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Nr. 2^5 Drittes Matt

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Mittwoch. (9. Gktober (927

Aus der Welt des Films.

Film-Triptychon.

Sie t>«ut'4x Uraufführung De* Aapoteon-Film«.

Au- Berlin wird un- geschrieben:

Man har t*on dreiem sranzöfifchen Ailm, der jetzt feine beutfdx Uraufführung im Berliner Usa-Paloft am 3» erlebte fcfrxi gehört. Da* Heue liegt nicht eben ün Stofflichen der Bir» gravhi« Aapoleon* bi* zum .Beginn Dc* ttolie- Ritoen Srifotua* sondern in Dem Einfall des iXegifftur* Adel Gance. Kreckemoeik drei gesondert« Filmstreifen nebenein­ander brrlaufcn pi kiffen. Da« sei. wurde uni au* Frankreich versichert, ein überaus frucht­barer ®ebaute. 3«ht erst sei e* möglich, die Möglichst t bei laufenden V.djtbUbe«. mehrere giet<beettige Vorgänge gleichgeirig nebeneinander w zeigen vollendet au* zu nutzen und die Parallo tltat der Tktgüngc auf verschiedenen Schauplätzen

M

M*

Der A a pvleon -Film

macht

txm dem

drei geteilten Lichtbild xum ersten Male an drr Stelle Gebrauch ax> Aapoteon von Korsika auf einem kleinen Lchtlfer'ahn über, da« ftarmird)c Moer nach ,>r.....*ld) übersetzt. Da« flürmiljj#

Herr wird zum Schlagwort Obenfo stürmisch wie der See. sagt ein SUntteyt. ist in diesem Augenblick der Rationalkonvent in Pari* be­wegt. und diesen (literarische) Dergfeich schollst Da* Film-Triptychon ein: cm wogende* Meer von Köpfen in der Mitte, da* wogende Meer <u beiden Seiten. Mvischendrein auf tauchend der Kopf Aapvteon* al* ^rv'jau'nuh-ne und Bilder, die fein Fahrzeug im Kamps mir den Wellen zeigen. Da* Wogen der Menichenmafsen und Die bewegten Wasser fluten durcheinander und ineinander über, und da* ergibt nalürtich uuf einer um* Dreifache verbreiterten Bildfläche eitlen inmvsanten Eindruck von Erregtheit im Auf­ruhr. wenn auch nicht erklärlich wird, warum mit Dielen Experiment gerade an dieser Stelle eingesetzt werden mutzte Deren aleichgeiiige Hand­lungen in ihrer Gleich.ze'.igke't nicht eben be­sonder* wichtig sind Später tritt der Drdgcteilte Film noch wiederholt in XätigfcU; Da sind M? Szenen, welchr die französische Arme, in Italien -.eigen: hier wird die erweiterte VildbasiS Aimi D.crama, sie fatzt einfach das grötzere Gesichls- fe'.d eine« einzigen Schauplätze* zusammen, ohne Die Gleichzeitigkeit Der Vorgänge an verschiedeium Orten zu zeigen. Gegen das Ende hin dient bet erweiterte .vlm ornamentalen Zwecken al* ein architektonisch ausgebaute« bTwevllche* Irtp'.o- chen in Der Mitte Der Kopf des Korsen, wah­rend in den Seitenflügeln feine siagrvichen Grup­pen nach Italien hn^nmarfchteren. Ober: tat

dem Mittel stück zieht eine Kolonne senkrecht aus bei Zuschauer, in ren Sei:

von marschierenden Bakterien- auch hier Dient Dir breite Spielfläche eigentlich dem gleichen Vorgang, dessen Grundlage nur enrerlert pnrD.

