Nr. ^3 Zweites Blatt Gietzensr Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesfen) Freitag, (9. August I92Z
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ver Militarismus der anderen.
Bei der Rückkehr von der mißglückten Genfer Flottenkonferenz nach den Vereinigten Staaten stellte ein amerikanischer Delegierter fest, daß die Vereinigten Staaten ebenso gut ein Jnselland wären wie England und sich daraus schon die Notwendigkeit einer starken Marine ergäbe. Inzwischen wurden die Ausgaben für die nationale Verteidigung der Staaten wesentlich erhöht, was insbesondere der Vergrößerung der Lustflotte dienen soll. Alles in allem hat die Entwicklung der Abrüstung nunmehr überall (außer in Mitteleuropa) zu immer fieberhafterer A u f r ü st u n g geführt — und vor allem zeigt der kürzlich herausgekommenc Erlaß des französischen Knegsministers an die einzelnen Korps, die notwendigen Militärverfonen zur körperlichen Ausbildung der französischen Jugend nach Möglichkeit (das heißt: in größtmöglichstem Maße) jeweils zur Verfügung zu stellen, wie weit in Frankreich die Militarisierung des ganzen Volkes gediehen ist: vom ersten Schuljahre an steht die französische Jugend männlichen und weiblichen Geschlechts unter militärischer Leitung!
Kann angesichts des derzeitigen Standes der französischen Rüstung und der zu ihr in krassem Gegensatz stehenden deutschen Entwaffnung überhaupt noch von einer „deutschen Gefahr" gesprochen werden, selbst wenn der Geist der Revanche und Rache in Deutschland tatsächlich so lebendig wäre, wie die französische Propaganda behauptet? Letztlich bleibt aber von allen „Beweisen" für eine vorhandene „deutsche Reoanchevorbereitung" allein der seltsame Vorwurf übrig, daß die Führer des Reichsheeres dieses, im Rahmen der durch das Friedens- Siftat gegebenen Bestimmungen, zu einem möglichst guten militärischen Instrument machen wollen (was ihre selbstverständliche Pflicht ist), anstatt es, über die Bestimmungen hinaus, einfach aufzulösen und so die letzten Grundlagen deutscher Selbstbehauptung zu zerstören, abgesehen davon, daß sich die französische und die deutsche Militärmacht in ihrem Kräfteverhältnis ernsthaft ja gar nicht mehr vergleichen läßt. Man spricht dem deutschen Volke eben von vornherein das Recht zur Verteidigung seines Bodens ab, während man dieses selbe Recht Frankreich voll zuerkennt, wie sich soeben wieder am Beispiel eines französischen Pazifisten, des Professors Basch, erweist, der zwar auch von Frankreich „unwiderlegliche Beweise seines Friedenswillens zur Unterstützung der pazifistischen Kräfte Deutschlands" verlangt, aber auch nicht aus den Hinweis verzichtet, „Frankreich müsse seine nationale Verteidigung jo organisieren, daß es auf alle Fälle vorbereitet" sei. Deutsche und französische Pazifisten stehen in diesem Kampfe Schulter an Schulter — gegen Deutschland; doch mit dem Unterschied, daß der Franzose seinem Balerlande gibt, nxis der Deutsche dem seinen vorenthalten will. Bis zu welchen grotesken Entstellungen sich der Haß gegen das eigene Vaterland versteigen kann, dafür sind Friedrich Wilhelm F ö r sie r und seine in Wiesbaden unter dem Schutz dar Besatzungstruppen erscheinende „Menschheit , die sich so vertrauenerweckend „Publikationsorgan der Arbeitsgemeinschaft für Frieden und Recht" nennt, allwöchentlich lebendigstes Muster. Um nur ein Beispiel zu nennen: Förster zitiert einen Satz aus einem Aufsatz des deutschen Industriellen Rech berg, der im Pariser „L'Aoenir" erschienen ist: „Ich zweifle nicht daran, daß Frankreich, wenn nicht die deutsch-französischen Beziehungen vollkommen geändert werden, den Krieg nn dem Tage haben wird, an dem Deutschland ihn mit Erfolg führen kann" — und nimmt ihn als entscheidenden Beweis für „deutsche Kriegspläne" an. Wer wagt zu bezweifeln, daß die völlige Aenderung der deutsch- französischen Beziehungen erste und letzte Voraussetzung für die Befriedung Europas und die Vermeidung zukünftiger kriegerischer Auseinandersetzungen ist! 2lber was hat das mit der durch nichts bewiesenen Behauptung, zu tun, die deutsche Führung bereite, unter Verletzung der Entwaffnungsbestimmungen, den Krieg gegen Frankreich vor?
