Einzelbild herunterladen

Europa sieht weiter, Daß England zu einer kon- ' euktiven und energischen Europapolitik noch w-e- iger wll-ens und fähig ist, als bisher schon. _.e,.n sein Gegensatz zu Rußland sich abschwächt iD wenn sein Verhältnis zu Nordamerika sich .übt.

Die europäischen Verhältnisse im besonderen -eigen vr einer Reihe von Punkten ilnruben nit» erhebliche Spannung! Rumänien. Oester- ich, Jugoslawien und Italien, Italien und Frankreich, Deutschland und Velgien, Deutschland and Polen, und auch Deutschland .und Frankreich, um nur die wichtigsten zu nennen. An einer Reihe von Punkten sieht man, daß die Friedens- Verträge Unmögliches geschaffen haben. Die Re­volte in Wien geht letzten Endes auf den Friedensvertrag zurück, und gegen den Frieden von Trianon laust sogar ein Mann wie Lord Rothermere Sturm. Don !gvoßem Stil sind die Legensähe zwischen Italien, das Valstnrvormacht sein will, und Jugoslawien, das Führerin eines Balkans sein möchte, der allein Len Balkan- Völkern gehören soll. Roch größer ist der Gegen­satz Franlreichs zu Italien.

Italien spürt neben Deutschland in erster Linie die außereuropäische Bindung und Schwä­chung Englands. Sein Gegensatz zu Frankreich ist stark, aber notgedrungenermaßen latent, älnd Frankreich zieht aus alldem eigentlich nur für sich angenehme Folgerungen. Es ist nicht übertrieben, wenn wir jene englischen Aeuße- rungen, Deutschland habe seine Entwaffnung noch nicht ganz vollendet, auf das Aonto jener eng­lischen Schwächung schreiben, in der ein enges Verhältnis zu Frankreich unbedingt erwünscht bleibt. älnd so hat Frankreich weder von Italien, noch gar von Spanien etwas zu befürchten. Es hat Belgien auf seiner Seite. Wenn Polen mit Rußland seine Deziehungen nicht verschärft, ist das nicht zum Schaden von Frankreich, und die frarrzöstsche Politik kann es sich daher leisten, in den zentraleuropäischen Hauptfragen so passiv zu sein, wie sie es heute absichtlich ist, und sich in der Räumungs- und der Desahungsfrage Deutschland gegenüber abweisend zu verhalten

Dätz der Völkerbund noch nicht universalistisch ist, macht die so übeMickte Gesamtlage der Welt ganz besonders klar und deutlich. Wir sind noch weit davon eütfernt, Weltwirtschaft und Weltpolitik im Sinne von 1914 wieder aufgebaut zu sehen. Gewiß reflektieren die großen welt­politischen Vorgänge alle auf Europa und in­sonderheit auf Europas Herz, unser Deutschland Aber aus ihnen entsteht nod) keine Möglichkeit und Kräft, im großen Zusammenhang der Welt- pülitik wieder Subjekt zu werden.

Das ist der französischen Politik nur recht, die nach 1919 und seinen Ariedensfchlüssen direkt wölkte und mit Erfolg anstreben konnte: Vor-- :nacht Europas zu stzin und dafür den anderen Siegern die Welt draußen zu überlassen, von Der ja bei «der günstigen geographischen Lage auch für Frankreich noch ein ganz hübsches Teil bleibt. Für das übrige Evropa, und zwar für die Wrigetz europäischen Sieger ebenso töte für die Bestehen, ist diese Entwicklung nicht er­freulich und günstig. Sie führt dazu, daß für die gemeineurvpäischen Wünsche gar kehre Hilfe von ^ariderer Seite einsetzt oder ein­setzen kann, und müßte eigentlich, wenn man die Weltlage im ganzen .so betrachtet, wie ste hAite ist, gpnz Europa durch den Völkerbund und die inn ihm zusammenhangenden Unter* nehnrungen in sich und für sich zusammenführen.

Wir können jedenfalls aus der Betrachtung der Lage der Welt, wie sie sich im Augenblick zeigt, nur die Folgerung ziehen, daß eine Eon* firmt ive Wiederaüfbau-PÄitik Europas nur durch Kontinentaleurypa selbst möglich ist, daß dafür dieses Kontinentaleuropa alle Kräfte anspannen sollte, und daß es die Rot- wendigreit einer solchen Politik auch Frank­reich aus d e s s e n e i g e n st e n Interessen Her­aus so ^nachdrücklich wie irgend möglich deutlich .machen sollte!

te der PrsvinMhauptftM.

