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Nr. M Drittes glatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

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5amstag, 20. August (92Z

iu hohen Ehren gebracht.

Er ist derErste

ende 21 b ( e r'

der Stein-Indianer in Cal-

21 Fortsetzung.

Nachdruck verboten.

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Geld und Erfahrung

Novelle von Max E y t h.

Wiedergabe solcher Pläne, vollkommen, um einen durchgreifenden Wandel der politischen Konjunktur zu kennzeichnen. Die englische Oesfentlichkeit besitzt eine meisterhafte Fähigkeit im Totschweigen gewisser Dinge. Man begeht einen Irrtum, wenn man sagt, daß die englische Stimmung Deutsch'» (anb gegenüber gleichgültig wäre. Das ist eine optimistische Uebertreibung. Man ist in maßgeben­den Kreisen direkt feindselig.

Immer wieder muß betont werden, daß der Zusammenbruch der Genfer Flotten­konferenz den Engländern schwer st es Alp­drücken bereitet. Es ist im Augenblick nicht mög­lich, materiell darüber viel zu berichten, weil das Kabinett, das Parlament in den Ferien sind. Aber die Möglichkeit erneuten Wettrüstens, und diesmal mit den Vereinigten Staaten, ist allein schon ausreichend, um England um seinen gesunden Schlaf zu bringen. Man will wohl den Frieden, man spricht von der Undenkbarkeit eines Krieges mit den Vereinigten Staaten: aber man fühlt sich unbehaglich dabei. Man ist mißtrauisch. Die unver­kennbare deutsch - amerikanische An­näherung ist dem Engländer uner­wünscht. Damit wird ihm sehr viel verdorben, und nun zu alledem die Befürchtung einer weiteren Erhöhung des Marineetats. Der Schatzkanzler Churchill ist ohnehin nicht auf Rosen gebettet. Er hat noch an dem Loch, daß die Kohlenkrisis ge­rissen hat, zu flicken. Amerika ist aber in der Lage, den ganzen englischen Staatshaushalt durchein­anderzubringen. Natürlich ist auch England nicht waffenlos. Man soll die englische Geldmacht nicht unterschätzen; erst dieser Tage lasen wir von einer kleinen Börsenpanik in Neuyork. Die amerikanische Hochkonjunktur weist Symptome der Abschwächung auf. Eine wirtschaftliche Depression in den Ver­einigten Staaten hervorzurufen, ist England natür­lich nicht imstande; doch man könnte vielleicht nachhelfen.

Auf alle Fälle herrscht hierzulande dicke' Luft.

Ulema, dem geistlichen Oberhaupt der jugoslawi­schen Muscimanen, der dem Range nach einem Erz- dijchos glcichsteht. Er residiert in Sarajwo, kam aber zurzeit meiner Ankunft nach Belgrad. Die Tatsache, daß die jugoslawische Regierung einen Mohamme­daner zum Handelsmini ft er ernannt hat. Zeigt die große Bedeutung der Muselmanen im ge­schäftlichen Leben des ganzen Staates. In dem gast­freien Hause des Ministers nahm ich an einem grö­ßeren Gastmahl teil, bei dem die alten orientalischen Sitten eingehalten und nur türkische Sveisen und Getränke verabfolgt wurden.

Rach kurzem Aufenthalt in Belgrad fuhr ich im Auto zunächst nach Banjaluka, weil in dieser Stadt mehr als die Hälfte dieser Bewohner (5.3 Pro­zent) aus Muselmanen besteht. Bei der furci ibaren Gluthitze von 43 Grad Celsius wäre eine Bahnfahrt kaum zu ertragen gewesen, aber das schnelle Tempo der Autofahrt bot angenehme Erfrischung. In Ban­jaluka, wo ich im gastlichen Hause des mohamme­danischen Bürgermeisters Ausnahme fand, nahm ich auch am Gottesdienst in der grüßten Moschee der Stadt teil. Die Stadt hat eine reizende Lage im Tale des 23rbad und verlockte mich zu einigen Ausflügen in die sehr malerische Umgebung. Dann ging die Fahrt weiter nach Sarajwo, dem eigentlichen Zentrum des südslawischen Islams, und zuletzt nach M o st a r,