E* fragt sich, welche Zukunft diese« Gr.

meid haben wird. Ss bat sich bei Dieser A»s- flffynmg schon erwiesen, datz die Au*sichken Diete« Versuchs nicht so groß f inb. wie sie Dargestellt wurden. G« zeigt sich nämlich datz Das Auge nicht fähig ist. Piv Ereignisse aus allen drei odxiup'äncn mit gleicher Sorgfalt zu begleiten. E* ist wie im Zirkus Krone man tarn nur

verfolgen, was sich in einer seiner drei Ma­negen abfplelt. Arn eindrucksvollsten wirkt Diese* neue Bersahren Dort, wo es wirklich in Trip- tvchon-Art zu omainenlalcn Zwecken benutzt nirb; hier tonnen grobe Bilder von einpräg­samer Pathetik entstehen. Wo man aber die

drei Filmstreifen nur anwendet, um auf einem verbreiterten Schauplatz grötzere Mailen zu -eigen, erweist sich da* Bersahren Abel Ganros eigenttich al* üLerflüffig: denn die Kunst des Regisseur* sollte Darin befielen, aus einem Bilde mit geringen Mitteln Den Eindruck der Menkchen- menge zu erzwingen. Maffenausgeboe ist eine Frage be* in einem Film investietten Kapitals.

Deutschland brauchte sich über Diese franzö- sische Erfindung nicht unnötig auf^uregen. Diete Dwi Streifen werden nicht dazu dienen, eine Handlung mit dreifacher Intensität darzustellen, sondern die Ausmerffamkeit de« Zuschauers durch drei zu Dividieren. Auch sonst wird dieser Bapo- leonfum Dem deutschen keine große Konkertvnz bieten. Abei Gance kann sich nicht entschließen, eine einmal begonnene Szene zu beenden - ta* ergibt grobe Längen. Gr Hal einige Einfälle,

die für Deutschland nicht mehr gan z neu find, und hetzt sie zu tebe - da* ermüdet Gewiß, der 3Jm hur einige« Geld gekostet. einige tausend Statisten wirken mit. es wird anheim- ltahe« Pulver verschossen. Riesenme.'.grn von Kostümen wurden geichneide«. Muffen von histo­rischen Waffen unb Wagen an geschafft Aber da* ist schtietzlich nut eine Geldfrage. 3m übrigen enlgkeiten einige Szenen in GelchmackloNgkeuen. Die man h er mit lern lieblosen Wor. Kitsch l?md,net. oder gefallen sich in Haioiläien. btc untere Filmregisseure lange überwunden haben. Wladimir Avudenkv. der Den kleinen Bona­parte spielt, ist ein begabter Filmknabe Xbert Dieudonn^. der den General Rapvleon dar­stellt, wirkt Durch Luherilche Puth.n.k von Blick und Geste. Die deutsche Film hin st ist durch diese« historische Maffenfchaufpte. nicht bedrobt.

Film-Reminiszenzen.

Don Sigismund

Zweifello* wirkt der Film in* Leben. Wern ist nicht bereits jener gewiise Straßenjunge aus­gefallen. der sich i h Filmdetektiv um die Haus- ecke vorbeugt, wer Hot c« nicht gespürt, wie kinodramalilch sich mo Derne Ehekonflilte abspie­len, wer Hal sich bei einem Kostümfest nicht in die Filmstatisterie versetzt geglaubt ? Aber diese gebt tiefer. Ost es noch niemand auf» gef affen, Dan Der Film da* Wetter verdrängt hat nämlich als Gesprächsgegenstand? UnD »st die Antwort nicht immer dieselbe: .3ch gehe ja nur selten in* Kino, aber neulich habe ich TAZ in einem 5.Im gesehen, einem Film UnD nun kommt eine Inhaltsangabe. Die. ge­nau so ist. wie der Srzühier selbst, also meist langweilig. Und entwickelt sich daraus Die mit Unrecht so beliebte Filmkxbatte - wer kennt nicht jene gewisse typ schr Persönlichkeit (es ist immer eine). Die da plötzlich gefräntt behauptet, datz sie an Ehaplin nichts sinden Caim? Und gerät Dann die Diskussion aus das sogenannte Filmproblem, nämlich, warum dsr amerikanische und Der russische Film so gut seien, während..., so ist immer einer da. der da sagt: .3a. die Amerikaner haben eben Gelds" iwa* Dtxb nicht stimmt, Da ja die Aussen kein Geld haben), und wieder jener andere, der Da sagt. .3a. hinter dem amerikanischen F lm steht eben ein gewal­tiger Kontinent, ein mächtiges Volk, ein reichrs Leben!" (was auch nicht ftir.rmt, da ia dann D.e OnglänDcr mindestens ebenso gute Filme machen mühten). Und leider gelangt diese allbeliebte Filmdebatte nie, niemals zu der noch so einfachen Feststellung, zu dem schlichten Seufzer, datz eben zum Filmrmachen vor allem Begabung gehört, datz alle« weitere sich dann von selbst an- schliesst, und datz man sich gerade Begabung mit keinerlei Anstrengungen nachkonstruieren kann...