Gießen, den 20. August 1927.

Bsn Der Kunst, ganz da zu sein.

Von Reinhold Braun.

Wie hatte ich mich auf diesen Besuch gefreut! Vor mehr denn einem Iahrzehnt war der Mann mir brieflich näher getreten, hatte mir. indem er mir einiges über mein stilles Wirken schrieb, manche Liebe erwiesen. Run kam ich auf ein paar Stunden in die Stadt, in der er lebte, tunt) ich schrieb ihm von meinem Verlangen, ihn nun von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Er schrieb mir freudig wieder. Es war am nächsten Lage ein Fest in der Stadt, an dessen Zustande- kommen er an leitender Stelle beteiligt war. Auch ich hatte nur wenig Zeit, wollte aber währeiTd der halben Stunde, die ich mir für meinen Besuch zwischen meinen vielen Verpflichtungen gerettet hatte, ganz für ihn da sein. Ich traf einen zer- flatterten Menschen, der nur für das kommende Fest da war. nur für die kleinen und allerkleinsten Dinge der Heinen Stadt: er erzählte mir hundert Rebensächlichkeiten, und bei jedem zehnten Worte kam er immer wieder auf dir ungeheure Last zurück, die er mit dem Feste hatte, obwohl er alles aus reinerFreiwilligkeit" tat. Kein Wort des Persönlichen, keines der Tiefe, obwohl der Mann ein Amt inne hat, das nur mit dem See­lischen zu tun hat! Ich kam überhaupt nicht zu Worte. Wie ein Wasserfall kam alles über mich.

Ia, wie hatte ich mich auf diesen Besuch ge­freut! Ich hatte auf ein schönes, reiches, wenn auch kurzes Erlebnis mit einem Menschen gehofft! Eine zerflatterte, recht alltägliche Viertel­st '. nde lag hinter mir, denn ich ging früher, als ich ursprünglich vorhatte, weil ihm die Korrektur einer Vortragsfolge ins Haus gesandt wurde.

Ich hatte einen Menschen erlebt, der trotz seines Amtes am Menschen und trotz seines reifen Mannesolters immer noch nicht die Kunst gelernt hatte, für einen anderen, und sei es auch nur ganz kurz, ganz da zu sein! Er hätte seinen) Berufe nach zu denen gehören müssen, die Ruhe geben müssen, Frieden, Vertiefung, Sonne, Klar­heit ...

Ich mußte an einen anderen, an einen Mann von großer Bedeutung für das Wirtschaftsleben, einen der fraglos Meistbeschäftigten in Deutsch­land denken! Welch ein Mensch von Geschlossen­heit, Klarheit, sonnigem Wesen! Wenn ihn sein Weg dann und wann in unser Haus führt, dann heißt es gleich:Also, ihr lieben Menschen, eine halbe Stunde habe ich Zeit! Aber die wollen wir genießen und uns aneinander freuen!" Dann schenkt dieser Mann uns sein ganzes Herz: dann ist er wirklich einmal ganz für uns da und damit für sich selbst. Denn es ist ein schönes Her­

über und Hinüber von Seele zu Seele! Und aus welch einem Wirbel von Arbeit und Verantwor­tung kommt der zu uns: was wartet in der nächsten Stunde vielleicht an bedeutungsvollen Entschlüssen auf ihn! In dieser halben Stunde ist er ganz da! Darum weiß er auch um die Kunst, wahrhaft zu leben, edel zu genießen, aus frohem Herzen zu schenken: darum wird er wahrhaft geliebt, und wo er erscheint, freuen sich die Menschen! Seine Gegenwart erfrischt, führt in die Höhe, wird immer wieder ein neues Erlebnis. In jener kleinen Stadt des schmerzlichen Erlebnisses lernte ich noch den Festredner dec kommenden Feierlichkeiten kennen, einen Mann, der in sich mehrere große, verantwortungsvolle Aemter ver­einigt! Auch hier, welch eine wohltuende Ruhe, innere SchönhÄt und Klarheit! Und wie demütig im Gegensatz zu dem Manne meines schmerz­lichen Erlebnisses! Wie schlicht sagte er, als ich ihn fragte, wie er das alles mit solcher Heiter­keit und Frische schaffen tonnte:Das ist nicht mein Verdienst! Der Himmel hat mir die Gabe der Umschaltung verliehen! Allerdings habe ich auch mein Bestes getan, um sie zu festigen und zu stärken!"

