i.cr Landes Politik unabhängig Die — wenn auch 'angscune — Besserung der wirtschaftlichen Der- : öltniffe laßt gegen den vorjährigen Voranschlag ine Mehreinnahme au- Reichssteuern in Höhe von rund 2 Millionen erwarten. Die Grundsteuer und die Gewerbesteuer soll in ihrem bisherigen Ertrag unverändert bleiben. Wie sich die in Aussicht stehende Umschichtung der Steuerwerte auf Grund des ReichSbewertungsgesehes auf den einzelnen Steuerzahler auswirken wird, ist heute noch nicht zu erkennen. Der llmftanb, datz die neuen Steuerwerte auch nicht in ihrer Zusammenfassung bekannt finö, macht es unmöglich, heute schon die Steuersätze zu nennen, di« angewendet werden müssen, um das bisherige Gesamtsteuersoll zu erzielen Man wird ohnehin für den Anfang des Steuerjahres 1927 noch mit Vorauszahlungen auf Grund der bisherigen Sähe und Bestimmun- aen rechnen müssen, die bann erst im Laufe des Jahres nach vollzogener Aeuveranlagung den tndgültigen Steuerbeträgen Platz zu machen hätten Bei der Sondergebäudesteuer soll im ganzen eine Herabsetzung der Steuer eintreten. Die Grundlage hierfür sind in der Zusatzverordnung vom 1. Oktober 1926 sowie in dem dem Landtag vorliegenden Gesetzentwurf über die Sondergebäudesteuer, der weitere Ermäßigungen bringen wird, gegeben Die ziffernmäßige Auswirkung dieser Aenderung geht aus nachfolgender Zusammenstellung hervor:
1926 1927 das sind weniger
Aufkommen 30600000.X 2450O0C0XT 6100000JC Ausfälle und
Nachlässe 4590000, 1060000 , 3530000,
Zuschuß an die
Fürsorgever- bände zur Unterstützung hilfsbedürfti- ger, durch die Miete zu stark belasteter Personen 2601000 , 2500000 „ 100000,
Bleibt Reito-
auswmmen 23 409000.X 20940000.X 2469000X Hiervon vorge
sehen für
Zwecke des Wohnungs- baues 9807000, 10000 L00, mehr l 93 000 , Bleibt Ertrag
für die Staats-
käste 13602000.X 10940000.#
weniger 2662000.X
Der Wenigeransatz von 6,1 Millionen in 1927 gegen 1926 ist allerdings nicht in vollem Umfange aus die Ermäßigung der Steuer zurückzuführen. 2,5 Millionen dieses Betrages entfallen auf Steuerherabsetzungen, 3,5 Millionen auf die veränderte Verrechnungsweise. Der auf den Wohnungsbau entfallende Anteil dieser Steuer bleibt gegen das Vorjahr unvermindert, der hierfür aufgewendete Betrag erhöht sich um Kapitalbeträge, die auf dem Darlehenswege beschafft und auS der Sondergebäudesteuer verzinst werden sollen.
Don Interesse ist eine vergleichende Ueber- sicht über die Steuerbelastung in Hessen. Die Denkschrift zum Voranschlag 1927 sagt hierüber folgendes:
Was die Steuerbelastung in Hessen im Vergleich mit anderen Ländern anlangt, so beträgt im Jahre 1926 die Kopfbelastung an Einkommensteuer voraussichtlich in Hessen 23,8 Mk. gegenüber 34,5 Mk. im Reichsdurchschnitt: höher ist sie in Sachsen (47,1 Mk.), Preußen (34,5 Mk.), Württemberg (32,4 Mk.), Thüringen (29,1 Mk.) und Vaden (30.9 Mk.). Andere überwiegend agrarischen Länder haben geringere Ziffern, z. B. Bayern 23,7 Ml., Mecklenburg 23,7 Mk.. Wäh- rend das Steueraufkommen Hessens vor dem Kriege das der meisten übrigen Länder erheblich übertraf, auch das Preußens, steht es 1926 unter den genannten Ländern an sechster Stelle. Bis zu gewissem Grade mag hieran der Rückgang der auf die Landwirtschaft entfallenden Einkommensteuer allgemein und besonders in Hessen beteiligt sein. Zeigen dock z. B. reichsstatistische stkachweise, daß das Einkommensteueraufkommen in kleineren ländlichen Gemeinden auf 6,97 Mt. je Kopf sinkt gegenüber einem Reichsdurchschnitt von 35 Mk.: auch steht infolge vieler Steuerbefreiungen die Belastung der hessischen Landwirtschaft an Einkommensteuer von etwa 4 v. H. des Einkommens unter dem Durchschnitt des Reichs, Preußens und Thüringens mit je 5 v. H. und es ist in Hessen ein sehr hoher Prozentsatz einkommensteuerfreie Landwirte zu verzeichnen, der
„Filmzauber".
