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17.2.1927
 
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Nr. 40 Zweites Blatt

Leidenschaft derVernunft.

An die deutsche Jugend.

Don Albert H Rausch ("Berlin), n.*)

Unübersehbar sind die Ausgaben der deut­schen Republik. Wer an Ihnen mitwirkt. muh sich garu für sie einsetzen. <M wird ihm keine 3etl bleiben, unwiderbringlich Verlorenem nach­zutrauern. 3n bet Fülle dieser Arbeit, die. um aus das Drohe hinzuwirken, auch das schein­bar Rebensächliche nicht übersehen bars, liegt da« geheiligte Vermächtnis des Krieges. Wie klein vor der unendlichen Sendung des deutschen Volke- wirkt bas widerwärtige Deklage aus- gestörler Pfründner um ihre satte, unfruchtbare Behäbigkeit! Welche wundervolle Berufung er­wächst wollender Jugend auS einer Zukunft, die so sehr der Gestaltung harrt! Allerdings: ein Leben voll groher Mühe, vielleicht voll grober Verzichte: aber wie reich durch bas Wissen, bah jede- Wirken für die Formung de4 neuen Deutschland zugleich ein Wirken fein wird für die grvhere Einheit, die sich zu neuer Prägung meldet Europa.

Solltest du nicht fähig sein, au erkennen, deutsche Jugend. daß ohne Deutschlands Kraft die Kraft der toirfenben Mitte Europa niemals werden kann? Und bah. wenn es sich nicht zu bewuhter und geschlossener Einheit er­hebt, bas Abendland wirklich zerfallen muh: nach dem gleichen Gesetz, nach dem das Helle­nische Reich zerfiel, weil verblendeter Ehrgeiz seiner beiden größten Mächte sich nicht in höhere Bindung fand?

Man sagt euch: Europa ein Hirngespinst! Fetisch der MenschheitSbuselei Mischmasch ewig feindlicher Rassen Deute der Juden - Waffe der ganz Durchtriebenen, welche die "Völker mürb und unbrauchbar machen wollen zu jeder groben nationalen Tat. um sie desto besser auS- oeuten zu können.

Und ihr. die Dumpfen, "Befangenen, Ur­teilslosen, die Arbeit nicht fepenb, die euch schon vis in baS Innere deS Augapfels wuchs: ihr glaubt diese HinterwälderweiShcit, findet den Mut nicht, nicht "das laute Lachen, diese Sturen und Starren in die Höhlen ihrer Dummheit zurückzuweisen, mit dem einen beglückenden und gläubigen Rus: .Wo ein Wille ift, da ist ein Wea! Wenn wir dieses Europa wollen im Geiste deS Aufstiegs, wie er unS beseelt: wir. die Gungcn, die Morgigen, die Zukünftigen: so wird es werden, über hunderttausend Hinder­nisse hinwea, die euch Verbrauchte, doch nicht unS Unverbrauchte schrecken können! Welchen schöpferischen Geiste« Gewalt hätte sich nicht von je an Widerständen neu entzündet? 11 nb wem, der glaubt, wäre nicht Kamps für seinen Glauben Ausdruck dieses Glauben« selbst? Kampf, wie wir thn meinen, ist nicht Krieg von solcher Art. wie ihr ihn predigt, ist nicht bewußt her- beigeführte Vernichtung ebenbürtigen Geben«: Kampf ist Erweckung toter Energie, Verwand­lung unfruchtbaren Stoffes in fruchckaren, der sich zum Bundesgenossen auswächst und helfend mitfchwingt in dem großen Umtrieb. Wenn etwaS Zwang, nicht Traum, Rotwendigkeit im letzten schicksalhaften Sinne ist: So ist eS dieses: Euro da, und arme Rückwärtsträumer. Der- aangenyeitsfantasten bleiben alle, die nicht die herrischste Forderung der Zeit alS schon be­gonnene Wirk! i ch k ei t sehen können l"^

Sv solltest du sprechen. Jugend Deutschlands, und immer dessen gedenk bleiben: lein Dom entsteht, den nicht inbrünstiger Glaube will. Die Baumeister aber entwachsen in Scharen der Scholle, die die glühende Saat dieses Glau- ben« befruchtet. Roch nie ward Tat, wenn nicht verlangender Deist befahl!

