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nt.296 Sweltes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberlMn)

Montag, 19. Dezember 1927

Kanlon, die Siadi der Revolutionen.

Ton ber Weltstadt Stan ton. bte durch die Alnrt*iunfl v.n 81 T-fni u"d Dielen e en bietet einmal tm Witte.punkt der MenMlen 2Ulmerflamfeit Hebt entmint Mer ein deut' er »robtaufman-, der larae Sabre in Lhina gelebt ha dnr feflelnbe Schilderung Ä ..

Ungefähr aut dem Wendekreis bei Arebscs liegt dir chtne'.lche Millionenstadt Xanten, die eigentlich Kwangtschau herstt unb töten eurv- pLilchen Tarnen von bei Portugiesen et halten bat. Dor vier Oahthunder.en. Im Jahre 1517. landeten die portugiesischen Seesahrer in dem Delta das die Tlünbun?en tx* Westllulle» des Tordllul'es und des Perisiusie« an biriet Stelle bilden aber noch heute erinnert manche» an bte ersten eutopai chcn 9 .tbcdec. 2HiÜiä*baraden, primlnix Befestigungen stehen an jener Ver­engung des Tschukiang oder ?er.llusse«. die noch heule Bocca Ilgti». I g-rrat*n. hecht. Dir etn Meerungeheuer erhebt 'tb an dieser engen Infabtt die log. ..Xifletinkl. unb wer diesen Ort beherrscht. kann in der Lat Kanton in seinem Lebensnerv ttdlen, nämlich von seiner wichtig-

das Survpäerr.ertel Schamien grleben hat. würde den (Sin. rud mit nach Haur. i;men. in einem der euroriillertefien. sarblo csten Vttt Ehtva» geir 'm -u fein. 2Uxt das Gegen­teil i st richtig. Wan man lstch m der T.l* lchah in die w.nll.gen Gal en der Altsta t tragen la ten. mu'> in die Bazare gesehen baxn unb in d.e Werkstätten der Slfenlc.nich..üer. der Kunstgewerbler. die enge Flalchm au* Kunstgias ;n muhs'liger Ttäeit von innen bemalen must das ganje bunte Treiben ersaht haben, um diesen Brennpunkt südchinefifchen Le­bens gu verstehet^ Der Fremde muh vor allen Tineen da» unglaubliche ®j>;rr r»n Booten gelch n hiben das die Kanüle erfüllt unb durch das sich ein Motorboot nur schwer seinen Deg bahnen kann. Schwimmende Garküchen. Boote mi: fliegen'*rn Händlern und vor allen Dingen Doh n b arken bevölkern die Daf'crvorstadt cuf dcm P rl'lust: w rigstens 330ODO M.nlchen (eben flüntlfl auf ungeübt 33003 Sampans, jenen kleinen Fahr .ugen. die nach ihrer Form . Tan:of elboete gt nennt wurden. In g raben Teilen liegen sie aus dem Fluh, bilden richtige

vorgab. noch einmal durch km unwahrlchein- lichös und doch so geschichtliches Leben. Dieser geniale Lump, der zugleich die boshafteste Sa­tire aus sein gerühmtes .philosophisches- Jahr­hundert war. das. nimmt man des Lagliostrv erstaunliche -r'olge »um Mahftab. im Grunde die Apotheote men'chlicher Dummheit gewesen sein must. So prächtig konterfeit steht er in diesem Buche samt seinem närrischen Jahrhundert vor uns. bah man ihn sogleich erkennen mühte, käme er in seinem Gntrnlchritt daher gewatschelt, sein mächtiges Bäuchlein vor sich herschiebend, den Degen zückend und in den Lchlachtrul seiner Gryaubetei ausbrechend:Helion. Meiion. Te­tra grammaton!" Mit welchem unsinnigen Xrirgs- geheul er sich alle Dummköpfe Guropas, deren es auch damals nicht wenige gegeben hat. zu ge­horsamen Sklaven machte.

