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gegenüber. Leh irrer ging aber nicht so recht aus sich Heraus und brachte es leider auch zu keinen größeren Flügen. Rehring dagegen war der Favorit und konnte sich mit seinem Flug nach BadBcrka, der über eine Strecke von 51,8 Kilometer führte, den Fernsegelslug- preis und mit dem erstmals geglückten Flug nach dem Heidel st ein und zurück den Hei- delsteinpreis holen. Er hat zu seinen Flügen een neuen EindeckerDarmstadt" der Darm­städter Akademischen Iliegergruppe verwendet, der, erst neu herausgebracht, sich sehr schnell als hochwertiges Segelflugzeug erwies. Aber, was noch mehr für den Erfolg Rehrings spricht, sind die umfang Deichen Gelä.rdekennt- nifse, über die er verfügt. Wenn man das ganze Jahr über auf der Wasserluppe siht, so hat man naturgemäß in dieser Richtung Gelegenheit, Er­fahrungen zu sammeln, wie sie sich diejenigen Segelflieger, die nur ein paar Wochen während des Wettbewerbes auf der Wasserkuppe sind, nie aneignen fönnen.

Heber das Flu g z e u g m a te r i a l ist nicht sehr viel zu sagen. Die Standardisierung der Segelflugzeuge hat eine immer größere Aus­dehnung angenommen. Als Schulflugzeuge kom­men in erster LinieZögling" undPrüfling" in Betracht, daneben nochPegasus" undEspen­laub". Ä?e Hochleistungsmaschinen laufen mehr oder weniger doch immer wieder auf einen Typ hinaus. Wesentliche Unterschiede sind unter ihnen nicht mehr wahrzunehmen. Grundlegende Rcu- fonftruftionen waren nicht im Wettk^werb; hier ist vielleicht lediglich das FlugzeugLa prtjvo von Kirchner- Kassel anzuführen, das eine besonders leichte Bauweise besitzt und nur rund 35 Kilo wiegt.

Der sportliche Charakter des diesjährigen Rhön-Segelflug-Wettbewerbes war sehr gut. Be­reits am sechsten Tage war die Anzahl der Starts überschritten, die im vorigen Jahre wäh­rend des ganzen Wettbewerbes ausgeführt wor­den sind. F.W.

Neuer Weltrekord im Rückenflug

Wie die Raab-Katzen st einFlugzeug- werke Mitteilen, hat der Pilot Fiese le r bei dem Flugwettbewerb in Zürich auf dem Flug­zeug-TypSchwalbe" den Weltrekord im Rückenflug, der bisher von Amerika mit sieben QHinuten gehalten wurde, in der neuen Bestzeit von 10,56 Minuten an sich gebracht.

Deutschland an der Spitze der Flug-Weltrekordliste.

Die zahlreichen Weltrekorde, die von deut­schen Piloten tn der letzten Zeit aufgestellt wor­den sind, haben die Weltrekordliste gÄndlich um- gewandelt. Standen wir noch vor kurzem infolge der Knebelung unserer Luftfahrtindustrie am Ende der Tabelle, so haben wir uns jetzt mit weitem Dorsprung vor den anderen Staaten an die Spitze gestellt. Die Liste, nach Rationen geordnet, firfjt jetzt so aus:

Landflugzeuge: Deutschland 16. Frankreich 13, Ver. Staaten Amerika 4. Italien 1 Rekord.

Wasserflugzeuge: Italien 13, Der. Staaten Amerika 8, Deutschland 6, Frank­reich 0 Rekorde.

Insgesamt: Deutschland 22, Italien 14, Frankreich 13, Der. Staaten Amerika 12, Rekord'

jieuc Flugrvettrekorde.

Wie aus San Diego gemeldet wird, gelang es den beiden amerikanischen Marineflieger!» C o n n e 11 und Rv d d, zwei neue Welt­rekorde für Wasserflugzeuge aufzu­stellen. Sie legten 2525,313 Kilometer in 20:45: 40 zurück. Die Höchstleistung des deutschen Fliegers Loose wurde damit um mehr als sechs Stun­den und um über 823 Kilometer überboten. Das Flugzeug wog 11 Donnen bei einer Ruhlast von 500 Kilo.

Drei neue Weltrekorde im Schwimmen.

