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Aus der ProvinzialhaupiMül.

Gießen, den 21. September 1927.

Die endgültige Veranlagung der Gewerbesteuer in Hessen.

Zur Frage der endgültigen Veranla­gung der Gewerbesteuer in Hessen für die Jahre 1925, 1926 und 1927 hat die Jnd u> strie - und Handelskammer Darmstadt auf ihrer letzten Jahressitzung eine Entschließung ge­faßt, die sicher die Zustimmung der interessierten Kreise finden wird. Dieser Entschließung zufolge kann die Frage nicht durch den bekannten Beschluß des Hessischen Landtags als endgültig geklärt angesehen werden, weil hier die nötige Klarheit dar­über zu vermissen ist, ob unter dem Beschluß der ..Nichtberatung des vorliegenden Gesetzentwurfes" die endgültige Ablehnung einer nachträglichen Der- nnlagung zu verstehen ist. Mittlerweile ist wieder so viele kostbare Zeit oerlorengegangen, daß es be­zweifelt werden darf, ob eine endgültige Veranla­gung der Gewerbesteuern für die Jahre 1925, 1926 und 1927 technisch überhaupt noch durchführbar ist. Sollte sich eine endgültige Veranlagung jetzt tat­sächlich nicht mehr durchführen lassen, so wären un­bedingt andere Maßnahmen zu treffen, die den Grundsatz der steuerlichen Gerechtigkeit noch nach­träglich für die hessischen Gewerbesteuern zum Aus­druck bringen. Als geeignet hierfür wird vorgeschlagen, durch ein schleunigst zu veraoschiedendes Gesetz zu bestimmen, daß den Steuerpflichtigen, die in diesen drei Jahren 1925, 1926 und 1927 zu Unrecht Er- tragsgewerbesteuer gezahlt haben, auf Antrag eine Rückvergütung zuteil wird. Die so für das Land und die Gemeinden entstehenden Steuerausfälle wären im Bedarfsfälle durch einen einmaligen Zuschlag zu der Ertragsgewerbesteuer bei der Veranlagung für 1928 nachzuerheben. So bedauerlich eine derartige zukünf­tige einmalige Sonderbelastung sei, so stelle sie unter den gegebenen Verhältnissen doch das kleinere Uebel dar gegenüber einer Lösung, die gerade diejenigen Wirtschaftskreise im Endergebnis in ungerechter Weise belaste, die durch den mangelnden Ertrag dieser Wirtschaftsjahre bereits besonders geschädigt seien. Es dürfe erwartet werden, daß der Hessische Landtag einer solchen Regelung, die den noch einzig möglichen gerechten Ausgleich darstelle, seine Zustim­mung geben werde.

LZornotizen.

TageSkalender für Mittwoch. Palast-Lichtspiele: »Gräfin Plättmamsell". Ästvria-Ltchtspiele:Liebesnächte am Nil".

** Die Behelfsbauten in der Rod- heimer Straße, in denen jetzt Schreiner-, Glaser- und Weißbinderarbeiten ausgeführt wer­den, sollen bis Ende d. Mts. sertiggestellt sein. Mit Beginn des Wintersemesters soll das Ge­bäude durch die hiesige Gewerbeschule be­nutzt werden, womit einem dringenden Bedürfnis abgeholsen ist. Das Gebäude enthält acht Klassen­säle, Lehrerzimmer und die erforderlichen Neöen- räume; es wird mit Gas-, Wasser- und elektri­scher Leitung versehen und ist derart eingerichtet, daß es nach der Ausführung der jüngst be­schlossenen Schulhausneubauten durch Einziehen von Zwischenwänden für Wohnungs- oder son­stige Zwecke Verwendung finden kann.