Neigt euch hin über die Karte Europas, zieht die Achsen von Rord nach Süd. von Oft nach West: und begreift die Sendung der Mitte in diesem Koordinatensystem, der Milte, die Deutschland ist. daS Reich, in dem der Erdteil atmet. Ruft die Gehirne auf, dah sie nicht mehr In Rationen denken, sondern in Erd­teilen, deren Mutter der eure ist, heute noch Mutter und reiht die lächerlichen Vorbe­halte nieder, die nur Geschiedenes vermerken, wo längst schon Bindung ist!

) Dgl. Nr. 39 desGieß. Änj. o. 16. Februar.

Jur Himmelskönigin.

Von Gustav CD. (3 b er lein, Rom.

Wer den Dianicolo hinaussteigt, um den berühmten Sonnenuntergang über der ewigen Stadt zu erleben, erblickt .nördlich vom Denkmal, am Ende eine« Steineichenganges, ein Epitaph mit einer Inschrift auS Martial IV, 64,11, welche die

verbotene Aussicht von hier oben preist".

"DaS heißt, im Führer steht herrlich, statt verboten. Du wendest also deine vor Spannung federnden Schritte zu dem Leuchtturm, der aus unbekannten Gründen Tag und Rächt sein Blink­feuer in die Stadt spielt, grün, rot, grün, rot, grün. rot. und schaust hinunter. Ein Meer von weißen Würfeln. Die dächerlose, die giganttsche Stadt. Am Horizont Turnte und Berge, dem Auge am nächsten ein kolossaler Polyp. Der braunrote Mittelllumpen ragt etwas aus dem Meere heraus und die Fangarme greifen nach allen Seiten in die Häuserscheusale wie in einen Hausen schmutziger Krabben. Wie fast geschlos­sene Augen sehen die Saugnäpfe aus, nur dah die Lider von unten heraufwachsen und oben einen Spalt nur so schmal freilassen, dah nie ein Sonnenstrahl in diese Augen fällt. Wan denkt an die Fenster eine« Zuchthauses. Du stehst zwischen dieser bellemmenden Aussicht und Garibaldi, der als Freiheitsheld von seinem (7 Meter hohen. 1895 enthüllten Plan A 6) Stand tapfer und unbekümmert ins Weite blickt, suchst die eiligen auf dem Lat--

»Bitte weiter gehen. Die Aussicht Ist hier verboten!"

Es ist durchaus unnütz, dich auf deinen Führer zu berufen. Die malerischen Zwillinge mit dem Dreispitz bleiben unerbittlich höflich. Befehl ist Befehl. Der Engländer neben dir, frei von der deutschen Sucht, allen Dingen auf den Grund zu gehen, fragt nicht lange, wieso und warum, sondern zückt feine Kamera, knipst den Polypen einmal, zweimal, und geht weiter.

An dem Aeuheren des Polypen, des Zellengefängnisses, hat sich, das lärm ich als

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Donnerstag, |7. Zebruar (927

Das redet man euch vor von der Gefährdung nationaler"Belange" (o Wort, o Wort!!), wenn sich die europäische Einheit schüfe? Merkt euch: was der Gefahr erläge, wäre wert ihr zu er­liegen! Recht auf Zukunft hat nur. was sich aus freier Gattung zu teurerer Blüte erhebt. Und toertn endlich über schemenhaftere Gren­zen hinweg (vergessen wir doch nicht, wie leicht die Grenzen schon vor 14 gezogen waren) der Geist bet Völler freier ineinanderflutet, Ecken rundet und wartende Lücken füllt, wenn Döl- kisch-Trennende« zergeht vor Dolkhast-Binden- dem. fo wird die Auferstehung diefes Erdteiles so gewaltig werden, daß nicht einem einzigen mehr Zelt und Lust bleiben wird, geringer Ab­splitterung fraglicher Eigenart nachzutrauern! Und die Menschen Europa« werten sich vor die Stirne schlagen, nicht mehr begreifend, daß der Kraft­aufwand von Jahrhunderten nötig war, zu so bescheidner Leistung der Vernunft!

Run Höri die Aeunmalneun-Gescheitcn: ..Sehr gut. sehr schön! Dock auf welcher Grundlage wollt ihr dieses Europa formen? Wer soll den An­fang machen? Und hätte Deutschland noch fo ehrlichen Willen: wo in aller Welt findet e« Gegenliebe und wirlliche Hilfe?"