Schwindler und Tb en teurer. Schwärmer und Tarten. Tekromanten unb Dundermänner. die da» grobe Magister.um. d.e .Matena prima, den Stein der Dellen und da» Sebentliriet anpriden und feilhielten wie der wandernden Doctores und Cuadiclbct ihre Unversalmedizi.«n Pillen hat es in jenem achtzehmen Jahrhundert nicht wenige gegeben. Man denke nur an den Deister be'chwercnden Ka''etw rt Schrepfer in Leipzig oder an den tausendjährgen Grafen Saint-Germain, der schon mit Lr. Gr- zellenz Pontius Pilatus, dem Statthalter von Judäa, acta'eli unb ein und ein Haides Jahr­tausend später die Grö^nuna des Konzils von Trient m-terlebt haben wollte und rum nach zwei Jahrhunderten Ludw.g XV. und die Pom­padour mit allerlei mhsti'chen Scherzen Derierte. Wan denke an Safanosa auch, der wenn gerade die Gelegenheit sich bot. bieten Abenteu­rern ein wenig .ns Handwerk pfulchte und die Säckel dummer Teufel und. nre bei ihm natürlich war. vor allem dummer Teufel innen au'6 glüd- lichste leerte.

Aber der König aller Schelme, der genialste dieser Industrieritter und Hochstapler ist doch Gagl;oftro geblieben. Denn mit rührender Frech­heit ist er. seine Seitcenolkn düpierend manch­mal wie ein Bettler, meist aber wie r.n Fürst, als Goldmacher unb Wunderdoktor. als Groh- kophia und Weister der ägtzvtlchen Freimaurerei, geliebt, verehrt unb bewundert, ja da unb dort angebetet wie ein Gott, durch ganz Europa ge­zogen. Unb vor ihm stand das ganze bunt- bewegte. seltsame unb törichte und doch fv htu-

Wrtc#

.. Äfyrni

'rvY. A

ften Berbindung mit dem südchinelischen Meer ob­en. Toch etwas «inner: a i Guio-

püer. die sich in biekin Gebiet niebciltefien. Im Mandschuviertel der Altstadt, nicht we.t vom Südtor. sieht die Pagode der 500 Götzen, ein Hau» mit rechtwlnlligen Tflumcn; unter den Fenstern fitzen, eng aneinander gereiht. 500 chine­sische Genien, von den Europäern Goten genannt, unb unter ihnen befindet sich auch Marco Polo, jener Denettaner. der im 13. Jahrhundert die größten Entdeckungsreisen unternommen hat. Der Mongolenkaiser xublat-Gban machte ihn im Jahre 1290 zum Statt .Halter der Provinz Stlana-Tan, unb nun thront dieser Italiener, freilich in chinefifcher Tracht, al« Gott unter einer groben Anzahl anderer ebenfalls In den Göticrfianb erhobener chinefifcher Heilige^

Tiemand kann genau angeben, w i e grob diese mächtige Stadt eigentlich M. Gs gibt amt­liche Schätzungen, die nur 930 000 Einwohner er­mittelt haben: aber man ist sich darüber einig, dast mindestens zwei Millionen Shi­ne f e n «anton bevölkern, unb gute Kenner diele« Ortes behaupten sogar, dast dort vier Millionen Menschen wohnen, ab ebensoviel w.e in Berlin oder Par>». G;ne genaue Schätzung tft deshalb so schwierig, weil Kanton, obwohl e« an der Stufte liegt, zu den Städten des Teiches der Mitte gehört, die am ttenigften von der abendländischen Äultur ersaht und verän­dert worden find. Unübersichtlich, verworren sind nicht nur bie einzelnen Ctraben, die ganze Stadt ist mannigfaltig geahebert. Der sich von Stan- ton ein Bild machen wollte, nachdem er nur

Guenihers Eagliostro-Toman

Sin nterarisches Gt des Stelembi«.