* Einige weitere Ruhebänke im Botanischen Garten erscheinen, nach einer Mitteilung von älteren Mitbürgern an uns, sehr wünschenswert. Gegenwärtig kommt es häufig vor, daß alte Leute mit verringerter Wegfähig­keit die paar Bänke in dem seinen Erholungs- Plätzchen inmitten der Stadt beseht vorfinden. Da die Leitung des Botanischen Gartens für diese Verbesserung wohl kaum Mittel verfügbar hat, wäre hier eine Möglichkeit zur Betätigung bürger­lichen Gemeinsinnes durch eine oder mehrere Stiftungen gegeben.

** Rindermarkt in Gießen. Aus dem gestrigen Gießener Rindermarkt waren, wie in einem Teil unserer gestrigen Ausgabe schon ge­meldet, 786 Stück Großvieh und 394 Kälber auf­getrieben. Der Handel ging flott. Es wurde ausverkauft: zum Schluß bestand noch Nachfrage. Bezahlt wurden für Milchkühe 1. Qual. 600 bis 700 M 2. Qual. 450 bis 500 M, 3. Qual. 200 bis 300 M.: Schlachttühe 200 bis 350 M Kälber kosteten 70 bis 75 Pfg. je Pfund Lebend- gewicht.

** Hohe Auszeichnung der ober­hessischen Rinderzucht. Auf der Land­wirtschaftlichen Landesausstellung in Darmstadt wurde bei dem Provinzialwettvewerb in der hessischen Rinderzucht die Provinz Oberhessen mit dem Ehrenpreis des Staatspräsidenten aus­gezeichnet. Die Provinz Startenburg erhielt den zweiten, die Provinz Rheinhessen den dritten Preis.

Personalie. Ernannt wurde der Schulamtsanwärler Josef Nahrgang aus Seibelsdorf, Kreis Alsfeld, zum Lehrer an der Volksschule zu Kiein-Steinhnm, Kreis Offenbach.

* Straßensperre in Lich. Wegen Vor­nahme von Kleinpflasterarbeiten ist die P r o v i n - zialstraße Ortsdurchfahrt Lich (im Zuge der Straße GießenGelnhausen) bis auf weiteres für den Wagen- und Automobil verkehr gesperrt wor­den. Die Umleitung erfolgt innerhalb der Stadt Lich.

" Eine oberhessischeHandwerker- feier, nämlich die Verleihung von Meister­briefen an über 250 Jungmeister und Jung­meiste rinnen aus der Provinz Oberhessen, fand am Sonntag hier im Cafe Leib statt. Wir be­dauern nicht in der Lage zu sein, über diese Ver­anstaltung berichten zu können, da uns eine Ein­ladung zu der Feier nicht zugegangen war.

Z Wünsche vom Südende der Frank­furter Straße. Wer bei den jetzt länger werdenden Abenden einen Gang durch die Frank­furter Straße macht, dec sehe sich vor, daß er kurz hinter der Eisenbahnkolonie nicht Bekannt­schaft macht mit dem direkt neben dem Bürger­steig auf der Westseite herlaufenden Grabem Dieser Graben, der' zum Glück meist trocken liegt, beginnt gegenüber der Baumaterialienhandlung Gebr. Kahl und zieht in einer Länge von etwa 125 Metern bei einer Tiefe bis zu einem Meter neben dem Bürgersteig her. Der Bürger­steig mißt an dieser Stelle etwa 1,30 bis 1,50 Meter in der Breite, ist also kaum so breit, daß zwei Leute nebeneinander gehen können. Man bedenke noch, daß dieser Teil der Straße völlig im Dun k e I n liegt, denn die nächste Strahen- lampe befindet sich am Anfang der Eisenbahner­kolonie. Nun hat ja die Stadtverwaltung vor einiger Zeit quer vor den Beginn des Grabens, der seinen Anfang inmitten des Bürgersteiges nimmt, eine Sperrlatte anbringen lassen, so daß der ahnungslose Straßenpassant nicht mehr in den Graben a n f a n g stürzen kann. Aber di« Gefahr, mit dem Graben Bekanntschaft zu machen, ist trotzdem noch sehr groß, denn er ist ja seitlich gegen den Bürgersteig völlig offen. So konnte der Schreiber dieser Zeilen in letzter Zeit dreimal die Beobachtung machen, daß ruhig des Weges daherkommende Leute, trotzdem sie auf die Gefahr aufmerksam gemacht waren, doch in den Graben stürzten, zum Glück, ohne ernst­lich Schaden zu nehmen Die Anwohner der süd­lichen Frankfurter Straße und die vielen Passan­ten wären der Stadtverwaltung zu Dank ver­pflichtet, wenn durch Anbringung eines ein­fachen Leitholzes die Gefahr beseitigt würde, was ja leicht möglich ist, da das Schuh Holz viel­leicht an den dort stehenden Bäumen befestigt werden könnte. Noch besser wäre es aber, der Graben würde mit Rohren ausgelegt und mit Erde zugeworfen, bevor ein größeres Un­glück geschehen ist. Auch könnte durch das Ver­schwinden des Grabens der Bürgersteig in seiner Breite auf etwa drei Meter gebracht werden

