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Aufständischen und bte Sokol find beigetrelen. hin­ter der Organisation steht die polnische Re­gier ung, die bei den Vezirkskommandos Stammrollen anlegt, Waisen liefert und Offiziere und Unteroffiziere der Armee als In­strukteure für die militärische Ausbildung ivr Verfügung stellt. Tin polnischer Hauptmann, der herumreist und in den landwirtschaftlichen Schulen Vorträge über die Notwendigkeit der militärischen Ausbildung hält, teilte mit, daß im inneren Polen bereits an sämtlichen höheren Schulen durch Will- tärinstrukteure praktischer und theoretischer Unter­richt erteilt wird. Auch in den polnischen Schulen Pommerellens hat man damit begonnen.

haushalts-ebatte im Reichstag.

Berlin, 18. Febr. (DDZ.) 3n der fort- gesetzten ersten Beratung des Haushalts für 1927 stellte Abg. Brüning (Ztr.) fest, daß die Bede des neuen Reichsfinanzministers auf allen Seiten eine verhältnismäßig günstige Aufnahme gefun­den Hobe. Trotz der geringen bisherigen Erfolge sollte das Arbeitsbeschaffungsprogromm möglichst schnell durchgeführt werden. Die Senkung der Deal st eu ern liegt auch im Interesse der Ar­beitnehmer, auf die diese Steuern vielfach ab- gewälzt werden. Die Löhne müssen nicht nur um den Betrag der Mietsteigerungen erhöht wer­den, sondern wir brauchen eine Steigerung der Rcallöhne, um den inneren Markt zu stärken. Die Entwicklung des Finanzkapitals zeigt, wie recht baS Zentrum mit seinem Widerspruch gegen die vom Minister Dr. Reinhold vorgenommene Sen­kung der Börsenumsahsteuer hatte. Wenn man durch höhere Zuweisungen an die Länder diesen die Möglichkeit zur Senkung der Realsteuern geben will, dann kann man nicht zugleich die Senkung der Einkommensteuertarife fordern. Die Besteuerung der Großgrundbesitzer muh anders geregelt werden. ES geht nicht länger an, das; Grohgrundbesiher jahrelang keine Ein­kommensteuer zahlen. Der Finanzausgleich wird das Kernstück der politischen Probleme der nächsten Iahre bilden. Der endgültige Finanz­ausgleich wird voraussichtlich zusammenfallen mit der Höchstbelastung durch die Dawes- Verv f l i ch t u n g e n. Ein Etatsgrrmdgesch, wo­nach Ausgaben nicht ohne Deckung beschlossen wer­den dürfen, wäre für unS nur dann annehmbar, wenn dadurch nicht die Erfüllung notwendiger sozialer Ausgaben verhindert wird. Wir wün­schen eine Finanzpolitik, die ausschließlich vom nüchternsten, sachlichen Standpunkt diktiert ist.

Abg. Bredt (Wirtsch. Vgg.) bezeichnet die Einnahmeschätzungen im Etat als viel zu hoch. Das sei, vom auhenpolitischen Stand­punkt aus betrachtet, ein schwerer Fehler, denn dadurch werde der falsche Eindruck erweckt, als könnte Deutschland noch weit höhere Lasten tragen. Der Entwurf ds Finanzaus­gleichs geht an dem Kernproblem der Finanz­wirtschaft vorüber. Die Steuerhoheit der Ge­meinden führt dazu, dah die Mehrheit der Ge­meindevertretung Steuern beschließt, die die Minderheit zu zahlen hat. Wir müssen vom Reiche aus bie Einkommensteuer herabsetzen und den Gemeinden daS Zu» schlagsrecht geben. Der vorliegende Etat ist em Scheingebilde und nicht tragbar. Wir übernehmen die Verantwortung für ihn nicht.

Abg. Merk (Bahr. VolkSp.) tritt ferner für das Recht d?S R e i ch S r a t S ein, Aenderungen an den EtatSansäyen vorzunehmen, und fordert, dah den Ländern die Realsteuern gelassen werden.