Wie aus Reuyork gemeldet wird, wurden bei einem Schwimmfest in Rye dreineue Damen­weltrekorde im Schwimmen aufge­stellt. Mist Elaine Delaney unterbot den Weltrekord im 300 Meter Rückenschwimmen in 5jO2 Sek. Die frühere Rekork^eit betrug |

5,06/5 Sek. und wurde von Sybil Dauer ge- halten. Die zweite Weltlci lung erz Üe Agnes Geraghty im 200 Bords Brustschwimmen in 32V,!, Sek. und verbesserte damit ihre eigene Höchstleistung. Mist Ethel Mc. Garry schwamm 300 Meter Freistil in 4.23« 5 Sei. Die alte Re- kordzeit für diese Strecke betrug 4.251.5 Sek.

Obertzessen.

Landkreis Giesten

H. Grosten-Linden. 18. Aug. Alt- Bürgermeister Leun von hier, der jetzt im 72. Lebensjahre steht und sich um das Wohl unserer Gemeinde während seiner langjährigen Tätigkeit als Bürgermeister große Verdienste erworben hat, hat sich, wie man hört, entschlossen, sich von allen öffentlichen Geschäften zurückzu- ziehen und fein arbeitsreiches Leben in Ruhe zu vollenden. Er hat deshalb fein Amt als Mit­glied des Kirchenvorstandes, in dem er lange zum Segen der Kirchengemeinde gewirkt Hal. nieder­gelegt. In Anerkennung seiner verdienstvollen Arbeit hat ihn der Kirchenvorstand zum Ehren­mitglied ernannt. Ein Beweis dafür, dast man auch seine Tätigkeit für das Wohl der ©emeinde in rechter Weise zu schätzen weist, ist die Tat­sache, daß Altbürgermeister Leun schon vor längeren Jahren zum Ehrenbürger der Stadt Grosten-Linden ernannt wurde.

* Cid), 18. Aug. Herr Adam Rau von hier konnte dieser Tage in voller geistiger und körper­licher Frische unter allgemeiner Anteilnahme sein öOjöhriges Dienstjubiläum im Fürst­lichen Hause zu Lich begehen.

Kreis Aricvberg.

WSR. Butzbach, 18. Aug. Die Arbeiten für den neuen Marktbrunnen sind jetzt in Auftrag gegeben worden, so dast in Kürze unser historischer Brunnen in seiner ursprünglichen Ge­stalt wieder erstehen wird.

Kreis Büdingen.

|:| Gelnhaar, 18. Aug. Der Jagdpächter un­serer Gemeindejagd, Direktor Bendmann, Frank­furt a. M., ist gesonnen, unserer Gemeinde in hoch­herziger Weise ein K r i e g e r d e n k m a l zu bauen. Das Anfahren von Material übernimmt die Ge­meinde, während alle anderen Kosten von dem Stif­ter aufgebracht werden. Das kommt unserer finan­ziell schlecht stehenden Gemeinde sehr zustatten. In 2 bis 3 Monaten soll das Denkmal fertig jein. Gestern stürzte beim Frühbirnenpflücken ein junger Mann vom Baum und blieb bewußt­los liegen. Anscheinend liegt eine Gehirnerschütte­rung vor.

Kreis Schotten.

----- Hartmannshain, 18. Aug. Wie verlautet, beabsichtigt die Firma Scherer aus Büdingen, die bereits in Lißoerg und im Wester­wald Basaltsteinbrüche besitzt, auch hier einen Steinbruch in Betrieb zu nehmen, der vorzügliches, sich zu allen Derwendungsarten eignendes Steinmaterial aufzuweisen hat. Der» Handlungen mit den Besitzern der Grundstücke sind bereits im Gange.

----- Herchenhain, 18. Aug. In dem benachbarten D.H. C.-Jugendheim sind in diesen Tagen wieder eine größere Anzahl Mainzer und Friedberger Kinder un­ter Führung ihrer Lehrer eingetroffen, die hier einige Zeit der Erholung verbringen wollen. Die gediegene Einrichtung des Heims verdient Anerkennung.

Kreis Lauterbach.

4- Lanzenhain, 18. Aug. Die L) berklasse der hiesigen Schule unternahm zusammen mit den Nachbarschulen Eichelhain und Eichenrod einen zweitägigen Ausflug. Der erste Tag galt die Besichtigung des römischen Grenzwalles und der Saalburg; am zweiten Tag wurde der Zoologische Garten in Frankfurt besucht. In der Jugendherberge zu Bad Homburg wurde übernachtet. Für die kleinen Vogelsberger war die mohlgelungene Unternehmung eine große Erweiterung ihres ländlichen Horizontes.

