vnllk tmd Verlag: vrühl'sche UnioerfilStt-vuch- und rieindnickeret B. Lange in Liehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe r.
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Dr Friedr Wilh Lange. Drrantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H Tkyriot; für den übrigen Teil Crnst Dlumfchein, für den An« zeigenteil i. Dertr. H. Deck, iümtltch in (Bieben.
nr. 13 Erster 177. Zahrgang Montag, 17. Januar 1927
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesien
DieEntwaffnungsdebatte
Um die dcntschcn Cftfcftungcn.
Paris, 17. 3an. (XU.) Die Pariser Sonn- tagSpresse föfjt durchblickcn. daß die deutschen Vorschläge nicht in allen Punkten als befriedigend erachtet werben. Man hält eS aber für wenig wahrscheinlich, daß die Vorschläge insgesamt zurüagcwiescn werden, da man bis -um 31. Januar noch entsprechende 21 b - änderungSsormeln finden könne. Perti- nai, da- Sprachrohr PoincaröS und der sranzösi- schen Mililärlrctse, erkläne Im ^Echo de Paris", dah Marschall Foch und seine Mitarbeiter trotz verschiedener Beschwörungen — ein Seitenhieb aus Driand — die deutschen Vorschläge für ungenügend hielten, ober kein Degen- Projekt vorlegen würden. SS sei 2Iufga& der deutschen Unterhändler, wenn eS ihnen gutdünke, neue Vorschläge zu machen. Besonders bedrohlichen Charakter, so schreibt Pertinax. hätten die 85 betonierten Unterstände an der deutsch-polnischen Grenze. Wie das Journal wissen will, soll in der Frage der Ostbefestigungen eine Lösung dahin vorgesehen sein, dah die befestigten Plätze Königsberg und Küstrin in Uebcveinfilmmung mit dem Versailler Militärkomitee territorial abgegrenzt und wahrscheinlich in ihrem gegenwärtigen Zustande erholten bleiben würden. Die Befestigungsanlage von G l o g a u bürste nicht über die äußeren Fortgürtel hinauSgchen: dogegm sollen ergänzende Anlagen In und um Glogau zerstört werden. Außerdem gehe ein alliierter Vorschlag dahin hinaus, dah Deutschland in Zukunft keine Befestigungsarbeiten ohne vorherige Zustimmung des Völkerbundes vornehmen könne.
Die militärische Bedeutung der Ostfestungen.
Warschau, 15. Fon. (WTB.) Der polnische General und bekannte Militärschriftsteller Henning Michaelis stellt in einem den deutschen Ostfestun» gen gewidmeten Artikel in der Warschauer „Rzecz- pospolito" fest, dah auch den größten Festungen kein offensiver Charakter zukomme. Die strategische Bedeutung der festen Plätze erschöpfe sich zumeist im Schutze ihres Territoriums. Sie könnten auch Aufnahmepunkte für tm Felde operierende Kräfte bilden, endlich sogar im Kampf gegen einen Flügel eines feindlichen Heeres tätig eingreifen, sofern sich der Feind in der Nähe des Festungsrayons befindet. Königsberg sei 140 bis 180 Kilometer oon der polnischen Grenze entfernt. Die Bedeutung dieser Festung für eine etwaige deutsche Angriffsaktion sei infolgedessen oer- schwindend gering. Die Deutschen al? Anhänger der methodischen Strategie rechneten eben, wie der polnische General weiter ausführt, mit der Möglichkeit des Eindringens eines polnischen Heeres in Ostpreußen, der Provinz, die Deutschland schon mit Rücksicht auf ihre strategische Bedeutung hartnäckig verteidigen müsse. Hierbei würde die Festung Königsberg selbstverständlich Dienste leisten.
Die militärische Vorbereitung der Fugend in Frankreich.' KricgsminiftcrPainlcvöübcrdic'rlttsgabcn der Turn- und Lportvereinc.