Abg. Schröder (Völkisch) tritt besonders für Erhöhung der Bezüge der Kriegsbeschädigten ein. Er fordert höhere Entschädigung der Aus­ländsdeutschen und anderer Geschädigter. Die Steuersenkung Reinholds sei richtig gewesen. Rur die Auswahl der Steucrart sei verfehlt gewesen. . Er begrüßte die Mitteilung de- Minister-, dah die Mittel für die DaweSzahlungen fehlen, und l schlägt vor, die indirekte Belastung da­durch össentllch sichtbar zu machen, dah die ver- F schieden en Waren mit einer bei ohberen Da » wesabgabe belegt werden.

» Abg. B e st (Hospitant der Völl. Arbeits­gemeinschaft) verlangt eine Revision der .Aufwertungsgesetze zugunsten dcr Gläu­biger. Die Hauszinssteuer müsse schleunigst auf- gehoben werden. Gleichzeitig damit müsse aber auch den Hpothekengläubigern eine gerechtere Befriedigung ihrer Ansprüche gewahrt werden.

-Die neuen Reichsanleihen würden jetzt aufgelegt auf den Rücken der alten Gläubiger. Das Auf» wertungsgeseh sei Gesetz, aber nicht Recht. Der Fürst von Fürstenberg, einer der reichsten Män­ner Deutschlands, habe für 50 Millionen Mark Obligationen ausgegeben. Er könne nach dem Aufwertungsgeseh zum Schaden der vielfach ver­armten Obligationsinhaber von dieser Schuld 38 Millionen streichen. (Hört, hort!)

gur Ren^nerversorguny.

Berlin, 18. Febr. (BDZ.) Vom Rentner­bund wird mitgeteilt: In Sachen der vom Deut­schen Rentnerbund geforderten Versorgung der früheren Kapitalrentner an Stelle der jetzigen Fürsorge fand im Reichstag eine interfraktionelle Besprechung unter dem Vor­sitz des Vizepräsidenten Esser statt, die von Abgeordneten sämtlicher Fraktionen sehr stark besucht war. Auch Vertreter der Reichs- und der preußischen Regierung waren anwesend. Die Aeuherungen zahlreicher Abgeordneter liehen auf eine sehr wohlwollende Beurteilung schließen. Die Forderungen des Bundes sotten noch am gleichen Tage dem Herrn Reichskanzler vor­gelegt werden. Außerdem gab der Vertreter des Reichsarbeitsministers die Erklärung ab, daß eine radikale Beseitigung der noch in Der Für­sorge vorkommenden Härten erfolgen werde.

Aus dem Finanzaus'ckutz des Hesst'chen Landtags.

Darmstadt, 18. Febr. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags setzte die Beratungen über die vorliegenden Steuergrsetzentwürfe fort. Zunächst wurde beschlossen, daß die Gesetze üb:r die Grund- und die Gewerbesteuer sowie da- Gemeindeumlaaengesetz erst nach Herbeischafsung der vom Ausschuß gewünschten noticenblgen Ma­terialien übet die Wirkungen der Gesetze, wie sieinThüringenundSachsen bereits eingesührt sind, zur Erledigung kommen sollen. Dann wurde in die Einzelberatung des Gesetzes über die Sondcrgebüudesteuer cinge- Ireten. Artikel 1 bestimmt, daß 1927 zur Förde- rung der Bautätigkeit und des Wohnungswesens eine Sondergebäudesteuer erhoben werden soll. AIS Zubehör der Gebäude werden der Hosreite- gründ und die eine wirtschaftliche Einheit bil­denden Grab- und GrnSgärten angesehen. In

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Der Kampf um die ohnungszwangswirtschaft in Preuhen.

