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Nr. 65 Zweites Statt

Wilna.

Don e ,

Daß die griebensjchlüsie im Osten Europas und chre Folgewirkunqen altes andere ab eine Konsoli­dierung der Verhältnisse bedeuten, ist eine Tatsache, die immer deutlicher zutage Irin. Ohne eine grund­legende Aenderung der deutschen Oltgrenzen, ohne dnc Bereinigung der Korridor- und der oberichle- Mchen öroflc ist eine Verständigung zwischen Deutschland und dem neugeschassenen polnischen Staate nicht möglich. Ebensowenig kann von einer Wiederherstellung normaler Beziehungen zwischen Nutzland und Rumänien die Rede fein, ehe nicht der Streit um Betzarabien seine Erledigung gesun­den hat. Bon diesen und anderen Fragen abgesehen, gtif die in diesem Zusammenhänge nicht näher ein- gegangen sei. mutz aber das Wilna- Problem, dessen Richtlösung einen latenten Kriegszustand zwischen den nächstbeteiligten Staaten, Polen und Litauen, bedingt, eine Quelle dauernder Unruhe im Osten Europas bilden. Durch den Vertrag zwischen Li­tauen und der Sowjetunion, die Umwälzung in Li­tauen und die Berhaftung der weißrussischen Abge­ordneten durch die polnischen Behörden, ist dieies Problem wieder einmal in den Mittelpunkt des po» litischen Interesses geruckt.

Das Wilnagebiet zieht sich etwa von der Brei­ten läge der Stadt Grodno über Lida und Wilna bis zur Diinau hinauf. Wilna selbst war bis zum Ende des alten polnischen Reiches die Hauptstadt Li­tauens, aber die Union mit Polen hatte die Stadt zum großen Teil polonificrt, während sich auf dem Lande der Großgrundbesitz in den Händen des litauischen, später polonificrten Adels befand. So er- gibt sich, daß in der Stadt Wilna von der Be­völkerung, die auf 150160 000 Einwohner geschätzt wird, neben 25 v. S). Russen (Klein- und Grotz- ruffen), etwa 32 v. S). Polen, aber nur 2 v. f). Li­tauer sind, während die Juden-mit rund 40 v. f). bas Hauptkontingent stellen. Wesentlich anders lie­gen die Zahlen des prozentualen Anteils der Be- völkerungsichichten im Kreise Wilna, das heißt mit dem dazu gehörenden Vanbc; hier machen die Ju­den 7 v. H., die Litauer 35 o. H.. die Polen 12 n. H., die Weißrussen hingegen 42 o. H. aus. Wie die Sprachenkarte des östlichen Europa zeigt, liegt Wilna auf dem weißrussischen Sprachgebiet unweit der Grenze gegen das litauische Sprachgebiet, wobei zp berücksichtigen ist, datz es sich hier, wie bei allen Gebieten des früheren Westrutzland, nicht um eine reinliche Scheidung der Nationalitäten und Sprach­gebiete handelt, als weißrussisches Gebiet vielmehr nur solches auszufassen ist, in dem das Weißrufsen­ium alle anderen Nationalitäten zahlenmäßig über- wiegt. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, ist litauisches, sondern ein polniich-lilauisches-weißrussi- sches.

Die Bedeutung der Wilnafrage für die staatliche Entwicklung im Osten Europas liegt begründet in der verkehrsgeographischen Wichtigkeit Wilnas als politischer und wirtschaftlicher Drehpunkt zwischen den neuen Oststaaten. Wilna beherrscht den Dcr- bindungsweg von Polen und der westlichen Ukraine noch den baltischen Staaten und nach Petersburg, oon Ostpreußen und Litauen und als Handels- und Um'chlagplatz den Verkehr oon der Ostsee nach dem westlichen Rußland. Die militär-politifdjc Bedeu­tung 'Wilnas endlich wird gekennzeichnet durch Darlegunaen desJournal de Pologne" aus dem Iohrc 1022:Was ist Wilna für Frankreich? E i n strategischer Punkt er st en Ranges. Ist das Dreieck Wilna-Kowno-Grodno in den Händen Polens, so ist ein starker Wall geschaffen, den die S)eere Moskaus nicht so leicht durchbrechen werden. Dagegen würde Wilna in den Händen eines beul beeinflußten Litauens mit feiner Eisenbahn eine Brücke von Deutschland noch Rußland bilden." Bei btr Wichtigkeit Wilnas in politischer, militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht ist der erbitterte Streit zwischen Polen und Litauen um das Wilnagebiet durchaus verständlich.

