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rung batan gehindert und richtete darauf eine neue Gesandtschaft im gleichen Hause ein.

Die Opposition gegenKellogg

Washington, 16. Ian. (WTB.) Wie die .Associated Preß" mitteUt, hat sich die Spannung -wischen der Regierung und der Opposition gegen die Politik der Vereinigten Staaten in Latein- Amerika'beträchtlich vergrößert. Im Senat verlangte Senator 2 o r a h von Kellogg Auf­klärung über die Art und Weise der Veröffent­lichung der von Kellogg kürzlich vor dem Aus­wärtigen Ausschuß des Senats abgegebenen Er­klärung. Vorah behauptet, Kellogg habe dem Kapitol eine verstümmelte und über­arbeitete Fassung dieser Erklärung zur Veröffentlichung übersandt. Kellogg erwiderte hierauf, er habe sich für berechtigt gehalten, der­artige Aenderungen vorzunehmen. Während der gestrigen Sitzung traf ein Telegramm aus Coo- lidges Heimatstadt in Massachusetts ein, in dem angesehene Bürger des Staates die Zurück­ziehung aller amerikanischer Trup­pen aus Vicaragua, soweit sie nicht zum Schutze des Lebens und Eigentums der Ameri­kaner absolut unentbehrlich seien, verlangt. Im Repräsentantenhause verlangte der Demokrat Moore, Coolidge solle Kellogg wegen dessen Vorgehen gegenüber Mexiko und Vicaragua a b - berufen. Er befürwortete ferner eine Ab­änderung der Haushaltsbewilligung für die Ar­mee und Marine in dem Sinne, dah die Land- und Seestreitkräfte ohne Zustimmung des Kon­gresses nur bei unmittelbarer Gefahr für das Leben und Eigentum amerikanischer Staatsbürger eingesetzt werden könnten.

Eine demokratische Mittelstandstagung.

Berlin, 14.Ian. (WTB.) Auf einem von ver Deutschen Demokratischen Partei veranstalte­ten .Demokratischen Reichsmittelstandstag" hielt der Reichsfinanzminister Dr. Reinhold einen Vortrag über .die Steuerpolitik des Reiches und der gewerbliche Mittelstand". Der Minister führte u. a. 0*118: Cs ist erfreulich, daß mit dem Arbeitswillen auch der Spartrieb im deutschen Volke wieder wach geworden ist, so daß die Sparkassen in der Lage sind, dem Mittelstand zu helfen. Die Verbilligung des Geld­marktes habe ich seit der plebernahme meines Amtes angestrebt. Sie hat inzwischen Fortschritte gemacht, die man vor einem Iahre noch nicht erwarten konnte. In der deutschen Wirtschaft gibt es noch große Gefahrenquellen. Die eine liegt in der Riesenzahl der unterstützten Er­werbslosen. Wir haben jetzt im Reichstag die dringende Aufgabe, aus der Erwerbslosen- unterstühung, die sehr bedenkliche Mängel auf­wies, zur Arbeitslosenversicherung zu kommen. Ein weiteres Gefahrenmoment ist die schlechte Lage der deutschen Land­wirtschaft, sowohl der bäuerlichen Mittel­betriebe. als auch des Großgrundbesitzes. Der Minister erörterte dann die Aufgaben der kom­menden Iahre. Besonders auf dem Gebiete des Bauwesens muß, so führte er aus, von der bisherigen Praxis abgewichen werden, die die Mietzinssteuer in Form von Kapital dem Woh­nungsneubau zuführte. Die Steuer muß viel­mehr zur Verbilligung der Zinssätze ki n b Hypotheken verwendet werden, um auf J)iefe Weise große Kapitalien dem Baumarkt zu Erschließen.

Zur Finanzpolitik erklärte der Minister: Zu einem organischen Steuersh st em wird man in Deutschland erst kommen, wenn in einem endgültigen Finanzausgleich die Grundlage der Kompetenz und die Einnahmeverteilung zwischen dem Reich und den Ländern und Gemeinden ge­schaffen ist. In das System der ganzen Reichs­steuern werden auch die Realsteuern eingegliedert werden müssen. Die steuerliche Selbstverwaltung der Gemeinden ist notwendig, um durch eine spar­same und vernünftige Wirtschaf* eine Ermäßi­gung der Steuersätze herbeizuführen.

