fiter ein detailliertes Programm ihrer finanziellen Wünsche einigen müssen, das dann mit den vorhandenen Mitteln durch energische Abstriche in Einklang gebracht werden muß. Woher der Finanzminister allerdings auch nur annähernd die von den Volks- Vertretern gewünschten Summen hernehmen will, ohne eine gewiß von allen Parteien abgelehnte Steuererhöhung ins Auge zu fassen, erscheint vorläufig noch schleierhaft. Denn Dr. Köhler hat doch ichon in seiner Etatrede darauf bingewiesen, daß für die Fortsetzung der Erwerbslosenunterstützung, die bis zum 3n Traft treten der Arbeitslosenversicherung dem Reiche noch zur Last fällt, keine Deckung vorhanden ist. Besondere Wünsche knüpfen sich nun an die Ausgestaltung der Jnvalidenoersiche r u n g , die einen ungefähren Mehraufwand von 100 Millionen beanspruchen würde. Dazu kommt die schon seit langem in Aussicht gestellte Erhöhung der Beamtenbesoldung und die Anpassung der W o h n u n g s g e l d e r für die Beamten an die gesteigerten Mieten. Die Befriedung der Entschädigungsansprüche der Ausland deutschen, die nach der Entscheidung des Haager Schiedsgerichts nicht aus den Doweszahlungen erfolgen soll, wird dem Reich recht beträchtliche Leistungen auferlegen. Die vom Reichsjustizminister bereits angekündigte günstigere Gestaltung der Aufwertungsge- «etzgebung wird neben der Ablösung der Reichsanleihen große Summen verschlingen. Dazu kommt eine von allen (Seiten als notwendig anerkannte Aufbesserung der Bezüge' für die Kriegsbeschädigten. Das sind nur einige herausgegriffene große Posten, die im Boranschlag nicht berücksichtigt sind, die aber für sich allein schon ohne weiteres die vom Reichsfinanzminister angegebene Etatüberschreitung von 700 Millionen ausmachen mögen. Dazu kommen noch alle die kleinen Summen und Sümmchen, um die die Einzeletats von den bewilligungsfreudigen Abgeordneten erhöht find.
Man weiß nicht recht, wie der Herr Reichsfinanzminister nun dies Geld schaffen soll. Mit einer Anleihe wird er nach dem Mißerfolg der Rein- holdschen kaum Glück Haden. Den Gedanken, der R e i ch s p o st statt der bisherigen 700 Millionen künftig 200 Millionen abzuzapfen, und es dieser dann gütigst zu überlassen, durch eine Erhöhung der Tarife diese immerhin beträchtliche Summe vom Publikum einzuziehen, halten wir für recht unglücklich. Die deutsche Wirtschaft hat an den ver- tehrshemmenden und produktionsverteuernden Tarifen der Reichsbahn genug zu tragen. Gelingt es der Post durch wirtschaftlichere Gestaltung ihrer Betriebe und durch verkehrsfördernde Tarifpolitik ihre Umsätze zu steigern und die an das Reich abzuflihrenoen Gewinne zu erhöhen, so wird man sich damit einverstanden erklären können. Bedenklich ist aber eine fiskalische Tarifpolitik, die auf das Wesen der Post als Mittel des Verkehrs und dienendes Glied der Wirtschaft keine Rücksicht nimmt. Gerade bei der augenblicklichen Wirtschaftslage, die die Wirtschaft in stetem Kamps um eine Verbilligung der Verkehrstarife sieht, würden wir diesen Ausweg aus dem Finanzdilemna des Reiches für verfehlt ansehen. Richtiger wäre schon rücksichtsloser Abbau an den Aufgaben, die das Reich in früheren Jahren an sich gerissen hat und gleich rücksichtsloses Streichen an den Ausgaben, die über den Etat hinaus bewilligt wurden.