Paris, 17. San. (WTB.) Bei einer in der Sorbonne gestern nachmittag veranstalteten Feier des Aationalverbandes der Tum- und Sportvereine und des Vereins zur Vorbereitung aus den Militärdienst hat Kriegsminister P a i n - l e v ö eine Rede gehalten, in der er als eine der großen Lehren des Krieges bezeichnete, dah der Begriff der bewaffneten Ration zur Wirtlichkeit werde. Wenn trotz aller unserer Bemühungen unö gegen unsere Hoffnungen, so cr- tlarte der Redner, eines Tages Frankreich ein Krieg ausgezwungcn werden sollte, so würde - "icht durch em aktives Heer zu
züglich einiger Reservisten geführt werden, sondern durch die Masse der mobil gemachten Reservisten selbst, die eine wirkliche nationale Armee bilden würden. Die körperliche Ausbildung muh bereits in der Kindheit beginnen. Eie muh fortgesetzt werden während der Schulzeit und während des Fortbildungsschulunterrichts. 3m Gegensatz zur körperlichen Ausbildung wird die eigenlliche militärische Vorbereitung lediglich für den erwachsenen Menschen in Frage kommen. Diese militärische Vorberatung soll zum mindesten zwei 3ahre vor der Einstellung in das Heer beginnen mit dem Ziel, dah jeder, der zum Militär kommt, bereits körperlich durchgebildet ift, Märsche aushalten und schießen kann. Er soll durch diese Utoungcn der militärischen Dorbcrcitungszeit den Geschmack für freiwillige Disziplin und für die gemeinsame Ueberwindung von Schwierigkeiten, sowie den Geschmack an edlem Wettstreit gewinnen. Das ist das Ziel, das die Turn« und Sportvereine und die Vereine zur Vorbereitung aus den Militärdienst verfolgen müssen.
Ein sozialistischer Gesetzentwurf zur Heeresreform.
Paris, 15. Ian. (WTB.) Der sozalistische Abg. Renaudel hat im Namen der sozialistischen Karnmer- fraktion eine» Gesetzentwurf betreffend die Re» vrganisierung der Defensiokräfte der Nation ein» |
gebracht. Dieier Gesetzentwurf ist auf dem Gedanken ber bewaffneten Nation aufgebaut und sicht vor, daß das Rolonialheer vollkommen getrennt wird vom französischen Heer. Die Aushebung Eingeborener in den Kolonien wird beseitigt. Die Bewohner der Kolonien könne., nach dem Gesetzent- wurf nur freiwillig im Heere dienen. Die m, l i - tärische Dorbereitung beginnt schon bereite im Schulunterricht. Außerdem hat jeder einen dreimonatigen Kurs in einer Rekrutierungsschule durchzumachen, während der eigentliche Heeresdienst nur sechs Monate in Anspruch nehmen soll. Die Dienstpflicht soll allgemein auf sechs Monate herabgesetzt werden. Dienstpflichtig ist jeder vom 21. bis 48. Lebensjahre. Im ganzen soll das stehende Heer nur aus 14 Divisionen bestehen, so daß insgesamt eine Herabsetzung des dienenden
Heeres um 172000 Mann erfolgen würde. Im Falle eines Angriffes wird die gesamte Nation mobil gemacht, und zwar im Sinne der bekannten Ausführung des soüalistisck)cn Abg Paul Doncour. Der Gesetzentwurf sieht ferner die Deseiti- gimg der Kriegsgerichte und Strafbataillone vor.
Personalveränderungen im Neichsheer.
Verlln. 15. Jan. (WTD.) Wit dem l. Februar 1927 scheiden aus dem Heeresdienst aus: General der Infanterie v. Lohberg. Oberbefehlshaber der Gruppe 1. die Generalleutnants Hasse ((Srnft), Kommandeur der 5. Div. und Befehlshaber im Wehrkreis V, Edel« bü11el, Inspekteur der Infanterie. Mit dem
l. Februar 1927 werben ernannt: Die Generalleutnants v. Tschi schwitz. Kommandeur der 2. Division und Befehlshaber tm Wehrkreis II. zum Oberbefehlshaber ber Gruppe I. Bei nicke. Chef des HeercSperfonalamlcS. zum Kommandeur der 5. Division und Befehlshaber Im Wehrkreis V. Der Generalmajor v. AmSberg. Kommandeur der Infanterieschule, zum Kommandeur der 2. Division und Befehlshaber im Wehrkreis II. Die Obersten v. Falkenhausen. Kommandeur des 10. (Sächs.) Infanterieregiments, zum Kommandeur der Infanterieschule, v. Stülp- nagd, Kommandeur deS 17. Infanterieregi- wenteS. zum Chef des Heerespersonalamtes. Ritter v. Prager, Kommandeur des 19. (Bayer.) Infanterieregimentes, zum Inspekteur der Infanterie.
Dr. Marx verhandelt weiter.