Der preußische Handelsminister Dr. Schrei­ber sprach dann noch über die Stellung des Mittel st andesimStaate. Der Red­ner führte aus, die Stellung eines Derusstandes im Staate hänge wesentlich von dem Anteil ab, den er an den öffentlichen Dingen nehme. Manche Berufsstände hätten das rechtzeitig erkannt und danach gehandelt. Der gewerbliche Mittelstand habe bisher seinem eigenen Schaden eine starke Zurückhaltung geübt. Politik und Wirtschaft seien untrennbar verbunden. Die erste Voraussetzung für eine weitere Besserung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse sei die Festigung der verfassungsmäßigen Grundlagen unseres Staats­wesens. Es sei deshalb auch für den deutschen Mittelstand von Wichtigkeit, daß der republika­nische Gedanke in weiten Kreisen an Boden gewonnen habe. Die Lage des Mittelstandes sei besonders schwierig. Es machten sich immer noch die Verheerungen der Inflationszeit bemerkbar. Die Lage des Mittelstandes hänge wesentlich da­von ab, daß die Kaufkraft der breiten Masse gehoben würde. Ferner müsse der Steuerdruck erleichtert werden. Dies sei vor allem durch eine Vereinfachung der Verwaltung und des Steuerwesens zu erreichen. Gewisse Verbesserungen seien durch die Rovelle zum Gewerbesteuergesetz und den endgültigen Finanzausgleich zu erhoffen. Die Zwangswirtschaft müsse allmählich a b - gebaut werden, jedoch so, daß die Mieter nicht in ihrer Existenz gefährdet würden.

Feitungsschau.

Die deutsche Presse beschäftigt sich natur­gemäß lebhaft mit der Frage der Regierungs- bilduna und namentlich mit der Rolle, die dabei dem Zentrum zufällt. In denLeipziger R e u e st e n R a ch r i ch t e n" richtet Paul Harms folgende ernste Warnung an die Adresse der Zentrumsfraktion: .Zunächst hat das Zentrum erreicht, was eS wollte. Es wird von rechts wie von links in einer Weise umworben, die das Selbslbewußtsein dieser mit allzu großer Be­scheidenheit gewiß schon nicht erblich belasteten Herrschaften gewaltig in die Höbe treiben wird. Auch kann man im Zweifel sein, ob die Hemmunos- losigkeit. womit die .Deutsche Tageszeitung' sich dem Zentrum anbiedert und nnDie'.ct, für die Deutschnationale Volkspartei nützlich fein wird. Daß sie der Würde der Partei abträglich ist. darüber kann ein Zweifel kaum bestehen Das Zentrum hat zur Zeit freilich alle Trümpfe in der Hand. Aber die Herren in ter Reichshauptstodt übersehen wieder einmal, wie

man im Reiche darüber denkt. Dort ist man stellen­weise schwer verärgert über die rücksichtslose Art, wie das Zentrum seine Stellung auf der Witte der Wippschaukel für das Parteigeschäft ausnutzt. Kommen könnte schon eine Zeit, wo eine Mei­nung ihr Recht verlangte, die der verstorbene nationalliberale Parteiführer Bassermann ge- I^genilich geäußert hat; die Meinung nämlich: Können wir denn wissen, ob wir die Sozialdemo­kratie nicht noch einmal sehr nötig haben wer­den. um die Machtgelüste des Zentrums ver- nünstig einzudämmen?

Heute darf man ja nun freilich die Möglich­keit einer Front vom rechten Flügel der Sozial­demokratie über die liberale Mitte bis $u den Deutschnationalen nicht andeuten, ohne sich der Gefahr auszusetzen, ausgelacht zu werden. Aber das Gelächter von heute ist schon öfter die Wahrheit von morgen gewesen. Dorhergehen mußte natürlich eine innere plrnstellung der Deutschnationalen.---Das ist zur Zeit der

