8
13
tage
il Um- 5"«1 "och Siinörn betuw,. fcj*1 u- »über bem [l u>Nei ,&} nUaL 8'»k nn SteSSWb*
n
a
cl- uns nblunn iähigien
>856 an Zoffe, A MP S
J£oe,hmet* 2eu ntu iS"1 i Iz-Ä" 1 5aubetin
_ zelt»,.-. *
ednbrftti.^übt.bn Hefdmhebüdier oU «ebenbeldählt cd Tchr. Angeb. u. 0$: on den (Miefe.
WM
IM
$°nte ®a$ten= !»HÄ! Leihen, tibetfc n p,
Stete (tabliau ®olbbatto atüne geringe .rn.fi* I igitt . »enenüber der i __WoeIaooibeke. i
L Angeb. an den erbeien. öttjen
verleiht Tveztal-Lamea- ötliievSolon
E. Stehling, 0367 Gngmtzbr. Al
rnm. per für hief. II.
driebene Her I«i37l eü- An».
(Beiangoerein in nächster GiebrnS lacht tuch ilgen
MM
Tiv.
iburger
rrde
n Steno- Olaldjlnen1 sucht für er iväier
Beschäl' -christliche ier0372 an in» erbet ligeS >che« nbe, das gere Zeu Ling roar, tagsüber edirlflt
[ter 0)51 an .ünijib.
g UH00* wechauch gegeben.
sxspSI
.br^'gdJt- SS
Lchr. Angedoie int ^onorarjorbtrunj il 0355 an den Gif. «nt bis l’L d. I!
sotöver-
,elSverver i>e x - und Mhe ;-rd srt
6Ütere ment- ilripP6" -u«S
b‘-’,<l’0379 iliieil-
IJÄ 8L
MI von Stamien gute Tlcherieli hohe Zinsen zn Icibtn a<Mi Lchr. Änaeb..u.'t'- an den Gte». M
Llnabhöngige Mtve möchte |k nochmals verheiraten. In Frage ein penfwnietl« 2ahnbeamicr «J öanbueito. W Angebote uni 0® anben_M2? ^Deutscher
eäär $odro!
nr le*111'
MU'? in Hum* 9111«"“ ä
täufej ere ieD
schwor»
fier öiooi 4.0I1 M— 825
ober uto «K
Dame oder Heu leüilaudabaebauin üeauiter) tonn n kurzer Zell die Zahntechnik irätee-l ehernen sm zahn-t oegrnmad. Hanoi- Lvrech't^r. Anaeb. u. ■>. LUtb An-> an den M
5>’
Mm unn »um i. Puven. in in der eile des _____0373
fein
lieber Ige
Nr. 14 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, jP, Zanuar 1927
Ieitungsschau.
