Einzelbild herunterladen

Donnerstag, 21. Juli 1927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

M. 168 Zweites Blatt

Echüge

Garte«

am NlidrunsSbcr» Cd. 450 qm. äU.vejL Tesgt am i-6'lo)O' pheiuunlb ca. w1 qm. Str. Angeb . E? an d. G. w

feine künstlerischen Werte einen erweiterten Gönnerkreis, als er ihn bisher hatte, erhalten. In Prof. D r. Lvubier verehren und schätzen beide Teile, die Bücherfreunde sowohl, als auch die Kunstbuchbinder, den Forscher und Förderer des Kunsttinbandes. Durch ihn wurde in Deutsch­land zum ersten Male alles Bekannte aus der Vorzeit bis zur Reuzeit in einem Werke (Mono­graphien des Kunstgewerbes)Der Buchein­band in alter und neuer Zeit", erschie­nen im Verlag Hermann Seemanns Vachs., zu- sammengefaht. Die erste Ausgabe liegt über 20 Fahre zurück und dem Verfasser sind in der neueren Zeit viele Forscher gefolgt. Zu erwähnen ist noch Dr. jur. Bogeng. Es muh demnach beim Buchbinder eine beachtenswerte Kunst in der Werkstatt heimisch seinl

Die ersten Freunde und Liebhaber schöner Bucheinbände waren, außer der Kirche, die Fürsten! Die französischen Könige von Heinrich ll. ab bis zu Ludwig XVI. hatten ihre Hofbuch­binder. Ihnen ahmte diese Liebhaberei der Hof­anhang nach. Die Marquise de Pompadour ließ sich mit Vorliebe kleine Bücher in rotem Maro­quin binden, die dann mit reicher Vergoldung versehen werden muhten. Der Staatsmann G r o - lier bleibt für alle Liebhaber und Sammler ein leuchtendes Vorbild. Grolierbande stehen im hohen Kurs! Englische Könige folgten dem Bei­spiel der Franzosen, ünb auch unter deutschen Fürsten darf der Kurfürst August von Sachsen mit seinem Hofbuchbinder Jakob Krause (16. Jahrhundert) nicht unerwähnt bleiben. Krauses Arbeiten sucht man heute wie verlorene Stecknadeln zusammen. Durch Fürsten, Aristo-

Freilassung eines bekannten Bozener Rechts­anwaltes erbaten.

AI confino! Dieser Tage schlug nun der Blitz unerwartet in eine Gruppe von Bürgern, die weder mit Kokain handelten, noch umstürzlerische Plakate anklebten, die der Polizei nicht als Zu­hälter, sondern vielmehr in der obersten Gesellschaft als Würdenträger und reiche Steuer­zahler bekannt waren, mehr: die sogar Faszisten waren! Der Confinvblih schlug in die Gruppe der Hausbesitzer. Was war geschehen? Die Regierung hatte nach dem Pyr­rhussieg in der Liraschlacht, der eine unerträg­liche Teuerung über das Land heraufbeschwor, eine Jndexschlacht angesetzt, sie wollte die Herabsetzung der Preise mit allen Mitteln er­zwingen, drückte daher auf die Löhne und die Mieten. Fortan sollen alle Hausbesitzer nur noch das Vierfache der Friedensmiete fordern dürfen, alle Mieten müssen um 10 bis 15 Proz. er­mäßigt werden. Ratürlich setzten die Haus­besitzer der Regierung genau wie die Kaufleute einen passiven Widerstand entgegen, indem sie sich mit allerhand Kniffen um die Ermäßigung herumdrückten oder kurzerhand dem Mieter kün­digten. Dieser Kampf, der von den Besitzenden mit einer für das faszistisch strasf geregelte Italien unerhört verbissenen Leidenschaft geführt wird, dauert nun schon Monate, ohne daß die Regie­rung den geringsten Erfolg $u melden hätte. Leicht erklärlich sind doch auch die Kaufleute und Hausbesitzer Faszisten! Eine Krähe hackt der andern, so dachten sie da gellte durch Turin plötzlich der Ruf: AI confino! Lind er traf drei OAänner, die für sich so etwas als einflußreiche Faszisten gewiß nicht erwarteten, darunter einen stadtbekannten Commendatvre, der in seinen zahlreichen Häusern, die er sich mit Hilfe der Kautionssummen bauen konnte, die der Mieter beim Einzug zu zahlen hat, Hunderte von Familien beherbergt. Aber die berühmten zehn Prozent, die wollte er nicht zugestehen. Verhaftet. Auf zwei Jahre auf die Inseln! Abgerissen das Faszistenz eichen!

