Gründe ins Feld zu führen gewußt, die die Er­richtung einer Sonder stelle bei der Reichsregierung als gerechtfertigt erschei­nen lassen Der Reichskanzler hat jetzt in Königsberg die Schaffung einer derartigen Stelle in Aussicht gestellt. Irgendwelche festen Ent­schlüsse sind allerdings noch nicht gefaßt worden, aber wie es aussieht, dürfte Ostpreußen einen eigenen Staatssekretär oderReichs- k v m m i s s a r erhalten. Selbstverständlich nur im Einvernehmen mit P r e u ß e n, wie ja auch nur in Liebereinstimmung mit der preußischen Regierung der Aufgaberckrris dieses Kommissars «bgesteckt werden kann. Wir glauben gerne, daß Dem vom Reich räumlich getrennten unö von

gesetzlichen Schritte angefihtMgt Die Reich-vegie- rung verschließt sich demnach nicht der Einsicht, daß ein weiterer Aufschub über Anfang Oktober hinaus unmöglich ist, da die Desoldungsreform bekanntlich nichts weiter darstellt als die schon längst fällige, mit jahrelanger Verspätung nun nachträglich torgenommene Anpassung der Be­amtengehalter an das in den Teuerungsmeßzah­len zum Ausdruck kommende Preisniveau und an die Entwicklung der Einkommen der übrigen Be­rufsstände. hinter denen die Beamtenschaft immer mehr im Rückstand geblieben war.

Da eine unterschiedliche Behandlung der Reichs- und Länderbearnten am 1. Oktober bei dem dringlichen und verspäteten Charakter der Desoldungsreform undenkbar ist, haben eine Reihe von Ländern wie Preußen, Baden und Württem­berg auf die erste Kunde von den im Reich geplanten Abschlagszahlungen hin im voraus Anordnungen getroffen, nach denen ihren Be­amten am 1. Oktober die gleichen Abschlags­zahlungen zu leisten sind wie den Reichsbeamten.

Die Zurückhaltung, die die hessische Re­gierung in dieser Frage zeigt, hat eine starke Beunruhigung in die Kreise der hessischen Be­amtenschaft getragen. Es bedurfte erst einer Anfrage im Finanzausschuß, um den hessischen Finanzminister zu einer Aeußerung zu bewegen; er erklärte, er werde dem Landtag eine Vorlage überdie in Hessen zum 1. Oktober zu treffenden Maßnahmen" unterbreiten, sobald die Einzel­heiten über die Abschlagszahlungen im Reich bekannt seien. Diese abwartende Haltung muß die Besorgnis der hessischen Beamtenschaft ver­mehren. Da wir vor Reuwahlen des Landtags stehen, hat Hessen alle Ursache, sich dem Beispiel derjenigen Länder anzuschließen, die schon jetzt positive gesetzliche Be­stimmungen für den 1. Oktober getroffen Ijaben. Die parlamentarische Erledigung des für den 1. Oktober gültigen Desoldungsprovisoriurns muß bald und unbedingt noch durch den jetzigen Landtag erfolgen. Sonst droht die Gefahr, daß die hessischen Beamten bis zum Zusammentritt des neuen Landtags bis dahin werden Monate vergehen gegenüber den Beamten des Reichs und der übrigen Länder benachteiligt sind.

Was nun die Art der in Hessen zu treffen­den Maßnahmen anbelangt, so können Regie­rung und Volksvertretung auch in Hessen aus der Sachlage, die zur Besoldungsreform führte, und aus der Entwicklungsgeschichte dieser Reform nur die eine, von einem Teil der Länder schon gezogene Folgerung ziehen: DieReichsrege- lung ist unverändert und für alle Gruppen zu übernehmen. Es ist bekannt geworden, daß die Reichsregierung, die die völ­lige Anpassung der rückständigen Gehälter an den Friedensstand erstrebte, mit Rücksicht auf die Staatsfinanzen und die Schwierigkeit der Deckungsfrage starke Abstriche an den geplanten und vom staatspolitischen Standpunkt aus für notwendig erachteten Gehaltssätze machen muhte. So erfüllt der Köhlersche Entwurf für viele Deamtengruppen bei weitem nicht die Forderun- en, die jene Gruppen mit einwandfreier Berechti­gung an eineReform" der Besoldung stellen. Gr ist das Minimum einer Desoldungs­reform, unter das einfach nicht mehr herabge- tfangen werden kann. Die unbedingte und eigent­lich selbstverständliche Forderung der Rächs- einheitlichkeit der Desolbung muh gerade in Hessen bei Zeiten und mit allem Rachdruck erhoben wer­den, weil über die hessische Beamtenschaft leider oft genug tn den vergangenen JahrenSonder­regelungen" verhängt wurden, die sie schlechter stellten als ihre Kollegen des Reichs und der übrigen Länder. Schon bei dem Oktoberprovi­sorium, erst recht aber bei der endgültigen Re­form darf nut der Grundsatz des völligen Air­schlusses an die Reichsregelung gelten. Der Ver­such einer erneuten hessischen Sonderregelung würde auf den entschiedenen Widerspruch der ge­samten hessischen Beamtenschaft stoßen und im Reich mit Recht Befremden erregen.

