Hr. HZ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheflen) Montag, 2b Zebruar <927
Vie bevölkerungspolitische Lage des deutschen Volkes.
Das Aussterben der Führerfamilien. — Aktive Bevölkerungspolitik. — Schutz und Fürsorge den kinderreichen Familien. — Das Beispiel Frankreichs.
voa JJrofeflor Dr. med. phllolelhe, Kuhn, Direktor des hygienische» Institut» der Universität Gießen.
Den F Herstelte
Millionen Franken vorgesehen, im Jahre 1923 vooaussichllich 15 Millio en Franken.
3. Bevorzugung der kinderreichen Eltern in bezug auf Gehalt und Lohn Slaats- bedienstete erhallen für die beiden ersten runder je 330 Franken, für jedes weitere Jtinö je 460 5ahnten Kinderzulage; ferner wird eine Teuc- rnygSzulage von 720 Franken jährlich den El- rerti mit Kindern bis zu einem Cehalt von 1ZJ20 Franken gewährt In der Verwaltung de/ Gesundheitsminifteriums werden Beamte mit zahlreicher Familie für jedes K nd im Dienstalter
Der hessische Staalsvoranschlag für 1927.
II.*)
Slnzelheiten über die Gestaltung de» Staatsvoranschlags für 192? können an dieser Stel e nicht besprochen werden, eS wird dielerhalb auf die &em Voranschlag vorgeheftete ausführliche Denkschrift verwiesen. Olur eine Frage sei noch be- londerS herausgehoben: wie wird es mit der Steuerbelastung in 1 927? Die Belastung der Steuerzahler mit Reichssteuern ist von
*) Dgl. Rr. 41 vom 11. Februar 1927
lammenfügt. Dann eine frühe Landschaft (1893) ganz ander« im Stil, hell, locker, duftig gemalt. Gegenüber eine andere, fesselnd durch die Weiträumigkeit des Ausblicks und die gedrungene Kraft der nach vorn gerückten Baumgruppe, die einen feinen Kontrast zum dunstig verschwimmen- den Hintergrund bildet. Schwerflüssig, fast düster nn Farbton eine Abendstimmung (1899); anschlie- DCTio der in Riederländerweise derbzugreisende, traf tig bewegte Kirmestanz mü feinen ganz eigen* Mailichen, aus Braun und Rostrot gemischten Donen, mit einer fahlen Himmelssläche im Hinter- grunbe, öle die schwingende Rhythmik deS leb- hasten Mittelgrundes beruhigend auffängt zu- sammenfaßt und abschließt. Roch zwei Freilicht- bttder sind zu nennen, ein durchbrochenes Wald- ftud, und eine unausgeführte, aber tn warmen und leuchtkraftigen Farben gehaltene Sommerlandschaft.
Endlich Doerbecker im vorderen Kabinett, Der mit einer Folge von Steinzeichnungen eine qualttatt>olle Ergänzung zu den Radierungen von Katelhon blldet. Dörbecker, geborener Marburger ist Schuler des Dresdener Akademie, und frfkgt ne&en der Landschaft vor allem die Bildnismalerei. Aus seiner Hand stammen vortreffliche Sleinzeichnungen der Professoren Lohen, Ratorp u. a. m. In unserer Ausstellung finden sich nur Porträts, zwei ausgeführte, sechs Studienblatier die allesamt eine sichere Hand und Blick für» Wesentliche verraten. Don anderen technischen Voraussetzungen ausgehend, kommt Dörbecker, neben Katelhon, zu einer saft entgegengesetzten Bildwirkung Sein Dortrag ist viel lockerer^ge. lotter entehrt der bis ins Kleinste sich verlierenden Entzelbehandluna. Alle seine Blätter machen den Eindruck von Augenblicksbildern, toir- fen wie aus einer stets variablen Kette von Aus- ^Eh^osen herausgegriffen und fettgehalten. Das gibt Oen y'/cid)nungen Temperament, Hmriß- febarfe und Wirklichkeitsnähe. —