Starkenburg.

Darmstadt, 18. Aug. Der in Jugenheim a. d. B. lebende Maler und Graphiker Roland A n - heißer vollendet heute sein 50. Lebensjahr. Auf den hessischen Kunstausstellungen der letzten Jahre hat er vielfach Bilder ausgestellt, besonders Land­schaften, die sehr beachtet wurden. Weit stärker nrr tiw.ri

Geld und Erfahrung

Novelle von Max E y t h.

20 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Die Tribüne füllte sich langsam; um die Bar­rieren des großen Rings schloß sich ein Menschen­ring in Form einer dünnen riesigen Mondsichel, deren Hörner sich bereits zu einem Kreis zusammen- schlossen. Daß das Sonntagspublikum der Stadt in Bewegung geraten könnte, hatte ich halb und halb gehofft; daß aber auch die Aristokratie der Crescenl City erscheinen werde, war mehr, als ich erwartete. Longstreet kam man hörte fein vergnügliches lautes Lachen schon von weitem, der ernste Beauregard, Taylor, unruhig wie ein Wiesel, nach aUcn Seiten aus Jonathan und gegen John Bull wettend. Die Owens mit der jüngeren Generation belebten das Innere des Ringes und brachten ganze Scharen von Damen in glänzenden Toiletten. Es gab doch noch schwarze leuchtende Augen und blitzende Diamanten in der Stadt. Gelegentlich sah man Delano mit einem Leinwandbeutel im Arm oom Eingangstor nach dem Pavillon laufen. Es waren Geldsäcke, die er in Congftreets Bureau ent- ^hnt hatte. Er lachte förmlich, zum erstenmal seit dem Bürgerkriege, wie mir Owen, ebenfalls lachend, versicherte. Eine heitere Aufregung bemächtigte sich der Menge m steigendem Grade. Der improvisierte Zeltverschlag, hinter dem in stoischer Ruhe die zwei Maschinen ihre Rauchwolken zum Himmel sandten, waren von hundert Jungen umdrängt, die die Lein­wandwände einzudrücken versuchten und von Zeit zu Zeit von Bucephalus und dem schwarzen Jem mit entrüsteter Beredsamkeit verjagt wurden. Es half wenig, da der eine eine riesige amerikanische der andere eine enrlische Kokarde trug, die sofort der Mittelpunkt jubelnder Bewunderung wurden.

So wurde es halb fünf Uhr. Aus einem Loch in der Rückwand der Tribüne schlüpfte jetzt Stone in hellgrüner Jacke und gelben Beinkleidern und mar­schierte, von dreißig Jungen geleitet, ernst, als ob er in einer grünen Jacke geboren wäre, dem Ma­schinenzeit zu. Kein Muskel rührte sich in seinem steinernen Gesicht. Er war der echte Jockei, der mit zusammengebissenen Zähnen einem Kampf auf Leben und Tod entgegengehl.

Dor dem Loch in der Tribüne wartete in sicht­licher Ungeduld ein junge Dame in feuerrotem Sei­

denkleid und einem wogenden Federhut von er­staunlicher Größe. Als Parker in feinem pracht­vollen Kakadugefieder, rot und blau, in der Oeff- nung erschien, wollte er wieder zurückschlüpfen. Der große Junge war so rot wie feine Jacke. Aber es half ihm nichts; die begeisterte Sally erfaßte ihn beim Arm, zog ihn heraus und begleitete ihn stolz nach dem Maschinenzelt, wo sie mit Bucephalus in ein entrüstetes Zwiegespräch geriet, der ihr rund erklärte, daß hier Damen nicht gugelaffen würden.