Der Vorgang beleuchtet grell die beispiel­lose, unfaßbare Macht des fafzistischen Staates. Welch ein anderer dürfte es wagen, so mit seinen eigenen Parteigängern umzuspringen? Wer möchte nod) leugnen, daß Mussolini wirklich ein Duce ist, ein uneigennütziger Führer?

6. Mr. tklnr

Den Einwand, daß diese Deportierungen ohne vorhergehenden Prozeß doch für einen modernen Staat ungewöhnlich wären, beantwortet die faszi- tische Revolution, indem sie ironisch darauf hinweist, daß die Anschauung, eine Revolution schaffe sich ihre eigenen Rechte, ja gerade von den Leuten im Munde geführt wird, die dem Faszismus nicht grün sind. Lind weiter deutet Mussolini nicht nur auf die Schrecken der fran­zösischen Revolution, sondern, und Lies mit Recht, auf das Blutregiment im heutigen Rußland, mit dem sich das italienische wirklich nicht messen kann. Tatsächlich hat die faszistische Revolution noch keinen einzigen Gegner vor die Gewehre gestellt, selbst die Herren Bombenwerfer ließ der Mann, dem ihr Anschlag galt, von den vor- faszistischen Gerichten aburteilen, die keine Todes­strafe kannteri, oder genauer gesagt: von dem Sondertribunal nach den demokratischen Gesehen verurteilen. Rom konnte daher den Aufruf der dritten Internationale gegen den Faszismus mit der gelassenen Bemerkung abtun, von Leuten, die bereits Millionen abgeschlachtet haben und ein mächtiges Volk wie bas russische in tiefster Knechtschaft halten, könne der Faszismus keine Belehrung annehmen.

Trotzdem darf man nun nicht glauben, das confino sei eine Art Zwangssommerfrische. O nein, es ist, so versichert die faszistische Presse, eine recht unangenehme Gegend! Die meisten Verbannten kommen auf die Liparischen Inseln, jene Heinen vulkanischen Eilande südlich vom Stromboli, in der Bucht von Messina, wo von der Schönheit des Südens wenig zu spüren ist, wohl aber viel von Wassermangel und sengen­der Glut. Daß sie mit Geld in dieser Oede ohne­hin nichts anfangen könnten, das ist das einzige, was sie über die Höhe der staatlichen Llnter- stühung, die sie für ihren Lebensunterhalt emp­fangen, nämlich zehn Lire im Tag, trösten kann. Eines aber hat der strenge Richter vergessen, als er von ihrergtiviß nicht glänzenden, aber auch nicht übertrieben schlechten Lage" sprach: die viel schmerzlichere Oede des Stumpfsinns, den: geistig hochstehende Männer auszuliefern doch weit schwerer wiegt als zehn Jahre normales Gefängnis für einen Handarbeiter. Das ist es, was die Südti.roler Abgeordneten besonders betonten, als sie in Rom vergeblich die

Motorrad, CM ) p. S, 4 Taki. iud- 'rerfcüeinfreL g* bereit, iur nur 440^ otrtäufl S»M

-

UMpindcl. drchbanl

nut erhall-NE, 1809)1!. »u °erlM

C, Lel8 er

Aggs

Schöne Bücher in schönen Ginbän- den zu besitzen, ist seit der Entstehung der bis auf den heutigen Tag gleich gebliebenen Buch form die Sehnsucht und der Ehrgeiz sch ö nh ei t su che n de r und geistig hochentwickelter Men­sch e nl Das Buch War aus dem Zweck heraus, als Träger und Beherberger edlen Geistes zu dienen, stets ein Gegenstand der Liebe und Ver­ehrung. Aus diesem Grunde sind alle alten, geschriebenen Klosterbande mit ihren reich ver­zierten Llmhüllungen hochzuschätzende Kunstwerke, denen sich nach der Erfindung der Buchörucker- kunst auch auserwählte Drucke anschlossen, die ein besonders schönes, vom Buchbinder angefer­tigtes Kleid erhielten Es ist' in der Oeffent- lichkeit, ja selbst in den heuttgen bücherliebenden Kreisen nicht oder nur vereinzelt bekannt, daß das Buchbinderhandwerk einstmals in die Künste einbezvgen war. Allerdings eine Kunst, die nicht populär werden konnte, weil diese Kostbarkeiten von ihren Verehrern in Schränke gesperrt, dem Tageslicht und dem menschlichen Auge fernge­halten wurden Jetzt erst fangen die jüngeren Historiker und mit ihnen in Verbindung die Bibliothekare an, die hintangestellten und da­durch in Bergessenheit und teils auch in Miß­achtung geratenen Werte eines schonen Kunst- Handwerks unter die kritisch-historische Lupe zu nehmen. Sie haben bereits herausgefunden, daß in dieser Betätigung für sie ein neues, schönes und dankbares Gebiet der Forschung liegt. Mit ihrer Arbeit wächst dem kunsthandwerklich aus­gebildeten Buchbinder eine neue Interessen­sphäre! Er gibt dabei der Hoffnung Raum, daß