WohltätigkeitSfestderBnhnengenossenschaft
Das war, um eS gleich zu sagen, ein schönes Fest. Ein wohlgelungeneS und gewinnbringendes. Mit einem Rresenbesuch, der zwar weder der Sitzbequemlichkeit, noch auch der Tanzlust besonders förderlich war, der aber den Obmann der Dühnengenossenschaft, der als Oberoperateur diesen Filmzauber angekurbelt hatte, vor Zufriedenheit über daS ganze Gesicht strahlen machte...
Blick in den Saal gegen 3 Uhr morgenS: stampfender Tanzwirbel, kaum gelichtete Menge, unermüdlich schmetternde Musik, sehr dicke Luft, Stimmungsbarometer noch lebhaft im Steigen: was sich gewissermaßen farbig symbolisierte in den loSgerissenen Luftballons — blau, rot, grün, violett — die wie ein Häufchen bunter Pralines hoch oben über der tanzenden, wogenden, lachenden, von Papierschlangen umwickelten Menge Volkes am Plafond klebten. Sehr lustig anzuschauen.
Weniger erheiternd um dieselbe Zeit ein Blick ins Foyer. Da stand die Tombola. Da hatte eine wilde und gierige Masse Mensch den armen Herrn Gehre und seine Helfer zwischen zwei Tische geklemmt, allworauf Sekt, PralinöS, Freßkorbe, Bücher, Roten, Wärmflaschen, Schuhe, Kristallschalen und hundert andere Gewinne auS- gebreitet lagen. Herr Gehre schrie unermüdlich mit lauter Stimme viele Lo-num.nem aus, die Menge raste und wollte ihr Opfer haben — wir möchten gern wissen, wann hier der letzte Gewinn in Empfang genommen wurde. (Uns hatte viermal daS Glück gelächelt: ein Bettvorleger, drei Frottiertücher, eine Schachtel Zigarillos, ein Blumenkörbchen. Wir zogen heim, mit Schätzen reich beladen, wie weiland die drei Weisen aus dem Morgenlande.)
Dies war so gegen 3 Uhr. Gegen v,9 Uhr warS lcsgegangen. Die Festleitung hatten Hanke, Goll und Lenau. DeS FilmzauderS erster Teil war bald abgetan: Ouvertüre und Begrüßungsansprache durch den Obmann de- Lokalvecban- des. Dann erhellte sich die schön geschmückte Bühne
auf alle Fälle auch den Reichsdurchschnitt übersteigt. Allein da Hessen keinen überwiegend agrarischen Einschlag hat (die Einkommensteuer der Landwirtschaft beträgt in Hessen etwa rund 5 v. H. des gesamten Aufkommens), so muß das Sinken der Einkommensteuer in der Hauptsache auf andere Ursachen zurückzuführen sein: es ist der Ausdruck des mehrerörterten Rückgangs der Wirtschaftskraft infolge Besetzung und Ruhrkrieg im besetzten und in den Randgebieten. Das gleiche Bild bietet das Aufkommen an Umsatzsteuer in 1926 mit 13,7 Mk. je Kopf in Hessen gegen 14,8 Mk. im Reichsdurchschnitt. Auch hier steht die Belastung in Hessen unter den obengenannten Ländern an sechster Stelle (Sachsen, Württemberg, Preußen, Baden, Thüringen^ 18,8 —13,7 Mk., Oldenburg. Bayern, Mecklenburg = 10,5 — 12,3 Mk.). Das Aufkommen aus diesen beiden Reichssteuern stellt sich in Hessen auf 37,6 Mk. je Kopf, im Reichsdurchschnitt auf 49,3 Mk., das in den fünf oben zuerst genannten Ländern auf 66,0 — 42,9 Mk., das in den drei zuletzt genannten mit stärkerer agrarischer Zusammensetzung der Bevölkerung auf 34,6 — 35,9 Mark.