Man tut in Paris noch immer sehr ungehalten über die Rede des Abgeordneten o. K a r d o r f f am deutschen Derfassungstag, weil in ihr die Nichterfüllung der Locarno-Verträge von feiten Frankreichs als klare Tatsache hingestellt wurde. Aber die Polemik, die an diese Aeußerung geknüpft wurde, hat sie nicht entkräften können. England und Frankreich verhandeln über Be- satzungsver Minderung, und es ist anzu-
1 nehmen, daß kurz j>or Beginn der kommenden Genfer Ratstagung Frankreich insofern einen „unwiderleglichen Beweis seines Friedenswillens" gibt, als es dem Abzüge von ein paar tausend Mann aus dem Rheinland zustimmt, um den zu erwartenden deutschen Forderungen die Stoßkraft zu nehmen. Das kann von deutsä>er Seite freilich keineswegs als Erfüllung der Versprechen von Locarno anerkannt werden.
Die Memeler Zprachenfrage.
Aus Genf kommen Rachrichten nach Berlin, daß man in Bölkerbundskreisen mit besorgtem Interesse das Verhältnis zwischen den, Memelgebiet und Litauen verfolgt und daß man dem jüngsten Schritt der deutschen Reichs regierung in Kotono wegen der widerrechtlichen und fast vollständigen Unter- drückung der deuts chen Sprache bei der Seminarausbilduag der memel ländischen Lehrkräfte aufmerksame Beachtung schentt. Dem Unwillen, den man in Völkerbundskreisen darüber empfindet, daß die Memel-Angelegenheit trotz der formellen Zusagen des litauischen Ministerpräsidenten Voldemaras vor dein Völkerbundsrat in seiner Iunitagung bis heute nicht nur kaum vorwärts gebracht wurde, sondern durch die Haltung des Qlieineler Lantes§ircftoriums fast noch verschliinmert worden ist, wird in diesen Meldungen in vorsichtiger Form dadurch Ausdruck gegeben, daß auf die Worte hingewiesen wird, mit denen im 3u,Ii der englische Außenminister Chamberlain in seiner Eigenschaft als derzeitiger Ratspräsident diese Angelegenheit von der Tagesordnung abgesetzt hat. Diese Worte enthielten einen dringenden Appell an Litauen, seinen Verpflichtungen aus dem Memel-Statut und seinen damals gegebenen Zusagen in korrekter Weise nachzukommen, damit es dem Völftrbundsrat in Zukunft erspart bleibe, sich mit der Memel- Angelegenheit befassen zu müssen. Die Bedeutung dieses Appels war um so größer, als jedermann sich dabei an frühere Verhandlungen des Rats erinnerte, bei denen der damalige litauische Delegierte Galvanauskas sich gegenüber den Kompromißvorschlägen des Rates vollkommen un- versönlich gezeigt hatte und so weit gegangen war, den Ratstisch und den Verhandlungssaal mit einer temperamentvollen, aber sehr unangenehm empfundenen Geste zu verlassen.
