Th. 269 (tritt) Blatt
177. Jahrgang
Donnerstag, 17. November 1927
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GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Ser Weg zur Sezemberkrise.
Örti Bürt Tülow In nun schon beinahe historischen Heilen den Reichstag um Grzbergers willen auf INI < und die „ Mod-Qlrra" eröffnete, erfreut fih der Dezember alt seitlicher Monat in parlamentarischen Ärei’cn einer be- »chrigten Unbeliebtheit Wan ha: sich früher damit zu beiten gemuht. Indem man möglichst schon tm 'ÄOhrmbet die Berten begann Daist heute tm Zeichen der Dauerreden mcht mehr möglich, und der Srfolg Ist denn auch gewesen, haß wir in den legten Jahren jcbetmal prompt eine Krise hatten die entweder zur Auslösung des Reichstages oder zum Sturz der Regierung führte OOle dufteten Anzeichen sprechen da Mr. daß wir auch jetzt wieder dem Oek» der Wiederholung unseren Zoll zahlen und in den nächsten Wochen tn schwere parlamentarische 8r- fchütterungen hineingchen.
Adttg wäre das nicht gewesen. Wenn die Leich« regierung etwas mehr Führer-
willen gehabt Hütte, wenn zudem die Minister, die oon der Koalition in- Kabinett geschickt wurde t etwa- bei er ausgewühlt wären dann dL :en s ch die Schwierigkeiten unter benr.i wir aegenwünig zu leiden haben, sehr leicht ersparen lassen 3nbeTen darüber zu reden, hat keinen rechten Sinn mehr. Man muh den Dingen ins Gesicht sehen und sich mir Überlegen, ob noch eitP3l zu retten ist Dazu ist es zunüchst aber nötig, das» die Koalition sich von der Angstpshchose befreit, unter der sie augenscheinlich leidet W r haben ja alle vorher ce- wuht bih e- nicht ganz leicht sein wird, das Schilf bet Legierung Marr zu steuern und dast vor allem bei dem Lchulgef tz mancherlei gefährliche Klippen zu umgehen sein werden. Die Hot« Wendigkeit zum Schi 1 euch aber ist Immer noch ntcht gegeben, wenn auch ! bemefraten und Demokraten sich ehrliche Mühe geben das nicht nur sich selbst, sondern auch Den Übrigen Parteien einzureden
Macht man einmal Bilanz. dann ist sest- zustellen. baft der Brie f wechf e l mit Parker OHbert zwar einen peinlichen Eindruck hinterlassen und auch die Ueberweugung von den überragenden Cuall.äten des Reichssinanzmini- sters nicht gerade bfdtärft hat bah at-er das Kapitel vorläufig einmal au einem mehr oder minder befriedigenden A b 1 ch l u st gebracht ist. Bleiben die grof.cn Grgen'ütz«. die erledigt werden müflen hie Besolbung»orbnung. das Schulgesetz das Liautdation-fchäkengrietz das Strafgesetz und die Steuerncreirdetlichimg Beim 6 t r a fa e 1 e 1 gehen kie Ausfchus deralungen ihren Weg. das Llauidationsschüben- geietz Ural beim Reichsrat. vetl er. nachdem durch ben Sin'pruch des Lrparatron-egentm die ursprünglich ins Auge gefaßt« Finanzterung unmöglich geworden ist. erst neue Vorschläge des Finanzminifters erwar.rt, das Steuer» vereinheitltchungsgesen der beste Wurf Dr. Köhler-. Ikat eben’all! im Reichs- rat. weil partikularist.^che B:denken sich gegen eine ain'chränkung der Finanzhvheit der Lander auf Mr*em Gebiete .» hren.