"Rowdytum. In der letzten Nacht haben wieder einmal gemeine Burschen in der Anlage bei der Johanniskirche ihr schändliches Wesen getrieben. Dort wurde von diesen Buben die erst im vorigen Jahre gepflanzte Reformations- linde mit i^m Messer bearbeitet und dabei ein etwa 1/2 Meter langes Stück der Rinde ab­geschält, seiner wurde auch in das Holz des jungen Bäumchens hineingeschnitten Ob der Daum erhalten werden Cann, ist heute noch nicht sestzustellen Gleichzeitig haben die Rowdhs auch das benachbarte Wetterhäuschen wiederum attak- kiert und dort durch Auf brechen der Schlösser und Beschädigungen der Instrumente erhebliche Zerstörungen ängerichtet. Es ist nur schad«, daß die Burschen nicht auf frischer Tat erwischt wurden und sofort mit einer verdienten gehörigen! Tracht Prügel bedacht werden konnten Die Tat­sache, daß innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit zweimal wüste Ausschreitungen in den Anlagen zu verzeichnen waren, gestattet Wohl den Schluß, daß der Polizeischutz in den Anlagen zur Nacht­zeit dringend der Verstärkung bedarf.

** Von einem Auto überfahren und getötet. Ein tragischer Unglückssall er­eignete sich gestern vormittag gegen 11 Uhr unmittelbar vor dem Ortseingang von Stein- b a ch in der Richtung von Lich her. Dort befand sich die 45 Jahre alte Ehefrau Lina Schnei­der von Gießen, Gattin des Justizwachtmeisters Schneider beim hiesigen Amtsgericht, mit ihrem Manne, einen Handwagen mit Gras ziehend, aus der Heimkehr vom Grasmähen nach dem Dorfe, wo das Ehepaar wohnt. Die Leute wurden dabei von einem Auto überholt, dem sie noch nachsahen. Dann wollte die Frau zwecks Rückgabe eines ausgeliehenen Wetzsteines in einem benachbarten Hause rasch die Straße über­queren, wobei ihrer Aufmerksamkeit aber ein anderes, nachfolgendes Auto entgangen sein muß. Die Bedauernswerte lief, wie man uns berichtet, direkt in den Kraftwagen, der aus der Umgegend von Nidda stammt, hinein und wurde zu Boden gerissen. Hierbei erlitt sie einen schweren Schädel­bruch, der den fofortigen Tod zur Folge hatte, außerdem wurde ihr der rechte Fuß am Knöchel vollkommen durchgebrochen. Der Lenker des Autos behauptet, mehrmals Warnungssignale

gegeben zu haben Die Gerichtsbehörden begaben sich zur Feststellung des Tatbestandes alsbald an Ort und Stelle und gaben nach Erfüllung ihrer Aufgabe die Leiche zur Bestattung frei. Die auf so schreckliche Weise aus dem Leben abberufene Frau hinterläßt ihrem Gatten vier Kinder.