Das Unbehagen und die Besorgnisse, die, wie die Genfer Rachrichten deutlich zeigen, in Döl- kerbundskreisen wegen der seit dem 3uni von der litauischen Regierung bekundeten fast völlig negativen Haltung entstanden sind, scheinen leider vollkommen berechtigt. Ueber das Ergebnis des Schritts der Reichsregierung in Kowno verlautet noch nichts, und die Genfer Besorgnisse werden durch ein 3 nterview, das der litauische Ministerpräsident dem Vertreter der „Deutschen Diplomatisch-Politischen Korrespondenz" dieser Tage gewährt hat, nur verstärkt. Woldemaras geht in diesem 3nterview der für die Memelländer und die Erhaltung ihrer angestammten, 3ahrhunderte alten deutschen Kultur hochwichtigen Sprachenfrage vollkommen aus dem Weg. Mil Recht ist es ihm peinlich, die Haltung seiner Regierung und des memelländischen Direktoriums zu verteidigen, nachdem der Wortlaut des Memel-Statuts einen Zweifel über die Berechttgung der memelländi- schen Sprachenforderung überhaupt nicht zuläßt. Dieses Stillschweigen darf aber weder Deutschland noch der Völkerbundsrat hinnehmen. Die Angelegenheit ist zwar im 3uni von der Tagung des Völkerbundsrats auf Grund der Zusagen des litauischen Ministerpräsidenten abgeseht worden. Sie ist aber damit unverändert vor dem Völkerbundsrat anhängig geblieben für den Fall, daß die Beschwerden der Memelländer, die nicht nur die Wahlen zum memelländischen Landtag, sondern auch die Sprachenfrage betreffen, nicht in der zugesagten Weise abgestellt werden. Der Dölkerbundsrat wird also während seiner bevorstehenden Septembertagung ohne weiteres die Angelegenheit wieder auinehmen müssen, falls nicht noch im letzten Augenblick die Durchführung der gemachten Zusagen sichergestellt wird, eine Lösung, die nicht nur der Völkerbundsrat und
Transozeanflüge.
Von Dr. E. Everling, Professor an der Technischen Hochschule Berlin.
Daß die Luftfahrt — nicht nur, weil sie Sport ist — die Menschen, die Völker zu einen vermag, zeigte in diesen Tagen wieder einmal die Spannung der ganzen Welt, als kühne Ozeanflieger das Festland hüben und drüben verlassen hatten.
Wenn auch die große Zahl der Fernflüge in den letzten Monaten der einzelnen Leistung den Rimbus des Besonderen genommen hat, so darf doch eine Ueberquerung ausgedehnter Seestrecken mit Recht unsere Aufmerksamkeit beanspruchen; denn einmal ist beim heutigen Stand der Technik ein ununterbrochener Flug über mehrere tausend Kilometer, ohne die Möglichkeit einer Zwischenlandung, ein sportlich^ Wagnis und ein gutes Zeichen für den Führer nicht bloß, sondern für das Flugzeug und vor allem für die Betriebssicherheit des Motors; und zweitens sind diese Ozeanflieger ja die Vorläufer und Bahnbrecher des Uebersee-Luft- verkehrs.
lieber dem Wasser, wo das Luftfahrzeug nicht mit einem dichten Reh guter Schnellzüge, sondern mit verhältnismäßig langsamen Schiffen in Wettbewerb tritt, wo die Länge des Wcges die Zeitersparnis vervielfacht, ergeben sich für die Luftfahrt weit bessere wirtschaftliche Aussichten als über Land, wo wir doch auch in späteren 3ahren bessere Ausnützung und Rentabilität erwarten. Aber wir sind von einem regelmäßigen Luftverkehr über den Oen Ozean, der für Reisende, Fracht und von den Hauptplähen der alten Welt zu den amerikanischen Großstädten mehrere Tage sparen könnte, weit entfernt.
Denn die bisherigen Flüge waren lediglich sportliche Unternehmungen, mit Ausnahme der aufsehenerregenden lleberführung eines Reparattons-Luftschiffes, des unter dem amerikanischen Ramen Z R III bekannten Zeppelins L Z 1 92 6, von der Bauwerft Friedrichs- Hasen nach Reuhork im Oktober 1924, aber auch dieses lediglich mit der Besatzung und nach längerem Warten auf günstiges Wetter, da es
ja unter dem Zwang der Begriffsbestimmungen nicht so groß gebaut werden tonnte, wie es für die Reisestrecke zweckmäßig geworden wäre. Vorher hatte schon ein Luftschiff englischer Herkunft, aber ebenfalls deutscher Schule, nämuch das Zeppelin-Starrluftschiff R 34, auf einer kürzeren Strecke von England nach Amerika den Ozean überquert. Auf Grund dieser Erfahrungen und der Ergebnisse anderer Fernfahrten, vor allem der berühmten Reise des L 59 vom Balkan ins Herz von Afrika und zurück während des Krieges, darf man erwarten, daß ein Debersee-Luftschiffsverkehr mit deutschen Zeppelinen, zunächst von Spanien nach Südamerika, das in größerem Stile fortsehen wird, was man seinerzeit bescheiden begann.