Auch hier war mir einer, ebenso wie der Freund unseres Hauses, begegnet, der infolge einer ernsten Innenkultur und einer willens - vollen Steigerung der Fähigkeit, ganz da zu sein, zu den (Starten gehört, zu denen, die ent­weder Ia oder Rein sagen, die wissen, was sie wollen, die in dem, was sie sagen und tun, den ganzen Menschen schenken und darum nachhaltig und tief wirken, die aus Persönlichkeit Reichtum und Wucht sind, schönes, mächtiges, liebesreiches Lebendigsein! Menschen, die Vorbilder sind, ohne daß sie es wissen, weil ihre Art ihnen als ein Richv-anders-können, als eine Selbstverständlich­keit erscheint, von der zu reden völlig über­flüssig ist!

Das Ohr als Ursache des Ertrinkens.

Während man früher fast alle Todesfälle schwimmkundiger Personen auf plötzliches Ver­sagen des Herzens zurückführte, hat man in den letzten Iahren erkannt, daß ein anderes Organ recht häufig die Ursache des Ertrinkens bildet. Und zwar hat man bei einer Reihe Verunglück­ter Schädigungen des Trommelfelles gefunden.

Unser Ohr beherbergt außer den Horvor- richtnngen noch den Gleichgewichtsapparat, der uns die Orientierungen im Raume gewährleistet. Auch beim Schwimmen unter Wasser und beim Tauchen, tritt dieses Organ in Tätigkeit. Doch wehe, wenn das Gleichgewicht gestört ist dann irrt der Schwimmende unter der WMserobep- fläche umher, er findet den Weg nach ooen nicht, er sinkt und ertrinkt. Bei Menschen, deren Ohr völlig gesund ist, wird ein derartiges Vorkomm­nis nicht zu befürchten sein: wohl aber bei Per­sonen, deren Trommelfell wasserdurchlässig ist. Mgn glaubt gar nicht, wie viele Menschen es gibt, deren Trommelfell kleine schadhafte Stellen austveisen, ohne daß sie davon auch nur eine Ahnung haben. Denn diese Schädigungen sind meist die Ueberveste von Mittelcchreiterungen, bei denen es zum Eiterdurchbruch oder zum Durchstechen des Trommelfells gekommen ist. Da die Betreffenden diese Erkrankungen gewöhnlich in frühester Kindheit überstanden haben, so ver­steht man, weshalb ihnen diese übrigens sonst keinerlei Beschwerden oder Hörstörungen ver­ursachendenLöcher im Trommelfell" völlig unbekannt sind. Derartige'Perforationen" sind es also, die die Träger beim Tauchen ufw. in schwere Gefahr bringen.

Im Experiment kann man Nachweisen, daß ein Mensch mit schadhaftem Trommelfell, dem man kaltes Wasser in den Gehörgang laufen läßt, sofort sein Gleichgewicht verliert und sich nicht mehr im Zimmer zu orientieren vermag. Das gleiche ist der Fäll beim Schwimmen unter Wasser und beim Tauchen: sofort wenn das Wasser durch das durchlöcherte Trommelfell ein» gedrungen ist, geht der Schwimmer des Gleich­gewichts verlustig, er dreht sich unter Wasser im Kreise, wird schwindlig, es kommt infolge» dessen leicht zum Erbrechen, das unter Wasser stets zum Tode führt: denn bei jedem Versuch zum Atmen, werden Wasser und Erbrochenes in Luftröhre und Lungen hineingezogen und die Folge ist Ersticken.

Deshalb ist es unbedingt erforderlich, daß jeder Schwimmer, vor allem jeder Schwimman­fänger sein Ohr untersuchen läßt, und wenn er bei einem Sprung ins Wasser hart auf ein Ohr aufgeschlagen ist, so soll er gleichfalls sein Ohr daraufhin Nachsehen lassen, ob nicht das Trommelfell verletzt worden ist. Personen, bei denen Trommelfellschäden gesunden werden, müs­sen große Vorsicht walten lassen, und niemals das feuchte Element aufsuchen, bevor sie nicht das geschädigte Ohr durch einen mit Oel ge­tränkten Wattepfropfen wasserdicht abgeschlossen haben. Wenn diese einfach durchzuführenden Rat­schläge stets befolgt werden, so ist mit Sicher­heit zu erwarten, daß die Statistik der Unfälle beim Baden erheblich absinken wird.