Stand der Dinge und die Rechte hofft nun darauf, das Zentrum werde hrirterm Rücken der Deutschen Volkspartei unmittelbar Verhandlun­gen mit den Deutschnationalen einleiten, wäh­rend die Linke gesinnungstüchtig nach der Großen Koalition ruft, die wieder einmaldie For­derung der Stunde" sein soll. Daß die Deutsche Volkspartei schließlich rnitmachen werde, was das Zentrum über sie zu verhängen belieben^ wird, wird von rechts und links als selbstverständlich vorausgesetzt. Run schreit die Sozialdemokratie nach der Großen Koalition bekanntlich immer dann, wenn eine Rechtsregierung droht; sobald die Gefahr vorübergegangen ist, ist die Sozial­demokratie aus Angst vor ihren Rachbarn zur Linken nicht mehr zu haben. Das weiß das Zentrum auch und deshalb fordert es sofort die Regierung der Mitte, also die reumütige Rückkehr zum Statusquo. Das Zentrum fühlt sich so sehr als Herr der Lage, daß es glaubt, ein caudinisches Ioch aufrichten zu können, worunter sowohl die Ministerstürzer von links und rechts, als auch die Deutsche Volkspartei durch sollen, um zu bekennen: Vater Marx, vergib uns, wir wußten nicht, was wir taten!

Das Zentrum ist also ganz entschieden dafür, daß am System des Fortwurstelns durch eine Minderheitsregierung festgehalten werde

Die demokratischeFr an kfürter Zei­tung" schreibt zum gleichen Thema:Der Druck auf das Zentrum ist außerordentlich stark. Aber xwch ist die Entscheidung nach rechts nicht ge­fallen. Roch spürt das Zentrum offenbar auch von der anderen Seite her den starken Druck, den Druck der politischen Sachlichkeit wie der eige­nen Parteischwierigkeiten, der es zur Koope­ration mit der Linken, mit Demokraten und So­zialdemokraten, drängt. Roch ist also, wenn der Reichspräsident jetzt, wie man annehmen sollte, einem Zentrumsmann mit freier Marschroute den Versuch der Regierungsbildung überträgt, die Bahn auch für das andere frei: daß nämlich das Zentrum mit den beiden Parteien der Lin­ken sich so klar verständige, dah es in dem Tau-' ziehen mit der Dolkspartei sich doch als der Stärkere erwiese. Daß die Demokraten dafür sind, ist klar, Lind auch die Sozialdemokratie hat, nach der Riesendummheit der Scheidemann-Rede und des Regierungssturzes im Dezember, in dieser Woche mehrfach ihre Bereit­schaft erklärt. Ihr Parteiausschuß hat am 10.3a» nuerr ein sehr gemäßigtes und vernünstiges Pro­gramm mit drei Punkten Fortsetzung der Politik von Genf unö Thoiry, Reichswehrreform, Arbeitszeitnotgeseh prollamiert, über das eine sachliche Verständigung durchaus möglich wäre. Der Sozialdemokratische Pressedienst hat am 12. Ianuar die Bereitschaft zu Verhandlungen nochmals unterstrichen. Bereitschaft: das ist nun allerdings zu wenig. Denn notwendig ist, daß man endlich einmal mit dem Verhandeln, dem Handeln anfinrel Auf die Initiative kommt es an; wenn man sie immer nur den anderen überläßt, wirb man nicht zum ' Ziele kommen. Und hier wäre eine wichtige Vermittelung auch für die demokratische Reichk-tagsfraktion. Aber je­denfalls sollte der zweite Alt Klarheit bringen. Denn schlimmer als alles andere wäre ein Aus­gang der Krise, der wieder alles im Dunkeln ließe, eine Regierung der Mitte von der Art wie zuletzt: daß ein Teil der sie bildenden Koalition mit rechts und der andere Teil mit links gehen möchte, baß überhaupt kein Wille sich auswirken Fann. Die Demokratische Partei hat am schlimmsten erfahren, wozu bas führt, zur Mitbelastung durch Verantwortung für poli­tische Maßnahmen, die man mißbilligt. Wenn das Zentrum jetzt nochmals den Versuch der Mitte empfiehlt, so wird cs sich entscheiden müssen, ob das der Linken oder mit der Rechten sein soll.

