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neuer Kultur, seht sich in souveräner Geistigkeit mit der neuen 2Nodeerscheinung des Bubikopfes auseinander. Das Buch ist ganz historisch aus­gemacht. eS beginnt bei dem vollen Lockenhaupt Agamcmnons und endet mit den haarlosen Köpfen der heutigen Regicrungsgroßen; eine Entwicklung, die die Männerwelt der Schilddrüse zu verdanken hat. die einmal Haarwuchs, das andere Mal Genialität produziert. Der Bubikopf der Frau bezeugt, wie Handke an Beispielen aus der Welt­geschichte nachweist, jedesmal das Streben der Frau, dem Manne gleichgestellt zu sein, ein Stre­ben, das im Grunde nur geboren ist aus dem Wunsche, wieder als Frau gewürdigt zu werden und an erster Stelle des männlichen Interesses zu stehen. In Perioden der Frauenverehrung, wie in der -Zeit des Minnesangs, dachte keine Frau daran, sich einen männermähigen Haar­schnitt zuzulegen. Es ist erstaunlich.. zu welchen Ausfällen auf unsere ganze Kultur dieser merk­würdige Gegenstand Anlaß geben kann. Wissen­schaft und Kunst bekommen treffsichere Seiten- hiebe, durchaus berechtigte, und das ist der ernste Hintergrund des immer wihigen. in flüssigem, geistreichen Stil geschriebenen Buches, daß es nicht nur verspotten, sondern einen Spiegel Vor­halten will. 848

Gegenwartsprobleme der deut­schen Baumwollwirtschaft. (Weltwirt­schaftliche Gesellschaft zu Münster i. W.). Bon Dr. A. Gildemeister, M.d.R. und Rechtsanwalt Dr. Th. Amfaldem. Gehestet 1,60 Mark. Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig. Gildemeister beleuchtet den Rohbaumwoll-Weltmarlt, seine Fi­nanzierung und seine Kreditierung. Amfoldern beleuchtet die Stellung Deutschlands in der Welt­wirtschaft, die Frage der aktiven oder passiven Handels- und Zahlungsbilanz und die Bachteile der Zwangswirtschaft und staatlichen Verwaltung gegenüber der freien Marltgestaltung. 749

Wester Wälder Heimatkalender auf das Iahr 1927. (Verlag C. Ebner, Hachen­burg. Preis 75 Pf.) Ein Buch, aus dem tn levenswarmen Worten die Liebe zur Heimat spricht, ein Wegweiser in ihre von der Aatur gesegneten Gefilde, die uns ihre Schönheiten und charakteristischen Eigenarten offenbaren. Lebens­volle Beiträge zur Baturgeschichte wechseln mit poesiereichen Heimatdichtungen und humorvollen Anekdoten. Sagenumwobene Geschichten aus längst entschwundenen Tagen, aus der Epoche der Westerwälder Städtegründungen, ter Pestepi­demie des Iahrcs 1613. historische Begeben­heiten aus dem Seuchenjahr 1807, der Zeit der Zünfte, sind Etappen auf dem Wege, den uns der Heimatkalender führt. Wertvolle Fingerzeige in der Haus- und Landwirtschaft geben kurze, leicht verständliche Aufsähe dieser Art. Kalen­darium und Marktverzeichnis geben erwünschte Auskunft. Zahlreiche Illustrationen ergänzen die textliche Ausstattung und charakterisieren in finni­ger Weise die humorvollen Erzählungen des Kalenders, den ein schmuckes Gewand umhüllt.