Seid mißtrauisch gegen diese Ewig-Mißtraui­schen. denen nie ein Werk gelingen wird, weil sie immer nur die Hemmungen sehen und nie die Möglichkeiten spüren .. weil ihnen jede Witte­rung fehlt für den ..Kairä S", den schicksal- geladenen, entzündeten Augenblick. Zeigt ihnen abermals die Karte, erwägt, auf welcher BasiS einzig und allein daS große europä-sche Ge­bilde ruhen kann: und zieht die West- Ostachse: verbindet Paris mit Berlin, und fragt die Zweifler, ob vor solchem Grund- Bündni«, wenn es mit aller Ehrlichkeit gewollt, mit aller Zähigkeit als letzte Rettung vor siche­rem EhaoS gefchasfen wird, den anderen Völ­kern des Kontinente« noch langes Zaudern und Deifeitestehen möglich bleibt!

Laßt euch nicht Vorreden, in Frankreich seh le jeder gute Wille! Ex fehlt allerdings nicht min­der dort als bei uns, sofern ihr die "Bonzen fragt, die kleinen Cliquen der an Trennung ge­schäftlichInteressierten", die ewig Vorgestri­gen, drüben und hier dieselbe flaue Sorte. Doch fragt den Geist, fragt das schlichte Herz, fragt die Vernunft-Erschütterten, dte alle Ammenmärchen von Erbfeindschaft und cingebor- nem Haß schon längst $um Teufel schickten: und ihr werdet sehen, daß thr nicht allein steht mit eurem großen Europa-Wollen. Und sei der Flügelschlag eure« Verlangens auch schon brei­ter gespannt: sei euer bildender Wille schon um ein gutes Stück weiter vorangeschritten: was verschlägt es euch? Vergeht doch nicht: die größere Arbeit, die Arbeit aus der zeugenden Mitte heraus, sobald eS um das Letzte geht, bleibt euch, den Deutschen, auf jeden Fall. Denn Deutschland ist das große Becken, in dem sich alle Ströme dieses Erdteils fangen, von West und Ost, von Rord und Süd. Ra tätlich werden Hindernisse sein, und immer wieder neue, natürlich wird es Rück- schläge geben, Mißgriffe. Versäum­nisse: entscheidend aber über allem bleibt der Geist, der euch und alle Wollenden beseelt, der Deist, der nie ver­zagt. weil er geboren ist au« der brennendsten Zeit-Sorge: der Sorge um Glück und Frieden eu­ropäischen Menschentum«, weil et die kulturelle Einbeit aller Guropavöller bekennt, deren große, uralte Rährmutter das Mittelmeer ist. weit über die Alpen hinaus nach Rorden und weit hinaus über nur scheinbar trennende« CB lut. Denn Unter­schiedensein heißt ja nicht Feindlichsein: so we- ntg kämpfen sich vernichten heißt. Ewiger Ausgleich: das ist das Grundgesetz gesit­teter Welt. Tod der Gewalt. Wirkung durch edle Stärke.

Krisenstimmung in Paris.

Don unserem Pariser \X' 8.-Berichterstatter.

Kaum ist die .Affäre Briand", die Angriffe der französischen, nationalistischen Presse wegen der Haltung de« französischen Auhenministers auf der letzten Genfer Tagung de« Dölkerbunds- rate« und zur Frage der Rheinlandräumung mit Mühe und Rot beigelegt, da beginnt eine neue Krise über das Kabinett Poincarö heteinzu- brechen. Der Wind bläst von rechts.

alter Römer versichern, die letzten Jahre her nichts geändert, es muh also an den Insassen liegen. Vielleicht hat das Blinkseuer beß Leucht- turm« einem ausgeweckten Zögling, der mög­licherweise im Kriege noch dazu Funker auf einem Kriegsschiff gewesen ist, den genialen Gedanken eingegeben, sich durch optische Signale mit den scheinbar die Aussicht genießenden Fremden zu verständigen. Und eine solche Plauderei kann die Herberge zur Himmelskönigin, wo alle Zim­mer bis auf die Korridore mit politischen Gästen besetzt sind, natürlich nicht dulden.