Bas AriegsschSdenschluhgesetz. Eine Denkschrift der Arbeitsgemeinschaft der Geschädigten.

Berlin, 20. Sept. (Wolff.) Die Arbeits- aemeinfchaft für den Ersatz von Kriegs- und Dachkriegsschäden hat in einer neuen Denk­schrift, die jetzt den maßgebenden Regie­rungsstellen zugeht, ihre Stellungnahme zu dem Entwurf eines Kriegsschädenschluh- gesehes festgelegt und eingehend begründet. Es wird betont, daß der Regierungsentwurf nicht als Schluhgeseh, sondern nur als Zwi­schenlösung in Frage kommen könne. Ein endgültiger Wiederaufbau scheint bei der jetzigen Form des Entwurfes unmöglich. Die Arbeits­gemeinschaft hält demgegenüber an ihrem Vor­schlag (2,8 Milliarden) fest. Es wird ausgeführt, daß dieses Programm statt 166 Millionen Mark nur 100 Millionen Mark jährlich kostet, wenn, wie der Regierungsentwurf vorsieht, etwa eine Milliarde Mark durch Veräußerung von Reichsvermögen bereitgestellt wer­den. Auch könnte ein Teil der Mittel aus Er­sparnissen, die das Reich z. B. an der Erwerbs­losenfürsorge gemacht hat, bereitgestellt werden. Die Arbeitsgemeinschaft führt weiterhin aus, daß im Regierungsentwurf gerade die für den Wie­deraufbau wichtigsten Gruppen stark benachteiligt sind.

einer slawischen Flut umbrandeten Ostpreußen auf diese Weise wertvollste Hilfe geleistet wer­den kann. Auf Experimente sollte man sich aber nicht einlassen, wenn nicht von vornherein eine restlose Einmütigkeit zwischen Preußen und dem Reich besteht. Mit der bloßen Schaffung einer neuen Behörde ist den Ostpreußen nicht gebient.

Der deutschnationale Parteitag.

Eine Rede Reichsminister Schieles.

K ö n i g s b e r g, 20. Sept. (Wolfs.) Der dies­jährige Reichsparteitag der Deutschnationalen Dolkspartei nahm heute hier mit einer Sitzung der Parteileitung seinen Anfang. Die deutschnationalen Reichsminister v. K e u d e 11, Schiele und Dr. Koch sind in Königsberg ein- getroffen. Als Auftakt zum Parteitag fand heute eine Wirtschaftstagung statt, auf der nach verschiedenen Referaten ücer Landwirtschaft, Han­dels- und Siedlungspolitik eine Entschlie­ßung angenommen wurde, in der es heißt: Die auf der gemeinsamen Tagung des Industrie- und des Landwirtschaftsausschusses der D.R.B.P. in Königsberg versammelten Vertreter aller Wirt­schaftszweige billigen die von der D.R.V. P. bis­her betriebene Wirtschaftspolitik. Die Kauf­kraft der heimischen Landwirtschaft ist die Grundlage eines gesunden Binnen­marktes und dieser wiederum die Voraus­setzung eines konkurrenzfähigen Ex­portes, um dadurch wieder die ausländischen industriellen Rohstoffe und landwirtschaftlichen Futtermittel einlaufen zu können. Die Ren­tabilität der heimischen Landwirtschaft ist darüber hinaus die Vorbedingung für jede fak­tische Siedlungspolitik, während diese da­rin bestehen muh, wirtschaftlich leistungsfähige, heimatfrohe und heimatstolze Menschen heran­zuziehen.