Z u der Jahrestagung des Ver­bandes weiblicher Jugend in Hessen, die morgen hier stattsindet, werden ungefähr 1600 Mädchen aus allen Teilen des Hessenlandes, ge­führt von den Dereinsleitern und Vereinsleiterm- nen, hier eintreffen. Acht Mädchengruppen wer­den morgens von 1 bis 8 Uhr an verschiedenen Plätzen der Stadt geistliche Lieder fingen; sie wer­den besonders an den Orten singen, die etwas abseits vom Verkehr liegen. Um 10 Uhr sinden in beiden Kirchen die Festgottesdiensie statt. Um Vr2 Uhr stellt sich der Festzug auf OSwaldsgarten auf, er wird sich unter Mitwirkung von Po­saunenchören durch die Reustadt, Bahnhofstraße, Westanlage, Seltersweg, Gvethestt'aße. Süd­anlage nach dem Trieb bewegen, wo im Freien Ansprachen gehalten, Lieder gesungen, Spiele und Reigen aufgeführt werden. Die Schlitzer Mädchengruppe wird einen Reigen in der Schlitzer Tracht darbieten. In den letzten Jahrzehnten hat man sich innerhalb der evangelischen Kirche der Fürsorge für die Heranwachsenden Mädchen eifrig angenommen, hier gehen die Bestrebungen dahin, die weibliche Jugend religiös und sittlich zu festigen, ihr aber auch zur edlen Freude zu ver­helfen. Es ist klar, daß für den moralischen Auf­bau unseres Vaterlandes die weibliche Jugend ganz besonders in Betracht kommt: denn diese Jugend ist berufen, später einmal das Familien­leben in deutsch-christlichem Sinne zu pflegen.

" D i e Staatliche Betriebskran­kenkasse für den Dolksstaat Hessen hatte ihre > Delegierten für den letzten Mittwoch zur Aus­

schußversammlung (Jahresversammlung) in das . ErholungsheimZur Post" in Jugenheim an der Bergstraße eingeladen. Auch Gießen hatte seine Vertreter, 7 an der Zahl, dorthin entsandt. Da ab 1. Januar 1927 die neuen Aerztelarife in Kraft getreten sind, so war eine Erhöhung der seitherigen Beiträge nicht zu umgehen. So wur­den die Beiträge der Pflichtmitglieder von 6l/t auf 7 Prozent und die der freiwilligenMitglieder, 'das heißt solcher, bei denen im Falle einer KranEeit die Kasse keine Barleistungen gewährt, von 3 auf 4 Prozent erhöht. Um die Erweite­rung des Erholungsheims vornehmen zu können, wurde beschlossen, pro Kopf und Woche siir ein Mitglied einen freiwilligen Beitrag von 3 Pfennig zu erheben. Man nimmt aber an und hofft drin­gend, daß auch der Arbeitgeber, der hessische Staat, der Kasse eine Unterstützung gewährt, wenn auch nur pro Mitglied und Woche 1 Pf. Dient doch das Erholungsheim in erster Linie der Erholung und Gesundung der beim Staate angestellten Personen. Man hofft, in nächster Zeit etwa 160 Betten im Heime auf stellen zu können. Auch die Beratung neuer Statuten wurde vvrgenommen und diese genehmigt. Die Besichti­gung des Heims verlief zur allgemeinen Zu­friedenheit.

* Zinsverbilligung für Boden- verbesserungsdarlehe n. Das Reichs­ministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat nach Benehmen mit den Landesregierungen Richtlinien für die Verbilligung des Zinssatzes von Bodenverbesserungsdarlehen herausgegeben. Danach stellt die Reichsregierung in den Jahren 1927 bis 1931 je sechs Millionen Mark zur Zinsverbilligung zur Verfügung. Zinsver­billigung können erhalten Genossenschaften oder Einzellandwirte. Die Verbilligung erfolgt der­art, daß der Landwirt für fünf Schonjahre nicht mehr als vier v. H. Zinsen neben einem Verwaltungskostenzuschlag von höchstens 0,5 v. H. für das aufgenommene Meliorationskapital zu zahlen hat; der darüber hinausgehende Zins­betrag wird ihm aus Reichsmitteln vergütet. Die " Zinsverbilligung wird nur für Darlehen gewährt, deren Zinsfuß, Auszahlungshöhe usw. angemessen ist. Welche Kreditanstalten der Me­liorationsunternehmer für Die Darlehnsgewäh- rung in Anspruch nehmen will, bleibt ihm über­lassen: evtl. ist die Rentenbankkreditanstalt be­reit, Meliorationsdarlehen zu gewahren.

