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ivcrkükdigungsblatt. fverkündigungsblatt ir enthält: Wischer Schuh- Gefangene. - Äaul- und I. - Whaltung des Früh- rktes in Giehcn. - Strahen' :ngspflicht der Handarbeils- Bereinigung in Dahenborn- nachn'chten.

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Rr. 15 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Mittwoch, 19. Januar 192Z

Für den Büchertisch.

Deutsche Literatur.

Die Edda, übertragen von Karl Sim» rock, hgg Don © He del. Berlin: Deutsche Buchgemeinschaft, 1926. (Die Deutsch« Buchge- meinschaft gibt die bei chr erschienenen Wert« nur an ihre Mitglieder ab.)

Karl SimrockS Eddaübertragring, die 1851 ium ersten Mal «rschien und später viele Auf» lagen erlebte, war in den letzten Jahrzehnten m den Hintergrund getreten. Die sünfundsiebzig Jahre, die seit dem ersten Erscheinen verflossen sind, haben viel neue Erkenntnisse sowohl im Einzelnen gebracht, wie auch die gesamte Stellung zur Sdda stark geändert, und neue Ueberschun- gen traten hervor, die dem Rechnung trugen, die von Hugo Gehring und von Felix Genzmer. Insbesondere diesem ist eS gelungen, die Edda al< Denkmal germanischer Poesie weiteren Krei­sen zu eröffnen, in vielen Punkten allerdings frei gestaltend und ordnend. Hier setzt nun der neue Herausgeber Simrocks, ®. Reckel, ein: er bewahrt die Reihenfolge der Lieder, so daß der Urtext bequem verglichen werden kann; er behalt den geringeren Abstand EimrockS vom Original bei und sucht die Schwierigkeiten, die dem heu­tigen Leser entgegentreten, durch eingehende (3 m- leilungen und Anmerkungen zu beheben. Gleich­zeitig reinigt er den Simrockschen Text von Fehlern, ohne ihn zu zerstören. Die Zahl der Verbesserungen ist immerhin sehr grob, vie­les mußte ganz neu geformt werden. Eine all­gemeine Einleitung führt in die Bedeutung der Edda als derUrgroßmutter deutscher Sage und Dichtung" mit knappen und klaren Ausfüh­rungen ein. Entstehung und Auszeichnung der Eddalieder, ihr Verhältnis zur deutschen Hel­densage, die Quellen und Schichten der Edda wer­den besprochen: am Beispiel des Ribelungen- fiedes wird der Zusammenhang der deutschen Hel- dendichtung mit den älteren Stufen gezeigt.

Kurzen Bemerkungen über .Drrskunst und Stil" folgen dann Dinzeleinleitungen zu jedem der 37 Lieder, di« sich zum Teil mit kurzer Inhaltsan­gabe begnügen, zum Teil aber zu ausführlichen Erläuterungen anwachsen. Erst von Seite 165 ab soltzt der Text selbst, durch hübsche Holzschnitte geschmückt. Dem Laien wird hier mit großem Geschick von einem der berusensten Kenner der Weg zur Edda geebnet, der Fachmann erhält zu­gleich eine Abschlagszahlung auf den längst er­warteten zweiten (Kommentar-)band der Edda- auSgabe Neckels. Dr. F. Maurer. 839

Gotthold Ephraim Lessing: Die Matrone von Ephesus. Gin Lustspiel in einem Auszug«. Ergänzt von Emil Palleske. Herausgegeben und mit einem Rachwort Der- >ehexr von Georg Richard Kruse. Philipp Re- elam, Leipzig. Universal-Bibliotbek Rr. 6719. Die Erzählung von der treulosen Witwe, die bitterste Satire gegen den weiblichen Leichtsinn, ist oft in dramatische Form gekleidet worden. LcssingS Lustspiel steht unvergleichlich höher als die dichterischen Gestaltungen diese- Stoffes sei­ner Borgänger und Rachsolger. Seine köstliche Prosa ist die Sprache des reifen Dichters und mutet uns so modern an, daß man oft an den Spötter Shaw denken muß. Georg Richard Kruse hat das Lessingsche Fragment mit der bisher ungedruckt gebliebenen Ergänzung von Emil PalleSke he raus gegeben. 3

