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Mittwoch, 20. Zuli 1927

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

Nr.167 Drittes Blatt

Aus dem Reiche der Frau

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sich

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verrichten.

Es ist aber in neuerer Zeil in bezug auf die Wäsche nicht gar so schlimm mehr als ehedem. Da gibt es Dampf-Waschanstalten, die uns manche Mühe ersparen. Die geweichte und geseifte Wäsche wird hineingebracht und im Danipfkessel in ein bis zwei Stunden fertig gewaschen. Man wartet gleich darauf, nimmt die reine Wäsche wieder mit und spült und trocknet dann wie gewöhnlich zu Hause. Bei genauerer Berechnung kommt man sogar in

Selbstverständlich steht bei der gegenwärtigen Jahreszeit Las Jackenkleid unt> der Mantel im Hintergrund der Interessen, aber im steten Wan­del ist der Himmelsbogen und das Wetter auch, und wer weih, wie bald man wieder auf die von augenblicklichen Sonnenstrahlen Verdrängten zu­rückkommen wird. Als Sommermantel steht an erster Stelle der natur- und buntfarbene Kasha- Mantel, natürlich ist der weihe Flauschmantel wie jeden Sommer beliebt, auch das weihe Jacken­kleid ist für hochsommerliche Zwecke äußerst ele­gant. Im übrigen sind die schneeweihen Tennis- Neider und bunten wasch- und lichtechten Leinen­kleidchen neben den Chiffon-, Crepe de Chine- und Voile-Kleidern zweckmäßig, kleidsam und jugend- lich, denn die Sommersonne fragt nicht nach Ele­ganz und Modevorschrift, unter ihrem Kuh zer- flieht die schönste Linie, und nur die wirklich zweckmäßige Gewandung hält ihrer Strahlenglut stand. Darum ist bei der Wahl der neuen Som­merkleider immer daran zu denken, daß man sich auch gegebenen Falles in der Hihe darin bewegen kann, die Kürze allein machts nicht! -

suchungsmethode können die lästigen Absperrungs­maßnahmen. Unterbrechung des Schulbesuches usw. bisweilen bedeutend abgekürzt werden.

Waschtag.

(Nachdruck verboten.)

Der Waschtag braucht kein Umsturztag zu sein, ... dem sich Baler und Kinder verkriechen- es liegt nur an demwie", an der ganzen Einteilung dieses Tages, damit er nicht zur Quai wird.

Wohl jede Hausfrau wendet eine andere Wasch­methode an, und jede meint, gerade diese sei die allerpräktischste, sei es nun. daß sie selbst die Arbeit besorgt, oyne daß sie eine Hilfskraft dazu in An­spruch nimmt. Letzteres ist leider in vielen Fa­milien nicht mehr möglich, da die teure Lebenshal­tung Sparsamkeit zur Pflicht macht. So muß manche Frau, die sonst nie zu waschen brauchte, jetzt selbst am Waschfaß stehen und die unangenehme Arbeit

Buttermilch.

Von Marie Reuter.

