tritt die Unmöglichkeit einer Abrüstung. Da der bleibe im Hintergrund aller pazifistischen Utopien die nüchterne Erkenntnis, daß nur die eigenen Waffen eine Sicherheit geben. Dasselbe kann man auch aus dem Munde von oppositionellen Abgeordneten hören. Mussolini hat also leichtes Arbeiten, wenn er die öffentliche Meinung für seine These einspannt: Bereite dich auf den Krieg vor, wenn du den Frieden haben willst.
Da der Versailler Vertrag eine Reihe von Absurditäten gebracht hat, die auf diplomatischem Wege nicht wieder auf die Basis einer vernünftigen Realität zurückgeschvben werden können, so glaubt man in Italien, daß erst nach einem weiteren Klärungskrieg und einem ganz anderen Friedensschluh mit einer langen Periode tatsächlichen Friedens gerechnet werden kann. Auch hierin deckt sich die öffentliche Meinung in Italien mit der in der HrmmelfaHrtrede und ihrer Anspielung auf den „Kreuztveg für Europa in den Jahren 1935 bis 1940“ ausgesprochenen Auffassung Mussolinis — trotz aller Kritik an der Opportunität dieses offenen Ausspruches.
Das diesmalige Genfer Programm interessierte Italien wenig. Danzig und die Herabsetzung der Besahmrgstruppen sind Probleme, die außerhalb seiner eigenen Interessen liegen. Man meint, die Frage der Besatzung erledige sich in wenigen Jahren ja sowieso und das Danziger Problem könne mit Genfer Flickarbeit nicht überdeckt werden. Seine Absurdität sei so augenscheinlich, daß jeder Versuch diplomatischer LImschreibung die Unzulänglichkeit der Genfer Methoden nur noch schroffer ins Licht stelle. Es interessierte hier nur der englisch-französische grundsätzliche Unterschied in der Bewertung der Besatzung: Die französische These von der Besatzung als einem Instrument der frmrzösischen Sicherheit und die englische des Mittels zur Erfüllung des Versailler Vertrages und des Hinweises an Frankreich, daß dessen territorialer Schuh lediglich im Locarnoabtommen fuße. Hier deckt sich die italienische Auffassung mit der englischen, was insofern von Bedeutung ist, als Italien an der Besatzung nicht teilge- nom m en hat, wohl aber eine der Signatarmächte des Locarnoabkomtnens ist. Frankreichs Sicherheitswünsche werden hier als die Ursache aller Versuche eines Ostpaktes oder eines Balkanlocarnos angesehen, die beide mit einem italienischen Wider st and zu rechnen haben. Der Ostpakt würde bei den unhaltbaren tatsächlichen. Verhältnissen wieder auf einer Fiktion fußen, die jeden Augenblick durch Lebens- notwendigkeiden umgestürzt werden könnte. Diel Weniger noch entspricht den italienischen Interessen ein Balkanlvcarno, das in erster Linie Jugoslawiens Einfluß als Hauptmacht der Kleinen Entente stützen würde und von dem man ein Auf leben des französischen Einflusses an der Donau und auf dem Balkan: fürchtet.
Deshalb verfolgt man auch mit Mißtrauen die angekündigten vertraulichen Besprechungen zwischen jugoslawischen und bulgarischen Staatsmännern in Gens, die die Einbeziehung Bulgariens in den Interessenkreis der Kleinen Entente zum Zweck haben. Hinter allen Fragen einer Vergrößerung oder Umgestaltung der Kleinen Entente steht das Schreckgespenst einesZweifrontenkrieges. Berechtigt oder nicht — es ist jedenfalls eine Tatsache, daß di« italienische Politik von dieser Besorgnis beeinflußt ist.
