Aus der Provinzialhauptstadt.
Vieh en. den 20. September 1927.
Kleider machen Leute.
Eine alte Sache, dah Kleider Leute machen. Aber Horen Sie. was mir ein Handwerksmeister «zählte:
»Gin größeres Geschäftshaus verständigte mich telephonisch davon, dah es einen Auftrag für mich habe. Unsereiner hat nicht viel Zeit. Daher die Arbeitsschürze herunter unb im Arbeitsanzug hin zu dem Auftraggeber. Ein Fräulein empfängt mich fragt nach meinem Begehr. Möglicherweise habe ich mich etwas ungeschickt ausgedrückt. jedenfalls verstand sie mich nicht, ging zur Ladenkasse und reichte mir fünf Pfennig hin. Der Irrtum klärte sich natürlich schnell auf, und es gab ein Helles Gelächter darüber, dazu aber auch einen Geschäftsabschluß, der mich befriedigen konnte. Aber ist das mcht bezeichnend?''
Sicher. Aber auch wieder nicht. Denn selbstverständlich haben wir Kulturmenschen gewisse Abzeichen nötig, damit wir den einen vom andern unterscheiden können, da uns der Instinkt der Urzeit verloren gegangen ist. Und welche Zeichen sonst sollten wir anwenden'als eben die des Kleides. Ein gepflegter Anzug modernen Schnitts, die geschmackvolle Wahl der andern „anzüglichen" Kleinigkeiten, imt) wir sind andre Menschern
Rein, das stimmt auch, wieder nicht. Wir sind noch genau dieselben, nur die andern schätzen uns als andre «in, solange sie uns nicht näher kennen gelernt haben. Dann allerdings, wenn sie sich näher mit uns befaßt haben, hilft auch der modernste Anzug über gewisse Mängel nicht hinweg. 3m allgemeinen jedoch dient er schon dazu, „Leute" zu machen. Bon den Leuten zu den Menschen aber ist noch ein weiter Weg. Denn auch der Hochstapler und Poseur gehört ja zu den Leuten Aber als Menschen, wie wir sie im Sinne edleren Menschentums ansehen, werden wir sie kaum gelten lassen.
Täuschung und Hilfsmittel zur Täuschung kann das Kleid sein. llnb es ist doch auch mehr. Wem wäre es noch nicht begegnet, daß er sich im Bewußtsein, gut angezogen zu sein gehoben gefühlt hätte. Sehen wir nur einmal ein junges Mädchen im Sonntagsstaat. Ist nicht jede Bewegung ihrer Glieder eine Bejahung auf die Frage: Bin ich schön? Rur einige wenige Sonderling« mögen es fertig bringen, sich in ihren alten, abgetragenen Kleidern wohl zu fühlen. Hub dann ist es oft genug erst recht Eitelkeit, die sie dazu veranlaßt, eine Art Koketterie mit ihrer Eigenart.
Die Welt von heute legt großen Wert auf die Kleidung, weil sie sich der Wirkung des Kleides wohlbewußt ist. lind das ist gut. Aber das Kleid ist noch nicht der Mensch. Unb manchmal kommt es einem vor, als ob man vor bem Kleib bi« Pflege ber inneren Werte recht weit zurücksetzt. S—r.
Gietzener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf bem heuttgen Wochenmarkt: Butter 200 bis 210 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 130, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15. rote Rüben 10, Spinat 25 bis 35, Römischkohl 15, Bohnen (grüne) 18 bis 25, (gelbe) 20 bis 25, Unterkohlrabi 5 bis 8, Feldsalat 100, Tomaten 25 bis 40, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 100, Kürbis 8, Pilze 25 bis 40, Kartoffeln 4 bis 5, Falläpfel 4 bis 6, Frühäpfel 10 bis 20, Birnen 10 bis 15, Pflaumen 20, Zwetschen 10 bis 15, Brombeeren 50, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120 das Pfund; Eier 15 bis 16, Blumenkohl 20 bis 130, Salat 10, Salatgurken 10 bis 70, Einmachgurken 4 bis 6, Endivien 10 bis 20, Oberkohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Lauch 10 bis 15, Sellerie 20 bis 40 das Stück; Radieschen 15 Pf. das Buick».