Buttermilch ist wohl das gesündeste Getränk, was wir besitzen und sollte darum, daß es nach dem Volksmund neunerlei Krankheiten zu heilen ver­mag, besonders im Sommer, wo heiße Suppen so­wieso wenig 'Anklang finden, auch für die Gesunden ausgiebigst auf den Tisch kommen. Zum Mittagessen nach dem Fleisch und Gemüse getrunken, zum Abendbrot zu Bratkartoffeln, statt süßer Milch zu Butterbrot, gibt.es kein besseres, durststillenderes und kühlender^s Getränk. Buttermilch hält sich außerdem, falls nicht sogleich alles verbraucht wer­den kann, tagelang im kühlen Keller frisch. Für Hausfrauen auf dem Lande, die die Buttermilch von einer oder mehreren Kühen verbrauchen müssen, gibt es noch so viele andere Verwertungsmöglich­keiten für diese, daß es jammerschade ist, wenn nur ein Teil davon gerade so viel zum Frischtrinken nötig ist im Haushalt verwandt wird, während alles übrige zum Schweinefutter geschüttet wird. Zum Anrühren von Bratensaucen, von Kochklops, Frikassee und Aehnlichem ersetzt sie vollkommen die saure Sahne: zum Anrühren von Kochfischen (Hecht, Aal, Schlei, Karausche), von Brot- und Sauerampfersuppen ist sie der Sahne sogar vorzu­ziehen, da sie die Speisen nicht so fett und unver­daulich macht. Nach dem Stampfen dem Kartoffel­brei statt süßer Milch beigefügt, zu Schmor- und Zwiebelkartoffeln, zu Heringssauce, in Ermange­lung von reichlicher Sahne als Zusatz zum Salat, zum Anteigen von Buttermilchpliusen, der Butter- milchkuchen, die, als dicker Pfannkuchenteig in der Setzeierform in etwas Butter gebacken, ganz vor­züglich schmecken, und schließlich noch zu Butter­milchspeisen findet sie eine ausgezeichnete Verwen­dung. Sollte man aber noch einen Rest alter But­termilch übrig behalten, so dient er zum Einlegen von rohem Kalb-, Rind- und Hammelfleisch für einen Braten, das sich dann, in einen Topf gelegt und mit kleinen Tellern beschwert, so daß die Flüs­sigkeit übersteht, selbst im heißen Sommer tagelang frisch erhält.

Ein gutes Butter Milchspeisen - Rezept ist folgendes: Zwölf Gramm rote Gelatine wird in einer Tasse mit zwei Eßlöffeln kochendheißen Was­sers vollständig aufgelöst, in dem man die Tasse

Praktische Winke fürs Wochenende.

Von Käthe V r u n s.

Mit dem Einsehen der warmen Jahreszeit drängt es den Großstädter unwiderstehlich ins Freie. In Berlin fand eine große Wochenend- Ausstellung statt, auf der man all die verschiede­nen Möglichkeiten studieren konnte, billig und ausgiebig die karg zugemessene Freizeit anszu- nutzen. Durch die Einführung der Sonntags­fahrkarte. ausgedehnt von Samstag mittag vis Montag früh, sollen die Transportmittel ent­lastet werden und vor allem den Familien mit Kindern ermöglicht werden, schon früh am Sonn­tagmorgen draußen zu fein. Vach und nach werden sich viele irgendwo ein bescheidenes Wochenendhaus, eine solide Wohnlaube zum Uebernachten oder dergleichen errichten, andere werden bei Freunden oder Verwandten für den Samstagabend Unterfunft finden, wieder andere versuchen es mit dem romantischen Zelte, das in Amerika so beliebt ist. Immer aber entsteht für die Hausfrau die Frage: Wie verpflege ich meine kleine Gesellschaft während dieser 36 Stunden.

Diese Frage entsteht schon, wenn man draußen nicht übernachtet, sondern nur am Sonntag früh für den ganzen Tag ausfliegt. Soll die Haus­frau am Sonntag etwa schon bei Morgengrauen aufstehen, um eine unglaubliche Menge Butter­brote zu streichen und zu belegen? Das ist eine teure Verpflegung! Außerdem werden belegte Brote schon nach wenigen Stunden trocken oder matschig. Das Fett zieht ein und man braucht viel Flüssigkeit, um sie herunterzuspülen. Das bedingt also eine große Quantität mitzunehmen­der Getränke. Trotz märchenhaster Brotberge hat man nach einem solchen Tag im Freien an Der Butterbrotmahlzeit nicht genug. Soll nun die Mutter ettoai wenn sie selbst redlich ermüdet am Abend nach Hause kommt, sich mit Tischdecken und Kochen oder Aufwärmen plagen? Diel praktischer, nahrhafter und billiger ist ein großes Eintopf­gericht: Bohnensuppe mit Speck, Erbsensuppe mit Schweinefleisch, Gemüsesuppe mit Veis usw., am Samstag früh gekocht und in einer der neuen praktischen Kochkisten mitgenommen. Voraus­setzung ist natürlich, daß keine Wanderschaft be- absichtigt ist, sondern daß man mit der Bahn ins Freie fährt und es bis zur Unterfunft oder dem Lagerplatz nicht gar zu weit Han Diese Kochkisten, auch Speisenträger genannt, sind so leicht, haben Bezüge aus wasserdichtem Stoff, Riemen zu Tragen, so daß der Vater oder eins der größeren Kinder sie bequem trans­portieren kann. Sie halten das Essen 812 Stun­den warm. Gibt es dann noch einen kalten Pud­ding, je nach der Jahreszeit, weiß, rot oder grün, in der Dlechform mitgenommen, mit Saft oder draußen gekaufter frischer Milch, so ist der Magen gut versorgt und bedarf abends bei der Sjeimfefjr höchstens noch etwas Kartoffel­salat oder dergleichen. Die Ergänzung der Koch- lifte ist die überall bekannte Thermosflasche für Kaffee oder Kakao. Man soll sie nicht zu klein wählen. Wenn dann noch etwas Butterbrot und Kuchen vorhanden ist (das Brot am besten an­geschnitten, die Butter in gut schließender Dose mitgenommen), so ist die Verpflegung billig, be­quem und ausreichend, dabei leicht transportabel.

