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füllbach bei Kvburg ist gestern nachmittag völlig abgebrannt.

D.e Daldbrände in Lüdfrankreich.

Die Waldbrände in der Gegend von Cannes und Toulon, die man als beendet angesehen hatte, sind aufs neue ausgcbrochen. Militär steht zu» Hilfeleistung bereit. Bei Gassin sind mehr als 500 Hektar Wald verwüstet. Das Feuer soll auf Brand­stiftung zuriickzuführen fein. Man hat eine Unter­suchung eingeleitet, um die Schuldigen festzustellen. Das PariserJournal" meldet aus Ajaccio, die Po­lizei habe einen Schäfer verhaftet, der beschuldigt werde, die Waldbrände auf Korsika verursacht zu haben. Er soll seine Schuld eingestanden haben.

37 Arbeiter ertrunken.

Aus Manila wird gemeldet: In der Mündung des Possig,Flusses auf der Insel Luzon kenterte ein Schleppdampfer. Es wird angenommen, daß 37 Ar beiter ertrunken sind. 56 Personen wunden gerettet.

uiis der proviirzialhcmptstadt.

Gießen, den 20. August 1927.

Der Zwischenfall

bei der Versassungsfeier.

Die die Berliner Blätter berichten, hat sich der Reichswehrminister am Donnerstag mit den Berichten über die Zwischenfälle bei den Berfassungsfeiern in Gießen und Donaueschingen, w-o in beiden Fällen Ange­hörige der Reichswehr die Feiern verließen, be» schäl rigt. Die Entscheidung des Reichswehr­ministers ist gestern ergangen: sie wird von der Berliner Presse und vom W->lsf-Dureau in ge­kürzter Form inhaltlich veröffentlicht, von dec Frankfurter Zeitung" dagegen in nach­stehendem Wortlaut mitgeteilt, Ben wir bei dem besonderen Interesse für diese Angelegenheit hier folgen lassen:

Rach den Richtlinien der Reichsregierung sollten überparteiliche Feiern zu Ehren des Derfassungstags stattfinden. Der Reichs­wehrminister hat, als er diese Richtlinien den Truppenteilen belanntgab, besonders auf diesen Punkt hingewiesen. Deranstal- tungen, auf denen die Redner auf partei­politisches Gebiet übergehen, haben die Reichswehrangehörigen bestimmungsgemäß zu verlassen. 3jj Gießen sowohl wie in Donaueschingen wurden parteipolitische Reden gehalten und nicht Ausführungen gemacht, die überparteilich am Gründungstag der Repu­blik der deutschen Volksgemeinschaft dienen soll­ten. In Gießen machte der Redner eine abspre­chende Bemerkung über den Herrn Reichspräsi­denten und kritisierte Mitglieder der Reichs- rr icrung. Der Bericht des hessischen Poli­zeiamtes Gießen sagt über die Rede:Don einem großen Teil der Festteilnehmer wurde die Rede des Professors Hüter als eine ein­seitige, parteipolitisch auf reizend wirkende Rede bezeichnet, die für eine Der- fassungsfeier durchaus unangebracht war und m i stb i l l i g t wurde." In Donaueschin­gen griff der Redner die Reichswehr auf das heftigste an und sprach u. a. von einem Vorge- sehteuuppacat, der nicht aus lieber«eugung, son­dern um des Mammons willen der Republik diene, und dehnte diese Art der Kritik auch auf den Reichswehrminister aus. Da beide Reden unzweifelhaft parteipolitischen In­halt haben, hatten die Offiziere bestim­mungsgemäß die Feiern zu ver­lassen."

Wir können dieser Entscheidung des Reichs­wehrministers nur voll und ganz z u st i m m e n. denn sie wird dem tatsächlichen Sachverhalt in Gießen in ausgezeichneter Weise gerecht.

Erweiterung des städtischen Wasserrohrnetzes.

Um den mancherlei Klagen über unzureichende Wasserversorgung in verschiedenen Stadtteilen, hauptsächlich in den Außenbezirken, wirksam abzu« helfen, wird die Stadtverwaltung in den nächsten Mönaten eine umfangreiche Erweiterung des städtischen Wasserrohrnetzes vor nehmen lassen. Nach die>er Erweiterung werden dann überall gute und ausreichende Druckverhältnisse herrschen, die ein befriedigendes Funktionieren der Wasserlieferung gewährleisten werden.