Berlin, 18. Febr. (D.D.Z.) Im Preußi­schen Landtag wurde unter großen Tumult- szenen, an denen sich insbesondere auch die Tri­bünenbesucher beteiligten, über die Anträge zur Verordnung deS Wohlfahrt-Mini- st e r S über die Lockerung der Woh - nungSzwangswirtschaft beraten. Als erster Debatteredner hebt Abg. Häse- Wies­baden (Soz.) hervor, daß Sozialdemokraten ent­schiedene Gegner der Hirtsiefer-Derordnung feien. Diese Verordnung bedeute volkswirtschaftlich nicht nur für Ladenmieter und Gewerbetreibende eine starke Belastung, sondern für da- gesamte Werk­tätige Doll, denn zweifellos würden infolge der teureren Mieten auch die Lebenshaltungskosten steigen. Diel ältere, bisher selbständige Kauf­leute, die die höhere Miete nicht mehr zahlen können, würden das Heer der Erwerbslosen noch vermehren, ein weiteres skandalöses Merkmal für diese Verordnung, die verschwinden müsse. (Händeklatschen auf den Tribünen. Präsident Bartels droht mit der Räumung der Tribünen.) Den kommunistischen Antrag, dem Volkswohl- fahrtsminister das Vertrauen zu entziehen, wür­den die Sozialdemokraten ablehnen, weil sie nicht ins Schlepptau der Kommunisten geraten möchten.

Abg. St ein ho ff (Dn.): Meine Fraktion steht geschlossen auf den grundsätzlich unverän­derten Standpunkt der Rotwendigkeit einer in vollem Umfange freien Wirtschaft. Gerade im Interesse der Mieter liegt es, daß da- Woh­nungswesen in allmählicher planvoller Weise von den Fesseln der Zwangswirtschaft befreit wird. Die deutschnationale Dolkspartei und ihre Frak­tionen vertreten Mieter- und Vermieterkreise in gleicher Weise. Im Sinne dieser völlig objek­tiven Einstellung ist denn auch der Antrag ge­halten, den wir mit einem heute eingebrachten Zusatz dahingehend gestellt haben, die Verord­nung des Herrn Ministers für Dvlkswohlfahrt vom 11.11.26 dahin zu ergänzen, daß durch ge­eignete Maßnahmen die Gewerbetreibenden vor einer skrupellosen Mietbewucherung geschützt und Schiedsstellen vorgesehen werden. Dem Hausbe­sitz muß mit allem Emst mit Rachdruck bedeutet werden, daß die Hausbesitzer, die durch ihr skru­pelloses Vorgehen Existenzen gefährden oder ver­nichten, die Schuld daran tragen werden, wenn der planvolle Abbau der Wohnungszwangswirt- schast ins Stocken geraten würde. Wir bedau­ern, daß in der Verordnung keinerlei Härte­paragraphen eingefügt sind, und müssen deshalb den Herrn Minister für Volkswohlfahrt für die Unruhe und Verwirrung verantwortlich machen, die durch diese Unterlassung entstanden ist.

Abg. K ö l g e s (Ztr.) erklärt, Handelskammern, Einzelhandel und Handwerkskammern hätten sich

für die !3erortmung des Minister» und für Abbau der Dohnungszwanaswirtschaft eingesetzt. Wolle man die Zwangswirtschaft etwa bi» in alle Ewig« feit erhalten? Die Zentrumsfraktion wolle einen allmählichen Abbau und Förderung des Woh­nungsbaues. Wenn die Gesetzgebung nicht ausreicht gegen Ausbeutung, fo müßen die Wucherbeftim- mungen verschärft werden. Einmal muß aber die Stunde der Freiheit des Eigentums schlagen.

wohlsahrtsmivssker hlrtsieser:

AuS dem Mieterschutz werden ja durch die Verordnung nur diejenigen Räume herau-ge- nommen, die nicht mit einer Wohnung verbunden sind. Ie länger wir die Unter­bindung der freien Entwicklung ausrechterhalten, desto größer werden die Schwierigkeiten. Gegen eine Fristverlängerung muß ich mich mit allem Rachdruck wenden. Durch eine Hinausschiebung der Kündigungsfrist würde eine erhebliche Rechts­unsicherheit eintreten. Es muß einmal zu einem Termin die Loslösung von der Zwangs­wirtschaft kommen, und es gibt jetzt nur einen Weg: entweder bleibt die Verordnung unverändert bestehen, oder sie wird auf­gehoben. Wie das Haus auch entscheiden möge, ich werde meine Konsequenzen daraus ziehen.