5ür den Oberhessischen Kunttverein hieß der erste Vorsitzende, Landgerichtsdireltor Bücking die zur Eröffnung Erschienenen willkommen und g06,,.1” [?n€t Ansprache einen kurzgesaßtcn He- bcrblid über den Lebensgang und das Werk der vier ausstehenden Künstler. —y—
kl.*)
Die größte Gefahr, die von feilen de» Geburt en rückganges droht, liegt in dem AuSster - ben derFuhrerfamilien innerhalb a'Ier Stände. Die tieferen Hrsachen für diese Erscheinungen sind tm wesentlichen folgende Durch unfern gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Siege 1870/71 fliegen die Ansprüche an bas Leben, die wirtschaftlich und gesellschaftlich aus gestiegenen Kreise empfanden Kinder tril» als eine Last und Beeinträchtigung ihre» Lebensgenusses. teils suchten sie deren Zahl einzuschrän- ken. um die Mittel für noch höheren Aufstieg und noch gröbere Lebensfreude der Rachkommen zu- sammenzuhallen Der Staat bezahlte zudem seine Beamten und Offiziere biS in» reife ManneSalter hinein fo schlecht, daß eine Frühehe den meisten au» eigener Kraft nicht möglich war. durch die allein eine ausgiebige Kinderzahl sichergcstellt wird. Sehr viele Beamte blieben eheloS und die meisten Ehen waren kinderarm oder kinderlos. Eine weitere Folge der gesellschaftlichen Heberkultur mit ihren verschrobenen Begriffen war in vielen Fällen eine ungeeignete Gatten« Wahl. Gerade die führenden Stände sahen weniger auf körperliche und geistige Gesundheit und auf den Willen zur Mutterschaft, alS auf den Geldbeutel der Frau. Der Staat zwang die Offiziere. daS Einkommen, das
•nen vorenthielt, sich in Gestalt der - Di-Ion" als Mitgift zu verschaffen. Auch die Erwerbsarbeit der Frauenwelt hat ungünstig eingewirkt. Die jungen Mädchen gingen in die Geschäfte und in die Fabriken oder wurden Beamtinnen. Ihrem Berufe waren Kinder hinderlich. Dazu kam. fraß während der Erwerbsarbell eine Vorbereitung für den Haushalt, eine Aus- bilduna in Kinderpflege, in Krankenpflege, unmöglich war. Die jungen Mädchen hatten deshalb vielfach keinen Mut und keine Lust, ihre verantwortungslose Selbständigkeit mit der Ehe einzu- taufchen. 3n vielen Frauenkreisen wurde dem Ideal der Frawncmanzipation gehu'dtet. das den Mutterberuf al- überlebt und unwürdig beiseite schiebt. Manche- junge Mädchen blieb t oi bester Vorbereitung für die Ehe und starker Sehnsucht nach Kindern unverheiratet, weil ihr die Gelegenheit fehlte, einen ihr zusagenden Mann kennen zu lernen. Weiter erschwerte di? Woh- nungSenge in den großen Städten die Aufzucht der Kinder ungemein. Auch un erc soziale Gesetzgebung beseitig e für weite Kreise den Anr.iz zur Erzeugung zahlreicher Kinder. Früher brachten sie Geld ins Hau», biS der strenge Schulzwang und daS Kinderschuhgesetz diese ErwerbSguellen stark beeinträchtigten. Die Schulenllassenen anderseits erhöhen die Einnahme der Familien nur selten; sie werden bei gutem Verdienst oft allzu früh flügge und stellen sich außerhalb der elterlichen Wohnung auf eigene Füße Bei Krankheit und Im Alter stehen den Eltern Renten in Aussicht und lassen die Hilfe der Kinder entbehrlich erscheinen. E» sind da» Rebenwirkungen unserer sozialen Gesetze, die wir in den Kauf nehmen mußten. Reben die en wirtschaftlichen Dingen sind die DolkSseuchen nicht zu vergessen, namentlich der Alloholismu» und die Geschlechtskrankheiten haben einen verheerenden geburtenmindernden Einfluß.