Was mir bei diesen Fahrten durch das ganze Land zunächst in die Augen fiel, waren die äußer­lich sichtbaren, nachhaltigen Spuren, die die vier- hundertjährige Türkenherrschaft im ganzen Lxiude, sowohl in der Bauart der Häuser, wie in der Klei­dung der ländlichen Bevölkerung hinterlassen hat. Denn, abgesehen von der abweichenden Kopf­bedeckung, der niedrigen, runden Kappe, kleidet sich Lie ganze niedere serbische Bevölkerung nach türki­scher Art. Die mohammedanischen Frauen in den Städten tragen im Gegensatz zur neuen Türkei im­mer noch den Schleier und auf der Straße den den ganzen Körper einhüllendenScharschaf". Die alten türkischen Steinhäuser, in denen ich logierte, ge­währten bei der Hitze angenehme Kühle.

Im allgemeinen hat wohl den Eindruck, daß das wirtschaftliche Leben der Muselmanen im legten Jahrzehnt dadurch geschädigt worden ist, daß seit 1917 die Großgrundbesitzer zugunsten der dauern teilweise enteignet wurden. Das ist natürlich auch nicht ohne Rückwirkung auf das geschäftliche Leben der Städte geblieben. Aber die bosnischen Miüel- manen sind eine fleißige, rührige und betriebsame Rasse und haben immer noch in erster Linie das geschäftliche Leben des Landes in der Hand.

Was ihre Stellung zur Innenpolitik des Landes betrifft, fo gehen sie trotz der sehr konser­vativen Weltanschauung bei den Wahlen mit den serbischen Demokraten Hand in Hand. Die analoge Erscheinung kann man wohl bei Den meisten Min­derheiten in den osteuropäischen Ländern beobachten, weil die Linksparteien in allen diesen Ländern weni­ger nationalistisch -eingestellt sind. In außenpo- l i t i s ch e r Beziehung sind die jugoslawischen Mu- selmanen natürlich von warmer Sympathie für ihre Glaubensgenossen in der Türkei erfüllt, beobachten alle Vorgänge in ihr mit gespanntem Interesse und glauben an eine glänzende Zukunft dieses Landes. Aber mit dem Reformprozeß der jungen Türkei können sie sich nicht abfinden! Auch Deutschland gegenüber nehmen sie, wie alle Muselmanen, eine freundschaftliche Haltung ein. Gegenwärtig bemühen sich die geschäftlichen Kreise unter den jugoslawischen Muselmanen, in eine engere wirtschaftliche Verbindung mit Deutschland zu treten, doch befinden sich die Unterhandlungen darüber drst im Anfangsstadium.

Jedenfalls verdienen unter allen verschiedenen Beoölkerungselementen der Balkanhalbinsel gerade die jugoslawischen Muselmanen deshalb in Deutsch­land besondere Beachtung.

Türken erobert war, aber zeitweilig an Serbien zu­rückfiel. Die Großgrundbesitzer und die ganze wohl­habende städtische Bevölkerung sahen sich nun genö­tigt, den Islam anzunehmen, um nicht der Konfis­kation ihres Vermögens zu unterliegen. So erklärt es sich, daß die Muselmanen in diesem Teil Jugo­slawiens die eigentlichen Kapitalisten wurden, es bis heute geblieben sind, und im geschäftlichen Leben, so auch namentlich dem Außenhandel für das ganze Land die wichtige Stelle einnehmen. Mehr als vier Jahrhunderte dauerte die tiefe Spuren zurücklassende türkische Herrschaft, ein Menschenalter lang die öster­reichische. Auch in kultureller Beziehung standen die Mohammedaner immer bedeutend höher, als die christliche, fast ganz aus 2lnalphabeten bestehende Bevölkerung. Obschon die österreichische Verwaltung sich auch um die Entwicklung des bosnischen Schul­wesens bemühte, gab es noch 1890 in Bosnien und der Herzegowina neben mehr als 700Mektebs" oder mohammedanischen Schulen nur 247 christliche Elementarschulen. Uebrigcns ist gegenwärtig das Wakufvsrmögen (Stiftungen), das dem Unterhalt von Moscheen, Schulen, Kranken- und Waisen­häusern dient, durch reiche Spenden und sparsame Verwaltung so gewaltig angewachsen, daß ein Teil recht wohl für andere Zwecke verwendet werden kann. Die Industrie in Bosnien, wie in ganz Serbien, war bis zur österreichischen Okkupation eine rein orientalische Kleinindustrie (Waffen, Töpfer­und Lederwaren usw.). Erst nach 1880 begann sich auch eine Großindustrie zu entwickeln, die aber zum großen Teil sich in den Händen von Christen be­findet.