Nach dom jetzigen Stande der Anlage sind in un­serer Stadt drei Dr u ck z o n e n der Wasserversor­gung vorhanden, und zwar eine Niederdruck-, eine Mitleid ruck- und eine Hochdruckzone. Die Nieder­druckzone wird mit Wasser aus den Quellen bei Gro- ßen-Bufeck und im Schiffenbergerwald versorgt, die Mitteldruckzone bekommt das Wasser aus dem Hoch­druckbehälter bei Annerod, der von Queckborn her gespeist wird, die Hochdruckzone wird aus der Lei­tung von Queckborn unter Umgehung des Hochdruck- behälters direkt versorgt. Die Leitung von Queckborn nach Gießen wurde im Jahre 1893 verlegt, also zu einer Zeit, in der an das Wasserwerk infolge der geringeren Einwohnerzahl unserer Stadt usw. noch nicht so hohe Anforderungen gestellt wurden wie heute. Das Wachstum der Einwohnerzahl und die Wasserlieferung an Großabnehmer führten dazu, daß in den Jahren 1913/14 die Zuleitung von Queck- born bis zum Hochbehälter bei Annerod erweitert, d. h. eine zweiteLeitung neben die bereits vor­handene verlegt wurde. Dadurch mar es möglich ge­worden, die Wasserversorgung der Stadt bisher hn großen und ganzen zufriedenstellend durchzuführen.

Jedoch haben sich in der jüngsten Zeit derart starke Anforderungen an das Wasserwerk eingestellt, daß mit der jetzigen Rohrleitung dem Bedarf nicht mehr zu jeder Zeit voll entsprochen werden konnte. Um ausreichende^ Abhilfe zu schaffen, soll nun von dem Hochbehälter bei Annerod aus eine neue Zuleitung zur Stadt mit Rohren von größerem Durchmesser geschaffen werden. Hierzu werden Rohre mit einer lichten Weite von 400 Milli­meter verwandt. Die neue Zuleitung wird durch die Kaiferallee, Moltkestraße, Dftanlaae geführt, von der Ecke Ostanlage-Walltor aus wird dann eine 200- Millimeter-Rohrleitung durch die Marburger Straße zum Wiesecker Weg gelegt werden. Die neue Ablage wird es ermöglichen, daß alle Straßen an der Peri­pherie der Stadt das Wasser künftighin durch Hoch­druck zugeleitet erhalten, während gegenwärtig die Wasserrohrleitungen in diesen Straßen unter Nie­derdruck stehen. Der Niederdruckbezirk, der jetzt die ganze Innenstadt und die Außenbezirke im Norden, Nordosten und Nordwesten umfaßt, wird nach der Fertigstellung der neuen Rohrleitung auf die eigentliche Innenstadt verkleinert werden. Die Folge davon wird sein, daß dann in allen Bezirken gleichermaßen ausreichende D r u ck oe r h ä l t n i s se herrschen, durch die eine ausreichende Wassermenge im Vorrat stehen und die Versorgung in zufriedenstellender Weise gewährleistet wird.

Das umfangreiche Projekt ist dieser Tage von der Feriendeputation der Stadtverordnetenversammlung genehmigt worden. Mit der Durchführung dieser be­grüßenswerten Erweiterung wird alsbald begonnen. Man hofft, die neue Zuleitung bis zum 1. M a i nächsten Jahres fertigzustellen. Dann werden unsere Hausfrauen selbst an heißen Tagen über mangelnde Wasserversorgung nicht mehr zu klagen hab«,.

Gicßcner Wochemnarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 bis 200, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 130, Wirsing 12 bis 20, Weißkraut 10 bis 20, Rotkraut 20 bis 25. gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25 bis 40, Römischkohl 10 bis 15, Dohnen (grüne) 10 bis 20, (gelbe) 15 bis 25, Erbsen 20 bis 30, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 15, Meerrettich 100,

Rhabarber 10. Pilze 25 bis 30. Kartoffeln 6, Frühäpfel 12 bis 40, Falläpfel 6 bis 8. Birnen 12 bis 30. Stachelbeeren 25, Johannisbeeren 35, Brombeeren 50. Preiselbeeren 55, Pflaumen 10 bis 20, Zwei schon 20. Mirabellen 40 bis 65, Reineclauden 30 bis 40, Honig 45 bis 50. junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Eier 13 bis 14, Blumenkohl 20 bis 120, Salat 10, Salatgurken 10 bis 50, Einmachgurken 3 bis 5, Endivien 10 bis 30. Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 20. Radieschen (Bund) 10 Pfennig.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag: 224er: 8V2 Ähr,Auerhahn", Svnnenstraße, Ver­sammlung. Palast-Lichtspiele:Die lustige Witwe". Astoria-Lichtspiele:Das Todes­lasso".