Fünfzehn Minuten vor fünf öffneten sich die Zeltwände mit erfreulicher Pünktlichkeit. Es ging alles wie am Schnürchen. Die beiden Elefanten dampften keuchend und rasselnd, aber mit feier­lichem Ernste, aus der Hütte hervor und wälzten sich in den Ring, der Tribüne zu. Die Aufregung wuchs; die Volksmenge umringte sie schreiend, manchmal in jähem Schreck auseinanderstiebend, dann wieder sich gefährlich zusammenballend.Das ist Jonathan!"Das ist John Bull!" erklärten sie hundertstimmig.Ein feiner Bursche, John Bull!"Sehen feie, die Räder! diese Breite!" Und wie Jonathan dampft! Das heiß, ich ein paar Lungen!"Aufpasfen! Aus dem Weg!"Vier gegen drei auf Jonathan!"Zwei gegen eins auf John Bull!"Hipp hipp hurra für Amerika!" Zwei gegen eins auf Jonathan!" So schwirrte es durcheinander, bis die beiden Maschinen vor der Tribüne angelangt waren und nebeneinander zum Stillstand kamen. Der kleine schwarze Jem, der bei Jonathan, und Bucephalus, welcher bei John Bull Heizerdienste versah, grinsten sich an. Parker und Stone lehnten auf ihren Steuerrädern und sahen ernst und schweigend auf die brausende Volksmenge herab, die zögernd die Rennbahn freigab und, hefttg protestierend, von sechs Schutzleuten unter den Bar­rieren durchgejagt wurde, wobei abgestreifte Zy- linderhüte die Heiterkeit wiederher, ifteE.ni. Das Ganze schien einen durchaus würdigen Verlauf neh­men zu wollen. Lawrence, der an alles zu denken schien, hatte selbst für Komiteemitglieder gesorgt, die in amerikanischen und englischen Schärpen um die Maschinen herumliefen, sichtlich ohne zu wissen, was sie zu tun hatten, und dadurch dem Publikum zu denken gaben.

Auf der Pavillonuhr schlug es fünf. Atemlos kam Delano aus der Richtung des Kasfentors her­bei, eine riesige Pistole in der Hand. Er wechselte

wirkt er jedoch als Graphiker und als solcher hat er hauptsächlich die Landschaften und das kultu­relle Leben in den Ländern am Rhein sowie in den benachbarten Landstrichen in eindrucksvollen Wirk­lichkeitsbildern geschildert.

T Offenbach a. Main, 18. Aug. Eine recht segenbringende und anderen Städten zum Dor­bild dienende Einrichtung, die in Offe-.rbach nur durch den Krieg unterbrochen trerten muhte, ist im letzten Schuljahr wieder ausgenommen tocr- deru Es find die Sprachheilkurse an den Volksschule n. Jeder Lehrgang besteht aus zwei Kursen, einem Hauptkursus von Ostern bis Rovember und einem Rachtursus zwischen Reu­jahr und Ostern. 3m Schuljahr 1926 27 war der Erfolg bei 50 Prozent der Teilnehmer als gut zu bezeichnen. Bei 25 Prozent waren die Er­folge befriedigend, und nur bei dem Rest txn 25 Prozent waren alle Bemühungen um die Behebung der Sprachfehler erfolglos.

Rheinhessen.

WSR. Mainz, 18. Aug. Q3J einem gestern nachmittag im Stadtteil Amöneburg erfolgten Zusammenstoß eines 34jährigen Motorrad­fahrers aus Darmstadt mit einem von Wiesbaden kommenden Personenauto wurde der Motorrad­fahrer von einem Kotflügel des Autos ersaht und gegen einen Randstein geschleudert, wo er bewußtlos liegen blieb. Er mußte nach dem Krankenhaus geschasst werden, wo ein schwerer Schädelbruch festgestellt wurde. Der Ver­unglückte starb, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben.

'Preußen.

Kreis Wcttlar.

Wetzlar, 18. Aug. Gemäß Beschluß unserer StadtverwaltunA wird zur Zeit ein größerer Anbau am östlichen Flügel des hiesigen Kran­kenhauses ausgesührt. Hierdurch hofft man, wei­tere 25 Betten unterzubringen, um der jetzigen Raumnot zu begegnen. Auch der obere Stock des in unmittelbarer Nähe belegencn Diensthauses für die Aerzte soll noch für die Belegung herangezogen werden, und zwar soll, wie wir erfahren, in die hier gewonnenen Räume die Entbindungs­station kommen, so daß diese von den anderen Krankenräumen vollkommen abgesondert sein wird, ein Fortschritt, der allgemein begrüßt wird. Ein weiterer größerer Hochbau, der geeignet ist, das Stadtbild nach dem Lahntal besonders' zu verschönen, wird auf dem neu hergestellten Fried- h o f errichtet. Es ist dies die neue Friedhofs­kapelle, deren Unterbau schon seit Jahren fertig ist, aber wegen mangels an Mitteln nicht weiterge­führt werden konnte. In Verbindung mit der Ka­pelle wird die Stadt auch ein Krematorium erhalten, so daß auch den Wünschen der Freunde für Feuerbestattung in Bälde Rechnung getragen (ein dürfte.