Durch den Frieden von Moskau vorn 12. Juli 1020 trat Rußland seine souveräne Rechte auf Li­tauen mit dem ganzen Wilnagebiet an Litauen ab Uvd erkannte es als selbständigen Staat de jure an. Polen aber machte Litauen Wilna und das Wilna- Sbiet streitig: überlegene polnische Truppen griffen e Litauer an und zwangen sie zum Rückzüge. Durch das Eingreifen des Völkerbundes kam zwi-

Fünf Laib Brot.

Don Friedrich TV a U i f ch.

Aki und Hakim, zwei arme Handelsleute, zogen durch die Wüste zur Stadt des Kalifen. Vie fanden auf ihrem Wege einen fremden Wann, der entkräftet in dem schmalen Schatten eines Sandhügels lag.

.Helft mir. gute Freunde!" lallte er. .Ich habe nichts mehr, meinen Hunger zu stillen."

.Auch wir find arm, gab ihm Ali zur Antwort .Wir haben in unseren Säcken nichts als ein paar LaibBrot. Die aber wollen wir brüderlich mit dir teilen.

Die beiden legten sich zur Seite des Fremdeit in den Schatten und zogen aus den Mantel- fäcken ihren Mundvorrat hervor. Es zeigte sich, daß Ali noch drei Laib Brot besaß. Hakim aber zwei Laib.

So teilten sie denn ihr kärgliches Mahl, und jeder der drei Männer bekam gleichviel Brot zur Nahrung. Dann schritten sie gemein­sam ihres Weges.

Dor den Toren der Stadt nahm der Fremde Abschied von feinen Begleitern. Er dankte ihnen für ihre Hilfe und reichte Ali fünf Silbers ekel mit den Worten: .Nehmt das für die Nahrung, die ihr mir gegeben habt, und teilt euch ehrlich darein!" Dann mengte er sich unter das Volk, das durch die Tore strömte.

Erfreut wog Ali die silbernen Münzen in der flachen 5)anb und reichte deren zwei feinem Reisegenossen. .Hier nimm. Hakim, was dir gebührt!"

Das heißt du ehrlich teilen? brauste dieser auf. .Mir gebühren zwei und ein halber Sekel. nicht anders als dir."

Tor. der du bist!" rief Ali.Gab ich nicht drei Brote zum gemeinsamen Mahle? Du aber gabst nur zwei. So gebühren mir drei Sekel. und dir gebühren zwei."

Wie sie dieser Art untereinander stritten, sam­melte sich Bolt um sie an. Und einer aus der Menge sprach. .Ist es wohlgetan, daß ihr an den 'Toren unserer Stadt hadert wie Schakale um die Leiche eines Kamels? Hörtel ihr niemals von unserem weisen Kadi, der allen Streit der Menschen durch sein Urteil gerecht zu schlichten weih? Geht zu ihm, und eure Freundschaft

Eichener Anzeiger (Heneral-Anzeiger für Oderhessen)

sreiiag, 1k. März 1927

schen Litauen und Polen im September 192»» ein Abkommen zustande in dem zwischen Den beiden streitenden Parteien ein« prooiiornche Demarka­tionslinie. die sog. Curzon-Linie, testgctetzl wurde: diesem Abkommen folgte am 7. Oktober 192" der allerdings provisorische und die territorialen An­sprüche nicht definitiv regelnde Vertrag von 3u- lualli, in dem Dolen unter anderem «eine vermeint­lichen Ansprüche au» das Wilnagebiet an Litauen abtritt. Aber die Tinte unter diesem Vertrage war noch kaum trocken, als am 9. Oktober die Truppen des polnischen Generals Zeligowlki Wilna über­fielen, die Litauer überwältigten und die Stadt be- letzten. Die polnische Regierung lehnte zwar ]cbc Verantwortung für das Vorgehen Zeligowfkis ab und erklärte sich außerstande, die angeblichen Meuterer zurückzuholen. Aber, wie vorher in Ost- galizien und später in Oberschtesien, waren die be­rühmtenvollendeten Tatsachen" geschaffen, und in Warschau wurde General Zeligowlki als Volks- Held und Retter des Vaterlandes gefeiert.