Ernst Slias Riebergal l, Dramatische Werke, herauSgegeben von Prof. Dr. jur. et phil. Karl Esselborn, Darmstadt, Verlag der C. F. Wintcrschen Buchdruckcrei. Die beiden Darm­städter Lokalposlen des früh verstorbenen Ernst Elias Riedergall find in den letzten Iahrz^nten immer mehr in ihrem Werte erkannt worden. Unübertrefflich und mit gesundem Humor wird hier das Darmstädter Bürgertum in 6er ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschildert. Karl Esselborn hat uns eine Neuausgabe geschenkt, die in jeder Beziehung mustergültig ist. In der Einleitung wird und ein Bild von dem ^Darm­stadt zur Zeit Ernst Riebergails und ein Spiegel seiner Werke" entworfen, am Schlüsse findet sich ein .Riebergall-Wörterbuch", das sich mit der Mundart der beiden Lokalpossen auseinanderseht und eigentümliche Redewendungen erklärt. Be­sonders wertvoll sind die beigegebenen Zeichnun­gen Hermann Müllers, der die Figuren des Dichters kongenial aufgesaßt hat. Die beiden Theaterstücke erscheinen hier in einer durch Manualdruck hergestellten Wiedergabe der Erst­ausgaben von 1837 bzw. 1841, sie werden in ihrem neuen Gewände ihren alten Freunden auf das neue willkommen fein. 13

Die Nachfrage nach billigen und doch guten Büchern ist heute außerordentlich stark, xcin Wunder in einer Zeit, wo breite Schichten des Volkes zu großer Sparsamkeit gezwungen sind, und wo andererseits ein nicht zu bestreiten­der Bildungshunger herrscht. Die Firma Hesse & Decke r. Verlag in Leipzig, hat. diesen Verhältnissen Rechnung tragend, eine neue schöne Buchfolge geschaffen: Die Schatzkammer. Diese Reihe, die bis jetzt 50 Bände umfaßt, bringt in vorzüglicher Ausstattung eine Fülle von bestem Lesestoff. Die stattlichen Leinen» und Halbleder- Bände (je 2,85 und 3.75 Mk.) eignen sich ganz besonders au Geschenken, zumal da der Verlag fast ausschließlich Werke gewählt hat, die sich wegen ihres fesselnden Inhalts großer Beliebt­heit erfreuen. Reben guter Unterhaltungslitera­tur finden wir weltberühmte Meisterwerk« wie Flauberts »Frau Bovary" und Werke von echt deutschem Gepräge in dieser billigen Sammlung.

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Langens Bücher der Bildung. Wie zeitlos klar und zielbewußt das Pro­gramm der in ihrer Art einzigen Sammlung ..Bücher d-er Bildung" ist, beweisen diese drei neuen Bände. Ludwig Uhlands Gestirn vor fast einem halben Jahrhundert versunken, steigt von Jahr zu Jahr wieder höher und r.ä er.HeldensageundRittertum" te.- einigt seine heute noch unübertroffenen Würdi­gungen der deutschen Heldenepen und Gralssagen. 6in Gelehrter, zugleich jedoch durch und durch Künstler, sichtend, ordnend, neufüaend. --estallend. vermi telt uns Uhland die unvercängl chm Werte des deulschen Altertums. Ei er unter unseren Größen, der seil einigen Jahren gewissermaßen unterirdisch mahnt und pochte wie der Geist von' Hamlets Vater, Herder, wird erneuert In dem BandeVon deutscher Art und