& «1*5 i, 1 1 to.

£

WWige

Suche geschickte Expedition heimbrachte, war nur De Gongs Tagebuch, das in fürchterlicher Ein­dringlichkeit Tag für Tag in Kürze verzeichnet, daß wieder einer zusammengebrochen und ge­storben war. Im Juni 1884 wurden an der Südwesttüste von Grönland eingefrorene Klei­dungsstücke gefunden, die als derJeanette"- Expeditton gehörig festgestellt wurden: sie waren quer über das Polarmeer getrieben, und diese überraschende Entdeckung hat R a n s e n die An­regung zu seiner berühmten Rordpolfahrt ge­geben: er wollte sich, wie diese Gegenstände der unglücklichen Amerikaner, von der Strömung, die sich vom sibirischen Eismeer zur Ostküste Grönlands zieht, ebenfalls über den Pol oder an ihm vorbei treiben lassen.

Llnglücklich verlief auch die Ballonfahrt des schwedischen A n d r 6 e im Jahr 1897 nach dem Pol: alles, was man nach dem Start noch davon erfuhr, brachten die kurze Botschaft einer Brief­taube und drei Bojen, die ins Meer geworfen waren, aber keine Mitteilungen enthielten. Don den drei Männern desAdler" hat man nie wieder etwas gehört. Ebenso tragisch verlief die Llnternehmung des Dänen Mhlius-Crich- sen im Jahr 1907, der mit seinen Leuten im ewigen Eise blieb: eine Entsatz-Expedition fand im Jahr darauf die Leichen und ein Tagebuch, worin kurz und bündig der Tod des Führers und seiner Leute vermerkt war.

Eine ergreifende Parallele hierzu bildet der Verlauf jener Forschungsreise, die der um die Entdeckung Australiens so hoch verdiente Deutsche Ludwig Leichardt im Jahr 1848 unternahm, um den Kontinent von Osten nach Wc en zu durchqueren. Als im Jahre 1851 noch immer keine Rachricht von tijm bekannt geworden war. machte man sich auf, ihn zu suchen. Im nörd­lichen Queensland stieß man auf eine Spur. Am Zusammenfluß des Comet unb der Rowoo fand man den Buchstaben L in eine Pinie eingeschnitten: darunter stand das WortGrabe!" mit einem nach unten weisenden Pfeil. Das war alles, was über Leichardts letzte Fahrt bekannt geworden ist. Ob er erschlagen, in der Wüste verdurstet oder den furchtbaren Strapazen er­legen ist, wird ewig dunkel bleiben.

Letzte Botschaft von den Vermißten.

Mehr als zwei Monate sind seit jenem un­glücklichen 9.Mai vergangen, an dem Run- gesser und Coli ihre verhängnisvolle Fahrt antraten. An Gerüchten, die noch eine schwache Hoffnung ließen, hat es seither nidyt gefeljlt, die letzte Botschaft dieser Art ift die Meldung von Wangeroog, wo eine Flaschenpost angetrre- ben ist, in der sich eine Kartenskizze und em verzweifelter Hilferuf befanden. Möglichert^ise wird sich auch dieser Hilfeschrei als eine Ent­täuschung erweisen, denn es wäre nicht das erste- mal, daß mit Flaschenposten Unfug getrieben würde. Freilich: irgendwann wird bestirnntt ein­mal ein letztes Lebenszeichen der unglücklichen Ozeanflieger nach bewohnten Küsten gelangen! und den Schleier von der Tragödie ziehen, die- sich fern den Augen der Menschen irgendwo in Der endlosen Wasserwüste des Ozeans oder an den verlassenen Gestaden einer unbewohnten Insel abgespielt hat. Die Geschichte der Entdeckungen, die ja in der Gegenwart, da es auf der Erda fast nichts mehr zu entdecken gibt, nur noch von den kühnen Pionieren der Luft geschrieben wird, weih von zahlreichen erschütternden Fällen zu berichten, in denen Jahr und Tag nach der furchtbaren Erfüllung eines Entdeckcrschicksals in der Einsamkeit Botschaft zu der trauernden Welt kam und ihr erzählte, wo die Vielgesuchten im Kampf um die Eroberung des Erdballs den Tod des Pioniers gestorben waren.