In der.,T ä g l i che n R u n d s ch a u" wendet sich Heinrich Ropplei mit folgenden Ausführun­gen an die Deutschnationalen:----Bleibt

also nur die Bindung nach rechts und die Frage, ob die Deutschnationalen sich zu einer solchen Bindung verstehen werden, ohne daß sie zu­nächst in die Regierung eintreten. Wir haben immer wieder betont, daß sich eine Umgestaltung unserer Regierung und Parteiverhältnisse nicht gewaltsam und auch nicht durch Parteitaktik er­zielen läßt, sondern nur durch Mitarbeit. Können die Deutschnationalen cs über sich gewinnen, ohne Eintritt in die Regierung ein Kabinett der Mitte zu unterstützen, so müssen sich aus solcher Zu­sammenarbeit ganz von selbst weitere Bindungen und die Mitarbeit in der Regierung ergeben. Versagt sich die Deutschnationale Partei solcher Bindung und solcher Mitarbeit, so erfüllt sie den Wunsch der Linken, die sie zur ewigen Oppo­sitionspartei stempeln möchte. Sie treibt zu Reu- wahlen, die ihr nichts bringen können und ebnet der Linken die Wege. Die Partei steht vor einer schweren Enticheidungsfrage nicht nur für sich, sondern auch für das Vaterland. Wir hoffen, daß sie sie im positiven Sinne, wie es ihrer eigentlichen Ratur entspricht, entscheiden wird die Personenfrage ist dann gleichgültig. Die Partei wird allerdings, wenn sie gute und erfolgreiche Politik machen will, das laute Mit- reden der Agitatoren und Organisationen im Lande, die sie schon zu dem verhängnisvollen Schritt des Austritts aus dem Ministerium ge­trieben haben, dämpfen müssen Wir haben es in dieser Woche erlebt, daß in Sachsen mit Hilfe ber Deutschnationalen ein Sozialdemokrat zum Ministerpräsidenten gewählt worden ist. eine burebauö vernünftige und zweckmäßige Handlung, die Sachsen vor einer unabhängig-kommunistischen M.ßregierung gerettet hat. Wir erinnern uns aber, da ß vor den Wahlen die Wehr­verbände die bürgerlichen Parteien ver­

pflichten wollten, überhaupt in keine Regierung mit den Sozialdemokraten einzutreten, welchem Ansinnen die Deutsche Dollspartei sofort mit be­rechtigter Schärfe entgegentrat Wenn es nach dem Willen dieser Wehrverbände und anderer gutgesinnten Leute gegangen wäre, so wär8 jetzt Sachsen in Händen der Fleißner und Konsorten. Ieht stimmen dieselben ßcute, dir die wirklichen Verhältnisse immer erst mit zwei Posttagen Ver­spätung zu erkennen vermögen, dankbar den bür­gerlichen Parteien zu, daß sie den unabhängig- kommunistischen Anschlag auf Sachsen vereitelt haben. Die Entscheidung liegt bei der Deutsch- nationalen Vollspartei, nicht bei andern. Es er­füllt mit Genugtuung, aber auch einer ge­wissen Wehmut, wenn man jetzt in deutsch- nationalen Blättern den Rotruf liest: Strese- mann hilf! Wenn z. B. dieDörsenzeitung" schreibt: Die Rechte habe soeben während der Verhandlungen des Herrn Dr. Curtius bewie­sen. daß sie ihren Widerstand gegen Stresemann persönlich und seine Außenpolitll als aussichts­los und durch die Tatsachen ' unmöglich ge­macht betrachte und in jedem Kabinett mit ihm zusammen-',usitzen bereit sei, so sind wir mit die­sem Fortschritt in der Erkenntnis durchaus ein­verstanden und auch mit der weiteren Feststel­lung, daß an der Zuverlässigkeit Stresemanns beim Schutze der Reichswehr niemand im gan­zen nationalen Lager zweifle. Aber es geht zu well, wenn in der deutschnationalen Wochen­schriftDer Deutschenspiegel" die Parole aus- gegeben wird:Ein Wort des Außenministers, und jede Linksbildung wäre ausgeschlossen". So weit vermögen wir in der Schätzung des Außen­ministers nicht zu gehen. Eine Linksbildung ist nur bann ausgeschlossen, wenn die Deutschnatio­nalen sich endlich entschließen, nicht Gefühls­und Agitations-, sondern positive Wirklichkeits­politik zu treiben.

Aus aller Welt.