3m beulschnationalen ,T a g" bespricht Dr. Schulhe-Pfaclzer die Krisen, die neben der parlamentarischen DauerkrisiS einherlaufen und für die politische Entwicklung unseres Bolk:S von aröherer Bedeutung sind. Er schreibt: .Die ernstlichen Krisen lärmen nicht aus dem offenen parlamentarischen Tummelplatz. Sie erzeugen zumeist nur Nebengeräusche, die den tatsächlichen (Sä- rungSprrzeß nur ganz undeutlich erkennrn lassen. Aber unter drei echten Krisen zuckt die Nation zuweilen auf, meist ohne den Bazillus zu kennen. Da hoben wir zunächst die Zwiespältigkeiten de« staatsbürgerlich gesonnenen Arbeiter«, den die sozialen Nöte seines Standes immer wieder in Konflikte mit dem nationalen GefamtwirtschaftS- staat treiben. ES handelt sich ferner um die Verflechtung unserer geistigen Jugend im Staats- und DolkSgedanken, und schliesslich um die Autoriläts- krise, die den gesellschaftlichen Boden un erwählt und dem Abenteurer die Bahn öffnet Die fee- lische Entwurzelung dcS Arbeiters, auch des christlichen. kann die blosse Gewerkschaststaktik nicht auf halten. Der tragische Wahn, dass den Handarbeitern von links her ein besseres Brot gereicht würde, liesse sich gewiss durch eine ganz grosszügige. mit den alten Formalien brechende Sozialpolitik auSrotten. Aber erst in Jahren kann ihr voller Segen sich eraiessen, ilnb inzwischen? Die Leere schetnpatriotiscW'r Phrasen liefert nicht einmal einen schlechten Ersatz. Der Gedanke der sittlichen Verbundenheit zur Werks- und Volksgemeinschaft übersteigt zumeist die Fassungskraft der Massen, sosern er gepredigt und nicht erlebt wirb. Hilfe und Heilung, ober wenigstens Linderung an den schmerzhaften Reibungsflächen konnte die verständnisvolle Behandlung dos Arbeiters und Angestellten als Persönlichkeit bringen. Nicht Nummer. sondernMensch, nicht lebendes Werkzeug, sondern Werksmann! Daran fehlt es, daran dürfte ein nationales Arbeitsprogramm nicht Vorbeigehen. Aber auch politische Medikamente würden sich bieten, wenn die Arbeitnehmerbewegung der Nechten mit den Zentrumsarbeitern an einem vclkSnationalen Strange zieht, was eine Verständigung der häufig aneinander vorbciredenden Führer vorausseht. Das Liebäugeln mit der grossen Koalition setzt bei den christlichen Arbeitergruppen einen falschen Magneten an und treibt sie zum sozialistischen Pol und damit ins EhaoS der Gesinnung. Die bürgerliche Mehrheitsregierung könnte zwar diese innere Krise nicht ohne weiteres beseitigen, aber der staatstreuen Masse seste Dichtung weisen zur ausbauenden Mitarbeit. Hm die Auseinandersetzung in Staat und Volk gebt es auch in der akademischen, in der studentischen Welt, bei dem Kampfe zwischen engem kultusbehördlichen Starrsinn und dem Nationalwillen unserer geistigen Jugend. Die preussische Demokratie, von Herrn Decker kulturpolitisch fanatisiert, will unserer Studentenschast ihre gross- deutsche Selbstverwaltung rauben. Die Gegensätze haben sich in den letzten Wochen bereits bedenklich zugespiht. aber wir stehen offenbar erst am Vorabend eine« Krachs mit unabsehbaren Folgen. Auf der Seite des Ministers und seiner Trabanten wird die Fehde unter falscher Flagge geführt. Die reichsdeutschen Studentenschaften sollen sich angeblich nur mit solchen Hochschulvertretungen jenseits der Grenze zusammen tun, die nach dem „staatsbürgerlichen Prinzip" ausgebaut sind. Das Kultusministerium weiss natürlich genau, dass es drüben in Brünn, in Wien, in Danzig kein staatliches Studentenrecht gibt, sondern lediglich nationalakademische Autonomie. Der deutsche Charakter dieser Hochschulen würde verschwinden, wenn ihre Organisationen auch den volksfremden Gruppen die Mitbestimmung gewährten. Die gelehrten Stätten jenseits der lleindeutschen Grenzen von Versailles sind kulturelle Vorposten der Nation, stehen in tagtäglicher Abwehr und sind deshalb natürlich in einer Weise deutschradikal, die dem Minister Decker auf die Nerven fällt. Dom Niederreissen der Drücken zwischen hüben und drüben echofft er ein Abflauen des volksnationalen Idealismus. Die studierende Jugend soll vor den Parteiregierungen der Länder kuschen. Sie soll das Grossvvlk verneinen und den republikanischen Parteistaat bejahen. Jugend müsste nicht Jugend und deutsche Studenten eben nicht nur deutsche Studenten sein, wenn der bureau- krat Ische Cerberus die akademischen Jungmannen schrecken konnte. Gewiss, der Minister hat Macht. Er kann die Ungehorsamen aus der Laufbahn
Wirtschaftlicher Verband bildender Künstler Hessens.
