Ausgabe 
19.7.1927
 
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Dienstag, 19. Zuli 1921

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Nr. (66 Zweites Blatt

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die langen der Prima Horazverse, es wirklich schärfer

Hal: aus ihm heraus bestreiten die zahlreichen aus der Erde geschlossenen Restaurants und Teeräume ihr Dasein.

Für das heutige England ist auch der Ge­burtenrückgang bezeichnend. Vielköpfige Fa­milien, Ivie sie ehedem die Regel waren, werden immer seltener. ..Wir haben keinen Platz für viele Kinder, und ihre Erziehung kostet zu viel", sagen die Jungverheirateten. Schwierigkeit der Dienst- botenbeschasfung tritt hinzu: Köchinnen verwei­gern die Annahme von Stellungen in Haushal­tungen, wo Kinder sind.

Viele dieser Erscheinungen haben, wie gesagt.

einzelne Etagen aufgeteilt.

Auch heute noch gibt es natürlich einige sehr reiche Familien, aber die Reichen von heute sind nicht mehr die Reichen der Vor­kriegszeit. Die Hocharistokratie, die ehedem ein oder zwei Landsitze unterhielt Und ein Wohn­haus in der Stadt, hat vielfach ihren Landbesitz verkaufen müssen. Devonshirehouse, früher die Stadtresidenz des Herzogs, ist von dem Erdboden verschwunden: GrosvenoUhvuse, einst Besitz des Herzogs von Westminster, ist verkauft und in Mietsetagen aufgeteilt: Staffordhouse, die Re­sidenz des Herzogs von Sutherland, ist Museum geworden und viele andere einst berühmte Privat- häuser sind heute Klubs, lind dieses Schicksal haben viele der in der Gesellschaft einst berühnrten großen Landsitze geteilt: sie sind heute Schulen, Sanatorien oder Klubs. Selbst die Gärten, früher ein besonderer Stolz der Besitzer, ftnD großenteils verwildert: wo Gartenpflege fort­besteht, ist sie recht bescheiden geworden. Sn den Schlössern, die ihren Besitzer nicht gewechselt haben, sind ganze Flügel oder viele Zimmer ge­schlossen: Die Lords, die früher in Pfund dachten, haben es lernen müssen, in Schillings zu rechnen.

Auch die Beamtenwelt und dre Ge­schäftsleute fühlen die Rot der Zeit bitter: sie alle haben eine Einengung ihrer Verhältnisse erfahren. Rur von der Arbeiterklasse läßt sich sagen, daß sie ihren Lebensstandard behauptet und vielleicht sogar in mancher Beziehung ver­bessert hat. Sedenfalls hat sich ihr Luxusbe- dürfnis erhöht, und in bezug auf die Kleidung wird ihm jedenfalls mehr Rechnung getragen als früher. Freilich, Armut und Leid sind damit nicht verschwunden, schon die schlechten Wohnbedin­gungen sorgen dafür. Auffällig bleibt, wie das Unterhaltungsbedürfnis der Frauen sich gesteigert

Wer England vor 1914 kannte und es heute wieder besucht, wird eine tiefgreifende Wand­lung spüren. Schon auf der Bahnfahrt nach London erregt die ungewöhnlich große Anzahl sehr kleiner Häuser und Bungalows Aufmerk­samkeit: sie scheinen wie Pilze aus der Erde gesprungen, und ihr Dasein beleuchtet den Woh- n u n g s m a n g e l, der heute England beherrscht. Gewiß wird der wohlhabende Besucher in zahl­reichen neuen Luxushotels Zimmer mit Bad heute

und Wollen, lauter und schimmernd weiß wie die Ewigkeit.

Hier den Abend verleben, sehen, wie der schmale Mond hinter den Föhren aufkommt und die Rächt ihre Lampen anzündet.

Unten kramt die Frau noch mit ihren Milch­schüsseln, meckert die Ziege im Stall. llnb dann die große, heilige Stille, in der alles um einen versinkt. Rur das Summen der Telegraphen­drähte.

Wie Sterne hängen die Signallampen in der blauen Luft.

