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Nr. 245 Zweiter Blatt

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Goethe-Bund.

falsche Puppcnspicle.

IQcnn der grohe Saal bunfc! unb di« kle.na Bichne dell wrrd. wenn bi« ersten Mensch-n- Itrmmen laut werden, und bic Puppen schüchtern ihre Glieder zu regen beginnen, dann tommt man 'ich vor wie tx>r wahren al» Äinb und man frort sich. Mb biefe kindlichste und viel­leicht tiefsinnigste jorm deS -Theaicni. da» Pup- penfpicl. noch nicht amfcrritotben und vergess«, ift.

D.« altfransösische Bollswe.'e .Marlborough s en va-t-en ^uerrc*1 wurde einem Dichter de« mobemen Frankreich. Marcel A ch ar b. Leit­motiv und Grundmefodre für em Drama. Da» auch bei unS in Deutschland schpn über ctlwbc Bühnen gegangen ist. Ernst Ä r c n c t, der jüng­sten und fortschrittlichsten Mu'ikergmeratron tu- gehörig, bat ?as Schauste, de» Ächard für die Puppend ahne bearbeitet und eme TIüi'u Mxu geschrieben, hie sich wohl tz^uht an a.iero volksrümltche Dorbilder mMhcftt. und so leben wir nun mit großen Augen da- Halo kindliche, halb ernstdaftc Spiel der Marionetten vor uns entstehen. da- den Damen des alten Vv.ls- liedes beibehielt, obwvdi hier zugleich mehr und weniger «nrtstand, al- Dvlk-liekvafte- und Bolks- pvelie.

Halb filmhaft, halb bändelsän.gcrisch ist die Sinlcitunfl zum Spiel: die Strophen des Lieb^ werden von bunten und einfachen Tilbern be­gleitet. deren jede- ben wechselnden Hintergrund ,ür da- protegierende Terzett abgibt. Danz schlicht, ganz volkstümlich eine halb [t)rJdx. halb balladeske Werse erzächlt von Marlborough» Auszug und Ende im Kriege, von seiner Ge­mahlin und ihrem Pagen, von den Offizieren, die ihn zu Grabe tragen, und von der Dacht'.gab.. die über seinem Hol;kreuz im höchsten Daum- wipscl singt.

DaS eigentliche Puppenspiel wiederholt das Danze, spinnt es aus. setzt cs in Wechtelrede der handelnden Figuren und in farbige Bilder um und durch licht die Handlung bald melo­dramatisch. bald lyrisch. bald opernhaft mit Musik. Es ist seltsam zu sehen, wie selbst

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Die (Entgiftung des politischen Kampfes.

3u bl esem Thema, das alle llch für das Dvl's^a^e ver.ntwortl.ch .j--b:cn*c. graoe tn bi Jen Wochen einer er.'^ut .i Zuiprtzung der hmerpoitt. chen Geaen'äye bewert Iqrei­ben die . Leip, <yx Äeu^ :en Rachrichten'.

3m politischen Kamps kann unb soll man ge- wlh richt z.rnpersich fein. Genfer Tdchterpenfr»- naN hoben einen anderen Umgingston al- Par- tdburrau#. Parteileitungen und Politiker. 'Ader auch, als e# noch feine Leitungen gab. von der .Verrohung der ÄntiF also ir.ch gut gesprochen nvtben konnte, damals schon machten bie Wort- uhrrr b?r öffentlichen Meinung aus ih . em Herzen feine Mördergrul'e und scheuten vor Schimpf und Äränkung des Wic-erachers nicht zurück W.r brauchen nur bie Literaturge'chich.e zu durch­blättern oder, um Langweile zu vermeiden, w r wollen sie lieber nicht durchblättern und uns auf ein paar 'Samen, auf ben Anfangsdu1,staben A beschränken. Artstophanes. 2rouet-Voll<.ire und Aretin. Diese edlen Drei Helten mit boshaftem, selbst verleumderischem Witz n.cht zurück und wühlten gern in ben persönlichen Schwächen bei Gegners. Ohne sie grundsätzlich verte di gen zu wollen, mub bod> gesagt werden, bab im po­litischen Meinungsstreit bie Dache nicht immer von der Perlon getrennt werden farot Wer öffentlich Wasser predigt und heimlich Wein trinft, wer $unberttaufenben ein strafendes Dei- spiel sein to ll und hn Privatleben grunriätzllch ben von ihm gepredigten Grundsätzen ins Ge­sicht schlägt, bie dürfen f.ch schließlich nicht tinm- dern, wenn ihnen bie Maske vom Gesicht gerjfcn wird. Derwerflich ist es jedoch unbedingt, wenn Im politischen Kampse bie Durchschnüffe- lung des P rivatlebenS zur ebenso all­gemeinen tote sinnlosen Regel toitb.