Mehr Zeit könnte man sparen, wenn das schnelle Flugzeug Reisende, Waren und Briefe über den Ozean führte. Hier gilt es, bei der Vergrößerung der Flugzeuge alte Vorteile auszuwerten, um dM mit einer hinreichenden Rutz last zu erreichen, was bisher nur wenigen Sportfliegern gelungen ift Der Amerikaner Read, der vor genau 8 3obren mit Zwischenlandungen von Reuyork nach Lissabon flog und so zum erstenmal die beiten Erdteile auf dem Luftwege verband, die Engländer Alcock und Drown, die einen Monat darauf von Reufundland nach 3sland flogen, die Portugiesen C a b r a I und Coutinho, die 1922 in entgegengesetzter Richtung von Lissabon nach Fernando de Roronha kamen, der Spanier Franco, der im 3ahre 1926 in einem deutschenFlug- bovt von Spanien nach Buenos Aires gelangte, und einige andere, alle haben, ebenso wie neuerdings der 3taliener de Pinedo, der Portugiese Sarmento St. Roman, dem Luftverkehr der Zukunft neue Wege gebahnt.
Auch der, den die persönliche Leistung nicht begeistern kann, muß sich klarmachen, was es für unsere wirtschaftliche Zukunft, für den gesamten Welthandel bedeutet, wenn wir in wenigen Stunden eine Urkunde, eine Warenprobe, einen Unterhändler, einen Geschäftsreisenden auf die andere Seite des großen Teiches senden können, wenn auch dem Ueberbeschäfttgten, der nur wenige Sage seinem Bureau fernbleiben kann, eine Reise in die neue Welt möglich wird.
Deutschland begrüßen würden, sondern die auch im 3nteresse Litauens liegt, dem nach den wiederholten Versicherungen seines Ministerpräsidenten an einem Ausbau freundlicher Beziehungen zu Deutschland, schon im 3nteresse des Zu st and e- kommens eines Handelsvertrags, gelegen sein sollte. /
ZubilZumstag im Barmatprozeh
Das Zeitalter der Rekorde hat am Dienstag wieder einmal einem vielleicht einzig in seiner Art dastehenden Rekord das Leben geschenkt. 3n Berlin-Moabit fand nämlich am Dienstag ein stilles 3ubiläum statt, die 10 0. Verhandlung im Darmatprozeß, der am 11. 3anuar d. 3. begann und voraussichtlich das Gericht noch bis zum Ende des 3ahres beschäftigen wird. Dieser Monstreprozeß stehl in der Kriminalgeschichte einzig da. denn vor ihm hat es wohl keinen Prozeß gegeben, dessen Vorbereitung und Durchführung das Gericht solange in Anspruch genommen hat, wie das Verfahren gegen Darmat und Genossen. Rach fiebenmonati- ger Verhandlung ist man jetzt endlich nach Erledigung ter Anklagepunkte, die sich mit der Geschäftsverbindung zwischen der Preußischen Staatsbank und den Darmats, mit dem Fall Lange-Hegermann, mit den Beziehungen Darmats zur Deutschen Girozentrale und der R e i ch s p o st bzw. zur D r a n b c n b u r g i f d> c n Girozentrale beschäftigten, zum 6. Teile der Anklageschrift Dor- gedrungen, ter die Ausgabe der ersten Roth- Obligationen behandel', bei der Barm.it nur eine Rebenrolle spielt. Es sind also noch drei Teile der insgesamt 648 Seiten umfassenden Anklageschrist zu behandeln, und zwar beziehen sich diese auf die Allgemeine Garantiebank Darma's. die die Versicherung ter verschiedenen Kredit' borgenommen hatte, die Geschäftsbczi.hung n der Amexima zu der Lisematthes A. G. in Magdeburg und schließlich die Bestechung des Oberzoll- mspektors Stachel in Bentheim, deren sich3vlius und Henry Darmat schuldig gemacht h'ben sollen. Bisher hat das Gericht, tem mehrere Ersah- richter und Schöffen zur Verfügung stehen, etwa
185 Zeugen vernommen, allerdings einige davon mehrere Wochen hintereinan- dcr Tag für Sag hindurch. An prominenten Persönlichkeiten traten bis.er im Barmatproz.ß der jetzige Reichspostminisier Dr. Schätz l. der frühere Reichskanzler Dr. Luther, der frühere Reichswirtschaftsminister Robert Schmidt und der frühere preußische Finanzminisler v. Richter, der Generaldirektor ter Darmstädter und Rationalbank 3akob Goldschmidt auf.
