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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

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Das Dritte Reich.

Don Dr. Paul Rohrbach.

Es gab ein Wort, das in der Epoche, wo int 17. Jahrhundert das moslowitische Zarentum langsam zur Großmacht heranwuchs, in der sla­wischen Welt zwischen Wolga und Adria in Umlauf gesetzt wurde:drei Rom hat es ge­geben: das erste Rom war das Rom der° saren, das zweite war die Stadt Konstantins, das dritte Rom ist Moskau und ein viertes wird nicht sein!" Die Slawophilen haben das Wort vom dritten Rom immer aus den Beruf des orthodoxen zarischen Rußland zur Welt­herrschaft gedeutet. Der Serbe Krishanitsch, von dem es stammt, meinte damit die Heber» tragung des Anspruchs auf die Weltherrschaft erst vom Abendland auf das orientalische By- »nnz, dann von Byzanz auf das rechtgläubige Rußland. Es war die Theorie von der Weiter­leitung geschichtlicher Missionen und Kulturen. Wenn man will, steckt darin eine Art Vorweg­nahme der Spenglerschen Idee vom Verlauf der Weltgeschichte, in primitiverer Fassung.

Wir wollen uns weder mit Svengler noch mit Krishanitsch über die Theorie des Ge­schichtsverlaufs auseinandersetzen. Krishanitschs drittes Rom bemüht sich heute ja nach Kräften, jene alle Prophetie wahr zu machen wenn auch in einem Sinn, an den der alte Serbe stcher nicht gedacht hat, und Spenglers Theorie muß sich seit kurzem die Konkurrenz der Rassen- forschung" gefallen lassen, die eine einfachere Er­klärung für den Untergang so vieler geschichtlicher Kultur geben zu können glaubt, als das my­stische Axiom von den Alterserscheinungen der Kultur. Dagegen möchten wir in einem anderen, uns Deutsche näher angehender, Sinn von einem Dritten Reich sprechen: in Anknüpfung an das Wort eines Verstorbenen, Ernst Troeltsch, und gn das jüngst gefallene eines lebenden aktiven Politikers, des Abgeordneten v. Lindeiner- Wildau.

Man weih, was für ein Befremlien es erregt hat, daß aus reichsdeutschen Kreisen unlängst Worte verlauteten, die wenig freundlich für den Gedanken des österreichischen Anschlusses klangen. Als darauf aus Oesterreich eine Anfrage mit der Ditte um Aufklärung kam, hat Herr v. Lindeiner- Wildau die Antwort in Form eines persönlichen Bekenntnisses gegeben, das den Halbheiten in der Anschlußfrage unzweideutig entgegentrat. Es lautete: Das dritte deutsche Reich wird ein grohdeutsches Reich sein, oder e s wird nicht sein! Darin liegt die Lleber- zeugung enthalten, daß der deutsche Staat nicht anders Bestand haben wird, als wenn er die auf geschlossenem deutschen Volksboden außer­halb unserer heutigen politischen Grenzen woh­nenden Deutschen, zunächst und vor allem also die deutschen Oesterreicher, in sich aufnimmt. Wird das in der Tat die jetzt bevorstehende deutsche Entwicklung sein? Troeltsch, an den wir eben erinnerten, hat in einer wenig bekannten kleinen Arbeit über die geschichtlichen Elemente der deutschen Kultur die feine und große Be­merkung gemacht, daß das deutsche Volk, im Unterschiede zu andern Völkern, eine wieder­holte Jugend gehabt hat. Das erinnert daran, was Schiller in dem erst lange nach seinem Tode ans Licht gekommenen Fragment über denTag des Deutschen" sagt: Alle Völ­ler hätten denTag", das heißt diejenige Epoche in ihrer Geschichte gehabt, wo sie ihre Hoch­leistung für den Bau der Menschheit zustande brachten, der Tag des Deutschen aber währe immerfort, denn alle Tage finde der deutsche Geist den Zugang zu dem waltenden Weltgeist, dem Absoluten.