<H Wetzlar, 18. Aug. Das hiesige Post­amt wird zur Zeit einem großen Umbau unterzogen. Ganze Geschosse find durchschlagen, sodaß man vom Posthof durch die freigelegten Räume bis zum Dachfirst durchblicken kann. Eine ilnmemge von schweren Eisenträgern lagert auf dem Hofe und der Straße und versperrt einen starken Teil der Bürgersteiganlage. Große Aus­schachtungen im Hofe des Postamts forderten noch Ueherveste von Grundmauern des früher dort gestandenen Gebäudes zu Tage, in dem ein Teil des Reichskammergerichts und später eine Kom­pagnie des rhein. Iägerbatl. Rr. 8 untergebracht waren. Ein aufgedeckter Brunnen, der bis zur Talsole reichte, ist zugeschüttet worden. Rach Abschluß der (Sauarbeiten soll auch in Wetzlar ein Selbstanschlußamt errichtet werden.

* Krofdorf, 18. Aug. Zu der G a u t um­fahrt und den Meisterschaftskämpfen des G a u e s H e s s e n (D. T.s im D o l k s t u r n e n am kommenden Samstag und Sonntag haben sich über 400 Wetturner gemeldet. Da die Aus­wahl der Besten durch die Feste der sechs Bezirke schon vorgenommen ist, messen sich hier nur die besten Turner im Wettkampf. Der Turnplatz ist sehr gut angelegt. Der Kommers mit einem reichhaltigen Programm unter Mitwirkung der besten Gerate­turner des Gaues kann in der neuen, geräumigen Turnhalle stattfinden; haben doch fleißige Hände hierfür Sorge getraaen. Der Festplah ist mit großen Hallen bedeckt und bietet auch bei ungünstiger Wit­terung für die Abhaltung des Festes genügend mit Parker und Stone einige hastige Worte, um sicher zu sein, ob er das Zeichen geben könne. Beide nickten. Fräulein Sally, die ihre nächste Umgebung nur mit Mühe verhindern konnte, die Barriere zu überklettern, rief ihrem Jem ermunternde Zärtlich­keiten zu. Dann knallte der Schuß. Sally stieß einen gellenden Schrei aus, sank in die Arme ihres Nach­bars, raffte sich aber ebenso rasch wieder empor. Mit acht offenen Znlinderhähnen, Dampf und Feuer speiend, beide Pfeifen schrill trompetend, hatten sich die zwei Maschinen in Bewegung gesetzt. Das war nicht der Augenblick für weibliche Schwächen. ..Hurra, Jonathan!"Hurra, John Bull!" brüllte die beglückte Menge.Vorwärts, vorwärts!" Hurra, Jonathan!"Amerika für immer!" Hurra, Jonathan!"

Der Start war untadclhaft; das Wettrennen hatte durchaus programmcißig begonnen. Beide Maschinen liefen in behaglicher Ruhe hintereinander her die Rennbahn entlang. Da aber sämtliche Zy- linderhähne geöffnet blieben und sie demgemäß unter lautem Zischen Wolken von Wasser und Dampf ausspien, machten sie den Eindruck außer­ordentlicher Kraftanstrengung, so daß das Publikum hochbefriedigt war.Hurra, John!"Vorwärts, vorwärts, Jonathan!" schrie es in steigernder Er­regung. Ich wunderte mich anfänglich, daß der Eng­land repräsentierende John Bull mindestens ebenso viele brüllende Freunde zu haben schien als Jona­than. Aber eine große Anzahl Wetten waren zu­gunsten Johns abgeschlossen worden. Der schlauere Teil der Wettlustigen traute der Sache doch nicht ganz und vermutete, daß ich, der Leiter und Be­sitzer der Elefanten, dem Engländer geheime Vor­teile verschaffen werde. Daß ich weder Engländer noch Amerikaner, sondernnur" wir schrieben, wie erwähnt, noch nicht 1870 ein ehrlicher Deut­scher war, wußten naürlich die wenigsten. Eine schrille, den größeren Teil des Rings beherrschende Stimme leitete den Chor der Rotblauen. Es war Sally, die den Tribünenaufgang erklettert hatte, auf dem ich selbst stand und mich vergebens bemühte, un­berechtigte, aber enthusiastische Zuschauer hinunter- zujagen. Sally sah mir mit ihren blitzenden, kohl­schwarzen Augen lachend ins Gesicht, ohne ihr Schreien einzustellen, und klammerte sich fest ans Geländer an. Man sah, sie war entschlossen, nicht zu weichen, ohne das Gebälks mitzunehmen. Ich kapitulierte ohne weiteres. Diese Lungen! Ein ge-