Wir waren neulich in einem recht belanglosen Film gewesen, und al* Die kleine Gesellschaft nachher in einem Lokal beisammensatz. pasiierte etwa« Merkwürdige«. Wir wollten, wie üblich alle zugleich vom soeben gesehenen Film spre­chen als wir plötzlich verlegen konstatierten, datz Deiner auch Die geringste Ahnung mehr von dem Film hatte! Gr war vollkommen auSac- löscht. getilgt und nicht mehr da. Gerade so, als ob man die gierig verschlungene Mittags­zeit ung beiseite gelegt habe wobei man ,ur Avt höchsten* noch sagen kann, datz es die Mit-

von A a d e ck i.

! aas zeit un g war, aber von Dem Inhalt keine Silbe mehr. Wir sahen uns crfoauirt an. Es lag etwas Bösartige- in diesem Manko, man war um zwei Stunden De« ach so teuren Lebens glatt betrogen worden, man würde sie nie. nie mehr einbringen!...

Darum verweilt Die Erinnerung dankbar bei den wenigen Films. Die au* der Gedächtnis- schublade immer wieder mit Freude hervor- gezogen iperDen können. S* sind nicht immer jene, bei denen man geweint, gelacht oder in Spannung gefiebert hatte sondern vielmehr solche. Die darüber und über die mimische Leistung hinaus eine (vielleicht ungewollte» Steigerung zum Symbol, zum Sinnbild De« Leben* zeigten. So erinnere ich mich genau einer Szene au* einem von mir sonst total vergessenen ameri­kanischen Berbrecherfilm: Zwei Männer stehen im Zimmer. Der eine schiesst den ändert, tot. Während Die Hausbewohner unruhig an Die Tür klopfen, versteckt Der Mörder die Leiche schnell in einem Kasten, setzt sich scheinbar ruhig Darauf und ruft: .Herein!' Sin Mann tritt ein. setzt sich auf Den Korbsessel dem Kasten gegenüber unD fatzt Den Mann aus Dem Kasten ruhig in* Auge. Dieser fängt sehr fliehend und non­chalant an zu erklären, datz ihm beim Putzen der Revolver losgegangen fei. ein kleine* Miß­geschick. haha, nicht wahr? Sr wird kühn, er schlägt ein Bein über* andere, stützt sich lässig auf den Kasten und schaut dem anderen dreist in* Gesicht! Aber gerade in dem Moment sieht er, daß in Da* Auge des anderen ein getoiffVr starrer Ausdruck kommt. Unb nun gleitet sein Blick vom Auge De* anderen ganz langsam hinunter zum Kasten, auf Dem er selber sitzt. UnD sieht, im Schwatzen innehaltend. etwa* Furchtbares: au* Dem Deckelspalt rinnt soeben zögernd, unschlüssig, ein schwarzrvter Bluts­tropfen mit breiter Spur h. nunter... Der Mör­der blickt einen Moment enlsetzt auf: au) den ruhig Starrenden im Korbsessel . Was Dann weiter kommt, ist belanglos, irgendeine Knalle­rei. ein Ringkampf, bei dem wahrscheinlich die Tugend Die Oberhand kriegt aber dieses Ab- fangen de« starren Blickes, dieses Sitzen auf dem eigenen schlechten Gewissen, diese schwatzhafte Blutsprache De* stummen Dinge«, diese* .die Steine sangen an zu reden" sehen Sie, Da* sind Filmreminffzenzen I

Dem Filmoperateur!

Bon Erich Essler.

Er ist derjenige, den man al* Laie am werug- lien bc-chl.i obwohl er beflimmi mit zu Den edelsten Oi\b.:u-a dc* F Irnkörp.-r* gehört 11 nb Darum fei ihui in den folgenden Zeilen ein be­scheidene« Denkmal geletzt

Wenn Sie verehr.er Qeter oder schöne Xkk- nn, ins Kino gehen unb sich einen F.lm mit Den Augen de* Gebildeten nufeben, der nicht nur eine oberflächliche Unt.r; .ilrumMhunDe er» febnte. dann werden Sie sich dafür interessier«,.- wer »Fielt In dem FUm nut. und wer führte die Begie? Und wenn Sie sich durch die 3 et hingen beraten lassen, dann werden Sie in den ni sten Suflen diese Frage zur Fufrie.Vmbelt v.-antwor­tet srnden.