873

Deutscher R e i ch s b a h n - K a l e n - der 1 92 7. Herausgegeben von Dr.-Ing. Dr. Hans Baumann. Berlin, im Konkordia - Verlag in Leipzig. Preis 4 Mk. Vor uns liegt em Kunstwerk, wie wir es bisher nicht fanden unter den Kalendern, die zu diesem Weihnachtsfest . als Gabe dargebracht worden sind. Unter dem ZeichenMit der Reichsbahn durch deutsche Lande" gelangen Bilder von unbeschreiblicher Schönheit vor unser Auge, und die Erklärung darunter läßt uns Interesse gewinnen an den 1 schönen Gebieten Deutschlands. Bekanntlich ist die j Deutsche Reichsbahn in 30 Bezirke eingeteilt, und diese Bezirke werden uns in ihrer geschicht- . lichen Entwicklung mit Bildern vorgeführt. Wer wußte es bisher, in welcher Zeit die einzelnen Großstädte Europas von Berlin aus zu er­reichen fini/2 Er erfährt es durch diesen Ka­lender. Er erfährt, daß täglich 37 mal die Reichs­bahn um den Aequator fährt. Roch ein Bild fällt uns ins Auge: Siedlungen der Reichsbahn im Ahrtal, ein herrliches waldgeschmücktes Bild mit einem munteren Flüßchen und bunten Häu­sern. Wir erfahren, daß die Reichsbahn eine großzügige Siedlungspolitik treibt nicht allein durch dieses Bild, sondern auch durch verschiedene andere Darstellungen. Auch die Betätigung der Reichsbahn auf dem Wasser läßt uns die Be­deutung dieses größten deutschen Unternehmens erkennen. Mit der Reichshahn auf dem Boden­see fahren Dampfer seit 50 Iahren. Durch Fäh­ren über die Ostsee werden die nordischen Länder durch direkte Züge mit dem Rorten verbunden. ilebcraU treffliche Bilder und sich einprägende Erklärungen. 876

Wirtschaft.

Eine Anleihe des Landes Ba­den. Der badische Finanzminister hat einem von der DiZkontogesellschaft in Berlin geführten Bankenkonsortium, dem sogenannten Dauea-Kon- sortium, dem auch die große Badische Bank an- gehört, den Zuschlag auf eine mit 6 Prozent verzinsliche Anleihe im Rennwert von 33 Mil­lionen Reichsmark erteilt. Der Erlös der An­leihe wird für die wirtschaftlichen Unterneh­mungen des Staates und für Straßenbauten Verwendung finden.

Zur Kurssteigerung der Scheide- anftalt-Aktien. Die F. Z." meldet zur Kurssteigerung der I.-G.-Farben-Aitien, die sich bekanntlich auf Gerüchte über eine engere Ver­bindung der Deutschen Gold- und Silbersche.de- anstalt mit der I.-G.-Farbenindustrie stützt, daß sich die auf dem Gebiete der Ratriumverbin- dungen wie auf anderen Gebieten vorhandenen Abreden mit der I.-G.-Farbenindustrie in tech­nischer Hinsicht durchaus im Rahmen der alten Beziehungen bewegen, die die Scheideanstalt mit der I.-G.-Farbenindustrie und deren Rechts­vorgängerin unterhalten hat. daß zu weiter- gehenden Vermutungen keinerlei Anlaß vorliegt, und daß insbesondere auch in finanzieller Be­ziehung keine Verhandlungen geführt oder be­absichtigt sind.

Berliner Börse.

Berlin, 19. Ian. Die Haussebewe­gung scheint jetzt zu einem vorläufigen Stillstand zu kommen. Rachdem der heutige Vorbörsenverkehr noch einen sehr festen Ver­lauf nahm, überwogen bei Beginn des amtlichen Verkehrs Realisationen der Spekulation, während auch das Publikum in seinen Käufen vorsichtiger ist. Die Gesamttendenz geftaltefe sich daher zu­nächst uneinheitlich, unter Berücksichtigung der vorausgegangenen Kurssteigerungen war aber eine beträchtliche Widerstandsfähig­keit nicht zu verkennen. In Anbetracht der flüssigen Geldmarktlage und infolge

Börsen wrie.

Berlin

Frankfurt a-M.

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19. 1.