Der Wirtschaftliche Verband bildender Künstler, Gau Freistaat Hessen, hielt dieser Tage im Sitzungssaals des Landtags in Darmstadt seine erste Hauptversammlung ob, die gut besucht war. Als Vertreter der Regierung war Oberregierungsrat Henrich anwesend, und von Ehrengästen u. a. Landtagspräsident Adelung und Oberregierungsrat Emmerling, der Vorsitzende des Hessischen Kunstvereins, die von dem Vorsitzenden des Verbandes, dem Bildhauer und Landtagsabgeordneten Dr. Daniel ® r einer, begrüht wurden. 3m Mittelpunkte der Verhandlungen stand ein Vortrag von Dr. Greiner über .Die Aufgabe des Gauverbandes und die Reichstagung des Wirtschaftlichen Verbandes bildender Künstler." Er ging hierbei von der Not der Künstler und der Kunst aus: man erinnere sich der Aufgabe, ihnen zu helfen nur bei Repräsentationszwecken, dabei handle es sich aber um ein kostbares Kulturgut. Die Kunst wende sich nicht an wenige. sondern sie müsse Volksfache sein. Unser ganzes Leben in feinen verschiedenartigsten Aeußerungen zeige Zusammenhänge mit der Kunst. Die Künstler dürften weder von dem Kunsthandel noch von dem Mäzenatentum abhängig fein. Die Kunst gehöre wieder in das Volk, in die Werkstätten. Gemeindehäuser und Schulen, aber auch in die Krankenhäuser, Gefängnisse. Zuchthäuser usw. Der Rot der Kunst und der Künstler, die zum Teil durch die schlechte Wirtschaftslage der Gegenwart verursacht worden fei. könne nur durch Selbsthilfe der Künstler gebessert werden, wie sie der Reichswirtschaftsverband der bildenden Künstler erstrebe. Die erste Aufgabe der diesem Verband angegliederten Organisationen müsse es sein. Verkaufsräume für Kunstwerke zu schaffen, damit diese nicht mehr Spekulationsobjekt wären. Ferner müsse ange- strebt werden, dass an entscheidenden Stellen, in
schleudern, kann Universitäten schliessen lassen, kann der Verwaltung die Gelder sperren. WaS kann er noch? Aus die Dauer gesehen, ist noch jeder ©taatXttjrann zuletzt zweiter Sieger geblieben. wie man im studentischen Jargon sagt. Aber die zunächst unvermeidliche Entfremdung zwischen Staat und nationaler Intelligenz richtete noch allemalen Unheil an. War der russische Nihilismus etwas anderes als die Wirkung der Regierungsknute auf dem Rücken der Studierenden? Ist Alt-Oesterreich nicht gerade durch »eine falsche Hochschulpolitik für den Verfall reif geworden? 3n deutschen Landen hat es bisher eigentlich nur der Dismarclsche Staat verstanden, die ideellen Kräfte junggeistigen Wollens sich dienstbar zu machen. Die Leisetreter tun jetzt so. als ob es sich nur um organisatorische Schwierigkeiten zwischen zwei Instanzen handele. Nein, eine abgrundtiefe Krise hat sich aufgetan. Vernichtet man die legitimen Formen nationalgeistiger Gemeinschaft, so würde sich der gefesselte Strom gefährlicher entfesseln. Falls Herr Decker noch einen letzten Funken von Einsicht besitzt, so müsste er eben unter allen Umständen vermeiden, eine gutgesinnte und ehrliche Bewegung ins Verschwörertum zu treiben. Wie kann der Minister die Bildungseinheit, die er fast zum Ueberdruss erstrebt, irgendwie sondern, wenn er die oberste Etage des nationalen Dildungsbaues in Brand steckt? Wenns im Gebälk knistert, prüft man nicht die Fundamente. Solange die akademische Frage nicht im nationalen Sinne geklärt ist. hat es auch noch keinen Zweck, sich über die Ausgleichung der Grundlagen, über die Erziehungsgedanken im niederen Schulwesen den Kops zu zerbrechen.
