Ausgabe 
19.10.1927
 
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Zahl not) not 1 bet buchenden oerlräg« auSmochen Interessant ist auch die Fest- dlung, daß im Durchschnitt ein Zar.loertrag uf rund 105 Betriebe und saft 1503 "Personen ntkällt, eine Zahl, di« gegenüber 1925 um etwa Pro-, herunter gegangen, gegenüber 191-, um JO Proz. in bezug auf die Betriebe und um etwa 200 Pro-, in bezug aus die Personenzahl ge­legen ist. .

3m Zusammenhang nrit dem geqenwartigen Arben^karnps wird auch die Feststellung tatet* .-Ifieren, daft von den bei der erwähnten Sta* üfttf des ArichSarbettsblatteS ermittelten Bet­rägen rund 12 Prozent für rund 37 Prozent er Arbeitnehmer auf Grund von SchiedS- 'prüiben -ustandegekommen sind, d. h. also, dah gerade die grüy'.en und wichtigsten Ar- britSvertrage häufig durch Schiedsspruch zustande brach» worden sind. Dabei ist ein Streik oder ein? Au-sperrung bei 4,1 Prozent der Verträge und 8,5 Prozent der Beschäftigten vvrangegan- gen. Teu ist ferner die Feststellung, daß die Sauer der Tarifverträge nicht unerheblich x,u r üd gefla^geiy ift lieber die Häiite aller Pert^ge sieht zur Zeit nur eine Dauer von sechs QR.maten bi» einem 3ahr vor. unb nur ein verhältni-mähig kleiner Prozentsatz ein bi» ;llei Jahre, ungefähr ebensoviel wie Verträge mit kürzerer al» halbjährlicher Laufzeit bestehen. Die meisten Verträge, nämlich 92 Prozent für gleichfalls 92 Prozent der Arbeiterschaft regeln zug'eich die Arbeitszeit. Fast ebenso liegt daS Verhältnis bezüglich der Urlaubs- frage, dagegen ift die Kündigungsfrist nur in einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Verträgen 'estgeseyt. nämlich bei je 43 Prozent ter Verträge und der vertraglich gebundenen "Personen. In etwa 75 Prozent der Fälle für etwa 90 Prozent der Beteiligten stad frei­willige GinlgungS- und Schlich­tungsinstanzen vorgesehen, und die stei­gende Veigung, tote bei Staatsverträgen so auch bei Arbeit-vertrügen von vornherein die Form ter friedlichen Regelung votAusehen und sestzulegen, läßt die Hoffnung xu. daß ernste und länger dauernde Arbeitskonflikte immer sel­tener werden.

Reparationsagent und Auslandanleihen.

Eine Forderung deü ReichSbankprasidenten und die ihr gebührende Antwort.

Berlin. 18. Ott. (Wolff.) Der WTB. - chan- dcls-dienst veröffentlicht folgenden Brief des Reichs- bankdirektoriums an Oberbürgermeister Dr. Wagner in Breslau:Rach einem Bericht der Schlesischen Volkszeitung' Rr. 478, Morgenaus­gabe uom 14. Oktober sollen Sie in öffentlicher Stadtverordnetenversammlung gesagt haben, daß in b< r Auslandanleihefrage b l e Reichsbank auch den Reparations­agenten Parker Gilbert mobil ge­macht habe. Diese Aeußerung würbe so unge­heuer lid) anasftcht» der Infoltm'tionomöglichkelten, die Ihnen bei Ihrer Anwesenheit in Berlin zur Der- flknnvg standen, und so völlig unverantwortlich sein, daß wir nicht annehmen können, bah st« in der an­gegebenen Form wirklich erfolgt ist. Tatsache Ift, wie Ihnen bekannt sein dürste, ober doch wenig­sten, für Sie jederzeit feststellbar gewesen wäre, bafc der Reparationsagent entsprechend seiner Stellung­nahme tn einem früheren Falle von sich au, vor Kenntnis der Entschließung der Deratu nasstelle und ohne etwa» von der Stellungnahme der Reichs- Hank ta der damals zur Diskussion stehenden An- leiheangeiegenheit zu wissen, vorgegangen fft. Del der Auffassung, die Ihre Worte in der Öffentlich­keit gesunden, müssen wir, auch wenn die Wie­dergabe in den Zeitungen, wie wir annehmen, u n - richtig ist, von Ihrer Conalität erwarten, dost Sie unverzüglich vor dem gleichen Gremium in öf- sentticher Form eine Richtigstellung oornch- men. Don dem Veranlaßten dürften wir bitten, uni freundlichst zu benachrichtigen."