Raum. Näheres im Anzeigenteil der heutigen Aus- gäbe.

X Dutenhofen, 18. Aug. In hiesiger Ge­markung machen sich leider Obstdiebe sehr unangenehm bemerkbar. So wurden an ein» gefriedig!e.i Grundstücken die Einfriedigungen be­schädigt, Sträucher ausgerissen und Frühobst aller Art gestohlen. Obwohl man den Tätern auf der Spur ist, konnte man diese leider noch nicht auf frischer Tat ertappen, um sie dec gerechten Bestrafung zuzusühren. Um in den Besitz der schon lang ersehnten Wasser­leitung zu kommen, wird von jedem Haus­besitzer allmonatlich ein fester Betrag im voraus erhoben, so daß die entstehenden Kosten kaum fühlbar werben. Bis jetzt ist es leider immer noch nicht gelungen, eine ergiebige Quelle auf* zusind en, welche genügend Wasser liefert.

<$ Groß-Rechtenbach, 18. Aug. Um een elektrischen Kraft st romverbrauch in unserer Bürgermeisterei zu heben, hat das Bürgermeisteramt mit dem ßtromlieferanten, der Buderusschen Ueberlandzentrale in Wetzlar eine Vereinbarung getroffen, nach welcher bei ge­steigertem Stromverbrauch für die Verbraucher Ermäßigungen stattfinken, und zwar beträgt der Strompreis für die ersten 500 Kw.-Stuirden 30 Pfennig pro Kw.-Std., für die weiteren 500 bis 1000 Kw.-Std. 25 Ps.. 1001 bis 2"00 Kw.-Std. 23 Pf., 2001 bis 3000 Kw.-Std. 21 Pf., 3001 bis 4000 Kw.-Std. 20 Pf., 4001 bis 5000 Kw.-Std. 19 Pf., über 5000 Kw.-Std. 18 Pf.

Tillkrcis.

WSN. Dillenburg, 18. Aug. Wie bereits ge­meldet, ist gestern bei Uebernthal tm Dillkreise die Leiche eines 18jährigen jungen Mädchens aus dem Wasser gelandet worden. Wie mir hören, ist bas Mädchen, das sich in anderen Um­ständen befand, dem Sektionsvefund zufolge e r - würgt und dann erst ins Wasser geworfen worden.

bl Dillenburg, 18. Aug. Don den neun im Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt a. M. zu bilden­den Arbeitsgerichten wurde eines auch in unserer Stadt eingerichtet. Das hiesige Arbeitsgericht umfaßt die Amtsgerichtsbezirke Dillenburg, Bieden­kopf, Herborn, Laasphe, Marienberg und Rennerod. Dem Arbeitsgericht wurde eine Kammer für Ar­beiter und Angestellte und eine Handwerkskammer zugeteilt. Die Bureauräume befinden sich im Ge­bäude des Amtsgerichts.

Wirtschaft.

QoHabbau, Export und Darvesplan.

Gegen den beabsichtigten Zollabbau ist von manchen deutschen Wirtschaftskreisen der Ein­wand geltend gemacht worden, wenn Deutsch­land seine zolltechnischen Schuhdämme abbaue, während seine Rachbarländer und die Ueberlce- länder die ihren aufrechterhalten würden dann würde Deutschland mit solcher Wirtschaftspolitik seinen heimischen Inlandmarkt der Lleberschwem* mung mit ausländischen Produkten preisgeben, wodurch es die Existenz seiner eigenen Produktion noch mehr gefährden würde, als das ohnehin be­reits der Fall sei.