Weiter interessiert Italien dreMandats- frage. Stand sie auch nicht offiziell aus der Tagesordnung, so bleibt man immer mißtrauisch. Die italienische Auffassung geht dahin, daß D e u t s ch l a n d als Mitglied dÄ Völkerbundes wie jede andere Macht das Recht auf einen Sitz in der Mandatskommission hat, die lediglich ein Kontrollorgan der Ausübung eines Mandates ist, und nicht Wer eine Mandatsübertragung zu entscheiden hat. Ferner hält man das Mandat selbst für ein V e rw a lt un gs m an- d a t und nicht für einen Besitztitel, wie neuerdings englische Staatsmämrer betonen. In diesen beiden Punkten stimmen Deutschland und Italien überein, eine weitergehende Verständigung, vor allem in betreff eines deutschen Mandates ist von keiner Seite angestrebt worden. Diesbezügliche französische Meldungen hatten Wohl nur den Zweck, Mißtrauen gegen Deutschland und Italien zu säen mit dem Hintergedanken, ein italienisches Demertti zu provozieren um es gegen Deutschland auszunuhen. - Ein offizielles Dementi ist nicht erfolgt, es veröffentlichte nur das „Giornale d'Italia", das heute der Regierung sehr nahesteht, einen von seinem Direktor D. Gahda signierten Leitartikel zu der Frage der Mandate, in dem die oben skizzierte Auffassung mit dem Ausklang näher ausgeführt wird, Deutschland selbst denke Wohl zunächst nicht an ein Mandat, sondern werde sich mit einer wirtschaftlichen Durchdringung der Kolonien und Mandatsgebiete begnügen. Wenn allerdings eine neue'Mandats- Verteilung in Frage kommen sollte, dann müßte das beim Friedensschluh leer ausgegangene Italien seine Vorrechte geltend machen. Schon um deswegen, da der Bodenreichtum des eigenen Landes weit hinter dem Deutschlands zurückstehe und einer Ergänzung durch Kolonialbesitz dringend bedürfe. Auf Mandate aus deutschem Kolonialbesitz legt Italien kein Gewicht. Die italienischen Wünsche gehen nach Tunis und auf den Ausbau seiner Kolonien am Roten Meer. Richt ganz klar liegen die Verhältnisse bei einem vielleicht möglich werdenden Mandatswechsel in Syrien. Die italienische Presse hat die Verfolgung der syrischen Versuchsballons, die immer 'roieber in französischen Blättern aufsteigen, vermieden, auch dann, wenn ihre Fahrt in Richtung London ging.
Kreis Alsfeld am 1. September: 32 Hauptunterstützungsempfänger, 74 Zuschlagsempfänger (1. August: 18 bzw. 41).
Kreis Lauterbach am 1. September: 20 Hauptunterstützungsempfänger, 37 Zuschlags- empfänger (1. August: 20 bzw. 26).
Kreis Schotten am 1. September: 12 Hauptunterstützungsempfänger, 18 Zuschlagsempfänger (1. August: 11 bzw. 23).
Insgesamt am 1. September: 274Hauptunterstützungsempfänger, 473 Zufchlagsempfänger (1. August: 300 bzw. 683).
Krisensiirsorge-Empfänger:
Giehen-Stadt am 1. September: 35 Hauptunterstützungsempfänger, 41 Zuschlagsempfänger (1. August: 38 bzw. 64).
Kreis Gießen am 1. September: 34 Hauptunterstühungseinpfänger, 43 Zuschlagsempfänger (1. August: 39 bzw. 62).
Kreis Alsfeld am 1. September: 4 Hauptunterstützungsempfänger, 11 Zuschlagsempfänger (1. August: 4 bzw. 12).
Kreis Lauterbach am 1. September: 3 Hauptunterstützungsempfänger, 3 Zuschlagsempfänger (1. August: 3 bzw. 3).
Kreis Schotten am 1. September: 3 Harchtunterstützungsempfänger, 2 Zuschlagsempfänger (1. August: 3 bzw. 3).
Insgesamt am 1. September: 79 Hauptunterstützungsempfänger, 100 Zuschlagsempsänger (1. August: 87 bzw. 144).
* Gin Auto-Zus am men st oh ereignete sich gestern abend gegen 7 ilhr in der Marburger Straße/Ecke Wiesecker Weg. Dort fuhr ein Auto von Heuchelheim, das aus der Richtung Wieseck kam, einem auf der Fahrt nach Marburg befindlichen Auto in den Dorderwagen. Der Anprall war so heftig, daß der Insasse des Heuchelheimer Wagens herausgeschleudert wurde licherweise kam der Mann ohne ernste Verletzungen davon. Durch den Zusammenstoß wurden beide Wa^en schwer beschädigt, so daß einer abgeschleppt werden muhte, während der andere in eine Auto-Reparaturwerkstätte eingeliefert wurde.