Die Antwort des Oberbürgermeiftcr» auf das Schreiben de» AeichSbankdirektoriumS hat folgenden Wortlaut: Auf Ihren Dries vom 17. Oktober erwidere ich folgende-:Wie daS amtliche Stenogramm der Breslauer Stabtvcr- orbnetentyerjammlung beweist, habe ich nicht gefaat. daß In der AuSlandanleihefrage die Reichsbank auch den Reparatton-agenten Gilbert mobil gemacht hab«. Ich habe auch nichts Aehnliches gesagt. 3m übrigen habe ich Ihr Schreiben mit großem Befremden ge­lesen. Ich hätte von Ihrer Loyalität erwarten dürfen, daß Sie mich, bevor Sie mir einen solchen Dries schrieben, persönlich um Aufklärung des Sachverhalts ersucht hätten. Ich weise auf daS entschiedenste die Vorhaltungen und Unterstel­lungen zurück, die Sie sich mir gegenüber erlaubt haben. Sie haben kein Recht, mir gegen- über wie eine vorgesetzte Behörde aus­zutreten. Da Sie. ohne auch nur meine Stellrmg- > ahme xur Dache abzuwarten. Ihren Brief der Presse übergeben haben, bin ich gezwungen, daS gleiche mit dieser Antwort zu tun. Ich lehne es nunmehr auch ab, noch eine weitere Richtig­stellung vor der Stadtverordnetenversammlung vorzunehmeir, überlasse vielmehr getrost daS Ur­teil über Ihr Verhalten der Oeffeittlichkeit."

Präsidentenbüsten im Reichstag.

Berlin, 18. Dtt. (Wolff.) 3m Reichstag wurden heute die Marmorbüsten der beibat Reichspräsidenten Ebert und v. Hin­denburg in seierllchet Weise entbüUt unb vom Reich-kag^Präsidenten Löbe in die'Obhut des Reichstage- übernommen. Die Düsten sind auf Iroben Säule,» im Kuppel raum der Wandelhalle aufgestellt. Für die Feierlichkeit war der Zduppel- rawn mit Lorbeerbäumen, 'Valuten unb Taimen- grün stirnnrur^DSvoH geschrnückt Don einem mit bet schv>'r-rvtgoldenen Reichsfahne überdeckten 'Rednerpult auS hielt der Reichsragspräfideitt eine kurze Ansprache, in der er darauf hinwieS. daß unter der neuen StaatSform die Spitze des Reiche- nicht im Grbgang einem Fürsten zufalle, 'andern das Volk selbst den Würdig­sten als Träger des Reichs- und StaatSgedankenS erwählt. Beide \< 1<U' rräfibenten seien Vorbilder der Op­fer w i l l i g k e i t. mit der sie ihr hohe- Amt bernvn^neir hätten und sühnen. An der Feier nahm Reichskanzler Marr sowie die übrigen Mitglieder des Kabinetts und eine große Anzahl ion Abgeordneten teil. Von den Airgehongen war Frau <3bc r t erzenen unb in Vertretung feS Reichspräsidenten Staatssekretär Meiß­ner. Der ReichsragSpräsidem dankte den Schöp­fern der Standbilder unb schloß mit den Warten 3<b übernehme hiermit die Standbilder für de

ReichStogSveNvaktang unb gebe bet Hvsftnmg LkuSvruck, daß sie jeden Beschauer, den fremben Boucher unb die Abgeordneten daran erinnern mögen, waS der wahre Patriot seinem Lande und seinem Volke geben soll.