Reichsminisler für (Ernährung und Landwirtschaft. Schiele,

sprach über die Solidarität zwischenIn- dustrie und Landwirtschaft. Er be­grüß te die wachsende Erkenntnis, daß Industrie und Landwirtschaft in ihrem Wohlergehen mit­einander verknüpft sind. Seine Ausführungen belegte er mit reichem Zahlenmaterial und wies dabei darauf hin, daß es durch das starke Her­einströmen ausländischer Kredite, die eine Jn- landkonjunktur zur Folge haben, schwierig sei, ein klares Bild unserer Zahlungsbilanz zu be­kommen. Die Fortdauer dieses Zustandes könne nicht ohne ernste Rückwirkungen auf die Reichs­bank und auf die Währung bleiben. Von den drei die Passivität unserer Handelsbilanz be­stimmenden Posten, Transfer, Auslandzinsen, Einfuhrüberschüsse, sei der letzte der­jenige, bei dem wir die Bekämpfung der Passi­vität der Handelsbilanz mit Aussicht auf Er­folg beginnen können. Der Minister schloß seine Ausführungen mit den Worten: Was uns der Versailler Vertrag an Land und Gut geraubt hat, müssen wir durch gesteigerte Ar­beitsenergie ersehen, und zwar durch besonderen Einsatz dieser Energie cm der Scholle.

Vie amerikanische rlriegshilse.

Eine Rede Tardieus.

Paris, 20. Sevt. (WB.) Einer Abordnung der amerikanischen Legionäre, die heute in Reims eine Erinnerungsfeier abhielt, wurde ton der Staatsbehörde ein Frühstück ge­geben, auf dem bet Minister für öffentliche Ar­beiten, Tarbieu, erklärte u. a., ohne die Kriegserklärung der Vereinigten Staaten im April 1917 hätte keiner der Al­liierten die für die Fortsetzung des Krieges notwendigen Rüstungen weiter bestreiten können, ohne den Zustrom der amerikani­schen Truppen hätte Marschall Foch nie­mals den strategischen Plan entwerfen können, der es ihm gestattet habe, mit Deutschland fertig KU werden. Deshalb bewahre Frankreich dem amerikanischen Volke eine unwandelbare Dank­barkeit. Ohne Frankreich, das den ersten Stoß ausgehalten habe, hätte man nicht weiter kämp­fen können, ohne England, das fünf Jahre hin­durch den Transport gesichert habe, nicht durch­halten können und ohne die Vereinigten Staaten die ihre Truppen in den Kampf geworfen haben, hatte man nicht siegen können.

Tarbieu machte alsdann eine Rechnung auf über den Wiederaufbau. Der Wiederauf­bau der Kampfgebiete habe Frankreich 72 Mil­liarden Franken gekostet; 15 Milliarden stünden noch zur Verfügung, so daß das Gesamtwerk des Wiederaufbaues 87Milliarden Franken gekostet haben werde. Hierzu kämen 70 Milliar­den für Pensionen und Kriegerhinterbliebenen­fürsorge. Die Ratenzahlungen Deutsch­lands beliefen sich nur auf 25,5 Milliarden Franken; Frankreich habe also den Unterschieb aus eigener Tasche zahlen müssen. Tar- dieu forderte die Amerikaner auf, sich dieser Ziffern zu erinnern und daran zu denken, daß Frankreich das einzige Land sei, in dem der Staatdie Verantwortung für sämtliche durch den Krieg verursachte Schäden übernommen habe. Wenn jemals jemand sagen sollte, daß Frank­reich nichts für den Frieden getan habe, dann könnten die Amerikaner erwidern, sie seien in Reims gewesen und hätten die Schlachtfelder gesehen.Wir waren der Amerikaner würdig während des Krieges, wir sind auch ihrer würdig im Frieden" schloß Tardieu.

Die Krifts des polnischen Staats.

Der Konflikt

zwischen Pilsndski und dem Sejm.