Man sieht die Verwandtschaft, aber man sieht auch den Unterschied zwischen den beiden Gedanken. Schiller urteilt als idealistischer Philo­soph auf der Höhe des geistigen Zeitalters der Deutschen. Troeltsch wirft als Historiker, der den Zusammenbruch des zweiten Reichs, der Bismarckschen Gründung, erlebte, einen Blick nach rückwärts in die deutsche Geschichte, und findet dabei das, was er die sich wiederholende Jugend des deutschen Volkes nennt. Vielleicht kann man cs ablehnen, wenn dabei das ganze Germanentum

Südliche Zeitung.

Don Gustav W. Eberlein (Rom.)

Man soll nur nicht glauben, bloß wir nüch­ternen Nordländer hätten unsere Sensationen. Hs ist ja richtig, Daß unsere Zeitungsspalten von Pultdeckelkonzerten, parl amentarischen Faust­kämpfen ' id politischen Ueberfällen widerhallen, 1 sie sich cd und laut mit gewissen mensch­lichen Erregungszuständen, die man gemeinhin <ls Wählfieber bezeichnet, beschäftigen. So fehlt rs nie an Unterhaltung.

2km heutigen Italien dagegen leiden wir in dieser Hinsicht an chronischem Stoffmangel, was <ben auf den vollständigen Mangel an Parteien, Parlamenten und Wählen zurückzuführen ist. Doch erst im Feuer zeigt sich der tüchtige Soldat rnd in der Zeit der Ereignislosigkeit der ge­borene Journalist. Es kommt ja nicht auf die ^ute Rotiz an, sondern auf die Kunst, die Schrift 3U stellen, so zu stellen, daß der Leser ein Er- dgnte sieht, wo der Schriftsteller nichts ge- Ichen hat. Die Romanen können das. Und wie!

In der Cicerostraße zum Beispiel wird ein <6tüd Käse gestohlen. Wie viele nüchterne Zellen würden Sie darüber in den Treuenbriehener Neuesten Rachrichten lesen? Im großen Morgen- Natt der ewigen Stadt aber eine nahrhafte Spalte, nein, zwei, um die kolossale Blockschrift Biber beide sehen zu können, wie einen Architrav:

Der Parrnigiano mit der Träne bringt einen Jüngling zum Weinen, der anncchm, es handle sich um ein Geschenk.

Wenn der Parmesan gut ist, dann weint er, wie alle Guten weinen. Zuwellen ergreift die Rührung auch andere, so daß auch die Rachbarn weinen. Und so ist es geschehen, daß die süßen Tränen des Parmesan andere Tränen, bittere, weckten in seinem lieben Nächsten.

Die wehmütige Episode hat sich gestern abend um fünf Uhr in der Via Cicerone 26 abgespielt, im Geschäft von Lorenzo Fiamma. Im Schaub fenfter ruhte oder thronte vittrnehr ein schöner Stein echten Parmesanerkäses, dieser Blüte der Emilia, die sein Vaterland ist, wie Paris das des Champagners. Seine herrliche, leicht ge­wölbte Form zog die bewundernden Blicke der Passanten auf sich, denen das Wasser im Munde zisarnmenlief. Einer unter ihnen, einer jener!

der Völkerwanderung herangezogen wird, das die abendländisch-römische Welt erst zerschlug und bann umschuf, denn viele von jenen Stämmen sind untergegangen und können, wie die West­goten oder die Vandalen, nicht als Vorfahren des heutigen deutschen Volkes betrachtet werden. Auch dann aber, wenn wir uns auf den Boden des heutigen Deutschland beschränken, behält das Wort feine Richtigkeit. Die Kultur des sächsi­schen, fränkischen und staufischen Zeitalters, die von den Anfängen der romanischen Baukunst bis zum Nibelungenlied und zu den Figuren der Dome von Naumburg und Bamberg führt, war eine echte Jugend- und Hochleistung des deutschen Volks. Mit ihrer Vlüte und ihrem Schwung können sich die folgenden Jahrhunderte in Deutschland nicht messen.