beschränkt. Die nächste Ausgabe der Serumforscher wird es sein, eine Methode auszuarbeiten, die wie die Pockenschutzimpfung, jahrelang, oder am besten zeitlebens, vor Ansteckung schützt.

Die Vorbeugung der Masern hat insofern ge­ringere Wichtigkeit, als diese Krankheit nach ihrem ganzen Verlauf wesentlich leichter und ungefähr­licher ist, als der Scharlach. Trotzdem kann es von Wichtigkeit sein, Kleinkinder von weniger als vier Jahren oder an sich schon schwächliche und kränk­liche Kinder vor Masernansteckung zu schützen. Auch hier ist im Rekonvaleszenten-Serum ein Mittel zur Lösung dieser Aufgabe gegeben. Der Schwierigkeit, die zur Herstellung des Schutzmittels notwendigen Blutproben Genesener zu erhalten, ist man an einigen Orten auf dem Wege des Tauschverkehrs Herr geworden: Jeder Arzt, der von einem bakte­riologischen Institut das Vorbeugungs-Serum ent­nimmt, verpflichtet sich, dafür eine kleine Menge Blut von einem genesenen Patienten abzuliefern. Für die Fälle, in denen ein Rekonoaleszentenserum nicht zu beschaffen ist, ist man auf einen sinnreichen Ausweg gekommen: Unter dem Gesichtspunkt, daß schließlich ziemlich jeder Mensch einmal eine Masern- ansteckung durchgemacht hat, kann man auch im Blute eines jeden Schutzstoffe vermuten. Es genügte daher, irgendeiner gesunden Person Blut zu ent­nehmen und dieses dem gefährdeten Kinde ein­zuspritzen. Jede Mutter wird selbstverständlich gern bereit fein, der gebotenen Gesunderhaltung ihres Kindes dieses kleine, vollkommen harmlose Blui- opfer zu bringen. Diese Bluteinspritzung bietet keinen vollkommenen Schutz gegen die Ansteckung, jedoch ist in allen Fällen, in denen trotzdem eine Erkrankung eintritt, ihr Verlauf ein ganz außer­gewöhnlich milder, und ist weiter für das gan.e fernere Leben ein Schutz gegen erneute Ansteckung geboten.