Vielleicht empfiehlt es sich auch, einen Gedanken zu erwägen, der unter dem Finanzregime Cail - la uy in Frankreich eine gewisse Rolle gespielt hat. Caillaux verlangte damals, daß die Kammer über Fas Budget hinaus keinerlei Bewilligungen ohne Zustimmung des Finanz- • Ministers machen dürfe. Die französische Kammer hat diesen Eingriff in das ihr verfassungsmäßig .zustehende Bewilligungsrecht nicht zugelassen. Cail- 'laur wurde gestürzt und Pvincarö begann seine । Aktion zur Rettung des Franken, ohne das in diesen gingen sehr empfindliche Parlament " zu einer f oe[bftentäiiBerung seiner Rechte zu zwingen. Der Gedanke, den Caillaux hier aufgeworfen hat, nfirb f im Deutschen Reichstag gewiß kaum mehr Gegenliebe finden, als seinerzeit in der Pariser Kammer. Ader die Parteien werden sich darüber klar wer den müssen, daß bei der Unmöglichkeit neuer Steuern eben mit dem au »gekommen werden muß, was vorhanden ist, so lange nicht eine Revision des Dame splans erzielt worden ist und die öon Jahr zu Jahr wachsenden Reparationsleistungen auf der Wirtschaft ruhen. Kommt das Parlament nicht dazu, in strenger Selbstzucht sich mit der Bewilligung notwendigster Ausgaben zu bescheiden, wird, so unangenehm dies Hingt eine Art Finanzdiltatur schließlich auch in Deutschland einmal unausbleiblich werden.
Beunruhigung im Osten.
Litauen befürchtet einen polnischen Neberfatl.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 19. März. Die sowjetrusiische Te- legraphen-Agentur verbreitete die Rachricht, daß ein bewaffneter Konflikt zwischen. Polen und Litauen für die allernächste Zeit drohe. Die polnische Regierung wurde SamStag, am Geburtstage Pilfudskis. die litauische Regierung in ultimativer Form zur Anerkennuna deS polnischen Standpunktes in Der Frage der Regelung der polnisch-litauischen Beziehungen aufsordern. und im Ablehnungsfälle ^ie litauische Hauptstadt Kowno militärisch besehen lassen. Ferner wird behauptet, Großbritannien habe versprochen, die polnischen Bestrebungen zu un t er stütz en und einen bewaffneten Einmarsch Polens in Litauen zu billigen. Es wird hinzugefügt, daß polnische Truppen bereits an der polnisch-russischen Demarkationslinie konzentriert seien. In baltischen Kreisen ist man der Auslassung, daß alle diese Berichte von Moskau ■weqegangcn sind, um einen günstigen Abschluß noffiziellcr polnisch-litauischer Besprechungen zu verhindern, die nach Ansicht Moskaus in einer europäischen Hauptstadt im Gange seien. Immerhin hätten die Berichte, die offensichtlich von bolschewistischen Agenten zunächst in Litauen und später in Moskau verbreitet worden seien, eine gewisse Revosität in Litauen hervoraerusen.
An Berliner amtlicher Stelle ist von derartigen polnischen Plänen nichts befannt. DaS schließt allerdings nicht aus. daß tatsächlich Polen die Absicht hat. seine militärischen Machtmittel zur Beilegung des zwischen Polen und Litauen bestehe'iden latenten Kriegszustandes in die Wagfchale zu Wersen. An mehreren Berliner unterrichteten Stellen nichtamtlichen Charakters lagen nämlich in den gestrigen Abendstunden verschiedene detaillierte Meldungen vor. die darauf schließen lassen, daß ein polnisches Borgehen gegen Litauen mit Waffengewalt oder wenig0ens unter Aiidrohung Der Anwendung von nv tärischen Machtmitteln nicht unmöglich ift
Die Verbesserung der Auswertungsgesetze
Der Regierungsenlwurf im Rechtsausschutz des Reichstags.