** Pvlizeischießen. Zum erstenmal wird in diesem Jahr mit Genehmigung des Mini­sters des Innern ein hessisches Polizeischiehen, offen für alle Polizei-, Gendarmerie-, Kriminal- und Kommunalbeamre Hessens durch den Hessi­schen Polizeifftortverein durchgeführt. Schon jetzt liegen zahlreiche Meldungen aus ganz Hessen vor. Durch wertvolle Strftungen von Ehren­preisen der Behörden und der Industrie wird allen Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, sich in den Besitz dieser hohen Auszeichnungen zu setzen. Meldungen zu diesem Schießen können näh bis zu den Schteßtagen abgegeben werden.

Oberhessen. Landkreis Gietzen.

* Lang-Göns, 19. Aug. Die Ernte- arbeiten sind hier durch das anhaltende Regen­wetter noch sehr im Rückstand. Von den einzelnen Fruchtarten ist bis jetzt nur ein Teil Gerste ernge- fahren, wahrend der getarnte Roggen noch auf dem Acker steht. Weizen uno Hafer steht noch größten­teils auf dem Halm und liegt wie gewalzt am Boden; bei der anhaltenden Nässe sind die Aehren schob gekesmt. Auch bei den Kartoffeln tritt schon viel Fäulnis auf.

:: Aus dem Busecker Tal, 19. Aug. Die Ernte arbeiten sind durch das Einsehen der derzeitigen schlechten Witterung vollständig zum Stillstand gekommen. Die Früchte einer Jahresarbeit stGen auf den Feldern und können nicht eingebracht werden. Hier tmö da fangen die Körner bereits an zu keimen und auszu­schlagen: Korn und zum großen Teil auch Weizen stehen auf Haufen, Gerste liegt geschnitten auf dem Acker und der größte Teil des Hafers steht noch auf dem Halm. Ein gebracht ist fast noch nichts. Die Dreschgarnituren stehen an ihren Standorten wasserdicht abgedeckt und harren der Zufuhr. Hoffentlich hat Der Wettergott bald ein Einsehen und schickt den so nötigen Sonnenschein.

t Treis a. d. Lda., 19. Aug. Heute nach­mittag entlud sich über unserer Gemarkung ein schweres Gewitter mit starkem Sturm un-D mit Hagel untermischtem Regenschauer, so daß die Landwirte, die mit dem Ausrichten der um» gefallenen Kornhausten beschäftigt waren, eiligst dem schützenden Dorf zueilten. Dabei rannte eine ältere, schwerhörige Frau mit über dem Kopf gehängten Rock an einem Eisenbahnübergang blindlings gegen den letzten Wagen des gerade vorüberfahrenden Zuges, wurde umgestoßen und zur Seite geschleudert, kam aber wie durch ein Wunder mit zwei geringfügigen Kopf­wunden davon.