Gleich nach meiner Ankunft in Belgrad zu Anfang August konnte ich schon dort mit den hervor­ragendsten Vertretern der mohammedanischen Min­derheit Fühlung nehmen. Vor allem mit dem lie­benswürdigen Handelsminister Dr. Mehmed Spa ho, der in Agram studiert hat, deutsch spricht wie eih Oesterreicher, sowie mit dem Reisul.

gart) geworden. Eine Delegation dieses Jndianer- stammes langte in voller Kriegsbemalung (siehe Cooper: Der Lederstrumpf) aus ihrem Zeltlager im Pfeiltale an und nahm den Premierminister, wie der Daily Expreß" berichtet, in ihre Blutsbrüderschaft auf. DerErste sitzende Adler" (der richtige Häupt­ling der Roten) führte die Delegation. Er legte die Hand auf Stanley Baldwins Schulter und sagte vermittels eines Dolmetschers:Ich lasse dich in die Blutsbrüderschaft meines Stammes zu und über­trage dir meinen eigenen Namen". Dann reichten sich die beiden Häuptlinge, der weiße und der rote, warm die Hand, und Baldwin sagte, wieder durch den Dolmetscher:Sage deinen Leuten, wie erfreut ich bin, in ihre Blutsbrüderschaft ausgenommen worden zu sein." Das ist sicher ein großer diplo­matischer Erfolg für Herrn Stanley Baldwin.

Die Zusammenkunft mit dem General Dawes und K c l l o g auf derFriedensbrücke" bei Nia­gara war eine weit imposantere Zeremonie. Doch berichten englische Blätter nichts -davon, daß Stan­ley Baldwin von Herrn Dawes oder von Herrn Kellog der Poften desErsten sitzenden Adlers" in den Vereinigten Staaten angeboten worden ist. Es find, ganz im Gegenteil, höchst inhaltlose Reden gehalten worden. Das Thema einer im Zusammen­hang mit diesen Festlichkeiten gehaltenen Rede des

Zwei gegen eins, in Zehndollarnoten", sagte öer andere trocken.Vor dem Krieg hätten wir mit Hundertdollarnoten gespielt, Longstreet, aber es geht auch so."

Und es geht ehrlich zu, da drunten?" fragte Longstreet, sich über meine Schulter neigend.

»So ehrlich wie irgendwo in diesem großen und erleuchteten Lande!" antwortete ich, in der Hoffnung, er werde mich verstehen.Es ist alles aufs beste ge­ordnet und geregelt, Generali"

Aber Longstreet war zu ehrlich für fein großes unb erleuchtetes Vaterland und verstand mich nicht. Oie beiden notierten die Wette und verfolgten jetzt Las behagliche (Elefantenrennen mit derselben Teil­nahme wie die Dolksmafse unter uns, deren brau- ^nbes Geschrei mit den Maschinen zum zweitenmal um den Ring lief.

Jonathan, welcher keuchend schwarze Rauch­wolken ausbhes, war jetzt über hundert Schritte hinter John Bull geblieben, mehr als ich für gut hielt. War nicht alles in Ordnung? Wollte Stone 2en Schlußeffekt um so glänzender Leftalten? Schon leroegte sich seine Maschine in einem Sturm von Entrüstung entlang der Barriere. Höhnische Zurufe zornige Mahnungen, fein Vaterland nicht zu ver­raten, wurden ihm zugeschleudert. Der schwarze Jem, in heftigem Wortwechsel mit seinem Borge- ätzten, warf eine Schaufel Kohle nach der anderen ins Feuer. Und wirklich, jetzt endlich schien die Maschine sich aufzuraffen. Rasselnd und klappernd brauste sie ihrer Genossin nach. Der Zwischenraum nahm sichtlich ab.Hurra .Jonathan! Hurra, Jona­than!" Die Grüngelben gewannen wieder Mut.

Bei der zweiten Vorbeifahrt am Ziel war Jona­than eine halbe (Elefantenlänge voraus. Dies war gegen das verabredete Programm. Als sie anein- mber vorübergefahren waren, hatte Parker seinem Kollegen zornige Blicke zugeworfen. Stone sah nach her andern Seite, als ob er allein in der Welt märe. Cie beiden Heizer, der schwarze Jem und Bucepha- Ins, baoecen hatten ein lebhaftes Zwiegespräch er­öffnet, sobald sie sich hören konnten.