Lohnverhandlungen

der Reichsbahnarbeiter.

Berlin. 18. Oft (Wolff.) Heute empfing der Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorp- müder, die am Tarifvertrag beteiligten Gewerk- schoflen zu einer Aussprache über Lohn- fragen der Reichsbahnarbeiter. Dekannttlch wurde nn Lohnstreit des April d. 2. ein S ch i e b s - spruch gefällt, der eine allgemeine E r- Höhung des Lohnes der Reichs da im .irdener um 4 P'g. am 1. April una um 1 Pfg. am 1. Oktober 1927 oorfah. Die Gewerkjchasten wiesen in der Aus- l'prache auf die inzwischen gesteigerten Le­benskosten In Deutschland hin, die eine sogen, z w i f ch e n ta r i s I i che' allgemeine E r- Höhung der Löhne erforderlich mochten. Der Generaldirektor sagte zu, daß dort, wo Lie Löhne der Reichsbahnarbeiter u n re r den Löhnen ver­gleichbarer Arbeiter der Industrie liegen, im Rah- men de» finanziell Möglichen geholfen wer- den folL

Die Wiederherstellung des Kirchenstaats.

Ein Weg für die Aussöhnung zwischen Italien und dem Vatikan

(Eigener Drahtbenchl des .Gießener Anzeigers'.

Berlin, 19. Olt. Leit einiger Zett finben zwischen dem Vatikan unb dem saszisnschen Italien, allerdings zunächst noch in Form von Zeitungsartikeln recht interessante Unter* Haltungen über daS zu.ünstige Verhältnis zwi­schen veiben statt. Bei Licht betrachtet, handelt es sich um Versuche, den Frieden zwischen dem italienischen Staat und der katholischen Kirche wieder herzu stellen. 2iur ist man sich noch nicht ganx einig, wie er nach außen hin dokumentiert werden soll. 3m Vatikan vertritt man die Auf­fassung, daß der Kirchenstaat wieder h e r g e st e l l t werden rnüffe, wobei aber nur Wert auf irgendeinen territorialen De - s i t) gelegt wirb. Mussolini scheint, und daS geht aus den Artikeln seines Bruders Arnaldo hervor, nicht abgeneigt zu sein, dem ^eiligen Stuhl hier entgegenzulommen.

Die größte Schwierigkeit für den FricdenS- schluß liegt aber in der Garantie des ter­ritorialen Besitzstandes. Der Völker­bund als Garant kommt nicht in Frage, ihn würde auch die römische Regierung glatt ab­lehnen. Italien allein wird toieberum der Kirche nicht genügen, weil sie fürchtet, ihrem Anhang gegenüber in eine schiefe Lage zu kom­men, da sich die Behauptung, di« Unabhängig* teil der katholischen Kirche werde von dem guten Willen Mussolinis bestimmt, nicht so ohne wei­teres widerlegen läßt. Aber so viel steht wohl doch fest, daß beide Parteien sich ernsthaft um eine Verständigung bemühen, die zwar nach An­sicht deS Vatikans vorläufig noch nicht so rasch zu erreichen sein wird, wenn auch tn der Ver­gangenheit schon manches Hindernis überwunden werden konnte.