Zeligowfkis Handstreich wurde am 14. Oktober durch eine offizielle Note des Präsidenten des Aöl- ferbunbsrates Leon Bourgeois als eine Verletzung der dem Völkerbund gegenüber übernommenen Der- pslichlungen durch Polen bezeichnet. Und nun setzte eine Reihe oon Vermittlungsversuchen des Völker- blindes ein, die dessen ganzes Unvermögen zur Lö­sung politisch.wichtiger Fragen mit aller Deutlichkeit aufzeigten. Die Dermittlungsaktion legte der Völker- bund in die Hände des Belgiers Hymans. dessen erstes Projekt eine allgemeine Volksabstimmung un­ter Ueberwachung durch eine Kommission des Völ­kerbundes und eine besondere, oon einer Reihe un­beteiligter Staaten zu stellende Militärpolizei von 5000 Mann vorsah, ein Plan, der jedoch in Wider­ständen verschiedenster Art scheiterte. Kein besseres Los war dem zweiten unter dem Namen Hymans- Projekt bekannt gewordenen Lösungsoorschiag be- schieden, der im wesentlichen darauf hinauslies, das Wilnagebiet als autonomes Gebiet einem zu schas- senden litauischen Förderativstaat anzugliedern, un­ter ähnlichen Vorbehalten, wie sie später Litauen für bas Memelgebiet zugestehen mußte, während Li­tauen in eine Art Union mit dem polnischen Staat einwilligen sollte, die sich auf die Gebiete der Außenpolitik, des Heerwesens, sowie der Wirtschafts­und Zollfragen erstrecken sollte. Nachdem alle diese Vermittlungsversuche sehlgeschlagen waren, und die zweite Vollversammlung des Völkerbundes im Jahre 1921 sich darauf beschränkt hatte, natürlich ohne Erfolg, in schönen Worten beiden Parteien eine Einigung anzuempfehlen, stellte 'chlietzlich auch der Völkerbundsrat leine Bermittlungsläkigkeit ein.

Unterdessen hatte, Ende Februar 1922 der Wil­li aer Landtag, dessen Wahlen unter demProtekto­rat" der Zeligowsti-Truppen gestanden hatte, die - Zugehörigkeit des Wilnaer Landes zu Polen" be­schlossen. Einen Rechtstitel auf das Wilnagebiet er­hielt Polen damit natürlich nicht: dieser wurde ihm in allerdings rechtlich anfechtbarer Gestalt erst zu- teil durch die Entscheidung der Botschafterkonferenz vom März 1923 über die endgültige Festsetzung der polnischen Ostgren.zen, die Artikel 87 des Versailler Vertrages offen lieft, eine Entscheidung, gegen die Litauen Protest erhoben und die es nicht aner­kannt hat.

Rechtlich sind die Ansprüche Litauens auf das Wilnagebiet unantastbar. Den Waffenstillstand von Suwalki hatten Polen und Litauen unter Vermitt­lung einer (Entcntetommiffion freiwillig geschlossen, und es war militärischer Treubruch und Desavouie­rung der vermittelnden Ententemächte zugleich, als Zeligowski die südlich Wilna gezogene, beiderseits vereinbarte und oon der (Entente sanktionierte De- marfationslinie durchbrach und Wilna okkupierte. Die Entscheidung der Botschafterkonferenz aber stellte sich dar als eine unberechtigte Einmischung in den lediglich Polen und Litauen angehenden Streit, als einseitiger Akt, da er weder von dem Vorbesitzer des Wilnagebietes, oon Rußland, noch von Litauen anerkannt Ist und wird. Schließlich ist noch der Frieden von Riga zwischen Rußland und Polen vom 18. März 1921 heranzuziehen, der ebenfalls für Polen keinen Rechtstitel auf das Wilnagebiet begründet, denn im Artikel 3 dieses Vertrages verzichtet Rußland lediglich für sich selbst auf das Wilnagebiet, was es bereits gegenüber Litauen neun Monate vorher getan hatte. Im übrigen aber wird zum Ausdruck gebracht, daß die rechtliche Regelung des üßi Ina ft reifes lediglich eine wird nicht um einiger Münzen willen zer­brechen!"