Langsam kriecht von weitem ein Zug heran, wächst mählich inS Große, rattert und stampft, daß das Haus erbebt und das Wasserglas auf dem Tisch hinter mir llirrt.

Run ist er vorbei, und eine blasse Wolke von Dampf, die er hinter sich gelassen, hängt un­schlüssig in den Wipfeln, weih nicht, wohin, und zergeht darüber in dem zagen Winde.

Ilm Mitternacht kommt der letzte O-Zug. Er rast unter meinem Fenster vorbei, als müsse er das Dunkel, das auf den Schienen lastet, zer­schmettern und zerstampfen. Fliehende Lichter unter meiner Zimmerdecke wie huschende Arme, mit denen er ins Dunkel langt.

Dann, langsam, wie die Ringe eines Wassers verebben, in das jemand einen Stein geschleu- dert, kehrt die Stille zurück, schwingen die Stun­den wieder ihren lautlosen Reigen.

lind je länger die Stille dauert, um so tiefer wird ihre Sehnsucht nach dem, was ihr Erfül­lung gibt. Denn alle Stille will Klang, will Rhythmus, will Gesang.

Aber hier ist niemand, der chre Sehnsucht

Einrichtung geworden, im Dchul-Landheim ver­bringen die Kinder ganze Wochen draußen im Freien.

Aber das Bleigewicht der Schulwissen­schaften ist bisher nicht kleiner geworden. Wir müssen den Mut gewinnen, namentlich in Gram­matik und Mathematik die Anforderungen zu vermindern, damit mehr Raum gewonnen wird für die Tätigkeit im Freien und für Hand­arbeit. Die Folge wird nicht nur fein, daß die Kinder gesunder heranwachsen, es werden auch viele Lust gewinnen, dauernd bei der Arbeit zu bleiben.

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Die Uebersüllung der höheren Berufe.

Bon Prof. Dr. G. Sunge.

Deutschland hat seine besondere Form des sozialen Aufstiegs. Die Schule entscheidet dar­über, wie hoch der Mensch später auf der sozialen Leiter gelangen kann. Sn jungen Sahren wird derMarschallstab im Tornister" erworben. Späterhin ist der Berufswechsel in allen ge­hobenen Stellungen schwierig, der Aufstieg nur innerhalb enger, genau fest gelegter Grenzen mög­lich, und diese Grenzen hängen hauptsächlich von den Schulzeugnissen ab. Dieser Zustand hat für die Schule selbst höchst unerwünschte Folgen. Der Andrang zu den höheren Schulen wächst in beängstigender Weise, die Besucherzahl im Verhältnis zur Devöllerung hat sich in den letzten 50 Sahren vervierfacht, Und was erwarten die Zöglinge und ihre Eltern von den höheren Schu­len? Richt etwa wirlliche Ausbildung der Per­sönlichkeit, sondern die Bescheinigung, daß dies und jenes Wissen erworben fei; nicht echtes Wachstum an Leib und Seele, sondern Berech­tigungen.

Kürzlich auf dem Philologentage in Dresden ist von diesem Grundübel unserer höheren Schulen auch die Rede gewesen. Leider hat man kein anderes Heilmittel gefunden als weitere B er -

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am eindrucksvollsten auf der Austellung einige Landschaften von Marcell W. Richter, Darm­stadt, und namentlich von Gottfried Richter, Offenbach. Künstler der Gruppe, wie Georg Breitwiese r, Karl Deppert, Ulrich H a l - lerstede, Willi Hofferbert und Lothar Toller sind durchweg mit guten Werken vertre­ten; sie stellen sich auch in ihrer Eigenart dar, die schon öfters an dieser Stelle charakterisiert wurde. Unter den Gästen der ausstellenden Künstler be­finden sich Paul Arnoul, Offenbach, R. Restor Diehl. Darmstadt, Anton Hartmann, Darm­stadt. Ali Lichtenstein, Darmstadt, Heinz Michel, Worms, Hermann Rettberg, Darm­stadt, Gertrud Ulmann, Darmstadt, Richard Walter, Darmstadt, Kurt Werth, Leipzig, und Richard Werner, Offenbach; der bemerkens­werteste unter ihnen ist Anton Hart m a n n, der Entwürfe zur Ausmalung der Kirche St. Swetts in Darmstadt darbietet, die eine großzügige Auf­fassung erkennen lassen. E. B.