Der Direktor der ZeitungPopoio d'Italla' be- handelt In einem Artikel, den er ausdrücklich al» Prioatmeinung kennzeichnet das Kirchenstaats­problem, wobei er u. a. erklärt, daß man zwischen dem Verlangen des Heiliaen Stuhls und den unzu­lässigen Ansprüchen der Bourbons und des Groß- Herzogs von Toskana keinen Vergleich ziehen dürfe. Man dürfe die römische Frage nicht von vornherein als unlösbar betrachten. Italien brauche die Politik des Vatikans nicht zu fürchten. Das Weiterbestehcn des Streitfalls beeinträchtige die Verwirklichung einer der wichtigsten foszistischen Forderungen, die geistige Einheit aller Italiener. Der Artikel wirst dann die Frage auf, was wohl die Forderungen des Vati­kans sein könnten, ohne sie beantworten, und er- klärt dann, jedenfalls könnte man nach der per­sönlichen Auffassung des Verfassers das, was be­reits praktisch existiert, auch juristisch kodi­fizieren, nämlich das Eigentumsrecht an den päpstlichen Palästen an Stelle des Nutzungsrechtes. Der Mailänder Berichterstatter derInformation' will wissen, daß sich der italie­nische Ministerrat bereite mit der Frage einer Der- söhnung zwischen dem Vatikan und dem italieni- schen Staate beschästigt habe. Für den Augenblick könne es sich nur um einen vorläufigen ®e> dankenaustausch handeln. Die beiden Im Osservatore Romano' erschienenen Artikel würden allgemein dem päpstlichen Staatssekretär, Kardinal Gaspari, zugeschrieben. Auch ohne eine Wieder­herstellung des Kirchenstaates sei mit der Möglich- feit zu rechnen, daß der ^eilige Stuhl eines Tages einen Vertreter in den Völkerbund ent­sende. Hierfür würde es genügen, daß Italien seine bisherige Opposition hiergegen aufgebe.

Litauen klagt in Genf.

Gegen Polens Politik in Wilna.

Eigene Drahtmeldung des ..Gießener Anzeigers*

Berlin, 19. Ott. Die Litauer haben es tat- sächlich fertigAebracht, beim Völkerbund eine D e - schwerde über das Vorgehen der pol­nischen Behörden gegen ihre Stam - mesgenosfen jenseits der Gren'e einzubringen. Sie sind aber dabei so vorgegangen, daß sie die Bal­lung Polens als eine Bedrohung der Sicherheit Litauens auslegen Das ist im­merhin eine recht eigenartige Begründung. Sie er­klärt sich aber wohl aus der Tatsache, daß die Re- gicrung in Kowno sehr genau weiß, wie wenig Gluck sie haben wird, wenn sie lediglich über die Vergewaltigung der Litauer auf polnischem Boden Hagen werde. Nichts liegt näher, als den Litauern das mcmelländlsche Beispiel vorzuhalten unb sie mit ihren eigenen Massen.u schlagen Des­wegen spielen sie die in ihrer Sicherheit Bedroh­ten. Genf hat also wieder einmal Beschaff gung und kann nun eine Kommission in Marsch setzen, die an Ort und Stelle zu untersuchen haben wird, wo die Polen den fjebei ansetzen. um den litauischen Staat aus seinen Angeln tu heben Richt uninteressant wird aber fein, was man in Warschau zu der litauischen Beschwerde lagt Wenn jemand mit dem Paragraph 11 der Völkerbunds'atzung operiert, dann muß die Situation schon recht gefährlich fein Soweit sich die Dinge von hier aus überleben lasten, kann aber davon nicht gesprochen werden. Selbstverständlich werden die Polen die Beschwerde­

note zum Anlaß nehmen, um nun erst recht eine litauenfeindilche Politik zu treiben, was der Kownoer Regiening noch teuer zu stehen kommen kann.

Die Wahlen zum norwegischen Storlhing.

Oslo, 18. Oft. (WB.) Aach ben bisherigen Ergebnissen der Swrthingwahlen erhalten die Konservativen und die Gemäßigte Part« wahrscheinlich 19 Sitze (19). Bauernpartei 25 Sitze (Gewinn 3 Sitze). Radikale 28 Sitze (Verlust 2), Arbeiterdemvkraten 1 Sitz (Verlust 1). Arbe iterpartei 45 Sitze (Ge­winn 20), Kommunisten 1 Sitz (Verlust 1). Mehrere Ergebnisse, u. a. auch auS großen Städten, stehen noch aus.