Dagegen ist von anderer Seite geltend ge­macht worden, je paritätischer der bisherige deutsche Zollprotektionismus ausgebaut werde, desto mehr müsse der Schuh einer Warengruppe den Preis anderer Warengruppen hinauftrei- ben im Gegensah zur deutschen Geldpolittk, die durch Diskonterhöhung und Kreditbeschränkung eine Senkung des allgemeinen Preisniveaus an­strebe, um die Ausfuhr zu ermöglichen. Ein niedriges Preisniveau sei ein viel besserer Schutz als ein hoher Zolltarif. Das amerikanische Bei­spiel beweise, daß ein hohes Inlandpreisniveau, trotz hoher Zölle die Einfuhr anziehe, wobei die Importeure, bzw. der Inlandkonsum den Zoll tragen. Ausfuhrsteigerung fei nicht nur das Ergebnis der Beseitigung fremder Zolltarife, sondern vielmehr die Folge eigener Preissenkung.

Die Entwicklung bet deutschen Wirtschafts­lage liefert das zweite praktische Deifpiel für die Richtigkeit dieser Wirtschaftstheorie. Trotz der bestehenden deutschen Hochschuhzölle ist es bisher nicht gelungen, die Konkurrenz auslän­discher, industrieller und landwirtschaftlicher Pro­dukte auf dem deutschen Inlandmarkte zurück­zudrängen, im Gegenteil, die deutschen Ein­fuhrüberschüsse in industriellen Fertigsgbrikaten

wattiger Perlmutterknopf über ihrem königlichen Busen sprang mit einem hörbaren Knall ab und flog in großem Bogen in die untenstehende Volks­menge.Hurra, Jonathan!"Hurra, Jem!" Ihre Gefühle für die Lokomotive mischten sich bereits bis zur Unkenntlichkeit mit denen für den Lokomotiv­führer, und als die Maschinen die Bahn zum ersten­mal umkreist hatten und John Bull sechs Ma- schinenlängen vor Jonathan durch das Ziel dampfte, ttmnte ihre Freude und ihr Stolz keine Grenzen mehr.Hurra, Jem! Hurra, Jem!" jubelte sie dem Blauroten zu, der in stoischer Ruhe, den Anlaßhebel in der einen, den Regulator in der andern Hand, auf seinem Tender stand und sich sichtlich bemühte, die Freudenrufe seiner jungen tropischen Liebe nicht zu hören. Zu unfern Füßen sahen die Leute ciu- rüftet herauf und suchten ihre Chorführerin zu be­lehren, daß ihr Elefant nicht Jem heiße, sondern John, John Bull. Aber nichts in der Wett hätte Sally irre gemacht.Hurra, Jem! Hurra Jem'"

Höhnend behandelte sie Jonathan, der eine halbe Minute später an uns vorüberdampfte. Auch Stone sah ruhig und trocken, wie sich's geziemt, von seiner Maschine herab. Das Brüllen der Grüngelben, aus dem schon Angst und Zorn deutlich durchklang: Vorwärts, Jonathan!"Nicht nachlassen, nicht nachlassen!"Schneller!"Hurra für Amerika!" Schneller, schneller!" schien an seinem starren Pankeegesicht abzuprallen wie ein tosender Gebirgs­bach an einem Felsblock. Dagegen konnte ich jetzt mit meinem Opernglas bemerken, daß der schwarze Jem, sein Heizer, in sichtlicher Aufregung große 5ilumpen Kohle in das Feuer warf und dazu zornig in das Feuerloch hineinschrie. Trotzdem erweiterte sich die Entfernung zwilchen den beiden Rennern mehr und mehr.

Donnerwetter, der Amerikaner oerliert's!" sagte Longstreet, der unmittelbar hinter mir auf der Tribüne stand, zu seinem Freund Beauregard. Die Aufregung und das Geschrei der taufenoföpfigen Menge hatten ihre bekannte magnetische Wirkung. Selbst die beiden, damals weltberühmten Generale der fonföberierten Armee, die in blutigen Schlachten kühl ihre Befehle gegeben hatten, begannen den Einfluß der wunderlichen Nervenströmung zu fühlen, die in solchen Augenblicken durch die schwule, brau­sende Luft zieht.Was wetten Sie, Beauregard, der Amerikaner vertterfs?"

(Fortsetzung folgt)