Berlin, 16. März. (BDZ.) Der Rechtsausschuß des Reichstages begann die Beratung der Auswertungsanträge Die Reichsregierung legt einen Gesetzentwurf vor über die Verzinsung aufgctoerteter Hypotheken und ihre Tlmwandlung in Grundschulden. Der Entwurf hält an den Grundzügen der Aufwertungsgesehgebung fest, enthält aber Bestimmungen. die bestehende Härten bei der Verzinsung von Hypotheken mildern, sowie mißbräuchliche Auslegung von Gesetzesbestimmungen verhindern und den Gläubigern die Befugnis erteilen soll, die Umwandlung der Hypotheken in Grundschulden zu beantragen.
Abg. Dr. Best begründet einen von ihm eingebrachten Entwurf über die ilmtoanbtung von Hypotheken und anderen Ansprüchen. Rach diesem Entwurf soll bei Ansprüchen, die vor dem 1. Januar 1919 Durch die Veräußerung eines Grundstückes entstanden sind, die Umrechnung durch das Verhältnis bestimmt werden, in Dem nach der Ansicht der Beteiligten der Ersah preis zum Werte des Grundstückes stehen tollte. Bei Industrie-Obligat onen, Pfandbriefen. Rentenbriefen, Kommunalobligationen und anderen Schuldverschreibungen soll an die Stelle des Tages der Entstehung derTag der Aufwertung treten. Der Entwurf verlangt auf dieser Grundlage die Umwertung aller Ansprüche. die auf vor Dem 16. Februar 1924 begründeten Rechtsverhältnissen beruhen und eine Geldsumme zum Gegenstand haben, die durch die Inflation entwertet ist.
Reichsjustizminister Hergt erklärt, die Reichsregierung wolle auf dem Gebiete der Kleinrentnerfürsorge 25 Millionen zur Verfügung stellen zur Verstärkung der Bezüge. Der Rückgriff auf das sonstige Vermögen des Kleinrentners solle verhindert und ferner solle nach Möglichkeit bedürftigen Inhabern von aufgewerteten Hypotheken usw. durch Aufcauf ihrer Forderungen sofort Geld verschafft werden. Der Reichsfinanzminister beabsichtige, den Antrag Emminger (betr. Barablösung der Auslosungsrechte von Personen über 65 Jahre, die nicht mehr als
3000 Mark Einkommen haben) durchzuführen und daneben in möglichst weitem Umfang bei Bedürftigkeit Dorzugsrenten zu gewähren. Es müsse jetzt daran sestgehalten werden, daß daö vom Reichstag nach schweren Kämpfen geschaffene Au f w e r t u n g s g e s e h ein Werk von Dauer bleibe. Dieses Gesetz habe wesentlich zur Festigung der Währung beigetragen und es habe den Gläubigern reale Werte gebracht. Der im nächsten Jahr in Kraft tretende höhere Zinsfuß von 5Prozent für Aufwertungshypo- kheken werde die Lage- der Gläubiger weiter verbessern. Rach Mitteilungen der Länder sind etwa 81 Prozent aller Aufwertungssachen, 66 Prozent der Grundbuchsachen erledigt. Die meisten Länder hoffen bis zum Ablauf dieses Jahres fertig zu werden. Erfreulich sei, daß seit Dem 1. Januar 1927 den Pfandbriefgläubigern mit 4',, Prozent verzinsliche Liguidationspfandbriese ausgehändigt würden. Der Regierungsentwurf hält an den Aufwertungsgrundlagen fest. Er bringt nur Bestimmungen, durch die unvorhergesehenen Auswirkungen des Gesetzes abgeholfen und verschiedenen Schiebungen ein Ende gemacht werden soll, die sich bei der Anwendung des Gesetzes gezeigt haben.
Abg. Dr. Wunderlich (D. Bp.): Die in der jetzigen Koalition vereinigten Parteien sind dieselben, die im Sommer 1925 die hart umstrittenen Aufwertungsgesetze angenommen haben. Sie haben sich schon damals nicht verhehlt. daß diese Gesetze mancherlei Härten im Gefolge haben würden. Die Regierungsparteien begrüßen es daher, wenn die Reichsregierung durch die Bereitstellung neuer Mittel den Geschädigten eine weitere Hilfe sozialer Art bieten will und daß sie durch ein Sondergeseh auch die Unvollkommenheiten des Hypothekenaufwertungsgesehes nach den Erfahrungen der Praxis ausgleichen will. Die Regierungsparteien waren sich einig, daß an den Grundlagen der Aufwertungsgesetzgebung nicht gerüttelt werden dürfe. Die Regierungsparteien stellen sich deshalb hinter die Re- | gierungsvorlage und bitten, unter Ablehnung aller weitgehenden Anträge sie zur Grundlage I der Verhandlung im Rechtsausschuh zu machen.