Warschau, 20. Sept. (Wolff.) Im Zu­sammenhang mit dem unerwarteten Eintreffen des Marschalls P i l s u d s k i wird von der Mög­lichkeit der Schließung der Sejmtagung, ja sogar von der Auflösung des Landtages gesprochen Die gesamte Rechtspresse, an der Spitze die ncttionaldemokrattschrGazeta War- szawska Poranna" stellt eine Verschärfung der innerpolitischen Lage fest. Es kommt dies auch in zahlreichen Interpellation:n und Anträgen der mächtig angeschwollenen Opposition zum Ausdruck. So wurde der das stärkste Inter­esse erregende Antrag in der Affaire des ge­heimnisvoll verschwundenen Generals Z a g o r - fit nicht nur von sämtlichen drei Rechtsparteien, sondern auch von den Sozialdemokraten, der bäuerlichen Dolkspartei und der nationalen Ar­beiterpartei unterzeichnet. Für das toeitere Anwachsen der oppositionellen Strömungen ist

auch bezeichnend der scharf formulierte Miß- trauensantrag der Rationaldemokraten gegen Llnterrichtsminister Dvbrucki und vor allem der Antrag des gleichen Klubs, der Regierung die f. Z. erteilten Vollmachten zu ent­ziehen, da sie, wie es in der Begründung! heißt, zu politischen und Partei- zweck en benutzt tour den. Die Presse des Regierungslagers führt eine verhältnismäßig ruhige Sprache; doch wird dem gegenwärtigen Sejm, der sich so oft durch moralische Schwäche und Charakterlosigkeit auszeichnete, das Recht ab­gesprochen, über die Regierung zu Gericht zu sitzen.Glos Prawdh" spricht von einer auf moralischen Kräften beruhenden Diktatur des Talents und der Individualität, die ton Pilsudski ausgeübt werde.

Rach neueren Meldungen ist der Kampf zwi­schen Sejm und Regierung nicht entschieden, son­dern aufgefchoben worden. Obgleich man schon heute morgen von der Möglichkeit einer Vertagung der Session sprach, war man doch überrascht, als gleich nach Beginn der heutigen Rachmittagssitzung Vizeministerpräsident Dr. Bartel die Verfügung des Staatspräsidenten verlas, die die Vertagung der Session um 30 Tage anorbnete. Unter den Abgeord­neten hat dieser Schritt der Regierung Erregung hervorgerufen. Sofort traten die führenden Klubs zu Beratungen zusammen.

Ein neuer Terroristenprozeh in Leningrad.

Moskau, 20. Sept. (Wolff.) Gestern be­gann in Leningrad ein Prozeß gegen die Terro­risten Dalmassow, Solski, Stojewoi, Sanrojloto und Aderkas, die an einer monarchisti­schen Organisation des ehemaligen Großfürsten Rikolaj Rikolajewitsch teilgenommen haben. Die Angeklagten ge­standen, daß sie der Terroristen gruppe ange­hörten, die im Mai aus Finland auf dem Sow- jetgebiet eintraf, wo sie in zwei Teile zerfiel. Der eine Teil organisierte die Explosion« im Leningrader Geschäf tsklub, der andere machte den mißlungenen Versuch, die Räume der staatlichen politischen; Verwaltung in Moskau in die Lust zu sprengen. An der Spitze der Organisation stand der ehemalige General Kutepow, dessen Ver­treter mit den Spionageorganisationen FInlands, Lettlands und Polens in Verbindung standen. Acht Zauroggener Verschwörer

zum Tode verurteilt.

Riga, 20. Sept. (WB.) Von 20 Angeklagten, diederBeteiligunganderTauroggener Revolte überführt wurden, sind acht zum Tode, neun zu lebenslänglicher Zwangsarbeit und die übrigen zu Gefängniftrafen verurteilt worden. Sie­ben Todesurteile wurden in lebenslängliche Zwangs­arbeit umgewandelt, der achte Verurteilte sofort nach Urteilverkündung hingerichtet.

Mittelmeerfahrt Chamberlains.

Paris, 20. Sept. .(Havas.) Aus Cannes wird berichtet, daß der britische Außenminister Sir Austen Chamberlain, von Genf kom­mend, heute vormittag dort eingetroften ist und sich an Q3orb der Vcrcht eines Freundes begeben hat, die heute vormittag zu einer etwa drei­wöchigen Kreuzerfahrt tm Mittel­meer ausgelaufen ist.

Aus aller Wett.

Könnecke startet zum Oftafienflug.