* Ein schwerer Hnglüd8fall ereig­net« sich gestern gegen Abend in dem Basalt­werk bei Kesselbach. Dort waren Monteure aus Köln mit den Montagearbeiten eines neuen großen Steinbrechers beschäftigt. Beim Hoch­winden des schweren Brechers riß ein Seil, so daß der Brecher aus bettächtlicher Höhe her­ab stürzte, wobei vier Leute verletzt wurden. Wäh­rend drei von ihnen zum Glück nur leichtere Schäden erlitten, wurde der Monteur Karl Küster aus Köln so schwer getroffen, daß er mit schweren inneren Verletzungen an der Un­glücks st eile liegen blieb. Die Gießener Freiwillige Eanitätskolonne vom Roten Kreuz holte den bedauernswerten Mann mit dem städtischen Sa­nitätsauto ab und verbrachte ihn nach der Chirurgischen Klinik. Der Verunglückte war erst seit einem Tage bei dieser Arbeit beschäftigt.

" Ein Riesenapfel im Gewicht von 480 Gramm wurde uns gestern von einem hiesigen Gartenbesitzer überbracht. Dieser Apfel gehört in die Gruppe der Pfundäpfel und heißt Lord Grosvenor. Dieser Lord wuchs aus einem 1920 gepflanzben Zwergbäumchen, das schon wieder­holt reiche Ernten trug und auch in diesem Jahre eine Menge schöner Früchte von an­nähernd gleichem Gewicht brachte.

** Die Ersatz Ziehung bei der Preuß.» Süddeutschen Klassenlotterie. Aus Ber­lin wird gemeldet: Am Dienstag, 27. d. M., findet die Erfatzzichung der 5. Klaffe der vorletzten (28.) preußischen Klassenlotterie statt, bei der bekanntlich zwei Beamte der Lotteriedirektion zwei große Ge­winne auf betrügerische Weise sich in die Hände spielten. An dieser Ersatzziehung nehmen sämtliche Lose teil, die damals mit einem Gewinn unter 100 000 Mark herausgekommen oder leer ausgegan­gen sind.

* D i e Bezirksgruppe Gießen des Deutschen Gärtnerbundes hatte, wie man uns berichtet, am Samstag ihre Mit­glieder und deren Angehörige zu ihrem dies­jährigen Herbstvergnügen nach der Liebigshöhe eingeladen. Nach einleitenden Begrüßungsworten des Vorsitzenden der Gruppe wechselte in bunter Reihe die Programmfolge. Eine Dame aus Go­desberg brachte Rosen- und Dlumenlieder mit schöner Stimme zum Vorttag, Frl. Rieger erfreute mit ihren hübsch vorgeführten Einzel- tän^en; beide Damen ernteten lebhaften Beifall. Ein Doppelquartett des Dauerschen Gesangver­eins, sowie Herr Kurt Richter, brachten Chöre und Volkslieder zu Gehör, die ebenfalls beifällig ausgenommen wurden. Den übrigen Teil des Programms füllten Mitglieder der Kapelle Wel­ler durch musikalische Darbietungen aus, und darauffolgender Tanz hielt bie Teilnehmer noch bis zur frühen Morgenstunde beisammen. Der Saal der Liebigshöhe war an diesem Abend nicht wiederzuerkennen. Fleißige Hände hatten den Saal in einen Rosen- und Blumengarten umgewandelt; mehrere hundert Rosen und Blu­men, umgeben von Lorbeerbäumen und reichen Girlandenschmuck, zierten den Saal. Die DezirkS- gruppe Gießen form mit Stolz auf den wohl­gelungenen Verlauf ihrer Veranstaltung zurück­blicken.