Der sozialdemokratische Antrag, die Verordnung vom 11. November 1926 betreffend Lockerung des Mieterschutzes aufzuheben, wurde mit 222 gegen 142 Stimmen der Sozialdemokraten, Völti- schen und Kommunisten bei drei Enthaltungen a b - gelehnt. Der demokratische Antrag, das Staats­ministerium zu ersuchen, die Verordnung vom 11. November 1926 dahin abzuandern, daß sie sich nur auf die Vorschriften des Wohnungsmangel­gesetzes bezieht, Kündigungen und Tlietsjteigerun- ?en, also ausgeschlossen bleiben, wird mit 204 gegen 63 Stimmen der Demokraten, Kommunisten, So­zialdemokraten und Völkiscben bei einer Stimm­enthaltung abgelehnt. Bei den Abstimmungen kam es zu großen £ umultfxenen. Präsident Bartels ordnet die Räumung der Tribunen an. Kommunistische Abgeordnete veranlassen jedoch die Tribünenbesucher, die Tribünen nicht zu verlassen. Da sich der Tumult auf den Tribünen forlfeßte und Kriminalbeamte mühsam nur einzelne Besucher ent­fernen konnten, verließ Präsident Bartels seinen Präsidentensitz, und die Beratungen mußten auf Samstag vertagt werden.

Der demokratische Aenderungsantrag, die Kün­digungsfrist vom 1. April auf den 30. September zu verschieben, war mit den Stimmen der Links- Parteien bei Stimmenthaltung der Deutschen Volks­partei angenommen worden.

bet Aussprache wurde gewünscht, die Grab- und GraSgärten au- der Besteuerung ßerauszuneh- nehmen ober einen genaueren Begriff bavon zu geben. Artikel 2 führte zu einer lebhaften Ans­prache über bie Bestimmung, wonach die Sonder» ^ebäubesteuer nach dem gemeinenWert er- )oben werben soll: man war allgemein -der Auf- assung, baß der Ruhungs- bzw. Ertragwert zugrunde zu teg:»i sei. wie dieS in Sachsen und Thüringen der Fall ist. Auch wurde die An­legung von Mietkaiastern von verschiedenen Seiten verlangt, um die Steuer auf den Rut» zungswert auf bauen zu können. Artikel 3 fand keinen Widerspruch. Zu Artikel 4 wurde von einer Seite beantragt, Oekonomiegebäube der mitt­leren und größeren landwirtschaftlichen Betriebe in die Sondergebäudesteuer einzubeziehen, im Hin­blick darauf, daß gewerblich« Räume auch al- Steuerobjekte gelten.

Kleine politische Nachrichten.

Die deutsche Delegation für die am 4. Mai in Genf zusammentretende Weltwirt- schaftSkonferenz setzt sich wie folgt zu» jammen: Staatssekretär Trendelenburg, Reichstagsabg. Lammers, Karl Friedrich von Siemens als Vertreter der Industrie, Gewerk­schaftssekretär Eggers vom ADGB. als Ver­treter der Arbeitnehmerschaft und der frühere ReichSfinanzminister Dr. Hermes als Ver­treter der Landwirtschaft.

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Die Eisenbahnerorgan Nationen treten am Montag zu einer Besprechung zu­sammen, um zur Kündigung der Lohn­bestimmungen des Tarifvertrages Stellung zu nehmen. Wie derVorwärts" an­nimmt, dürste eS zur Kündigung kommen, da ein Ausgleich zwischen den Löhnen und der seit den letzten Lohnabmachungen weiter gestie­genen Teuerung al- eine Selbstverständlichkeit betrachtet werden muß.

Bei den Verhandlungen zur Beilegung der Lohnstreitigkeiten in der rheinisch-westsäl,- schcn Metallindustrie wurde gegen die Stimmen der Arbeitgeber ein Schiedsspruch gefällt, nach dem die Stundenlöhne der Tagarbeiter von 70 auf 76, die der Hilfsarbeiter von 55 auf 59 Pf. erhöht werden. Der feste Zuschlag für Akkordarbei­ter erfährt eine Erhöhung von 14 und 16 auf 19 Pf.

Die Vereinigung der Sächsischen Metallindu- striellenoerbände beschloß die Metallarbeiter in Chemnitz, Zwickau, Plauen. Dresden usw. am Samstagmittag mit Arbeitsschlust auszusper­ren. Von der Aussperrung werden etwa 150 000 Arbeiter betroffen.