Ts gab eine Zeit in Deutschland, too den Zeiturp.m bei Leibes- und Lebens strafe verboten war, sich mit StaatSanaelegenhe.ten zu befassen. Währd bet Metternich-Jahre kri stall ifierie sich das össetMiche Interesse au die Vergnügungen eines hoben Adel- und auf biß Theater; dem persönl.chen Klatsch war damrls Tür und Tor geöffnet, inzwischen haben wir tms hohe ftaatß- ^'ürgeiltche Rechte eriümp't. sind ernster gewor­den und st. ben wenigst.-ns hören wir da­bei allen möglichen feierlichen Gelegenheiten rach reinen Illen! chhrit-ldealcn. >e m rfwürdig nun, beb gerade im freiesten, im dernolratisch- s.en aller Länder die Freude an der Schmähung des Rachbarn, der zufällig - iner anderen Partei angehört, wieder so uberlrästig erwacht ist! Auch wer Worte nicht ul die Goldwaage zu legen gewillt ist und eine in der Hitze des Kampfes uutergelaufene Ent­gleisung verzeihend hinnirnint ja. gerade er wird die sortges etzte Arbeit mit schrillen Veleidigungen, Verdächtigungen unb Unwahrheiten als des deutschen Ql amen# unwürdig ablehnen. Parteien und Parteimänner, bie andauernd mit solchen Mitteln arbeiten, stellen sich selber bloh. geben ahnungs­los zu, dast es ihnen an gesunden, überzeugen­den Argumenten >-Hit. Ohne Frage ist eS leichter, dem Wl.ecpart. sofern man ihn r:ijt überhaupt kurzerhand für einen 3 blot en erklärt, verbrech - rische Reigungen unterzuschieben und banm diese Neigung en mit zornvoller Energie zu branb- nvtTTcn ohne Frage ist das leichter, als seinen wirklichen Dedanlengättgen nachzuspüren und ihn im . hrlichen Geiste» türm er aus dem Sattel zu lxber Oh nimmt an politischen Mahnahmen fei- Xr die Parteifr.tif nicht e nmal sonderliches 3n- tcreflc. Schon weck cS ihr schwer fällt, sie alÄ tassch unb iör.cht anzuprangern. 3hr geht es hier wie in allzu vielen anderen Fällen nur dar­um. bie verantwortlichen Personen blohzu st eilen unb auszuschelten. die die Keckheit haben, an ein anderes politische» Programm -,u glauben.

ViSmarck sagt in seinen .Gedanken und Er­innerungen^ .Welcher gebilbetr und wohler- zvgene 'deutsche würde versuchen, im gewöhnlichen Dc-rfehr auch nur einen kleinen Teil der Grob­heiten und Bosheiten zur Verwendung zu brin­gen. bie er nicht anst 'ü. von der Rednertr.büne vor hundert Zeugen seinem bürgerlich achtbaren

Verlebe

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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