T a g e s k a l e n d e r für Sonntag: Dafcnllons-Weltkämpfe: 3.30 llfjr nachm. Uni­versitäts-Stadion, 8 Ahr: Volkshalle, Militär- konzert und Tanz. RuderklubHassia" 1906: 4 Ahr nachmittags auf der Lahn bei der Schüßler- sch-en Bleiche Wassersport. Lichtspieltheater wie Samstag.

** Der neue G ießener Pvlizeichef. Regierungsrat Wolf vom Kreisamt Gießen hat nach seiner durch das Hessische Staatsmini­sterium erfolgte Ernennung zum Pvlizeiches im« feret Stadt am 15. August sein neues Amt angetreten.

* D i e Hindenburg-Spende. Es be­stehen, wie beobachtet wird, vielfach noch Zweifel über den Zweck der Hindenburg-Spende. Ihnen gegenüber wird festgestellt: D.e Ehrengabe, wie sie in Gestalt der Hindenburg-Spende dem Reichspräsidenten aus Anlaß seines demnächstigen 80. Geburtstages dargebracht werden soll, will er ungekürzt und ausschließlich zugunsten von Kriegerwcrisen und Veteranen verwenden. Diese schon vor längerer Zeit belanntgec;ebene Erklärung des Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg schließt die Verwendung der Mittel der Hinden­burg-Spende oder auch nur eines Bruchteiles von ihnen zu einem anderen Zweck als dem angegebe­nen aus. Der Verwendungszweck der Hinden­burg-Spende dürfte damit endgültig feftgestellt fein. Die Geschäftsstelle der Hindenburg-Spende, Berlin NW 40, Scharnhorststraße 35, hat sich der dauernden Aeberwachung durch die Deutsche Re- visions- und Treuhand-A.-G. unterstellt. Sie ist im übrigen bereit, jedem sachlich Interessieren an der Hand ihrer Unterlagen alle gewünschten Auskünfte zu geben. Sie fühlt sich zu diesem Angebot um so mehr genötigt, als bedauer­licherweise auf Grund unkontrollierbarer An­gaben in der Oeffentlichkeit der Versuch unter­nommen wird, die eingangs gekennzeichneten Zweifel über den Wohlfahrtszweck der Hinden- burg-Spende zu nähren.

** Straßensperre. Wegen Vornahme von Hausanschlußarbeiten wird die Goethestraße zwischen Südanlage und Löberstraße von Montag, 22. August, ab bis auf weiteres gesperrt.

** Zur Hilfeleistung für die An- wettergeschädigten im Vogelsberg haben die Abg. Dr. von Helmolt, Fenchel, Glaser usw. im Landtag folgenden Antrag eingebracht: Am Mittwoch dem 2. Juli d. I., ist im Vogels­berg ein schweres Hagelwetter niedergegangen. Betroffen wurden weite Strecken der Kreise Schotten und Lauterbach, z. B. die Gemarkungen Eichelfachsen, Wingershausen, Eschenrod, Dusen- born, Frischborn, Dirlamen, Eichenrod u. a. Das Wetter hauste furchtbar. Die Hagelkörner, die an manchen Orten ein Gewicht von 50 bis 70 Gramm hatten, zerschlugen nicht bloß die Fruchternte und das Obst, sondern fügten auch den Gebäuden in den Dörfern erheblichen Schaden zu. Die Be­troffenen sind zum weitaus größten Teil nicht versichert. Wir beantragen daher, die Regierung zu ersuchen: 1. den Schaden amtlich so rasch als möglich feststellen zu lassen, 2. das betroffene I

Gebiet zum Rotstandsgebiet zu erklären und dem- entsprechcnd steuerliche Erleichterungen cintrctcn 3U lassen, 3. den Schwergeschädigten mit Gewäh- mng von Saatgut oder in sonstiger Weise zu helfen."