3m Bahnwärterhäuschen

Don Wilhelm Scharrelmann.

Copyright by Manuskriptkanzlei Der Kreis, Bremen.

Es waren Sommertage, die wie ein einziges Lächeln Gottes waren.

Wochen und Monate hatte ich über meiner Arbeit gesessen und kein Auge für die Schönheit des Sommers gehabt. Der alte Birnbaum unter meinem Fenster rauschte vorwurfsvoll im Winde unö die Wolken wanderten unter dem Himmel hin, hell und licht wie selige Geister.

Aber die Rächte! Sene hellen Sommer­nächte, die voll von tausend Geheimnissen durch Gassen und Gärten gehen und in uns eine Sehn­sucht wecken, die ruhelos und schwebend ist wie der Flügelschlag eines Reihers.

Und eines Morgens, das erste Sonnenlicht spielte seinen brausenden Morgenchoral, hielt mich's nicht länger. Sch mußte hinaus und fcft. Aber wohin nur? Wohin?

Meine Träume schweiften bis in die nordi­schen Fjorde, kreisten mit sehnsüchtigen Flügeln um die Tirols.

Denn Träume und ungestillte Wünsche sind eigensinnig wie Kinder und wollen ihre Frei­heit und ungehemmten Flug. Aber sie werden auch müde wie Kinder und kommen von selbst zurück. , , ,

So wurde es wiederum nur eine kurze Fahrt in die Heide, eine Wanderung an schweigenden Fohrenwäldern entlang, durch summende Ein­samkeiten, wahllos ins Blaue hinein. Aber mit mir die Wolken, mit mir die Sonne, mit mir der Wind. r ,

3n einem einsamen Bahnwärterhäuschen blieb ich nach einigen Tagen zur Rächt.

Ein Giebelzimmer, drei Schritt im Geviert, Kammer und Stube zugleich. Ein Fenster, be­quem mit den Schultern auszufullen, dahinter der Garten: ein bunter 3ibfel im braunen Äleibe der Heide, ein grüner, leuchtender Wimpel. Unter dem Bahndamm Sonnenblumen, Rittersporn und Feuerlilien in unerhörter Pracht Daneben die Schienenstränge wie ein Paar gleißender Schlan­gen und dahinter Wald, dunkel uiw,ernst Ucber Gflem aber der leuchtende blaue Sommerhimmel

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England von heute.

Bon C. S. Peel, O.B.E., Präsidentin der brit. Hausfrauenvereinigung.

herstellung von den Folger :s halte Ich wieder regel Sprechstunden ab.

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n: Dienstag, Donnerst: g iametag 9-11 Uhr.

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: bis 16. August uni IkM eilkundiger.

Sommerausstellung der Darmstädter Gruppe.

Darmstadt beherbergt seit Sonrckag, 17. Süll, drei Kunstausstellungen, deren Besuch sehr loh­nend ist. Das Landesmuseum bietet die Aus­stellung Alte Kunst, auf der Mathilden- höhe ist die Ausstellung Reue Kunst 1927, Berlin- Darmstadt - München, unterge­bracht, und die jetzt eröffnete Ausstellung in der Kunsthalle enthält in erster Linie Werke der Darmstädter Gruppe. Es ist dies eine kleine, aber sehr strebsame und rührige Künstler­schar, die im Darmstädter Kunst leben seit einigen Sahren bedeutsam hervortritt. Sfjr Führer ist Alexander Posch Ein Beweis für die Lebens-