Regina Coeli, zur Himmelskönigin, ja, so heißt dieser sympathische Gasthof. Das ist sogar sein amtlicher Rarne, während zum Beispiel der Dolks- mund vor einigen Jahren, als nach der Matreotti- geschichte hier die höchsten Herrschaften abftiegen. mit Vorliebe vorn Albergo dei Commendatori sprach. Ein Jahr darauf vertauschten diese Commendatori. ein Ti!el, der etwa dem deutschen Geheimrat entspricht, ihr unentgeltliches Logis teils mit ihren früheren Remtern, teils mit dem gastlichen Boden Frankreichs. Dem Zug nach Paris verdankt die Himmelskönigin seither ihren Hauptzulauf, kam es doch Mussolini so vor. als genüge e« nicht, die fuorusciti, die Flüchtlinge, mit Druckerschwärze zu bekämpfen. Pässe zu ver­weigern und die Grenze mit feinen Schwarz­hemden zu besetzen. Wirksamer ist die Schutzhaft und nach jedem Attentat wälzte sich ein Heer- wurm von Lastwagen voller Häftlinge zu dem Hau« am Tiber, vor dem statt gastwirtschaftlichen Lorbeerkübeln zwar nicht weniger farbenfreudige, ober weniger einladende Derfaglieri stehen.

Mehrere Rächte hintereinander, das sind amt­liche Ziffern, wurden Taufende von Bürgern auS QjrenJBettcn geholt, jede Razzia war ergiebig wie der Fifchzug Petri, die Himmelskönigin kam ein­fach nicht mehr nach. Da gestaltete sie sich zu einem riesigen Sieb um, die Fangarme schüttelten das ganze Zeug, er wurde ungefähr soviel heraus- gelassen, als oben hineingeschuttet wurde. Und die Insassen sind jetzt nicht mehr Commendatori, son­dern größtenteils sowersivi, Umstürzler. Was mit der veränderlichen Zeit zusammenhangt. Ein­mal führt der Umsturz aufs Kapitol, das andere- mal nach Regina Coeli.

Die republikanische Vereinigung, die sich tm Parlament auf die »Gemäßigten" und die Rechte stützt und. der der sehr einflußreiche Pension«- m int ft et tm Kabinett Poincavö Louis Marin angehört, ist vor einigen Tagen zu einer Ver­sammlung zulammengetreten. in der Beschlüsse gefaßt wurden, die in ihrer Zusammenfassung einen scharfen Protest gegen die bisher von Poin- car£ verfolgte Politik der »Zugeständnisse nach rechts und links" bedeuten.

3n der inneren Politik wendet sich vor allem der Gcneralrat der republikanischen Vereinigung gegen die von der Regierung in Aussicht genom­mene Woh 1 resorm (bad Geschenk PoincaröS an die ßinfe) und verlangt die Aufrechterhalt ung de« bisherigen Proportionalwahllvstems. wobei im Hinblick auf die einmal nach rechts, einmal nach link« steuernde Pvlittk des Ministerpräsiden- ten fast höhnisch bemerkt wird, »daß die Grund­sätze bet Partei keinerlei Beeinflussungen durch die jeweiligen Zeitumstände unterliegen. Ein Waffenstillstand, etwa in der Form, wie sie vielleicht auch dem Ministerpräsidenten vor- schwebte. nämlich Verlängerung der jetzi­gen Legislaturperiode des französischen Parlamentes, lehnt die republikanische "Vereini­gung ausdrücklich unb scharf ab. Die Zahl derer, die Reuwahlcn im Frühjahr 1928 mit Rücksicht auf da« langwierige Werk der Frankenstabilisie­rung vertagen möchten, schrumpft damit stark zusammen, da auch die Linke die Verlängerung de« parlamentarischen Waffenstillstandes, wenn auch aus anderen Gründen, bekämpft.