M beiden Vorlog^n ist also noch nchts verdorben, 'o bah lhch die Ätnbem <’e um die Veamtcnbe’oldung unb 'as Sch kg len cr.otneren. Die Beamtenbesvlduna macht vornehmlich dem Zentrum Kops zerbrechen, werl lern Gr- werfchalt- lücpl die Rückw riungen auf die Arbeiter löhne furchet und gerne Abstriche machen möch:e w'hrend Deuk'chnatTonale und Drut'che Dollsvartei an der Lcgierungsrorlagr fest halten. Die Differenzen sind at^r doch wohl kaum so groß daft sie emstlrch den Bestand der Koalition gefährden könnten Gin.-r gStudien Unterhandlung muh es gelingen einen Ausgleich hördei- ■ufübren. der den Beamten gü>t. was sie verlangen können aber auch den Zentrunzsarbeitem entgegcnkomn t
So ist tatsüchllch nur das Schulgesetz fre eiternbc Dunbe an der dl- Koai twn Serben könnte. Und da ficbt es vor der Hand tvirif ch recht trostlos aus Herr von Keudell hat eine sehe unglückliche Hand In der Art we er die Legierungsparteim zufammeniubrn^en sucht. Sentnrrn Deut'che Vottspar ei und Deutschem:i>- nale liegen einstweilen auf der Lauer unt warten. wer den edlen Hehler macht. Das Schlimme ist dabei nur. da st sie sich b,e Wege langsam verbauen, weil anstelle des Derirauens ein starkes TI i h t r a u c n tritt, und IXirte <rflänm- gvn Barrieren aufriiten. die n.»>V-T nicht mehr au überlpringrn sind Das stärkste P^ ttvum für den Bestand der Legierung ist aber chrr der Blick nach o o r n e: was soll werden, wenn die Koalition zeriprmgt? An <re Möglichkeiten einer Mehrheit-vllb.mg s-nd in de lern Reichs- tag nicht mehr vorhanden, »bs b rede also nur der Astpell an die Wühler. Doa dem keine der Tte^l rrunjtpartc.cn etwas ®ur.fugc4 zu erwarten hat
Sie haben al’o alle ein gemmrrsames 3nterrik baren, tn .'en nächsten Tion-tcn ux-nij ns Web- len zu vermeiden. Das können (u aber tr< der nur, wenn iie verhüten, daß ihr Äab nett slvichem Gelingt ihnen das. ?ann haben fw noch ein gutes Jahr Zert. um tüchtige Arbeit zu leisten und etwa durch eine vemünskige Verwaltung-- re form zu zeigen bah bie Soroud? der iln- prvduktimtät. der ihren heute gemacht w.rden. unbcrcd)nat sind Veradc b.c Deutschnatis- nalen. bei denen 'ich die Koizm des Ucbcr- gangs von der Oppo mrn zur L g-.erung in den eigenen Leihen cm stärksten bemerkbar meaxn. müssen darauf drücken, dah fic nicht m didem kritijchen Augenbirck in dre Wahlen Hine gehen. Sie haben es auch als die stärkste Koalerwns-
Die Wiener Begegnung.
Siresemann spricht über die Ziele der deuffchen Außenpolitik.
Wien. 13. Lov. lWB.) Bei einem Smpfang der tn- unb ausländischen Presse erklärte Leichs- aubenm;n:fter Dr. Strricmarm u. a Wir lüxb Lachbarländer, wir sind Länder berietben Kul- turfl. nnals hat das Zeuer der
deutschen Kulturgemeinschaft alle, die deutlchen Blutes smd. so stark erwärmt wie in iet Zeit, seitdem der grofw Krieg neue Grenzen geschaffen und die alte Stellung, dr« wir in ber Welt hatten, hcrabgemmden hat. Derade Lot, Drangsal und Trübn.s haben das (bemeüv schaste^etühi nicht nur zwi'chcn Oesterreich und Dcuttchland. sondern tn allen Ländern hell entfacht Deshalb ift es wohl sclbftvedtändiich. haft die beiden Lachbariänder, die durch Sprache unb Blutsgemeinschaft verbunden sind, auch die Be- ^cbirxym ihrer Regierungen pflegen. Man hat entdeckt, dach wir schrittweise den Weg des Anschlusses gehen und allerhand vorhÜUen, z. B. das P a st v i s u m zwilchen Oesterreich und Deutschland abgrichafst haben. 34) periönlich stehe auf dem Standpunkt, dast das Pastvisum zw:fch«i färntllchen Ländern der Srdc je (rüber desto besser abgechafst werkxnr sollte. Wann man in der Zett der WeitwirtlchaNskoir- ferenz. in einer Zeit, wo man von den Der- e.nigten Staaten txm Ourotxi sprich«. sZpon bar- ub#r nervös wirb, dast das Patzvilum Awilchen zwc-. Staaten adgeschall wird, so must Me Ler- vositäl schon einen sehr ftarfen ®rab an- OenommK-n haben, und verlangt dringend nach politrsck-'ärztitcher Abhilfe.