man von ihm verlangen und ertoarten kann: Genügend früh und in richtiger Dosierung an» gewendet, führt es schnell und sicher Entfiebe­rung und Abklingen der übrigen Krankheitser­scheinungen herbei und beugt, indem es die im Körper kreisenden Krankheitserreger und ihre Giftprodukte niederringt, dem Auftreten gefähr­licher Komplikationen vor. Der sogenannten Ana­phylaxie, der durch frühere Einspritzung andere Poren tterischer Herkunft erworbenen lieber- empsindlichleii. einer unangenehmen Begleit­erscheinung aller Serumbehandlungen, kann durch leicht auszuführende Vorsichtsmaßnahmen vor­gebeugt werden. Wenn auch für die verblüffend sichere Wirkung des Serums die frühzeitige Anwendung Bedingung ist. gelang es anderer­seits bisweilen noch, zu spät in einem trostlosen Zustand eingelieferte Kinder in über­raschend kurzer Zeit zu vollkommener Genesung zu bringen. Interessant ist es, daß die bakteriologisch- Erforschung der Schar­lacherkrankung auch neue, praktisch wichtige Ge­sichtspunkte über die Dauer der Ansteckungs­gefahr gegeben hat. Man nahm bisher ganz allgemein an, daß ein scharlachkrankes Kind noch lange Zeit, mindestens aber bis zur voll­kommenen Beendigung der. im Verlauf der Heilung auftretenden, Hautabschuppung als an­steckend zu betrachten ist. Jetzt hat sich heraus- qe stellt daß dieses Zeichen der absoluten Sicher­heit entbehrt, und an seine Stelle die bakterio­logische Untersuchung der Rachenhöhle zu treten hat. Fällt die Untersuchung der von dort ge­wonnenen Abstrich-Präparate dreimal hinter­einander negativ aus. so ist damit unabhängig von der Dauer der Krankheit oder dem Zustand der Schuppung ein sicherer Beweis erbracht, daß der Patient nicht mehr die Krankheit weiter übertragen kann. Durch diese sichere Unter-

Anders sind die Voraussetzungen, wenn eine Fa­milie ein kleines Wochenendhaus hat., mit be­scheidener Einrichtung, das sie regelmäßig auf­sucht. .

Hier muß eine gewisse Organisation einsehen, um mit Gedankenarbeit unnötige Lauferei zu er­sparen. Man macht sich eine Liste, auf der alle diejenigen Dinge vermerkt sind, die in größerer Menge angeschafst werden können, im Wochenendhaus verbleiben und nur nach Bedarf ergänzt werden: Kaffee, Tee. Kakao, Zucker, Salz, Seife usw. Außerdem hat man einen kleinen eisernen Bestand an Konserven: Milch, Würstchen, Fische. Keks, Reis, Hülsenftüchte. so daß man jederzeit ohne Vorbereitung hinaus- sahren kann, und auch ein paar unvermutete Gäste die Hausfrau nicht in Verlegenheit bringen. Dann hat man allwöchentlich nur das Eintopf­gericht mitzubringen sowie den frischen Proviant, Brot, Butter und Aufschnitt.

Alles was man an alter Wäsche hat, findet draußen Verwendung. Ebenso alte Kleider und altes Schuhzeug. Dann braucht man sich draußen nicht in acht nehmen. Die Kinder werden am liebsten barfuß laufen und das ist auch unbedingt das beste, denn Luft und Sonne sollen möglichst ungehindert an den Körper kommen. Im übrigen aber hüte man sich, andere alte Sachen, aus­rangierte Gebrauchsgegenstände, Vippsachen. die zu Hause übrig sind, nach draußen zu bringen. Sie tragen nicht zur Gemütlichkeit bei. sondern machen nur Arbeit. Das Wochenendhaus soll eben nur Zweckmäßiges enthalten, nichts^ als was man unbedingt zum Uebernachten gebraucht. Es braucht nicht luxuriös zu fein, nicht alles fo wie in der Stadtwohnung oder wie man es in einem teuren Hotel findet. In dieser Beschränkung liegt ein großer Erziehungsfaktor nicht nur für die Kinder!

Das Wochenende, wie es auch immer gestaltet wird, bedeutet für die Hausfrau eine ganze Menge Arbeit! Sie muß im voraus alles be­denken. besorgen und einpacken, was an Vahrung und Kleidung für die Familie nötig ist. Sie hat also fast eine zweite Wirtschaft, viel Kopfarbeit, manchen Extraweg. Denn wenn die Kinder aus der Schule, der Mann aus dem Geschäft kommt, soll alles fix und fertig dastehen. damit es gleich, losgehen kann. Draußen aber muß es Ehrensache sein, der Mutter die Arbeit abzunehmen. Tisch­decken. Abwaschen, mit möglichst wenig Geschirr, ist von vielen Händen rasch getan. Papierser­vietten und Pappteller verringern die Arbeit, Stiefel putzt sich jeder selbst, auch Betten und Waschgelegenheit werden sofort nach Gebrauch wieder in" Ordnung gebracht. Vach dem Ein­packen am Sonntagnachmittag ist das kleine Haus schnell ausgefegt und aufgewischt und versucht in beschauliche Ruhe bis zum nächsten Samstag, wo dann nur Staub zu wischen ist. Eine zweck­mäßige. Lüftung, die auch bei Regen und zuge- schlosfenem Haus geöffnet bleiben kann, verhin­dert den muffigen Geruch, der sich sonst so leicht in verschlossenen Räumen festsetzt. Gazefenster verhindern die quälende Mückenplage, und ein paar gute Bücher, einige Gesellschaftsspiele sor­gen dafür, daß auch an Regentagen nicht die gute Laune verloren geht, die ein Hauptfaktor des Wochenendes ist.