So scheint das Buch der Fahrten zum Rord- pol und in den nördlichen Meeren, die Epopöe der Fahrten im ewigen Eis, fast ausschließlich aus düsteren und tragischen Kapiteln zu bestehen. Lange bevor man im Luftschiff über den Rord- pol fuhr, bevor wissenschaftliche Expeditionen, mit vorzüglich gebauten Schiffen und ausreichenden Hilfsmitteln versehen, erfolgreiche Forscherarbeit leisten konnten, waren die Meere des Rordens das Ziel vieler Fahrten, die einen ganz unwissenschaftlichen, einen wirtschaftlichen Zweck verfolgten, nämlich die sogenannte Aordwest- und Aordost-Passage aufzufinden, den Weg, auf

dem man die Konttnente zu umfahren gedachte. Zahlreiche Seefahrer sind auf der Strecke geblie­ben, an unbekannten Küsten im hohen Rorden gescheitert, den ungeheuren und ungewohitten Strapazen erlegen, vor Hunger und Kälte elend ums Leben gekommen.

Roch heute erschüttert das furchtbare Schick­sal desErebus" undTerror", mit denen 134 tapfere Männer im Mai 1845 unter dem Kom­mando des erprobten John Franklin von England aus in See gingen, um bis zur Bering­st raße zu gelangen. Walfischfänger hoch oben im Lancaster-Sund waren die letzten Menschen, die die Besatzung zu Gesicht bekamen. Ein Jahr verging, und noch eines floh ins Meer der Zeit, und ein drittes verstrich: feine Botschaft kam von den Seefahrern. England zitterte vor Angst um das Schicksal seiner Leute: man sammelte Bei­träge: die Regierung setzte 400 000 Mark auf die Rettung der Expedition aus, die erfahrensten Polarforscher rüsteten Schiffe aus, aber eins nach dem anderen kam zurück, ohne die Ver­mißten gesehen zu haben. Sieben Jahre waren seit der Ausfahrt vergangen, und die einzige! Spur, die man entdeckt hatte, war ein Zeltplatz am Wellington-Kanal, der. bewies, daß Franklin auf der Deechh-Jnsel überwintert haben muhte. England gab das Suchen auf, es brauchte seine Schiffe für den Krimkrieg, Franklin und die Seinen wurden aus den Schiffslisten gestrichen. Im Jahre 1853 traf dann endlich eine Botschaft ein' Esttmos auf der Boothia-Halbinsel hatten im Jahre 1850 auf der Südspihe von King- Williams-Land eine Schar weißer Männer ge­sehen, mager und zerlumpt bie ein schweres Boot langsam auf einem Schlitten südwärts schleppten: ein paar Wochen später fanden sie an derselben Stelle 30 Leichen, und bald darauf auf einer benachbarten Insel fünf Leichen und Silbersachen, die Franklin und einigen seiner Offiziere gehört hatten. Run wußte man genug, aber ein Mensch gab die Hoffnung nicht auf, doch noch einen von Franklins Leuten zu finden: das war Lady Franklin selbst, die eine Expe­dition ausrüstete und den berühmten Polar­fahrer M'Clintock auf die Suche schickte. Rach zwei Jahren kam diese zurück: sie brachten zwar keinen Lieberlebenden vomErebus", dafür

Al confino!

[ Von unserem römischen ^-Korrespondenten. Rom, Mitte Juli.