Dann erfolgte eine neue, mächtige Leistung in dem Jahrhundert der Reformation. Huttens

Wort:ES ist eine Lust zu leben" spricht mehr aus, als das Hochgefühl des Renaissancemen­schen: es ist das Wort eines Deutschen, der eine große deutsche Zeit erlebt. Hierauf folgt die Verschüttung durch den Dreißigjährigen Krieg und die Herrschaft des französischen Twistes im 18. Jahrhundert. Aus ihr erhebt sich beinahe unvermittelt das Zeitalter, in dem durch den deutschen Geist auf allen Gebieten die neuen Grundlagen der geistigen und seelischen Bildung der Welt gelegt wurden. Selbst ein Franzose wie Taine hat anerkannt, daß die Deutschen in dem halben Jahrhundert ihrer klassischen Blüte­zeit in jeder Kunst und jeder Wissenschaft bahn­brechend waren.

Diese Blütezeit war das dritte JuLendalter des deutschen Volkes. Von ihm führen (durch

stillen Helden des Alltags, die niemand kennt, bemerkte vor dem Schaufenster ein Individuum, das in Bewunderung des Parmesan, um nicht zu sagen in Andacht, versunken war. Der arme Kerl weckte sein Mitleid.

Der gefällt dir. was? Der würde dich in diesem Augenblick glücklich machen?

Der andere nickt nur stumm mit dem Kopf, während ihm die Tränen kamen.

Nun, so werde glücklich damit!

älnd der unbekannte Philantrop nimmt den ganzen großen Stein, Blüte der Emilia, in seine Arme und überreicht ihn dem strahlenden armen Teufel. Dann gebt er bescheiden, mit dem guten Gewissen des Mannes, der eine rühmliche Tat begangen, seines Weges. Der andere schaut ihm verwundert nach und trollt sich mit seiner süßen Last davon.

Aber die menschenfreundliche Idylle wird leider gestört durch den Verkäufer der piizicheria, Ferdinands Simono, der das Verschwinden des Käses bemerkt hatte, dem neuen Besitzer sich auf die Fersen heftete und ihn an der Ecke der Via Lucrecio Caro einholte, worauf er ihn mit Hilfe anderer Bürger auf die Polizeiwache begleitete, samt dem parrnigiano. Dort wurde er verhört: Er war Domenico Galanti, 24 Jähre, von Ca- ftellammare bei Neapel, wohnhaft in der Dia bei Coronari 158.

Also, du hast diesen Parmesan gestohlen!

Gütiger Himmel, nicht doch! Ich habe nichts gestohlen, ich bin ein ehrlicher jungen Mann, mag es mir auch die Polizei noch so oft bestreiten!

Was, nicht gestohlen? Bist du mit dem Käse im Arm ertappt worden oder nicht?

Das schon, aber den Käse habe ich geschenkt bekommen. Ein Herr hat mich gefragt, ob ich ihn gern hätte. Ach wie gern, antwortete ich. Und da ist er hineingegangen und hat ihn mir gebracht. Ich habe den Hut gezogen, habe ihm mit einer Verbeugung aus tiefstem Herzen ge­dankt und--

So geht die Geschichte noch eine halbe Spalte weiter, mit einem unnachahmbawn Aufwand von Interpunktionen, Einrückungen und Scchverzierun- gen aller Art. Offenbar wird dieser Reporter nach Zeilen bezahlt, für jede einen Stein echten Parmesaner, Blüte der Emilia ,..