Don Allons v. Gzibulka.

Da soll einer kommen unb sagen, man finde ferne guten Tomanstoffe mehr! Gibt es denn einen herrlicheren Borwurf für eine Erzählung al« die Taten. Streiche und Meinungen d-es Giuseppe Daliamo aus Palermo, durch eigene Machtvollkommenheit genannt Graf Gaglioftrof Vermag man Io schnell einen dankbareren Stoff zu nennen als den wirklich gelebten Schelmen­roman dieses famofesten aller Galgenvögel, der als drei.,ehniähriger Lehrling der Gaunerzunft über die Stloftermauer der Bensrakelli in lein bewegtes Leben entsprang und es rund btttf.ig Jahre später, vermutlich ohne allzuviel Tcue. in den Kerkern der Gngelsburg wieder txr- lietz? Da» aber -wi'chen dielen beiden Deg- marken seiner Bocksprünge lag. ist der bezau­bernde spannende und höchst vergnügliche Inhalt des groben Tomans6 a g l i o ft t o". den 3o- Hannes v. Guenther uns fchr-.c?'>.

Dahrhaftig. ein literar 'ches Gi des Äo- lumbu«! Tut hätte kaum einer diesen Stoff fv lebendig au meistem gemuht w.e Johannes v. Guenther. der als Grzühler fast schon vergessen war. well er nach seinem schönen .Martin.an lucht den teufet" rund zehn Jahre lang ge­schwiegen hatte.

Tun, dieses Schweigen hat sich gelohnt? Denn was ist dieler fein ..Sagllostrv" doch für ein prachtvolles Buch? Gs strotzt nur fo von Leben. Handlung und Bunthe.t. Steine Zeile ist Phrase oder literarisches Geschwätz. Hier ist endlich wieder ein Grzühler. der w.rllich fabuliert und nicht nur die Gabe des schönen Dörtes besitzt. Ohne Unterbrechung durch psychologische Mütz­chen. die fo oft nur der Deckmantel für man- geinte Ginfälle sind, ohne langweilige Teleiionen rauscht der Str^jj dieser Grzühuing an uns vorüber.

Geradezu greifbar plastisch schwindelt und gaunert, gestikuliert, zaubert, llebt. läuft, be­trügt und schwätzt sich dieser famose falsche Graf, der schon zur Zeit der Aegtzpter gelebt zu haben

) Johannes von Guenther: Lag- l i v st r v. Toman. 430 Seiten 8°. Ganzleinen 8.50 Mk. Verlag Grethlein und So.. Leipzig und Zürich. 680.

etraben unb Gassen, sind vom und hinten an Pf hlen angebunden. Oft versuchen die chine- >ilchen Fährleute. mit unglaublicher Gelchicklich- feit noch 'chnell vor dem Bug der vorüber- ziehenden grösteren Dampfer vorbeizukommen, nicht, w il ile es eilig haben, sondern weil sie abcrgk.uoi-4) sind und die sonderbare Ausgas­ung haben, dast ihnen solche halsbrecherische Manöver Glück bringen. Gs ist wunderbar ge­nug. dast fo selten llnglücksfälle geschehen. Dehe aber, wenn ein Taifun das Dafler des Meeres in die Flüffe und Kanüle treibt* Biele taufend Menschen können dann In kürzester Zeit zugrunde gehen: denn das Bretterdach, das am Bug der Sampans beginnt und fast bis zum Heck reicht, bietet gegen schwere Untoetter leinen ausreichenden Schutz.