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Datum:

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der Situationsberichte verschiedener Großbanken wagte sich die Baisse-Spekulation mit größeren Abgaben noch nicht hervor, wenngleich bei einer großen Anzahl von Papieren die Kurse die tat­sächlichen Verhältnisse beträchtlich übersteigen. Schwächer lagen Maschinen- und QHoto- r e n to e r t c. In eine Haussebewegung ge­rieten heute Vereinigte Glanzstoff, die in kurzer Zeit um fast 20 Proz. anzogen. Einiges Kaufinteresse bestand für Montanwerte. Chemiewerte lagen ruhig. Elektrowerte notierten bis zu 4 Proz. über den Vortagsschluß­kursen, wobei sog. Lieferungswerte bevorzugt waren. Am offenen Geldmarkt herrscht starkes Angebot in Tages- und Monatsgeld. Der Geldüberfluh führte wieder zu bedeu­tenden Dollarkäufen, so daß die Reichsmark mit 4.2165 bis 4,2170 gegen Kabel weiter schwach lag. Die kontinentalen Valuten lagen gegen das Pfund überwiegend schwächer. Mailand-London auf 112 erholt.

158

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5% Deutsche Reichscmleibc . 4% Deutsche Reichsanlcihc .

3'/9% Deutsche Ncichsanleihe 3% Ternsche Rcichsanlethe . Deutsche Svarprämicnanleihe 4% Preußische ötonsolS . . - 4° o Hessen...........

3'/.,% Hessen 3% Hessen Deutsche Wcrlb. Dollor-Anl- dloDoU.-Schav-Anweisng. .

4% Hofllürfcii.........

5% tJoldmexikaner ....

Berliner HandLlßqcsellschast. Commerz, und Privat-Bank. Darmst. und Paiionalvank . Teutiche Bank Diskonto Commandit .... Dresdner Bank Mclallbaut Mitteldeutsche Kreditbank. . Lcsle! reichliche Kreditanstalt. RcichSdank...........

Bochumer Guß .......

Buderus.......

Caro .............

Teulsch-Luremburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bcrgdan......

Kaliwerke AschcrSleben. . . . Kaliwerk Westeregeln.....

Laurabülke ManneSmann Mans'klder. Lderbedarf ..........

Pdönir Bergbau Rheinische Braunkohlen .. . Rbciuslnbl...........

Nie bett Montan TellnS Bergbau

Bereinigte Stahlwerke . . . .

Hamburg Amrrila Paket. . . Borddcuischcr Lloyo . . .

Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philivv Holzmaun......

Anglo Cont Guano Chemische Mäher Alaptn. . . »-oldschmidt.........

Holzverkohlung- . . I G Faroen-Jndustrie. . . Nntgerswerke........

Echetd.annalt.......

Alla- Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann .........

El ktr. Lieferungen...... Lichi und Kraft Mainkra lwcrke ........ Schuckcrt . Siemens & Halske Adlerwerke Kleher ...... Daimler Motoren. ...... Hehligrnstaedt.........

'".eguin Mannheimer Motoren . . .

frankfurter Armaturen Konservenfabrik Braun . . Mctallgesell djart Frankfurt. Per Union A.-G Schnh abril Herz Sichel..............

Schhoff Aschaffenburg. . . . Srflrto ( Waldhof. . . . .

.fitlkeriabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . .

Kurs

18. 1.

Devisenmarkt BerlinFrankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung

18. Jan-

19. Jan.

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12,47

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73.63

73.69

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Alben. . .

5.40

5,42

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Canada

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1.24.1

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Banknoten.

Berlin, 18 Jan

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4.193

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Belgische Polen .

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58,65

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112.56

Englische Molen. .......

20,392

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Franzöiische Polen......

16.74

16.81

Holläub-schc Polen......

168.0.;

168,82

Italienische 9)otcn......

18 06

18.14

Parmenische Polen......

107,33

107,88

Deutsch Oeslerr. ä 100 .stronen

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69,58

Rumänische Polen......

Schwedische Poten......

112.07

H2.6I

Schw.--->r Polen.......

81.16

K1.5G

Spanische Polen.......

68,13

68.47

Tschechollowakischc Noten . .

12,44

12.511

Ungarische Polen.......

73,42

73.78

x.utfc.