die Niederungen des Materialismus!) die Heber- gange zum zweiten Reich. Das erste hat im Kamps mit dem Papsttum und dem Willen der deutschen Stämme zum Eigenleben geendet: das zweite, siebenhundert Jahre später, im Welt­krieg. Das dritte, so hören wir, soll großdeutsch fein, oder es wird nicht fein. Wird noch eine vierte Jugend kommen, die sich mit politischer Schaffenskraft aus dem Zusammenbruch erhebt? Das Dismarcksche Reich war machtpolitisch ge­waltig: ideenpolitisch litt es an der Schwäche des Verzichts auf den arohdeutschen Gedanken. Das Hindernis der habsburgischen Monarchie, die Deutsche und Slawen. Magyaren und Ro­manen zusammenkoppelte, ist hinweggeräumt. Das Versailler Diktat, das den Anschluß verbietet, ist ein Zwirnsfaden, wenn ihn siebzig Millionen Menschen im entscheidenden Augenblick wollen. Wenn etwas der deutschen Revolution von 1918

noch nachträglich einen Inhalt geben kann, in dem sich das ganze deutsche Volk über alle Parteiunterschiede hinweg einig erhoben fühlt, s0- ist es der großdeutsche Gedanke. Wie anders stände er schon heute da, um wieviel nähe» wären wir vielleicht schon dem dritten Reich, wenn nicht Ende 1918, als die österreichischen Abgesandten in Berlin erschienen, den zehn deut­schen Volksbeauftragten der Mut gefehlt hätte, den Anschluß zu proklamieren! Mochten die Alliierten das geeinte Volk dann wieder aus­einander reihen die Einigung wäre ein Er­lebnis gewesen, das nicht mehr in Frage gestellt werden konnte.

Das dritte Reich, wenn es kommt, wird für uns ein Zeugnis dafür sein, daß die gestaltungs­mächtige Jugendkraft des deutschen Volkes sich

Sonderbares Abenteuer eines Bürgers, der ein Bad nehmen will.

Wieder zwei Spalten. Ziehen wir nur den Extrakt heraus:

..Der Verkehr auf dem Corso erlitt gestern abend bei der piazza in Lucina, 6 Uhr, eine Unterbrechung. Eine enorme Menschenmenge staute sich an der eisernen Rollwand des Bade- Hauses Cobinachi. Einige Passanten hatten merk­würdige Geräusche gehört, verzweifelte Hilfe­rufe und ein wütendes Klopfen. Wie ein Lauf­feuer verbreitete sich das Gerücht, in dem ge­schlossenen Badehaus müsse jemand sein, und bald fingen ein paar Männer an, an die Rollwand und die Fenster zu klopfen, um sich mit dem Eingeschlossenen zu verständigen. So entwickelte sich unter heftigem Hin- und Hergeschrei ein sonderbarer Dialog, der von der Menge fröh­lich kommentiert wurde. Ein Herr von ziemlich kleiner Statur, elegant gekleidet, der was wir später festgestellt haben eine Brille trug, war gegen 4 Uhr zu Cobianchi gegangen, um ein Bad zu nehmen. Um 5 Uhr wird das Lokal ge­schlossen. Das Personal nun vergaß den Be­sucher, der ruhig eingeschlummert war, löschte das Licht und lieh den Rolladen herunter. Gäne halbe Stunde später scheint der Unglückliche auf­gewacht zu sein und muhte sich wohl oder übel abfinden, sich im Dunkel anzukleiden. Dieses Dunkel überraschte ihn, wie aber wuchs sein Erstaunen, als et die Türe, die er mit unerhörter An­strengung erreichte, geschlossen war! Zu allem Unftern hatte et nicht einmal Zündhölzer ein- stecken, so daß er auf Geratewohl gegen den ^000ben toben mußte in der Hoffnung, eine milleidige Seele werde ihm zu Hilfe kommen.

Inzwischen wuchs die Menge auf dem Platz immer mehr an, und endlich erschien ein Polizei- beamtet, Der an Cobianchi zu telephonieren be­schloß.

Pronto, Signorina, sagte der Beamte am Telephon, verbinden Sie mich mit Cobianchi.

Ecco, Cobianchi. Hören Sie, Signor Cobianchi, ich bin von der Polizei. In ihrem Dadehaus ist jemand eingejchlossen. ...

Ma, perdio! Der Cingeschlossene bin ja ich!