:: Beuern, 19. Aug. In der jüngsten G e - rneinderatssihung lag Dem Gemeinderat Plan und Kostenvoranschlag betreffend Erbaue ung eines Denkmals für unsere ge­fallenen Krieger zur Beratung vor. Sei­tens des Hessischen Hochbauamts war Daurat B r ü ck e l anwesend. Rachdem dieser alle tech­nischen Fragen an Hand der vorliegenden Pläne eingc : j dargelegt hatte, beschloß Der Gemeinde­rat, das Denkmal zur Ausführung zu bringen und die Pläne in unveränderter Form airzu- nehmen. Die Arbeitsvergebungen waren bereits vom Hochbauamt ausgeschrieben: die Maurer- unD Erdarbeiten erhielt Der Maurermeister Friedrich Wagner von hier für den Pauschal­preis von 1330 Mk. Die Steinhauerarbeiten wer­den von Den hiesigen Meistern Fuhr und Damm ausgeführt unter Verwendung der hie­sigen Lungsteine. Die Dildhauerarbeit wurde unserm hiesigen jungen Künstler W. Arnold (Schöpfer des 116er-Denkmals in Gießen) über­tragen für 4100 Mk. Dankbar wird anerkannt, daß der Künsller für die vier großen Figuren- Reliefs nur zwei in Bezahlung nehmen will. Die übrigen zwei will er seiner Heimatgemeinde! kostenlos ausarbeiten und Herstellen. Der Ge­samtkostenvoranschlag beträgt rund 10 000 Mk. Die Arbeiten sollen nächstes Frühjahr in An­griff genommen und so gefördert werden, daß mit der Fertigstellung und Einweihung des Denkmals zu Pfingsten 1928 gerechnet werden kann. 53 Kriegsopfer hat unsere kaum 1000 Ein­wohner zählende Gemeinde zu beklagen. Unsere Badeanstalt in der Michelbach wurde vor etwa drei Wochen fertiggestellt und erfreute sich eines regen Zuspruchs. Für die Schulen soll demnächst auch Schwimmunterricht erteilt werden, den Lehrer Kahle vorläufig über­

nehmen will. Unser Verkehrsautvbe- trieb regelt den Verkehr nach Station Großen-» Buseck zu fast allen Zügen und erfreut sich einen immer zunehmenderen Benutzung.

Y Lich, 19. Aug. Wie Der Vorstand Des Vereins für Volksbildung nritteilt, wird Die Gießener WalDbühne, unter Der Leitung von Prof. Bernbeck - Gießen, am 3. September hier einen Goethe-Abend veranstalten. Reben deklamatorischen und musikalischen Dar­bietungen werden zwei Einakter (Die Ge­schwister" undDie Laune des Verliebten") auf Der Vortragsfolge stehen. Man sieht Dem Abend hier mit großem Interesse entgegen.

* Lich, 19. Aug. Am nächsten Dienstag, 23. August, wirb hier ein Orgelkonzert Konzertorganisten Adolf Wieder aus Halle a. d. S. stattfinden. Man beachte die Ankündigung im Anzeigenteil.

5p Lich, 19. Aug. Der hiesige Manner­gesangvereinCcicili a", der am 9., 10. und 11. Juni n. I. anläßlich seines 90jährigen Bestehens einen großen Gesangswettstreit plant, hat jetzt den Delegiertentag für dieses Fest fest­gelegt. Es ist der 8. Januar 1928 dazu ausersehen.

# Hungen, 19. Aug. Gestern unter­nahmen die beiden Oberllassen der hiefigen gewerblichen P f licht f vrt bil du ng s- schule unter Führung der Gewerbelehrer Gei­ger und Hübner von Ridda einen Lehr- ausflua nach Frankfurt a. M. Ange­schlossen hatte sich auch Der letzte Jahrgang Der Gewerbeklassen Der Fortbildungsschule La ubach: insgesamt waren es 54 Schüler. Reben Der Besichtigung moderner Wohnungs­anlagen wurde dem Stadion ein Besuch abge­stattet und sodann noch der Zoologische Garten und der Römer besucht. Wegen Zeitmangels mußte Der vorgesehene Besuch Der Musikausstelllmjg unterbleiben.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 19. August. Vorgestern sand eine Stadt verordneten! ihungstatt. Der eine Besichtigung des Wasser- turmneubaues vorausging. Hier erläuterten Baurat Lorenz vom Kulturbauamt und Daurat Metzger vom Hochbauamt die technischen und architektonischen Anlagen an. Hand von Plänen und Skizzen. Der Turm, der ein prachtvoller Aussichtspunkt werden wird, wird eine Höhe von 38 Meter haben. Zum ersten Male wird bei der Anlage Wasser aus den Werken von ßouterrt und Inheiden zusammen verwandt. Eine um­fangreiche Schieberkammer ermöglicht es, die bei­den Leitungen bei etwaigen Störungen sofort auszuwechseln. Die Stadtverordnetensitzung wurde vom Beigeordneten Kommerzienrat Langs­dorf geleitet. Ein Gesuch um Strvmzu- führung zu einigen Häusern der Ockstädter Straße wird genehmigt. - 'Sie Rieself eld- anlage in der Glckch wird an den seitherigen Pächter auf drei Jahre weiterverpachtet. Die Klärbrunnen sollen noch in diesem Jahre errichtet werden. Ein Geländetausch mit der Reichsbahn wird vom Kollegium genehmigt. Auf Wunsch der israelitischen Gemeinde wird David Krämer in die Friedhofskommtssron hinzugewählt. Der israell tischen Gemeinde werden zukünftig zu Llnterhaltungsarbeiten auf ihrem Friedhöfe 40 Proz. Der von ihr zu zahlenden Begräbnisgebühren vergütet. Das Rat­haus, das zur Zeit von innen und außen neu hergerichtet wird, soll nach Vorschlägen des Denk­malpflegers, Geh. Rat Walbe, durch einige Aenderunaen an der Fassade verschönt werden. Für Die Landesausstellung, die die Landwirtschaftskammer demnächst in Darmstadt veranstaltet, stiftet die Stadt einen Ehrenpreis im Werte von 100 Mk. Die Schutzpolizei hat in diesem Jahre die Stellung von Hilfs­feldschützen für die Zeit der Obsternte ab- gelehnt Dte Stadt mußte deshalb selbst einen solchen für zwei Monate verpflichten. Die Angelegenheit der Zementlieferung für den Reubau des städtischen Wasserturms, Dte schön öfters die Oeffentlichkeit beschäftigt hat, ist durch Vergleich erledigt. Für das Hess. Künstlerthea ter wird eine Unterstützung genehmigt.