Auch eine ganze Anzahl Staa'ssckre äre und Ministerialdirektoren des Reichspostm mfleriumS mußten längere Zeit hindurch als Zeag-n während des Falles Lange-Hegermann, wo ci auch die Zuwendungen an den früheren Reidspost- minister Dr. Höf le eine Rolle spielt n. oer- nominen^tocrten. Während das Gericht seit dem ersten Sage auch am 3ubiläumetagc dieselbe Zusammensetzung zeigt, hat sich die Zahl der Ersahschösfen. die zuerst sechs betrug, inzwischen durch Erkrankung auf fünf verringert. Die Anforderungen. die dieser Prozeß an alle De iiig en stellt, waren und sind auch heule noch ganz ungeheure. Desonters schwierig aber sind tee wirtschaftliche n Folgen für die Schöffen, die zum Sei Gewertete.wende sind und sich zur Aufrechterhaltung ihrer Geschähe einen Stellvertreter haben annehm n müssen, dessen Gehalt alierdings von der Gerichtskasse bezahlt toir'', b.i die Sch4seit selbst derartige Lasten auf die Dauer nicht tragen könnten. Die Kosten des Prozesses s lost sind natürlich ungeheuer groß und lassen sich bisher auch nicht annähernd so ätzen Es fehlt dem Laien überhaupt jeder Maßstw f.:r di: en Prozeß. Die Verhandlungen sind nur noch den ^allereingeweihtesten, denen, die von Anfang an dabei waren, verständlich. Das Interesse am Prozeß in der Oeffentlichkeit ist auf ein Minimum gesunken, während sich auf den Verhandlungstischen die Prozeßakten mit verwirrend getürmten Zahlenplirami- den aufhäufen. Bald scheint es so, als sei das G e • richt selbst zum Barmatprozeß verurteilt, aus dem es nicht mehr herauskommen könne. Ader wie schon gesagt, gegen Ende des Jahres hofft man, daß alles so weil fortgcschru.en ist. daß mit einem Ende dieses einzig dastehenden Monstreprozesses gerechnet werden kann.
Turnen, Sport und Spiel.
Sport und Sonne.
. Licht, Lust und Sonne sind zusammen mit Wasser und Bewegung die wichtigsten Lebens- und Gesundheitsfaktoren des Menschen. Von altersher hat man das erkannt und danach gehandelt. Der beste Wegbereiter und Förderer dieser Erfahrung ist neben der Wissenschaft immer der Sport gewesen, er, der uns zurückführt zur Natur, der der Krankheit Todfeindschaft angesagt hat.
Sport und Sonne sind innig miteinander befreundet. Licht und Luft sind Kraftquellen jeder Leibesübung. Den ganzen Körper wollen wir der Sonne barbieten, wollen den kräftigenden, ober wenn es fein muß, ben heilenden Einfluß der Sonne, des Lichts auf uns einwirken lassen. Die Wissenschaft, die in der Natur ihren besten Verbündeten sieht, hat sich auf dem Weg der künstlichen Bestrahlung, der Höhensonne, sogar bereits einen Ersaz be- K, wenn Sonne und Licht nicht zur Verfügung
. Der Sport wird solche Hilfsmittel vermeiden, er setzt an ihr Stelle die Bewegung in der freien Luft, wenn es an Sonne fehlt.