Auch in der Belastung durch Landessteuern steht Hessen keineswegs an der Spitze. Es bleibt bei der Grundsteuer (5,31 Mk. auf den Kopf) hinter Bayern und Baben zurück, es übertrifft Preußen und Württemberg um ein geringes, Sachsen allerdings in höherem Matz. Die Belastung aus der staatlichen Gewerbesteuer (Hessen 5,30 Mk. auf den Kopf) liefert keinen richtigen Vergleich. Diese ist z. B. nur in Baden höher, während sie in Preußen überhaupt nicht erhoben wird. Hier wäre jeweils die Gemeindeaewerbe- steuer hinzuzunehmen, die z. D. in Preußen vielfach höher ist als in Hessen Staats- und Gemeindesteuer zusammen. Beide in Hessen gleich hoch angenommen, ergäbe hier eine Belastung von 10,60 Mk. auf den Kopf, während in einigen preußischen Orten allein auf die Gemeinden 13 bis 20 Mk. erhoben werden. Bei der Gebäude- sondersteuer wird sich nach den nunmehrigen Erleichterungen in Hessen einschließlich der zur Förderung der Bautätigkeit erhobenen Beträge (auch der Gemeindebeträge) eine Kopfbelastung von rund 15,50 Mk. ergeben, welche die Kopf- zisfern in anderen Staaten etwas übertrifft. Die Gesamt-Kopfbelastung an Landes steuern wird sich nunmehr in Hessen auf etwa 26,20 Mk. stellen, die für Landes- und Reichseinkommen- und Umsatzsteuern zusammen auf etwa 63,50 Mk., eine Ziffer, die hinter den Ziffern für Sachsen und Württemberg mit 81 bzw. 71 Mk. und Preußen und Baden mit rund je 67,50 Mk. nicht unerheblich zurückbleibt.
3m übrigen muh auf daS Unzulänglich« solcher Statistiken hinaewiesen werden, solange nicht auch die Gemeiiwesteuerbelastung mit zugerechnet werden kann. Dazu wird demnächst wohl Gelegenheit gegeben fein, doch werden hierdurch zweifellos die hessischen Ziffern kein ungünstigeres Ergebnis zeitigen, da bekanntlich der Staat Hessen seine Gemeinden steuerlich mehr entlastet hat, als dies in den meisten anderen Ländern der Fall ist. Daher ja auch die verhältnismäßig höhere Inanspruchnahme der Realsteuern durch den Staat.
Alles in allem: Die finanzielle Lage des Landes ist noch ernst und schwer, es bedarf noch mancher Anstrengung und ernster Arbeit, bis der wünschenswerte Rormalzustand — der allerdings auch in anderen Ländern vielfach nicht besteht — wieder erreicht ist, nämlich, daß der notwendige Bedarf durch regelmäßig fließende Einnahmen bei erträglicher Steuerbelastung wieder voll gedeckt wird. Die Entwicklung der letzten Monate läßt die Hoffnung als begründet erscheinen, daß wir uns wenigstens auf dem Weg zu diesem Ziele befinden.
Strafkammer Gießen.
* Gießen, 18. Febr. Eine Landwirtsfrau aus Alten-Buseck verfolgte Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts Gießen, durch daS sie wegen vorsätzlicher Milchverfälschung zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt worden war. Rach dem Gutachten des Vorstandes des Ehern. Untersuchungsamtes hatte die von demGendarmen entnommene Milchprobe einen Wasserzusah von 16 Prvz. Die am nächsten Tag entnommene Kontrollprobe war einwandfrei. Die Angeklagte gab zu, in den „Kroppen", In dem sie die Milch der Maul- und Klauenseuche wegen abgekocht hakte, einen „Eßlöffel voll Wasser' getan zu haben:
— überhaupt hatte man sich mit der Ausstattung große Mühe gegeben — und es erschien, nach langer Pause mit freudigem Beifall begrüßt. Herr Goll und eröffnete ansagen verweise den zweiten Teil: überschrieben: Bunter Abend. Oder: Kabarett der Komiker. Oder: Brettl mit Gesang und Tanz und unter gütiger Mitwirkung des ver- ehrlichen Publikums.