Gewis) wird der wohlhabende Besucher in reichen neuen Luxushotels Zimmer mit Bad . leichter erhalten, wie ehedem, und das äußere Dill» der Straßen im Westen, die Restaurants, die Läden verraten nichts davon, daß wir Eng­länder ein ärmeres Volk geworden sind. Es ist sogar viel gebaut worden; ein großer Teil des westlichen Londons ist von Reubauten durchsetzt. Sn Regentstreet begrüßt den Gast ein Mischmasch der verschiedensten Bauarten, und im Bereich des ehemaligen Devonshirehvuse sind sogar Wolkenkratzer von 8 bis 10 Stockwerken entstanden. Die Zahl der Hotels und Pensionen hat sich vervielfäliigt; Gegenden, in denen früher ein Privathotel als Unmöglichkeit galt, sind von Pensionen besät, und in vielen großen oder mittelgroßen Häusern hausen heute mehrere Par­teien, und sogar Zimmer werden vermietet, alles Dinge, die im früheren England unausdenkbar

die gegenwärtige Ausstellung, die in dieser Wei^e ursprünglich gar nicht hier geplant war, sondern die Mitglieder der Gruppe wollten in Florenz ausstellen; da dieses Vorhaben jedoch Schwierig­keiten auf italienischer Seite begegnete, so eni- schlotz man sich, während der Monate Suli und August eine Ausstellung in Darmstadt zu veran­stalten. Da die Gruppe erst vor nicht langer Zeit an derselben Stätte vor die Öffentlichkeit getreuen war, und außerdem die Mitglieder die Ausstel­lung auf der Mathildenhöhe beschickt haben, so werden in der Kunsthalle fast nur Werke aus der jüngsteit Schaffenszeit der Künstler gezeigt. Die Darmstädter Gruppe stellt ein fortschrittliches Ele­ment im Kunstleben dar, aus diesem Grunde spie­geln sich in ihren Schöpfungen die Cntwicklungs- gedanken der modernen Malerei wieder. Alexan­der P o s ch, der diesmal etwa ein Dutzend Werke ausgestellt hat, zeigt sich in seinen Porträts und Landschaften wieder als Vertreter der Sachlichkeit, die eigene Wege wandelt und frei ist von jener übertönten Gegenständlichkeit, wie sie das modische Schlagwort verlangt. Starck in den Vordergrund der künstlerischen Leistungen tritt Posch insbeson­dere mit Porträt-Kreidezeichnungen, die eine außerordentliche Sicherheit und vor allem eine glänzende Beherrschung der Technik dieses Gebie­tes verraten. Rächst diesen Bildnissen wirken wohl

ihren Zusammenhang mit dein Wohnungsmangel, den die in den letzten Sahren entstandenen man- I nigfachen sozialen Einrichtungen nicht zu besei- tigen vermocht haben. Die Ernährungs­weise des Engländers hat sich in manchem ver­einfacht; aber es bleibt traurig zu sagen: der Standard des Kochens hat sich nicht verbessert. Die Ernährung einer Ration muß stets eine Angelegenheit von größter Wichtigkeit sein. Trotzdem wird in Engand fast alles versäumt, um den Frauen Freude und Verständnis für die Kochkunst zu übermitteln. Wenn sehr viele Fami­lien sich in England schlecht ernähren, liegt das nicht an den Nahrungsmitteln, sondern an schlechter Wahl beim Einkauf und am schlechten Kochen. Richt nur für die Heime der Armen trifft dies zu, auch viele wohlhabende Familien essen schlecht, und die Ernährung in den Krankenhäusern, Kinderheimen und Schulen läßt außerordentlich viel zu wünschen übrig. Die Eng­länderin von heute hat vielfach zu wenig Sn - t er esse und in jedem Fall zu wenig Kenntnis vom Haushalt. Schulung in haus­hälterischer Praxis unterbleibt; man bescheidet sich mit dem Glauben, derartige Kenntnisse müßten der Frau angeboren sein. Der Gedanke, daß die Erfahrung und die Kenntnisse der Hausfrau für die Gesundheit der Rallon von ausschlaggebender Bedeutung sind, beginnt sich nur sehr langsam | durchzusetzen; noch immer trifft man berufstätige

Frauen, welche die Hausfrauenarbeit über die Achsel 'ansehen: wohl eine der größten Dumm­heiten, welcher ein Land fähig ist.