heutiger Zeit mit dieser Waschmechode nicht einmal sehr teuer fort, da das Feuerungsmaterial doch and, gerechnet werden muß. Wäscht aber die Hausfrau selbst, so darf sie nicht von dem Standpunkt aus- gehen,so oder so hat es meine Mutter gemacht" oderich bin es nun einmal fo gewöhnt", wie das vielmals Frauen sagen, sondern sie mögen das Waschen in der Weife auffassen, wie es wissen- fdjaftlid) als praktisch und leicht fördernd erprobt und erwiesen ist.

In erster Linie möge sich die Hausfrau den Tag von allem Störenden freimachen, das Effcn vor- richten, einholen und vor allem zeitig zu Bett gehen, damit sie am frühen Morgen frisch und rüstig ifi. Und nun ist zu beachten, daß ein möglichst gutes Einweichen des Schmutzes das beste Wafchmittel ist. Man weicht am Tage vorher die gut sortierte Wäsche in lauem Sodawasser, läßt sie so einige Stunden stehen, windet aus und seist die Stücke einzeln ein. Dann legt man sie in den Kessel, gut sortiert, damit schmutzige Küchenwäsche usw. gesondert bleibt, gibt Waschpulver und reichlich Salmiakgeist hinzu und feuert an. Doch soll die Wäsche nicht lange kochen, ein kurzes Aufwallen genügt. Man decke zu, lasse das Feuer abgehen und die Wäsche über Nacht in der Lauge ziehen. Am andern Morgen wasche man heraus, wobei man icht mehr zu reiben braucht, denn der Schmutz ist fast ganz aufgelöst. In der selben Lauge kann man unterdes die Küchenwäsche ankochen, dann reinige man den Kessel, setze eine frische Lauge auf, in welcher man die gewaschene Wasche noch einmal kocht. Große Aufmerksamkeit wende man dem Spülen der Wäsche zu, denn davon hängt deren Frische und Weiße bedeutend ab. Man brühe noch einmal mit reinem, kochendem Wasser und spüle in klarem Wasser gut nach. Hat man einen Garten oder Trockenplatz, so hänge man recht naß auf; natürlich muß das Spülwasser ganz rein fein. Hat man im Hause keine Trockengelegenheit, jo gibt es freie Trockenplätze genug, wo man die Wäsche der Sonne und den frischen Winden preisgeben kann. Auch bleichen sollte jede Hausfrau mindestens einmal im Sommer. Freilich gehört Fleiß und viel Aufmerksamkeit dazu. Besitzt aber eine Hausfrau diese Tugenden, dann wird ihr und den Ihrigen der Waschtag kein Schreckenstag fein! N.B.

Sommer und Mode.

Bon Leni Wüst.

Jetzt ist die Zeit da, wo Schwimmanzüge oder Lum mindesten schleierdünne Gewänder Mode- r rümpf sind. Ist der Pullover noch so schon, ein» ! xal muß man ohne ihn gehen! Der plötzliche I Sommerausbruch bedingt fein teilweises Ber- chwinden. An seine Stelle tritt der ärmellose leichte Jumper, meist bunt geflickt. Es ist über­haupt bemerkenswert, wie jeder Sommer die Mode der gestickten Kleider mitbrmgt. Vielleicht. Daf3 das allgemeine Buntwerden der Erde die Neigung zur bunten Stickerei entfacht, viel- ' i ächt daß die geschnorkelte Arabeske, die gezackte ! 25[ume das Weiß des Sommerkleides belebend unterbrechen soll? Es ist, als ob beim ersten schv- nen Sonnenwetter alle Handarbeiten der langen ! Winterabende machtvoll ans Licht drängten. Der Jumper ist bestickt, das leichte Laufkleidchen, die i Linse, die Ueberziehweste und sogar der Weiße ^Mantel trägt an den Taschen Stickereiornamentik. / Im Winter herrscht an der Llbendtoilette die Perl- und Pailettestickerei, im Sommer am Tages- mizug (auch am abendlichen Stilkleid) die Woll° oder Seidenstickerei. Also ist geschickten Händen die Möglichkeit gegeben, den Anzug nach persön- itchcin Geschmack und Kunstgefühl zu verschönern ixnb zu bereichern.