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: Aula des Realgymnasiums: 8 Uhr, Konzert des erblindeten Flötenvirtuosen Rudolf Thies. — Konsum-Verein: 8 Uhr, Restaurant „Germania", Mit- gliederversammlung der Verteilungsstellen Kugelberg und Kaiserallee. — Palast-Lichtspiele: „Gräfin Plättmamsell". — Astoria-Lichtspicle: .^Liebesnächte am Nil".-
** Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarken. Während die Hindenburgspende in Verbindung mit den großen Spitzen-Organisa- tionen des Wirtschaftslebens usw. durchgeführt wird, sollen Hiirdenburg-Wohlfahrtsbriefmarlen auch weiteren 'Bevölkerungskreisen die Möglichkeit zur Beteiligung an der Geburtstagsspende für den Reichspräsidenten zur Verwendung für die Kriegsbeschädigten und Krieger-Hinterbliebenen bieten. Zu diesem Zwecke werden, wie schon berichtet, folgende Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarken zur Ausgabe gelangen: 8 Psg.-Marke zum Verkaufspreis von 15 Pfg., 15 Pfg.-Maicke zum Verkaufspreis von 30 Pfg., 25 Pfg.-Marke zum Verkaufspreis von 50 Pfg. und 50 Pfg.- Marke zum Verkaufspreis von 1.— Mark. Ferner wird eine künstlerisch ausgestattete amtliche Postkarte nrit eingedruckter Hinten hzirg-Wohlfahrts- briefmarke zum Verkaufspreise von 15 Pfg. herausgegeben, weiter kommen Markenheftchen, enthaltend vier 8 Pfg.-Marken und drei 15 Pfg.- Morken, zum Preise von Mark 1.50 zur Ausgabe. Die Hindenbura-Wohlsahrtsbriefmaicken sind vollwertige amtliche Postwertzeichen; sie gelangen vom 26. September d. I. bis 31. Januar 1928 bei sämtlichen Postämtern, wie auch auherpvsta- l.sch zum Verkauf. Die Gültigkeit zum Fran- f e;>n von Postsendungen erlischt für diese Marken cm 30. April 1928. Die Marken gelten nicht nur im Jnlande, fentern auch im Verkehr mit dem
AuSlante. Man darf hoffen nick) wünschen, daß dies« Marken recht regen Absatz finden, damit auch auf dies« Weise umfangreiche Mittel der Hindenburgspende für die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen zugeführt werden können.
** Hohe Auszeichnung der oberhessischen Pferdezucht. Auf der Landwirtschaftlichen Landesausstellung in Darmstadt wurde bei dem Provinzialwettbewerb in der Pferdezucht die Provinz Oberhessen mit dem Ehrenpreis des Staatspräsidenten ausgezeichnet, während die Provinzen Rheinhessen und Starkenburg je einen Ehrenpreis der Landwirtschaftskammer erhielten.
•* Die Obsternte an den Landstraßen des Kreises Gießen. Ein reicher Obstsegen ist diesmal an den früheren Kreis- straßen zu erwarten. Die ausgezeichnete Ernte ergibt in den drei Bezirken Gießen, Hungen und Lumdatal-Grünbevg rund 8000 Zentner besten Tafelobstes. Auf den Bezirk Gießen, als auf den obstreichsten, kommen davon allein 3000 Zentner. Don den Apfelsorten versagt keine Sorte ganz, nur trägt die graue französische Reinette wenig. Dagegen tragen vorzüglich. Goldparmäne, Boskop (in erster Linie), Landsberger-, Baumanns - und Harberts-Reineite, Rheinischer Dohnapfel und Jakob Löbel. Die Birnbäume tragen Heuer iveniger, nur Reue Porteau und Gellerts Butterbirne machen eine Ausnahme, auch Pastorenbirne geht noch
** D i e Ob st v er st eigerungen an den Provinzial st raßen im Kreise Gießen finden vom 26. September bis 3. Oktober statt. Die Beträge für das ersteigerte Obst müssen sofort bezahlt werden. Man beachte die heutige Bekanntmachung.