Die Attraktionen: es wurde gelungen, Ernsthaftes und Heiteres: die Damen Gisela Wanner, Elsa G eff e r s . Kammersängerin S edl- rn a i e r leisteten Vortreffliches und ernteten großen Beifall. (Doch war von unserem Tisch aus leider nicht alles zu verstehen.) Es wurde getanzt: die kleine Waldtraut Lauschek mach!« den Leuten viel Pläsier: Alix K rahm er und Genau brachten eine waschechte Darietönummer: unS gefielen am besten die überaus graziösen Tanz- figuren von Ingebvrg Scherer und Anita G e f f e r s , zuletzt das sehr drollige Heinerle- Duett auS dein „Fidelen Bauer", das von Friedrich GefferS und Ingeborg Scherer zum Besten gegeben wurde. Es wurde — örittenÄ — gefilmt. Herr Goll erschien wiederum, schwang ein Filmmanuskript, holte sechs Personen aus dem Publikum auf die Bühne und dreht« mit ihnen eine — wie sagt man gleich? — eine .ergreifende Familientragöbie". Es war wirllich ergreifend. Pirandello auS der Brettl-Perspektive. Eine .tiefgefühlte" Huldigung zum 60. Geburtstage der lieben CourthS-Mahler. GS wurden viel« Tränen vergossen: schöne, runde, gesunde Lachtränen...
Trompekenstoh! Antreten zur FilmpolonaiseI Jupiterlampen flammen auf, werfen grellstechen- deS Licht in die Gesichter, in rosige und weihe, braungetönte, geschminkte und ungeschminkte, auf Berücken und Zylinder und Fräcke und Krino- linen und Seidenbeine. Endlose Schlange, die sich langsam dem- Kurbellasten entgegen Windei. Unermüdliche Musik. „Bitte recht freundlich I" Und übermorgen gehen wir bin und sehen und an, waS wir für ein Gcficht gemacht haben. Oder wie ein korrekter Charleston getanzt wird (Tanzlehrer Bä ulk« nebst Partnerin): bei der Aufnahme war der Kreis der umstehenden 3n- tereffenten so dicht, dah wir lediglich einige konvulsivische Zuckung«» wahmehmen konnten
der Gendarm habe aber bei der Milchentnahme daS Fläschchen mit der heißen Milch unter den Wasserkrahnen gehalten, um es abzukühlen, und dabei müffe Waller hineingekommen sein. Rach der beeidigten Aussage des Gendarmericwachtmeisters beruht diese Angabe auf freier Erfindung. Das Ergebnis der Verhandlung war - da auch die Staatsanwaltschaft Berufung verfolgte —, dah die Strafe auf 150 Mk. erhöht wurde. Rur dem Umstand, dah die Angeklagte noch unbestraft und der Wafferzusay nicht sehr erheblich war, hat die Angellagte es zu verdanken, daß nicht auf eine Freiheitsstrafe erkannt wurde, wie das bei Milchfälschern die Regel ist.
Weil er an einen Fünfzehnjährigen, der seine Kameraden zu einer Geburtstagsfeier eingeladen hatte, von der er sinnlos betrunken nach Hause geschafft wurde, Schnaps verkauft hatte, war ein Gastwirt aus Laubach vom Amtsgericht daselbst wegen Vergehens g gen das Rotgeseh vom 24. Februar 1923 zu 200 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Auf feine Berufung wurde die Strafe auf 150 M k. ermäßigt, da das Gericht nicht mit dem Vorderrichter Vorsatz, sondern nur Fahrlässigkeit annahm. Die Begründung des ersten Urteils, wonach gegen Personen, die die Gesundheit der Jugend durch Verabreichung von Spirituo'en untergraben, energisch vorgegangen werden muß, wurde von der Strafkammer ausdrücklich gebilligt.
Auf ihre Berufung freigesprochen wurde eine Frau aus Butzbach, die vom Amtsgericht daselbst wegen Diebstahls verurteilt worden war. Rach der Angabe ihres Hausherrn sollte sie ihm Bretter gestohlen haben. Dessen Bekundungen, die von seinen Angaben im Ermittlungsverfahren bedenllich abwichen, erwiesen sich als so wenig schlüssig, daß mit der Möglichkeit eines Irrtums um so mehr zu rechnen war, als der Diebstahlsvorwurf und die Anzeige erst auf einen persönlichen Zwist hin erfolgt waren.