Daß eine polnische Aktion unmittelbar bevorsteht, ist allerdings kaum anzunehmen. Die Unbeständigkeit in der polnischen Politik, insbesondere die impulsive Ratur P i l s u d s k i s , der sich bereits vielfach nicht gerade von politischen lleberlegungen Ijat leiten lassen, bildet aus alle Fälle ein großes Gesahrenmoment.
Der Jndochinaskandal vor der Pariser Kammer.
Paris, 19. März. (TU.) Die französische Kammer war am gestrigen Freitag überfüllt, da der Jndochina-Skandal zur Debatte stand. Als erster Interpellant sprach der Abg. Autrey von Der Gruppe Marin, Der zuerst den Koloniatniinister Perrier angriff, weil er den Staatsanwalt Colonna, der ein dickes Aktenbündel über des Gouverneurs Sabatier Gewaltherrschaft in Indo- China besäße, nicht empfinge. Sabatiers Schandtaten seien unzählige. Bei einem Straßenbau von 500 Kilometer Länge habe er die Eingeborenen wie Sklaven behandeln lassen. In den Schulen seien . zahlreiche Kinder mit dem schweren S cü a n d h o l z a in H a l s e aufgesimden worden. Savatiers Beamte hatten die eingeborenen Frauen vergewaltigen und viele eingeborene Familien zwingen können, ihre Wertgegenstände zu einem Spottpreis herauszugeben. Zahlreiche Hinrichtungen im grausamen Ausmaß müßten auf Sabatiers Konto gesetzt werden. 8000 Hektar Land seien auf 99 Jahre zu einem Spottpreis an einen Freund des Generalgouverneurs V a r e n n e verkauft worden, dessen TerraingeseUschaft das Land mit außerordentlichem Nutzen weiterverkauft hätte. Daraus verteidigte Kolonialminister Perrier Varenne und Sabotier. Der letztere habe in 14jährlger Tätigkeit Indo-China endlich der französischen Zivilisation erschlossen und Dem unruhigen Lande Ordnung und Ruhe geschenkt. Daher Hobe Sabotier die Ehrenlegion verdient. Die Anschuldigungen gegen Sabotier seien unbegründet.
Der Bischof von Lüttich gegen den Heimatbund.
Berlin, 18. März. (Priv. Tel.) Der Bischos von Lüttich hat Den yeimatbunb in Eupen-Malmedy in einem Brief an den gesamten Klerus der Kreise Eupen und MalmedH als antinational verurteilt. Das Vorgehen erinnert an die seinerzeitige Kundgebung des Bischofs von Straßburg Msgr. Ruch gegen die elsässische Autonomistenbewegung. Das zeitliche Zusammenfallen mit Der Brüsseler Kammerdebatte über Eupen-Malmedy ist sicherlich nicht ganz zufällig. Das Berliner Zentrumsorgan, die „Germania", bedauert vom katholischen Standpunkt aus das Verhalten des Bischofs von Lüttich, da es für viele Katholiken überflüssigerweise einen schweren Gewissenskonflikt heraufbeschwöre und unter Umständen der Kirche mehr schade, als es dem belgischen Staate zu nützen geeignet sei.
Kleine politische Nachrichten.
Dn Thüringen müssen die Derhandlun- gen zur Bildung einer großen Koalition vom Landbund bis zur S. P. D. als gescheitert betrachtet werden. Der Präsident des Landtages hat den Aeltestenrat auf Dienstag einberufen, um zur Rechtslage Stellung zu nehmen
Zu der Beisetzung des Sohnes des Reichs- toe&rminifterä Geßler sind Reichsarbeitsminister B r>a u n s und Staatssekretär P ü n d e r als Vertreter des Reichskanzlers nach Lindenberg im QHlgäu gefahren.