Datz der Film da ist, sehen Sie ja, nicht wahr und daß Die Bilder Var und knnsiler.sch go» wäbir. datz sie gut beleuchtet fhuY ha* erwarten Sie. Haben Sie sich aber einmal überlegt datz auch ein Ne ine* Genie, bestimmt aber ein QlUifter in seinem Fach nötig war. diese Io selbtzverständ- lick» guten Bilder auf da« clellulotoiMiiD zu biw» nen? Unb daß dieser Meister nicht nur ein Könner, sondern auch ein unerschrocken.>r zu allem bereiter Mann ohiw Aerven sein mutz, desien Liebe zunz Berus vor barten Ausgaben fein Halt kennt, dessen Unerichrockenbei! und Wagemut off grdher fein muh al* der Der Dar­steller. die Sie im Bilde bewundern.

Haben Sie sich einmal überlegt, welche phy- sische Kraft wohl dazu gehört, unentwegt auf offenem Meer, gefährdet durch eturm unD Sturz­wellen, die Kurbel zu drehen, um einen Sch.ff*» Untergang realistisch aufs Filmbild zu bringen? Ober wie gefährlich es sein must, hoch obm am Luftschiff oder Flugzeug angebunden zu sein. Hunderte von Metern unter sich den Erdboden zu wissen und zu dretzen zu drehen? Oder auf irgendeinem winzigen Felsvorsprung in Eiseskälte auszuharren. sich nicht rühren zu kön­nen. um dann nach schier endlosen Proben ein paar Meter Film auszunehmen? Schm Ulciii das Ersteigen De* Berges in Sonnenbrand o?er Eiseskälte ist keine schöne Sache, wie jeder Ama­teur-Alpinist wissen wird <-» aber voll be­packt mit Apparaten und Material zu tun. ?a* äutzerst w rtvoll ist und dessen Beschäl-igung unter Umständen alle getroffenen Vorbereitungen ver­geblich gewesen fein lässt das ist ein« Xat. die Drr Laie nur schwer einzuschätzcn und anzui-r- tennen vermag.

Oft gar zu off. toeißt man euch Laien in dte Trick^'h.imnilse des FilmS ein und daher scid ihr häufig, allzu häufig geneigt, jede gefäirr- liche Aufnahme lächelnd als .gesteckt' zu be­zeichnen. Da* ist grundfalsch Gewiß arbeitet man tn der Wimderwelt De* Film* mH Tricks aber zumeist mir bann, wenn gar zu real ist sche Wiedergabe unausblcil'lich für die am Film Arbeitenden Lebensgefahr mit sich brachte oder wenn e« gilt, Da* Aeich der Phantast k vor ff ud) aufzubauen. Aber glaubt nur. ungezählte, äutz.rst gefahrvolle Svenen, ungezäblte schwierige' Aua.-11- aufnahnnn sind unter Einsetzen aller nie,.sch­lichen Energien, so w'.e 3hr sie seht, droutzen in der Aatur ausgenommen worden manche 2;ene. Die in Sekunden oder Minuten vor euch abrollt unD euch Herzklopfen verursacht. Hal die Filmleute ungeheure Aufwendung von Aerven- und Muskelkraft gekostet

Und wenn ihr an das alles künftig denkt, tixnrn ihr dem Darsteller und feinem Le ter

DerFaust"-Film.

Patasl-richtspicle (victzcn.

Die Aufführung des _Faust"-Ftlms gibt nrucrNng* Aniutz zu gründiäGlichen Erörterun­gen. wie fie an dieser Steile schon bei früheren Gelegenheiten entwickelt wurden: zuletzt bei der Besprechung der ..Weber". Wir tonnen im Prirzip hier nur wiederholen, was wir schon damals ausgesührr haben: wem aber an einer ernsthasten Auseinandersetzung Mil dem moder­nen Film und feinen Problemen gelegen ist. wird eine solche Wiederholung vielleicht nid)t ganz überflüssig finden, um so weniger, als die «Angeicgenhett feit kurzem zum Gegen- eintt Diskussion geworden ist. die sich in Der deutschen Oefsenilichsett vor jedermanns Augen und Ohren abspielt.