" Briefe an die Redaktion. Um unliebsame Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir, alle für die Redaktion bestimmten Briefe nicht mit namentlicher Anschrift eines der Re­dakteure zu versehen, sondern angemeinan die Redaktion" zu richten. Nur dann kann eine schnelle Erledigung gewährleistet werden.

Amtsgericht Gießen.

Gießen, 16. Sept. Am 15. Juni fuhr ein Handwerksmeister mit seinem Auto vom Kirchen- Platz her kommend, durch die Walltorstraße in den Asterweg ein Dabei rannte er den Maurer M aus Heuchelheim, der auf seinem Rad am Eingang zum Asterweg vorbei wollte, an. M. wurde geschleift und bewußtlos unter dem Auto hervorgeholt. Die Folgen waren: Schlüsselbein- und Rippenbruch, wochenlanges Krankenlager. Noch heute ist di« Wunde nicht geheilt. Der Autofahrer mußte sich jetzt wegen fahrlässi­ger Körperverletzung verantworten Er war ordnungsmäßig rechts gefahren, hatte den Dogen nach links vorschriftsmäßig weit genom­men und hatte Signal gegeben Trotzdem hat er nicht den strengen Erfordernissen entsprochen, die nach Gesetz und Rechtsprechung an einen Autolenker gestellt werden Er hätte sehen kön­nen, wie der Radfahrer, der sehr langsam fuhr, vom Walttor her sich dem Eingang zum Asterweg näherte. Der Angeklagte hatte jedoch, wie er selbst angibt, den Radfahrer nicht gesehen, und

Mar deshalb nicht, weil er (der Angeklagte) ausschließlich die Fahrbahn geradeaus beobachte hatte. Deshalb habe er nicht seitlich gesehen Damit hat der Angeklagte nicht die gehörige Vorsicht geübt die das Gesetz verlangt, zumal zur Zett des Unfalls ein reger Verkehr herrschte (Arbettsschluh nach 5 Uhr nachmittags). Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts hat der Autolenker nicht nur die Fahrbahn, sondern auch die Straßenfetten ins Auge zu fassen Auch Dann sich der Führer, der wie hier an einer verkehrsreichen Straßenkreuzung einen Unfall verursacht hat, in der Regel nicht darauf be­rufen, daß er eine gewisse Gefahrenquelle nicht erkannt habe, weil er fein Augenmerk auf andere Gefahrenquellen habe richten müssen Er muß sich vielmehr einen Ueberblick über alle Gefahren­quellen verschaffen, und wenn ihm dies nicht möglich ist, die Geschwindigkeit entsprechend ver- nrinbern oder anhalten Der Angeklagte hatte zwar die unter Umständen gestattete Höchstge­schwindigkeit nicht erreicht. Er ist bestimmt nicht gerast". Trotzdem war seine Geschwindigkeit unter den gegebenen Derkehrsverhältnissen, und da er seine ursprüngliche Fahrtrichtung durch ©inbiegen in eine Nebenstraße verlassen wollte, zu groß. Denn er gibt selbst an, beim Einbiegen die Walltorstraße in der Richtung Nordanlage nicht beobachtet zu haben, obwohl bei dem herr­schenden Verckehr auch von dieser Seite aus ge­wiße Gefahren zu erwarten waren Der Ange­klagte konnte sich auch nicht darauf berufen, der Verletzte habe offenbar sechst etwas die Getstes- gegenwart verloren, als das Auto gegen ihn in den Asterweg einoog. Denn nach der Recht­sprechung ist es dem Autolenker zur Pflicht ge­macht, mit solchen Kopflosigkeiten des Publikums zu rechnen Das hat der Angeklagte nicht getan. Sonst hätte er langsamer einbiegen müssen Dem­gemäß lautete das Urteil auf 100 M. Geld­strafe wegen fahrläsiiger Körperverletzung, hx Tateinheit mit Übertretung gewisser Bestimmun­gen der Kraftfahx^eugverordnung. Strafxnildsmd wurde berücksichtigt, daß der Grad der Fahr- läsiigkeit fein besonders hoher war, daß auch den Verletzten eine gewisse Schuld an dem Un­fall treffen mag, und daß der Angeklagte, der sich eines guten Rufes erfreut, nicht vorbestraft ist. Anderseits war die Schwere der Verletzungen zu bedenken, sowie, daß die Verkehrssicherheit unb der Schuh des Publikums eine nicht allzu geringe Bestrafung erfordert.

hessische Landwirtschaftliche Landesausstellung.