DietkrmordungPetljuras

Ein Pariser Mordprozetz.

Paris, 18. Oft. (WTD.) Vor dem Schwur- aericht in Paris begann heute vormittag die Verhandlung gegen den 38,ährigen älhrmacher Samuel Schwartzbart. ehemaligen rufftschen Staatsbürger, jetzt naturalisierten Franzofen, der am 26. Mai 1926 den ehemaligen Heimann der Ukraine, Petljura, durch fünf Aevvlverichüsse getötet hatte. Schwartzbart erklärte, er wohne fett 1911 in Frankreich, habe sich 1914 zu Krieg-- beginn zur Fremdenlegion gemeldet, fei ver­wundet und deshalb aus dem Militärdienst ent­lassen worden. Schwartzbart erzählte, daß er beschlossen habe. Petljura wegen der Po­grome in der Ukraine zu befeitigen, da dieser dafür verantwortlich zu machen sei. Das erstemal, als er Petljura begegnete, sei die er von feiner Frau begleitet gewesen, so daß et nicht habe schießen wollen. Als er ihn später allem troff habe er ihn durch fünf Schüsse niedergestreckt und bei seiner Verhaltung ausgerufen: ..Ich habe einen großen Mörder getötet. Schwartzbart erklärte, er habe die Tat allein ausgeführt und sei allein dafür verantwortlich.

D';e Lage auf den Salomon-Inseln.

London. 19. Oft (WTB. Funkspruch.) Aach einer Meldung der ..Daily Mall" beftebt auf den Salomo-Inseln feine Gefahr eines all­gemeinen Aufstandes der 3ingeborenen, wenn auch die Lage in zwei Dörfern der Insel Ma- laita, wo kürzlich zwei Beamte. 15 Polizisten und mehrere Seeleute niedergemetzelt wur­den. bedenklich sein soll. Aus Sydney wird ein Dampfer mit Verstärkungen und Vorräten er­wartet. Die australische Regierung macht allen Offizieren und Mannschaften größte Behüt - famfelt und Zurückha ltung zur Pflicht.

Aus aller Welt

General Heye beim Präsidenten (£oo(ibge.

Washington, 18. Oki. (WTB. Funkspruch.) General Heye mit Gefolge ist heute früh hier ein- getroffen. Er wurde am Bahnhof von dem beut- schen Geschäftsträger Dr. K l e p und dem kom­mandierenden General des Bezirke» Washington, Generalmajor Rockenbach, be­grüßt. Im Laufe des Vormittags statteten General Heye mit Begleitung u. a. Besuche beim Staats­sekretär K e 11 o g , dem Thef de» Generalstabes, General Summerall unb dem Ehef ber Abrnt- ralität, E. F. Hughes, ab. Im Anschluß daran wurde er vom Präsidenten Loolidge empfangen.

Ausklang be» Tvartdorgsefie» ber Deutschen Burschenschaft.

Der AuSllang des WartburgfesteS der deut­schen Burschenschaft bildete ein fern der Stadt Gisenach veranstalteter Festakt im Stadt­theater. Der Weimarer Hoffchauspieler Schrei- ner sprach den von Robert Hohlbaum (Wien) verfaßten Weihespruch Oberbürgermeiiter Dr. Janson gab bekannt, dah die Stadt zum Jubiläum dos Wartburgfeste- beschloffen habe, eine Anzahl neuer Straßen am Warten berge, a>o 1817 die Grinnerungsfeier an die Leipziger Schlacht lohte, mit den Ranren damals führen­der Burschenschafter zu benennen. Studiendirek­tor Müller dankte im Qi amen der Burschen­schaft der Stadt und sprach die Hoffnung aus, daß die Wartburg Immer ein Symbol der Bur­schenschaft sein werde. Direktor Dr. Hvpch (Kassel» sprach über das burschenschastliche Ideal der VolkSgemetaschaft. Der Festakt schloß mit dem Vortrag der DrahmSschen akademischen Fest­ouvertüre und dem gemeinsamen Gesang des Gaudeamus.