Ali und Hakim nickten Beifall.Auch zu uns ist der Nuhm eures weisen Kadi gedrungen." sagten sie.Wir wollen ihm unseren Streit vortragen. Obwohl kein Zweifel fein kann, haft ich im Necht bin," ergänzen beide zugleich, mit einem scheelen Blick auf den Reisegenossen.

Der weife Kadi hielt vor seinem Hause Ge­richt. und es waren wohl an die tausend Men­schen um ihn. die seiner Weisheit lauschten.

Als ihm Ali und Halim ihren Streit vor­getragen hatten, teilten sich die Meinungen der Leute in zwei Lager. Denn die einen wähn­ten, Ali müsse drei Silbersekel bekommen, da er drei Bote besessen hatte: die anderen aber sagten, jedem von beiben gebühre ohne Zweifel die Hälfte des Geldes, da ein jeder mit all feiner Habe zu dem Mahle beigetragen, und da der Fremdling ihnen besohlen habe, sich ehrlich in den Lohn zu teilen.

Der weise Kadi aber schüttelte den Kops und sagte: ..Dir, Ali, gebühren vier Sekel, dir. Ha­kim, aber gebührt nur einer." Er hatte die Münzen an sich genommen und gab Ali deren vier, so daß der Glückliche gar nicht wußte, wie er diesen hohen Lohn verdient hatte: Hakim aber mutzte sich mit einem einzigen Sekel be­gnügen.

Alnö nun geschah das Unglaubliche, das sich noch nicht ereignet hatte, seit der weile Kadi in der Stadt des Kalifen Recht sprach Das Boll begann zu murren. Halblaute Schmähreden gegen das unbillige Urteil wagten lich hervor

Der weise Kadi gebot Ruhe und sprach zu der Menge:Ich sehe, meine Freunde, datz ihr mit dem Spruche nicht zufrieden leid, den ich ge­fällt habe. Merkt gut auf. und ihr werdet sogleich erkennen, datz ihr dümmer seid als die Schafe, die sich mit euren dürren Wielen be­gnügen? Ali gab zum gemeinsamen Mahle drei Brote ist es nicht fo? und Hakim gab zwei Brote. Es waren aber drei Hungrige bei­sammen. Also nahmen sie jeden Laib und teilten ihn in drei gleiche Teile, tatet ihr das ?

Die beiden nickten.

Nun gut. Dann hatte Ali dreimal drei Teile, das waren neun Stück Brot. 11 nb Hakim hatte zweimal drei Teile. So besahen nun die drei Männer gemeinsam neun und sechs Stück, das

zwischen Polen und Litauen zu entscheidende An- oeiegenheit fei.

Vom biftorifcheu Standpunkt aus bat Litauen ebenfalls ein ungleich höheres Recht als Polen auf Wilna, das die Hauptstadt eines im 13. und II. Jahrhundert mächtigen litauischen Staates war: einem Volke seine staatliche Selbständigkeit wieder­zugeben ihm aber seine alte luston'chc Hauptstadt vorzuenthatten. erscheint absurd. Dabei aber gehört das Wilnagebiet vom geographischen und wirilchast- lichen Gesichtspunkt aus zu Litauen. Für Polen andererieits ist Wilna eih Wegzeiger |tir.*r E^pan- 'lonsbeiirebungen. ist doch die Einverleibung Li­tauens. das leit Wladislaus Iagiello erst in Perso­nal-. dann in Realunion mit dem alten Polen verbunden war. das Ziel des neugeschaffenen polni­schen Staates; dabei aber sieht Polen bereits heute das urdeutsche Memelgebiet als Bestandteil Litauens an und hofft, auf diese Weise einmal einen zweiten Ausgang yim Meere sich zu sichern, zum .mderen aber gleichzeitig, Ostpreußen von zwei Seiten zu umklammern, um auf diese Weise um >o sicherer seine imperialistischen Ziele verwirklichen zu können.