** Unfall auf der Wetzlarer Sophien- Hütte. Der seit langen Jahren auf der Sophien- hütte der Duderusschen Eisenwerke in Wetzlar beschäftigte Drechsler Jakob Dittert erlitt gestern dadurch einen schweren Unfall, daß er mit einer Holzlatte dem noch im Schwünge befindlichen Aufspannkreuz seiner Drechfierbank zu nahe kam, wodurch er sich eine schwere Bauch- verlehung zuzog. Die sofort im Wetzlarer Krankenhaus vorgenommene Operation ist erfreulicher- weise gut verlaufen. Das Befinden des Verletzten ist zufriedenstellend. Dittert ist seit langen Jahren Witwer, seine beiden Söhne sind auswärts beschäftigt.
Buntes Allerlei.
Der Uleifferbieb auf Krücken.
2lls den gefährlichsten und geschicktesten Taschendieb Londons schildert ein Kriminalist in einem englischen Blatt einen Mann, der auf Krücken geht und der Führer der größten Bande von Taschendieben ist, die man seit vielen Jahren beobachtet hat. Man nimmt an, dah er nicht nur die jungen Leute, die er beschäftigt, ausbildet und beobachtet, sondern daß er selbst durch seine erstaunliche Geschicklichkeit die reichste Deute macht. Als Feld seiner Tätigkeit wählt er sich die größten Bahnhöfe aus. Die Diebe seiner Bande befinden sich stets unter den Menschenmengen, die sich zu den Omnibussen drängen oder die bevölkertsten Untergrundbahn-
Unser aller Borbild.
Von Dr. A Stegerroald, preußifcher Ministerpräsident a. D.
Jedes Kulturvolk hat eine Reihe großer Männer. Ihr Wirken bedeutete geradezu die Kultivierung des Volkes. Aber jedes Volk hat nur eine geringe Anzahl von großen Männern, an denen es schon zu deren Lebzeiten hangt. Und warum hängt es an ihnen? Weil sie der Ausdruck seines Wesens, weil sie selbst ein Stück Volk sind, weil sich daS Doll sozusagen in ihnen widergespiegelt findet. Und dieses deswegen, weil solche Männer des Volles schlechte Eigenschaften vermissen lassen, die guten Eigenschaften aber an ihnen in besonderem Maße erprobt wurden und sie diese Pröbe beftanben haben.
Das deutsche Volk hat, wie jedes andere Voll, gute Eigenschaften, und es hat schlechte Eigenschaften. Zu feinen guten Eigenschaften gehören feine physische Kraft, sein Unternehmungsdrang, fein Hang zum geistigen Erfassen der ganzen inneren und äußeren Welt, sein Fleiß, seine Gründlichkeit, seine Zähigkeit, seine Schicksalstapferkeit, sein Gemütsreichtum, ©eine schlechten Eigenschaften sind sein Hang zur Maßlosigkeit, zur Ueberheblichkeit, zur Ueberschähung des Materiellen, zri Reid und Mißgunst. Und diese guten und schlechten Eigenschaften find gleich- zeifig in allen Schichten des Volles vorhanden. Hindenburg aber hat durch fein langes Leben, durch sein Tun in ällen Jahrzehnten, die hinter seinen Kinderjahren liegen, Fleiß, Beharrlichkeit, Gründlichkeit, Pflichteifer, Treue und Gottvertrauen bekundet. Er konnte etwas leisten, wurde verkannt und erlahmte nicht. Er hat Erfolg gehabt und wurde nicht stolz dWei. Er hat Unglück über sich und seine Sache herein» brechen sehen, wie es nur selten in der Weltgeschichte sich abgespielt hat, und zerbrach selber nicht. Er sah die Regierenden verzagen und verzagte selber nicht. Er sah die Mafien sich aufbäumen in Elend und Wut und blieb gelassen. Er sah Treulosigkeit um sich herum und blieb seinem Volke und sich selber treu. Er sah
Haß auflodem und haßte nicht einmal die Feinde im Felde. Der geschlagene Sieger deS Weltkrieges führte — welche Tat! — in männlicher Besonnenheit die zurückwogenden Heere ind Land heim, leitete die Demobilisierung und blieb unverbittert unter seinen verbitterten, erschreckten, zusammengebrochenen, kummervollen, ordnungsuchenden Landsleuten. Welche Dchick- salstapferkeit! Welches Dollsvertrauen! Welches Gottvertrauen! Das wieder gekräftigte Voll ehrte ihn durch Ehrfurcht, aber es stritt sich über seine Geeignetheit zum Präsidenten der Republik. Mit geringer Mehrheit gewählt, nahm der Betagte die Wahl — man kann heute ruhig, sagen, aus innerer Verbundenheit mit seinem Bolle — an. Er folgte den: Rufe der Mehrheit dieses Dolles und leistete ihm mit 78 Jahren den Schwur der Treue in die Hand eines politischen Gegners.