In der „Bosfischen Zeitung" kommt Georg Bernhard bei Besprechung der Regierungsbildungsmöglichkeiten zu folgendem Schluss: »Diejenigen, die Immer noch solche Möglichkeiten mit allen Kräften auszuschalten trachten, rechnen auf den einzigen faktischen Konfliktstoff, der bleibt: auf die Besetzung des Reichswehrministeriums. Noch vor kurzem schien diese Schwierigkeit beseitigt. Dr. Gehler hatte ausdrücklich erklärt, dass er nicht wieder zurückkehren wolle. Er hat es sich anders überlegt. Und dem Reichspräsidenten ist suggeriert worden, dass es gewissermassen eine Desavouierung Gehlers sei. wenn man ihn jetzt nicht wieder
zum Reichswehrminister mache, ihn also den Sozialdemokraten opfere. Mit solchen Einflüsterungen hat man auf die Treue und daS Kame- radschaftSgefüh! des alten Soldaten Hindenburg scheinbar nicht ganz ohne Erfolg spekuliert. Aber bei aller Achtung von dieser m.nschl'.ch wertvollen Eigenschaft deS Reichspräsidenten, die ja nur einen Teilkomplex jenes GesamtcharaktrrS darstellt, auf Grund dessen auch seine politischen Gegner ihm getrost die Vertretung der Souveränität der deutschen Republik anvertrauen können. gebietet es doch die Ausrichtigkeit, dem Reichspräsidenten zu sagen, dass er sich da in Gedankengänge hineinbugsieren lässt, die sern ab von politischen Erwägungen liegen. Ein ReichS- minifter ist kein General, auch wenn er alS Berufssoldat einmal eine solche Stellung eingenommen hätte. Ob ein Minister den Abschied nimmt, gestürzt oder wieder berufen wird, ist lediglich eine Frage der politischen Zweckmässigkeit. deren Entscheidung niemals gegen die Ehre des Betreffenden gehen kann. Auch die Gegner Gehlers machen ihm ja keinerlei ehrenrührige Vorwürfe. Sie halten ihn nun für politisch untragbar. Nicht nur die Sozialdemokraten können ihren Anhängern im Lande die Ministerschast GehlerS nicht weiter zumuten. Auch die Demokraten müssen sich jetzt gegen ihr eigenes Parteimitglied erklären, nachdem der General Reinhardt. ein Untergebener deS demokratischen Reichswehrministers, in einem öffentlichen Zeitungsartikel die Parteifreunde seines Ministers einer nicht nationalen Gesinnung verdächtigt hat. Cs handelt sich hier nicht um irgendein Partei- interesse, sondern darum, dah an die Spitze des Reichswehrministeriums ein Mann tritt, der die Kraft hat und die Autorität besitzt, der Reichswehr das Vertrauen der grossen Masse des deutschen Volkes zu erobern. Unwillkürlich denkt man dabei an den General Gröner. Einmal, weil seine sachliche Eignung auch von den Rechtsparteien nicht zu bestreiten ist. Dann aber, weil der Reichspräsident in der Namhaftmachung dieses alten Kriegskameraden, der nach dem Zusammenbruch bei der geordneten Zurückführung der Armee in die Heimat unterstützt hat. keinerlei gegen die Reichswehr gerichteten Absichten wird sehen können. Mit Gröner toure die Gröhe Koalition möglich, wenn Volkspartei und Sozialdemokratie sich dem, was im Augenblick politisch notwendig ist, anbequemen.