* Darmstadt, 20. Sept. Der heutige letzte Tag der Hessischen Landwirtschaft­lichen Landesausstellung war der Tag der Schulen Ueber das ganze Ausstellungs- gelände hin verteilt sah man Schulklassen unter Führung von Lehrern Stark beteiligt an diesem Besuch waren außer den SXrrmftäbter Schulen auch die oberen Klassen bet Schulen in den ländlichen Nachbarorten Die Jugend brachte vor allem den Tieren in den Ställen reges In­teresse entgegen. Mit besonderer Vorsiebe ver­weilte sie auch in dem Dorfkino, wo ftänbig Vorführungen stattfanben Einer der Film« unterrichtete bie Zuschauer über di« Tätigkeit der Landwirtschaftskamnxer für Hessen Außer von Schulen war die Ausstellung von Ver­einen in großer Zahl besichtigt worben. Lokal- unb Kreis^hörben brachten dem Unternehmen lebhaftes Interesse entgegen, ebenso die Zerttval- behörden Gestern stattete auch der Staats­präsident, sowie bie Minister Kimber- ger und Raab der Ausstesixmg einen. Besuch ab. An den Derkaufsstanden für landwirtschaft­liche Maschinen und Geräte waren immer mehr Anschriften zu sehen mit dem Vermerk, daß bie betreffenden Ausstellungsobjekte verk auft seien Es handelte sich hier nicht allein um kleinere Verkäufe, sondern auch Maschinen, wie Lokomo- bilen, Dreschmaschinen usw. haben Abnehmer ge- fimben. Die Aussteller dieser QUrteilung sind mit dem Geschäft durchweg sehr zufrieden Ebenso äußern sich die maßgebenden Kreise der Aus- stellungsleitung sehr günstig über den Verlauf der Ausstellung und bezeichnen sie als einen vollen Erfolg.

Berliner Börse.

Berlin, 21. Sept. (WTB. Funkspruch.) Bei ruhigem Geschäft kann sich im heutigen Früh­verkehr eine allgemeine Erholung durchsetzen. Die Spekulation, die gestern stärker als Abgeber aufgetreten war, schreitet zu Deckungen, zumal die Ziffern der Außenhandelsbilanz eine wesent­liche Besserung aufweisen Für Farben hört man einen Kurs von 295 Geld. Am Devisenmärkte hört man Paris mit 124,02, Mailand mit 89,30, Madrid mit 28,02 und das Pfund tntt 4,8655 bis 4,8660.

Arbeitsvergebuug.

Auf Grund der Reichsverdingungsord- nung vorn Mai 1926 sollen folgende Lei­stungen und Arbeiten zur Erweiterung des städtischen Wasserrohrnetzes öffentlich vergeben werden: 8508V

1. Fuhrleislungen,

2. Erd- und Maurerarbeiten und

3. Rohrlegerarbeiten.

Die Verdingungsunterlagen und Zeich­nungen liegen auf dem technischen Bureau (Gartenstraße 3, Zimmer 6) zur Einsicht aus. Angebotsvordrucke sind dort erhältlich.

Die Leistungen und Arbeiten können ge­trennt ober zusammen vergeben werden.

Die Angebote sind verschlossen und post­frei, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum

6. Oktober b. 3. mittags 12 Uhr an uns einzureichen, wo bie Eröffnung in Gegenwart ber etwa erschienenen An­bieter erfolgt.