Und settdem ist er das Symbol für den guten Geist dieses Volkes und das Volk ehrt sich, indem es ihn ehrt. Wie alle großen Männer, die das Voll als fein eigenes Symbol liebt unb ehrt, reiht er es nicht zu großen, einmaligen Ttten hin, sondern er hilft ihm zur Reife durch die Stetigkeit und die reine Wärme feines Wesens. — Edcl sei der Mensch, hilfreich und gut; diesem einfachen, erhabenen Worte unseres größten Dichters lebt der alte Präsident unserer Republik nach, der er ebenso ohne Falsch ergeben ist, wie er auch der größte und treirefte Diener des kaiserlichen Deutschlands war.
Und es stimmt ganz mit seinem Wesen überein, wenn er den Drang des Volles, ihm zum 80. Geburtstag eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen, in der Abwendung von Rot und Bedrängnis von Kriegsteilnehmern, Kriegerwitwen und Kriegerwaisen sowie der durch die Inflatton Verarmten bestätigt sehen möchte. Erfreuen wir den Getreuen und uns sslbst durch reichliche Erfüllung seines edlen Wunsches!
Jedenfalls würde eine französische Zustimmung zu einem solchen Mandatswechsel nur mit der Zustimmung zur französischen Entnationalisie- rungspolitik in Tunis zu erlaufen sein, von der 120 000 Italiener von drei zu drei Monaten, bedroht sind. — So kann man abschließend urteilen, daß die Mandatsfrage zu keinem deutsch-italienischen Gegensatz führen dürfte.
Ans der PrsviMalhauMM.
Gießen, den 17. September 1927.
Der Sonntag.
Abendgang durch die erhellten Straßen. Lichter spiegeln sich auf den regenfeuchten Steinen, aus erhellten Räumen flingen weiche Geigentöne, die sich zu einer fremden, sehnsuchtsreichen Melodie aufbauen. Die sonntagsstillen Straßen werden belebt, alles zieht dem entschwindenden Feiertag nach, eine letzte Stunde suchend, die vielleicht noch das bringt, was man vom Tage erhoffte. Sechs Tage Arbeit, sechs Tage voll Sehnsucht auf diesen einen Feiertag, man wünschte und wollte ... und der Tag war grau, der Regen schlug ans Fenster, man sah und träumte In den verschleierten Himmel. Oder man suchte unter Menschen den Sonntag, und sie waren alle so fremd, und die Musik schluchzte zu allen ihr Lied, und auch aus seinen Tönen klang die Sonntags- sehnsucht der Herzen.
Lind nun ist es Abend. Die Lichter flammen auf, rufen zu irgend einem Vergnügen, täuschen irgend etwas vor, man sucht unb findet nichts. Die Menschen haben meist müde Augen, nur wenige sind es, die mir entgegenkommen mit lachenden, daseinsfrohen Gesichtern. Sttäuße von Dahlien und letzten Rosen im Arm. Sind jetzt abgespannt vom Sage, den sie irgendwo in einem kleinen Dorfe verlebten, wo sie nur auf das hofften, was sich erfüllte: Raturverbundenheit. Sie wandern fröhlich ihrem Rachhause zu, im Erzählen alle Stunden wieder erlebend, und gehen morgen mit frischen Kräften in ihren Arbeitstag. Wir anderen aber? Suchen den Sonntag dort, wo er nicht ist. Vielleicht muß ma,n ihn in sich tragen und findet ihn dann überall. Im Liede des Regens, in den Spiegeln der Lichter, in jedem Geigen ton.