Ad muraenas! Im alten Rom gab es für Menschen, die einen Herrn über sich wußten, kaum einen gefurchteteren Ausruf als diese beiden Worte. Der. dem er in die Ohren gellte, wurde stehenden Fußes ergriffen und den Mu- tönen vorgeworfen, den in marniornen Teichen gehaltenen, gefräßigen Lieblingsfischen der Mach- Ü9<3m heuttgen Rom gibt es niemand, der nicht einen Herrn über sich wüßte, niemand, der nicht die beiden Worte fürchten wurde: Al con! i n o! Roch bevor sie ihm in die Ohren gellen, kann einer ergriffen und in die Ve r b a nnung geschickt sein. Was den Befehl so schreckbar macht das ist seine blitzartige Ausführung. Man kann aus dem Bett geholt werden, in das man sich ahnungslos legte, eine ©tunte spater auf der Polizei den Verbannungsbefehl vorgelesen bekommen und am Abend schon das Schiff be­steigen. So ist es zum Beispiel dem Großmeister der italienischen Freimaurer ergangen, der seinen Kopf schon gerettet glaubte, als er heil aus dem Zanibonipvozeß, dem ersten Attentatsprozeh, herauskam.

Das confino wurde nach dem vierten und letzten Attentat auf Mussolini erfunden, als die sicherste Maßnahme, um Verdächtige bei­zeiten. bevor sie ihre antifaszisttschen Pläne durchführen oder ihre regimefeindlichen Ideen verbreiten konnten, unschädlich zu machen.Alle Zeitungen der Opposition", so rief Mussolini m seiner letzten großen Rede aus,sind unterdrückt worden, alle antifaszisttschen Parteien aufgelost worden, eine besondere Polizei der Legionen wurde geschaffen, die ausgezeichnet arbeitet ®m Sondertribunal wurde errichtet, das gleichfalls trefflich funktioniert und immer weniger Anlaß zu Beanstandungen geben wird, besonders nach der Maßnahme, das weibliche Element von den Sitzungen auszuschliehen, das oft in die ernstesten Dinge seine unverbesserliche Frivoli­tät hineinbringt. Und dann wurde die Strafe der Verbannung eingeführt, das confino ...

Mussolini betont aber, daß man bet der ganzen Bekämpfung der Oppositton mit einem gewissen Verständnis vorgehen müsse, nicht mit Kanonen nach Spatzen zu schießen brauche, denn was sei das schon, diese Opposition? Tinte und Papier, nicht mehr. Riernals hätten sich die Herren aus den journalistischen Schützengraben herausgewagt, der Anblick von ein Paar Pan­zerwagen genüge, um alle verschwinden zu lassen. Es sei also and) gar nicht nötig, die Zahl der Verbannten zu übertreiben.Wieviel sind es denn, diese confinati? Jrn Ausland hat man von zweihunderttausend gesprochen, allein in Mailand seien 26 000 zusammengetrieben worden. Wie dumm, wie erbärmlich! Unterschieden muß vor allem zwischen polittfchen und gemeinen Verbannten werden. Run, ich denke, mit den letzteren wird keiner Mitleid haben, handelt es sich doch dabei um authentische Kanaillen, Diebe, Frauenwisbeuter, Rauschgisthändler, Wucherer und derartige Elemente, die rasch aus dem Ver­kehr verschwinden müssen. Im ganzen 1527 con­finati. . ,

Zwischenrufe: Wenig, viel zu wenig!

Es sind ja erst einige Monate, seit das confino funfttoniert r*

Dann kam der Diktator auf die interessantere Kategorie der polittschen confinati $u sprechen. Solche wurden bis zum Mai dieses Jahres 698 auf die Inseln geschickt", von denen, immer nach Mussolini weitaus die meisten versicherten, nie einer polittschen Partei angehört oder seit geraumer Zeit jede politische Tätigkeit eingestellt zu haben, nur 21 bekannten sich zu ihren poli­tischen Anschauungen. Fast alle haben sich mit einem Gnadengesuch an Mussolini gewandt, das in manchen Fällen erfolgreich war, doch will Mussolini von einer allgemeinen Amnestie nichts wissen, wenigstens bis 1932 nicht. !5>ie getoöbn» liche Verbannungsdauer beträgt fünf Jahre.