Kunst" durch sein Wesentliches: einen Humanis­mus, der tief im Rationalen wurzelt. Ab­sage an die Herrschaft des französischen Wesens, kritische Wertung des Lateinischen, Einführung in den germanischen Genius Shakespeare. Wür­digung des Mittelalters, Einsicht ins Innerste des Volkslieds, Reugestaltung reprä'entatiter Deutscher Luthers, Huttens Baldes. die Erweiterung des Nationalen zu geistiger Wclt- bürgerlichkert, dies die großen Themen der von Joseph Bernhart aus voller Beherrschung des zyklopischen Stosses gefügten Auswahl. Ein kleines Lesebuch für große Leute nichts an­deres scheint ..Das deutsche Antlitz" auf den ersten Blick. Aber jeder der Beiträge hat etwas Besonderes auszusagen zu der Frage: Was ist deutsch? Großen Toten: Goethe, Rich. Wagner, Hans Thoma. Fichte, Hans von Ma- ree», Adolf Hildebrand. Max Dauthendey ge­sellen sich Lebende: Thomas Mann. Ernst Bert­ram, Karl Scheffler, Rudolf G. Binding, Hans Earossa, Hans Psihner. Georg Dehio, Karl Alexander v. Müller, Andreas Heusler, Hans Joachim Moser, und es ist ergreifend, wie sie alle im tiefsten sich begegnen unb bestätigen. Josef Hosmiller gibt damit nicht nur das eigenartigste Lesebuch unterer Tage, sondern ein Brevier innerlichen Deutschtums. (868)

Arnold Zweig: Gerufene Schat­ten. Mit einem Rachwort von Heinz Stroh. Philipp Reclam Verlag, Leipzig. Universal- Bibliothek Ar. 6711. Vier Heine Rovellen in einem schmalen Bändchen vereinigt. Die ersten drei beschwören Schallen der Vergangenheit: den Kampf ums alte Jerusalem, eine Episode aus dem französischen Barock, die von größeren Schatten verdunlelte Gestalt Johann Peter Eckermanns; diese drei sind knapp, eindringlich und farbig ge­staltet. Angehängt ist ihnen eine kleine Episode aus dem Weltkrieg, die weder in der thema­tischen Rundung, noch im Stil jene andern Ge­schichten annähernd erreicht: die Anekdote wirkt erlebnisfern und literatenhgst. 4

Carl Sternheim: Mädchen. No­vellen. 195 Seiten 8\ Paul Zsolnay, Verlag, Berlin, Wien, Leipzig 1926. Echtester Stern- beim. Fünf Rovellen, etwa auf der Linie des Busekow" stehend. Das Ganze sehr uneinheitlich im Eindruck: vieles ist ausgezeichnet erzählt: der knappe, witzige, eindringliche Sprachstil mancher Komödien taucht wieder auf. Aber das Wie der Erzählung und auch gelegentlich das Erzählte selbst, der thematische Vorwurf, zwingen ebenso oft zum Kopfschütteln und zu offener Ablehnung, wie man in andern Teilen zum Lachen gereizt wird. Das, was brauchbar ist, muß jeder Leser sich selbst aus dem Bande herausholen: ein wenig Psychologie, ein bischen Lebenswahrheit, den literatenhast filtrierten Lebensrhythmus unserer stürmischen Gegenwart. 871

Das Mädchen aus der Fremd«. Lustspiel in vier Akten. Don Korfiz Holm. 239 Seiten 8°. Albert Langen, München, 1926. Der bekannte Autor verarbeitet eine nicht gerade wahrscheinliche, possenhaft verwickelte Fabel in vier Akten, die etwas in die Breite geraten find, aber stellenweise auch gefällig-flüssige Dia­logpartien, handfeste Theatersituationen und einige liebenswürdige Rollen (über den schwank­mäßig üblichen Typus hinaus) aufweifen. 649 Das vertauschte Gesicht", Roman von Franz Taver Kappus. Verlag Ernst Keil's Nachfolger (August Scherl) G. m. b. H., Berlin SW 68. Ganzleinen 4,50 Mark. Im Expreß nach Palm Beach sitzt ein Mann mit auffälligem Gesicht: Spuren einer besseren Vergangenheit darin, halb verwischt durch dunkle Erlebnisse, deren Zeichen es krampfhaft verbirgt, Stolz und abgehetzte Angst der Steckbrief eines De­klamierten. Der Expreß entgleist. Als einen der wenigen Aleberlebenben schafft man d'.e'en Mann mit zur Unkenntlichkeit entstellten Zügen ins Hospital. Wochen später verläßt es John Mor­row, geheilt durch die Kunst der plastischen Ehirurgie, mit einem neuen Gesicht. Die Brand­marke ist gelöscht. Die Vergangenheit erwacht und zieht ihn zurück an ihren Schauplatz Deutschland. Und nun beginnt dieser Energie­mensch. den das Druderlos unter Verbrechern zäh und hart gemacht hat, fein Leben da wieder auszubauen, wo es ihm Jahre zuvor eine Mord­affäre zerbrach. Die Geliebte, die er damals, schwer errungen, verlassen mußte, ist die Frau eines anderen. Er, der Verfemte, wirbt um das Weib, das dem Mörder flucht. Er. der Fremde, Namenlose, nimmt den Kampf auf um ein« Frau, die Reichtum und Unglück illusionslos gemacht haben. Wit nichts als einer Waske, die ihn dem ärmsten Gerechten gleichstellt, und der kalten Entschlossenheit, dem Geschenk seiner Unglücksjahre. Dieser Kampf vollz eht sich nicht wie im Märchen, wo der Verlorene der Ge­liebten als Bettler ein Blättchen zusteckt, um die Verzeihende in feinen Armen aufzusangen. Hier kämpft ein durch und durch einsamer Mensch gegen das Phantom seiner Vergangenheit in und um sich. Der Stärkere, nicht der Frühere siegt in dem Kamps um die Frau. Und daß dieser Stärkere gleichzeitig der Frühere ist, das ist das glänzend gelöste Problem, das dem Ro­man neben der inneren Wahrhe t die sensatio­nelle Nuance gibt, um derentwillen er zu den spannendsten gehört, die wir seit langem ge­lesen haben. 865