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Das Landgericht München verwarf die Berufung von a ch t Kommunisten, Die als Teilnehmer einer Partei konker-enz z u je drei M o - naren Gefängnis verurteilt worden waren. In Der Begründung heißt es daß die TeHacde Der Eigenschaft e.nes Funktionärs I D c r Kommuni ß ischen Partei Deutsch
lands genügend Grund zu einer Verurteilung ist, auch wenn sonst keine strafbare Handlung vorliegt.
Commendatore Alfonso S? i m o n g e I [ i ist zum Bürgermeister von Bozen ernannt. Limon- gelli war längere Zeit Präfekt in verschiedenen italienischen Provinzen
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In Riga wurde unter großer Teilnahme der Bevölkerung die Le ich,e des lettländi- schen Staatspräsidenten beigesetzt. An der Beisetzung nahmen auch der litauische Staatspräsident, der Ministerpräsident und der Parlamentspräsident Litauens, der litauische Oberbefehlshaber und andere Persönlichkeiten teil.
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In der Wathäikirche in Berlin fand eine Trauerfeier für den lettischen Staatspräsidenten statt, an der der lettische Gesandte, der lettische Generalkonsul und zahlreiche Mitglieder der lettischen Kolonie in Berlin teil* nahmen. Von deutscher Seite waren als Vertreter des Reichspräsidenten Staatssekretär Dr. Meißner, ferner Reichskanzler Dr. Marx. Reichsaußenminister Dr. Stresemann und andere Herren des Auswärtigen Amtes erschienen.
Aus aller Wett.
Hermann Abraham.
Ein hochverdienter Bürger Berlins, Hermann Abraham, vollendete in Diesen Tagen sein 80. Lebensjahr. Schon vor 35 Jahren erkannte er zuerst Die Notwendigkeit Der „Schulkinder- f p e i | u n g", Die heute in Der ganzen Welt als kommunale Pflicht durchgesühri wird unD legte, Durch Begründung Des „Vereins für Kinder- Volksküchen und Volkskinder horte" Den GrunDftein für Die Ertüchtigung der Berliner Volksjuaend, für ihre Belehrung, für ihre Liebe zur Natur, Durch Arbeit in Gärten und an Beeten, Die in Den Sommermonaten von Den KinDern bepflanzt und gepflegt wurden. Zur Zeit der HimgertNockade bewahrte er, Durch Errichttrng Der „Mittelstands- u nb Beamtenküchen" feine Mitbürger vor Der schwersten Ernährungsnot. Nach Dein Weltkriege schuf er Die KinDererholungsheime ont Meer und im Gebirge. Viele, viele Kinder finden in diesen Heimen Kraft und Gesundheit wieder. Unter den zahlreichen Ehrungen, Die Dem Jubilar an seinem Geburtstage zuteil wurden, sei besonders ein Almanach hervor- gehoben. Der ihm überreicht wurde und in welchem Die Geistesführer unseres Volkes mit innigen Gedenkworten vertreten sind. Durch einen besonders herzlichen Glückwunsch ehrte unD erfreute Der Herr Reichspräsident von hinDenburg und Reichskanzler Marx Den Achtzigjährigen. Möge Diefem Pionier Der fiinDerfürforge, Diesem Ehrwur- Digen schasfensfrohes Leben beschieden sein!
westeuropäischer Unioersitätskongreß in Brüssel.
In Brüssel wurde der westeuropäische Universitätskongreh eröffnet, aus dem Deutsch, land, Frankreich, England, Italien, Die Schweiz, Holland, Belgien. Luremburg und baS Völker- bunb5fefretariat durch Delegierte und Amerika durch fünf Beobachter vertreten sind. Der Kongreß bezweckt bie Förderung der europäischen Eintracht und wird sich mit dem Verhältnis Amerikas zum Völkerbünde und zu Europa, ferner mit dem Problem der interalliierten Schulden. der Trusts und der Kartelle, der Locarno- Politik und der Paneuropabewegungen befassen. In der Eröffnungssitzung hielt der ehemalige belgisch« Minister Janssen ein Referat über die 'Bedeutung des Dölkerbundes. Auch Der deutsche Delegierte Friedlaender ergriff das Wort.