Frankfurt a. M.. 19. Ian. Tendenz: leicht abgeschwächt. Durch die bisher beobachtete große Zurückhaltung der Spetulation, die die letzte Haus e eile für Gewinnsicherungen benutzte, und durch die anhaltende Flüssigkeit des Geld­marktes ist ein größerer Kur sein br uch verhütet worden, so daß es nur zu einer schwächeren Gesamttendenz kam. Rach wie vor lagen größere Kaufaufträge aus Publi- kumskrei'en vor, wodurch sich die Kursrückgänge in engen Grenzen hielten. Eine Ausnahme bil­deten von vornherein Elektroaktien, die I unter Führung von Siemens & Halske weiter an- üogen. Siemens plus 1,5 Prozent. Lahmever plus 2 Prozent. Don Montanw erten lagen

oberschlesische Werte weiter fest, auch die Rhein- Elbe-Gruppe blieb ziemlich widerstandsfähig. Rur Gelsenkirchen leicht ermäßigt. Kal i a k t i e n stär­ker gedrückt. Westeregeln minus 5Pzt., Aschers­leben minus 0,65 Prozent. Metallwerte gut behauptet. Hirsch Kupfer plus 1,25 Prozent. Bankaktien schwächer, lcionders Darmstädter minus 4,5 Pzt., Deutsche minus 1,5 Pzt. Metall- banlkonzern und Scheideanstalt aus Realisationen weiter schwächer. Scheideanstalt minus 3,5, Me­tallbank minus 4, Metallgrsellschast minus 1,25 Prozent. Freigabewerte (be'ondcrs Schiss- ahrtswerte) infolge der Berzögerung in der Frei- gobeangclcgenheit weiter leicht abgeschwächt. Holz­destillationswerte uneinheitlich. Holzverkohlung 4,12 Proz. schwächer, dagegen Chemische Frank­furt plus 4.12 Proz. Von A u t o w e r t e n büßten Kleher auf Berliner Abgaben 4,5 Proz. ein, wäh­rend Daimler 1,25 Proz. anzogen. Zellstoff- aktien bis 1,5 Proz. niedriger. Der weitere Börsenderlauf wurde, ausgehend vom Elektro­marli. nach mehrfachen Schwankungen wieder reundlicher, wobei sich auch I. G.-Forben und die anderen Chemiewerke erholten. Am heimischen Anleihemarkt lagen Kricgsanl.ihe schwächer, dagegen bayerische 'Vorkriegsrenten fest. Der Geldmarkt ist weiter außerorden'lich flüssig. Tagesgeld unverändert 3 Proz., Monatsgrld er­neut leichter mit 45/s bis 6 Proz. Warenwechsel 43 >. Dankakzepte 37/s Proz. Im Devisenver­kehr war Paris gegen London leicht abgeschwächt mit 122,20. Mailand-London 112. London-Kabel unverändert 4.8535. Die Reichsmark liegt gegen Kabel weiter schwach mit 4,2165.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 19. Ian. Es wurden no­tiert: Weizen, Wetterauer, 29 bis 29.65; Roggen, inländischer, 25.75 bis 26; Sommergerste, für Brauzwecke 26 bis 27.50; Hafer, inländischer, 20.50 bis 21.50: Mais, gelb, 18.25 bis 18.50; Weizenmehl, inländisches, Spez. 0, 40.50 bis 41; Roggenmehl 37 bis 37.50; Weizenkle'.e 13; Rog­genkleie 13.25 bis 13.50 Mark. Tendenz: fest.

Berliner Produktenbörse.

Berlin, 18. Ian. Im Berliner Produkten­geschäft bestand heute für Weizen wie auch für Roggen vereinzelt Declungsfrage, so daß die Märkte ziemlich fest eröffneten. Hinzu tarnen erhöhte Forderungen des Auslandes, kleines Provinzangebot und höher gehaltene Preise des Inlandes. Weizen wurde im Durchschnitt 1 Mk. höher. Roggen IV2 Mk., Iuli sogar 21/2 Mk. über gestern. Für Gerste und Hafer haben sich die Offerten in mittleren Sorten gemehrt, doch zeigt sich nur Bedarf für beste Qualitäten. Das Mehlgeschäft wickelt sich weiter recht stockend ab. Die höheren Getreidepreise bringen keine An­regung. Don sonstigen Artikeln behält Kleie gute Frage bei fester Tendenz. Auch Kartoffel­flocken und Serradelle werden zu höheren Prei­sen gesucht. Es notierten für 1000 Kilogramm: Weizen (märt.) 264 bis 268, Roggen 244 bis 248, Sommergerste 217 bis 245, Wintergerste 191 bis 207, Hafer (märt.) 179 bis 189, Mais loko Berlin 185 bis 187; für je 100 Kg.: Weizenmehl 34.75 bis 37.50, Roggenmehl 34.25 bis 36.25, Wcizenkleie 14 bis 14.25, Roggenkleie 14, Diktoriaerbsen 52 bis 66, kleine Speiseerbsen 30 bis 32. Futtererbsen 21 bis 24, Peluschken 21 bis 22.50, Ackerbohnen 20 bis 21, Wicken 23 bis 24.50, Lupinen (blau) 15 bis 16, Lupinen (gelb) 15.50 bis 16.50, Serradelle (neu) 30 bis 32.50, Rapskuchen 16.40- bis 16.50, Leinkuchen 20.80 bis 21.20, Trockenschnitzel 10 50 bis 10.60, Soha-Schrot 19.10 bis 19.80, Kartoffelflocken 29.60