Glaubst bu in ben Himmel zu kommen mit ötinem Gekeuch, bu großer Maulesel?" erkundigte fth Jem.

zahlengeübten Leser. Das ist hocherfreulich, wie ge­sagt, vom Standpunkt des Konsumenten aus ge­sehen, aber hinwiederum ein bedenkliches politisches Symptom. Wenn England unb Amerika es mit ölpolitischen Gegensätzen kriegen, bann stehen die politischen Aktien Deuts chlanbs meist schlecht. Wir haben bas schon früher einmal erlebt, als es sich um bie mesopotamischen Delfelber han­delte, unb wir sehen es heute roieber, wo es sich

blick mit einer Katastrophe eilten, unb bie Zeichen mehrten sich, baß wir einem tragischen Enbe ent­gegentrieben.

Auch ber Himmel hatte sich plötzlich verdüstert. Eine schwarze Regenwolke trieb mitten durch den Sonnenschein über den Park hin, eine im März ge­wöhnliche Erscheinung des Klimas von Louisiana. Das Helle Bild lag plötzlich in tiefem Schatten, und eine Minute später schüttete der Himmel Wasser in Strömen auf die Rennbahn. Doch dauerte der sünd- flutartige Guß nur zwei Minuten lang, dann glänzte die Abendsonne wieder durch das dampfende Ge­wölbe, und alles strahlte und funkelte in frischen Farben.

Auf die Volksmenge hatte das gewohnte Zwi­schenspiel kaum einen merklichen Eindruck gemacht. Lachend wurden tausend triefende Regenschirme wie­der zugeklappt und der gefüllte Rand von hundert Hüten dem zu nahe stehenden Nachbarn in den Nacken geschüttet. Dagegen hatten die (Elefanten mit einer neuen und jedem, außer mir und Parker, unerwarteten Schwierigkeit zu kämpfen. Während des Regens war John Bull wieder vorgeeilt unb hatte Jonathan um zwanzig Schritte überholt. Beide rangen jetzt mit allen Mitteln um den Sieg. Sie waren noch hundert Schritte vom Ziel, aber auf dem nassen Rasen, auf dem der kurze stürmische Regen da und dort kleine Seen zurückgelassen hatte, glitten und glitschten jetzt die Triebräder in hilflosem (Eifer. Auch die Vorderräder, durch deren Stellung die Maschine gesteuert wird, hatten keinen Halt mehr und schlupften nach rechts ober links mit unberechen­barer Willkür. Die wuchtigen Lokomotiven schwank­ten hin unb her wie Betrunkene, blieben stecken, schossen vorwärts, versuchten sich quer zur Bahn zu stellen. Es war ein tolles Ringen mit ben Ele­menten, bie sich gegen beibe Renner gleichmäßig verschworen hatten.

Da hielt Parker plötzlich still unb sprang von feiner Maschine, Bucephalus ihm nach. Zischenb heulte ber gepreßte Dampf burch bie sich weit öffnen­den Sicherheitsventile. Stone, wenn auch mühselig und in unregelmäßigen Stößen sich fortbewegend, fuhr an der stehenden Maschine vorüber. England brüllte vor Wut; Amerika brach in brausenden Siegesjubel aus. Sally verlor den zweiten Perl­mutterknopf über dem gepreßten Herzen:Vor- marts, Jem! Vorwärts! O Jerusalem, vorwärts!"

Parker, der noch hundert Meter der überfluteten Rennbahn vor sich sah, war nicht stehen geblieben, um Luft zu schöpfen, unb verstaub fein Geschäft.

Mit aller Macht, aber stumm drauflos arbeitend, den willigen, aber ungeschickten Bucephalus nur mit Rippenstößen anleitend, seine rotblaue Jacke mit Schmutz und Lehm bedeckend, befestigte er an den Triebradreifen ein halbes Dutzend sog.Sporen", gewaltige eiserne Schaufeln, bie^ in ben Boden ein­hauend, auch auf nassem, schlüpfrigem Felde die Maschine vorwärtsbringen. Stone hatte trotz seiner Nöte sechzig Schritte Vorsprung gewonnen, ehe Parker mit dieser Arbeit fertig war. Er war nur nod) vierzig Schritte vom Ziel, aber seine Maschine, kaum mehr steuerbar, die Räder handhoch mit Lehm bedeckt, taumelte hilflos hin unb her. Jetzt sprang Parker roieber auf ben Tenber, ließ bie Dampfpfeife fp'elen, unb stolz unb ruhig hieb sich die Maschine vorwärts.