Am 4. September soll gelegentlich eines Volksfestes in Straßburg die weiße Fahne verbrannt werden, bie 18ZO auf bet Turmspitze der Ka hedrale gehißt würbe, um die Kapttula- lion der französischen Garnison anzuzeigen. Rach dem Testament d?S Besitzers dieser Fahne sollte diese bet S abt Straßburg zurückgegeben werden, sobald Straßburg wieder zu Frankreich gehören werde, um bann auf einem öffentlichen Platz verbrannt zu werben.

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Die Kommunistische 3. Internationale veröffentlicht einen neuen Aufruf gegen die 2. Internationale. Insbesondere werden di« deutschen Sozialdemokraten auf das schärfste ange­griffen. Der Sozialdemvkra rischen Pa riet Deutsch­lands wird vorgcworfen, eine falsche Politik gegen­über den Arbeitern zu betreiben. E» wird gerügt, daß in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

die bürgerlichen Elemente die Füh­rung übernommen haben. Eine Zusammenarbeit zwischen der 2. und der 3. Internationale sei nicht möglich.

Die afghanische Regierung hat rus­sische Offiziere für den Militärdienst in der afghanischen Armee verpflichtet. Die Sowietregie- rung beabsichtigt, eine Gruppe russischer Offiziere aus den sibirischen Truppenteilen nach Afghanistan au entsenden. Zwischen der Sowjetregierung und der afghanischen Regierung schweben zur Zeit Ver­handlungen über die Errichtung von zwei Fabriken zum Bau von Flugzeug- und Automobilmotoren. Gleichzeitig werden Verhandlungen über die Grün­dung einer russisch-afghanischen Dank mit einem Grundkapital von fünf Millionen Rubel geführt.

llus aller Weit.

DerTannhäus?r" in Barcelona.

Im ~>atre bei Liceo fand eine von seinem Leiter Inan Re st res zu Ehren bcS deut­schen Generalkonsuls und der deutschen Kolonie veranstaltete Aufführung desTann­häuser" in Form einer großen Galavorstellung unter Leitung von IuliuS Prüwer statt. Die Vorstellung war ein voller Erfolg. Das Theater war insbesondere von den Deutschen stark be­sucht. Im Laufe des Abend- stattete der deutsche Gencrattonsul mit einigen Herren der Kolonie Restres den Dank für diese besondere Ehrung ab. ES ist das erstemal, daß eine derartige Vor­stellung in Barcelona zu Ehren des Vertreters einer ausländischen Macht gegeben wurde. Restres, der sich seit Iahren um die Pflege deutscher Musik besondere Verdienste erworben hat, bewics mit dieser Aufführung abermals in aller Deffent- lichkeit fein großes Interesse für bie deutsche Kunst.

Lin Pilgerschiff bei Como gesunken.

Am Freitagabend ereignete sich in der Rähe der Schiffslandungsstelle in Como ein schwerer Unglücksfall. Ein Schiff mit etwa 70 Pilgern an Bord, unter denen sich auch der Bischof von Conw, Msgr. P a g a n i, befand, war D?n Lecco her nach Como unterwegs. Als das Schiss sich dem Ufer näherte, begann daS Schiff rasch zu sinken. Viele Pilger sprangen ins Wasser und suchten sich schwimmend zu retten. Der Bischof, der an Bord geblieben war, konnte im letzten Augenblick noch gerettet werden. Etwa 20 bi- 30 Pe^onen sind ernstlich verletzt worden. Ein Toter wurde bisher geborgen. Die Ursache bet Katastrophe ist unbekannt. Der Kapitän wurde verhaftet.

Schneestürme in Sizilien.

Die Morgenblättcr bringen sowohl aus Sizilien wie auch aus Calabrien Nachrichten über Käite und große Schneestürme. In Sizilien Hot der Schnee- sturm in den Olioenpslanzungen großen Schaden angerichtet.

lieber 33 Opfer des Wirbelsturmes in Amerika.

Durch den Wirbelsturm, der d.e Geriete von Louisiana und Missis.ippi heimgcsacht hat, f;nb 33 Pesonen getötet worden Die Zahl der Ver­letzten ist sehr groß, ebenso der angerichtete Sachschaden.