HansOltoBecker: Sportsopfer. Schwank in zwei Aktdn. 48 Seiten 8°. Paul Mähler, Verlag, Stuttgart 1926. 740

Fremde Literatur.

Martin Andersen Rexö. Schwarze Erde. Novellen. Mit einem auto­biographischen Nachwort. Reclams Untrer al- TLIiotbet Nr. 6716. Heft 40 P'g.. Band 80 Pfg.. Ganzkeder 5 Mark. Marlin Andersen Rerö gilt als der große Proletarierdichter unserer Zeit. Drei für sein Schaffen markante Novellen liegen vor uns: eine Heimarieuernovelle, eine Bauernnovelle und eine Seenovelle. Namentlich ..Die Puppe", die das graue, müb/elige, freud­lose Dafein einer Puppenmacherfamilie aus Thü­ringen schilden und tief in die Seele des früh arbeitenden Kindes hineinleuchtet, inteieUert uni Deutsche. Vortrefflich aber weih er auch lerne dänischen Lands'eute zu gestalten: die Bakke- gaarfcibäucrin, jene alternde grau, die sichge­gen die Ordnung der Natur" verheiratet, und den

Bootsmann Blom, den die Ironie des Schick­sals bis über das Grab hinaus begleitet. Ein kurzer aulobi. graphischer Abr.ß zeigt Andersen Rexös Werdegang und seine Entwicklung zum Dichter. 2

P. G Wodehouse: Abenteuer eines P u m p g e n i e s. Engelhorns Roman- bibliclhek, Band 1004. In Glanzleinen 1,75 Mark. Dieser neueste Band von Engelhorns Roinanbibliothel führt in die Gc ilde echten angel­sächsischen Humors. P. G. Wodehouse ist als Humorist in Deutschland noch kaum bekannt: in England und Ame.i'a aber einer der beliebtesten und mcistge'.e cnen Autoren. In einer hübschen Sammlung Heiner, in sich geschlossener, jedoch durch öie Gestalt des Helden zusammenhängender Geschichten schildert der Verfasser die Abenteuer eines mit zahllosenMillionenobjekten" beschäf­tigten Phantasten, der in der Zwischenzeit seine Freunde um kleine Schillingbeträge erleichtert.

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Erziehung und Bildung.