ee Evangelisch-kirchliche Personalien. Durch die Kirchenregierung wurden über- ttägen: dem Pfarrer Wilhelm Fresenius zu Rodenbach bi« evangelische Pfarrstelle zu Liß- berg, Dekanat Bübingen; bem Pfarrer Karl Frank zu Crainselb bi« evangelische Pfarrstelle zu Reiskirchen, Dekanat Gießen; bem Pfarrver- toalier Paul Clotz zu Frischborn bi« evangelische Pfarrstelle zu Frischborn, Dekanat Lauterbach; tem Pfarrer Lubwig Wörißhoffer zu Rieder-Gemünden die evangelische Pfarrstelle zu Hangen-Weisheim. Dekanat Alzey.
** Eisenbahner-Jubiläen. Am heutigen Dienstag, 20. September, kann der Lokomotivführer Karl Stork, Crednerstraße 29 wohnhaft, und am 23. September der Lokomotivführer Wilh. Eckhardt, Frankfurter Straße 72, auf eine 25jährige Fahrdiensttätigkeit zurückblicken. Herr Stork war bis 1920 in Metz und wurde dann, wie so viele seiner Kollegen, ausgcwiesen, während Herr Eckhardt früher in Laubach tätig war.
** E i n folgenschwerer Familienzwist spielte sich gestern gegen Abend in einem Hause in der Löwengasse ab. Dort entstand zwischen einem Vater und seinem Stiefsohn eine Auseinandersetzung, die so heftig wurde, daß der Vater dem jungen Menschen einen Stich in den Leib versetzte. Der Verletzte wurde nach der ersten ärztlichen Hilfe durch die Freiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz der Chirurgischen Klinik zugeführt, wo er mit einer Bauchverletzung, über deren Ausgang zur Zeit noch nichts gesagt werden kann, darnieder- liegt. Der Vater wurde vorläufig festgenommen, nachdem er sich selbst der Polizei gestellt hatte.
WSR. Reuer Expreßguttarif auf ber Reichsbahn. Am 1. Oktober treten im Bereiche ber Deutschen Reichsbahngesellschaft neue Exprehgutsähe mit neuen Berechnungssäyen in Kraft. Der Frachtbevechnung wirb ein Mindest- gewicht von 5 Kilogramm zugrunbe gelegt. Gewichte bis 20 Kilogramm werben auf volle fünf Kilogramm aufgenmtet, bei höheren Gewichten wirb bie Fracht für je 10 Kilogramm berechnet, wobei Zwischenkilogramme auf voll« 10 Kilogramme auf gerundet werden. Z. B, beträgt bas Gewicht ber Senbung 11 Kilogramm, so wirb bie Fracht für 15 Kilogramm berechnet (statt bisher 20 Kilogramm), bei einem Gewicht ber Sendung von 21 Kilogramm kommen 30 Kilogramm in Ansatz. Statt bisher 35 Stufen gibt es künftig nur noch 22 Stufen. Diese Reueinteilungen haben für die Versender keine finanziellen Rachteile, di« Abferttgung wird dagegen beschleunigt.
"Deutschnationale Volkspartei. Man berichtet uns: Am Samstag fand im Eifenbahnhotel Hopfeld eine Sitzung der Vertrauensmänner des Kreises Gießen imb anschließend eine solche des erweiterten Provinzialvorstands statt. Rach ®rlcbii..ug ter Dorstandswahlen wurde unter Leitung des Provinzialvorsihenden Dr. Lenz- Gießen die Kandidatenfrage eingehend besprochen und eine Liste ausgestellt. Die endgültige Entscheidung fällt demnächst in einer erweiterten Lantesvorstandssihung.