Bor wenigen Sagen erschien in der Kölni­schen Zeitung unter Der Ueberschrifi .Apollo wider Phoebus", eine Besprechung der gegen­wärtigen Lage Der deutschen Film Produktion, die den von fünftlerffd) und kulturell maßgebenden Kreisen tn Ttümberg und München aus gebenden Protest gegen den von der Phoebus AG. her- gestellten Filin .Der Meister von Aürnberg" zum AuSgangspunlt grundsätzlicher Befrachtun­gen macht. E* heißt da von dieser Verfilmung, für die Ludwig Berger verantwortlich zeichnet, fte habe sich in ähnlicher Weife an Hans Sachs Tvchen und Walther Stvhing vergriffen, wie der Faustfilm der Ufa an Goethes unßervlichmi Werk. Uni» nach einer fchlechterdings Vernich'en­den. aber, tote man zugeben muß. sehr gercchien Kritik am .Meister von Aurnberg" tann man weiterhin folgendes lesen.

»Wenn die von führen Den Ä reifen der Kunst- weit ausgehende Dewemmg nicht wieder auf hal­bem Weg-? [taßen bleibt. Dürfte nun enDlich Das lange uni et der Alche glimmende Problem des Films zu Hellem Feuer auflodern und eine kulturpolitffche Löiunn finden. Die drei heisigsten Güter Deutscher Mythenwelt finD mm schon von der Würde ihrer lläffischen Hoheit herabgezerrr und silmisch Deflaffierl worven: Aibelungen, Faust, Meistersinger. Seelische Jiligranwerke, tote Buddenbrook* unb Gösta Berlin- sind zu humoristischen Abenteiwer-Trauerspieken umg filmt. M 0 fes. Ehriftu* und Buddha, alfo was die west­liche und östllche Kuiturwelt an unantaftbarm Gestalten Dc^ Aeligiöfen besitzt. nxmD?ln auf Dem Zellulvidstveifen umher. Wievi?! Kinder müssen denn in den Brunnen gefallen sein, bi» Der Brunnen AugeDcdt wird?!"

Das ist sehr deutlich und e* tut wenig zur 2ache. DaQ wir Den Aibelungenfilm von einer Berurteilung «msschsiehen möchten. Die wir sonst Dort für Wort unterschreiben müssen. (Weil

es sich bei Den Nibelungen, im Gegensatz zu Faust unD Den Meistersingern, um ein Werk handelt. Da* schon aus äußeren Gründen nur einem sehr geringen Teil Der Italien zugänglich und alle wirklichBesitz" getoorDen ist: unD weil u. E. Die Verfilmung, wenn man von einigen kleinen Entgleisungen avfehen Darf, in Der Tat eine geistige unD künstlerische Bewältigung des Stoffes Darftellt und allein Die Möglichkeit bieten Dürfte, einem großen Teile unseres Dolkes Den fernab!iegenDen Stoff nahezubringen. und zwar in einer ursprünglicheren Form aU sic etwa Die Wagneroper oder Die Hebbclsch: Trilogie auf» treffen. Die Den gleichen Motivkrei* zum Bsrwurs haben.)

Das Problem Des Film* Darum hanDelt es sich. Ss soll hier nicht Die Aedc davon sein, welche (gefetzlichen) Wege zur 2ldhilfe d-er angezogene Arttkcl vorschlägt. Wich.ig scheint un* vielmehr und vor allem, zu begreifen, Daß Der moDernt Film keineswegs fo selbstgewiß und unbestritten Dafteht. wie es Den Anschein haben kann: daß es wirklich ein Filmproblem gibt, unb Daß Diese* Problem in erster Linie weder technischer noch fmanzielicr Art ist, sondern ein künstlerisches. Daß e* sich nicht um die Ausführung eines Film* handelt, sondern um Die Boraussetzungen dazu Aoch f<tärfer ausgedrückt, nicht um Die in saft unvorstellbare Bezirke sich oorwagende Entwicklung einer genia­len Srsindung. sondern um die klare Erkenntnis der M ö a l i ch k e i t e n Des Films und seiner auS den gegebenen Möglichkeiten leicht abzuleitenden Grenzen. Wem Dies cinleuchtet. Der wird un­schwer erkennen, daß Das Hauptproblem des Films in der Wahl eine« im Rahmen dieser Möglichkeiten geeigneten Stosses beschlossen liegt Unb Damit ist Der Kreis der Erörterungen ge­schloffen: damit kommen wir auf das zurück, was wir früher schon mehrfach betonten: Damit sink) wir wieder bei den ..Webern" angelangt UnD beim Ausgangspunkt zu dieser ganzen Be­trachtung: beimSauft al- Film.