Deutsche Studenten in London.
Aus dem Jahresbericht der Universität London ergibt sich, daß im vergangenen Jahre mehr als 400 nichtenglische Studenten an der Londoner Unioerfität eingeschrieben waren. Deutschland stehl dabei mit 192 Studenten in der vOrder st e n R e i h e gefolgt von Den Verein. Staaten mit 47, während Großbritannien selbst 2443 und aus den Dominions 236 Studenten eingeschrieben waren
Museumsdiebstähle in München.
In einem Münchener Museum wurden feit einiger Zeit fortgesetzt Bücher und Bilder von großem historischen und künstlerischen Werte gestohlen. Der Polizei ist es nunmehr gelungen den Dieb, einen aufsichtsführenben Beamten und Bibliothekar des Museums, festzunehmen. Ein großer Teil des entwendeten GuteS konnte wieder herbeigeschafft werden.
Veruntreuungen.
Veim Heeresverpflegungsamt in Pasewalk hat man große Futtermittelschiebungen aufgebedt 3m Zusammenhang Damit ist ber Inspektor bei Heeresverpflegungsamtes seit einigen Togen spurlos verschwunden. — Ferner sind beim Postamt II in Stettin Unterschlagungen entdeckt tnorben. Es wurde bisher ein Feblbetrag non 10 000 Mark festgestellt.
wegen Betrugs verhaftet.
Wegen betrügerischer Geschäfte wurden tn Berlin 19 Personen von der Kriminalpolizei festgenommen. Unter den Derhafteten befinden sich Männer, die angesehene Stellungen bellet- den, so der Inhaber eines Bankgeschäftes im Westen der Stadt imb mehrere Peinlichkeiten aus der Handelswelt. Außerdem werden noch zwei an den Schwindelgeschäften Beteiligte gesucht. Die Betrüger hatten zu .kurzfristi-en. risiko- losen" Warenkauf- rrnd BerkaufSgeschäsien Geldgeber gesucht, und etwa 200 Angehörige des Mittelstandes um die betreffenden Beträge geprellt.
Kamps mit Schmugglern.
An der deutsch-polnischen Grenze im Zollbezirk Rhbnik kam es dieser Tage zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Zollbeamten und Schmugglern. Die Zollbeamten machten von der Schußwaffe Gebrauch, worauf die Schmuggler das Feuer erwiderten. Ein Schmuggler wurde schwer verletzt, zwei konnten f e st g e - nommen werden, während bie übrigen Mitglieder der Bande unerkannt enttarnen.
was aus den Berliner Schlößern wird.
Am 1. April werden eine große Reihe von Gebäuden und Liegenschaften, die bisher ber Krongutverwaltung unterstanden, auf bie Staatsverwaltung übergehen. Dazu schoren in Berlin bie Schlösser Eharlottenburg. Bellevue. Monbijou unb R k e b e r s ch ö nh a u- s e n. Heber bas zukünftige Schicksal dies« Schlösser waren allerlei Gerüchte im Gange, bie ben Tatsachen jeboch nicht entsprechen. Rach unseren Erkunbigungen soll bas Schloß Char- lottenburg in alter Schönheit erhaltens bleiben. Cs soll sogar versucht werben, den atten Theaterbau in ein klassisches Kammerthealer zu verwandeln. Schloß und Part Bellevue sollen verschiedenen Iugendverbänden zur Verfügung gestellt werden, die hier Kunstgewerbe- und andere Ausstellungen und im Park Volkstänze veranstalten wollen. Der Park Bellevue soll in seiner jetzigen Form erhalten bleiben. Was das Schloß Monbijou angeht, so beabsichtigt das Kultusministerium im Park des Schlosses eine Augenklinik zu errichten. Das Landschlößchen ber Gattin Friedrichs des Großen. Riederschönhausen, soll für DolksbildungS - und Kun st zwecke verwendet werden.
perfonaloetänberungen in Der Reichswehr.