Das Geschrei würbe betäubend. John Bull klatschte mit einer Sicherheit durch bas Wasser, als sei er barin geboren. Sally warf ihren Feberhut in bie Luft, ber einen roilb gestikulierenden achtbaren Geistlichen unter ihr zudeckte.Hurra, Jem! Hurra, Jem!" So dampfte Parker an uns vorüber. Noch zwanzig Schritte, und England hatte gesiegt.

Doch plötzlich stockte auch John Bull wieder. Die Hinterräder drehten sich, aber die Maschine ging nicht vorwärts. Auf einen Augenblick wurde die tausendstimmige Menge fast still; das Interesse war aufs höchste gestiegen. Wasser spritzte nach allen Seiten; große Klumpen flogen in die Luft. Die Nächststehenden stoben entsetzt auseinander; sie wuß­ten nicht, was vorging. Ich wußte es nur zu gut: Parkers Maschine war auf eine besonders weiche Stelle geraten; die Sporen, anstatt einzuhauen und die Maschine vorwärtszutreiben, warfen ben Boden nach hinten und begannen nach den besten Regeln der Kunst der Maschine ihr eigenes Grab z-, graben. Parker sprang wieder herab unb riß Bucephalus mit. Beibe hoben mit Anstrengung aller Kräfte, Bucephalus laut heulenb vor Wut, ein Stuck ber nädjftgelegenen Saniere aus dem Boden unt war­fen das gewonnene Gebälk unter die Räber. Acer es half nichts. Knirschend, alles zermalmend arbeite­ten die Sporen bas Holz in bie tiefer unb tiefer wer- benbe Grude. Die Maschine sank sank' Der Schornstein neigte sich wie zum Sterben. Im näch­sten Augenblick saß der Tenber auf dem Boden, unb alle weiteren Versuche, vorroärtszukommen, waren zu Enbe.

(Fortsetzung folgt.)

iters war Schulerziehung, >ei ber (Eröffnung der Brücke vor allen anberen zugegene Prinz von Sßales hielt, war noch farbloser. Die Brücke sei das Symbol freundlichen Kontaktes für die beiderseits der Grenze Lebenden. Das ist wirklich etwas mager.

Denn inzwischen ist der Oelkrieg zwischen England unb Amerika ausgebrochen. Wohl dem, der jetzt Auto fährt: seit gestern kostet Auto­benzin einen Penny per Gallone weniger. Es ist vielleicht nicht unintereffant zu wissen, was der englische Automobilist an Betriebskosten für sein Benzin zahlen muß. Normalbenzin, beste Qualität, kostet 1 Schilling 1* Pence per Gallone, Geschäfts­benzin 111 Pence, Benzolmischung 1 Schilling 21 Pence. Benzol kostet 2 Schilling 1 Penny. Eine Gallone sind 41 Liter, ein Penny rund 8 Pf. Den Rest der Rechnung überlassen wir getrost dem

Aus Dem Amtsverkü::vigungsblatt.

Das Amts Verkündigungsblatt Ar. 61 vom 19. August enthält: Erlaß einer Oris- satzung über die Erhebung von Qkrgnügun;^* steuer in der Gemeinde Geilshausen; Ergebnis der Hauptkörung im Körbezirk Gießen-Grün-- berg im Jahre 1927; Jahresberichte der Schul­vorstände; Dienststunden des Polizeiamts; Dicnst- nachrichten.

um die Rheinlandbesetzung ober richtiger um bie Fortführung ber Locarnopolitik unb ben Ausbau bes mit bem Bölkerbunbe beabsichtigten Völkcrfriebens hanbelt. Davon ist hier in Lonbon nicht viel zu spüren. Seit bem Zusammen­bruch ber Genfer Flottenkonferenz muß man selbst hier politische Neuigkeiten von allgemeiner Bedeu­tung mit der Laterne suchen.