Emst Homeffer:Der Inge­nieur als Erzieher". Verlag von G. D. Baedeker, Essen, 1926; 72 Seiten, 3 Mark. Diese neue Schrift des bekannten Philosophen unserer Landesuniversität gewährt vollkommen neue Ausblicke in das Problem der wirtschaft­lichen Organisation. Sie ist ein weiteres Er­gebnis der Versuche Homessers, eineangewandte Philosophie", die Lehren von den Grundprin- zrpien auf das gegenwärtige Leben anzuwenden und zu übertragen, zu schaffen. Seine mündlich und schriftlich bargelegten Ideen zu den großen Problemen des Staates und der Wirtschaft ha­ben in politischen und in Regierungskreifen wie in der Industrie großes Aufsehen und lebhafte Beachtung gesunden und führten zu einer um­fangreichen Tätigkeit des Verfassers in den wirt­schaftlichen Verbänden und in einigen Zweig- vereinen des Vereins Deutscher Ingenieure. Die staatsphilosophifchen Ideen werden demnächst in einem großen Werk über dendeutschen Staat" erscheinen, während die Fragen des Wirtschafts- Problems in dem vor einigen Jahren erschienenen BuchDie große Wund«, philosophische Be­trachtungen über das Verhältnis von Kapital und Arbeit" bargelegt werden. Die neue Schrift Der Ingenieur als Erzieher" wird in den glei­chen Kreisen und in dem Berufsstand der Inge­nieure vor allem ebenfalls großes Aufsehen er­regen, zumal dem letzteren durch Professor Homeffer eine hochbedeutende Kulturaufgabe zu- gesprochen wird. 808

Pestalozzis Leben. Don Pros. Dr. F. Medicus. 220 Seiten 8° mit dem Bildnis einer Maske Pestalozzis. Gebunden 3.60 Mk. Derlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Don Pestalozzis warmer Menschlichkeit geht noch heute ein lebendiger Strom durch leben, der eine Aeußerung dieses überragenden Pädagogen oder eine Darstellung seines Lebens und Merkes lieft. Am 17. Februar d. 3. werden 100 Iabre verflossen sein, seit er mitheiterer, kindlich fröhlicher Miene" aus dem Leben schied, und wir ehren an diesem Tage das Gedächtnis des großen Menschenfreundes. Einer unserer nam­haften Pestalozzi-Forscher gibt hier ein leben­diges, ties erfaßtes Bild von dem großen Er­zieher, seinem äußeren Werdegang, seiner in­neren Entwicklung, dem allmählichen Gmpor- wachsen seiner Ideen aus unbewußtem Grunde und dem Umsehen dieser Gedanken in die Tat. Das bewegte Leben dieses Mannes wird in großen ßinten, mit sicherem Blick für das We­sentliche und psychologischen Verständnis geschil­dert. Auch sind die Schriften Pestalozzis als wichtigste Zeugnisse seines inneren Lebens aus­führlich herangezogen. 16

Sprachlehre für di e Kinder des D o l k e s. Stoff und Anregung zur methodischen Gestaltung. Don Professor H. Itschner. 3. Ausl. 143 Seiten. In Lcinenband 4,20 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. In diesem Werk bietet der Verfasser die praktische Anwendung seines pädagogischen Systems auf ein einzelnes Gebiet. Gerade die Sprachbildung ist heute eine immer dringendere Angelegenheit geworden und in ihrer Bedeutung erst jetzt voll anerkannt, die früher übliche und auch gegenwärtig noch häufig angewandte grammatikalische Behandlung, die nichts Höheres kennt als Satzanalysen, Kon­jugation, Tempi, Modi und Genera, droht das Imeresse des Kindes für seine Muttersprache zu ertöten. Itschner betont mit Recht, daß nur dann ein Anteil des Schulkindes zu gewinnen ist, wenn wir ihm gönnen, sich im Leben der Sprache selbst zu ergotzeir. Machen wir den Unterschied der Mundart und Schriftsprache zum Gegenstand der Betrachtung. Lassen wir das Kind den Reich­tum der Ausdrucks- und Gebrauchsfähigkeit der Sprache schöpferisch erleben, und wir werden sehen, daß es sich gern in deren Wunderwerk fröhlich einlebt. Wie dies praktisch möglich und wie es zu verwirklichen ist, zeigt Itschner an einer Fülle anregender Beispiele, nach Unter« richtsstufen gegliedert. Das Buch sollte jeder Lehrer, der es als Ziel feines Sprachunterrichts anfieht, im Geiste Rudolf Hildebrands zu unter­richten, zu Rate ziehen. 742