Aber was gilt schon etn Menschenleben tn Meter Millionenstadt und unter diesem Boll, dessen 440 Millionen fast den vierten Tell der Menschheit bilden. Denn jetzt Massen Hin­richtungen tn Kanton gemeldet werden, fo regt sich die Dell besonder« deshalb auf. weil bieomal unter den Geschossenen oder auf andere Delle ums Leben Grlom atmen auch eine gröbere Zah. Europäer sind. Dast man es gewagt Hai. 18 Tuffen hinzurichten, ist allerdings etwas Ungewöhnliches, und berartge Massrnmassakres smd vielleicht feit dem Dofferaufftand noch nicht dagewefen. Aber Shineseu? Mit .Söhnen des Himmels" hat man in Shina immer kurzen Prozeß gemach.. Aus offener St raste wer­den fie um« Leben gebracht: und viele Müstig- flänger umringen den Henker, nicht etwa, um

ihn bei feiner grausigen Arbeit zu stören, sondern um ',ch v.a den Qvllen her Opfer zu w-idcn. Gs ist Me auf d.e Spitze g.-tr benc Tb- lchrcckung«:heorie der Dunfch tebem Shmrien rindringltch Dar zu n.ch hm

bc.vr'!(b wenn er da« G ri Übertritt ober sich in ug.-nts : .r F:rm gegen k> herrschende il cwalt auHi^nt. T.ch chinell cher Auf aslung ist es o-r-

Dom Henker erwürgt au l erben; de-..i babri bleibt der Körper unbelchü>.a'. unb das ist für den Toten- kult sehr wich ig Bei Gnthaupt .tngrT! Mrtt-t Me Leiche des Hing richt :-n auf der Slraste lieg». und alle Spe-'eroüng'r m i'l n M <cn schrecklichen T" f ei r .;g A n 'Sr-ck.l tzften ist aber .Lmg-tschl'. d.e Zerstückelung d-s Terurteilten bei l bmdg m Leibe eine H rich- tungöar. die ebenfalls öl I ent'ich x». zoie , wird. Der Tod durch Sr'ch testen i't ..ne nur Me hebe die eig-ntlldb erst in den r ?:Iut orärm Zeiten häufiger angeir nd t toor> n ist

Aber Stanlon be inbet sich 'chon sehr lange Im Aufruhr unb kennt also diese Hinrich» tur.g«art schon geraume Zeit. Ha'er.stüdte haben von jeher mehr zum Aulru'ir neigt als andere Orte Die deutsche T-~>lutloii tat in Ä cl unb cn der Das'erkanle begonnen, für die lr- ifche Tevolution war der Au rühr In Mar- cil>. dem s.e die e 2Hcr cillai : verdankt von |rnf;cr Bedeutung Auch die chinrsi'che Tero- ution nahm im Jahre 1912 in Kanton unter dem im Jahre 1925 verstorbenen Führer Cun ia- tfen ihren An'ang. unb während noch im Jahre 1913 im Torten der Zopf, das .ieichen der Sriiechllchast. der ilntertreriung unter da« Mandschurcgime. allgcm-in getragen wurde, war er In Kanton ba nal» schon ?ö. ig ver'chwunden. _GbiNa den Ghinesenl" lautete dann die Parole, die die Auorn.ng-Partei In Kanton au * stellte unb mit ber sie im Lau'e der letzten Jahre ganz ü.üna gegen die Fremden in Auf­ruhr gebracht hat Toch unter Sunyatsen wurde

in Kanton die Stuomlngtang gegründet, die ' ch dann immer mehr radikal,'ter:, gegen Gude .es Jahre« 192o to<- ganze Tanglfct. I erobert falte und im An a g dieses Iah:es nach Hantau uberl.f beite Fast sch.en es al« ob dte ve: o- lutir-.wCt» Arbeiter und Bauern, die von Sta ton InUruictt wurden unb sich mit dem lommu- schon Austland verbündeten, in wenigen Mo- reten da» ganze ungeheure chines.sche A«ich <intern sollten Tann kam die Spaltung, für.- den Abfall de» Genera .1 imui T'chiangk^i- 'wxf und damit der 21'.eb.. j.; j der re. pl-'. o- narci Bewegung. Tun ist da» cw.g unruti.ie Danton wieder einmal erwacht, es ist wieder mebetfrtrorten worden wie '..t«. so sind auch diesmal Ströme von Blut ge ossrn a r n an braucht kein Prophet zu sein u mit Best t-

Au rühr» auch jent in Kanton noch nicht er­loschen ist. «andern tvieder aufslaeimen wird, eine ständige Bedrohung für da« ganze Land.