3d) sagte bereits, daß innerhalb dieses allgemeinen Geburtenabfalls das Aussterben der Familien mit Begabung und Führer- elgenschaslen, Die für die Zukunft eine» Do.kes entscheidende, verhängnisvollste Erscheinung ist. Da die Erbmassen starr sind, wissen wir, daß Begabungen auf künstlerischem wie auf irgendeinem anderen geistigen Geb! tc nicht plötzlich au» dem Richt» entstehen, sondern von den Borfahren aus grauer Dorzeit her in den Keim-
•) Dgl. Rr 42 vom 19. Februar 1927.
um ein Jahr vordatiert. Die Altersrenten der Staai »Pensionäre werden bei Familien nut mehr al» 5 Kindern nach einem Staffeltarif um 16 bi» 200 Prozent gesteigert Ebenso werden den ODuiiärrcnlncrn für jede» Kind unter 18 3ab- rcji verschieden bemessene Zuschläge bi» zu 300 Staufen gezahlt. Für die sonstigen Gehalis- empsänger ist ein allgemeine» Ders>e. erung» c tz gcolanl mit einem täglichen Hn.erstühungsbei.rag lech» Wochen vor und nach der Geburt neben freier ärztlicher Hilfe auch für die Familie. 150 biS 1500 Franken Sterbegeld für jede» Kind uuö einer Erhöhung der 3npaliöitä'S- und iln- fallrenten um 100 Franken für jede» Kind nebst einer Ermäßigung der Arleitnehmerbeilräae nach der Kinderzahl.
4. Wohnungsfürsorge. Die Miete kann zugunsten kinderreicher Familien auf die Hälfte der zulässigen Wohnungvmiete herabgesetzt werden. Ferner werden besondere Beihilfen zur Herstellung von Wohnungen an bedürftige kinderreiche Familien gezahlt. Weitere Erleichterungen betreffen das Schulgeld, den Militärdienst. die Steuern und Ermäßigungen bei Benutzung französischer Eisenbahnen, Trambahnen. Dampferlinien, Museen usw. Für die Eltern .von Familien mit mindestens fünf Kmdcm ist vom französischen Staat eine bronzene, für die mit mindestens acht Kindern eine silberne und für die mit mindestens 10 Kindern eine goldene Medaille geschaffen. Innerhalb der Jahre 1921 und 1922 sind über 30 000 derartige Medaillen, davon 6600 goldene, verteilt worden. Reuer- dings wurde der Orden der Ehrenlegion an kinderreiche Mütter verliehen, welche mehrere Sohne im Kriege verloren haben.
Ein ungemein wichtiger Gesichtspunkt darf zum Schluß nicht vergessen werden. Während bei einem allgemeinen Riedergang der Geburtenzahl, besonder» die wertvollen Elemente de3 Volke» au» allen Ständen zugrunde gehen, seyen die minderwertigen und verantwortungslosen Eltern Kinder in großer Zahl tn die Welt. Dagegen müßten besondere bevölkerungspolitische Maßnahmen von seilen de» Staates und der Gemeinden ergriffen werden. E» dürft« nicht geduldet werden, daß die gewaltige Masse der Psychopathen und verbrecherisch Deranlagien sich schrankenlos vermehren kann. Welche Möglich, keilen die Gesellschaft pat. um sich gegen da» Heberhandnehmen der minderwertigen Elemente zu wehren, davon soll in einem weiteren Auflat» die Rede sein.
Gberhessischer Aunstverein.
Gestern, am Sonntagvormittay, wurde im Hause des Oberhessischen Kunstvereins eine neue Ausstellung der Oeffentlichkeit übergeben. Die Kollektion ist zugänglich bis zum 20. März (zu Öen üblichen Zeilen) unb umfaßt Oelgemälde von Earl D a n y e r unö Heinrich Giebel (Marburg), Radierungen von Hermann Käte 1 hön (Marburg, jetzt Essen) unö Steinzeichnungen von Karl Doerbecker (Marburg). Die Ausstellung ist. wie schon auS den Samen der beteiligten Künstler hervorgcht. ebenso bodenständig tote repräsentativ und bewahrt als Ganzes in allen Zeilen eine einheitliche Lin.« künstleristher Qualität. Die hier gezeigten Arbeiten. Oelgemälde wie Graphiken, schließen sich zu einem organisch wirkenden Gesamtbilde zusammen.