Der Erfolg be» Moissi-Gaftsplel» in pari».

Pari», 19. Okt. (WTB. Funkspruch.) Alexan- ber M o i s s i unb seine Truppe haben gestern abenb vor vollkommen ausoerkaustem Hause ihr Gastspiel imL'Atelier" mit ber Aufführung von Toi- ft oi»Der lebenbe Leichnam" unb be» in französischer Sprache gespielten Einakter»Alle- Gute kommt von ihr* beendet. Der Beifall, ber den deutschen Künstlern nach dem ersten Stück ge­spendet wurde, war beispiellos. Der Vorhang ging etwa 20mal hoch und immer wieder mußte Moiffi mit den Hauptdarstellern vor der Rampe erscheinen. Aus Anlaß des Pariser Gastspiels gab der deutsche Botschafter, o. ch o e s ch, heute ein Frühstück, zu dem sämtliche Schauspieler geladen mar.n; u. a. außer Molssi, Rosa Bertens, Leontine Sa­ga n, Johannes Termin, Ina Albrecht, Eduard o. W l n t e r st e i n und Friedrich Kühne. Unter den Gästen befand sich ferner Kriegsminister Painleo 4 , ber österreichische Gesandte Dr. Grünberger, ferner Jules Romain, sowie noch andere Persönlichkeiten aus ber sranzösischen Theater- und Literaturwelt.

Ein ehemaliger Kunfthallenbireklor vor Gericht.

3n Düsse 1 bvrf begann der Prozeß ge­gen den früheren Düsseldorfer Kunstyallendirek* tor H a ck e n b r o i ch . der beschuldigt wird, wäh­rend deS Buhrkampses in Dielen Fällen Bilder, die ihm von Künstlern zum Verlauf übergeben worden seien, oder den SrlöS dafür unterschlagen und mehrere Quittungen ge­fälscht zu haben. Hackenbroich be[tritt jede Schuld und beteuerte, ec sei daS Opfer einer feindlichen Clique, d e Ihn auch in den B.lderdlebftahl im Jahre 1925 verwickelt habe. Drei Jahre nach dem Auhrkampf lange nachdem Hackenbroich aus dem Dtenste der Stadt Düsseldorf auS- ge'ch.eden fei wurden in feiner Wohnung 15 verschwundene Bilder gefunden, unb »war die wertvollsten. D e Schuld, hierbei beteiligt zu sein, schob ^ddtnbeoid) ber feind­lichen Clique zu.

Deutscher (Erfolg In der MailänderScOtt*.

Eta Stasotaekonzen des ..ScalaOrchester» unter Leitung von Oskar Fried gestaltet« s,ch zu einem großen Erfolg des deuttchen Dirigenten. Der riesige Raum berecala* war bis auf den letzte» Plag gefüllt. Die Oberon-OtuHrtü reSuite Do pH ne" unb ..Cloe' von Ravel unb die den Schluß bildende Meistersingcr - Ouvertüre fanden stärksten Bcffall, mährend die in Mailand unbekannte 7. Sinfonie Brückner» bei einem kleinen Teil be» Publikums Widerspruch fand. Am Schluß bee Kon­zens wurden Fried große Ovationen ^raedvacht. Die Kritik erkennt d.e beroorragenbe Leistung Friebs an, lehnt aber Brückner mehr ober we­niger ab.

Obligatorische Tubcrkuloseversicheruag in DtaBcu.

Der Ministerrat beschloß die obligatvrffch» De: Sicherung gegen die Tuberkulose burchzu- sührm. Es werden etwa 20 Millionen Personen versichert unter Bereitstellung von 13 000 Plätze» in Sanatorien unb 2<XX) Plätzen ta Erholungs­heimen. Die erforderlichen Gelder sollen durch Abgaben der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, die alle 14 Tage erhoben werden- sollen, aulge­bracht »erben.

vier Personen durch Feuersbrnnst nmgekowmcn.