Sronprim StieOtröniieliii nnöbie denf f dieSaifettrone
Eine Erinnerung an den 18. Januar 1871.
Von Dr. Ludwig Roth.
B ismar ck hatte bei seinem Streben, den Kaisertitel wieder herzustellen mit König Wilhelm und mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm, abgesehen von den anderen groben Schwierigkeiten, die sich ihm an allen Seiten entgegenstellten. zu kämpfen. „Seine Königliche Hoh- heit hatte von irgendeinem der politischen Phantasten, denen er fein Ohr lieh, den Gedanken ausgenommen, die Erbschaft des von Karl dem Grohen wiedererweckten „römischen" Kaisertums sei das Unglück Deutschlands gewesen, ein ausländischer, für die Nation ungesunder Gedanke. So nachweisbar letzteres auch geschichtlich sein mag, so unpraktisch war die Bürgschaft gegen analoge Gefahren, welche des Prinzen Ratgeber in dem Titel „König" sahen. Es lag heutzutage keine Gefahr vor, dass der Titel, welcher auch in der Erinnerung des Volkes lebt, dazu beitragen würde, die Kräfte Deutschlands den eigenen Interessen zu entfremden und dem transalpinen Ehrgeize bis nach Apulien hin dienstbar zu machen. Das aus einer irrigen Vorstellung entspringende Verlangen, das der Prinz gegen mich aussprach, war nach meinem Eindrücke ein völlig ernstes und geschäftliches, dessen Inangriffnahme durch mich gewünscht wurde. Mein Einwand, anknüpfend an die Ko- Existenz der Könige von Bayern. Sachsen. Würi- temberg mit dem intendierten Könige in Germanien oder Könige der Deut- schen führte zu meiner Ueberrafchung auf die weitere Konsequenz, dah die genannten Dhnastien aufh ören mühten, den Königstitel zu führen, um wieder den herzoglichen anzunehmen. Ich sprach die Ueberzeugung aus. dah sie sich gutwillig dazu
nicht verstehen würden. Wollte man dagegen Gewalt anwenden. so würde dergleichen Jahrhunderte hindurch nicht vergessen und seine Saat von Misstrauen und Hass ausstreuen." (Gedanken und Erinnerungen Kap. 23.) Der Kronprinz stellte sich damit auf den Standpunkt, den Sh - bei, Gustav 5r et) tag und andere Freunde der preussischen Hegemonie aus geschichtlichen und staatsrechtlichen Gründen vertreten hatten. Bismarck nahm dagegen die oben wieder- gegebene Haltung ein. Er wollte sich lieber den Vorwurf der Schwache machen lassen, als schroff und gewaltsam gegen treue Bundesgenossen aufzutreten. „Die Anwendung der Stärke Preuhens in damaliger Gegenwart wäre die Schwäche der Zukunft Deutschlands geworden."
Auch in dem Lager der Fürsten selbst gewann die Ueberzeugung Freunde, dah ebenso ihren eigenen Interessen wie den nationalen Wünschen das Wiederaufleben von Kaiser und Reich am besten entsprechen werde. Ein Brief Groh- Herzog Friedrichs von Baden an König Ludwig II. brachten in den ersten Tagen des November die Kaiserfrage in Fluh. „Unvergänglicher Ruhm", so war darin ausgeführt, „werde sich an den Namen des Königs knüpfen, wenn seine kühne Initiative dahin führen würde, dah die schweren Opfer der Nation zuletzt mit Anerbietung der Kaiserwürde an den greifen Heldenkönig belohnt und gekrönt würden." Obwohl der Großherzig betont hatte, dah sich „ein baldiges Handeln empfehle, ehe der Zeitpunkt eintritt, wo das Handeln nur noch als Folge eines übermächtigen Druckes von unten erscheint," zauderte der König. Ihm schien höchstens ein Wahlkaisertum annehmbar zu sein.