Wenn werterhin davon gx-iprochen wird, dast wir ani der Rechtsangletchung zwischen DeutlchlMrd und Oefterreid) arbeiten, so hoste rch dast das nicht das einzige Geb.et bleibt, aus dem man f.ch über die Grenzen hinaus für gemeinsame Dcrständigung die Hand reicht.
wer überhaupt In der internationalen Dolfiik far Trrfldnö qunq eintritt, fort hr nid I da angreifen. roo sie sich aut der Theorie in b I e praxi» umzusehen beginnt, wenn er et ehrlich mit seiner Theorie meint
Beiand hat kürzlich davon ariprochen. dast eine Politik des Friedens die Potttik der Sicherheiten nicht ausschlleste. Die beste Si4>erheit für dre Crbaliuna des Frie'^crrs ist die Bekämpfung des Mißtrauen- zwischen den Lativnen. Ftir uns in Dcut'chland ift der Gedanke, dast nur eine friedliche Entwicklung überhaupt die Möglichkeit einer Wicder- au'nchtung Europa- alht eine Seibftverftünd- ltchlcit. Hinter dieser Polltlk steht eine io große Mehrheit des Deut'4)en Dolk-s, dast öic'eniQen eit reinen Splitter von links und rechts, die sich ihr nichl anschließen, leint Bedeutung beanspruchen können. Und diese flrfremc ,ind ja erst durch den Krieg geschassen Werber.. Wir hätten das Ort rem ber äußersten Linken nicht ohne die Derwrrrung der Kriegs- unb Lach- kriegs,<ir. und wir hätten des Srtrem der äußersten Rechten nicht, wenn nicht b>i uns durch den Krieg und durch die Lachkrieg-zeit die gute Mitteilage des viaatslä)» frt. sein Bürgertum unb sein Bauerntum, das am besten die ruhige Hahrl des Staatsfchi'se- gewährieiftet. so pro- letarisiert Wäre, wenn nicht das. wo- die Menschen als sittliche Grundlage de- Dvlkes antehen. so auf den Kopf gestellt worben wäre, dah der Mann, der die meisten Opfer für den Staat gebracht hat. »um Bettler geworden wäre: das darf aber nicht hindern, daß diejenigen, die sich mit der grö^t m Onerpie und Tatkraft an den Wiederaufbau Deutschlands gemach' und erkannt haben, dast dieser Di.-der- aufbau und der Wiederaufbau der Welt nur im friedlichen Dege gefckxhen kann, sich gegen alle
wenden, die dies« Entwicklung irgendwie gefährden.
Gegenüber den kürzlich über eine Differenz be- Viqlidj der Darortoerflnbarunflen gehegten Vermutungen weise ich daraus hin, daß bisher die feile Ordnung de» Xeparallontplane» eingefallen wurde, und daß die Absicht der Kricheregieruna und ihr fester Wille ift. diese Grundlage feil Inhalten. Wenn einst eine Reuordnung der großen internationalen 'slnanzoerpfilchtungen eine Neuordnung auf der festigen vast» auf Grund wirtschastlicher Gr- kennlnl» nötig wird, wird die Zeit gekommen sein, durch die Zinonzsachverständigen der Welt zu prüfen, weiche ntut leim für die Lösung dieser Frage zu fordern sei.