Aehnlich wie den Stickereifleibern geht es mit den buntgemusterten Voile- und Chiffon-Kleidern. Wiederum eine Kopie des draußen waltenden Sommers: Frau Erde schmückt sich mit leuchtenden Blumen. Frau Eva muß es ihr selbstverständlich gleich tun. (Was überhaupt gibt es auf der Welt, was eine Frau der anderen nicht nachmachen - möchte!) Also trägt man Blumenkleider, Kleider in einer so farbig flammenden Buittheit, daß die armen ecyken Blumen auf dem Kleid der Mutter Erde ganz blaß werden von all der Phantastik, die Üppig auf allen Stoffen blüht und prangt. Waren es im vorigen Jahr Streifen und Karos, f® find es diesmal Blumen wohin das Auge sieht; «großblättrige Rosen. bunt zusammengesetzte Sträuße. Ranken, die sich um irgendein ganz groß angelegte^ Karo, wie um ein Spalier schlingen isw. Diese Kleider sind mitunter sehr reizvoll und dusttg in ihrer wirklich sommerlichen Leichttgkeit und Lustigkeit, hauptsächlich, wenn sie von einem der großen Florentinerhüte ergänzt werden, die sich weich und glockig um den Kops bauschen. Aber man kann bereits, wenn man das Bild der Stra­ßen eingehender betrachtet, ein Zuviel an Dunt-- ? heit konstatieren: die Muster beginnen sich stark zu wiederholen, man kann ein und demselben Mu­ster sechs- und mehrmals in der verschiedensten Zarbenzusammensehung begegnen und das ermü­dende Gefühl einer blumigen Uniformierung bleibt haften.

Soviel über die augenblicklichen Kleidermuster: 1 in der Form hat sich vom Frühjahr bis jetzt noch nicht viel verändert. Der Gürtel spielt bei den diesjährigen Sommerkleidern eine nicht zu unter» schätzende Rolle. Entweder ist er aus gleichem - Stofs wie das Kleid und wird schärpenartig Um­gebungen, oder er stimmt mit der abweichenden Farbe des Rockbesatzes und Kragens überein, im ihrigen sind Ledergürtel (Lack- ober Wildleder) augenblicklich große Mode. Man wählt sie färb» sich § um Kleid stimmend und in ihrer mitunter gigantischen Breite erinnern sie an die alten, brei­ten Bauerngürtel der Tiroler Dauern um 1700 herum. Mit dieser starken Gürtelneigung macht sich auch der Gedanke der betonteren, allerdings immer noch tiefen Taille bemerkbar. Die Röcke find fast durchschnittlich plissiert ober in Falten gelegt und vor allen Dingen kurz, kürzer, am kürzesten. Im Frühjahr, da die linden Lüfte erst ;,m Erwachen waren, hieß die Modeparole noch: Sommerkleider mit langen Aermeln: Theorie und Praxis!

Heute, wo wir nach langem Warten endlich wirklichen Sommer haben, wo man sogar schon oon Hitzwellen munkelt, wird dieses Modegebvt zwecklos. Wer will bei 26 Grad im Schatten mit langen Aermeln bis zum Handgelenk herumlau­fen? Man ist zur allgemeinen Aermellosigkeit zirrückgekehrt: anders veHält es sich mit den hohen rückwärts, oder seitlich gebundenen Kragen: sie sind sehr flott, und gerade ihr Gegensatz zur Aermellosigkeit ist eine reizvoll amüsante Mode- Nuance, folglich wird die Trennung von diesen Strogen schon bedeutend schwerer, vielleicht er­folgt sie erst bei 31 Grad im Schatten, ober auch nicht, Frauen dulden ja gerne für eine große Idee!