Dr.Eckener über das neueBersuchsluftschiff

Dr. Eckener, der sich zur Zeit in Davos auf­hält, gewährte einem Mitarbeiter des Hamburger Fremdenblattes eine Unterredung, in deren Ver­lauf Dr. Eckener ausführte, daß das neue Ver­suchsschiff, das um die Hälfte größer als dieLos Angeles" (Z.R.IIl) werde, zunächst mehrere große Probe- und Propaganda-ahrten unternehmen werde. Wahrscheinlich werde eine dieser Reisen die geplante Rordpolfahrt sein, für die Hapar an da als Startplatz in Fruge komme. Man hoffe, mit den großen Probefahrten im Herbst 1928 beginnen zu können, sie soll ohne Zwischenlandung bis nach Brasilien führen.

Jubelfeier des Berliner Lehrergesangvereins.

Zur 40jährigen Iubelfe er des Berliner Leh­rergesangvereins in der Musikhochschule hatten sich unter den zahlreichen Festteilnehmern die Vertreter der Behörden eingefunten. Unter ihnen der Oberpräsident der Grenzmark von Bülow und die Vertreter der Städte Schneidemühl, Allen- stein und Flensburg. Durch chr Erscheinen woll­ten sie dem Verein ihre Dankbarkeit dafür be­weisen, daß er die Grenzlande auf sieben Fahr­ten mit feinem Gesang erfreut hatte. Rach der Uebergabe eines neuen Vereinsbanners drückte Reichsminister Dr. Külz in einer Rede dem Verein die Glückwünsche der Reichsregierung aus, die es dem Iubelverein nie vergessen werde, da er in Kriegsleid und Grenzlandnot mit seinen Liedern die moralische Straft des deutschen Vol­kes hat mifftärten helfen. Oberbürgermeister Böß dankte dem Verein, daß er Berlins Ruf als Dängerstadt gegründet hat.

Derufungsurkeil im Affenprozetz.

Der Oberste Gerichtshof des Staates Tennestee hat heute das lang erwartete Urteil im Fall des Lehrers S c 0 p e s gesprochen, der bekanntlich wegen Verstoßes gegen das im Staate Tennestee bestehende Verbot, die Darwinsche Entwicklungs­theorie öffentlich zu lehren, verurteilt worden ist. Das Gericht erkannte die Verfassungsmäßigkeit dieses Gesetzes an, hob aber das Urteil erster Instanz, durch das Scopes zu 100 Dollar Geldstrafe verurteilt worden war, deshalb auf, weil eine Geldstrafe von mehr als 50 Dollar nur von einem Geschwo­renengericht auserlegt werden könnte. Der Ver­teidiger des Verurteilten erklärte, er werde die An­gelegenheit sofort dem Ober st en Gerichtshof unterbreiten, damit dieser entscheide, ob irgendwelche Sekten oder Gemeinschaften ihre Weltanschauung dem Erziehungssystem eines Staates aufzwingen dürfen.

von derEmden".

Wie die Agentur Indo Pacific aus Sidney be- richtet, ist der deutsche KreuzerEmde n" in Capet 0 wn angekommen. Er wird demnächst die Coco-Inseln besuchen, wo der frühere deutsche KreuzerEmden" im Kampfe mit dem australischen KreuzerSidney" untergegangen ist.

vergwerksunglück bei Debra.

Auf dem Schacht Klugermünde bei Rentershausen wurden zwei Bergleute von her- abstürzenben Gesteinsmassen verschüttet. Die Leichen konnten erst nach stundenlanger mühsamer Arbeit geborgen werden. Ein weiterer Berg- man würbe schwer verletzt. Die Verunglückten sind verheiratet und stammen aus Rentershausen.

Die Grippe in Berlin.

In den Berliner städtischen Krankenhäusern befanden sich Sonntag früh 1030 Grippekranke. Im Laufe des Samstag warensiebenTodes- fälle zu beklagen.

Schneesturm in Reuyork.

Samstagabend hat ein Schneesturm, der zu­vor Chicago und den Osten und Rordostcn der Vereinigten Staaten mit großen Schneemassen bedeckt hatte, R e u y 0 r k erreicht. Ein eisiger Wind mit einer Geschwindigkeit von 40 Meilen behinderte ernstlich die Schiffahrt im Hafen und den Eisenbahn- sowie Straßenverkehr. Drei Todesfälle in Reuyork werden auf den Schneesturm zurückgeführt.