Wenn man nachdenken wollte was mit der 8tappe von Locarno beabsichtigt war. könnte man auch zu hem Ergebnis kommen, dast bei- splelswelfe mit einem ewigen Fr»n am Rhein, mit der gegenseitigen Zusicherung, hast nie wieder der Kamps die Menschen an diesem Strom trennen würde unb damit, dah eine ber größten Mächte ber Welt, diese Dcrpsli- ng übernommen hat über den F-ieben zu wa tcn. eine weitere Belebung deutschen Bodens weder logisch n o d> moralisch vereinbar ist. Wir haben mit einer ganzen Reihe von
Staaten Schleb-verträge abgeschlossen und sind einen Schritt weitergegangen Dir hoben auf ber Tagung des Völkerbünde- in Gent de i Beitritt Deutschlands zur Fakultativkiausel des Haager Schiedsgerichts erklärt. Ader wir sind bisher die einzige größere Macht, b.e das ohne Reserve getan hat. unb Ich möchte auch hier der Hoffnung Ausdruck geben, dah dieser erste Schritt die Schritte ande.er nach sich zieht Wir hören in der heutigen Zeit davon sprechen, dah man den Frieden organisieren müsse. Un- zweiselhast! Aber zur Organisierung deS Friedens gehört auch unzwei'elhalt die Bekämpfung der Organisierung des Krieges, dah auf dem Gebiete ber Abrüstung diese Organisierung bei Friedens bitter wenig Fortschritte gemacht hat. das Ift da» einzige, was den Pesstmiften recht gibt, die sich gegen die Gntwick'ung her europäischen Politik wenden Ach gebt jedoch die Ho'sniing nicht auf. daß die Beratungen und Besprechungen in ne nanber einmal dos Problem ber Sicherheit unb zweitens das Proo'.em her Abrüstung zur Sprache kommt, von dem Gedanken der gegensci igen Verständigung von hem Gedanken des Friedens ein gegeben sein mögen, die die einzige Gewähr eines Resultates In sich tragen.
Französische Befürchtungen.
Die Angst vor dem Anschluß in der pariser presse.
Paris. 15. Lov. IWTB ) Zum Besuch hei Reichskanzler» unb des Reichsauhenm nisters schreibt her ,Tcmps": Gs ist angebracht, nur mit ausdrücklichen Vorbehalten d.e von her Berliner Pre ie veröffentlichten Lachrichten aufzunehmen. Man tut gut daran, wenn man sich an die amtlichen Reden hält, ohne den Gerüchten über private Untcrbaliunjen zwilchen den LtaatSmünnem Deutschlairds und Oester- re'ch- allzuvlele Bedeutung be zulegen. Die Anschluß s r a g e tritt natürlich be-ltünd g auf unb angeslch:» ter allby Ichen AgUat on erheischt sie die größte Aufmer.'amkeit. Von dem Bun- deskanaler Seipel aber als Leiter der österreichischen Austenpol tik scheinen feine Abenteuer z u befürchten zu (ein. Auszerbem scheint es nicht gew.h. daß es die leiten bei deutschen Staatsmänner sehr eilig haben, ein Problem zu lösen, dellen politische, w rl'chaft- lidx unb soziale Berw rllichung die Lage m Deutschland beträchtlich ändern könnte.
Die Hauptsache ist. daß man in Deutschland wie auch Ih Oesterreich weist, dah jede Ansstlnh. polltlk auf die unnachsichtige Opposition der D6!ter stoßen würde, die nicht wollen, daß der Friede in Europa wieder gestört werde. Die .Liberty" schrribt Man bad sich nicht rindilden haft die linksstehenden Deutschen weniger eifrig für den Aischluh eintr*‘en al- die Rechtsstehenden. 3n Gegen! ll, M* Sozialdemokraten handeln im 6.i ic b*r Fu'ion. D,e Hochzeit bereitet sich vor w • unter Vettern ine sich hn^l.ch dt e Ha n d unter dem Tische drücken. Die V?rbere.tung-n bestehen darin, die GefeI? zu v-r?inheitl chen, unb bald Wirt» e- swifchen Oriterr-ich und Deutschl«7nd keine Unterschiebe mehr geben, ja vielleicht sogar wenig-r al« zwischen Preust en und Ba,>-rn. Und wenn d r Aaschluh endgü'tig sein W.rb, wa« Wird dann au- den 3 Millionen Deutschen in der Tschechoslowakei
Werden? Was aus Danzig? Wo wird die Fusion stehen bleiben? — Der „uuat Ihlen" fchr.ibi Ss wird nicht genügen, zu W.eberbolen. daß wir ntemalf den Anschluß gehalten werden. auch nicht, daß die Verträge, die un- bcrvfrrbarv Balis ber eu den
Anschluß verbieten, auch nich', dah friMI al>- griehen von den D-rträg-n. di Retwrndigk iten be- Friede,^ ihn verweyren. Di 1e notw 'digen Worte reichen nicht aus. man muh ihnen Taten anfügen.