Die Wirkungen des Sonnenlichtes auf unseren Körper sind mannigfacher Natur. Durch die Wärmestrahlen besteht an uno für sich zunächst die Gefahr einer Verbrennung der Haut. Der Organismus schützt sich dagegen dadurch, daß er eine größere Menge Blut durch die bestrahlten Körperteile hindurchschickt. Versuche haben ergeben, baß biefe Durchblutung 6—7mal so stark ist wie im normalen Zustand. Blut ist aber der Motor alles Lebens im Körper, die Krätigung der Haut bzw. der Hautblutgefäße eines der wichtigsten Mittel zur Gesunderhaltung. Unter der Wirkung des Sonnenlichts wird ferner der ganze Stoffwechselprozeß unseres Körpers aufs günstigste beeinflußt, gehen doch von der
An dieser Entwicklung und ihren Vorteilen können alle Völker teilnehmen, die einem rein friedlichen Luftverkehr aufzubauen wissen; sie alle können sich auch an den Erfolgen ter Ozeanflieger freuen, die hoffentlich in Zukunft nicht mehr gezwungen sein werden, die nächstliegenden Sicherheitsvorkehrungen zurückzulassen, um den zu kurz anberaumten Start zu ermöglichen.
Funde vom Westletlner des Mainzer Domes.
3n ter Zeitschrift für Denkmalpflege werden jetzt von Professor Werner Roack (Freiburg i. Dr.) in einem längeren Aufsatz die Funde vomWestlettner de s Mainzer Domes eingehend gewürdigt. 3n dem Aufsatz wird eine Geschichte ter Anlage des Lettners (Bühne mit Lesepult) gegeben und der Veränderungen, die im Laufe ter Zeit vor sich gingen. Der Verfasser glaubt, daß aus den zahlreichen aufgefundenen Druchstücken sich die ursprüngliche Anlage bis ins einzelne zuverlässig rekonstruieren läßt.
„Die figürlichen Reste", so heißt es an einer Stelle, „zum Seil von ausgezeichneter Erhaltung, geben uns überraschende Aufschlüsse über die Kunst des Raumburger Meisters. Cs findet sich darunter ter untere Seil eines stehenden Engels mit dem Kreuzesstamm; eine ähnliche Figur kennen wir aus tem zu Beginn des 14. 3ahr- hunderts entstandenen jüngsten Gericht von der Liebfrauenkirche im Mainzer städtischen Museum. Dann Bruchstücke von Aufcrstehenden. die eine Ergänzung zu den erhaltenen Reliefs des Lettners bilden. Ein herrlicher bärtiger Kopf, der vielleicht tem 3ohannes neben dem Weltenrichter vom Mittelgiebel an der vorderen Achteckseite der Lettnerbühne gehört. Unö vor allem an eine Rippe angearbeitet ein Arm des Schlußsteines mit der Darstellung der Kardinaltugenden und das Bruchstück eines Knies.
Von größerem 3nteresse sind auch die dekorativen Stücke: Kapitelle, Schlußsteine, Baldachinreste und Friese mit herrlichem Laubwerk, zum Seil mit wohlerhaltener Bemalung in Blau, Grün, Purpur. Rot. Schwarz und Gold. Besonders zahlreich sind die Stücke, die eine Brüstung abgeschlossen zu haben scheinen: eine ht gleich»
Sonne Reize aus, die in gleicher Weise für Nerven unb Muskeln wohltätig wirken. Die erhöhte Bluttätigkeit ist übrigens bas beste Schutzmil!.! gegen Krankheiten, bie ultravioletten Strahlen te Sonne, bie burch bie Haut bringen unb in ben Blutstrom gehen, zerstören bort alle giftigen Bestanbteile.