Sie Signorina vom Telephon hatte den Poliz^imann mit dem Badehaus verbunden. Der Eingeschlossene hatte f^h auf das Anlauten nach

Mahnung zur Hindenburgspende

Reichsarbeicsminiftcr Dr. Brauns:

Eine Spende zum 80. Geburtstag unseres hochverehrten Reichspräsidenten Hindenburg wird stets eine Herzenssache unseres ganzen Volkes sein. Sie wird es doppelt und dreifach sein, weil ihr Ertrag jenen zugute kommen soll, die Leib und Leben für uns und unser Vaterland geopfert haben: den Rriegsbeschädivten und Hinterbliebenen unserer gefallenen Helden.

Adenauer, Oberbürgermeister der Sradc 2^öln:

Selbstlose Liebe zum deutschen Volke, treueste Erfüllung der erkannten Pflicht: das ist unser Hindenburg.

Wilhelm von Scholz:

Dies ist das Schöne an der Hindenburgspende: sie trägt den Namen des verehrten Reichsoberhaupres, aber der Reichspräsident ist nur ideell der Beschenkte. Den unglück­lichen Kriegsopfern, denen die Spende zugute kommen soll, ist auch er Geber.

Gaben für die Hindenburgspende werden angenommen in der Ge­schäftsstelle desGießener Anzeigers", Gießen, Schulstraße Vir. 7.

Samstag, 20. August 1927

abermals erneuert hat. Es wird kein drittes Vorn sein, dessen Machterbe sich von Volk auf Q3olt übertragen soll, sondern eine Leistung der sich immerfort erneuernden deutschen Volkskraft: aus der alten Wurzel und auf dem alten Boden, Der den Deutschen im Herzen Europas seit Jahr­tausenden gehört.

Außenpolitische Umschau.

Von Professor Dr. Otto H 0 eysch, M. d. R.

Die europäischen Staatsmänner bereiten sich auf Genf vor. Ueberall sind die Parlamente in den Ferien, und die Kabinette haben einmal zunächst Ruhe vor sich. Wie ist die gesamte Weltlage, wenn jetzt die Völkerbundsfragen an sich und das, was außerhalb der Völkerbunds- fragen in Gens regelmäßig besprochen wird, im Hinblick auf die kommende Tagung überlegt werden?

Die Vorwärtsbewegung des chinesischen Südens ist nicht in gleichem Tempo weiter­gegangen. Das große Ergebnis liegt weniger Darin, daß sie nach Schcmtung und nicht allzu­weit von Peking vorgedrungen ist, sondern daß deutlich die Trennung von allem, was nach Kommunismus ausfieht, vollzogen ist. Die Ge­nerale haben sich von Moskau getrennt, und Borodin ist wohl inzwisch:n wieder in Rußland angekommen. Aber auch Die Kuomintangpartei hat sich von der Kommunistischen Partei Chinas getrennt und beschuldigt diese, ebenso wie die hinter ihr stehende Kommunistische Partei Ruß­lands, des Komplotts auch gegen Kuomintang. Das ist ein Erfolg Englands, Dem aber Eng­land selbst weder durch Macht noch durch Politik irgendwie entscheidend mitwirken kann. Eine posi­tive Politik in China gegenüber diesem Ringen um volle Selbständigkeit und Unabhängigkeit hat England so wenig gefunden wie die anderen. Nicht Japan, das von eigenen inneren Nölen gehemmt nur sehr zögernd in Nordchina vorge- gangcn ist, und nicht Nordamerika, das sich nach wie vor auf Die alten erprobten Programm­punkte seiner Chinapolitik beschränkt hat. Die Wirkung Dieser chinesischen Entwicklung auf Die Weltlage ist. Daß weder für Japan noch für Nordamerika im Augenblick mit akuten Schwie­rigkeiten und Fragen dort gerechnet zu werden braucht, und für Europa wichtig ist, daß die englische Politik gegen Rußland in sich schwächer wird. War doch dafür neben Den innenpolitischem Motiven ein Hauptmotiv, Daß England in China überall den Moskauer Kommunismus am Weicke sah oder sehen wollte. So wird sich über diese Brücke hin der englisch-russische Gegensatz einiger­maßen wieder entspannen.