* Die Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Realgymnasiums zu Gießen hält am nächsten Freitag, 23. September, abends 8 Uhr beginnend, im „Hessischen Hof", Frankfurter Straße, ihre diesjährige Generalversammlung ab. An den gesc^ftlichen Teil wird sich ein gemütliches Zusammensein anschließen, bei dem wieder das Schülerorchester des Realgymnasiums mitwirtt und zu dessen Beginn ein netter Schwank zur Ausführung gelangt Die Vereinigung, bie sich die. Wiederbelebung und Pflege der in ber Iugenbzeit begründeten kameradschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zur Aufgabe gesetzt hat, hofft, daß neben ihren zahlreichen Mitgliedern auch mancher ihr noch fernstehender ehemaliger Angehörige des Gießener Realgymnasiums sich zu der Veranstaltung einfinden wird. Man beachte die heutige Anzeige.
" Der BezirkElehrerverein Gie- Hen-Land hatte für Samstagnachmittag in den Saal des Restaurants Kobel dahier eine Versammlung einberufen, die sich mit den gegenwärtig schwebenden Desoldungsangelegenheiten befaßte. Die Versammlung war überaus stark besucht, namentlich auch aus den benachbarten Bezirks
vereinen. AIS Vortragender war ber zweite Vorsitzende des Hessischen Landeslehrervereins, Lehrer Kaufmann, Atzenhain, ber auch zugleich Vorsitzender des Besoldungsausschusses ist, gewonnen worden. Lehrer Hofmann, Lang- Göns. eröffnete als Vorsitzender des Dezirks- lehrervereins Gießen-Land mit kurzen Degrü- ßungsworten bie große Versammlung und gedacht« in ehrenden Worten bes vor einiger Zeit verstorbenen Mitgliebes Rektor i. R. Soll, Wieseck, ber viele Jahre lang bie Geschäfte des Bezirkslehrervereins Gießen-Land als Vorsitzender geführt hatte. Rach einigen Mitteilungen geschäftlicher Art nahm Lehrer Kaufmann, Atzenhain, das Wort zu seinem sehr ausführlichen und tiefgründigen Vortrag über bie gegenwärtig brennendsten Fragen in der zu erwartenden Defoldungsreform, über die der Reichsfinanzminister Köhler in Magdeburg den Beamten referiert hatte. Dem Vortrag, der mit größtem Interesse ausgenommen wurde, schloß sich ein« eingehende Aussprache an. Lehrer Hofmann, Lang-Göns, schloß mit Dankesworten an den Vortragenden und alle, die sich an ter Aussprache beteiligt hatten, die Versammlung.
* * Landsturmtag in Gießen. Für den 8. und 9. Oktober ist hier eine Zusammenkunft der Kameraden des ehemaligen Landsturm-Infanterie- Bataillons Gießen XVIII/9 vorgesehen. Das Bataillon rekrutierte sich aus Oberhessen, den Kreisen Wetzlar und Biedenkopf. Vorgesehen sind eine Gedächtnisfeier auf dem Neuen Friedhof und eine gemeinsame Feier im Cafs Leib.
" Zur Herbstmode des Herrn. Das Modeamt ter Hut- und Mützenbranche veranstaltet in ter Zeit vom 20. bis 26. September eine Reichsmodenschau des Herrenhutes, eine Veranstaltung. deren Zweckmäßigkeit auf der Hand liegt, wenn der Sommer flieht und die Witterung selbst diejenigen zwingt, die der Hutlosigkeit huldigen, an den Kauf einer Kopfbedeckung zu denken. Die Modeschau wird «ine Eigenart dadurch erhalten, dah afle tem erwähnten Modeamt angeschlossenen viertausend Geschäfte im ganzen Reich die Reu- heiten bet Branche gleichzeitig unb unter besonderer Ausschmückung ber Läben zur Schau stellen wetten. So entsteht gewissermaßen eine dezen- tralifierte Herrenhutausstellung.
Kirche und Schule.
Dom hessischen
Kindergollesdienst-Derband.
<£ Bad-Nauheim, 18. Sept. Der vor zwei Jahren ins Leben gerufene Verband derhessi- schen Kindergottesdienste, der vergangenes Jahr erstmalig in Mainz erfolgversprechend tagte, hielt heute hier seine zweite Landes- Versammlung ab, die aus allen drei Provinzen, besonders aber aus Oberhessen, recht zahlreich von Geistlichen, Helfern und Helferinnen besucht war. Die hiesige evangelische Gemeinde hatte in entgegenkommender Weise gastliche Aufnahme aewährt.