©egner In etner scher eichen, m frtner anständigen Dcsellschah üblichen Tonart ins Gesicht zu Wer­sen," V.smarck hatte nur zu sehr recht, und diese üble Gewohnheit besteht i m verstärkten Matze beute Weiler. Solange diele schlechte Gepllog. »eit nicht überall be*c.:igt werd n kam wav le der bct der On ebunfl un' . es radi­kalen Rachwuchses immer nur etn frommer Wunsch bleiben wird solange mu'i man s« eben leiden Die Gefahr b«. :eyt also we ter, datz das politische .comRer h iortunc" dazu ver­leitet, es mit der Ehre des anderen überhaupt nicht ernst zu nehmen. Heute beschränken sich Versuch»- zu gelegener Stunde das Familien- unb perfön..che Leben eine» sachlichen Gegners n d.e Eränerung xu ziehen, leider nicht auslch!>etzlich auf pokhsche Skandalmacher unb ihre Hei'erheNer Dabei wird besserer Schutz der persönlichen Ehre immer wieder für eine dringende Forde­rung des Tage» erklärt. Von brr.iiener Seite ist kürzlich ausgeführt wc-rden. datz de Strafen für verleumderische Seiet .gungen tm Verhältnis zu denen, die gegen tilge.itum»fteoler ausge­sprochen werden, weita us zu gering firO. Denn ein Verlust an Hab unb Gut bedeutet wenig, gemessen an erlittener Ehre nbutze. Ehre ist nicht so rasch zurückzugew.unen tote Geld. Roch beute besteht das ViX'.w?n zu Recht .äin 5>;eb ist ein schändl.ch Ding, aber ein Verleumder ift noch viel schändlicher." England»Bei­spiel gilt unseren unaufhörlichen Fortschrittlern sonst Io Dict, warum eignen toir uns nicht auch die grau'ame englische Härte tn der Bestrafung von Verleumdungen an? Sv flott und frei das politische Leben in England auch sonst ist. so sehr seine Beweglichkeit uns in mancher Hinsicht als Muster dienen Jönntc. die Persö nl ichkeit totrb ängstlich geschont. Hinter die Gardinen des weltabgewandten Lebens guckt niemand. IBcnioften» dann nicht, wenn e» sich um 'Ver­borgene» handelt. So unerbltlerlid) aeht her englische Iudge vor, datz er selbst in hochpoli­tischen Dingen den Beweis der Wahrhe.t nicht gelten lätzt Das erhchr William Stead, als er in den achtziger Jahren vom .3ungfraucnlnbut tm modernen Babylon" schrieb und dabei den Prittzen von Wales, dem kommenden Reichsober- haup:, nachw.es, baß er sich unerhört gröbliche Vergeben hatten zuschulden kommen lassen. 3m Prozesse Parnells gegen die .Times" wurde das Blatt, da- sich mit dem tatsächlichen Ehebruch bcS 3venslchrerS beschäftt^t hatte, zu einer Mil­lion Mark Butze oerurteilL

Seit dem Äriege ist das deutsche Voll durch bittere schwere Jahre gegangen. [919. 1920 machen manche Ausschreitung im öffentlichen Leben erklärlich Damals litten viele von unS an der Llmsturzpshchose. Heute sollte dies gefähr­liche Klima mit seinen Folgeerscheinungen über­wunden sein. Heute besitzen wir in Hrndenburg einen Führer, der sich unausgesetzt bemüht, die Gegensätze abzumildern und der. soweit es an ihm lieg:, den verbohrten, blöden, giftgeschwellten Hatz aus der Volks­gemeinschaft verdrängt. Sein ehrwür- dig^s Beispiel verdient allenthalben Rachahmung zu finden RkindestenS mutzten wir tm# Volks­genossen gegenüber so benehmen, wie wir c# tm Verkehr mit dem AuSIande tun: auch die rabiateste Asphaltpresse quillt von Liebenswür­digkeit und Urbanität über, sobald sie mti Lon­don oder gar Paris verhandelt. Warum packen wir uns Deutsche gegenseitia mit gei- sernder Wut an, al# waren wir wütende Hunde? Allesamt erstreben wir, die» sollte keiner dem anderen ernsthaft abstreiten, da# Wohl de# Vaterlandes. Wenn wir schon nicht' auf geme.n- famer Linie marschieren, wegen der Anstchtsbunt- heit im einzelnen, bann brauchen wir uns doch nicht hatzkrächzend in# Gesicht au spucken ®me VoUSgemeinschaft bedarf e.genUich. itm an» Ziel zu gelangen, der Tuchsühlung. und vor allem eine geschwächte, waffenlose Volksgemein­schaft. gleich der unsrigen Dringt sie» auS Parteiverramuheit nicht dazu, dann muh wenig­sten# jeder im andern den Ehrenmann achten, bi» zum Beweise des Gegenteil-, unb ihn al# Ehrenmann behandeln, schon um s i ch selber dadurch als Ehrenmann au#* zuweilen