Buntes Allerlei.

DerKönig der Lebensretter".

Ein 80jähriger Holländer, namens Dorus Rijkers, hat den RuhmestitelDer König der Lebensretter" erhalten. Die Liste der von ihm aus Todesgefahr geretteten Personen beträgt gegenwärtig 511 Personen, und dazu kommen noch 42 Schiffe, die er aus gefährlicher Lage in Sicherheit gebracht hat. Er besitzt holländische, englische, belgische, ita'imische Rettungsmedaillen, und besonders stolz ist er auf eine goldene IHjr, die ihm 1837 von dem späteren Kaiser Friedrich überreicht wurde: von Wilhelm II. erhielt er eine diamantbesetzte Goldnadel 1911. Der greife Lebensretter befinde' sich augenblicklich in Paris, und zwar ist er zu dieser Reise auf merkwürdige Weise gekommen. Man hat kürzlich in Holland eine Volksabstimmung veranstaltet, um hcrauszu- befommen, wer der beliebteste Mensch des Lan­des sei, und der Auserwählte sollte mit einer Reise nach Paris belohnt werden. Da zeigte es sich nun. daß Dorus Rijkers die meisten Stim­men erhalten hat, und so kann er denn noch auf seine alten Tage die Herrlichkeiten der Seine­stadt besichtigen, für die er das lebhafteste Interesse an den Tag legt.

Das INobelmagazin des französischen Staates.

Die französische Regierung ist jetzt dabei, ein Inventar aller Gegenstände aufzustellen, die sie in ihren so überaus reichen Magazinen besitzt. Es handelt sich nicht etwa um Gegenstände, die sich in den Etaatsmuseen von Paris oder der Provinz befinden, sondern nur um dieEinrich­tungen", die z. T. in den Ministerien und öf­fentlichen Gebäuden und in den Botschaften sind. In dem Inventar werden u. a. auch die Möbel aufgeführt, die sich in den GesanN'cha'tspalästen von Berlin, London. Rom, Madrid, Washington, Peking usw. befinden. Iede französische Ge­sandtschaft ist mit herrlichen Möbeln ausgestattet, die z. T. von großen Meistern des Kunsthand­werks stammen, mit kostbaren Teppichen, mit Gobelins der französischen Staatsmanusakturen, mit Porzellanen von Sdvres und Limoges. Aber nur ein kleiner Teil dieses riesigen Möble- ments ist in Gebrauch. Die meisten Sachen sind in den Möbelmagazinen des Staates aufge­speichert, und nur ein Zwanzigstel dieser Dinge wird im Laufe eines Iahrcs von menschlichen Händen berührt. Der größte Teil schlummert wohlverwahrt und reichlich verstaubt viele Iahr- zehnte, und es ist dringend nottoenbig. daß ein­mal ordentlich nachgesehen undgelüftet" wird. Zu den Schätzen dieses Staatsmöbelmagazins gehören Teppiche des 17. und 18. Iahrhunderts, die mehr als 70 Fuß lang und 30 Fuß breit sind: sie stehen seit vielen Iahrzehnttn, mit Pfeffer und Raphthalin dngemottet, zusammen­gerollt in den Ecken, und es lind 40 Mann not­wendig, um einen solchen Teppich aufzurollen und auszuklopfen. Man fürchtet, daß sie durch das lange Herumstehen gelitten haben. Die schönsten Gobelins von Beauvais, die aus echten Gold- und Silbersäden gearbeitet sind, hängen in Serien zu Dutzenden an den Wänden und werden höchstens einmal im halben Iahr ab- gestaubt. Hinter Stahltüren ruher in den