Einen erhebenden Auftakt zu der Tagung bildete der Ha u p t g o 11 e s die nst in der Dankeskirche, in dem Pfarrer Knodt aus Wimpfen in feiner gedankentiefen Festpredigt dem Grundgedanken und der Bedeutung des Tages in feiner Weife Rechnung trug. In dem anschließenden festlichen K i n d ergo t t e s d i e n st, der wie der Hauptgottesdienst ein überfülltes Gotteshaus sah, versah Pfarrer Glock (Mainz), der Derbandsvorsitzende, die Liturgie, während Pfarrer Schmidt (Augsburg), einer der bekanntesten Führer auf dem kirchlichen Arbeitsfelde der Kindergottesdienste, die Juaendansprache im Anschluß an das Wort „bienen" hielt. Es war ein seltener Genuß, dem mit einem seinen pädagogischen Können begabten Geistlichen in Red« und Zwiesprache lauschen zu bürfen.
Die Hauptversammlung füllte am Nachmittag ben Sitzungssaal bes neuen evangelischen Gemeindehauses (alte Wilhelmskirche). Nach der Begrüßung durch ben Verbandsvorfitzenden, Pfarrer Glock (Mainz) wünschten Oberkirchenrat Wagner (Gießen) im Auftrage des Lanbeskirchenamtes und Pfarrer Knodt (Bad-Nauheim) namens ber Gastgemeinde ben Verhandlungen einen gesegneten Verlauf. Der vom Vorsitzenden erstattete Jahresbericht zeigte, daß die Arbeit des noch jungen Verbandes, dem sich schon 80 hessische Kindergottes- bienfte angeschlossen haben, allenthalben Wurzel gefaßt hat und zu der Hoffnung berechtigt, daß sich auch bald Früchte für das gesamte kirchliche Leben zeigen werden. Zu erwähnen ist die Gründung einer Geschäftsstelle, bie von Pfarrer Schmidt in S ch l i tz mit viel Opferfreude geleitet wird. Das Hauptstück der Tagung bildete dann der Vortrag von Pfarrer Schmidt (Augsburg) über: „Die Erziehung zum praktischen Christen- tum durch den Kindergottesdienst . Der Redner stellte an die Spitze seiner bedeutsamen Ausführungen den Satz: „Die Welt kann für Christus gewonnen werden durch das Kind". Die Gegenwart mit ihren vielen sozialen Nöten rufe mehr denn je nach praktischem Christen - t u m. Bei der (Erziehung der Kinder im Gottesdienst sei die Frage des Persönlichkeitswertes der Helfer und Helferinnen das Entscheidende. Der Helfer müsse ben Kindern ein Vorbild sein und immer daran denken, daß die Jugend einen starken Nachahmungstrieb in fick habe, auch in sittlichen und religiösen Dingen. Äuszunuhen und in den Dienst des praktischen Christentums zu stellen fei der dem Kinde eigene Wille zur Aktivität, der nur darauf warte, vor Aufgaben gestellt zu werden. Warm trat der Redner auf Grund seiner reichen Erfahrung für L e b e n s o e r s u ch e auf der Grundlage des Elternhauses ein. An die Ausführungen, die ganz auf bie schwierige Erziehungspraxis eingestellt waren und sich fernhielten von Theorie und Dogmatik, schloß sich eine rege Aussprache, an der sich u. a. Missionsinspektor Held (Wiesbaden) von der Sudan-Pionier-Mifsion und Pfarrer A u s f e l d (Gießen) beteiligten. Mit Gebet beschloß Pfarrer Glock gegen 6 Uhr nachmittags die Tagung.
Strafkammer Gießen.