Aber es ist doch deutlich, daß sich unter der scheinbar beruhigten Oberslache ein großer Unzu­friedenheitenkomplex ausbreitet. Man ist allen deutschen Fragen gegenüber außerordentlich kühl. Die eingangs heroorgehobene unterschiedliche Behandlung der französischen und der deutschen transatlanttschen Flugpläne zeigt deutlicher als manches andere den wahren Stand der westeuro­päischen Beziehungen. Wir wollen heute keine tiefgründige Untersuchung darüber anstellen, ob inzwischen bie beutsch-amerikanischen Beziehungen eine entsprechenbe Verbesserung aufweisen. Es wäre bas zu hoffen. Aber naturgemäß ist bie englische Berichterstattung in biesem Punkte sehr zurückhal- tenb. Es muß freilich zu benfen geben, daß in London die Frage der Dawesplanreyision neuerdings in eine recht eigentümliche Beleuchtung gerückt worden ist. ImEconomift" wurde neulich autoritativ die deutsche Finanzwirtschaft einer herben Kritik unterzogen. Man fordert Neuordnung der Beziehungen zwischen Reich und Ländern. Geschähe bas nicht, so müsse man Deutschland die bona fides absprechen, wenn es jemals eine Revision des Zahlungsplanes beantragen sollte. Das klingt wenig erfreulich. Von der kommenden GenferTagilng schweigt die Höflichkeit der politischen Sänger. Wie­der tauchen die stabilen Elemente der Rheinlanb- kontrolle auf, und seltsamerweise hat man daran gar nichts auszusetzen. Briand, nimmt man an, wird das Thema wieder in Genf anschneiden.

Das sind vorläufig nur Mutmaßungen. Aber nach unseren Erfahrungen genügt ein kleines Symp­tom wie das genannte, nämlich die kommentarlose

Islam in Jugoslawien

Von unserem 8-Sonderberichterftatter.

Londoner Vries.

Schlechtes Weller und derErste sihende Adler". Oelkrieg unb Benzinpreise. Wettrüsten.

Don unserem Londoner Mitarbeiter.

London, 17. August 1927.

Auch nach London ist inzwischen die Nachricht ge­drungen, daß deutscherseits der Versuch zu einer dleberfliegung des Atlantik unternom­men ist. Aber in den englischen Blättern spielte das französische Unternehmen bisher eine ungleich größere Rolle als das deutsche. So stand beispiels­weise in derTimes" ein langer Bericht aus Le Bourget, aber kaum ein Wort über das deutsche Unternehmen. Das ist keine Ausnahme. Für jede Zeile über bie deutschen Flieger fin­den f i d) 10 Seilen über bie f r a n s i - s ch e n R i v a 1 e n , auf ben Durchschnitt ber Tages­presse berechnet. Nur der Wetterbericht hat erhöhtes Interesse. Daß das Wetter miserabel ist, merkt man auch so. Aus sämtlichen Badeorten tönt das Lied: Und der Regen regnet jeglichen Tag. (Ein Tiefdruck­gebiet ist vorgestern über England roeggeroanbert. Ein zweites hat uns gestern besucht. Naß kann man auf tiefen gesegneten Inseln stets werben.

Im übrigen muß sich ber geneigte Leser klar darüber fein, daß in England um diese Jahreszeit zwar nicht bie Seeschlange, wohl aber ber Kanal- Tunnel seine alljährliche Wieberauserstehung als Projekt erlebt. Das ist ber Gipfelpunkt ber Ereig- nislosigkeit. Das Haupt ber englischen Regierung, Balbwin, ist bekanntlich in Kanaba. Er hat es bort

Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Sarajwo, im August 1927.

Die Türkei Kemal Paschas hat sich in letzter Zeit bekanntlich soweit europäisiert, baß bort in ben Stäbten, namentlich in Konstantinopel unb Angora, kaum noch etwas von eigentlich türkischem Leben iju bemerken ist. Fez unb Turban haben burchweg Üsilz- unb Strohhüten Platz gemacht, auch ber Schleierzwang für bie Frauen ist längst aufgehoben. Die jüngeren Frauen unb Mäbchen, mit Bubikopf, kurzer Gewanbung unb ©eibenftrümpfen, gebärben sich höchst emanziviert unb scheinen mit der alten türkischen Gewanbung alles abgestreift zu haben, was an den alten Orient erinnerte.