Köln, 20. Sept. (Wolff.) Der Flieger Könnecke, Graf Georg Friedrich zu Solms- Laubach und der Funker Herrmann find mit derGermania" auf dem Flugplatz Buh- weilerhvf zum Ostasjenflug um 14.22 LIHr ge­startet. Die Route, die dieGermania" jetzt nimmt, ist WienBudapestKonstantinopel- Angora. Konstantinopel hofft Könnecke bei Morgengrauen zu erreichen und dann in den Vormittagsstunden in Angora die erste Zwi­schenlandung vorzunehmen. Wie sich der Flug von dort aus vollziehen wird, darüber war sich Könnecke tm Augenblick des Abfluges noch nicht im klaren. Falls die Wetterlage über dem Bal­kan ungünstig sein sollte, werden die Flieger entweder die Donau ober die Schwarze-Meer- Küste entlang fliegen. DieGermania" hat ein Gesamtgewicht von rund 3300 Kilogramm, darunter 1280 Kilo Benzin und 150 Kilo Oel. Auf dem Flugplatz waren zur Verabschiedung an­wesend: Oberbürgermeister Dr. Adenauer und mehrere Beigeordnete. Oberbürgermeister Dr. Adenauer sowie die übrigen Herren der Stadt, der Lufthansa und der Flugpolizei richteten herz­liche Abschiedstoorte an die Flieger. Dienstag nachmittag um 3.45 Uhr wurde dieGermania" über Frankfurt a. M und um 4.50 Ähr über Rürnberg gesichtet.

Lcvine in Le Bourget.

Paris, 21. Sept. WieMotin" berichtet, traf Levine gestern nachmittag auf dem Flugplatz Le Bourget ein, wo er sich den Verfolgungen eines Autodroschkenführers, den er angeblich nicht b e' zahlt hatte, entzog. Als er das Flugzeug zur Ab­reise besteigen wollte, forderte man seinen Paß, § worauf Levine erklärte:Ich habe keinen > Paß, es genügt, wenn ich Ihnen sage, ich bin ! Levine. Ich habe nie einen Paß und komme überall durch!" Trotzdem wurde Levine nicht gestattet, tn dem ersten fahrplanmäßigen Flugzeug, das startete- Platz zu nehmen. Levine ließ sich daraufhin mit der Polizeipräfektur telephonisch verbinden und erhielt daraufhin die Erlaubnis, ohne Paß abzureisen.

Die Elektrizität im Haushalt.

Auf der Tagung des R ei ch s v e rb a n des Deutscher Hausfrauenvereine in Tü­bingen-Stuttgart wurde folgende Entschließung gefaßt:Die versammelten Vertreterinnen des Reichsverbandes der Hausfrauenvereine geben ihrer äleberzeugung dahin Ausdruck, daß die Einführung des elektrischen Betrie­bes in den Haushalt aus hygienischen, kulturellen und volkswirtschaftlichen ©runden mit allen Mitteln zu fordern sei und vor allem das wirksamste Mittel ist. um den deutschen Haus­frauen ihren schweren Beruf zu erleichtern und ihnen Zeit und Kräfte freizumachen für Betätigungen neben der eigentlichen Haus­arbeit, die für das Bolkswvhl wichtig find, ins­besondere die Kindererziehung und die Pflege des Körpers und Geistes. Aus diesem Grunde fordern die deutschen Hausfrauen eine Anpas - f un g der Elektrizitätstarif e an die Rotwendigkeit elektrischer Haushaltsführung.

Diese Dnpaffung wird nach Leberzeugung der versammelten Hausfrauen die Einkünfte der Elek« trizttätswerke nicht schmälern, sondern ver­bessern, wenn sie in Formen erfolgt, die den Elektrizitätswerken für den Lichtkonsum den bis­herigen erträglichen Preis belassen und nur für den Mehrverbrauch, also für Kraft- und Kochstrom sowie für Rachtstrom, andere Preise festseht. Die Hausftauen vertrauen dar­auf. daß die Leitungen der Elektrizitätswerke dieser berechtigten Forderung tolles Verständ­nis entgegenbringen werden."

Der Fassadenkletterer Wald vor Gericht.