• Gießen, 16. Sept. Ein hiesiger, mehrfach vorbestrafter Gewerbetreibender hakte bei einer auswärttgen Firma für etwa 1000 All. Warenbestellung aufgcgeten, wobei er ein Firmen- fvnnular benutzte, bas durch seine großsprecherische Art seine wirkliche ZahlungsunfÄigk«it verbergen sollte. Als Referenz hcftte er seinen ebenfalls zahlungsunfähigen Schwager auf gegeben, der auch eine dementsprechende unwahre Auskunft gab. Die Firma wurde noch rechtzeitig von anderer Seit« gewarnt und führte den Auftrag nicht aus. Der Angeklagte, ter in der ersten Instanz wegen Betrugsversuchs zu drei Wochen Gefängnis verurteilt worden war, verfolgt« hiergegen Berufung, während sich sein Schwager bei der Strafe beruhigt«. In ter heuttgen Verhandlung kam das Gericht zu demselben Ergebnis wie die Dorrn stanz und verwarf kostens äflig die von dem Angeklagten eingelegte Berufung.
In ter Reujahrsnacht hatte in Romrod ein Angetrunkener durch seine aufreizenden Redensarten einen Zusammenlauf einer ter artigen Menschenmenge verursacht, dah sich die Gendarmerie zwecks Vermeidung von Tätlichkeiten zum Einschreiten genötigt sah und gegen alle, di« sich nach der dreimaligen Aufforderung bin nicht entfernt hatten, Anzeige erstattete. Mit Ausnahme von drei Deranzeigten wurden sämtliche Beschuldigte durch das Amtsgericht Alsfeld zu Geldstrafen verurteilt. Insoweit Freisprechung erfolgt war, verfolgte di« Staats» anwaltschaft Berufung. Auch heute sah das Gericht einen ausreichenden Beweis nicht für erbracht an und verwarf die Berufung.
Die Verhandlung gegen den Arbeiter F. K. von Büdingen wegen Beleidigung des dortigen Bürgermeisters dehnte sich btS in die Abendstunden aus, da eine sehr große Zahl Zeugen geladen war. Durch das Amtsgericht Büdingen war K. wegen übler Rachrede in zwei Fällen zu einer empftndlichen Gefängnisstrafe verurteilt worden. In der heutigen Verhandlung gelangte daS Gericht in einem Fall zur Freisprechung, da es den Wortlaut der Aeußerung nicht mit Sicherheit feststellen konnte. In dem anderen Fall wurde K.. da ter von ihm angetretene Wahrheitsbeweis vollkommen mißglückt war, zu vier Wochen Gefängnis verurteilt und dem Kreisamt Büdingen die Publikationsbefugnis zugesprochen.
Kunst und Wissenschaft.
Uraufführung in Hamburg.
3m Hamburger Deutschen Schauspielhaus erlebte Bernhard Blumes dreiaktiges Schauspiel „Treibjagd" unter der Regie des Intendanten Erich Ziegel seine Uraufführung. Das Stück bringt Szenen aus der jüngsten russischen Revolution und erwies sich unterstützt durch eine hervorragende Aufführung, als äufcrft büljnen- wirksam. Der Dichter konnte sich viele Make an der Rampe zeigen.
Berliner Börse.
Berlin, 20. Sept. (WTD. Funkspruch) Bei sehr stiflem Geschäft und noch nicht ausgesprochener Tendenz halten sich die Kurse etwa auf gestriger Schlußbasis. Sachliche Momente werden außer acht gelassen. Die Spekulation ist unter sich unb scheint heute eher wieder etwa- zu decken. Für I. G. Farben nennt man einen Kur- von 297. Am Devisenmarkt hört man Paris mit 124,02, Mailand 89,25, das Pfund 4,8655 unb Madrid 28,05.
Rundfunk-Programm.
Mittwoch, 21. September.
15.30 bis 16 Uhr: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Operetten von Waller Kollo. 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Bücherstunde. 18.30 bis 19 Uhr: Stund« des Süd- westdeutschen Radioklubs; E. Becker: „Deutsche Funkausstellung". 19 bis 19.30 Uhr: Stunde des Kulturkartells der modernen Arbeiterbewegung: „Deutsches Geistesleben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts", Dorttag von Konrad Broßwitz. 20 bis 20.15 Uhr: „Die Derdauungsoraane", Dorttag von Dr. T. Edinger. 20.15 Uhr. Cyrano von Bergerac, Versdrama von Edmond Rostand.
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