IHiQionenrdub in einem italienischen Fuge.

Beim Eintreffen des Turiner >;uge£ in Mar- land würde von der Bahlchofspolizei festgestellt, daß 2c im Postwagen befindliche Gelbsäcke, in denen sich große Summen ausländischen, nach dem Orient bestimmten Geldes befanden, auf- gerissen und beraubt waren. Von den Sieben, die eine Millionenbeute gemacht haben, fehlt bisher setze Spur

Au§ der provinMlhauptstadt.

Gießen, den 19. Februar 1927.

Baumsrisur.

Wer hat nicht schon den wunderbaren Zauber der Wälder, aber auch den Reiz unserer Bäume in der Stadt empfunden? Die Schönheit der Bäume bietet dem naturfrohen Menschen immer einen hohen Genuß, denn sie bleibt sich auch im Wechsel der IahreSzciten ewig gleich: zartgrüne Schleierwesen im Frühling, vollausladende Pracht und Reife Sommers, flammende, ergreifende Agonie im Herbst, zierliches Filigran deS Ast- werks in der dunklen Zeit des Iahres. Rur die Gefangenen und bie Kasernierten, die Bäume in den Städten und an den Straßen, brauchen einmal im Iahre eine Toilette. Ieht in diesen Wochen, nicht mehr fern von der Schwelle des Dorfrühlinas. Roch haben die gärenden Lenzsäfte, die Künder eines neuen reichen Le­ben-, nicht begonnen, in den Stämmen hochzustei- gen und sich wohltätig in die abertausend Wege des Gezweigs zu verteilen. Roch wird die Opera­tion mit Säge und Messer am lebenbaa Baum keinen tödlichen oder verderblichen Blutverlust herbeiführen. Und deshalb sehen wir jetzt in den Anlagen, in den Baumstraßen und Alleen der Stadt oben am Geäst die Gärtner stehen und hocken, um morsche Aeste -zu beseitigen, die dem Baum unnötige Rahrung wegnehmen, die ihre Rachbarüste an bet Entfaltung Hinbern, beim ersten Len-sturm vielleicht auch eine Gefahr für ben zufällig unter ihnen Wandelnden bilden. Mit Geächz und Gepolter stürzen sie, von der scharszähnigen Säae bezähmt, auf ben Rasen ober da- Pflaster hernieder, Helle Wunben leuch­ten von bet Höhe bes Stamme-, um in bet Witterung, fast Mer Rächt, zu verwachsen und zu verharschen. In ben Wohnstraßen ber Stadt ist bas Leben beS Baumes vielleicht zu üppig geworben. Hier ist ihm und seinen Kameraden ein enger, begrenzter Zirkel für die Entfaltung seine- Daseins gezogen. Vielleicht hat er im letzten Sommer schon in den Häusern bie Stu­ben im zweiten Stock zu sehr verdunkelt, tHrf- leicht auch in ber schöpferischen Freude seiner Kraft in den Lebenszirkel seine- nächsten Ge­nossen derart übergegriffen, daß bieder sich be­engt unb beschränkt fühlt, vielleicht auch, im Zeitalter ber Technik, legen sich seine Zweige jetzt zu nahe an bie Drähte ber zu seinen Füßen verkehrenden Straßenbahn. da muß die Säge Remedur schaffen, und man schneidet dem ' Baum, wenn nicht gerade einen Bubikopf, fo doch die Frisur, bie im Gemeinschaftsleben einer geregelten Staatsordnung unb unter gesitteten Staatsbürgern Rorm fein muß. Unb so frisiert man ihn allenthalben wie zu einem bevorstehenden Fest. Möge dieses, ber Frühling, nicht mehr allzuweit entfernt sein!

24-Slundenzeit der Reichsbahn

WDR. In den Vorbemerkungen zu dem biesjährigcn Sommerfahrplan. bet in ber Rächt vom 14. zum 15. Mai 192? In Kraft tritt, wirb zum ersten Male folgender Vermerk stehen: »Die Zeitangaben beS Fahrplanes ent­sprechen bet Stundenzählung von 0 b i s 2 4. Die Abfabrtzeit genau um Mitter­nacht wirb mit 0.00, Sie Ankunftszeit genau um Mitternacht mit 24.00 bezeichnet."