Lin pariser Zinanzslandal.

Bon unserem Pariser W. ^.-Berichterstatter.

Paris. Mitte März.

5)a$_ Interesse des Pariser Publikums wird gegenwärtig nicht von dem Ergebnis der Genfer Berhandlungen. von der Saarfrage usw. im Atem gehalten, sondern von der riesigen Betrugs- a f f ä r e desBankier" Rochette. der nach oberflächlichen Schätzungen zum mindesten zehntausend Personen zum Opfer gefallen sein dürften, während die Höhe der erschwindelten Summe nicht weniger als 40 Millionen Franken beträgt. Rochette ist keine unbefanntc Persön­lichkeit. Schon vor dem Kriege, in den Jahren 1905 bis 1908 wurde der Name Rochette be­rühmt. Ergründete" damals eine Industrie- gesellschaft nach der anderen, Banken mit einem Kapital von angeblich 20 Millionen Francs usw. bis eines Tages der große Krach kam. der den französischen Sparern und Rentnern nicht weniger als 2 0 0 Millionen Go 1 dfran - fen kostete. Rochette. der zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, verstand es. durch Einlegung von Berufung und Revision, den Strafantritt solange hinauszuschieben, bis er eines schönen Tages nach Mexiko ver­schwand.

Während des Krieges und in der Nachkriegs­zeit tauchte sein Name wieder auf und Herr Rochette hatte sich verschiedentlich vor französi­schen Gerichten wegen Betrügereien zu verant- toorten, die fast stets in die Millionen gingen. Jetzt hat der ehemalige Kellner einen ganz großenCoup" verübt; es mußten aber erst etwa zehntausend Personen auf den groß ange­

legten Schwindel hereinfallcn, bis eS der Pa- riler Kriminalpolizei gelang den Urheber zu verhaften.

Mit großem Raffinement ist Rochette zu Werke gegangen Er gründete zuerst einige Z i - nanzzettschrifte n", die verschiedene, an­geblich an der Börse notierte Papiere anpriesen und gleichzeitig dem Publikum tu verstehen ga­ben. daß man bei der Redaktion" nähere In­formationen über den Wert der betreffenden Papiere erhalten könne Es kamen zahlreiche Anfragen und die Arbeit der Anreißer" be­gann Auch hier ging Rochette klug und vor­sichtig zu Werke. Seine Agenten, die mit 20 Prozent bei dem Geschäft beteiligt waren,son­dierten" erst ihre Opfer, hauptsächlich in klei­neren Städten und auf dem Lande. Man unter» hielt sich von rv-.i schweren Zeiten, der wenig gewinnbringenden Vermögensanlage bet leftu«- zinslichen Staatspapieren und über die Aussicht, einen schönen . Schni11" machen zu kön­nen, wenn man em klein wenig in Börsenpapieren spekulierte Der Wert der angeprietenen Bör­senpapiere wurde dann bereitwilligst an Hand von weiteren Finanzzeittchriften. deren Gründer natürlich ebenfalls Herr Rochette war. eingehend belegt. Nachdem man sich überzeugt hatte, daß das Geschäft zudrehen" war. kam einige Zeit später ein neuer, elegant gekleideter Herr in einem schönen Automobil vorgesahren unh schloß ab. Die schön gedruckten, aus 200. 300 und 500 Francs lautenden Aktien hatte der H.rr Agent in seinem Auto, so daß dem Käuseo nicht die geringste Unbequcmlicbleit erstand Eine Zeitlang fliegen dann in den Finanzzeitfchriften Rochettes die betreffenden Papiere, verschwanden dann plötzlich, das Publikum wurde unruhig, zog nähere Erkundigungen ein. die Anzeigen häuften sich, bis dann der ganze Schwindel auf- gedeckt wurde, und die Sparer und Rentner zu ihrem Entsetzen ersuhren. daß die schön ge­druckten Aktien wertlos seien.