Der künstlerische Vortrag. Erster Teil. Eine Anleitung zur Pflege des gesprochenen Wortes. Zweiter Teil. Hebungsstoffe. (Deutsch- kundliche Bücherei.) Don Lektor Dr. E. Drach und Dr. M. Simon. 43 und 46 Seiten. Verlag von Quelle 8c Meyer in Leipzig. Diese beiden Bändchen der .Deutschkundlichen Bücherei" sind für Anfänger und Laien bestimmt, für jeden, der deutsche Dichtungen in Vers und Prosa gerne ausdrucksrichtig vorlesen tollt An der Hand von 18 Stücken deutscher Dichtung und Prosa wollen sie in die Kunst des Vortrages einführen. Der Weg. der von leichten Aufgaben zu verwickelteren fortschreitet, beginnt bei Grimm und Hebel, leitet über Kellers Legende zur Ballade Meyers und Fontanes, verweilt bei der Lyrik der Droste, bei Morike. Storm und Stadler und erreicht den Gipfel mit der Bezwingung des deutschen Hexa­meters (Goethe). Der Leser soll nicht bloßer Leser bleiben, sondern zum Uebenden werden. Er nimmt schöpferisch teil an dem Kunstwerk, indem er eS gestaltet Es werden ihm kein« ferti­gen Rezepte vorgesetzt, wie man »schön dekla­miert", sondern nur Anregungen gegeben und Vorschläge gemacht. Die Verfasser gehören zu

den namhaften Sprechkünstlern in Deutschland. Aus reicher praktischer Erfahrung haben sie hier Wertvolles mitgeteilt und der Schule, Lehrern wie Schülern, eine gute Deispielfammlung ge­geben. 743

EäuglingSgymnastik. Don Major außer Dienst Reumann-Neurod e. 40 S. mit 20 Abbildungen. Gebunden l,£0 Ml. Verlag von Quelle 8- Meyer in Leipzig. Das Büchlein erscheint jetzt in umgearbeiteter und erweiterter Form, bereichert um den Ertrag weiterer prak­tischer Erfahrungen. Die Erkenntnis von der Not­wendigkeit der Hebung und Erhaltung unserer Dolksgefundheit bringt heute in die weitesten Kreise unseres Volkes, und es ist das große Verdienst dieser Schrift, daran in bedeutendem Maße mitgewirkt zu haben. Si« hat uns vor allem gelehrt, daß das Krüppeltum vieler Men­schen verhindert werden kann, wenn wir schon beiiy Säugling mit zweckmäßigen körperlichen Hebungen beginnen. Die vorliegende Arbeit gibt ein erprobtes System der Säuglingsgymnastik, wie es an der Reichsanstalt zur Dekampsung der Säuglings- und Klemkinderstcrblichkeit eingeführt ist. Die neue Auflage bringt 70 Hebungen für Arme, Beine. Racken, Brust, Bauch und Wirbel­säule des Kindes. Die genauen Anweisungen ermöglichen auch der Halbwegs geübten Laien- hand, die Hebungen am Kinde vorzunehmen. 741

Zur Literaturgeschichte.

»Die Baumeister der Welt" nennt Stefan Zweig den Versuch einer Typologie deS Geistes, von dem bislang zwei Bünde vorliegen. Der eine umschließt Hölderlin, Kleist und Nietzsche (Der Kampf mit dem Dämon"). Heber ihn wurde hier schon gesprochen. Der andereDrei Meister", vereinigt drei CssayS über Balzac, Dickens und Dostojewski, die drei großen und im Sinne des Verfassers einzigen Romanschrift­steller des neunzehnten Jahrhunderts. Zwerg selbst begründet diese Auswahl mit folgender Formulierung: »Romanschriftsteller im letzten, im höchsten Sinne ist nur das enzyklopädische Genie, der universale Künstler, der hiev wird Breite deS Werks und Fülle der Figuren zu einem Argument einen ganzen KosmoS baut, der eine eigene Welt mit eigenen Typen, eigenen Gravitationsgesehen und einem eigenen Sternenhimmel neben die irdische stellt.....