Unter dielen Handlungen Ist unbestreitbar die dringlichste, die wirtschaftliche und juristische Kn- näherung zwischen Oesterreich und Deutschland durch eine wirtschastllche und juristische 8 n - Näherung zwischen Oesterreich und den kleinen Rationen Mitteleuropa» au»zugleichen.
Frankreich unb England Haden in dieser Hinsicht eine Initiative oon höchster Dichtigkeit zu erarelftp Sie würden eine schwere Verantwortung auf sich Ichen, wollten sie sich >hr entziehen. — „n o e n i r* sagt. Um den Lr-schloß zu verhindern, müßte man Oesterreich weiter finanziell unter- ft ü 0 e n und ihm günstige Handeloabkommen mit seinen Nachbarn sichern. Natürlich unter ber Be- bingiing, baß m auf seine Hintergedanken einer Bereinigung mit Deutlchiunb o e r z > ch t e t. Uber man müßte auch die Loge in Ungarn lehr genau über- wachen unb den Magyaren begreiflich machen, daß b I e Gefahren ber öermanlfierung für sie Diel größer sind, al» jede anbere Gefahr Man m ißte ihren Ge st beruhigen unb Formeln finden, d e e» ihnen gestatten, in guten Beziehungen mit Ihren Nachbarn zu leben. Kur; unb gut, mm müßte einen Zuftanb schaff«n. ber die Deutschen überzeugt, daß Ungarn sich nicht ihnen zürnende, unb kost Deutschland jede Hoffnung verliert, Ungarn al» Mitarbeiter zu gewinnen
parrri am ehesten In brr Hanb km Bruch ju verhindern. Die «vneve Wahefchrinlichkr.t für eine Kelle ist de-halb auch jetzt nicht allzu groß. Unb wenn nicht sehr erheblich, takt.sch? Fehler gemacht Werbern, sollte e- möglich fein, über den toten Punkt des Ttnrmber hiiuoe^zakonmen. so bah he Koalition Zerr hätte. Gefolge zu sam- mdn.
Das KnegSschädenschlußgesetz.
6in Protcst dr» Cpbunbcä.
Breslau. 16 Noo (DTB-j Gegen die Ser- schteppung ber Lchtußentichädigung veranstaltete ber Deutsche Oftbunb eine öllentliche Kundgebung, zu der auch Neichrtagsprafident Lobe erschienen war. Der Bunde»direktor des Deutschen Dftbunbe» bezeichnete e» al» emen unenräglitten Zustand, daß ber Entwurf noch nicht dem Reichstag zu- gegangen ist. ganz abgesehen davon, dah er m keiner Weise den tcrettrigten Ansprüchen ber ®e- ♦dxj^igt-n entspreche. Zum Schlusie sprach er bte Hoffnung aus. daß stch Neichstag-prösident Lobe der Lache der Geschädigren annehmen möchte. Keichs- ugspräftbenl Löbe erklärte. ..baß Kefe Lache Jahr tm Zabr tat hin ausgezögert werben muffen, ift fein Ruhmesblatt unserer Verwaltung. Deshalb grbe ich Ihnen die Berstcherung d-ah ich bte Negierung bringen werd«, daß sie doch dem Neichstag endlich de» Entmari überwerft Wenn er bei uns ift. dann versichere ich Ihr.cn. allen E-.nlluß ar.'uwnden. ihn zur Erledigung zu bringen.“ Ängesichr» ber in ber Versammlung laut gewordenen Befürchtungen, daß die Eriebigang des Tesetzent-
würfe» durch etwaige Neuwahlen weiter verzögert werden könnte regte Neichstagspräsident Lobe an. daß eine Vertretung ber Versammlung beim Reichspräsidenten vorstellig werbe unb ihn bitte er möge eine etwaige Auslösung be» Neichs» tage» nicht eher unterschreiben, dl» dos Entschöbi- gungsgeseti erlebtet ift. Auch sei e» angebracht, wenn zu Begmn ber Ne'chrtagsberawngen Vertreter der Geschädigten roch einmal oon ben Bariei en oder bem Ausschuß gehört werben. E» mürbe dann eine Entschi eßunq gefaßt, in der die Berfammluna u. a. gegen d-e völlig unzulängliche Gestaltung des Negierungsentwuri» protestiert.