Der Abend wird zur Rächt, in der Stille hält man Zwiesprache mit seinem Herzen. Der Sonntag aber versinkt in das Meer der Ewigkeit.
Sonia von M a s s o w.
Die ArdeilsmarkLlage im nördlichen Sberhessen.
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im nördlichen Oberhessen (Stadt und Kreis Gießen und die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten) hat sich auch im Laufe des Monats August noch etwas weiter gebessert, wie aus den nachstehenden ziffernmäßigen Angaben im einzelnen ersichtlich ist. Das Baugewerbe und die Landwirtschaft benötigten nach wie vor eine erhebliche Anzahl Arbeitsttäste, ferner gelang es, weitere Leute in der Industrie unterzubringen. Im einzelnen ist ziffernmäßig über die
Erwerbslvsensürsorge folgendes zu berichten:
Giehen-Stadt am 1. September: 163 Hauptunterstützungsempfänger, 296 Zuschlagsempfänger (1. August: 173 bzw. 501).
Kreis Giehen am 1. September: 47 Hauptunterstützungsempfänger, 48 Zuschlagsempfänger (1. August: 78 bzw. 92).
Rationen beleben. Als Opfer erküren sie sich hauptsächlich Reisende oder Ausflügler, weil sie annehmen, daß sie größere Geldsummen mit sich tragen. Der Meisterdieb scheint seine Krücken nur zu dem Zwecke bei sich zu führen, um sich sein Geschäft zu erleichtern. Er rechnet mit der Tatsache, daß es immer gutmütige Menschen gibt, die Krückenträgem beim Besteigen eines Gefährtes helfen. Wenn ihn jemand in den Omnibus oder in den Zug hilft, dann findet er die beste Gelegenheit, um ihn zu erleichtern.
Die Spinne als Barometer.
Die Bauern haben bekanntlich seit uralter Zeit die Tiere als Wetterpropheten erkannt und richten sich gern nach dem Gesang oder dem Flug der Vögel, nach den Bewegungen der Insekten usw. Der größte Wert aber wird in vielen Gegenden der Spinne zugeschrieben, die man für das beste Barometer hält. Lange unö genaue Beobachtungen der verschiedenen Art, in der sie ihr, Gewebe anlegt, haben zu sicheren Rückschlüssen auf die Witterung geführt. Wenn Wind oder Regen droht, dann verkürzt die Spinne die Fäden ihres Rehes, und sie läht sie so lange in diesem Zustand, wie das Wetter Unsicher bleibt. Wenn dagegen die Fäden lang sind, kann man mit ziemlicher Bestimmtheit annehmen, daß es schön bleiben wird, und aus der Länge der Fäden kann man auf die Dauer des guten Wetters schließen. Wenn die Spinne faul ist und unbeweglich in ihrem Retz hockt, gibt es Regen; macht sie sich aber an die Arbeit, während es regnet, so kann man daraus schließen, daß der Regen nur noch kurze Zeit dauern wird und daß es bald schönes Wetter gibt Wenn die Spinne noch gegen 6 oder 7 Llhr abends Veränderungen an ihrem Gewebe vornimmt, dann kann man mit einer schönen und klaren Rächt rechnen. Der Landmann glaubt daß diese Voraussagen der Spinne sicherer und genauer sind als jedes (Barometer, aber freilich bedarf es dazu einer scharfen Beobachtung der Tiere und ihrer Arbeit.
Mussolinis stampf gegen die Wucherer.