Terror? Richt Im entferntesten, versichert die Regierung, vielmehr soziale Hygicare, na­tionale Prophylaxe! Isolierung ter 2ln- gesteckten, damit nicht der ganze Volkskorper vergiftet werde! _______________ ___________

gesn0- - j1V find', r «nt ü -ft,

l@en!°eon»'S

Sri^

«T«U

aber den einzigen schriftlichen Bericht mit, der jemals über das Schicksal dieser Expedition ge­funden wurde. Dieser Bericht fand sich in einen Blechbüchse: er enthielt lakonische Rotizen über den Verlauf der Fahrt und die Meldung, daß John Franklin am 11. Juni 1847 gestorben sei: er teilte außerdem weitere Todesfälle mit und lieh erfemten, daß sich die Expedition ent­schlossen hatte, die beiden Schiffe, da sie im Eis festlagen, zu verlassen. Man verfolgte noch weitere Spuren, fand Schlitten und Boote, Klei­der und Werkzeuge, Taschenuhren, sogar drei aufgeschlagene Bücher, ein Reues Testament, ein Gesangbuch und einen kleinen Gedichtband.

Ebenso erschütternd war das letzte Lebens­zeichen eines Offiziers der Franklin-Expedition, dessen Leiche 1878 von dem Amerikaner S ch w a d t £ a auf King-Williams-Land gefunden wurde. Dieser entdeckte in einem offenen Grab ein Skelett und stellte an einer silbernen Medaille fest, daß es Leutnant Jrvin vomErebus" war: daneben, unter einem Stein, lag ein Papier, auf dem eine mit dem Finger zeigende Hand gemalt war, und das Papier tag so, daß die Hand nach Süden wies. Vielleicht hatte es einer von der Mannschaft hingelegt, der nicht schreiben konnte oder keine Kraft mehr dazu hatte.

Richt minder ergreifend war das Schicksal derJeanette"-Expedition, die der amerikanische Leutnant De Gong im Jahre 1879 von San Francisco aus nach dem Rordpol führen wollte. Diese, von Gordon-Benett finanzierte Un­ternehmung sollte sich nach Rordenskjöld umsehen, der gleichzeitig mit seinerVega" un­terwegs war. Diese Expedition ist eine der unglücklichsten in der Geschichte der Polarfahrten gewesen. Zwei Jahre war dieJeanetie" unter­wegs, und als sie zum 77. Grad nördlicher Breite gekommen war, barst das Schiff unter der eiser­nen Umklammerung des Eises. De Long wollte nun nach Süden wandern, bis zum offenen Was­ser, dann in den Booten zum Lena-Delta fahren, und von hier flußaufwärts menschliche Ansied­lungen zu erreichen suchen. Sie kamen niemals an. Die Expedition teilte sich, die einen er­tranken, die anderen verhungerten und wurden vom Schnee begraben, und was eine auf die

traten und vornehme Bürger ist dem Kunstein- bcrnd eine Tradition gewachsen bis in unsere Tage hinein. Die Inflation nach dem Kriege hat dem Kunstbuchbinder viele Gönner^gebrachl. Leider erleben sie heute das Unerfreuliche, daß viele jener Gönner nur Spekulanten waren, die heute ihre Schätze in Auktionen gewissen und ungewissen Schicksalen aussetzen. Allerdings kom­men dadurch die Bücher wieder einmal an die Oeffentlichkeit, um vom Antiquar in ein neues Liebhabergefängnis zu wandern. Hieraus ist zu ersehen, daß nicht immer "bet Besitzer eines Kunsteinbandes zugleich ein Kenner ist. Die Liebe des Kenners wird in vielen Fällen verhindern, das kostbare Gut zu veräußern, weil ihm der Geldeswert Rebensache bleibt. Die Siebe zum schönen Buche und seinem schönen Einband geht über alle Werte hinaus I