Dei der Deutschen Reichsbahn wird also vom 15. Mai ab, wie e- in verschiedenen Ländern seither schon geschieht, nach bet 2'.stündigen Zeit gerechnet werden. Seither wurden in den Fahr­plänen die Rachtzeiten von 6 llßr abends bi- 5.59 llßr morgens durch Unterstreichung der Minutenzifsern kenntlich gemacht. Wenn also ein Zug um 6.32 Uhr abend- abging, so war die Minutenzifser 32 unterstrichen. Bei ber neuen Zeitangabe wird die Zeit, bie seither mit 6.32 bezeichnet war. 18.32 heißen. 1.15 heißt In Zu­kunft 13.15 usw. In der ersten Zeit wird diese neue Zeitangabe, besonders für Menschen, die wenig reifen, unbequem erscheinen. Sobald man sich aber an die neue Zeitangabe von 0 bi- 24 gewöhnt hat, werden die für den Reisenden so mißlichen Verwechslungen in ben Ankunft- und Abfahrzeiten nicht mehr Vorkommen.

2ttcr Wochenm arktprcise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Das Pfund Butter 150 bis HO Pfennig. Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 143. Wirfina 15 bis 20. Weißkraut 10 bis 15. Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 12. rote Rüben 10, Spinat 25 bis 35, Unterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25. Rosenkohl 45. Feldsalat 153 b.S 230, Zwiebeln 10 bis 20. Meerrettich 33 bi- 60. Schwarzwurzeln 30 bi- 50, Kartoffeln 6. Aepfek 15 bis 50, Birnen 10 bis 25. Rüsse 73. Honig 45 bis 50, junge Hahnen 103 bis 110, Suppen­hühner 100 bi- 123; da- Stück Gier 14 bis 16, Blumenkohl 60 bis 140, Salat 33 bis 43. En- divien 80 bi- 100, Lauch 5 bi- 15, Rettich 10 bi- 15, Sellerie 20 bi- 53 Pfennig.

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag. Künstlerfest bes Stabttheaters: Saal bes Gefell», schaftsoereins. Altcrsoereinigung 18701920: 9 Uhr, Aquarium Hauptversammlung. Licht- spieihaus, BahnhOiftraße:Den Hur". Astoria- Lichtspiele:Hulch unb bie Whiskyschmuggler".

Tageskalender rut Sonntag. Stadttheater Z llßrDer Geizige" und .Die Ma­trone von Ephesus". (Ende nach 9l, llßr. Ge­flügel- und Vogel'ucktvercin für Gießen u. 11mg.: 3 Uhr nachm, .Pfälzer Hof", Generalversamm­lung. Christi. Bereinigung deutscher Eisen­bahner: 3 Uhr nachm. Stadtmission lLöberstr. 14). BezirkSkonferenz. Turnverein 1343: 2,33 llßr nachm. Waldsportplah des D. f. 2, Handball- Gesellschaftsspiel. Artillerie-Verein: 12 Uhr mittag-, Hessischer Hof. Vortrag: Z llßr abends, Saalbau Sauer, Lichtbildervorlrag. Leibdra­goner: 3 Uhr, Vercinslokal, Generalversamm­lung. Lich:fpielhaus, Bahnhofstraße und Pa­last-Lichtspiele: .B:n Hur".Astoria-Lichtspiele: .Hutch und die Whiskifchmuggler'.

Aus dem S t a d 11 h e a t e r b u r e a u wird un6 geschrieben: ES fei darauf hingewiesen, daß in den folgenden Aufführungen von Wo- liöresDer Geizige" und LessingsMa­trone von Gphcfus", daS LessinascheStück, entgegen dem Theaterzettel, den Abend eröffnet. Der Sonntag, 27. Febr., bringt etwas ganz Reues für unsere Bühne: eine Lokalposfe mit dem Titel:Gießen wird Großstadt" ober Die Abenteuer des Herrn Eu- sebiuS Rörgelmeier" von Hermann Stein- goetter. In Gestalt eines lustigen Schwankes wird hier für Auge und Ohr so viel deS Im» tereffanten. und für die Gießener Einwohner-