Herr Rochette und seine Helfershelser hnen nun hinter Schloß und Riegel. Es erhebt sich indes eine andere Frage. Ist in dieser Skandal- assäre, die die französische Wirtschaft zirka 40 Millionen Franc« kostete, nicht ein Krebs­schaden Poincare scher Finanzpoli­tik zu erblicken? Es ist verschiedentlich an die­ser Stelle darauf hingewiesen worden, daß. bei nicht stabilisierter Währung die Gefahr der Spiel- und Spekulationswut sehr groß ist. Das charakteristische und die Assäre Rockette beweist es deutlich ist dabei die Tatsache, daß von dem Spielteufel hauptsächlich das kleinere Publikum, wie Rentner. Beamte usw., erfaßt wird, deren Ersparnisse eine bessere Verwen­dung finden könnten, als in den Taschen des Herrn Rochette. In Deutschland ist die Zeit der Klante. Barmat. Kutifker. vorüber. In Frank­reich. trotz dertatsächlichen" Stabilisierung des Herrn Pvincarc anscheinend noch lange nicht.

waren sünszehn Stück Brot. War es nicht so? Wieviel bekam nun jeder der drei Männer? Jeder bekam fünf Stück. War es nicht so?"

Ali und Hakim nickten.

Es muß so gewesen fern, meine Freunde. Denn wie hättet ihr anders ehrlich teilen können? Mso gab Ali von seinen neun Stück vier Stück dem Fremden, und Hakim von seinen sechs Stück nur ein Stück. Lohn gebührt aber nur für das. was ihr gegeben habt. Deshalb sprach ich Ali, der dem Fremden vier Stück überließ, vier Sekel zu; Hakim aber, der nur ein Stück Brot gab, muh sich mit einem Sekel begnügen."

Da lachte die Menge über ihrs eigene Dumm­heit und pries in lauten Worten das gerechte Urteil. Selbst Hakim stimmte in das Lob ein, das jedermann dem weisen Kadi zollte

Die chinesische Mauer.

Die eine amerikanische Zeitung meldet, be­steht die Absicht, die chinesische Mauer, die vor über zweitausend Jahren (nämlich 200 Jahre v. Ehr.) unter der Regierungszeit des Kaisers Huang-Ti an der Nordgrenze des chinesischen Reiches errichtet wurde, um die Einfälle der kriegslustigen Mongolen abzuhalten, im Laufe der nächsten Jahre abzubrechen. Heber diese Mauer, die eine Länge von über 3000 Kilo­metern aufweist und das gewaltigste Bauwerk darstellt, das je von Menschenhänden errichtet wurde, hat der bekamttc (vor einigen Jahren verstorbene! Weltreisende Ernst von Helte- Wartegg in einem seiner Reisebücher folgende Angaben gemacht: .Elf bis zwölf Meter hoch. am Fuß zehn, oben über sieben Meter breit, aus mächtigen Granitquadern auf- geführt, zieht sich die Mauer auf dem Gebirgs­kamm dahin nach Ost und West, in unabsehbare Fernen, die steilsten Höhen empor, in tiefe Täler hinab, manchmal in den die Bergspiyen verhüllen­den Wolken verschwindend, streckenweise durch andere vorliegende Höhen dem Blick entzogen, um dann wieder in ihrer Mächtigkeit für meilenweite Strecken hervorzutreten. Kein Hindernis war groß genug, daß es nicht überwunden wurde. Welche Riesenarbeit, um dieses Bollwerk zu errichten, das sich von den Küsten des Gelben Meeres bis weit in das Innere der Wüste Gobi hinzieht und mit seinen Abzweigungen eine Gesamtlänge von über dreitausend Kilometern erreicht."

Turnen, Sport und Spiel.

Südwestdeutscher Turner­verband.

Die Vereine des Südwestdeutschen Turner- verbandes und zwar Turngemeinde Dietzenbach (Iahn-Starkenburg-Gau). Turnverein Kelster­bach (Main-Rod-Gau) und Turnverein Lollar (Lahn-Dünsberg-Gau). veranstalten am Sams­tag in Lollar einen Gerätemannschafts- k a m p f. an dem sich je 8 Turner der Vereine beteiligten. Drei mrparteiische Turner aus diesen Turngauen bildeten das Kampfgericht. Geturnt wurden an jedem Gerät 2 Kürübungen, sowie eine Kür-Freiübung. Die Veranstaltung war von Turnern des Lahn-Dünsberg-Gaues sehr gut be­sucht war es doch der erste Dereinswettkampf. der innerhalb dieser Gaue des Südwestdeutschen Turnerverbandes zum Austrag gelangte. Bad) kurzer Begrüßung durch den Borsiyenden des gastgebenden Vereins, Bürgermeister Schmidt, begann der Wettkampf. Es entwickelte fich nun vor den Augen der Zuschauer ein slottes, schnei- diges Turnen an allen Geräten. Ebenfalls ae-