die politischen Parlamente, die Stadtparlamente und in andere Körperschaften Künstler hinein- gewählt oder in diese ausgenommen würden. Im Anschluß an die mit Beifall aufgenommenen Ausführungen erstattete der Redner einen Bericht über die Gründung und die bisherige Tätigkeit des hessischen Landesverbandes, dem rund 200 Mitglieder angehören. Nach Begrüßungsansprachen hielt Dr. Rill einen Vortrag über Steuerfragen. Insbesondere behandelte der Redner die Einkommensteuer und Umsatzsteuer (von einem Jahresumsatz von 6000 Mk. ab). Die Vorstandswahl hatte nachstehendes Ergebnis: 1. Vors. Bildhauer Dr. Greiner, 2. Bors. Maler Alexander Posch. Kassierer Architekt Soeder. Schriftführer Dr. Rill, Geschäftsführer Alexander Posch. Auch wurde eine Kunstkommifsion gebildet, der durch Wahl angeboren: Architekt Nkargold - Darmstadt. Waler Thesing-Darmstadt, Professor Eberhard t- Offenbach, Professor Hoelscher- Darmstadt. Sludienrat Panitz- Mainz, Maler Gunsch - mann- Darmstadt, Architekt Krug- Darmstadt, Maler Breitwieser und die Bildhauerin Frau We st ermann- Darmstadt.
Frankfurter Theater.
Georg Kaisers neues Werk: „Zweimal Oliver", gelangte im Neuen Theater unter der Regie Direktor Hellmers zur Aufführung. Dieser „Oliver" ist gut in der Anlage: die ersten Dilder — es sind ihrer zehn — stimmen erwartungsvoll. Im zweiten Teil wird die Tragödie des Oliver, der sein Leben als Verwandlungs- künstler kümmerlich bestreitet, von seiner Frau (verunglückter Artistin) mit fanatischer Eifersucht bewacht und ständig mit Erschießung im Falle der Untreue bedroht wird, zu konstruiert. Mittlerweile hat er nämlich (im Dariets jubelt man seinen Typen nicht mehr zu) ein höchst eigenartiges Engagement bei einer reichen Dame gefunden, jeden Nachmittag eine Stunde In der
Maske ihres einstigen Freundes in ihren Zimmern zu sitzen. Der Agent, dem Oliver noch Provisionen schuldet, legt Hand auf die Gage, erpreßt aus dieser Not das einzige Kind Olivers (aus erster Che), um es unter dem Vorwand „Tänzerin" an den Direktor zu verkuppeln. Nun wäre die Tragödie Olivers, der das alles hoffnungslos mitansehen muh, die Taschen voller Geld (die Frau würde ihn ja töten, wüßte sie um sein Tun), eigentlich schon genügend gerechtfertigt. Aber Kaiser legt Wert auf „zweimal" Oliver und mochte eine Tragödie des Dualismus schildern, läßt Oliver vor sich selbst in eine andere Gestalt flüchten, aber auch in diesen zweiten Oliver wächst fein Herz. Der Freund der Dame kehrt zurück, Oliver wird entlassen, aber die zweite Haut hat sich ihm ums Gehirn geschlossen, er kann nicht mehr los. Zum Schluß lost sich die Zweiheit Oliver im Irrsinn auf. Ausgezeichnet ist aber die vorletzte Szene auf der Varietebühne: hier entsaftet Kaiser gutes, wirklich bewegtes Theater. Eine starke Realistik springt den Zuschauer aus der Szene an. In diesem Bild erschießt Oliver sein Fleisch gewordenes zweites „Ich", welches mit der Dame in der Loge erscheint. Man wird Im großen und ganzen das Gefühl doch nicht los, dah Kaiser hier mit seinen Gedanken artistisch jongliert und den armen Oliver etwas gewaltsame Kapriolen schlagen läßt. Die Ausführung war gut. gab Wesentliches und hatte eine In der Gesamtheit gute Besetzung, wenn auch der Oliver Siegfried N ü rnbergers nicht letzte Gestaltungsmöglichkelten aus der Rolle schöpfte. Die Bühnenbilder von Friedrich Kalbsuh umrahmten das Spiel wirkungsvoll und echt. Nach Schluß wurde ziemlich starker Beifall laut L w.