3ntcreffantcr für da« Ausland sind die außenpolitischen Beschlüsse der Partei MarinS, die. wie ausdrücklich betont wurde. Minister Ma­rin in der Regierung verfechten soll. Sie sind nicht nur geeignet, einen Gegensatz Marin-Driand. sondern auch einen Konflikt Marin-Poincarv her­aufzubeschwören. Mit aller Entschiedenheit wird nicht nur. gleichgültig, ob mit oder ohne Vor­behalt, die Ratifizierung des Wa­shingtoner Schuldenabkommens vom 29. April 1926, sondern auch der Churchill- Caillaux-Dertrag vom 12. Juli 1926, der die Zahlungsverpflichtungen Frankreichs England gegenüber regelt, abgelebnt. Ministerpräsi­dent Poincare hat zwar bisyer noch nicht genau die Stellung der französischen Regierung zu den Schuld en ab kommen definiert, er hat bisher auch eine Debatte in der Kammer über dieses Thema vermieden. AuS seinen verschiedener Säuberun­gen läßt sich jedoch erkennen, daß Poincare im Hinblick auf den Widerstand der Vereinigten Staaten gegen eine Revision der Schuldenabkom­men, bereit ist, das Washingtoner Abkommen zu ratifizieren, wobei er wahrscheinlich ver­geblich versuchen dürfte, einige geringfügige Abänderungen durchzusetzen. Dem Churchill-Eail- laux-Abkommen hat bisher der Ministerpräsident keinen Widerstand entgegengebracht. Die überaus schroffe Haltung der republlkanifck^n Vereinigung in der Schuldensrage dürste Poincarä vor große Schwierigkeiten stellen. Poincarv weiß sehr wohl, daß bas Werk der Frankenstabilisierung nur mit Hilfe amerikanis cher Kredite möglich ist. daß die Gewährung der Kredite aber davon abhängig ist, ob Frankreich rati­fiziert oder nicht.

Eine andere Möglichkeit zum Konflikt zwischen der Rechten und Briand liegt in der Behandlung der Rheinlandfrage durch die Parket MarinS. Während der Außenminister ausdrück­lich das Recht DeutschlairdS auf Grund deS Art. 431 deS Versailler Vertrages die Räumung der Rheinland« zu diskutieren betont, weiß der Beschluß der republikanischen "Vereinigung an­scheinend überhaupt nichts von der Existenz des Artikel« 431. Für die Rechte ist lediglich der Artikel 429 maßgebend, der die Räumungsfristen nennt und im letzten Absatz betont, daß die Auf­schiebung der Rheinlandräumung möglich ist. falls »die alliierten und assoziierten Regierungen die Sicherheit gegen einen nicht heraus- geforöerten Angriff Deutschlands nicht als hinreichend ansehen". Was die Parteien der Rechten unter dem BegriffGarantien und Sicherheiten" wünschen, bedarf keiner Erläuterung.

Die Beschlüsse des Generalrates der republi­kanischen Vereinigung haben in der Kammer tiefen Eindruck gemacht und wurden in den Wandel­gängen lebhaft diskutiert. Wird die »Bombe Marin" platzen?

Und von hier aus nun vor das Svndergericht, baS RevolutiotcStribunal nicht genannt werden darf. Gleich am ersten SihungStag haben die Militärrichter vier oder fünf Mann, die der Beleidigung Mussolinis angcflcgt waren, auf Jahre in die himmelsköniglichen Polypenarme ge­schickt.

Die Maske.

Don Peter W a r m u n b.

Der Perückenmacher hat, um seine Eignung für karnevalistischen Mummenschanz anzuzeigen, ein wunderliches Mastenarrangement inS Schau­fenster gehängt. Er suchte, weth Gott aus wel­chem Antiquttätenwinkel. eine asiatische Larve hervor, ein groteskes Ding, dem aus den ge­blähten Backen und dem breiten Kinn je drei lange Haarbüschel hervorsprießen. lieber diese exotische Schnitzerei aber band er eine moderne schmale Seidenmaske, und spitz und leblos funkeln jetzt auS dem schwarzen Stoff die geschlitzten Afratenaugen daS uralte MaskengeheimniS des körperlos gewordenen Auges, hier hervorgebracht durch eine östliche Larve und einen westlichen Seidenfetzen! Wo ist ein Doll, dem Maske und Derlleidung unbekannt geblieben wären? lieber den ganzen Erdball ist die Maske in Millionen Exemplaren und Arten auSgeschüttet; sie breitete sich nicht auS sie war gleichzeitig überall da.