Schöffengericht Gießen.
* Gießen. 18. Febr. Ein alter Betrüger mit 21 Dorstrafen stand in der Person des Kupfer- Putzers Josef Thelen aus Düsseldorf vor Gericht. Diesmal hat er einen Arbeitskollegen um einen Rock und einen geringen Geldbetrag beschwindelt. Strafe: 9 Monate Gefängnis.
Wegen R ü ck f a l l d i e b st a h l s ist ein Schäfer aus Mäinzlar angeklagt. Er hat ein Schaf- lamm gestohlen, das zu einer anderen Herde gehört. Urteil: 6 Monate Gefängnis.
(Beritbtsfaal.
(Ein ungetreuer Oberstadtsekretär.
WSR. Frankfurt a. M., 19. Febr. Unter der Anklage der Amtsunterschlagung und Urkundenfälschung hatte sich gestern vor dem erweiterten Schöffengericht der 41jährige ver- heiratete Dberftabtfetretär Robert Marx, der seit Auguft des Vorjahres in Haft ist, zu oerant- roorten. Bei einer Kontrolle ergab sich, daß Marx in feiner Eigenschaft als Wohlfahrtspfleger des Bezirks Bomheim-Oft Gelder in der Gesamt- hohe von 2 0 400 Markunterschlagen hatte. Weiter wurde festgestellt, daß die städtische Kontrolle und die Buchführung im Höch- sten Grade mangelhaft waren. Marx bestritt bis zuletzt die Veruntreuungen, gab aber falsche Buchunge in Höhe von 1380 Mk zu. Er scheint die unterschlagenen Gelder beim Bau eines Eigenheims verbraucht zu haben. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen erschwerter Amtsunterschlagung zul Jahr 6 Monaten Gefängnis, und erkannte ihm die Fähigkeit, ein öffentliches Amt zu bekleiden, auf die Dauer von fünf Jahren ab. Sechs Monate Untersuchungshaft wurden angerechnet.
Turnen, Sport und Spiel
Gießener Schwimmverein - D. f. B. 05-Kurhesfen.
* Die Marburger Schwimmer, die allwöchentlich einmal im Gießener Hallenbad trainieren, haben es in kurzer Zeit zu recht beachtlichen Leistungen gebracht. Wenn sie auch dem G. S. V. noch nicht ge- wachsen sind, so sind doch, da die Marburger durch den Zuwachs einiger Studenten erheblich verstärkt wurden, morgen abend bei den Wettkämpfen im Dolksbad einige spannende Kämpfe zu er-
Da gingen wir traurig fort und ließen uni von Frl. Krahmer durch ein GlaS Sekt stärken und von Luise Jüngling ein Butterbrot streichen, dieweil Herr V o l ck im Hintergrund als Koch, weihmühlg und geschäftig, feines Amtes waltete. Man konnte fernerhin bei Frl. Hehm und Frl. S che r« r einen Knallbonbon kaufen, bei Frl. Baumann einen Schnaps kippen, bei Frau M a r ck s einen Mokka (im ersten Stock). Ueberhaupt da oben! Da war noch ein Sektzelt, allwo wir bloß bis zum Eingang vordrangen, weil inwendig, wo Eisig, Geige spielend, die Jazzband dirigierte, ein geradezu gefährliches Gedränge herrschte. Dorn Text verstanden wir immer nur „August", aber auch das war sehr schön.