Mit dem 1. April 1927 werden ernannt: Generalmajor Fritsch, Kommandeur des 7. preußischen Infanterieregiments, zum Insanterieführer VI. Oberst v. Blomberg, Abteilungsleiter im Reichswehrministerium, zum Chef DeS Truppenamts im Reichswehrministerium. Mit dem 1. Avril 1927 wird versetzt: Generalleutnant Weyell, Chef des Truppenamts im Reichswehrministerium, in Den Stab des Gruppentommandos. Der bisherige Infanterieführer VI, Generalleutnant Frsi- herr v. Forstner, scheidet mit dem 31. März 1927 aus dem Heeresdienst auS.
Siouxindianer im Berliner Rathaus.
Freitag mittag besuchten Die SiouxinDiancr De» Zirkus S a r a f a n i in Gemeinschaft mit allen Dort auftretenDen Volksstämmen im Schmuck ihrer Heimat mit KinD unD Kegel unter Musikbegleitung Da» Rathaus Der StaDt Berlin. Sie wurDen van einem StaDtrat empfangen unD Die seltenen Gaste machten Darauf einen RunDgang Durch Die Räume Des Rathauses. Nach Der Besichtigung er- hielten Die Häuptlinge ein AnDenken in Gestatt von Tabaksbeuteln, Zigarettentaschen mit Inhalt usw. Die Sioux, annähernD 200 an Der Zahl verließen mit Worten unD GebärDen Des Dankes Das Rathaus, Das einen Derartigen Besuch noch niemals empfangen hatte.
Deutschland und der Suezkanalverkehe.
Die Iahresstatistik der Suezkanalgesellschaft über 1926 weist eine schwache Abnahme des Verkehrs gegenüber 1925 au«. Während 1925 5337 Durchfahrten in beiden Richtungen gezähtt wurden, waren es 1926 nur 4980 Durchfahrten. Dabei ist die Durchgangstonnag« um rund 700 000 Retto-Register-TonS zurückgegangen. Der unter deutscher Flagge den Kanal passierende Schiffsraum ist aber trotz deS allgemeinen Rückgangs erheblich gngewachsen. Der deutsche Anteil hat sich von 6,7 auf 8,5 Prozent des Gesamtverkehrs erhöht. In den nächsten beiden Jahren kann man wohl bei der Fortdauer normaler Verkehrsverhältnisse mit einer wetteren Steigerung des deutschen Anteils rechnen. Die den Suezkanal benutzenden deutschen Reedereien haben -. Z. eine große Anzahl für den Oftasien-, Indien- bzw. Australienverkehr bestimmte Schiffe in Bau, die teils in diesem, teils im nächsten Jahr ihre Fahrten aufnehmen unb ben deutschen Derkeyrsanteil vergrößern werden.
Fünf Linder unter einem umflflrjenben Pfeiler begraben.
In Dankersen bei Minden stürzte ein lorpfeiter um, an dem Kinder eine Schaukel befestigt hatten, und begrub fünf Kinder unter sich, die schwere Verletzungen erlitten.
Typhusepidemie In Kanada
Durch verunreinigte Milch wurde in Montreal eine Typhusepidemic hervorgerufen. Seit dem 4. März erkrankten 512 Personen und während Der letzten 24 Stunden 88. Die Epidemie tritt jedoch nicht bösartig auf. Bisher sind nur 15 Todesfälle zu verzeichnen.
Wettervoraussage.
Wolkin. mMb, vorroiegenb trocken, höchstens strichweise leichte Regensälle.
Gesttige Tagestempelaiuren Maximum: 10,7 Grab Celsius. Minimum: 5,1 Grab Celsius. Niederschläge: 0,2 Millimeter. Heutige Morgentrmperatur: 2,7 Grad Celsius.