Berlin. 16. Jan. IMS.) Amtlich. Der Herr Reichspräsident empfing gestern nachmittag den geschästssührenden Reichskanzler Dr. Marx und erteilte ihm den Auftrag, auf Grund des gestrl- gen Beschlusses der Zentrumsfraktion, purch Verhandlungen mit den in Frage kommenden Jrof- fionen des Reichstags die parlamentarische Cage und öle Möglichkeit einer Regierungsbildung weiter 5 u klären. Reichskanzler Dr. Marx hat dem Herrn Reichspräsidenten heute abend mitgelcill. daß er den Austrag, auf Grund des vorgestrigen Zentrumsbeschlusies. durch Verhandlungen mit den in Frage kommenden ReichstagsfrakNonen die politische Cage und die Möglichkeiten der Regierungsbildung weiter zu flären, annlmml Der Reichskanzler Dr. Marx wird demgemäß morgen mit den Parteiführern wegen der Möglichkeit der Bildung einer Regierung der Mitte oer handeln.
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Reichskanzler Dr. Mar, hielt am Sonntag nachmittag eine Besprechung mit den Vorstandsmitgliedern der Zentrumsfraktion ab. Darauf begab fich der Reichskanzler zum Reichspräsidenten. um mitzuteilen. daß er den Auftrag an- nehmen und tm Sinne des am Freitag gefaßten Beschlusses deS Zentrums am Montag mit den Parteiführern wegen der Möglichkeit der Bildung einer Regierung der Mitte verhandeln werde. Dabei ist zunächst an ein Kabinett der Mittelparteien gedacht, das auf die Unterstützung der Sozialdemokraten angewiesen wäre. Dr. Marx wird am Montag mit den FraltionSführern der D e u t - scheu Dolkspartei eine Aussprache darüber herbeisühren. ob die Deutsche Vollspartei die Voraussetzungen erfüllen will, die eine solche Unterstützung der Sozialdemokraten ermöglichen. Der Fraktronsvorstand der Deutschen Vollspartei wird am Montag nachmittag eine Sitzung ab- halten, und es steht zu erwarten, daß in dieser Sitzung die Entscheidung darüber fallen wird, ob die Deutsche Vollspartei sich an einem Kabinett der Mitte mit Anlehnung an die Sozialdemokraten oder unter Einbeziehung der Sozialdemokraten zu beteiligen beabsichtigt. Erst nach dieser Entscheidung wird Reichskanzler Dr. Marx mit den anderen Parteien der Mitte sowie mit den Sozialdemokraten und den Deutschnationalen in Verhandlungen treten. Die Fraktionsfitzung der Deutschen Dolkspartei findet erst am Mittwoch tatt, desgleichen die Fraktionssitzungen fast aller anderen Parteien, so dah. wenn überhaupt Dr. Marx die Kabinettsbildung gelingt, eine Entscheidung frühestens Ende der Woche zu erwarten sein dürfte.
Der »Montag" schreibt, er höre aus volksparteilichen Kreisen, daß die D e u t s ch e Volks- Partei es nicht ablehnen werde, in ein Kabinett unter der Leitung von Dr. Marx einzutreten, falls die Pläne von Dr. Marx in ihrer Gesamt- richtung den Wünschen der Dolkspartei entsprechen. die auf eine große bürgerliche Koalition oder auf ein Kabinett der Mitte unter Anlehnung nach rechts abzielen. Rach den bisherigen Besprechungen aber dürfte ein solches Kabinett der Mitte mit Anlehnung nach rechts an dem Widerspruch der Deutschnationalen scheitern, die die feste Bindung wollen. Diese wäre der Dolkspartei mindestens ebenso genehm oder noch lieber als die bloße wohlwollende Duldung. In der ,Mon- tagspost" heißt es: Für die Bildung einer Regierung der Mitte gibt es drei Möglichkeiten: 1. die reine Mitte. 5. h. eine Minderhcitsregre- rung von der Deutschen Dollspartei bis zu den Demokraten ohne Bindung gegenüber der Opposition: 2. die Regierung oer Mitte in loser Verbindung mit der Linken: 3. die Regierung ber Mitte in loser Verbindung mit der Rechtem Ruch dieses Blatt teilt mit, daß die Deutsche Dollspartei die Regierung der Mitte in loser Derb'.ndung mit der Rechten empfehlen werde.