sf. Friedberg, 19. Aug. Am Mittwoch­abend fand hier eine Besprechung statt unter Leitung des Stadtverordneten Rektor Koch zwischen Vertretern der hiesigen Schulen uno verschiedener Vereine und dem Direktor des Hess. Künstlertheaters, Sitz Frankfurt am Main zwecks Maßnahmen zur Förderung dieses älnternehmens. Nachdem Direktor Hans Meißner seine Pläne in längerer Ausführung entwickelt hatte, entspann sich eine sehr lebhaft» Aussprache. Es soll eine Theatergemeinde, möglichst unter Anschluß an Den VolksblldungA- verein, gegründet werden. Endgültige Beschluss« wurden noch nicht gefaßt.

4 Bad-Rau heim, 19. Aug. Zugunsten Der durch Unwetter Geschä digten in Hessen fand gestern abend tm Großen Hause eine Sonderveranstaltung der Bad- und Kur­verwaltung statt. In den Dienst Der guten Sache hatten sich Der GesangvereinFroh­sinn" und der Turnverein von 1860 gestellt. Den musikalischen Teil hatte das Frank­furter Harmonie-Orchester übernommen. Der GesangvereinFrohsinn" bot unter der bewähr­ten Leitung von Oberreallehrer Dechtols- Heimer trefflich wiedergegebene Lieder von Hein, I. Werth, Zöllner, Brahms, Grippekoven und Hansen. Der Turnverein 1860 führte unter seinem Turnlehrer W. Sinn well rhythmische und gymnastische Hebungen der Turnerinnen und Turner und einen Säbelreigen der Fechter vor. Großen Anllang fanden auch die Darbietungen Der Knaben- und Mädchenabteilung des Vereins. Der gute Zweck der Veranstaltung und Die Güte Der Vorführungen hätten einen besseren Besuch verdient.

Kreis Büdingen.

Ridda, 19. Aug. Der Umsatz von Heu Der diesjährigen Ernte ist noch immer sehr gering, das Geschäft ist lustlos. Es wer­den 1,80 bis 2 Mk. pro Zentner bezahlt. Rach altern Heu, das sofort verfüttert werden kann, ist Rachfrage vorhanden. Es werden dafür 3Mk. pro Zentner geboten. Mit Der zunehmenden! Einführung von Kohlenöfen und -her- Den in den ländlichen Haushaltungen hat das Brennholz seine Bedeutung von ehemals ziem­lich verloren. Daran sind auch die Holzpreise, Die Das Doppelte Der Friedenszeit übersteigen, nicht unbeteiligt Selbst für das Losholz, dessen Preis kaum unter Dem Der freien Verfiel gerungen liegt, ist nicht mehr allgemeines Interesse vor­handen, zumal es meistens in entfernten ®iftra­ten angewiesen wird, wo Der hohe Subrlopn OerteuemD wirkt Da anzunehmen ist, Daß em