Oie Besoldungsdebatte im Hausbaltsausschuß.
Berlin, 15. Aov. (DDZ.» 3m Haushalts- ausfchuß des Rfichstag« wurde kne Beratung der Brioldungsvrvnung forgdrt’.. X*g r- ® u ^ - rarh iZentr > erhärte sich für ben Einbau ber Ministerialzulagen In ha» Gehalt. Den gleichen 6 anbpunsi »ahm auch Adg. Dr. Qua atz (Dn.» ein, während die Drrtrrier ber Regierung die Beibehaltung ber TKv msteriaLkulagen zu begründen fuchen. F-^r tne SonalbemckratTn erklärt? sich auch Abg Stein- kvpf gegen das Softem her Ministen-Zulagen. Abg ® rem er lD. B.) hielt ben Zei p---nk: her Ab'chaNung ber TB '.i ®.eri *U.tLcge noch nicht für gefonrnrr — 3n brr wr.ter-v Aassprach- er» siZchte Aög. Schmidt- Stetttr s5>n ■ um ge- nauerv Mitteilung darüber oo unb für welche SeamterJategonen. etwa für St ati'drrtäre, be- sondere AufwanbSentfchÜbigungen
geplant feien. Ministerialb rektor Dr Lothvlz erw.bcrte. er werde abschlfchvmb? Orflärunaen auf bide Frage erst tn ber zwrftrn Lefung gioen können.
Lach weiteren ausführilchen Deba ten üb-r die (Sin.lufungen m bte Gruppe 10 u.ib 9. tn deren Verlauf sozialbemokratische An^rügt auf Höherstufungen abgelehnt würben, vertagte ber Aus chust bte weitere Sinzelbtrakung ber Befoldungsorbnung auf Montag
Es, tute Zunahme ber ErwerbLIosialeit.
Berlin lö. Lov <DV 4ir Zahl her Hauptunterstützung-emp'änger ist Li ber Zeit vom 15. bis zum 31. Oktober b. 3. — »um ersten Male leit Februar des 3ahres — wieher in geringem Umfange gestiegen, unb zwar in her Arbeftslv'enversicherung um runb 10000 unb in der Äri’enunterftü^ung um tun" 3000. Die Gesamtzahl ber untedrimtm Arb itslofen hat allo um runb 13000 Au-ienommen. Lte Zunahme ist zu einem niay uTierheblichen Teil darauf zurückzuführen, baß die Lotstanbs- arbeiten her 3ahres,eii enllprechenb eingeschränkt Wurt-en. 3m übrigen ist bte Steigerung in ber Hauptsache au’ bic Gntlasiurig von Arbell-krä’ten aus lanbwiri'chastlirf^-. bau- gewerbiichm unb anderen Saifonbetrieben zurückzu ühren. Die Zahl her Hauptunterstül- zung-finr/ärtger tn ber Arbeit-lo enunterstüvung betrug am 31. Oktober b. 3. runb 3(0 003 (männlich 2t4 000. weiblich 66 020). Die Zahl ber Haupt- unterftür>ungsemp’änger in ber ÄnlenurJerhüt- jung betrug am 31. Oktober b. 3. runb 116000 (männlich 93 000, Weiblich 23 000).