Die Besserung der Lira hat eine Herabsetzung der Preise notwendig gemacht, die von Mussolini und seiner Regierung mit vorb.ldlicher Energie durch geführt wird. Keiner, der das Volk übervorteilt, mag es nun ein Kaufmann oder ein Hauswirt fern, hat auf Gnade zu rechnen. Jede Verfehlung gegen das Wuchergesetz kann dem nächsten Schutzmann gemeldet werden, der sofort einfdjreitet; ja, der Bürger ist sogar im Interesse des Allgemernwvhls verpflichtet, sofort Anzeige zu erffatten. Die Prozesse, in denen gegen Wucherer verhandelt wurde, waren zunächst überaus zahlreich. Als aber die Schuldigen die ganze Strenge des Gesetzes traf, haben sie bald abgenommen. Die Wucherer zittern jetzt so vor den Gerichten, daß sie bei einer drohenden Klage lieber ihr Hab und Gut im Stich lassen und flüchten. All- wöchentlich oder alle 14 Tage werden Tafeln ausgchängt, die die Preise in den wichtigsten Rahrungsmitteln angeben, und wer diese Preise überschreitet, kommt ins Gefängnis und muß empfindliche Geldstrafen zahlen. Auch wird fein Geschäft zeitweise und im Wiederholungsfall dauernd geschlossen. In allen Läden trnirbe, nachdem der Wert der Lira gestiegen war, eine Preisherabsetzung von 10 Prozent ungeordnet. Die meisten Kaufleute richltten sich danach, und man zahlte den festgesetzten Preis „weniger 10 Proz.". Manche Geschäfte setzten ihre Preise herab und mußten das auf Rat der Polizei in den Schaufenstern durch Plakate bekanntgeben. Ein Florentiner Kaufmann suchte dadurch die Preishevab- setzung zu umgehen, daß er alle seine Waren um 10 Prvz. höher auszeichnete. Ein Käufer, der einen Gegenstand für 20 Lire erstand, fand aber die frühere Auszeichnung mit 18 Lire, Me versehentlich nicht entfernt war. Eine daraufhin erfolgte Klage zog die Verhaftung des Geschäftseigentümers nach sich: er wurde zu Gefängnis und einer großen Geldstrafe verurteilt und fein Laden für unbestimmte Zeit geschlossen.
Rundfunk-Programm.
Sonntag, 18. September.
8 bis 9 tthr: Qllotgenfeier, veranstaltet von den Chören der Christus!irche. 11 bis 11.30: Elternstunde: „Dgs unverstandene Kind", Vortrag von Mittelschullehver P. Grupp. 11.30 bis gegen 15: Alebertragung von Tannenberg: Einweihungsfeierlichkeiten des Tannenbcrgdenkmals. 11.30: Begrüßung des Reichspräsidenten von Hindenburg durch General Kahns, d. Bors. d. Denkmalsausschusses, unb Erwiderung des Reichspräsidenten. Daran anschl. bis 13: Marschmusik. insbesondere Parademärsche von Truppenteilen, die bei Tannenberg gefochten haben. 13.30 bis 13.50: Feldgottesdienst. 14: Posaunenchor im Innenraum des Denkmals, ile&ergabe des Denkmals an den Reichspräsidenten und Antwort des Reichspräsidenten. 14.30: Sängerchor des Sängergaues Tannenberg. (Die gesamte Veranstaltung wird durch eine Schilderung umrahmt, die ein Sprecher von dem Festbllde, dem Denkmal und dem Schlachtfeld gibt.) 15 bis 16: Die Stunde der Jugend. 16 bis 17: Konzert deS Sängerquartetts Schwalbach i. T. 18 bis 19: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung. 20.30: Der Karneval in Rom. Operette in drei Akten von I. Braun. Musik von Ivh. Strauß. Anschließend bis 0,30: Tanz- programm.
Montag, 19. September.
16.30 bis 17.45 Ähr: Konzert des Haus- orchesters: Die Oper der Woche. 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. 18.45 bis 19.15: .Die Erzählungen des indischen Leichendämons", Vortrag von Dr. Ludwig Harald Schütz. 19.15 bis 19.30: Englische Literaturproben. 19.30 bis 20: Englischer Sprachunterricht. 20 bis 21.30: -lieber» tragung von Kassel: Klavier-Abend. 21.30 bis 22.30: Frankfurter Mundartdichtung.
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