Poincar^alsRomanfigur

Von Peter W a r m u n d

Als vor emlgen Zähren der Rvman .Vella" von Jean Giruudour m Frankrech e chicn, er­regte er al; "nw'-ic# Aus'chen deshalb well :n diesem Bu< zweiAltansq-auungiN d.r Ähng.-n kreuzen, ttk . diese be be ftin.4ichen Pole durch zwei tranzö'ischc Fam-lirn gekennzeichnet unb verkörpert werden d.irch bie Revrndarts unb bie Dubardeaus unb well d uer diesen Rarnen zwei andere stehen ungleich bekanntere, gefähr­lichere und bebeutenbert: *3 o i n c a r r unb Berthelot. owe; frantzö p he ^ührof arn 1 en. die rrprä'enr.erov zwei Tnpen nach D.s.nnu-. -en völlig oeflieber c.nanXt fern ich in jeder Faser Da letzt b efer Rnman brr in Fran r ch wie ein fasznier der 3:in r> rftc. tr. beut'

kann jeder Deutsche leichtttch nachpr.ifcn, wie b.t Franzose Giraudv t leinen Präs de ten unb seine Weitan chaumtg sieht unb tKirftcLi. Criimem wir uns aber etfl was bie BenbelvtS für Frank­reich bedeuten Jbr Geschleust schenk! dem Lande eine Reihe grober W ilenichaftter. l e bedeuten

fübrenbe. vorwärts trebrnde Frankre ch ba# gute# Franzv'envam m t m nsckhei #fbr?crr.bcn Le ftun- gen unb mit gutem C irnpäertum zu vereinigen weist. Di? ^o.ncari #? Sir waren immer enge, trockene Beamten ?elen. . hrgei.zig. machtsücht. i. gefährlich tn ihrer Beschränktheit und Polncare selbst nun w-r kennen ihn!

Der Erzähler deS Romans gibt sich al# etner au» der Familie der Dubar »raus- Berthelot». man kann sich also denken wrlcheZ Licht auf d e Feinde, die Rebenbans-Pn ncarr# fallen must Unb also spricht er über Rebendari .34) Hörle ihn sv oft in feinen Reden tocb-rholen. datz er Frankreich veikörpere ich laS in sc> vielen Fei- hmgen, datz Rebenbart daS Sinnbild für bie Franzosen fei. datz mir Fw? sei aufstiegen über mein Land. Mein ßanb sollte diese Ration fein, in der nur bie St.mme der Advokaten Widerhall sand; Dank Rebendart gewann Mc Heuchelei, die schlechte Laune in allen Behörden FrankrelchS in den Prvvlnzialstäbtcn. in den Absteigequar­tieren bis tn die Herzen der Schulkinder hinein immer mehr Raum", lind dann zeigte er Reben­dart in jener ttjbtfdbcn Haltung, we er an irgend einem schönen Sonntag da» fällige Kriegerdenk­mal einweiht! »Jeden Sotmtag, wenn er am Futz eine» dieser gutzeisernen Soldatett, die ge­schmeidiger waren als er selbst, sein wöchent­liche» Totendeillmal einwe hte unb zu glauben vvrgab. datz sich die Getöteten nur abseits zurück­gezogen hätten, um über die Summen tu be­raten. bie Deutschland un» schuldig ist. übte er seinen ErpressungSversiich auf diese stumme Jury, deren Schweigen er anrief..... Alsdann hielt

er tm Ramen der Toten eine Lobrede auf die Klarheit, auf unser Zahlensystem, auf da» Latein, tn einer schmierigen, zänkischen Sprache voll fal­scher Exakthett.... Der Krieg? Man hat nicht alle Tage eine so schöne S nl schul ist jung, um den widerwärtigsten pol tischen Cha ratter tn feinen eigenen Augen zu rechtfertigen".

Unb natobem er so Poincarös Charakter von einigen Seiten her beleuchtet, zeigt er ihn w rk- llch und wahrhaftig tn der Pose, bie unS Deut­schen nur allzu vertraut ist, bei der Enthüllung eines Denkmals für gefallene Gymnasiasten in Paris' »Er begann vom Boden au# zu sprechen. Er schien diesmal leibhaft aus dem Grab ent­sprungen. Gr spreche, tagte er, tm Ramen dieser jungen Menschen..... unb et log". ®ltau-

dour stellt dann die beiden Fanrlien in diesen scharfen Kontrast' .Während meine Familie (die Berthelot») sich an ben magischen Punkten ge­fiel, wo die Metalle schmolzen, die Rationen zu- scnnmentoachscn h tten die Rebendart». alle Atvo- raten, zu ihrer Leben-atnwsphäre alles erwähll. waS mit Verbrechen und Streik in Frankreich zu tun hatte."