Aus alten Sagen, aus den spärlichen Resten alter Riten kann man heute noch herauslesen, wie entsetzlich einmal die "Vorstellungen von den primitiven Götzen gewesen sein muffen. 3mmer und überall, wo sich eine Raturgcwall regte, sah ein unheimlicher Gott, um so furchtbarer war er. als man ihn nicht erkennen formte. Wie konnte man ihm begegnen, wie die bösen Dä­monen von Hütte und Herd bannen? Indem man sich thnen gleich setzte, Masten vorband und jene selbst durch gräßliche Fragen ängftigte. Glaubt sich in den romanischen Ländern jemand vom bösen Blick getroffen, so schneidet er auch heute noch eine Grimasse, und die berühmten Karne­valsumzüge an der Riviera, die einfachen Pro­zessionen. die das Landvolk an wichtigen Jahres- abschnitten mit Strohpuppen und Figuren unter-

Das Arbeitsgerichtsgef.tz

Don Rechtsanwalt Dr. v. Karger.

Da« neue ArbeitSgerichtSge'etz räumt mit der Rechtsprechung der Gewerbe- und KaufmannS- aerichte, sowie der InnungSschiedSgerichte aus. Der bisherige RechtSzustand war in der Tat kein übermäßig befriedigender, denn c« machte für den Arbeiter und für den kaufmännischen Angestellten einen Unterschied in der Durchführung seines Rechtsansprüche«, ob an dem Ort, an dem er tätig war. ein Gewerbe- oder Kaufmannsgericht errichtet war oder nicht. Dieser Unterschied konnte in einzelnen Fällen recht weitgebende Folgerun­gen haben, denn dort, wo ein Gewerbe- und Kaufmannsgericht nicht errichtet, da« ordentliche Gericht also zuständig war. betrug di? Berns ngS- Srenze nur 50 Mark, während fic gegenüber den cwerbe- und KaufmamrSgerichts-Urteilen auf 300 Mark festgesetzt war. Auch tue AuSfchiießung weiter Arbeitnehmerkreise, wie der g .'tarnten land­wirtschaftlichen Arbeitnehmerschaft und der nicht- kaufmännifchen Angestellten u. a. von den Dor­teilen der ArbeitSaerichtSbarkeit war in der Sache nicht begründet. So sehr nun vom grundsätzlichen Standpunkt auS der Erlaß deS neuen Gesetze» zu begrüßen ist. so sehr gibt e« In seinen Einzelheiten zu Beanstandungen Veranlassung. Die Arbeits- aerichtSbehörden sind in drei Instanzen, in die ArbeitS geeicht e. in die Landesarbeits­gerichte und das Reichsarbeitsgericht, gegliedert. Während die Landesarbeitsgerichte den Landgerichten und daS Reichsarbeitsgericht dem Reichsgericht angcgliebert werden, sollen die Arbeitsgerichte als selbständige Dehör den errichtet werden. Ich glaube persönlich nicht, daß diese Selbständigkeit, die der von allen Einsichtigen erhobenen Forderung ihrer Angliederung an die Amtsgerichte zuwideriäuft, praktisch große Bedeu- tung hat. Um so bedauerlicher ist aber die Ab­splitterung dieses Teiles der Gerichtsbarkeit von den ordenllichen Gerichten, für die sachlich kerne Veranlassung bestand und Eric nur dazu führen kann, dah in unsere Rechtsprechung eine uner­wünschte Zersplitterung hineingetragen wird. Gerade die Arbeiinehmerkrcise sind e«. die über die Weltfremdheit der Richter Hagen; diese Welt- fremdheit wird sicherlich nicht behoben, wenn ein so wichtiger Teil unseres Rechtswesen«, wie es das Arbeitsrecht ist. in der untersten Instanz verselbständigt wird

Die Arbeitsgerichte sind in sämtlichen In­stanzen mit einem Vorsitzenden und je einem Arbeitgeber- und Arbei'nehmerbeillher besetzt; bei dem Reichsarbeitsgericht treten außerdem noch zwei Derussrichter als Beisitzer hinzu. In den besonders wichtigen Sarifftrcitigkitcn werden die Arbeitsgerichte und Landesarbeitsgerichte neben dem Vorsitzenden mit je zwei Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeisitzern beseht.