Die äußere, räumliche Anordnung ist mit der neuen Ausstellung verändert worden; man hat durch zwei Querwände drei große Kabinette geschaffen. In deren erstem die beiden Graphiker. Kätelhön und Doerbecker. gezeigt werden. K ä - telhon erweist sich In seinen Radierungen als ein Künstler von sehr persönlicher Handschrift und reifem technischen Können in der von ihm bevorzugten Darstellungsform. Geborener Hofgeismarer. kam er schon früh nach Marburg, wo er ebenso wie später in München unö Karlsruhe nachhaltige künstlerische Eindrücke empfing. Eine Reihe von Iahten lebte er in der Wil- lingShäuser Künstlerkolonie, unö ging öann nach Essen, wo er gegenwärtig noch anlässig ist. Aus den hier flüchtig angedeuteten Stationen lallen sich manche der verschiedenartigen Motive in den ausgestellten Radierungen zwanglos abtei- len. Hnmittelbar anziehende, lebendigste Wir- tung geht von den Bildnissen au». Hier ist Vortreffliches geleistet in handwerklicher Sauberkeit und peinlicher Korrektheit, wie in einfühlender Zharakler'sierung unö nachschallender Verleben- digung Öes mehr alS äußerlichen Bildes von einem Menschen. Bei den imposantesten Dieter 'Porträtblätter mag man sich eines gewiß über» weidenden, aber fein bemerkten Wortes von Max Liebermann erinnern. in einem guten Pot- rrät müsse nicht nur der Dargestellte selbst, fon- >em auch dellen Großvater, Mutter unö Sohn
bahnen der Geschlechter ihre Wege ziehen. Durch günstige Heiraten können sich solche wertvollen Eigenschaften in den Rachkommen summieren und hervorragende Talente und gen ale Raluren h r- Dorrufcn. zumal wenn Hmweltsbedingungen die Auswirkung solcher Eigen'chaften zulassen. Ai^er wenn einmal der Prozeß de» AuSsterbens der begabten Srbstämme einen gewissen Umfang erreicht hat. dann macht sich Mittelmäßigkeit breit, die Armut auf den geistigen Schaf ensgebieten wird immer deutlicher, die politische Führung versagt und der Riedergang des Gesamtvvlke» ist nicht mehr auszuhalten. Ich gebe mich der Hoffnung hin. daß wir trotz vieler bedenllicher Erscheinungen während des Krieges und in der Jetztzeit noch nicht so weit gesunken sind.