Ob von dieser Entspannung Der Weg zu einer Verständigung zwischen Englandund Ruß­land gefunden wird, für die Chamberlain in seiner letzten Unterhausrede immerhin die Tore offengehalten hat, ist noch nicht zu sehen. In England sind starke Kräfte vorhanden. Die Anti- rußlanDfront zustande zu bringen, wenigstens wirtschaftlich und finanziell, obwohl der Han­delsausweis für Juni keine Verminderung des Wirtschaftsverkehrs zwischen England und Rußland zeigt. In Rußland verquickt sich die Frage mit Den undurchsichtigen Auseinander­setzungen Der Kommunistischen Partei, und Rian blickt zugleich mit Hoffnung und tn Der in Moskau üblichen Weise auf Zwistigkeiten *er an Deren Seite. Allen Ernstes rechnet man tu Moskau Damit, England und Amerika gegen­einander ausspielen zu können, deren Gegen­sätzlichkeit mit Dem Scheitern Der Genfer Konferenz man in Moskau gleich übermäßig hoch diskontiert.

Diese außerordentlich wichtigen Vorgänge strahlen indes nur ziemlich gebrochen nach Europa hin. Europa nützt der gegenwärtige Stand der chinesischen Bewegung nichts, und auch nicht, was England daraus und aus seinem Verhältnis zu Amerika für sich zieht. Europa sieht vor allem, daß Nvdamerika sich mit europäischen Angelegenheiten zu befassen noch weniger Lust hat als bisher schon, und daß Die immer un­klarer werdende amerikanische Wahlbewegung jedenfalls n i cht von heute auf morgen zu einer wirklichen Hilfe für Europa führen wird. Und

Dem Telephon getappt, es enDlich gefunden und mußte nun eine Nachricht hören, Die ihm sicher nicht neu war.

Fuori, fuori! schrie die Menge. Raus, raus! Und schlug auf den Rolladen ein, als ob Der arme Gefangene sich ein Vergnügen auS seiner Haft mache.

Zwei Stunden lang Dauerte Der Tumult, nur zuweilen Durch die Stimme des Gefangenen unterbrochen, Der nach Neuigkeiten verlangte....

Nun, überspringen wir eine weitere Stunde Der Schlacht. Abends 8 Uhr kam endlich Die Be­freiung, undwie eine Springflut stürzte sich Die Menschenwoge ins Badehaus, holte unter nicht endenwollenden Beifallsstürmen Den Mann heraus und trug ihn im Triumphe bis zum Cafe Qlragno, wo ihn endlich ein Auto Der Volksbegeisterung entriß."

Das kleine Mädchen.

Don Marie-Henriette Steil.

Es war eben erst aus Den Wolken gefallen unD wußte noch nichts von Den Realitäten Der Welt.

Das kleine Mädchen sah im Garten mitten auf dem Wege und grub mit einem langen, rostigen und verbogenen Nagel ein Loch in Den Boden.

Das tat es aber nicht gedankenlos und bloß so zum Spiel. Nein, es arbeitete im Schweiße seines Angesichtes, stöhnend vor Anstrengung. Ein Loch wollte es graben, so tief, bis man bl Die Hölle sieht. Vielleicht sieht man Dann nicht nur Die Flammen, fonDem wenn man Glück hat, auch Den einen oder Den anderen Teufel.

Nun war das Loch mindestens zwei Hand­breit tief, lange brauchte man wohl nicht mehr zu graben. Das Eisen fühlte sich schon ordentlich warm an, sicher von Der nahen Höllenglut...

UnD jetzt Der Schreck Die Er De, Die Der Nagel heraufbeförderte, war nicht mehr braun, fonDern ziegelrot, wie Feuer. Nun wurDe Die Geschichte gefährlich. Man roch schon Den Schwefel...

Das kleine Mädchen lief in Die äußerste Ecke des Gartens, wo einige Pflastersteine fageft, schleppte unter Aufbietung aller Kraft Den größ­ten herbei unD warf ihn auf Das fürchtälichq Loch Uff!

Nun war Die Welt gerettet! T