Sn Deutschland wird es interessieren, daß wir auf dem Wege zur Hausfrauenorganisation das deutsche Vorbild uns zu eigen gemacht ha­ben. Eine britische Haussrauenvereinigung ist im Entstehen und in vielversprechender Entwicklung. Sie wird dazu beitragen, das heute noch allzu sehr brachliegende Verständnis der Engländerin für Wesen und Kunst der Haushaltsführung zu erwecken und damit dazu beitragen, ähnlich wie x in Deutschland der Trägerin der Einzelwirtschaft ihre Bedeutung und QUitberanttoortiing gegen­über der Gesamtwirtschaft fühlbar zu machen.

schärfung der Anforderungen. Wir wollen uns zunächst Rar machen, was man hier­unter versteht. Vor einigen Sahrzehnten gab es noch eine Reihe von Berufen mit akademischer Vorbildung, für die das Zeugnis von Prima ausreichte: vom Apotheker, Zahnarzt und Land­messer wurde das Abitur nicht verlangt, heute ist es der Fall. Die Revolutionszeit wollte die Volksschule heben und als ein geeignetes Mittel erschien die Forderung des Abiturs von allen Lehrern und Lehrerinnen, auch von benen für Zeichnen und Turnen. Wollen wir wirllich diese Entwicklung sortsehen? Die mittleren Be­amten denken schon ernstlich an das Abitur, unter den Kaufleuten wird es immer allgemeiner verlangt, die Danken werden nicht zurückbleiben. Wenn die Schulbildung nicht mehr erhöht werden kann, so wird das Studium ausgedehnt: vor einigen Wochen haben wir erlebt, daß diel Studienzeit der evangelischen Theologen von Drei auf vier Sah re heraufgesetzt wurde.

Und was ist die Folge? Alle Gehalts­erhöhungen der Beamten sind wirkungslos, sowie mehrere Kinder da sind: die Ausbildung ist nicht zu bezahlen. Und wie geht es den Bemühungen um die Volksgesundheit, um Spiel und Sport, um besseres Wohnen? Sind es bei den sozial tieferstehenden Schichten Rot und Un­wissenheit, die doch immer wieder den einzelnen und die Familie gesundheitlich schädigen und ab­wärts zichen, so ist es bei den höheren Ständen die selbstgeschaffene Mühseligkeit der Vorberei­tung auf den Beruf. Lernen, immer wieder sitzen und lernen, und das in den Wachs­tums- und Entwicklungsjahren, wo Körper und Geist sich nach eigenen Gesetzen weiten sollten!

Aber was soll denn anderes geschehen, um den Andrang nach den sogenannten höheren Be­rufen abzudämmen? Wir möchten zwei Mittel Vorschlägen: Auslese während der Berufs­ausbildung unb höhere Wertung der Handarbeit auf der Schule. Gegenwärtig ist die Auslese Aufgabe der Schule. Wer als Sieben­jähriger die schwache und starke Deklination spie­lend bewältigt, wer Rechenaufgaben im Kopfe löst, bei denen Vater und Mutter ein Blatt Papier zu Hilfe nehmen: der erweist sich als fähig für späteres Studiüm, wer es nicht kann, der scheidet aus. Und das Verfahren wird all

Schuljahre hindurch fortgesetzt: in sind es die sphärischen Dreiecke und die dieMajorsecke" bilden. Hat Sinn, diese scharfen Ecken noch zu machen? Soll wirllich auf der Schule noch mehr Rervenkraft verbraucht wer­den, damit nur ja recht wenigees schaffen?" Uns scheint, im Snteresse der Volksgesundheit sollte man die Schule etwas freundlicher, natur» und jugendgemäßer einrichten und es der H o ch- schule überlassen, ungeeigneteFüchse" wieder nach Hause xu schicken. Dieser Vorschlag mag zunächst fremdartig erscheinen, die deutsche Hoch­schule für Leibesübungen hat ihn aber bereits verwirllicht. Hier sollen die jungen Mädchen im allgemeinen das Abitur haben; wer nur das Zeugnis für Prima hat, kann, wenn ungeeignet, nach einem Säfjre wieder entlassen werden.

Marburger Iubiläunisbaulen.

Dom 29. Suli bis zum 1. August d. S. feiert die Universität Marburg ihr 400jährigeS Bestehen. Es gibt Wohl kaum noch eine deutsche Universität, die in solchem Maße der Stod! Form und Charakter gibt, wie die Marburger. Und es gibt Wohl nur wenige Hochschulen, die von Stadt, Provinz und Staat mit so ungeheuren Stiftungen bedacht worden sind, wie die Mar­burger zu ihrem Subiläum.