In rcoolutlonüret Vezieha g 11 Int Kanton mcrswürdiaem Gegensatz dazu steht de Tatsache, dast die ölten religiösen ^.nrichtungen nirge d» befer imstand gehalten, die Pagoden an I cm andern Ort sorgfältiger gepflegt werden a.« in diesem Zentrum de« Au ru.,r» Der Fre * t - imert sich mit Schrecken vieler tur'. ulen er ebenen, d.e sich in Äanton ere.g tet hab.., Ater er Freude an d i e S ch Ö n- -bett der -Tempel zurück, besonder« an den merkwürdigen Dau der log. .Funlltbl r. n Pa­gode . die austerhalb fiamon« steht und einen merkwürdigen Anblick bietet. Weber Berge unb Schluchten kann das Auge von vieler Pagode au« schwe. cn. über da« reiche chine >fche Land, da« mit feinen Gegensätzen, seine i Altertümlich­keiten unb seinem Ringen nach Tcuein dem Fremden stet« unverständlich bleiben wird

Die wirkticheBefnedimg Europas.

von Staatssekretär z.D. Freiherr Werner von Theinbaben. Md. V

Der bekannte Reichstagsadgeordnete. der der dcutschen Delegation zum iÜJlferbunb an- gebart und der bei allen groben internatio­nalen Zusammenkünften dabei war, Hut soeben ein Buch unter dcm TitelDon D c r | a 11 le« zur Freiheit" (8,50 Mk.) in der Hanseatischen 2krlag«anfta!t, Hamburg Ber­lin-Leipzig erscheinen lassen. Er gibt darin ein abgerundetes Bild der de.itfch'n Außen- Politik seit dcm Tav von Versa.Ne» unb macht zugleich positive Vorschläge, die ohne kriegerische Revanche eine wahre Befriedung (Europa» ermöglichen Wir entnehmen dem Bande, der eine ganze Anzahl Dokumente au» Diktaten, Voten, Memoranden, Verträgen usw. enthält, den folgenden Abschnitt.

Glnftroetlen sehe ich Neue» nicht nur darin, dast in (Europa manche früheren Grenzen verändert sind, daß neue Formen internationaler Zusammenarbeit sich herausbilben unb die 61aat»form vieler Lander sich gewandelt bat. Diel mehr, al» all diese» zu­sammen, besteht e» vielleicht in den neuartl- genBeztehungenzwIschenEuropaund OenCeretntgtenStaatenoonflmerlfa. Diese haben den Strieg zu Deutschland» Ungunften entschieden Sie haben nach bfm Kriege Europa vor dem Ehao» bewahrt: sie halten es seitdem In weit- gehender finanzieller Abhängigkeit, aber wa» für die Zukunft bleibt, ist auch dort ein neuer, bisher nicht dagewefencr Dille zur Zusammenarbeit Die Träger diese» Dillen» in (Europa werden in erster Linie öle drei Großmächte Deutschland, Frank­reich unb G n g l a n b fein. Jede einzelne von ihnen hat Amerika gegenüber ihre Sonderinteressen, ihre kulturellen Beziehungen, ihre Schulden. Auf letzterem Gebiet streben sie alle zusammen nach freundschaft­licher IIebereinfünft, nach Endregelung ihrer Ver­pflichtungen, sobald die Stunde dafür dem amerika­nischen Volke gekommen erscheinen wird. 3n sehr viel