Die Zuständigkeit der Arbeitsgerichte ist außerordentlich weit gezogen; die bürgerlichen Rechtsstreitigkeilen zwischen Tarifvertragsparleien oder zwischen diesen und Dritten auS Tarifver­trägen oder über daS Bestehen oder Richtbestehen von Tarifverträgen, sowie au« unerlaubten Han«, langen, sofern es sich um Maßnahmen zu Zwecken deS Arbeitskampfes oder um Fragen der Der- einigungSfreiheit handelt, stehen an erster Stelle, Weiter gehören zur Zuständigkeit alle bürger­lichen Rechtsstreitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer au« dem Arbeit«- oder Lchr- verhältniS. Außerdem find noch eine große Reihe von Streitigkeiten, die sich au« den einzelnen Bestimmungen de« Betrieb-rätegesehes ergeben, dem Arbeitsgericht zur Erledigung überwiesen. So wenig gegen diese weitgezogene sachliche Zu­ständigkeit einzuwenden ist, so sehr müssen Be­denken dagegen erhoben werden, daß die Streitig­feiten sämtlicher Arbeitnehmer vor die Ar­beitsgerichte gehören.

Der Wert der arbeitsgerichtlichen Recht­sprechung beruht in der Hinzuziehung dec Ar­beitgeber- und Arbeitnehmerbeisitzer, die die Pra­xis des täglichen Lebens belfer kennen, als es beim Berufsrichter der Fall ist, und die deshalb eine den Bedürfnissen des täglichen Lebens ge­rechter werdende Rechtsprechung gewährleisten. Dieser Vorteil ist aber nur dann gegeben, wenn der Arbeitnehmerbeisiher auch dem Berufe und der Lebensstellung deS am Prozeß beteiligten Arbeitnehmers einigermaßen entspricht. Es ist deshalb auch vorgesehen, daß für Arbeiter und Angestellte besondere Kammern eingerichtet wer-

nimmt, entspringen aus der gleichen Wurzel: dem Schrecken vor den Dämonen, die man zu schrecken hofft.

Lieblich scheint die Raturmythologie der Hel­lenen: »Eine Dryas lebt in jedem Daum" aber das furchtbare schlangenumzüngeste Haupt der Gorgo, vor dem jeder Feind erstarrt, ist noch eine Erinnerung an die Zeit urweltlicher Dorstellungen, da auch dieser zarte Götterglaube einmal Furcht und Schrecken in sich barg.

So tritt die MaSke überall im Gefolge der Götter und Götzen auf, und darum ist sie über die ganze Erde verbreitet, in Afrika, in Ceylon, in Indien, bei den Tibetanern, Mongolen, India­nern; und der große Moloch, der durch eine riesenhafte Maske verkörpert wird, reiht sein Maul auf und fordert Menschenopfer.

Wer sein Haupt göttergleich verkleidet, muh auch den Körper unkenntlich machen fo führt die MaSke immer die Derlleidung mit sich. Aus hellenischem Mummenschanz, aus den einfachen Bocksgesängen, al« die Mitwirkenden sich zu Ehren des Dionhso« in Docksfelle hüllten, stammt der Ursprung der llallischen Tragödie und des SatyrspiclS. Auch hier wieder dte Maske, die tragische und die komische, die der Mime vor­bindet, um sich zu vergrößern; er stellt sich auf den Kothurn, umwickelt die Arme, verlängert die Finger und hohl Hingt seine Stimme durch den Schalltrichter über daS Theatron hin. Und welch ein weiter Weg wieder von diesen Gestalten zu denen der ttalienischen Komödie, den Pantalons, Harlekinen, der Kolombine, beten feststehende Fi- guten sich au« den alten Satyrmasken seit dem 15. Jahrhundert herauSblldeten I Und wenn der moderne Schauspieler sein Gesicht durch Mastix, Bartwolle und Schminke verändert, sagt er auch heute immer, daß er »Maske macht"'.

Wenn wir uns heute zu einer gesellschaft­lichen "Vergnügung Masken vorbinden ahnen wir kaum mehr, daß diese abendliche Unterhaltung ihren tiefsten Ursprung aus den Gefühlen des Schreckens betteltet, mit denen uralte Volker un­erklärliche Raturgewalten betrachteten. Und doch ist e« dieses große Gefühl der Weltangst ge­wesen. dem die Maske ihr Dafein zu ver­danken hat.