Hm da» drohende Schicksal abzuwenöen. müssen wir zunächst die Forderung erheben, daß unsere Bevölkerui.gSpoiitik wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Geburtenrückgang ergreift.* Wir haben in Artikel 119 der Weimarer Verfassung die Bestimmung, daß kinderreiche Familien Anspruch auf auSgleichende Fürsorge haben. Wenn wir aber unsere Einkommensverhältnisse ansehen. so sind wir noch weit davon entfernt, dieser Verpflichtung nachzukommen. Es gilt hauptsächlich das Schlagwort „tote die Leistung so der Lohn". Die biologische Leistung eines Ehepaares, das Kinder für den Staat aufzieht, wird ganz unzulänglich bedacht. Staat und Gemeinen zahlen zwar Staren- unö Kinderzulagen, aber diese sind viel zu gering und den Lebensbedingungen der einzelnen Gehaltsstufen nicht angepaßt. Man hat auch in der Industrie versucht, in dem Derhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer das Schlagwort zu durchbrechen und einen Sozial- lohn einzuführen, aber diese Versuche sind immer wieder gescheitert, weil die Unternehmer auf der einen Seite früher Arbeiter mit kinderreichen Familien entlassen haben unö auf der andern Seite öie Arbeiter Öurch solche Ersahrun- fien stutzig geworben sind und Widerstand ge- eiftet haben. Hierzu haben auch die verschwommenen Anschauungen in den Marxistischen Parteien beigetragen, nach denen man durch Einschränkung der KinÖcrzall, durch den sogenannten Gebärstreik Kriege zu vermeiden glaubt. Allerdings ist festzustellen, daß in den letzten Jahren in den Hnternehmerkreisen ein Umschwung in Öen Anschauungen eingetreten ist. Viele Betriebe nehmen heute viel lieber kinderreiche Fami.ien- väter mit ernstem Willen zur Arbeit, als unverheiratete junge Burschen auf. ®» muß öarauf hingestrebt werden, öaß Ausgleichskassen geschaffen werden, zu Öen en Unternehmer und Arbeiter öie Mittel in gleicher Weife aufbringen, öie Frauen und Kinderzuiagen lind aus ihnen zu begleichen und am besten unter dem Rainen de» Mutt er lohn» an öie Frauen unmittelbar, nicht an die Arbeiter selbst, abzuführen. Auch Öie freien Berufe haben sich hier unö da schon ä'i solchen Ausgleichskassen entschlossen, so haben die Apotheker einiger preußischer Regierungsbezirke diesen Weg beschritten.
Ein Blick In öie Steuergesetzgebung lehrt un» weiter, öaß Öurch sie in unserem DaterlanÖe nicht öie Ehe, sonöem hie Ehelosigkeit gefordert wird. Ein Beispiel: Bei dem ReichSnotopser wurden 1 000 000 Mark Vermögen mit 246 000 Mark besteuert, dieser Satz war für daS Gesamt vermögen eines Ehepaares und für das Vermögen eines Junggesellen gleich, wenn aber zwei ledige Personen in wilder Ehe miteinander lebten, zahlten sie nur 182 000 Mark, da» Reich erhob also auf die Ehe wiederum eine Sonderabgabe von 64 000 Mark. Solche Steuergesetzgebung muß in einem Volke allmählich zum unaufhaltsamen VolkStode führen. DaS gleiche gilt von allen indirek- 1 e n Steuern, soweit sie sich auf Gebrauchs-
Wiederzu finden fein. Wenn man dies Wort ftT verstehen will, wie es gemeint ist. wird man öie Qualität öer Porträts von Emil Kirdorf. Fritz Winkhaus und Eöuard von Asten bestätigen. Besonders der letztgenannte Dildniskops zeigt eine glänzend erfaßte Prägnanz des Ausdrucks. Man erkennt öie „Richtigkeit" ober „Aehnkich- feit" solcher Bilder sofort an. selbst wenn man ihren Modellen nie begegnet ist. Auch beispielsweise ein faritiger. knorriger Hessenbauernkops soll in diesem Zusammenhang genannt sein, unb ein überraschend an 2R runter erinnerndes Männerbildnis, das sicher nicht ohne innere Beziehung einer wuchtig in Holz geschnittenen Gruppe von Derkleuten und einem Qndu st riemoliv benachbart ist. Man kann Im übrigen aus der Fülle der Arbeiten nur Einzelnes herausgreifen; vom Landschaftlichen etwa eine holz- schnilthaste Illustration zu Versen des mittel- h och deutschen Lyrikers Spervogel; zwei sehr schöne Heinere Stücke, welche die auf dem Tisch vereinigte Dilderfvlge rechts unb links außen flankieren; einige größer angelegte Waldinterieurs an der Eingangswand endlich, die durch chre ganz minutiöse Strichführung das Auge bestechen. Man fühlt sich bei einigen Blättern an sehr früße. deutsche Landschaften (meist unbekannter Herkunft) erinnert; unter den Lebenden müßten wir nur einen Künstler zu nennen, der die gleiche hauchzarte Feinheit landschaftlicher De- ^^^^b.^ubringen vermag: Ferd. Staeger.