Bodenräumen der Magazine, unter fußhohen Staubschichten begraben, merkwürdige Eichen- und Mahagonikästen, die Gold- und Silber­sachen enthalten, es sind Teller. Schüsseln und andere Tischgcrätschasten. alle sorgfältig in Fut­terale gesteckt, die von Motten zerfressen sind. Es sind dies die Tischservice, die einstmals die französischen Herrscher bei ihren Prunkbanketten verwendeten, und dazu kommen noch. Hunderte von Gold- und Silbersachen, die aus Kirchenbesitz lammen, und bei der Säkularisierung der Kirchen- schätze eingezogen wurden. Der Wert aller dieser Kostbarkeiten, die jetzt genau registriert werden, wird auf über 400 Millionen Mark geschätzt, aber es tft auch möglich, daß sich bet der genauen Berechnung die zweifache oder fünf- ache Summe ergibt. Man beabsichtigt, alle diese Kunstwerke, mit Ausnahme derjenigen, die bei besonderen Gelegenheiten in Paris ge­braucht werden, aus die scanzosischen Provinzial­museen zu verteilen.

Ein Lund der Richtrauch«--

Eine Gesellschaft der Richtraucher hat sich in England gebildet, die es sich zur Ausgabe macht, dieimmer unerträglicher werde.den Liede g.i,e" der Raucher zu betämpfen. Als Grund für diese Vorherrschaft der Raucher wird angegeben, daß sie durch die Damen eine gewaltige Stär­kung erfahren haben. Seitdem auch das schönere Geschlecht im Eisenbahnabteil und im Restaurant raucht, sind denen, die dem Rikotin anhängen, immer mehr Vorrechte eingeräumt worden. Die Zahl der Räume in den Lokalen und öffentlichen Gebäuden, in denen nicht mehr geraucht werden darf, nimmt immer mehr ab. Die Gesellschaft der Richtraucher will dafür eintreten, daß in Theatern, Kinos, Straßenbahnen. Telephonzellen usw. das Rauchen verboten ist, daß auch in der Untergrundbahn den Äichträuchern die genügende Anzahl Wagen zur Verfügung steht und daß die Richtraucher nicht, wie es sich jetzt immer mehr durchsetzt, überhaupt fürLuft" angesehen werden.

DaS Diner der Riesenschlangen.