Zuschlags- unb Bindefrist: drei Wochen.

Gießen, den 19. September 1927.

Städt. Gas- und Wasserwerk Gießen.

S t e d i n g.

Bekanntmachung.

Am nächsten Samstag, vormittags 7 Uhr, am Bahnhof beginnend, wird das 8509D

Gemeindeobst der Gemeinde Launsbach öffentlich meistbietend versteigert.

Krofdorf, den 20. September 1927.

Der Bürgermeister.

Kartoffellieferung.

Die Lieferung von ca. 1500 Zentner 3ndustrie".Speifekartoffeln soll vergeben werden. 8500V

Diese Kartoffeln müssen gesund, gut aus- gelesen und gelbfleischig sein.

Es kommt nur eine großfallende Ware in Frage.

Die Bedingungen können während den Dienststunden hier eingesehen werden.

Angebote sind verschlossen mit der Auf­schriftKartoffellieferung" unter Anerken­nung ber Bebingungen bis zum

Mittwoch, dem 28. September 1927 vormittags 10 Uhr hier eknzureichen.

Die Lieferung kann geteilt werden. Zu­schlagsfrist: fünf läge.

Gießen, den 19. September 1927.

Direktion ber Landes- Heil- und Pflegeanstalt bei Gießen.

Obstvcrsteigernng.

Freitag, den 23. September 1927, vor­mittags von 8% Uhr ab, soll das der Ge­meinde Rödgen gehörige Obst, bestehend aus Aepfeln, Birnen (Tafel- und Kelter­obst) versteigert werden. 8501D

Zusammenkunft bei dem Weiher im Dorf.

Rödgen, am 21. September 1927.

Hessische Bürgermeisterei.

Wagner.

Arbeitsvergebung,

Die Herstellung von etwa 600 Meter Kabelgraben soll vergeben werden. Ange­bote sind verschlossen bis zum 10. Oktober d. 3. vormittags 11 Uhr, bei der Direktion des Städtischen Elektrizitätswerks, Zim­mer Nr. 3, einzureichen, woselbst auch die Vordrucke erhältlich sind. 8510C

Freie Auswahl des Unternehmers bleibt Vorbehalten.

Gießen, den 20. September 1927.

Direktion

des Städtischen Elektrizitätswerks.

S t 0 l t e.

Eberverkauf.

Nächsten Samstag, den 24. September 1927, mittags um 1 Uhr, wird ein erst­klassiger abgängiger 8511V

(Bemeinbeeber

öffentlich meiftbietenb gegen Barzahlung auf bem Rathaus verkauft. Kaufliebhaber wollen sich zur angegebenen Zeit dortselbst einfinben.

Ettingshausen, ben 20. September 1927.

Hessische Bürgermeisterei Ettingshausen. O p p e r.

Die Korbweiden ber Gemeinde Trohe werden Samstag, 24. September d. 3., nachmittags 5 Uhr, versteigert 8521V

Trohe, am 20. September 1927.

Schmidt, Bürgermeister.

Obftversteigernng.

Montag, den 26. September 1927, vor­mittags von 8% Uhr ab, soll das der Ge­meinde Oppenrod gehörige Obst, bestehend aus Aepfeln unb Birnen, versteigert, werden. 8516V

Die Versteigerung beginnt an der Straße nach Großen-Bufeck.

Oppenrod, den 21. September 1927.

Hessische Bürgermeisterei Oppenrod. ____________Kloos.____________ Donnerstag, 22. September 1922, nachmittags 2 Llhr, versteigere ich im £ött>en", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung:

1 Kredenz, 89 Fl. Likör,iKleiderschranl, 1 Eßservice, 5 Grammophonplatten,

Eisschrank, u Klavier,! Kassenschranl, 1 Schreibmaschine, 1 Nähmaschine.

Bern, Gerichtsvollzieher in Gießen

Steinstraße 13, pari. 8522V

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