Die Kunsttechniken eines tüchtigen Buchbinders sind mannigfacher Art und der Strahlungen aus ihrer Peripherie zum Zentrum sind es viele, die dann in ihrer Geschlossenheit Kunstwerke vor stellen. Der Liebhaber weih das und er legt sehr viel Wert darauf, individuell gearbeitete Buch­einbände zu besitzen und er kann sogar ärgerlich und neidisch werden, salls sein Buchbinder ein ihm lieb gewordenes Werk zum zweiten Male für einen anderen Liebhaber anfertigen wollte. Damil wird der Wert eines Buches auf den Ausnahme­platz gehoben, denn der Druck kann oft vorhanden fein, aber der Kunsteinband existiert nur ein­mal! Und das zeichnet den Kunstbuchbinder vor allen übrigen Buchbindern aus. Sagte einmal . ein Universitätsprofessor von seinem Buchbinder, daß et der Schwanz der Wissenschaft sei, so spricht der Dücherliebhaber respektvoller vom Kunstbuchbinder! Weil der Wissenschaftler viele Büchet gebraucht, ist fein Verhältnis zum Buch­binder mehr das eines Brotherrn: während bei dem Düchetsammlet das Mäzenatentum seinem Buchbinder gegenüber zum Ausdruck kommt. Der Bücherliebhaber ist in der Werkstatt des Meisters heimisch. Er kennt die Techniken und die Mate­rialien genau und wirkt mitbestimmend auf seine Einbände, in der Art sowohl als auch beim Ent­wurf. Bei den Ziertechniken spielt das Gold eine wichtige Rolle, besonders auf dem Leder, welches für die Bucheinbände durch besondere Gerbe- und Zurichteverfahren einen prächtig wirkenden Cha­rakter erhält. Der Kunsteinband wird immer aus einer Lederart geschaffen. Die Technik des Gold­druckes ist als eine seht schwere zu betrachten, weil sie mit der Hand ausgeübt wird, und wegen des mehrmaligen Druckes auf gleicher Stelle bei dem Handvergoldsr eine sichere, ruhige Hand und scharssehende Augen vorausseht. Dir Ornamente sind in Messing geschnitten und ein individuell arbeitender Kunstbuchbinder verfügt heute genau so wie die alten Meister über einen eigenen Formenschatz, der seiner Kunst einen festumrifsenen Charakter gibt. Die Kenner wissen ohne Ramen- nennung sofort, aus welcher Werkstatt und von welchem Künstler dieser oder jener Kunsteinband stammt. Bei bestimmten Geberarten werden die Stempel ohne Gold eingedruckt, teils aus ästheti­schen Gründen, tells aus Zweckmäßigkeiten: diese Technik wird mit .Blinddruck bezeichnet In jedem Falle werden die Stempel erhitzt. Dazu treten die farbigen ©viele durch OeberaijfTagen und Mosaik Ein wechselreiches, unerschöpfliches Gebiet eröffne! sich dem künstlerisch schaffenden Buchbinder damit!

Aber auch der Buchkünstler, der Richtbn^' binder, unterzieht sich heute der geistigen Arbeit am Kunsteinband. Es sind dies Schöpfungen, die In Verbindung mit dem Ne Techniken beherrschen­den Buchbinder entstehen Sehr instruktiv zeig- der Vertin deutscher Buchkünstler dieses Gebiet in der gegenwärtig stattfindenden Intern. Buch kunstausstellung in Leipzig, zu der auch der künst­lerisch schaffende Kunstbuchbinder mit seinen besten Vertretern zugelassen ist. Welche Kulturnotwen­digkeit das handgebundene Buch und der künst­lerische Bucheinband ist, zeigen die Großbetriebe, die in der Hauptsache dem Masseneinbanb dienen, in dem sie es als unerläßlich empfunden haben, auch dem Kunsteinband ihre Aufmecksamkeit zu widmen. Es bestehen in Deutschland zwei Fach- vertinigungen, dieMeister der Einbandkunst" und derJakob Krause-Bund", welche die Hand­werkskünstler zusammenfassen, deren Dernfsauf- gabe es ist, durch künstlerische und qualitative Duchbinderarbtit das Ansehen ihres Standes zu

^hMtltnn, 2e»r. d. Bucher S?ul?'$tön

Englisch, lvMBureauarb Eigene äHalMne, veimarbelt oder pfle-ujhniienni ZA- Angeb. un. Ea-d.GK.Anz ^ÄeäitetVonb wnlSsobn, mit oder, mdw. Arbeiten und Maschinen vertraut iucht Vertraue«:

Stellung jur Leitung einer kleineren landw. Be­triebes. Auch wird Stellung aiß Lager- oo. Magazi'noerwal- terangenommen.stch bin jederzeit 'zum Ltellenantriubereit und werde mich auf Wunsch persönlich vorstell.Schr.Ang.ii. 05340 an d. G. An

Ein junges MieWÄ mit Ferkel, unter zweien die Wall zu verkauien. n* i)

Karl Jüngcl, Ac/strsbeim.

Haus

mit groß hv'. <v.A lang usw, für jede: Geschäft, bauvifiiiti Mbger u.-tci geeignet, zu reumi Schr. Ang. u 0 an den Gieii. An

Bücherfreund und Aunstbuchbinder

Bon Franz Weiße, Professor an der Kunstgewerbeschule zu Hamburg.