Unbeschadet des Ausgangs der Kabinettsbildung wird der Reichstag am Mittwochnachmittag. 3 Uhr. zusammentreten und sich zunächst mit Heineren Dorlagen beschäftigen. Es handelt fich dabei um Dorlagen, die von geringer politischer Bedeutung sind und daher das Vorhandensein einer regierungsfähigen Koalition mcht unbedingt erfordern. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung stehen bre ersten Beratungen eines
Gesetzentwurfes über bie Regelung des Arbeiterverkehrs an ber beutsch-saarlänbifchen Grenze unb über eine Reichswohnungszählung.
Graf Westarp zur Regierungsbildung
Dcutschnationale Angcstelltcntagunq.
Berlin. 16. Jan. (TU.) Im preußischen ßanbtag fand heute bie 8. Reichsangestellten- tagung der Deutschnationalen Vollspartei statt, bie vom Vorsitzenden R ei chstagsab geordneten L a m b a ch eröffnet wurde, der betonte, bie gegenwärtige Regierungskrise sei auch von ben Deutschnationalen mit herbeigeführt worben, da Deutschland niemals zu gefestigten Zuständen kommen werbe, wenn nicht eine s e st e Mehrheit im Reichstag vorhanben sei. Die jetzige politische Lage fei auch gerabe für die Angestelltenschaft von ungeheuerer Bedeutung, da diese ihre Lebensnotwenbigkeit nur gegen die Sozialdemokratie durchsetzen könne. Gras Iß e ft a r p führte bann u. a. aus: In ber Deutschnationalen DollSpartei habe gerabe ber Gebanke der Volks- Partei mustergültige Durchbildung erfahren. DaS Zentrum stehe immer noch auf dem Standpunkt.
Berlin. 17. 3an. (TU.) Wie bie Worgen- blätter aus Peking melden, teilte die Pekinger Regierung dem englischen Gesandten mit, sie werde, wenn England auf die Konzession in Han kau verzichte, dies als einen staatsrechtlichen Schritt von weittragender Bedeutung bewerten. England müsse alsdann umgehende Verhandlungen über bie Auslieferung seiner Konzes, ronsgebiete an China beginnen. Insbesonbere fordert Peking sofortige Rückgabe des englischen Flottenstützpunktes Weiheiwei, die Englanb bereits in ber Washingtoner Konferenz zugesagt habe. Die englischen Derhanblun- gen um Hankau werben durch bie Pekinger Demarche wesentlich erschwert. Außer ben britischen Kaufleuten, bie ihre Geschäfte im Stich lassen mußten, sinb auch viele Hunderte von Missionaren aus dem Innern Chinas nach der Küste unterwegs. Sie waren gezwungen, die Schulen unb Krankeichäuser, bie von ben Chinesen für militärische Zwecke beschlagnahmt wurden, unb die Kirchen, bie durch christenfeindliche Pöbelhausen entweiht wurden, zu verlassen unb mußten tatsächliche Beleidigungen und unwürdige Behandlung über sich ergehen lassen. Insolgedessen ist in der vergangenen Woche ein entschieden ungünstiger Wechsel in b er Haltung ber Chinesen unb m einzelnen Fällen auch ber Japaner gegenüber ben Engländern eingetreten. Die Aen- berung kommt darin zum Ausdruck, daß die Engländer geradezu mit Verachtung behandelt werden.
Äabinettsfitzung in London.