Schweres Unglück bei einem Schulfest in Lyon.

In Lyon stürzte während eines Schulfestes der Fußboden des im ersten Stock gelegenen Saales, in dem die Feier stattfand, ein. Els Kinder wurden verletzt. Vier von ihnen mußten in das Krankenhaus geschafft werden.

Wettervoraussage.

Denig Aenderung des vielfach trüben, zu geringen Riederschlägen neigenden Wetters bei etwas schwächerer Bewölkung und Temperaturen, die nachts um null Grad liegen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 6.8 Grad Celsius. Minimum: 0,3 Grad Celsius. Riederschläge: 0,5 Millimeter. Heutige Morgen- I temperatur: 1.5 Grad Celsius.

Aus -er Provinzsalhauptfta-t.

Gießen, den 17. Ianuar 1927.

Die Migräne.

Ein scharf von anderen Kopfschmerzen getrenntes Krankheitsbild stellt die Migräne dar, gekennzeichnet durch den typischen halbseitigen Kopfschmerz, der anfallsweise unregelmäßig oder auch periodisch austritt. Meist gehen dem Migräpeanfall Allge- mcinstörungen, wie Müdigkeit, Schlafsucht, Unbe­hagen, Frösteln, Ueberempsindlichkeit usw. voraus, und dann setzt der heftig bohrende oder kwpsende Schmerz ein. Die eine Gruppe der Kranken emp­findet die Beschwerden mehr am Hinterkopf, die andere mehr im Schädelinnern. Die Mehrzahl der Migräneleidenden verspürt sie in der Gebend über den Augen und über der Nasenwurzel. Häufig ist die besallene Seite des Gesichtes gerötet und mit Schweißperlen bedeckt. Bei ausgebildr,«». Attacken ist der Kranke derart mitgenommen, daß er im dunkeln Zimmer, fern von allen Geräuschen, un­beweglich liegen muß und vollständig arbeitsunfähig ift Die Dauer des Anfalles wechselt; meist endet er mit einem tiefen Schlaf. Beim Erwachen sind alle Störungen abgeklungen bis zum nächsten Anfall. Außer den körperlichen Störungen, die sich wohl an jedem Organ während des Anfalles äußern können, wenden die schweren Formen der Migräne von seeli­schen Veränderungen, wie von erhöhter Reizbarkeit, einer erschwerten Denkfähigkeit, Ermüdbarkeit, Ver­wirrungszuständen u. bgL begleitet.

Die Entstehungsurfache dieses Leidens ist noch von einem geheimnisvollen Dunkel umhüllt, wenn auch bekannt ist, daß Erblichkeit und Konstitution eine wichtige Rolle spielen. Frauen werben in weit größerer Zahl von der Migräne befallen als Män­ner; unter letzteren besonders die Geistesarbeiter. Auch die Vorgänge während des Anfalles im Or­ganismus sind noch keineswegs geklärt; wahrschein­lich handelt es sich um Gefäßkrämpfe. Unzweifelhaft bestehen zwischen der Sexualspäre und der Migräne innige Beziehungen. Sie beginnt vielfach zur Zeit der Pubertät, um bei den Frauen in den Wechsel­jahren, bei den Männern mit zunehmendem Alter abzuklingen.

Der Heilplan hat zwei Ziele zu verfolgen: Die Verminderung der Anfallbereitschaft und die Schmerzstillung im Anfall. Es empfiehlt sich also eine geregelte Lebensweise, viel Aufenthalt In frischer Luft, keine übermäßige Geistesarbeit, keine Aufregungen. Die Kost soll arm an Eiweiß und Gewürzen, reich an Gemüse, Obst, Milch, also reizlos sein. Im übrigen werden bei nicht wenigen Migrane- kranken durch den Genuß bestimmter Speisen An­fälle ausgelöst. Selbstverständlich sind dann derartige Gerichte zu vermeiden. Auch durch Genußgiste und Ausschweifungen aller Art wird die Anfallsbereit­schaft erhöht. Bei manchen Migränekranken wird die Ansallsbereitschaft durch Brom und Luminal herabgesetzt; vielfach verlausen die Anfälle danach milber.