Schutz vor Mnderlrankheiten.

Don Dr. Th. A. Maaß.

Die mit Haut ausschlag auftretenden Kinder- Irankhetten, wie Scharlach und Masern, gehören zu den ansteckendsten Krankheiten, die wir Icnnen. Haben sie erst einmal in einem kinder- aeichen Hause Eingang gefunden, so kommen alle Maßnahmen, die nicht erkrankten Kinder durch 'Fernhaltung und Trennung von den Erkrankten Dor Ansteckung zu schützen, meist zu spät. So hat Lei vielen Eltern ein gewisser Fatalismus Platz gegriffen, der darin gipfelt, keine besonderen Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, sondern es dem Zufall bzw. der Ansteckungsempfänglichkeit der einzelnen Kinder zu überlassen,ob sie die Ge- Ichichte gleich abmachen" oder nicht.

Mag dieser Standpunkt bei Masern, die wenigstens für Kinder über vier Jahre meist eine durchaus harmlose Krankheit sind, hin­gehen, so kann er dem Scharlach gegenüber, der namentlich durch seine leider so häufig auf­tretenden Komplikationen stets als schwere und bedrohliche Erkrankung zu bettachten ist, keines­falls gebilligt werden.

Cs ist daher mit Freude zu begrüßen, daß die Eerumforschung. die schon einst durch Auffindung res Diphterieserüms dem gefährlichsten Würge­engel unserer Kleinen erfolgreich entgegenge- treten ist, nun auch in Bekämpfung und Vor­beugung der anderen Kinderkrankheiten euren großen Schritt vorwärts gekommen ist.

Das erst verhältnismäßig kurze Zeit bekannte inb verwendete Heilserum gegen Scharlach hat. fcäe Prof. U. Friedemann, der Leiter der Infektionsabteilung des Virchowkrankenhauses, feststellt, im weitesten Umfang das gehalten, was

Bedeutungsvoller noch als die Aufgabe des Heilens ist die des Vorbeugens. Wieweit diese in bezug auf die Scharlacherkrankung gelöst ist, mögen nachfolgende Zahlen beweisen: Don achthundert mit dem gleich näher zu besprechenden Mittel behandelten Kindern erkrankten insgesamt zwei an einer ganz leicht verlaufenden Scharlachinfektion. In Friedemanns eigenen neuesten Versuchen kam unter 100 gefährdeten Kindern nicht ein

zjger Fall oon Ansteckung vor! Das Mittel, das diese ausgezeichnete Schutzwirkung besitzt, ist das Rekonvaleszenten-Serum. Bekanntlich bilden nach jeder ansteckenden Krankheit im Blut des nefenen Schutzstoffe, die ihn, auf mehr oder minder lange Zeit, vor einer neuen Ansteckung mit der überstandenen Krankheit schützen. Unter Aus­

nutzung dieser Kenntnis wird das Vorbeugungs- ferum gegen Scharlach, dessen ausgezeichnete

Wirkung eben beschrieben wurde, aus einer kleinen, dem genesenen Patienten vollkommen schmerz- und gefahrlos zu entnehmenden Blutprobe gewonnen. Nachdem dieses von einem bakteriologischen Institut auf ihre Freiheit von irgendwelchen Ansteckungs­stoffen geprüft worden ist, stellt sie, in geeigneter Zubereitung, bas sichere Vorbeugungsmittel bar. Auch hier ist eine schleunige Anwendung notwen­dig, da die Zeitspanne zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit oft schr kurz ist. Es soll daher im allgemeinen die ebenfalls auf bakeriologi- schem Wege mögliche Feststellung, ob das gefährdete Kind überhaupt ansteckungsempfänglich ist, als zeit­raubend unterbleiben, und zur sofortigen Einsprit­zung des vollkommen ungefährlichen Rekon- valeszenten-Serums geschritten werden. Die Schutz­wirkung dieser Maßnahme ist nur auf eine kürzere, jedoch für den Einzelsall ausreichend lange Zeit,