Diraudvur zeigt aber auch, urxb er schildert es mit einer bitterironischen Schärfe, welche Macht der Deist Poincarös noch in Frankreich besitzt. Die Berthelot», von Pvincarö verfolgt und Westen kleiner Verfehlungen verleumdet, finden sich plötz­lich von allen Menschen verlassen Von einer tragischen Komik aber ift jene Szene durchweht, da Poituar^ seine MmisterialbeaTnten zusammen-

bie immer gültigen Motive der groben und ernsten Kunst auch im kindlich-unbeholfenen Spiel der Ulanor.ctten kaum an Eindringlichkeit verlieren: es ist schön und von dichterischer Wirklichkeit er­füll!. waS fich hier zu Anfang und gary am Gnde begibt: die Siebe der Lady Marlborough, die den au»xiebcnben Pagen einhüllt wie ein Mantel, bie Sehnsucht der daheim vor dem Tor wartenden Frauen unb'bie Bot "chatt des Todes, die den Pagen unb die Herrin für immer trennt

3n Äniefaü, Äobhoenbung, Körper»iegung. höfischer Verneigung. bittend eroobenen Händen sprechen sich rührend die menschlichsten Gefühle aus, unb die alten, traurigen Derie eines bcut- 'chen Volksliedes scheinen tote ein ungesungener Kehrreim Anfang und Ende des französischen Puppenspiel- zu verbinden: ....sie formten zu­sammen nicht kommen..." Unb dies alle- spielt in der Tat. wie es auf dem Zette! heitzt. in einem achtzehnten Jahrhundert der Phantasie.

Was aber zwischen An lang und Ende liegt, eben der Krieg, das ist unser Krieg, ncht mehr der eines ocr'dxIIcncn Rokoko ober einer Minne­singer-Gotik. Man brauchte da» Flugzeug über dem Schlachtfeld (stillos genug!» nicht zu sehen, um zu willen, datz Achard unb Ärenei Menschen unserer Zeit sind, die in dem Ärieg. den wir erlebten, ben Ärieg aller Äricgc sehen und ihn verdammen

Unb man sieht noch etwa- so gut das Pup- penlpiel der groben Motive, der menschlich­sten Stinununaen Abschied und Heunkehr. Liebe und Too künstlerisch Herr wurde, fo wenig ist es einer, wie immer gearteten Gestal­tung des Ä riegt# gewachsen: auch um g.'gen_ ben Ärieg zu sein, unb gerade dann bebari es künst­lerischer Formung: dies hier aber ward ver­zerrt. teils läppisch teil# zynisch unb grausig, etn oe^tocifett o^-nmächriger Versuch mit den unzu­länglichen Mitteln der Burleske Ärieg zu .sp:e- ien. Auch die satirisch-ironische VerbrämuTtg solcher Burleske kann nicht über die fünft!er.- schen Bruchstellen zwischen Auftakt und Aus- llang hinwegheksrn, die zerilotternde Stimmung nickst fcftbaltcn.

3m übrigen trafen die Puppenspieler unter der Leitung von Äari Magersuppe den

zwischen Scherz. Satire. 3ronie und tieferer Bedeutung schwanlenden Ton des Marionetten- schaufpiclS im Zvfam77?enllang von gesprockstmem unb gelungenem Wort. Melodie und jiguren* rhythmus mit gutem Gefühl: die Gestaltung der Puppen (Paul Hehler», der Äoftämc lGrete Älüber» unb der Bühnenbilder «Paul Schänke) bewies Geschick, Phantasie unb Sinn für Eigenart unb Dlöglid)(c.ten der Puppen­bühne. Der Leitun g de» Doethebunde», der im Verein mit der Volkshochschule ben Abend ver­anstaltete. gebührt Anerkennung unb Dank da­für, einmal etwa# ganz Reue», obwohl s<chr Altes, jrdensall# etwas. waS man nicht alle Tage er­lebt, hier vvrg? ährt zu haben Der grohe Saal war stark besucht.y

Das Talent.