Wie bei allem ist jeboch auch bas Sonnenbab gefährlich für ben, ber es übertreibt. Infolge der erhöhten Durchblutuntz ber Haut unb dadurch bebing» ten erhöhten Herztätigkeit müssen sich insbesondere nervöse unb herzkranke Menschen vorsichtig verhal- ten, aber mich gänzlich Gesunbe sinb leicht ber Gefahr ausgesetzt, bie Haut zu verbrennen unb sich schmerzhafte Entzünbungen zuzuziehen, wenn sie nicht Maß zu halten verstehen. Die beste Gewöhnung unb Vorbereitung auf das Sonnenbab wirb ii.uner bas Luftbab fein, unb weil gerate ber Sportler gewöhnt ist, sich in ber freien Luft mit nacktem Körper zu bewegen, wirb er auch vom Sonnenbad ben größten Vorteil haben. Rn. e
Vorschau
auf die Bataivous-Wetlkämpfe.
Rach der Ausschreibung für das BotaÜ'ons- Sportfest am nächsten Sonntag bürfenMid) die Angehörigen der Kompagnien außer an Mannschaftswettbewerben an nur drei Einzelwettkämpfen beteiligen. Dadurch wird die Beteiligung am Wettkampf auf eine breitere Basis gestellt, als es im allgemeinen bei Veranstaltungen der D. S. oder D. S. B. ter Fall ist. Bei ber Masse, der gleichwertigen Leute und versteckten sportlichen Kräfte in unserem Reichsheer ist mit einer Verminderung der Leistung als Folge vieler Maßnahme und Einbuße an interessanten Wettkampfmomenten nicht zu rechnen. 3m einzelnen
mäßigen Abständen durch flache Ringe geteilte Stange, von der Fransen herabhängen.
Für die architektonische Gestaltung des Lettners ist ein dreiteiliges Laubkapiiell feljh wichtig, das nur an einet ter beiten vorderen'Eä e i der aus drei Seiten des Ach ecks vorgebauten Bühne gesessen haben kann. Eine Anzahl Kleeblattblenden in spihbogigcr Umrahmung, die mit e ner Serie von Kapitellen zusammenpa s.n. entsprechen der vom Raumburger Lettner bekannten Dlend- arfaturen; über einem ähnlichen Dlendenbruch- stück findet sich auch noch ter Ansatz eines Vierpasfes, eine Verbindung, die genau so in Raumburg vorkommt. Ebenso wie die figürlichen und dekorativen Skulpturen stellen auch die Profile der Architeklurglieter stilistisch ene Vorstufe zu den Raumburger Arbeiten dar."
Der Verfasser knüpft an diese Feststellungen noch die nachstehenden Betrachtungen. „Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob nicht angesichts der außergewöhnlichen Bedeutung dieser fabelhaften Funde die Durchforschung der 5_nöam:-nte noch weiter hätte getrieben werden können. Rücksichten auf die Standsicherheit der barocken Chorbühnen. die man nicht lediglich wissenschaftlichen 3ntereffen zuliebe abtragen wollle. sollen der Grund für diese, für den Forscher sicherlich sehr bedauerliche Beschränkung gewesen sein. Auf alle Fälle sollte man aber vor der Verlegung des neuen Fußbodens noch untersuchen, ob «sich nicht im Bereich der vom Mittelschiff zur Westvierung hinauftührenden Sreppenanlage noch die Fundamente der Lettnerbühne finden, um so ganz bestimmte Anhaltspunkte für die Rekonstruktion des Grundrisses zu bekommen.
Was für den Archäologen und Prähistoriker eine Selbstverständlichkeit bedeutet: sein wichtigstes Material aus Ausgrabungen zu gewinnen, ist für den Kunsthistoriker im allgeme nen eine Ausnahme. 3n einem Falle, wie dem hier vorliegenden, bei dem es sich um eines der bedeutendsten Kapitel der deutschen Kunstgeschichte handelt, sollte mit den Methoden und der Gewissenhaftigkeit ter Archäologie vorgegargen werden, wenn uns nicht zukünftige Generationen unverantwortliche Gleichgültigkeit und nicht w eder gutzumachende Versäumnis vorwerfen sollen."