Um fo überraschter ist man, wenn man heute aus der Türkei und den benachbarten Balkanländern kommt, nach Bulgarien, der rumänischen Do- drudscha ober Jugoslawien, unb bas Leben ber bär­tigen mohammedanischen Minderheiten beobachtet. Es scheint fast, als habe das Alttürkentum sich in die christlichen Balkan st aatdn gefluch­tet, denn das alte orientalische Leben geht hier, unverändert und unberührt von allen Neuerungen in der Türkei, seinen Gang, und es scheint hier wirklich alles beim Alten geblieben zu fein.

Es ist wohl allgemein bekannt, daß im südwest­lichen Teil des heutigen Jugoslawiens, in Bosnien und ber Herzegowina, bie Zahl ber Mohammedaner sie wurde bei der letzten Volkszählung auf 1620 000 geschätzt eine besonders große ist und für Bosnien etwa 38 Prozent beträgt. Weit weni- ger bekannt ist die bedeutende, ja ausschlaggebende Nolle, die die bosnischen Mohammedaner im wirt­schaftlichen Leben des Landes spielen. Die Tatsache, daß die Mohammedaner bis heute gerade der wirt­schaftliche Wert des Landes sind, findet ihre aus­reichende Erklärung in der historischen Entwicklung dieses Gebietes.

Im Jahre 1463 kam dieses Gebiet endgültig an bie Türkei, nachdem es erstmalig schon 1401 von den

Wir alle gehen über ben Jordan, o Jerusalem!" sang Bucephalus mit lauter Stimme, indem er das alte Baptistennegerlied benutzte, um seinen schwarzen Mitbruder außer sich zu bringen. Aber auch er tanzte vor Wut auf dem Tender, als seine Ma­schine wirklich langsam zurückblieb. Es war für den Augenblick nicht zu ändern. Parkers Dampf war um etwas gesunken, während bei Stone beide Sicher­heitsventile abbliesen wie toll. Der weiße Jem un­terbrach die nutzloses Wutausbrüche seines Heizers mit einer gelinden Ohrfeige und stieß ihm den Kopf gegen das Feuerloch. Diesen Wink billigte der Schwarze und begann wie wütend Kohlen in die Feuerbüchse zu schaufeln.

Sally war zum erstenmal seit Beginn des Ren­nens still geworden und starrte mit weit aufgcrisse- nen Augen dem Unheil entgegen, das ihren Jem betroffen hatte. Jetzt riß sie ihren prachtvollen Feberhut vom Kopf unb schwenkte ihn an ben Bän- bern wie ein Rab in ber Luft, um ben (Beliebten auf» zumuntern.Hurra, Jem! Schnell, schnell! Vor­wärts! Hurra!" Der Chor ber Blauroten, der etwas schwächer geworden war, brauste unter diesem Ge- sühlssturm seiner Führerin wieder auf, die sich durch das Hutschwenkcn rasch Platz verschafft hatte und jetzt auf der Tribünentreppe eine hervorragende Stellung einnahm. Aber Jonathan gewann noch immer. Fünf Minuten mußten vergehen, ehe Par­ker Dampf genug hatte, um das verlorene Terrain roieberzugeroinnen.

Nun aber war es an mir, etwas bange zu werben. Mein Opernglas war gut, so daß ich die Bewegungen der zwei Leute auf jeder Maschine genau beobachten unb fast sehen konnte, was sie sich sagten. Es war klar, sowohl Stone als Parker hatten bas Programm vollia vergessen. Vielleicht hatte ber erstere ben Hohn seiner Lanbsleute nicht länger ertragen können, vielleicht war ber Stoizis­mus Parkers ben leidenschaftlichen Ausbrüchen sei­ner hitzigen (Beliebten erlegen. Tatsache war: die Maschinen liefen nicht mehr hintereinander her, wie es der Würbe eines braven Dampfpflugs entspricht; sie stießen zornige Rauchwolken aus, sie rannten, sie suchten sich zu überholen. Beide Maschinenführer hatten die eine Hand auf den Sicherheitsoentilhebeln ein böses Zeichen, die erregbaren Heizer drohten sich mit den Kohlenschaufeln und stimmten jauchzend in das Geschrei der Menge ein. Das Wettrennen war ernst geworden, und von allen Beteiligten wußte eigentlich nur Parker genau, was er tat. Wenn es so fortging, konnte ber Spaß jeden Augen-