Eine Nationalbibliolhek für Blinde.
Die englische National-Bibliothek für Blinde, die sich in der Tufton-street 18 in London befin-
Dass der Grossherzog von Baden diesen Brief im Einvernehmen mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm, seinem Schwager, geschrieben hat, darf als sicher angenommen werden Der bayrisch« Köniz schwieg, wie gc'agt; inzwischen verhandelte Twmarck weiter, sowohl mit dem König Wilhelm wie mit dem »Kronprinzen.
Nach dem vorliegenden Quellen-Material sowie dein Tagebuch deS Kronprinzen und des KabinettsratS Abeken sanden zwischen dem Kronprinzen und BiSmarck zwei eingehende Besprechungen über die Neugestaltung Deutschlands, die Behandlung der süddeutschen Bi bgenossen foxie auch über die Stiel deS neu z Noa hie n den Oberhauptes, ob „Kaiser" oder „König" statt. Die erste Unterredung war am 2. September 1870 zu Donchery im Quartier des Kronprinzen und vorher auf einem mehrstündigen Riit, „wahrscheinlich bei Beaumont oder Sedan". Dieser mehrstündige Ritt beider Herren hat aber weder bei Beaumont noch vorher stattgefunden, sondern am Nachmittage deS 2. September, als sie im Gesolge des Königs die Schlachtfelder von Sedan beritten. Die zweite Unterredung erwähnt Bismarck in dem Briese an seine Gattin vom 6. September 1870. „Mit dem Kronprinzen halte ich eine mich sehr befriedigende Unterredung in Donchery". Daraus und auS einem Briefe an Ottokar Lorenz vom 7. November 1896 geht hervor, dass die schar'e Auseinandersetzung, von der die Gedanken und Erinnerungen berichten, auf jenem mehrstündigen Ritte erfolgte, während zu Donchery die TagS vorher unerledigte Meinungsverschiedenheit befriedigend ausgeglichen wurde. Auch die von Ottokar Lorenz aus seiner Unterredung mit Bismarck (am 14. Oktober 1839) bezeugte Aeusserung, das Gespräch zwiichen dem Kronprinzen und ihm habe stattgefunden, al» sie zusammen über eine Wiese ritten; sie hätten sich so in Eifer geredet, dass der Kronprinz die Führung des Pferdes verloren und Bismarck bei der Unsicherheit des Terrains — einer von Abzugsgräben durchzogenen Wiese — sich gedrungen gefühlt habe, den Kronprinzen zur Vorsicht zu ermahnen, stimmt durchaus mit der auf die Quellen gestützten Auffassung überein (vgs. commentierte Taschenausgabe der Gedanken und Erinnerungen, Cotta 1926, S. 474). Der Kronprinz gehörte damals dem jüngeren Geschlechte an, bad nichts gesehen hatte von dem Jammer jener Reichsanarchie, in der das alte Kaisertum sein Ende gesunden hatte. Er wußte nichts mehr von den Wunden, die Preußen im Kampfe mit Kaiser und Reich geschlagen worden waren, dagegen hatte er von den Romantikern gelernt, zu schwärmen für das Mittelalter, für Rittertum und Kreuzzüge und für gotische Dome, in denen das Licht durch gemalte Scheiben bricht. Der Kronprinz nannte die Zelt deS Bundestages die „kaiserlose, die schreckliche Zeit" und sah, als der Krieg auSbrach, dem Sonnenaufgang seines Kaisertraums entgegen.