3m Miitelkabinett findet man Oelbllder von Heinrich Giebel, der in Kassel geboren ist. bort seine erste Ausbildung an der Akademie erhielt. sich 1888 dem Willingshäuser Malerkrei» anschloß und seit 1905 in Marburg ansässig ist. Seine Arbeiten bilden sowohl stofflich wie technisch eine gute Heberleitung zum Hinteren Raum, der Sari Bantzer gehört. Schon bei Giebel ist alles bodenständig; seine Motive sind — ob er Frellichtbilder. Figürliches oder etwa Interieurs gibt — alle auf hessischer Scholle gewachsen und ohne den heimatlichen Quellgrund nicht zu denken. Die Landschaften stehen durchaus in einer Linie und charakterisieren sich durch eine oft wiederkehrende. eigentümliche Zusammensetzung her Grund- unö Lskaltöne. Ein Helles, schwimmendes Blau und ein in gewissen Schattierungen abgewandeltes, saftiges Grün bilden fast
gegenstände erstrecken; sie treffen den kinderreichen Familienvater vielfach, während der 3unggefclle sie immer nur einmal zahlt; wir müllen sie darum bekämpfen, soweit sie nicht auf ©enußmittcl oder Lutusaegenstände gelegt werden, öie wir entbehren können Für alle Direkten Steuern fordert die Rall'nhygiene Die Durchführung der kopfleiltgen Steuer- forme l, sie lautet: ,.3e D e e ft euer bare Einkommen oDcr Vermögen i st in so vielen gleichen Teilen zu veranla- ?en. a I »_S a m i I i e n m i t g I i c D e r Davon eben müsse n". Rach Dieser Formel würde eine sünfköpsige ülie mit i'c.;; Vermögen von einer Million ein Reichsnotopfer von 130 000 Mark gezahlt haben, indem fünfmal der Satz von 200 COO Mark versteuert worden wäre. Diese Formel ist so Har und vereinfacht Die gesamte Steuergesetzgebung so sehr, Daß sie mit allem Rachdruck Durchgesetzl werden muß.
Glücklicherweise ist Dem Rassenhygieniler ein wichtiger Bundesgenosse zur Seite getreten. Im Deutschen Reiche haben sich Die kinderreichen Familien zu einem großen Verbände zusammengeschlossen. der öie'c Forderungen vertritt. Die Bttnde Der Äinöetre ichen bilden immer mehr und mehr eine Macht, mit öer öie Parteien im Reichstage, in Öen ßanötagen unö in den Stadtverwaltungen zu rechnen haben. Ihnen wird es gelingen. Die Einkommensregelung unö die Steuergesetzgebung im ralfen- hhgtenischen Sinne zu beeinflussen Die Bünde der Kinderreichen verfolgen aber durchaus nicht nur wirtschaftliche Ziele für die einzelnen, sondern sie wollen in unserem Dolle auch die Achtung vor der Frau und vor der M u 11 e r wieder zu Ehren bringen, welche lief gesunken ist; schwangere Frauen werben von vielen unserer Volksgenossen verhöhnt unb wir lnüssen vor Scham versinken, wenn wir daran denken, in welch hoher Achtung bei dem chinesischen Dolke der Mutterberuf stehl. Die Bünte der Kinderreichen haben bisher n einzelnen in den Gemeinden mancherlei Erle.chte'.ungen für die Familien erreicht. Auf die gesetzlichen Maßnahmen ist ihr Einfluß bisher gering gewesen. Mer aller Anfang ist schwer. Der Verband wächst und wird sich durchsetzen.