9m Anfall selbst kommen schmerzstillende Mittel, wie Veramon, Saliznlpräparate, Antipyrin u. dgl. in Frage. Heiße Handbäder, Fußwechselbäder, elek­trische Wärmebestrahlungen und ähnliche Maß­nahmen leisten oft gute Dienste. Es ist natürlich Aufgabe des Arztes, in jedem einzelnen Falle die geeigneten Mittel zu verordnen. vr.M.

Die Jubelfeier der Gießener

Rudergesellschaft 1877 anläßlich ihres 50jährigen Bestehens nahm am Samstag und gestern einen denkwür­digen Verlauf. Der Samstagabend war einem zwanglosen geselligen Beisammensein der Ruderer mit den bereits eingetroffenen aus­wärtigen Gästen im Bootshaus gewidmet. Bei dieser Geleg^cheit wurde einer großen Anzahl verdienter Mitglieder als Zeichen des Dankes und der Ehrung die Goldene Ruderer- Radel Überreicht. Beim Glase Bier verlebte man einige recht anregende Stunden, die durch mancherlei gesellige Darbietungen bestens aus­gestaltet wurden. Gestern mittag fand im Saale des Gesellschaftsvereins ein Festakt statt, dessen Verlauf sich zu einer eindrucksvollen Hul­digung für den rudersportlich hochverdienten Iubilar gestaltete. Durch die Ansprachen der Vertreter von Behörden (es sprachen u. a. Ober­bürgermeister Keller, S. Magnifizenz der Rek­tor der Landesuniversität Prof. Dr. Zwick, Oberregierungsrat Dr. Heß, Oberstleutnant Fritz, namens der hiesigen Garnison), des Ab­gesandten des Deutschen Ruderverbandes, der Vertreter vieler befreundeter Rudervereine un­hiesiger Turnvereine wurden de hohen Leistun­gen des Iubelvereins um die Ruderersache unb die Erziehung der Iugend im besten vaterlän­dischen Geiste verdientermaßen voll gewürdigt. Eine große Anzahl Iubiläumsgeschenke gab der freundschaftlichen Gesinnung der Gratulanten für die G. R. G. sichtbaren Ausdruck. Der langjährige verdienstvolle frühere Vorsitzende Christian Reiber wurde bei dieser Gelegenheit zum Ehrenvorsitzenden ernenn', Herr A.Sch ee l erhielt die Ehren-Mitgliedschaft deS Vereins. Die Feier hinterlieh bei den Teilneh­mern einen starken Eindruck. Gestern abend fand ein 5 e Reffen im Gesellschaftsvernn statt, an­schließend bot ein Festball den zahlreichen Teil­nehmern noch manche Stunde froher Gesellig­keit. Wir werden über die Feier morgen noch näher berichten.

Jubiläum der Israelitischen Religionsgesellschaft.

Am Samstag konnte die I s r a l i t i s ch e Religionsgesellschaft (Sleinstraße) ihr 40jähriges Bestehen feiern. Aus die­sem Anlaß wurde vormittags in der Synagoge ein Festgottesdienst abgehalten. Abends versammelten sich die M.tgli^der zu einer ge­selligen Leier. H'erbet hielt der Vorsteher der Gemeinde, Hrrr Fröhlich, die Festrede. Die Herren S. I o s e p h und Hofrat Iakob Grünewald wurden zu Ehrenmitglie­dern ernannt; beide haben die Gemeinde mit­gegründet und sind neben zwei Damen der Gründer noch die einz gen Heberlebenben. Da Hofrat Grünewald auch 30 Iahre lang daS Amt eines Vorsteher- beflelbet hatte, wurde er ferner zum Ehrenpräsidenten ernannt

Im Rovember 1833 wurde die Gründung einer neuen israelitischen Gemeinde beschlossen und bald darauf ein Beisaal in der Bahnhof­straße gemietet 1895 trat Provinzialrabbiner Dr. Hirschseld seinen Dienst in Gießen an; durch seine lintetflütjung konnte schon am 21. 3uli 1899 die Synagoge eingeweiht werden. Der Lehrer und Kantor Klein kann bald auf eine 35jährige Tätigkeit im Dienste der Gemeinde zurückblicken.