3n einem Aufsatz über die Schrift von Gustav Frehtag. „Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone" erzählt Hans Delbrück (Preußische Jahrbücher, November 1889): „Einer der Herren, welche den Kronprinzen als Adjuvanten begleiteten. als er nach Süddeutschland reiste, um den Oberbefehl zu übernehmen, erzählte mir, dah sich zuerst auf dem Bahnhof zu Ingolstadt in das Hochrufen auf den Kronprinzen der Ruf gemischt habe: „Es lebe der deutsche Kaiser!" Als am Abend des 6. August 1870 der Kronprinz Friedrich Wilhelm in Elsahhausen einritt, wurde Ihm von den Württembergern der erste erbeutete französische Kaiser-Adler überreicht und dabei der Zuruf vernommen: „der künftige Kaiser lebe hoch". 3m Schwünge der Siegestage von Weißenburg und Worth hat der Kronprinz zum ersten Male seinen Kaisertraum gebeichtet. Es geschah am 11. August 1870, als das Hauptquartier der 3. Armee im Dorfe Petersbach auf dem Kamme der Vogefen war, im Gespräche mit Gustav Frehtag. Der Kronprinz hatte seine Ansichten über den Neubau Deutschlands in einer Denkschrift niedergelegt. Er wollte diese Denkschrift Bismarck übersenden, sie aber vorher mit Freh- tag durchsprechen.
„Was soll," fragte der Kronprinz, „nach Ihrer Ansicht aus Deutschland werden, welche Stellung soll der König von Preußen nach dem Kriege erhalten?"
Freytag meinte, die Mainlinie wird verschwinden. die Südstaaten werden eintreten in den Norddeutschen Bund.
bet, ist jetzt bedeutend erweitert worden. Dah diese grossartigste Sammlung von Blindenschriften immer mehr Raum beansprucht, ist nicht erstaunlich. wenn man den Platz bedenkt, den Bücher in Blindenschrift einnehmen. Die Bibel in Brailleschrift umfaßt 38 starke Bände, in Moon-Schrift sogar 62 Bände. Die Durchschnittsgröße der Bücher ist 14 Zoll zu 11 Zoll bei einer Dicke von 2 Zoll und einem Gewicht von 5 Pfund. Die Bücherei ist aus kleinen Anfänger! zu ihrer jetzigen Bedeutung herangediehen. 3m Jahre 1888 wurde von einer blinden Dame. Miß Arnold, eine kleine Bibliothek für Blinde eingerichtet, und bann hat sich das Institut immer mehr ausgedehnt, bis es 1916 vom Staat übernommen wurde. Nun erst begann der eigentliche Ausbau, und die Zahl der Bücher war 1925 bereits auf 140 000 gewachsen. Wie eifrig diese Quelle der Belehrung und Unterhaltung von denen, die ihr Augenlicht verloren haben, benutzt wird, zeigt die Tatsache, dah täglich gegen 600 dieser Riesenbände, die mehr als eine Tonne wiegen, ausaeliehen werden, und die Zweigstelle der Bibliothek in Manchester versendet ihrerseits an die 50 000 Bände im Jahr. Der Katalog der Bibliothek zeigt, daß sie wertvolle Bücher aller Art enthält, von theologischen und gelehrten Schriften bis zu Kinderbüchern. Der leidenschaftliche Elfer, mit dem sich die Blinden in diese Werke vertiefen, macht sich in bem beschädigten Zustand bemerkbar, in dem sie häufig zurückkehren, und fo verursacht das Neuoinden und Ausbessern der Bände viel Mühe.
Weingartner in Basel.
Die Allgemeine Musikgesellschast in Basel verpflichtete als Dirigenten ab nächsten Winter Felix Weingartner, der gleichzeitig zum Direktor des Konservatoriums und vom Stadttheater zur Uebernahme einer Reihe von Opernvorstellungen verpflichtet worden ist. Weingartner läßt sich fest in Basel nieder und widmet sich ausschließlich dem neuen Wirkungskreise