Rahe der alten Universität erhebt sich jetzt der gewaltige Bau eines Universitäts- kunstinstitutes, das etwa 60 Meter Im Quadrat als Grundfläche hat. Seine Bestim­mung ist eine zweifache: Kunstinstitut Und Mu­seum zu fein. Der vordere Teil wird in den beiden Hauptgefchoffen reinen Mufeumscharakter tragen. Es ist ein Museumsverein gegründet worden, der sich bald über ganz Hessen verbreiten wird, um die hessischen Hinstgegenstände jeder Art so weit wie möglich zu sammeln und hier unterzubringen, um hier Kunstausstellungen zu veranstalten und Publikationen, die den Snter- essen des Kunstinstituts dienen, zu fördern. Sn dem zweiten Obergeschoß werden Räume für die musikalische Seite der Kunstwissenschaft ge­schaffen, vor allem ein großer Saal für das Collegium musicum. Die Snftitut feite des Baues wird im Hocherdgeschoß die christlich-archäolo- logische, die kunstgeschichtliche und die photo­graphische Abteilung, im ersten Obergeschoß die archäologische und prähistorische Abtei­lung mit ddi zu ihnen gehörenden Se­minar- und Biblivthekräumen enthalten. Sm zweiten Obergeschoß schließlich werden Oberlicht­säle und Räume für Sammlungen eingerichtet. Der Plan eines solchen Baues, der zugleich Landesmuseum und Universitätskunstinstitut ist. ging von Prof. Dr. Hamann aus, dem Dircl- tor des kunsthistorischen Seminars. Sogleich setzte sich der Universitätsbund mit allen Kräften für die Sbee ein. Stiftungen aus privaten Kreisen, der Provinz Hessen und der öffentlich-rechtlichen Korporationen bildeten den Fond zum Subi- läumsbau, zu dem am 9. Mai 1926 bereits der Grundstein gelegt wurde.

An der Gesamtentwicklung der Universität haben ferner pon alters her die medizinische Fakultät und chre Snstitute, insbesondere ihre Kliniken hervorragenden Anteil. Sm Mittelpunkt der 400-Sahrfeier wird daher auch die feier­liche Uebergabe von zwei Speziallliniken stehen, deren Bau ebenfalls durch Stiftungen ermöglicht wurde. Zu der Chirurgischen und der Medizi-' nischen Klinik, der Frauen- und der Augenklinik ist nach dein Kriege der Reubau'der Rerven- klinik gekommen, ferner wurde noch eine Klinik für Haut- ynb Geschlechtskrankh eit m erbaut und in Betrieb genommen. Zum Subiläum macht nun der Staat der Universität eine Hals-, Ra­sen- und Ohrenklinik zum Geschenk, einen wahren Prachtbau mit den modernsten und voll­kommensten Einrichtungen. Ein zweiter Dau zum Subiläum, der einer Kinderklinik, wurde ermöglicht durch private Stiftungen, vornehmlich durch die eines hochher^gen Deutschamerikaners, Dr. h. c. George Horst, Reading Pa, U. S. A. Die Kinderklinik ist einer der schönsten und größ­ten Anlagen dieser Art. Der mit Rücksicht auf die Elisabethkirche flachgehaltene Bau bildet in seiner Gesamtheit ein geschlossenes gewaltiges Viereck, das Liegehallen, Garten und Spielplätze in sich schließt.

Das Subiläum kommt ferner einem Gebiet , zugute, dem man in letzter Zeit wachsende Auf-

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Der Mond ist höher gekommen. Deutlich er­kennt man in seinem blassen Licht den Weg durch die Föhren, die lautlos im Dunkel stehen.

Schöner kann der Himmel auch über den Tiroler Bergen nicht sein, schöner nicht über den Fjorden des Rordens, tiefer nirgends die Stille, geheimnisvoller nicht der Wald und demütiger nirgends die Rächt.