langten recht fchöne Freiübungen zur Vorfüh­rung. Die Turner der Turngemeinde Dtetzenback» erzielten an allen Geräten die besten Leistungen, dagegen errangen die Turner des Turnvereins Lollar bei den Freiübungen einige Punkte Vor­sprung. Gegen 12' Uhr war das Turnen be­endet Kurz darauf konnte die Oiegcrberfünbimg vorgenommen werden Die Turngemeinbe Dietzenbach wurde mit 1284 Punkten erster Sieger. Turnverein Lollar mit 1227 Punk­ten zweiter, der Turnverein Kelsterbach mit 1160 Punkten dritter Sieger. Die Zuschauer haben die llebeneugung gewonnen, daß sich die Turner des Südwestdeutschen Turnerverbandes vor der Öffentlichkeit zeigen können.

Um Süddeulschlands Fuszball Spielsystem.

do. Die Bezirksliga-Dereine des Süddeutschen Futzball-Berbandes haben sich zur Frage des Spielsystems dahin entschlossen, dem Verband folgendes Spielsystem vorzuschlagen

Hesse-Wartegg führt zum Vergleich an, daß diese Mauer, wenn sie in Europa errichtet wor­den wäre, von Schottland bis an die Darda­nellen oder von der Krim bis an das nördliche Eismeer reichen würde. Und wenn man es heute unternehmen wollte, eine derartige Mauer zu errichten, so würde, nach Kostenberechnungen unserer Baumeister, eine Summe von über zehn Milliarden Goldmark aufgebracht werden müssen. Welche gewaltigen Steinmassen bei der Errich­tung dieses Bauwerks verwendet wurden, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die dabei benutzten Steine ausreichen würden, um eine Mauer von drei Meter Höhe und einem Meter Dicke rings um die Erde (längs des Ae- quators, zu bauen. Bei dem Bau der riesigen Cheopspyramide in Aegypten, deren Ausmaße wir mit Staunen betrachten, waren 2,5 Millionen Kubikmeter Steine erforderlich, während bei der Errichtung der chinesischen Mauer nicht weniger als insgesamt 300 Millionen Kubikmeter ®ra- nitfteine notwendig waren, eine Menge, die aus­reichen würde, um 120 Eheopspyrarniden (!) hm- -ustellen Wie Herodot mitteilt, haben an der Riesenpyrarnide von Gizeh etwa 100 000 Men­schen dreißig Jahre hindurch m harter Fronarbeit gebaut. Die chinesilche Mauer wurde in nur 15 Jahren vollendet, aber kein Buch nennt die Zahl der Hände, die an diesem Bau mittoirften, und jeden der vielen Millionen von Quader­steinen über unwegsames Land über die Gebirge und durch kahles Flachland bis zu 2000 Meter hohen Gipfeln fchleppten. Alle diese Menschen sind vergessen. Rur der Borne des Kaisers Huang-Ti wurde durch den Ozean der beiden Jahr­tausende getragen, der Name dieses Mannes, heften monumentales Denkmal bie gewaltige Grenzmauer jenes Reiches ist. Hunderttaufende von Soli aten haben einst an biefer Mauer, die mit 20 000 Wachttürmen versehen ist, Wache ge­halten. Jetzt ist es dort still geworden. Nur zu­weilen ziehen Karawanen in der Nähe der Mauer entlang und Hirten treiben ihre Herden vorüber. Gelegentlich verirrt sich wohl auch ein Europäer, von Neugierde verlockt, m die Ein­samkeit, um ein Bauwerk ehrfürchtig au be­staunen. das aus bewegter Bergangenpeit in untere noch bewegtere Gegenwart ragt: aL8 eine» bet sieben Weltwunder und al« em asanbiofe« Werk menschlicher Leistung. U.R.