Der Junge hat Talent, er ist ein Talent solche Sätze lind uns ganz geläufig, ohne datz wir Räheres über das Fremdwort Talent zu sagen wissen Der Gebildete weih aber, datz bei den alten Griechen ein Talent eine gewisse Summe Geld bedeutete, bie nicht au-geprägt. nur abge­wogen wurde: dies geschah natär.ich auch n.cht im täglichen Verkehr, der im Altertum sich eben­so wenig mit Goldwaagen zu schaffen machte, wie in der Reuzeit. Man oechnete mir nach Talenten trr.c heute der Engländer nach Pfund. Eigentlich war etn tÄUnton eine Waage, dann daS Ge­wogene. ein Gewicht und weiterhin bie jenem Gewicht entsprechende THenge edles Er; Bei Homer wird unter Talent eine kleineicnge goldener Geräte unb Schmuck^ achen von besti nm- tem Gesamtgewicht verstanden Din TaleM 6:1- ber war etwa 4730 Mark, da# Goldtalent das Zehnfache, doch schwankte der Wert in den ver­schiedenen Zetten Hn». die to.r mit Schiller von schwankenden Charakteren sprechen ift ein schwanckende» Talent sinnlos, für uns i't Talent Icbiglid) von der Datur zugeterlte Dcrstesgabe, Äunftgefchick: wir haben den emftigen Begriff völlig aufgegeben, dafür lasten wir mit Goethe ein Talent sich in der Stille bilden Der Be- deutungsübergaTtg hat sich erst im 17. Zahr- hunderi völligen, wohl unter Gmtotrtung des französischen takot; doch tonnte man noch 1750

Montag, 17. Ottober 1927

rut unb von ihnen bie Antwort erhalten will, datz feine 5vi:ibe den Lan>e nur Böses g<:^n ixitter. unb alle bte'e Beamten jeg. a>. j guc totrb hier tu einem Ne en Kabinettstück e.n- dnngllch pi. t.'chcr M. nschenscht.derüng ant- »orte irtoibiflt. bx he [mb, .m C;:uw chres .^<-77 - bis auf e ien her zu te»richt tX k e unauSgtlproben« Absicht Pv n. are# zu ver­stehen

Zn bie*cm Buch offenbart sich w r2»ch ein gut Teil der Strömungen tue beult tn Fvinkneech .egenernanber ringen, es zeigt bx-n Äampf zwi- 'chen PvtncariiSmus und ^n!»elok.s.nue. es stellt hir wie und warum der Geist des De.ck- mrlredncrs etnfttoeilen noch hegt Poincarv hat sich übrigens selbst mit völliger Anerkennung Diraudoul tn diesem HrmanpcrtTÜt wte.<.er-

Ttcbe auf biee# Thema p rächt und gchol't, der Deriasser werde es noch einmal b? uern» Ihn so ;icf in die Hölle geftvtz.m zu ha.-.-n

Es kpricht für di- unoe-ne Echi »e.! p.-et Ginudouff' Etz^rokterist!. datz b.efe .niig aud> der Poincare des Romans getan haben könnte e» »pricht für Prlnc?o-s gn-' ' en E<>y-r. inn datz er et»g unbek r.-ir bkiben wird und wir können hinzufugen, datz er bi# heute keinerlei Anstalten getmtz m b u die Giraudour etwa bedauern lassen könnten. bw\4 Buch geschrieben zu haben

Ein vorbildliches oberhessisches Heimatmuseum.