Plötzlich singende Stimmen, Gitarrenklänge, Gleichschritt von Füßen. Wandervögel, die eine Nachtfahrt machen und auf der fernen Landstraße vorbeiziehen.

Und dann ist alles wieder mein: Rächt und Weite, Himmel und Erde, die Stunde jetzt und die Stille, die wie ein ruhender Glockenhammer wieder schweigend unter der Kuppel des Himmels hängt.

Wie die Schienen im Dunkel gleißen.

Denken, daß sie durch das Dunkel der Rächt bis in die Berge gehen, an Wäldern und Hän­gen vorbei, an Gletschern und Strömen, über rauschende Schluchten hinweg ünd mondlichter- füllte Wasserstürze, von einer Einsamkeit in die andere reichen, die alle das Land schweigend in seinen Armen hält, fest und ruhig, wie eine Mutter ihre Kinder.

Run unser zweiter Vorschlag. Die Schule verfährt so, als wenn unsere Sagend ein un­widerstehliches Streben nach geistiger Arbeit und den höheren Beruf hätte. Sn Wirklichkeit ist dies gar nicht immer der Fall. Auch die Ge­schlechterfolge hat ihren Rhythmus. Waren Groß­vater und Vater geistige Arbeiter, so ist es nicht selten, daß in dem Sohn die Sehnsucht nach dem Landleben erwacht, etwa nach dem Berufe des Försters oder Gärtners; oder der Sohn hat ge­schickte Hände, er würde lieber Schlosser oder Tischler werden als studieren. Von den Ein­flüssen und Vorurteilen innerhalb der Familie wollen wir einmal absehen. Wir behaupten nur: die Schule müßte öiel mehr tun, um ihren Zöglingen die Schönheit und den Wert der Handarbeit zu zeigen, viel mehr auch ihnen den Segen offenbaren, den Leben und Arbeit in freier Ratur den Menschen bringen. Gewiß sind Anfänge vorhanden. Der Zeichen­unterricht hat immer das Geschick der Hand ge­pflegt, wir haben auch hier und da Werkunter­richt; der Schulausflug ist zu einer regelmäßigen

schienen.

Der Grund zu dieser einschneidenden Wand­lung liegt in der allgemeinen Verteuerung der Lebenshaltung. Steuern, Lebensmittel, Feuerung und die Löhne der Hausangestellten sind bis hart an die Grenze der Unerschwinglich­keit herauf geschnellt; der härteste Druck aber geht aus von der jähen Steigerung der Mie- t e n. Ein Haus mittleren Umfangs, wie es früher für den wvhlsituierten Mittelstand gang und gäbe war, ist im Vergleich zur Vorkriegszeit unbezahl­bar, und bezeichnend ist, daß trotz der bitteren Wohnungsnot zahllose größere Häuser aus den achtziger und neunziger Sahren in London heute großen Familien, die sie , _. t>on Bedienten bewohnten, sind feiten geworden; Bediente kosten heute dop­pelt so viel wie vor dem Krieg. Diele große Häuser hat man, da Mieter nicht inehr zu finden waren, in Privathotels umgewandelt oder in

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Serin -Seife Schönheit!

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Der Klang einer Flöte könnte es vielleicht, eine dunkle, weiche Melodie ... Aber die Ra­tur weih besser, was in diese Stille paßt. Ern Ziegenmelker beginnt zu spinnen, fast wehmütig llingt's, immer die kleine Terz, geheimnisvoll als hätte die Stille selbst Stimme bekommen und sänge ins Dunkel. . ..

Da, über mir, plötzlich em silberner Streif.

Eine Sternschnuppe.

Als löste die Rächt einen der Sterne aus Flut ihres dunklen Haares und würfe ihn Uferlose hinab.

Wieder eine jetzt dort schon wieder

eine mehr eine königliche Verschwendung

HypoWn-

Von Priv°'-nM

WL

ne.£8 fljjudit de« unterl.i.h.

an Schönheit unb schimmernder Pracht und fähigkeit und die Tatkraft dieser Künstler ist schon doch mcrDrosamen von dem Ueberfluh an Licht .......f»» m --

und Glanz da oben. Wie Blätter von dem Blütenmeer des Himmels, das auf dunklen Flu-