Jeder dieser drei Romanschriftsteller hat seine eigene Sphäre, Balzac die Welt der Gsfellfchaft, Dickens die Welt der Familie, Dostojewski die Welt des Einen und deS AUS. Vergleiche dieser Sphären zeigen ihre Untersch.ede, niemals aber ist unternommen, diese Unterschiede in Wert­urteile umzudeuten ober die nationalen Elemente eines Künstlers in Neigung oder Abwehr zu betonen. Jeder große Schöpfer ist eine Einheit, die ihre Grenzen und ihr Gewicht in eigenen Maßen in sich schließt: es gibt nur ein spezifisches Gewicht innerhalb eines Werkes, kein absolutes in der Wagschale der Gerechtigkeit." Diese we­nigen Sätze des Verfassers zeigen am besten, was Zweig wollte und was er tatsächlich erreicht hat, eine Psychologie des Romanciers in den drei prägnantesten Gestalten". DaS Buch gibt einem Kenner der Werke ästhetischen Genuß, Anregung und Vertiefung. 719

Paul Wiegler (tat unter dem Titel D i e große Liebe W i e sie starben" in einem vom Avalun-Verlag, Hellerau bei Dres­den geschmackvoll auSgestattelen Bande eine Reihe von Dichter- und Frauenporträts vereinigt, von denen jedes einzelne ein kleines novellistisches Kunstwerk ist. Weit entfernt von dem Streben nach einem literarhistorischen Essay, geben diese Skizzen doch eine sehr eindringliche Auffassung von Charakter und Milieu dieser Menschen, die nach Lebensschicksal und Lebenswerk es wert sind, betrachtet zu werden. (Preis In Ganzleinen 8,50 Mk.) 814

Gin schon in der Ausstattung entzückendes BändchenDeutscher Liebesbriese" gibt Julius Zeitler im Avalun-Verlag. Hellerau bei Dresden heraus. (Preis Ganzleinen 7 Mk.) Die schönsten und stärksten Zeugnisse b>3 Liebes- gefühlS im deutschen Menschen aus i.eun Jahr­hunderten, von den Tegernseer Liebesbriefen Wernhers des Mönches an bis zu Liliencron, ein reicher Schah in köstlich finnigem Gewände. 19

Wolfgang Golther: Richard Wagner, Leben und Lebenswerk. Mit Wagners Bildnis. Musiker-Biographien 5. Band. Reclarns U^.i ersal-Bibliot(:«k Nr 1660-62. Heft 1,20 Mark, Band 2 Mark. Woksgang Gol- ther, der bekannte Wagner-Forscher und Literar­historiker in Rostock, ist in dieser volkstümlichen Wagner-Biographie überall auf das Wesent­liche bedacht gewesen. Es gelingt ihm, den Leser mit dem Le.ensgang Wagners und fernen Scha:- fensperioden auf8 innigste vertraut zu machen. Die an Ereignissen reiche Le.'ensgeschichte des größten deutschen Müiidramatilers lieft sich wie ein biographischer Roman. 1

Deutsche Ortsnamenkunde. (Deutschkundliche Bücherei.) Don Archivdirektor Dr. F. Mentz. 2. Auflage. 74 Seiten. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Einleitend weist der Verfasser nach, daß sich neben den rein deutschen Ortsnamen verschiedene Schichten oder Gruppen von Namen fremden Ursprungs unter­scheiden lassen und zwar vordeutsche, d. h. ligu­rische und keltische Namen, lateinische. Hatei che und litauische sowie altpreuhische Qlamen Rein deutsche Namen treten erst nach der Völker­wanderung auf. Sin großer Teil der Orts­namen läßt sich aus der Ar» des Siedelns er- flären. sie bestehen dann l.d gllch a^s dem Grund­wort. Um jedoch die vielen Orte gleichen Namens zu. unterscheiden, tritt oft zu dem Grundwort ein Bestimmungswort hinzu. Sehr geschickt ist nach dieser Einteilung die Anordnung vorgenommen. Da die Erforschung der Ortsnamen eine wesent­liche Aufgabe der heimatkundllchen Forschung darstellt, ist diese Arbett ein wertvoll^ Hilfs­mittel. 744

Verfchiedenes.

H. Handke: Der Bubikopf von Agamemnon bis Stresemann. Mit 63 Zeichnungen von Winckler-Tannenberg-, Verlag für Kulturpolitik, Berlin. Em sehr amüsan:eS, geistreiches Buch läßt der *3erlag für Kultur­politik erscheinen. Handke, ein Kenner alter und