8 Schlitz. 16. Ott. Dem von bter chie- denen Ob.rp> rrer Änot»t jetzt er ten Pf.-r^er hmfen, datz unser alter ärnliches. tmr' j : '' es it.btdxn wie einst als Haupt stad: der Graf­schaft Schlitz auch heute noch der Ätot. r u;tri- punkt des Schützer Landes ein lehr wert­volles Heimatmuseum bat Es to rbc '->r etwa zwei Gahrsi in der Hin« erburg en- gerichtet und ist in dieser kurzen Zett em Haupt­anziehungspunkt für die Bo ucher unserer B rj« stadt geworden vor allem auch für die ^tlz» fchltrser Äurgäfte. von de- en kaum eine ' t Rachmittag»auSslug nach Schlitz versäumt, um dort u. a Sehenswerten un Museum auch cm klares Bild von dem Äulturl'-lxm des Schiin r- lande# zu gewinnen Da# Äulturgeschichtliche ist die starke Seite des hiesigen Hei'i>atmu'eums. Erdgeschichte und Vorgrichichte sind bis letzt Da- gegen noch verhältniem.'f.ig smwach Datz auch. tvaS freudig begrübt wird, d.e ;n- heimischen der Rougrundui g ihre ganze Auf- merffemfeit schenken, zeigt die reichhalfg- O.fto von Geschenken und Leihgaben, die neu euch zur Bereicherung der Sammlimgen von hie la a Bürgern unb auswärtigen Freunden in s.hc stattlicher Zahl ein gegangen sind. Diese Gaden beweisen aber auch weich grotze Schätze kultur­geschichtlich wertvollen Heim.ttgute» tivch allent­halben in alten .Rumpelkammern" oder sonstwo auf bewahrt Unb unb zu neuem Leben hervor- geholt werden wenn erst einmal H imatllmi unb Heimat stolz zur Betätigung ancevc.;t sind, tote es hier durch den rührigen MuseumSa --schuft stän­dig geschieht. Unter ben neuen Gaben befinden Itdi sehr wertvolle Gegenstände, n. a rin von Lehrer Oswald sBad-Rauhennl grichcmkter . Sltuatton#plan unb Grundrih der Dr-nze-t zwi­schen dem Drällich Goerzischen unb Fuldifchen Gebiet". Odgemälbe der He-.mat von dem Bev- Imer Äunftmaler Heil, einem g borerxm Schi in er, alte Bibeln von 1700 und 1718 unb vor allem einige von Äaufmann 3. Schilling geriehene .Schwebische D oe r tze t a l eri°. Die letz­teren. bie bei ben MünzfMnmlem hoch im Wei.e stehende Objekte sind, erinnern an den Georg Hrch. von Goertz. als Minister ÄarU XII von Schweden unter dem Ramen .Schwed.-n goery" bekatrnt, der am 13. März 1719 als ein Opfer der Unternehmungen seine» Herrn auf dem Schafott in 6:o<fho(m sein Leben enden mutzte. Die Goeryetaler sind kupferne Wertzitchen, die durch königliche Verordnung den Wert eines Cnlbertalere erhielten So ist unler H e i m a t - mufeum auf dem besten Wege sich zu einem der schönsten hessischen Lokalrnuseen auSzu- wachsen und tn feiner Einrichtung vvrbilbli ch für andere hessische Landstädtchen zu werden,cktie

schreiben: .Der Herr hat dem einen etn Talent verliehen, etn anderer hat etwa nur ein Sech­zehngroschenstück bekommen" Der Gegensatz saht das Wort Talent nach seinem Geldwert, der Gedanke geht aber auf bie geistige Begabung wie in bet Dleichniserzählung tzer Evangelien Matth. 25. 15 hat bet gute Änechi nach der Ursprache mit den anvertrauten Talenten ge­wuchert: Luk. 19. 10 setzte Luther für das grie­chische Wort (Mine) das Lehnwort Pfund ein, weil diese» seinerzeit noch al# Geldeinheit ver­traut war: daher haben wir noch die Redensart: mit seinem Pfunde wuchern: ber in Schiller- Räubern zuerst auitretenben Wendung sein Pfund vergraben wohnt dirielbe Ded-euttnm i: ne: -tüdert lDeham Sonette) sagt treffltch Der Mann ist wacker, ber. fein Pfund benutzend, zum Dienst deS Dateriarrds kehrt feine Äräfte. So hat fett Luther Pfurrd (onm lateinischen pondo. drin Ge- w'cht nach) die Bedeutung ge.ftiqen Gutes die tm bibli-chen Sprachgebrauch das W?rt Talent bat Wenn wir kiese» Wort ebenfalls von D istes- gaben verstehen, so geschieht es nich? auf Grund alter Entlehnung, sondern einer tvuen aus dem Italienischen oder Französ.schen, deren H raang noch nicht f eftgeftellt ift. C. M.

Paul Hey 60 Jahre alt.

Der Münchener Maler unb Illustrator Pau! Hey begeht am 19. Oktober in der Stille be# Landlebens fDanting br. München) wo er sich eine nem bescheidenen unb be'chaulvchen Wei en entsprechendes Dase.n geschallen hat, fr.ncn 6 0. Geburtstag Geboren zu München, bil­dete er sich an ber borr.gcn Akademie al» Schüler von W. Diez unb Löstet zum Maler aus. Sein hervorragendes technstch<s Äönren. ver» bunden mit der Vielseitigkeit ferner künstlerischen Beobachtung, führte ihn früh ins Gebiet der Illustration wo er eine äuherst fruchtbare Tä­tigkeit entfaltete Seine tm testen Sinne volks­tümliche Äunst hat sich zahllose Freunde erwor­ben die dem meisterlichen Malerpoeten sicherlich roch lange Jahre reichen Schaffens wünschen toerben.