In Frankreich werden kinderreiche Familien mehr al» in Deutschland unterstützt und geehrt. Die nachstehenden Maßnahmen sind teil» bereit» getroffen, teils werden sie vorbereitet:
1. Fürsorge f ü r bedürftige kinderreiche Familien. Eine IahreSunter- stützung von 180 bi« 210 Franken für jede» Kind erhalten Familien mit mindestens vier Kindern unter 13 Iahren, fall» beide Eltern noch leben. Wenn nur öer Vater ober nur öie Mutter noch lebt, toeröen auch bedürftige Familien mit 3 bzw. 2 Kindern au» öffentlichen Mitteln (Staat, Departement und Gemeinde) unterstützt. Eine Erhöhung dieser gesetzlichen Bezüge wird durch eine Reche von Privatunterstützungen ermöglicht. Zur Hnierstützung von 90 armen Familien, Die mindesten» 9 Kinder haben, mit je 25 000 Franken jährlich Dient Die Stiftung Cognac Iay. Eine anDere Stiftung verteilt an hundert Familien mit mindestens fünf Kindern je 10 000 Franken jährlich.
2. Fürsorge ohne Rücksicht auf Die Bedürftigkeit. 30 französische Departements zahlen Prämien von mindestens 100 bi» höchstens 1000 Franken von jedem dritten Kinde ab, sobald Da» dritte Kind ein Jahr alt ist. Außer dieser eigentlichen Geburtsprämie kann eine besondere Dorsorgeprämie von 500 bis 1000 Franken gezahlt werden, um dem Kind eine Alters-, Lebens- oder Aussteuerversicherung zu verschaffen. Im französischen Staatshaushalt für 1922 toaren als staatliche Mittel für Prämien zwei regelmäßig die tonalen Komponenten in diesen Landschaften. Die besten Stücke sind aus ziemlicher Weite gesehen, geschickt komponiert, räumlich gestuft, mit Haren perspektivischen Hilfen. Die den Blick in» Dildinnere hineinführen. Gute Arbeiten sind auch die weiblichen DilDnisse, von Denen allerdings Das größte ein wenig hart im Ton und starr tn der Haltung erscheint; auch ein paar stimmungsvolle Innenräume seien nicht vergessen.
Im letzten Raum hat Bantzer ausgestellt. In ihm sehen wir den repräsentarivsten. lebenden Maler de» Hessenlandes. von weitreichender Geltung aber über Die rotweißen Grenzpfähle hinaus schon heute, von breiter Anerkennung fest getragen, wie sie bei Lebzeiten wohl nur Dem viel zu früh gestorbenen Otto Hbbelohde beschieden gewesen ist. Was soll man nun noch über Bantzer und sein Schassen sagen? Muß man ihn. hier in Gießen, noch seinem Publikum vorstellen, muß man noch für ihn werben? Oder ist er nicht vielmehr seit geraumer Zeit guter Besitz, fester Begriff Der deutschen (nicht nur der hessischen) Kunstgeschichte ? Der Schöpfer des .Llbend- mahl»" unö des .Bauerntanzes' ist, wenn man so sagen Darf, ein hessischer Leibl. In seinen BrlDern finden Wesen und Welt, Landschaft und Menschenschlag des Hessentums gesammelten künstlerischen Ausdruck. Was kann man noch zum Lobe dieser lebensvollen, schwerwüchsigen Gestalten mit Den prachtvoll umrissen en Köpfen Vorbringen. Da» nicht längst gesagt unö gerühmt woröen wäre? Dielle cht Dars man aber nicht müöe werden, wiederum auf die eindringliche Kraft der so sparsamen Farben hinzuweisen, aus denen sich die Klrchgängergruppe zusarnmensetzl. oder auf öie weiche Verschleierung des weiblichen Profils durch ein bauschig vorstehendes, öurchschimmernd blaues Kopftuch, oder öie so reizvolle Wendung der (-yiguren tn» verlorene Links-Rechts-Prosill Mit dem anschließenden Bildnis zweier Bäuerir»» nen glauben wir einen (freilich stets gewagten) Vergleich rechtfertigen zu dürfen, wie wir ihn eben mit der Rennung Leibis gebraucht haben. Da» dritte Bild auf dieser Wand, absichtsvoll in gedämpfte Beleuchtung gehängt, ist eine von warmem Kerzenlicht überflutete Abendmahlsszene, Die sich mit den beiden anderen in wunderbarer Geschlossenheit gleichsam zu einem Triptychon zu-