Dor dem Großen Schöffengericht Charlotten- burg begann der Prozeß gegen Fritz Wald, der den BeinamenKönig der Fassadenkletterer" führt und für etwa zwei Millionen Mark Juwelen zusammenge stöhlen hat. Die Anklage wirft Wald 18 vollendete Ein­brüche, davon vier in Berlin und 14 in Hamburg vor. Mit Wald zusammen haben sich zu ver­antworten Kaufmann Lohrer, Frau Strunck und Frau Albrecht wegen Hehlerei bzw. Beihilfe. Der Angellagte pflegte nur in bester G e - f e 11 s ch a s t zu verkehren und besuchte häufig Fünfuhrtees in ersten Hotels und Kabaretts. Seine Hehler gaben ihm als Erlös seiner großen Diebesbeute nur 45 000 Mk., sein Haupthehler, der Kaufmann Plückhahn, ist bereits zu einer ".rheblichen Zuchthausstrafe verurteilt worden.

vier Kinder erstickt.

In der Nackt zum Sonntag wurden in Bettingen (Kreis BiVburg) die vier Kinder von Eheleuten, die als Handelsleute ständig auf Reifen find, durch Ersticken getötet. Das Kindermädchen hatte den Kindern eine brennende Kerze auf den Wäscheschrank gestellt, damit sie sich nicht fürchten sollten. Die Kerze brannte vollständig ab, brannte sich durch das Holz und brachte die im Schrank befindliche Wäsche zum Glimmen, wodurch die ganze Wohnung mit Rauch gefüllt wurde. In dem undurchdringlichen Rauch starben die Kinder im Alter von ein bis vier Jahren eines grauenhaften Todes durch Ersticken.

Die Kinderlähmung in Leipzig.

Angesichts der in Leipzig grassierenden Kinderlähmungsepidemie hat eine Aerzte-Ver- fammlung die sofortige Schließung der Schulen gefordert. Seit dem 1. August b. Js. find in Leipzig und Umgegend 82 Personen an spinaler Kinderlähmung erkrankt, darunter auch mehrere Erwachsene. Don den Erkrankten sind bis gestern abend 15 Personen ge­worben. Die Kinderlähmungsepidemie hat sich auch auf ® r imma ausgedehnt, wo gestern die- Schulen geschlossen worden sind.

Durch Zeugenaussagen eines Kindes in den Tod getrieben.

In einem thüringischen Orte waren kürzlich unter der Anschuldigung, sich an einem zwölfjährigen Mädchen vergangen zu haben, drei Männer verurteilt worden. Einer von ihnen nahm sich deshalb das Leben, der zweite ver­fiel in Irrsinn, während der dritte gegen das Urteil Berufung einlegte. Auch die «Staate- anwaltschaft hatte Berufung eingelegt. Das Gericht sprach jetzt den dritten Angeklagten frei, da die Behauptungen des Mädchens unwahr erscheinen.

Kleine Ursachen große Wirkungen.

In Delitzsch schlug im liebermut ein Pferdeknecht mit der Peitsche über die Pferde seines Freundes. Die Pferde wurden scheu mtl> üb erfuhren den Führer, der lebensges ähr - lich verletzt tn bas Krankenhaus eingeliefert wurde. Der Knecht, der durch seinen He vermut bas Unglück verursacht hatte, erhängte sich wenige Stunden später.

Die Wetterlage.

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Das gestern westlich von Irland erkenn­bare Störungsgebiet hat sich wetter ostwärts über die britischen Infein üorroörts bewegt. Obwohl durch den vorübergel-enden Druckanstieg im Süden auch in unserem Gebiet die Wolkendecke heute durch­brochen wurde, fo fühtt doch südwestliche Lust an der Vorderseite des neuen britischen Tiefs erneut starken Bewölkungsaufzug und Regengediete mit sich, die im Laufe der kommenden Nacht und des morgigen Tages unsere Wetterlage beeinfiusien. Die Temperaturen bleiben zunächst milde.

Wettervoraussage: Wolkig bis bedeckt, Tempera­turen zunächst weiter etwas ansteigend, zeitweise Niederschläge, südwestliche bis westliche Winde.

Witterungsaussichten: Veränderlich, wolkig, oer- einzelte Niederschläge.

Lufttemperatuken am 20. September: mittags 17 Grad Celsius, abends 13,4 Grad Celsius; am 21. September: morgens 15,3 Grad Celsius. Erd temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 20. Sep­tember 14,6 Grad Celsius; am 21. September 12,9 Grad Celsius. Maximum 17 Grad Celsius, Minimum 11,8 Grad Celsius. Niederschläge 0,7 Millimeter