höherem Grade al» alle» aufgeregte Treiben, alle Unruhe, alle» Planen in euiopaischen E.'zrlp.o- bl.Nien kommt e» für den kommenden Zufkand ter Welt daraus an, dast diese Zusammen­arbeit der Bier" Tatsache b I e i b i und in kräftigem Ausbau in die Zukunft hinüdergefuhri wird In anderer Hinsicht wiesen'wir schon zweimal aus die kardinale Bedeutung eine» vertraue, rt-. r- hdltnifie» zwischen den europäischen Grosin, chten hin. Da» erft-mol In der Erörterung über den Ur­sprung de» Krieges, der in der Gruppenbil­dunader Grosimächte und ihrer Lüftungen gegen­einander zu suchen ist, zum anderen Mal in ein gen Gedanken über die Grundlagen de» v ö l f e r b-u n de», der in seiner Ex stenz bedroht wäre, wenn unglücklicherweise In einem ernsten Sio"fNkt die Grohmächte gegeneinander ständen Tun fugen wir dem Hinweis über die Notwendigkeit der Z u s a m men arbeit mit Amerika noch die Behaup­tung hinzu, dah e» für den Weltfrieden am bellen wäre, wenn auch hinsichtsich T u (j l a n b jene Po- litik der Eookution gemeinsam betrieben werden k nnte, die vorher eindringlich al» da» Ziel der deut­schen Lusienpoliilk verzeichnet worden ist ...

Mehr al» In Paneuropa oder sonstigen Halte- tion». ober Dunlchaebilden liegt In dieser Zulam- menfassung der Siraste unb be» Willen» brr Grost- machte der Cchlüsiel wr Zukunst der zivilisierten Menschheit. Dir Deutschen wenigsten» sollten da» erkennen und die anderen zur gleichen Betrachtung unb Einsicht aufrufen ...

Ieber europäische Konflikt, ob Im Norboslen, ob auf dem Balkan, ob an den Hüften be» Mittel- meer», zeigt mit elementarer Deutlichkeit, dast ka» heutige Europa viel weniger theoretiiche L' nla- tion»vorschläge al» praktischen guten ö i l (en und Aufrichtigkeit notig Hot Dir nähern un», so scheint e», dem Ablauf einer Vach­kriegsepoche, in ber die Worte nicht nur dazu da

reihend« Leben des achtzehnten Jahrhunderts Spalier. Diefes verrückte Jahrhundert, da« in diesem Buche au abenteuerlichem Leben neu er­steht. Hinter dem falschen Grafen drein aber stürzte als sein ergebenes Gefolge ein toller MaSkenzug von hoch und niedrig, von Lumpen unb Tarren, von Liebenden unb Düstlingen. von Adepten unb Gläubigen Einen herrlicheren Scherz mit sich selbst hat sich die Deltgefchichte nie erlaubt

Als dreizehnjähriger Galgenvogel also ent­sprang Gagholtro den frommen Brüdern, denen ihn fein Tater wohl zur Besserung übergeben hatte Gleich darau' machte er sein Gesellenstück In der Gaunerjunlt In jenrr blauen ftzilianischen Tacht. in der er dem ersten Esel, der ,hm über den Deg lief, einem geldgierigen Go'.barbeitcr. einen Schatz zu heben versprach. Bei welcher Gelegenheit das Schatzaraden freilich so endete, dast der Goldarbeiter durch den erbosten Geist, der die Schütze behütete, halbtot geprügelt wurde. Tachdem sich der prügelnde Geist wieder in einen hoffnungsvollen Lausejungen verwandelt hatte, ist Gagliostro nach einigen Irrfahrten im Wittelmeer und einer abenteuervollen Lehrzeit durch Italien nach Spanien unb später nach Eng­land und Frankreich gezogen. Hat dann, als ihm im westlichen Europa der Boden unter den Fühen brannte. Stur la nb und Petersburg mit seinem Besuche beehrt, wo er freilich nebst etlichem Golde nicht» weiter erreichte, als dah ihn die grobe Katharina für würdig befand, ihr zum Borwuri für ein von ihr selbst geschriebenes Lustspiel zu dienen.