Eine unausrottbare Abneigung gegen die vielfach harmlosen und nützlichen^langen liegt uns nun einmal im Blute, vielleicht ein uraltes Erbteil des Sündenfalls, bei dem die Schlange eine so verhängnisvolle Rolle spielte. Aber dieser Schauder vor den schleichenden Reptilen erhält doch eine gewisse Berechtigung, besonders durch die Angriffart und Freßweite dieser Tiere, die ähnlich höchst selten angetroffen wird. Die Mahlzeit einer Riefenschlange ist ein so furcht­bares und grausiges Schauspiel, daß man es den Besuchern der Tierparks und Zoologischen Gärten nicht zumutet, sondern die Fütterung in die Abendstunden legt, wenn die Schlangenhäuser bereits geschlossen sind. Es genügt schon zur Er­weckung des Grauens, wenn man die Riesen­schlange bei der Verdauung beobachtet und den in der Magengegend unförmig aufgetriebenen Körper sieht. Den Schleier, der das Bild der Riesenschlangenfütterung bisher gnädig bedeckte, hebt nun Ludwig Zukowsky in eine genauen Schil­derung, die er inCarl Hagenbeck's Illustrierten Tier- und Menschenwelt" bietet Im Hagenbeck- schen Tierpark befinden sich gegenwärtig etwa 100 Riesenschlangen, die lebende Schweine, Ka­ninchen, Meerschweinchen, Ratten und Hühner erhalten. Glücklicherweise brauchen die riesigen Reptile nur alle 3 bis 4 Wochen gefüttert zu werden; ja, sie können sogar zur Rot ein ganzes Iahr fasten. Die unglücklichen Opfer ahnen nich'.s von dem Schicksal, das ihnen droht, und werden zunächst von den zusammengerollten Schlangen kaum beachtet Erft allmählich regen sie sich, un& der Riesenkorper schiebt sich unter ständigem Züngeln langsam durch den Raum. Borbedingung für die Tötung durch sicheren Stoß und Biß ist bei jeder Schlange das S-förmige Zurücklegen deS vorderen Korperdrittels.Der Kopf bleibt wie versteinert an eine Stelle des Bodens geheftet, während der Hals eine weit nach vorn gelagerte Schlinge beschreibt," so schildert Zukowsky den Vorgang.Ein Zischen ein graues, schatten­haftes Durcheinanderfliegen ein kurzes Auf­schreien des umklammerten Opfers sind gewöhn­lich Bruchteile einer Sekunde. Im Augenblick liegt das nächste Szenenbild vollendet und ruhig vor uns> Der Llebersall auf das Beutestück geht in so überraschender und schneller Weise vor sich, daß es meist nicht möglich ist, den Vorgang mit dem Auge zu verfolgen.' Wir erblicken nun das unglückliche Opfer von zwei wie Eisenklammern wirkenden Schlingen des muskelbepackten Schlan- genleibcs umwickelt, während der Kopf des Rep­tils in einiger Entfernung vor der Beute ver­harrt. Beim Lieberfall packt die Schlange durch blitzschnellen Vorstoß mit dem -ahnbewehrten Rachen das Opser beim Kopf, und im gleichen Augenblick schlingen sich zwei Ringe ihres Kör­pers um den Leib des Tieres, dem durch den gewaltigen Muskeldruck sogleich der At?m und bald auch die Besinnung genommen i-t. Der Tod eines Warmblüters erMot gewöhnlich innerhalb 1 bis 5 Minuten. Die Scblanae kann an dem all­mählichen Rachlassen und Aufdören der Zuckungen genau feststellen, wieweit dos S erben ihrer Beu'e vorgeschritten ist. Die Riesenschlange hat weiter eine genaue Schätzung über die Kraft und die Tötungszeit des von ihr zu erwürgenden Tieres, wie sie auch seine Größe genau zu f(höben ver­mag. Verspürt sie in dem Körver fein Leben mehr, so lockern und losen sich allmählich die er­barmungslosen Ringe, und der Kadaver wird gierig bezüngelt." Run fetzt der Schkingokt ein: ..Die Schlange packt mit tocVaufceriifenrm Rachen den Kopf des toten TiereS und schlägt die rück­wärts gerichteten Zähne nach und nach weiter in ihre Beute, abwechselnd die Kieferhälften vor­schiebend. Rachdem die enorm dehnbaren Bänder des Kieferbogens iFire größte Spannuni erreicht haben, ift der Schlund für den Durchtritt deS Kadavers geeignet. Höchst merkwürdig ll'ht eine Riesenschlanae in diesem Stadium des Schsing- aktes aus. Obwohl am Kopf kaum eine Verände­rung nochzuweiscn ift, verzerrt und bläht sich ilnkrüefer und Kehlpartie zu einem unförmig weiten Beiüel. Die größte Schwierigkeit bereitet beim Lleberfchlucken eines Säu^eieres der Schul­tergürtel und beim Bogel die Flügel. Interessant ift der Anblick der je nach der Stärke deS Kada­vers mehr oder weniger weit unter diesem aus dem Rachen der Schlange bervorstebenden nackten Luströhre. Hatte das Revtil nicht diese treffliche Einrichtuna. so müßte es als Cungenatmer bei der lonnmierigcn Schsingarbeit ersticken. Sobald die ftärlsten Körperteile unter dem Schlunde liegen, ist nut zu beobachten, wie die Beute stetig hoeiter- gkilet und schließlich in der Magengegend Halt­macht. Runzlig und faltig hänat jetzt der Unter­lider herab und langsam ziehen sich die stark veränderten Muskeln und Bänder wieder zurecht."

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