London, 17. Jan. (WTB) Der Staatssekretär, des Aeußern Chamberlain, der feine Absicht, den Sonntag auf dem Lande zu verbringen, mit Rücksicht auf die Lage in China auf gegeben hatte, be- iand sich gestern einige Zeit auf dem Forign Office. Er hatte ene längere Unterredung mit dem ständigen Unterstaatssekretär William Tyrell und mit Sir Viktor Wellesley, einem Diplomaten, der besonders genaue Kenntnisse oon der chinesischen Lage besitzt. In einer für heute einberufenen Sondersitzung des Kabinetts wird Chamber- Iain einen weiteren Bericht über China vorlegen. Premierminister Baldwin wird sich so zeitig nach London begeben, daß er vor der Sitzung eine Konferenz mit Chamberlain abhalten kann. Gestern abend wurde in London erflärt, der Plan, ein Kreuzergeschwader nach China zu entsenden, bezwecke, die dortigen britischen Staatsangehörigen zu beruhigen und, wenn nötig, ihre Inter- esicn zu schützen. Die Besprechungen zwischen den Mächten in Schanghai,, die darauf abzielen, ähnliche I Zwischenfälle wie den oon Hankau zu verhindern, I
sozialpolitische Gesetze müßten mit ber Sozialdemokratie gemacht werben. 3m Interesse deS Lanbes sei eine solche Politll nicht mehr möglich. Gr habe auch ben übrigen Parteien keinen Zweifel gelassen, baß bie Deutsch- nationalen sich auch in Zukunst nicht dazu mißbrauchen lassen würben, die Schaffung sozialpolitischer Gesetze zusammen mit ber Sozialdemokratie zu ermöglichen. Diese Dinge müßten m i t den Deutschnationalen geregelt wecdcn. ES gelte, das Zentrum von der Sozialdemokratie loszulösen. Unter dem Druck des DaweZgesetzes sei allerdings eine durchgreifende sozial.' Hilfe nicht möglich. Ein sozialer Aufstieg werde nur dann möglich fein, wenn bas, was im Lande verbraucht werde, auch dort produziert werde. Die Sozialdemokratie denke antisozial, indem sie daS Volk in zwei einander bekämpf en de Klassen trenne. Rach längerer Debatte sand eine Entschließung einstimmige Annahme, in der der beutschnationalen Reichstagsfraktion de Erwartung ausgesprochen wird, baß sie sich jedem Versuch, erneut eine MinderheitSregierung ins Geben zu rufen, widersehe unb jede Regierung, die sich nicht aus eine feste Mehrheit mit Einschluß be rD e ut s chn a 1 i 0 n a l e n stutze, mit allen parlamentarischen Mitteln bekämpfe.
gehen, wie erklätt roirt), „in normaler Weise" von- statten.
Die Haltung Japans.
London, 17. Januar. (WTB. Funkspruch.) „Dolly Telegraph" meldet aus Tokio, durch eine Indiskretion ist ein Teil der Rede, die der Minister des Aeußern am Dienstag bei der Wiedereröffnung des Parlaments halten will, der Oeffentlichkeit voreilig bekanntgeworden. Danach wird die japanische Regierung erklären, daß sie neutrale Haltung gegenüber den Ereignissen in China einzunehmen gedenke, aber zugleich die Absicht bekun-den, Leben und Interessen der japanischen Bewohner Chinas wahren zu wollen. Weiter wird angeblich Japans Sympathie mit den nationalen *Bc- ftrebungen des chinesischen Volkes ;um Ausdruck gebracht und erklärt werden, daß Japan über einen neuen Vertrag separat mit den vorhandenen Behörden verhandeln will, um dem Verlangen der Chinesen nach Revision einstiger Verträge entgegenzukommen. Ferner heißt es angeblich in der Rede, die gegenwärtige Lage rechtfertige nicht eine gemeinsame Aktion der Mächte bezüglich der chinesischen Forderun- gen nach Wiederherstellung der Autonomie und der Kontrolle über die Niederlastungen. Alle diese For- denmgen könnten in den neuen Verträgen geregelt werden, über die mit China zu verhandeln Japan bereit fei.
Die Lage in Nicaragua.
Neuhork. 15. Jan. (TU.) Der liberale Prä ident Sacafa hat bie Erklärung abgegeben, daß er trotz ber Blockabe unb ber militärischen Besetzung Ricaraguas bis zum letzten Augenblick auf feinem verfassungsmäßigen Posten auifa.ten werde. Damit bürste ber Dermitttungsvorschlog Costarteas er lebig t sein, obgleich nach Melbungen aus Washington die amerikanische Regierung an sich bereit sei, auf ihn einzugehen, aber als Voraussetzung ben Verzicht beider Präsidenten Sacafa unb Diaz verlange. Daraus sollten bann Neuwahlen ftattfinben unb Washington würbe ben neuen Prä'identen anerkennen. D e amerikanische Regierung hofft offenbar, biete Reuwahlen unter Besatzungsdruck ihrer Truppen in ihrem Sinne SU entscheiden. Präsident Sacafa will sich in einem Aufruf an alle lateinamerikanische Staaten wenden unb sie um militärische Unterstützung gegen die nordamerikanifchen Eindringlinge ersuchen. Unter ben in Mexiko ansässigen norb« ameritanischen Kaufleuten herrscht grobe Beunruhigung wegen ber Möglichkeit eines lateinamerikanischen Boykotts gegen amerikanische Waren. Der soeben eingetragene neue Gesandte ber Diaz-Regierung würbe, als er die Washingtoner Gesandichaftsräume Riraraguas bezie'en wollte, von dem Gesanbten ber Sacasa-Regie-
Chinas Forderungen.
Rückgabe der britischen Konzesfionsgebiete.