Aach einem einträglichen Fischzug in Dar- schau. tauchte er tm Gl*ab wieder auf, wo er in Strabburg. trotz der wütenden Proteste der Medizinischen Fakultät al« Wunderdoktor Gold­macher und Geisterbeschwdrcr. Triumphe leierte. So dast er als er sich später in Part« nieder- Heb. dort w.e ein Weerwunder bestaunt wurde.

In Paris hat er sich schllehlich noch selbst übertroffen. Denn er hot sich nicht nur damit begnügt, mächtige Herren, in ihn vernarrte Frauenaimrner. die Obersten der Freimaurer, die Dol.zei aller Staaten an der Tase herum» zu'ühren sondern hat zuguterletzt durch feine saubere Halsbandaffäre dem schon bedenklich dem Abgrunde der franzöfi'chen Terolution zurvllen- den Tab der Deltgefchichte noch einen beschleu­nigenden Tritt versetzt, ilnb wenn es auch nicht wahr ih. dah et fv® bei einem Haar auf den

schon schwankenden Thron der Bourbonen gesetzt bette, so ist es doch gut erfunden Denn aus der Höhe seines Gaunerglück« wäre ihm dieser letzte Stteich weih Gott nutzt unmöglich er­schienen.

Doch das alles nur fo nebenbei In dem schönen Toman .Eagliostro' läbt sich da« Diel spannender und vergnüglicher lesen Denn so leibhaftig ist der alte Geisterbeschwörer barm gezeichnet dah er. könnte er sich nur selber beschwören unb diesen fröhlichen Toman sei es einträglichen Srdenwallen« lefen, dem Lichter die Hand schüttelte und begeistert riefe: .Dahr- haltig Junge, so war i<$'

Oer gekränkte Amundsen.

Der Torbpolfaferer Amundser hat ber eng­lischen Geogra^hijchen Gesellschaft vor kurzem mitge- teiü, basi er seine Stellung al» forrefponbierenbe» Ehrenmitglied dieser Gesellschaft nieberfeg.. Die Grunde für diese Entschtteszung. die unliebsame» Aufsehen in England erregt hat, werden im (8,o- grvphlcal Journal erörtert. Den Anlatz gab ein Ar- titel Smundsen» in ber ZeitschriftDorlds Dorf, in dem er ausfuhrt, daß bei Entdeck.^gen die Leute, die zu Hause geblieben find, sich abfällig über den Erfolg eines ^orschungsreisenben äußern, zumal wenn er nicht von ihrer Nation ilt. Belonbers ine Engländer seienschlechte Verlierer". Al» Beispiel fuhrt er an, baß der verstorbene Lord Curzon bei einem Festessen, das zu Ehren Amundsen» 1912 von dem Geographischen Club in London veranstaltet wurde, einen höchst sonderbaren Toast ausgebracht habe. Er habe Bezug genommen auf das hohe Ver­dienst, das Amundfen >n feinem Vortrag feinen Hun­den »ugeschrieben habe, unb feine Rede mit bin Sorten beendet:3d) schlage daher drei Hochs für bie Hunde vor." Auf bieie Sfeifjeruna hin hat der Sekretär des Geographischen Club, Amundsen mit- geteilt, dah kein Ber.cht oorliege, wonach Lorb Cur­zon einen solchen Toast aurgebracht habe. Herr Amundsen aber lieh burch seinen Sekretär antworten, bah er als Ehrengast bie beste Gelegenheit gehabt habe, diese Worte au hören, unb bah er nur durch grohe Selbnleherrsch ng sich gezwungen habe, dar­aufhin ruhig zu bleiben. Amundsen könne nichts von dem zurücknehmen, was er geschrieben habe, unb ber Zweifel, den man in seine Worte zu sehen wage, oeranlasie ihn dazu, seine Mitglleblchast der »ngltschtt Geographefchen Äefeüjchcch eu^ugeben.