Man lärm es immer wieder nur mit Den gleichen oder ähnlichen Worten sagen. Der TFaust"-Stoff ist erschöpft, er ist qetzall«, unD zwar fo daß wir vorderhand, auch beute, nicht Darüber hinan* zu sehen vermögen. Dir taffen alle die vielen Bearbeiamgen unD Seß>altun<zs- verfuche, die durch Zahrhunderre geben, au* dem Spiel und stellen fchsicht fest, daß wir Goeche besitzen, der Tragödie ersten und zweiten Teil, unb auch Die zugrundeliegenden, quellen­mäßigen Vorläufer und Anreger Volksbuch unD Puppenfpiel vom Dvkror Sauft. Ss ergibt sich, wir kommen nicht Darum herum, die Frage hat her Film Die Möglichkeit, tn wgenDern-m. ernst zu nehmenden, wertvollen Sinne über Da* yinausz«rc«men. was hier gestaltet ist?

Die leidenschaftslose, nüchterne Antwort hat zu lauten: nein! S* ergäbe sich, um gerecht zu sein, etwa noch die andere Frage: Hal der Film, im gleichen Sinne, irgend etwas aufzuweisen. wa» Dort, in Tragödie, Volksbuch, Puppenspiel nicht bereits enthalten wäre? Slwas Wesent­liches, wohlverstanden Di« Antwort muß lauten nicht«! UnD Damit ist. unterm Empfinde., nach die Beurteilui^ de* Film« schon erschöpft. Denn wenn er nicht in irgend einem Sinne etwa* AeueS, einen inneren Gewinn, eine qristtge Ab­wandlung, Ergänzung oder gar Vertiefung ent» hült, oder wenigstens eine Vereinfachung. Ber- Deutli^ung, oder Erllärung bringt, dann ist er künstlerisch ohne Gewicht und Daseinsberech­tigung. Ec kann weder da* eine, noch das andere haben, weil er sich seiner Tlatur nach, an ha* 2luge wenden muß und stumm bleibt, oder zum Stammeln verurteilt ist. im besten Fall. Geistiges aber, und darum handelt e* sich ja wohl beim Fautzstoss, muß sich in einer Gestaltung solchen Ausmaßes und solcher Ties« an das Ohr wenden, es kann, deutlicher ausgedrückt. bildhaft md>t cOer nur unvollkommen vermittelt oder ersaßt worden. IMan denke sich eine Darstellung des Faustmotivs, in seinem ganzen Umfang, durch einen Maler oder einen Bildhauer.-

WaS bietet der Film allo? Ein Bilderbuch vom , $auft". Da* wäre roch nicht das schtinunste Aber die Bilderfolge wird in wichtigen Tellen, man kann eS kaum anders bezeichnen, zur Aevue Da* heißt der .Saust' w.rD seines geiftigea Wesens enekleidet und ein äußerlicher Vorwand vir Entfaltung «ine* FilmfpoktateiftückS mir einem Riesenausgebot an Ausstattung und einer Paradovorführuna der letzten technischen Kunst- qriffc. die der Kurbelkasten jetzt mit einer an- crkermenswerten Leichtigkeit bewälligt Die Hauptabweichung, auf die der Film t Regte. Murn au: Hanuf trift: Kyser- sich beruff Faust nicht al* grüb.orischte GelehNer. sondern als Wohltäter der Menschheit ist erstens eine <ni* Dem zweiten Teil der Tragödie mcht mehr ganz unbekannte Wendung und dient im übrigen nicktt dazu. Den geistigen Gehalt, die innere Bo^eunrng de* Stoffe* im Bilderstreifen zu be­wahren.