Die Kostüme. Jetzt mühte, sachverständiger Würdigung halber, eigentlich bad kritische Referat einer in Modedmgen bewanderten Dame kommen. Wir begnügen unS kurzerhand mit einigen laienhaften Randbemerkungen. Zunächst: das Kostüm überwog: dos „Eivil" war im Hintertreffen. Im allgemeinen ist von der Kostümierung zu sagen, daß farbige Perücken, bunte Zylinder, Pfauenfedern, Straubfedern und Luftballons als Maskenattribute sehr geschäht waren. Bei den Damen bemerkte man eine entschiedene Vorliebe für Hosenrollen. Ansonsten fielen uns bei der Weiblichkeit auf. ein sehr hübsches Chinesenkostüm, eine blonde Biedermeier- demoiselle, ein stilisiertes Rokoko, eine Holländerin. eine HaremSdame (türkische Motive waren überhaupt stark bevorzugt), allerlei GirlS. Bei den Herren: mehrere Maharadschas, ein Genie- kavalier, ein Russe, ein Mexikaner, ein Romeo. Wer sich bei dieser Auswahl nicht vertreten finden sollte, sei nicht böse — eS sollen schätzungsweise etliche hundert Leute dagewesen fein.
Haben wir noch etwas zu berichten? Haben wir etwa- vergessen? WaS nach 3 Uhr morgend vorgefallen ist, und wann die letzten Besucher aufbrachen, vermögen wir nicht zu sagen. Dah beim Eintritt männlgllch ein Festheft überreicht bekam, sei noch erwähnt. (Die Intendanz, die Dühnengenollenschaft. die Magdeburger Theater-Au-stelluna 1927 und die Presse sind darin zu Worte gekommen.)
warten. Besonders gilt dies für die Herrenklasf«, In der Einzelwettkämpfe, Staffeln und ein Wasserballspiel ausgetragen werden. Pascoe wird natürlich im Brustschwimmen nicht zu schlagen sein, dagegen wird er im Rückenschwimmen einen harten Kampf gegen Riedel- Marburg auszutragen haben. Ebenso wird sich Dr. E ck sehr anstrcngen müffen, um Riedel im Freistilschwimmen zu schlagen. Die Herrenlagenstaffel und Herrenfreistilstaffel sollten von Gießen gewonnen werden, es sei denn, daß einer der Marburger Studenten mit einer Ueberraschung aufwartet. lieber die Jugendrennen kann man nicht viel sagen, doch dürften auch hier die Gießener allgemein überlegen sein. Einige interne Samen- und Knabenwettkämpfe und ein Schauspringen vervollständigen das Programm. Einen seltenen Ge- nuß wird den Zuschauern ein Lampionreigen bereiten, der von den G. S. V.-Damen geschwommen werden wird. (Man beachte die heutige Anzeige.)
Kirche und Schule.
-v- Großen-Linden, 20. Febr. Die Arbeitsgemeinschaft der Junglehrer deS Bezirks Lich-Hungen hielt am SamStagvor- mittag unter Leitung des hauptamtlichen Fort- bildungsschullebrers Wilhelm Dietz, Lich, im hiesigen Schulhause eine Tagung, ab. die sich mit der Behandlung hygienischer Fragst beschäftigte. In einer Unterr'chtslektion mit seiner Klass« gab Rektor Dach eine zusammenfassende Darstellung über daS Gebiet der Gesundheitspflege: Amtsarzt Dr. Orth, Dietzen. legte in einem ausführlichen Vortrag die Anforderungen dar, die in gesundheitlicher Beziehung insbesondere bei Gelegenheit eines ReubaueS an ein SchulhauS nach außen und innen gestellt werden müssen. AuS reicher Grsahrung wieS der Obmann des KreiSlehrervereins. Lehrer Sommer, auf manche Einzelheiten hin, deren Beachtung bet Reubauten dem Schulbetrieb nützlich sind.
Sggieneausftenung in Frankfurt.
WSR. Frankfurt a. M, 19. Febr. . morgen fand im Hause Werkbund die Eröffnung der hiesigen HhgieneauSstellung statt. Rach kurzen Worten der Begrüßung, von denen besonders hervorzuheben ist, daß man In den veranstaltenden Kreisen die ärzttiche Wissenschaft nicht als ein Mysterium betrachtet, daS man ängstlich hüten müsse, sondern dah man durch Aufklärung den breitesten Mas en die Mögllchkeit zu Vorbeugungsmaßnahmen geben wolle, nahm Stadtmebizinalrat Dr. Fischer-Defoh daS Wort. Die Ausstellung sei das Produkt 25jähri» ger Arbeit. DaS der Ausstellung zugrundes liegende Prinzip sei daS der heutigen Arbeitsschule. Der Besucher solle anhand Den Apparaten, die er selbst bedienen kann, sich über den Dau deS menschlichen Körper« und die wichtigsten Krankheiten unterrichten. Der zweite Teil der Ausstellung »Die Schau der Stadt Frankfurt auf der Gesolei" zeigt die Tätigkeit der Stadt auf sozialhygienischem Gebiet«.