Beim Brande eine- Landhauses in der eng­lischen Grafschaft Kent kamen der Besitzer, feine Frau, ihr vierjährige- Kind unb eine Kinderfrau umS Geben. Das Landhaus wurde völlig zerstört.

Typhus in Regensburg. Bisher drei Tote.

In DegenSburg wurde tn den letzten Tagen eine R^.he von Typhu-fällen feRgeftellt Zie Zahl ber Erkrankten beträgt jetzt 16. von denen 3 bereit» gestorben find, lieber den Krank­heitsherd bestehen noch Zweifel, auffällig ift je- doch, daß die Erkrankungen, von drei Fällen ab­gesehen. sämtlich in den dichtbevölkerten Stadt­teilen Rcinhausen und Sallern vorgekommen sind, wo noch keine Kanalisatton be­steht und die Qfbortgruben mangelhaft sind.

Frecher RaabüberfaU im Berliner Zentrum.

In dem bekannten Bierlokal .Zum Klaus­ner" in ber Krausenstrahe wurde ein frecher Raubübersall verübt. Dort erschien ein etwa 25iäbrictet Mann, der die Buchhalterin Zeidler im Privrtkontor zu sprechen wünschte Kaum hatte der Fremde das Bureau betreten, als et einen Revolver zog unb ble anwesenden Dureauangestellten aufforberte. ihm den Kas - sende st and auszuhändigen. G.eichzeitig schnitt der Räuber mit einem dolchartigen Messer die Fernsprechleitungen durch, so baß ble lieber- fallenen keine Möglichkeit hatten, das Uebtrlall» kornmando anzurufen. Trotzdem in den angren­zenden Lokalräumen Hunderte von Gästen zur selben Zeit anwesend waren, gelang es dem Räuber, sein Verbrechen ungebindert burchzu- sühren. ör burchwühlte sämtliche Behälter bes Bureauraumes, fand in einer verschlossenen Schublade Wechselgeld in Höhe von 3000 bis 4000 Mk. unb entschwand.

An Brandwunden gestorben.

In Aeuwieb gerieten beim Bedienen einet Wohnungsheizanlage auf bisher unaufgeklärte Weise bte Kleider eines 23jährigen Mädchens in Brand. In Flammen gehüllt, rannte dock verzweifelte Mädchen über mehrere Treppen auf die Straße, wo die Flammen durch Tücher imb Mäntel erstickt wurden. Der ganze Körp- r bett Mädchen- war mit Brandwunden bedeckt deren Folgen die Bedauernswerte unter unsäglichen Schmerzen erlag.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die an der Südseite des nördlichen Tiefdruck­gebietes bestehende Süd-West- bis Westluft führt noch Bewölkung und Regen mit sich Sobald daS Vordringen der maritimen Porlarluft die Von Herrschaft gewinnt, nimmt die Wetterlaae wieder den veränderlichen Sharatter an. Gl ichze tig dürsten die TerTtperaturen tm Laufe deS morgi­gen TageS zurückgehen und In ber Rach» zum Donners lag auf Freitag an den Gefrierpunkt W liegen kommen.

Wettervoraussage: Wrchkel-nbe Bewölkung Temperaturen später srnkend, vereinzelte Regen­schauer um West wech'elnde Winde.

Witterungsaussichten für Freitag: In höhere» Lagen leichte Rachffrostgefahr, unter Bewöl- kungSabnahme überwiegend trocken.

Lufttemperaturen am 18. Oktober: mittags 11 Grad Telfius, abends 8,9 Grad Telsiu». am 19. Dtt.: morgen» 4,5 Grad Telfius. Erdtemperaturen t» 10 Zentimeter Tiefe am 18. Oktober, abend» 8,7 Oral Celsius: am 19. Oktober: morgen» 5,8 Grad Celsius. Morimum 12 Grad Celsius, Minimum 2,4 ®tal Celsius. Sonnenfcheindauer: 3K Stunden.