3m Programm heißt es:Bei der Derfll- mung handelte es sich ... darum, die allen Faust-Büchern unD Faust-Dichttmgen -ugrunDe !'.egende 3Det aus dem Wust von m ttelaüer- licher Quacksalberei unD dem Der heutigen Zeit schon etwa* entrückten Mystizismus herauSzu- löfen." «Die 3D«e des Kampfes De* Guten mit Dem Bösen nämlich. Die ja übrigen* auch bei Nxtthe schon nicht ganz aus hem Spiel blieb.) Die Bearvcirer haben Die 3het mit einer Gründ- sichkoit horauÄöst. Die etwas Erschreckend«* an sick» hat. Zum Teufel ist der 6ßirini*. Geblieben ist ein Feuerwerk von oberllachttchen und rrn-

wichttgen technifchen Bravourstücken Der Rc- gisieur hat sein Pulver mit einer Energie ver­schossen, die an sich zu loben wäre Da steigen Dämpse. quellen Rebel, wogen Wolken, da wird bei Rächt und Mondschein am Kreuzweg Der Teufel gräßlich unter Donner und Blitz be­schworen. da Kienen Sauft unD Mephisto aus Dem Zaubermantel über Die Erde, daß man saft schwindlig wird. Dl« apokalyptischen Retter, frei nach Boccklin, schweben In Den Lüsten, Elefanten stampfen beim Hoffest der Herzogin von Parma einher, und ein Reigen schöner Mädchen wirbelt sinnbetörende Tänze, ein Fldus-Engel steht am Himmel und ein schwarzer Teufel von anfehn- lüben Dimensionen über der peftbedroh:en Stadt Mit solchen Mätzchen löst man keine 3deen au* mittelalterlichem Wüste.

Großenteils gut sind Die Bilder der Stadt und um Gretchen* Haus Sehr elndringliw die Balentinszene und Die Verbreitung de* Mord- gerüchte* in Den schlasenDen Gaffen. Aber schau­rig ist Da» Ende der Margarete: hier wird einem nicht* erspart: nicht Die WanDecung durch den Schneestunn mit dem Kind im Arm. nicht Die Großausnahme mit Den Parassintränen. nicht Die Realistik De* Scheiterhaufen*, nicht Di« Himmelsahri Saust«ns und Gretchen*: genug. Wenn man schon Bilder will und olle* übrige fahren läßt, dann follte man wenigsten« auf die Wittel der Kitfchpoftlarte Berzicht leisten.

Aue der Besetzung ragt Emil 3 a n n i n g * al* Mephisto bedeutend hervor: er ift ein ADIIen- fürft Sormat und eigenem Schnitt: Beweg- lichkrit und breiter Humor zeichnen ihn au6; manchmal zeigt er saft fo e.wa* öle Gemüt: sein Mephisto ist ohne beißende Schärie, Finfter- ni* und Dämonie, auch ohne Eleqanz. aber «tn Äeri. an helfen drastischer llroü-blufdl man Freude hat: er ist der «infame Lichtpunkt tn Diesem Film merkwürdigerweise Camilla Horn: Da* Gretchen: sehr schön, sehr 3art, sehr rührend. Den entgleisten Schluß vermag sie frri- l'.ch nicht zu retten. 6 f m a n al* Faust wirkt geschmackvoll und zurückhastenD, fönst Dänen Bveite ® u i I b c r t Marthe) unD Dieterl«* Balenttn zu nennen.

3ft es notwendig. abschLießend zu betonen, daß diese Kritik, di« sich gegen ein emzelneS Derk richtet, für die Gesamtheit des deutschen 5rün* geschrieben wurde, der zu großen und schärten Aufgaben berufen ist und eine heute vielleicht noch nicht zu ah.-Amde Zukunft vor sich hat? Die glückliche Wahl der Aufgabe aber wird stets der ungc.rubten 'SrfermhTi* vom wahren Wesen De* Films entspringen. Dir Abteh» ming einer unglücklichen Wahl kann und soll Da&x helfen, solche Erkenntnis zu verfwetten und zu Derrttfcn. UnD Darauf kommt e* an. -f-