Das erwischte Aulo-Diebestrio.
Frankfurt a. an., 19. Febr Bei einer Kontrolle, die gestern abend nach 10 Uhr in den Räumen deS Mannheimer Hauptbahn h o f S durch die dortige Fahndungspolizei vorgenommen wurde, stellten die Beamten drei Personen (zwei junge Männer und eine Frauensperson), die über ihr Reiseziel und ihre Cr- werbSverhä'tniss« widersprechende Angaben machten. Das Trio wurde vorläufig f e ft g e n o m • men. Bei einer Leibesvisitation wurden bei einem der Untersuchten verschiedene Rotizen und drei Automagnetstücke gefunden. Der Rotiz war zu entnehmen, daß die Festgenommenen auS Frankfurt a. M. stammen. Die dortige Polizei setzte sich daraufhin mit der Frankfurter Kriminalpolizei in Verbindung, wodurch feftgeftellt wurde, dah die beiden Männer, ein 19 Jahr« alter Kraftwagenführer und ein 21 Jahre alter Schlosser, seit einiger Zeit wegen verschiedener Autvdiebstäble gesucht werden. Die Festge- nommenen haben auch bereits ein TeilgeständniS abgelegt und angegeben, daß sie am PaulSplatz, in der Elbestratze und auf der Zeil in einem unbewachten Augenblick drei AuwS gestoh - l e n haben. Die Wagen haben sie dann in verschiedenen Städten bei Geschäftsleuten unter« gestellt und sich daraus größere Beträge erschwindelt. DaS Diebesgut konnte inzwischen den rechtmäßigen Besitzern wieder zugestellt werden.
Der Ehronist schließt feinen Bericht mit dem Wunsche, es möchte allen Leuten gut gefallen haben, ein jeglicher auf seine Kosten gekommen fein, und daS charitative Ergebnis den Erwartungen der Veranstalter entsprochen haben. Trifft das zu, dann kann man ruhigen HerzenS sagen: eS war ein schönes Fest, an da- sich alle, die dabei waren, gern erinnern werden.
Dr. Th.
Taillen von einft und heute.
Die Veränderung?« der Körpers, die In der Mode zum Ausdruck kommen, las'en sich ntrgrndS anschaulicher erkennen, als beim — Maskenver- leiher. Der Leiter des feinsten englischen MaSk^n- verleihgeschäfts. ein Mister Berman in der Green Street zu London, klagt beweglich biräber. datz bie alten prächtigen historischen Kostüme den Menschen von heute nicht mehr passen wollen. In den Tagen des Biedermeiers und der Krino- linenzeit und auch später noch während der Herrschaft deS Korsetts waren die Damen so stolz auf ihre schlanken Taillen, und die Kleider waren diesen natürlich angepatzt. Heute Ist die schlanke Taille verpönt, eS gilt nur noch die fchlank« Linie, und der scharfe Einschnitt um die Hüften findet sich nirgends bei unserer Damenwelt. Wie sollen da die alten Kostüme passen? .Die schönsten alten Kostüme werden wertlos ', seufzt Herr Berman, .sie müssen entweder umgearbeitet oder w g- getan werden. Es ist erstaunlich, daß ein Jahrhundert lang kein merkbarer Unterschied In der weiblichen Figur war. Den Damen vor 20 Jahren patzten die Biedermeier-, ja sogar die Rokoko- kostüme. In den letzten 15 Jahren hat sich alieS geändert, und die Damen gehen nicht mehr in die historischen Kleider hinein. Dieselbe B obachtung kann man auch bei den Herrenkostümen machen. Früher achteten auch die Herren auf eine enge Taille, trugen Korsett- ober hatten doch we- niastenS Fischbcinstangen eingenäht. Heuizu'age patzt kein Herr mehr in ein solch«- historisches Kostüm hinein, denn bie Zeit der schlanken Herrentaille ist längst dahin, und unsere Sports« leute von heute sind viel breitbrüstiger al- die Dandy- und Kavaliere vor hundert und vor 50 Jahren."