_ ** Gegen d i c D e c k e h c s 0 c d n u n g im Scltersweg wandte sich am Mittwochabend eine Zweite, von dem in dec ersten Versammlung gewähl­ten Ausschuß einberufene Versammlung der inter­essierten Anwohner des Selterswegs. In der sehr gut besuchten Versammlung wurde mitgeteilt, daß die Mehrheit des Ausschusses den Beschluß gefaßt habe, mit allen zulässigen Mitteln die Aufhebung der Polizeiverordnung zu betreiben. Die Versamm- lung wollte auch bei der Stadtverwaltung in der Angelegenheit vorstellig werden; für den zur Zeit beurlaubten Oberbürgermeister ließ sein Vertreter erklären, der Oberbürgermeister sei bereit, nach feiner Rückkehr den Ausschuß zu empfangen. Die Versammlung war mit dieser Verzögerung, aus der ihr geschäftliche Nachteile erwachsen, nicht ein­verstanden und beauftragte den Ausschuß, eine ein- stimmig gefaßte Protestentschließung bei der Stadt einzureichen und dabei die tatsächlich eingetretene Schädigung der Geschäftsleute am Seltersweg er­neut vorzutragen. Es wurde darauf hingewiesen, daß man mit der Verhandlung der Angelegenheit an zuständiger Stelle nicht bis zur Rückkehr des Oberbürgermeisters warten könne.

* Das zweite und letzte Sonder­konzert unserer Reichswehrkapelle findet am Dienstag, 23. August, abends 8'/» Ahr auf der Liebigshöhe statt. Es sei d'.eferhalb noch­mals darauf hingetbiesen, daß dies das letzte Konzert vor dem Abtransport 3um Truppen­übungsplatz ist.

Der Strahenbahnverkehr am morgigen Sonntag. Für die Teilnehmer an der Rheinfahrt stehen morgen früh von 6.15 Ähr an drei Sonderwagen ab Marktplatz zur Verfügung; abends 10 Ahr werden vier Wagen am Bahnhof bereitgestellt. Ebenso werden morgen abcnd nach Schluß des Konzertes in dcr Volkshalle Sonderwagen der Straßenbahn zur Verfügung gehalten.

* Probealarm. Wie uns mitgeteilt wird, findet in den nächsten Tagen ein Probealarm der Feuersirene statt. Ein Grund zur Beun­ruhigung liegt also beim Ertönen der Sirene nicht vor.

** Bürgervereinigung Gießen- Sachsenhausen. Der in weite» Kreisen der Gießener Bevölkerung bekannteSachsenhäuser Verein", der im Jahre 1888 gegründet wurde und durch den Krieg bis vor kurzem nur noch als Spiel­klub bestand, ist wieder unter tatkräftigem Werben einzelner Männer, im besonderen des Polizeibeamten Karl D i r l a m m, zu neuem Leben erwacht. Der Verein ist parteipolitisch vollkommen neutral und be­tätigt sich nur kommunalpolitisch. Die Mitgliederzahl hat heute schon 100 weit überschritten. In der letz­ten Generalversammlung wurde die Restauration Zum Fischerhof" in der Schützenstraße als Ver­einslokal bestimmt und der Vorstand, dem Herr Di Hamm als 1. Vorsitzender angehört, gewählt. Auch wurde noch beschlossen, daß in diesem Jahr, nicht wie in früheren, eine Kirmes, sondern ein Aus­flug aufTextors Terrasse" stattfinden soll. Mit dem Aufleben des Vereins dürfte wohl wieder ein Stück Alt-Gießener Vereinstätigkeit zu neuem Leben er» wacht sein.

* Baulnspektor Heinrich Matheis feiert heute fein 25jähriges Dienstjubiläum beim hiesigen Stadtbauamt. Seit der Anlage der Straßenkanäle vorn Jähre 1902 beschäftigt ist er auch heute noch tn der betreffenden Ab­teilung verdienstvoll tätig. Außer In seinem Be­ruf wirkt Herr Matheis tn verschiedenen dem öffentlichen Interesse dienenden Vereinigungen, und bet seiner Rüstigkeit ist zu hoffen, daß er noch lange seine Tätigkeit ausüben kann.

Weitere Lokalnachrichfen im 2. Blaff.

Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein.

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